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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-16 · Heft 1649 (16.9.1923) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1649 (16.9.1923)
Date
1923-09-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1649 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung. 16. September 1923 Seite 7 * Ein jüdischer Kulturklub in New-Aork. Vor eimacn Monaten wurde in New-Pork, wie uns von dort berichtet wird, ein jüdischer Kulturklub zur Förderung der jüdischen Volkssprache gegründet. Dieser Klub hat nimmchr sein Arbeitsgebiet wie folgt festgesetzt: 1. Schaffung eines kulturellen Zentrums für alle jene, die ihre geistigen Bedürfnisse in jüdischer Sprache zu befriedigen wünschen. Bon Zeit zu Zeit werden Mitgliedsversammlungen veranstaltet, in welchen ein Rückblick über die in der abgelaufenen Periode erschienenen Werke jüdischer Kultur geboten werden soll. 2. Errichtung einer Agentur zur Verbreitung der besten Bücher in jüdischer Sprache zu möglichst billigen Preisen. 3. Errichtung von jüdischen Wanderbibliotheken. 4. Vorbereitung eines systematischen Katalogs über alle erschienenen besseren Publikationen in jüdischer Sprache. 5. Aufmunterung zu Veröffentlichungen besserer Bücher in der jüdischen Volkssprache sowie zur U e b e rsehung der besten Werke aus anderen Sprachen ins Indische. 6. Schaffung von Preisen behufs Förderung jüdisch-kultureller Schöpfungen auf allen Gebieten der menschlichen Kultur. 7. Förderung und Unterstützung wichtiger kultureller Unternehmungen in jüdischer Sprache und schliesslich Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die ähnliche Zwecke verfolgen. Der jüdische Kulturklub schließt jede politische Betätigung aus. * Wann kommt das Ende der Welt? Für die Anhänger der brahmanischen Religion ist der Tempel zu Benares das höchste Heiligtum, gewissermaßen der Mittelpunkt der Erde. Dort, mitten unter der Kuppel des Tempels, bezeichnet eine eigentümliche Pyramide den „Nabel der Welt". Diche Pyramide soll Brahma selbst ausgestellt und seine Priester zugleich mit der Ausgabe betraut haben, diese Pyramide nach gewissen heiligen Grundsätzen abznbanen; sobald diese Pyramide ubgebaut sei, werde das Ende der Welt kommen. Diese Pyramide und die mit ihr verknüpfte Aufgabe ist eines der mathematischen Wunder der Welt. Sie besteht nur aus 64 kleinen, dünnen und runden Goldscheibchen, von denen jedes etwas kleiner ist als das andere. Die ganze Pyramide ist nicht viel größer als ein Fingerhnt. Aber trotz dieser Kleinheit ist cs den Priestern, die nun schon mehrere tausend Jahre an dieser Aufgabe arbeiten, noch nicht im entferntesten gelungen, deuc Ziele nahe zu kommen. Es besteht auch keine Aussicht, das; das in absehbarer Zeit geischchcn könnte. Denn Brahma hat für die Lösung dieser so leicht erscheinenden Aufgabe ganz bestimmte Vorschriften erlassen und folgendes geboten: Die Pyramide aus diesen 64 kleinen, in der Mitte durchbohrten und auf eine Nadel gesteckten Blättchen ist unter Benützung zweier weiterer Nadeln in folgender Weise abzubaueu- Bon der einen Nadel, auf der die Goldblättchen in von oben nach unten zunehmender Größe aufgereiht liegen, sind diese auf die beiden noch leeretl Nadeln zu überführen. Und das muß so erfolgen, daß immer nur ein Scheibchen abgenommen wird und entweder auf eine ganz freie Nadel oder auf ein größeres Scheibchen gebracht lvird. Zur Vollendung die,es Abbaues sind nicht weniger als 20,293,775,907,454.375 Uebertragungen notwendig. Wenn nun die Priester für jede einzelne Üebertragung nur fünf Sekunden brauchen würden, und das seht eine große Handfertigkeit voraus, so wären täglich 17,280 Uebertragungen möglich, aljjo in einem Jahre 6,307,200 Uebertragungen. Für die Durchführung der Aufgabe ist also ein Zeitraum von 3-217,395,650,174 Jahren erforderlich, von denen bisher nur ein verschwindend geringer Teil verflösset: ist. Wir brauchen «Ifo noch keine 'Angst vor dem Weltuntergang zu haben. Und auch die Urenkel unserer Urenkel noch md)t. Austritte aus dem Judentum. Neu Ignaz, geb. 20. Juni 1895, Alsoszölnök, Handlungsgehilfe, 16. Bez., Hafnergaffe 93. Popper Viktor, geb. 19. Oktober 1862, Hostaun, Ingenieur, 1. Bez., Gonzagagasse 19. Rosenberg Siegfried, geb. 16. Dia: 1875, Casiel, Industrieller, 1. Bez., Giselastraße 9. N o f e n f e l d Moritz,' geb. 5. Jänner 1889, Kolonien. Langer Jobanna geb. Kellner, geb. 10. Fehrnar 1875, Wien, 3. Bez., Landstraße Hauptstraße Nr. 141. Hofs er Rudolf, geb. 15. November 1882. ZPien, Kaufmann, 8. Bez., Alserstraste 33. B e r a n Josef, geb. 3. Juli 1897, Wien, Bahnbediensteter, 1. Bez., Sonnenfelsgasse 15. Schick Otto, geb. 17. Mai 1898, Wien, 2. Bez., Schreigasse 12. B a u m a n n Edugrd Rudolf, geb. 18. Juli 1898, Wien, Hochschüler, 1. Bez., Goldschmiedgasse 5. Wiesenfeld Artur, geb. 6. Marz 1899, Wien, Expedient, 2. Bez., Arnezhoferstraße 3. M o u n i e r Josefine geb. K o b n, geb. 24. September 1892, Wien, Verkäuferin, 18. Bez., Edelhofgaste 13. E l tz h o l z Karl, geb. 19. November 1890, Wien, Mechaniker, 10. Bez., Siccardsburggasse 73. M a y e r Ernst Ludwig, geb. 23. Mai 1903, Wien, Beamter, 10. Bez.. Erlachgasse 95. M o u n i e r Karl, geb. 14. Oktober 1883, Graz, Angestellter, 18. Edelhofgaste 13. (Nack folgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) Großer TomMr-RSummgsverlauf bet Brüder Schiffmann. Infolge Renovierung gelangen im Kaufhaus Brüder ch i f f m a u.n, 2. Bez., T a b o r st r a ß e 48, Waschwaren, Damen- und Herrenwäsche, ferner Leinenwaren, Bettwäsche, Regenmäntel sowie original englische Stoffe für Tarnen und Herren in enormer Auswahl zu unerreicht billigen Preisert zunr Verkauf. 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Spezielle Einladungen ergehen nicht. Erscheinen Pflicht! — Gesellschaft der Freunde (Quäker), Wien, I., Burg, Michaelertrakt, Feststiege, 1. Stock (Frauenliga), frei zugänglicher Montag - Vortrag, 7a 7 Uhr abends. Sprechen wird Dr. Emanuel Sprecher über „Die historische Entwicklung des Buddhismus bis zur Gegenwart". Jedermann herzlich willkommen! — Jüdische Volksbibliothek Zion. Heute, 10 Uhr vormittags, dringende Ausschußsitzung'. — Zionistische Sektion Landstraße. Heute, 11 Uhr vormittags, Ausschußsitzung, Cafe Ilion, Hl., Löwengasse 39. Urania. Heute: 7a3 Uhr (Großer Saa) r Das schöne Land Salzburg. — 7-3 Uhr (Kleiner Saal): Der Großglockner und sein Gebiet. — 7,5 Uhr (Kleiner Saal): Opernfragmente: l. Lohengrin. — 5 Uhr (Großer Saal): Nordland. — 7-3 Uhr (Großer Saal): Aus der Glanzzeit der heiteren Wiener Musik. — 7-8 Uhr (Kleiner Saal): Vorlesung Direktor Karl Jäger. — 7-8 Uhr (Kurssaal): Rudolf N e n n i n g : Die Chemie im Weltkrieg. 1. — 7-8 Uhr (Klubsaal): Therese Lindenberg: Volkslieder. Leop oldst ädi er Volks'he im, 2. Bez.. Zivkusgasse 48. Montag den 17. d., Beginn folgender Kurse: 7 vis 8 Uhr: Josefin-e Spitzer, Englisch 2: 8 bis 9 Uhr: Jasefme Spitzer, Englisch 1 für Anfänger: Gina Schreiber. EuMch 1 für Anfänger (Parallelkurs); Englisch 3. Eiuschreihungen und Programme täglich von 6 bis 9 Uhr abends in den Kanzleien. _ Jüdische Schulnachrichten. Hebräische Sprachkurse in der israelitischen Kultus a e m ein de. Die bereits seit zwei Jahren bestehenden, von der israelitischen Kulinsgemeinde erhaltenen hebräischen Kurse, 20. Bez., Othmargasse 46, werden durch je eine Abteilung für Knaben und Mädchen der Bürgerschule erweitert. Ausgenommen werden Schüler und Schülerinnen von der ersten bis dritten Bürgerschulklasse, welche zumindest korrekt hebräisch lesen und einen fruchtbaren hebräischen Unterricht ermöglichen. Die Ausnahme der Schüler(innrn) findet täglich (Samstag und Feiertage uusgeuommen) von 5 bis 6 Uhr nachmittags in der Schule. 20. Bez.. Othmargasse 46, statt. Der Unterricht sst unentgeltlich. — Der Unterricht in den vereinigten hebräischen Schulen, 2. Bez., Große Möhrengasse 16—22, sowie in der hebräischen Schule, 20. Bez., Othmargasse 46, hat bereits begonnen. Weitere Einschreibungen 'für Ansäuger und Vorgeschrittene, Kinder und Erwachsene täglich von 4 bis 7 Uhr nachmittags, an Sonntagen von 9 bis 12 Uhr vormittags an den genannten Orten. . Bühne und Kunst. „An Märchen ans Florenz." (Erstaufführung im I o h a n n S t r a u ß - T h e a t e r.) In der „Madame Pompadour" begegnet die Marquise inkognito den: Volksdichter Ca'lioot, der Schmältzverse aus sie gemacht hat, und gewährt ihm, statt ihn zu strafen, ihre Liebe und den Zutritt zu ihren, Schlaf,gemach, im „Märchen ans Florenz" heißt die Fürstin Catarina von Medici, der Spottdichter ist der Maler Felice d'Andrade, in: übrigen ist die Geschichte ganz die gleiche. Haben dort zwei Textdichter mitgearbeitet, so haben hier gleich drei Köche — Ralph Benatzky, Oskar F r iedm a n n und Toni S chw a n a n — die Suppe gründlich versalzen. Sie haben sittlich mil Salz und Pfeffer nicht gespart: In diesem Märchen für Erwachsene werden ein Ehebruch und sogar eine Brantnacht in ziemlich eindentigewSymbolen vorgeführt, es fehlt die Milch der frommen Denkungsart, dafür lernt man die Milch der heiligen Mortadella kennen, die jede Ehebiegung durch Farbwechsel anzeigt, auch Kamillentee und der Duft des L'origon spielen eine Rolle in diesem Renaissancestück ans dem Jahre 1540, dessen Milieuschilderung durch holperige Conpletverse über den Fußball« spart, den Hochsträhl'brnnnen und die Steuerpolitik des Stadtrates Breit-ner eine liebevolle Ergänzung erfährt. „O du >nein Märchen von Florenz" r trst Fel io.' angesichts seiner als Modell verkleideten Schönen aus, und wir mil ihm angesichts solchen Opentttemlnsinns. Die Musik von Ralph Benatzky, mitunter schmissig und Parodistisch, dann wieder sentimental, bald intim, bald opernmäßig ausgebanscht, hat keinen rechten Einsall, Wohl aber viele kleine Einfälle, nette, mitunter konventionelle Nummern, Wie das Spottlied auf Catarina, der hübsche Walzer von der Liaison, die Kanzone von der schotten Italienerin oder das Terzett von der Liebe. Anspruchsvoller gebärdet sich das amerikanische Duett mit seinem exotischen Einschlag und der Verlobungsmarsch mit der Wucht seiner Alda-Trompelcn. Attch sonst bemüht sich Benatzky tun lebendige Instrumentation, mit Vorliebe ve iw endet er das Xylophon und mit Laune imitiert er eine Spieldose. Die von Artur Guttmann besorgte Inszenierung zeigt im Maleratelier und im Medicäer-Palast, der von einer aufdringlichen Claque überlaut begrüßt wurde, hübsche Interieurs, es fehlt auch nicht an der üblichen Schaustellung prächtiger Kostüme, die, obwohl unecht, noch das echteste waren an dieser „R-enaissanw", um die sich auch die Schauspieler blutwenig kümmerten. Herr Bach mann spielte den Maler als lieben und verliebten Wiener Jungen, Herr K ö n i g stellte in seiner urwüchsigen Komik einen richtigen Wiener Hanswurst auf der Bühne, Gisa Kolbe schwang mit Wiener Leichtigkeit das Tanzbein und Herr Br ob fand sich mit seiner undankbaren Rolle humorvoll ab. Die neue Opeoeitendiva ErZsi Pechy, eine rassige Ungarin, welche die 'deutsche Sprache noch nicht ganz beherrscht, besitzt ganz bedeutendes Spieltalent und eine hübsche, in der Höhe freilich scharfe Stimme. Sie wurde gleich den übrigen Darstellern, den Textdichtern und dem Tondichter mit reichem Beifall ausgezeichnet. flb. Neue Wiener Bühne. Gastspiel Else Lehmann und Hugo Thimig. Eine merkwürdige Reprise des „Biberpelz". Ausgezeich-. neic Einzelleistungen, darunter einige, die -denen der illustren Gäste nicht nachstanden — und doch eine minderwertige, „zerronnene" Aufführung der schon klassisch gewordenen Diebskomödie Hanptmanns. Else Lehmanns Waschfrau Wolfs so anßerordenb sich, wie sie es damals war, als die große Frau in der nämlichen Rolle an der nämlichen Bühne gastierte. Hugo Thimigs Rentier Kvüger so vollfaftig, so bezwingend humorvoll, eaß das Publikum auf offener Szene minutenlang Beifall klatschte und jubelte. A >d r i e n n e Geßners Adelheid wirkte wie ein Sensationsdcbüt. Mit Grund hat Frau Lehmann die jüngere Kollegin nach den Aktschlüssen immer wieder mit aus das Podium geibracht und sie an den Ehrungen teilnehtnen lassen. Es war eine ganz große künstlerische Leistung. Auch sonst — Vom Wchrhahn des Herrn Archer abgesehen, der seiner Aufgabe diesmal nicht gewachsen war — alles gut, manches vortrefflich. Der Amtsschreiber, von Herrn Lovric mit einigen Strichen als erschütternd heitere Charaktergestalt gekemtzetch« net (köstlichste Mischung von Unterwürfigleit und Frechheit), Herr Forest insbesondere im stummen Spiel des Schlußaktes zirm Schreien komisch, Frau F r a e d r i ch in der kurzen Episodenrolle der Frau Motes ganz hervorragend. Und doch mißlang „Der Biberpelz". Von manchem szenischen Unglück abgesehen, fehlte die Steigerung bis zu jener ergötzlichsten aller Schlußszenen, da der Herr Amtsvorsteher feine Unfähigkeit und bodenlose Dummheit herrlich erweist, strahlend in Machtvollkommenheit „amtshandelr" und nicht ahnt, wie sehr er den liebenswürdigen Gaunern zum G'.'spött geworden ist. Es kam, wie es bei jeder mißglückten Biberpelz- Aufführung kommen muß: Die Leute wußten nicht, daß Schluß ist. O. A. ein großer Richard Strauß-Fest. Im nächsten Jahre wird die musikalische Welt des 60. Geburtstag Richard Strauß' feiern. Die Direktion der S t a a t s o P e r und die Gesel lschaft der Musikfreunde in Wien werden aus diesem Anlasse ein großes Richard Straitß-Fest von internationalem Charakter in Wien veranstalieii, an dem sich voraussichtlich auch der Verein Wiener Philharmoniker beteiligen wird. Die Feier wird in einer zyklischen A u f f ü h> rung aller dramatischen und s y m p h o n i s ch e tt Werke des Meisters, sowie in einer Auslese ans seinem lyrischen Schaffen bestehen. Als Zeitpunkt ist die erste Hälfte Mai in Aussicht genommen. MNor Rakofi gestorben. Aus Budapest wir,., gemeldet: Der Schriftsteller Viktor Rakvsi, der als Humorist urü> Romane-er einen hervorragenden Platz in der ungarischen Literatur eingenommen hat, ist heute nach langer Krankheit im 63. Lebensjahre gestorben. 1 i ie im Laufe des Jahres h,, p »."''-rFSW Surfte?, rU» inDameit'Und Hemnstoffan werden Qm joden Preis TDCHHAHSzni* HIRSCHEN II. Taborstr. 17 b 1. Adlernasse 5

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