Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1649 (16.9.1923)
- Date
- 1923-09-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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©cffe U' Men. Vönnkäg Mienev MorgenzefWnH. 56. September 1923 Mische Wähler und Wählerinnen rellamiert Euer Wahlrecht! Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die am 1. Jänner 1923 das 20. ÄebonKjahr erreicht haben, sind wahlberechtigt-^ IN der Hausttste, welche in jedem Hausflur angebracht sein muß, sind die bereits in die Wählerlisten Ausgenonrmonen ersichtlich. Wahlberechtigte, welche in dieser Ha u N i ste nicht enthalten sind, melden sich unter Mitbringung ihrer und ihrer Angehörigen Dokumente (.Heimatschein, Geburtsschein, Meldeschein, Paß, Arbeitsbuch usw.) in einem der Reklamationslokale: t Bez., Mesingerstratze 11, 2. Bez., Taborstraße 1 („Wiener Morgenzeitung^, 2. Bez., Taborstratze 2V a, 2. Bez., Zirkusgasse 33, 2. Bez., Prater, Stuwerstratze 1 (Cafe Winkler), 9. Bez., Liechtensteinstratze 11, 1. Zionist. Bez.« Sektion, täglich vo« 6 bis 8 Uhr abends für den 9., 1«. und 19. Bezirk, 20. Bq., Karl Meitzlstratze 5. Reklamatton kostenlos! Täglich von 9 bis 12 nnd von 2 bis 6 Uhr. Sonntag von 9 bis 12 Uhr. Tie Wahllisten liegen im Lokale, 1. Bez., Wiesinger st ratze 11, täglich bis 9 Uhr abends zur Einsicht aus. Zesterreich. Die Wahlbewegung. Tie Sozialdemokralen und du Geoübeutschrn haben sich flth ber Bcrösscntlichung ihrer Kanwdalenliistcn beeilt. DK. Sozialdemokraten geben vorerst nur die N a t i o n a l r a t srandidsten bekannt. Im großen und ganzen werden wiederum die bisherigen Abgeordneten ausgestellt, im ersten Wiener Wahlkreis als Listenführer Dr. Bauer, im zweiten Abgeordneter L e u t h n e r, im dritten Abgeordneter Glöckel, int vierten Präsident Seih, nn fünften Abgeordneter Widholz, im sechsten Abgeordneter F o r st n c r, im siebenten Abgeordneter Sever. Bis aus Frau Schlesinger, an deren Stelle im zweiten Wahlkreis Bundesrat Tr. Har: nt a n n kandidiert, finden sich sämtliche bekanntere Führer der Partei wieder auf der Liste, so die-Abgeordttcten- A l l i n a, Tr. Ellenbogen, Tr. Deut f ch, Friedrich Austerlitz, Karl Pick sowie die Frauen Freundlich, Bösche? und Popp. An neuen Namen tauchen in der Wcchlwerberliste aus: der gewesene Präsident der Staatstheater Scktion-ches Dr fetter und der Ministerialrat im Finanzmi-nisterium Dr. Josef P ü r e g e r. Im fünficu Wahlkreis kandidiert Tr. Friedrich Adler, obwohl er als Sekretär der Zweiten Internationale nach London übe> siedelt ist. Er ist offenbar Platzhalter für den nächsten Kandidaten in der Liste, den Bezirksvorst her von Margareten Diktor Stein, der das seither eingcgangene zentralistische Tagblatt der tschechischen Sozialdemokraten in Wien redigiert hat. Auch die Tochter des Bürgermeisters Reumann, Frau 0» r ü u w a l d, erscheint als Kandidatin auf der Liste des sechsten Wahlkreises. Tas W a h l ü b e r e i n k o m m e n z w i f ch e n den & roßdcutsche u n n d d e n: L an d b u n d hat sich nunmehr auch in Steiermark zerschlagen und der Landbund wird nunmehr in S t e i e r m a r k, Salzburg und Vorarlberg mit selb st ä n d i g e n Li st e n den Wahlkampf bestreiten. Tie Groüdettifchen kandidieren im Wiener, im niederöftcrrcichischen und im westliche'.: Wahlkreisverband unter dem Flamen Verband der Großdetttichen und des Landbundes. Int südlichen Wahlkreisverband (Steiermark, Kärnten, Burgenland) ist dieses gemeinsame Vorgehen wegen der Einheitsliste der nichtmarristischen Parteien in Kärnten und wegen des Sonderstandpunktes des steirischen Landbundes unmöglich geworden, es müssen deshalb in Sieievmark und wahrscheinlich auch im Burgenlan-d eigene g r o ß d c u t s ch c Listen onjfgestellt werden. Für Wien kandidieren die Großdeutfchrn als Listensührcr im ersten Wahlkreis ihren Parteio'bmann Kandl, im zweiten den Vizekanzler Tr. Frank, im dritten Dr. Waber, im vierten den Apotheker Tr. Frey, im fünften den Nationalrat L a ck u c r, im sechsten den Bahnbeamten Ertl und im siebenten die Nationalrätin Stradal. In Niederösterreich kandidieren unter anderem wieder Doktor U r s i n, Minister Dr. Schür f f, Prof. Dr. Zeidler und in Linz Dr. Dinghofer. Seipel nach Warschau abgereist. BundestauHler Seipel ist gestern samt dem Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Grünberger, den Sektionschcfs Dr. Peter und Dr. Schüller sowie dom Gesandten I u n k a r itach Warschau abgereist und wird Domrcrstaa.früb. wieder m 3Btert. eiutretfeiu Nr. 16» - .. Militärputsch in Spanien. Ein Direktorium. Paris, 15. September. In Spanien wird ein Direktorium errichtet. General Martinez Amid o, die rechte Hand Riberas, erklärt einem Berichterstatter des „Journal", es handle sich um größeres als nur um dasMaroMpvoblem, es handle sich um die nationale Wiedergeburt. Spanien befinde sich in eitler Krise der Anarchie. Alle Konservativen und Liberalen seien Berufspolitiker, die mit den extremen Gruppen paktieren, um die Macht zu behalten. Dieser Anarchie gegenüber sei eine eiserne Hand (!) notwendig. Belagerungszustand in Madrid. Madrid, 15. September. Hier ist der Belagerungs« zu stand verkündet -worden. Die Hauptstadt ist gegenwär- Me neue Verwaltung der Bundesbahnen. Der Ministerrat hat in seiner letzten Sitzung beit Generaldirektor Dr. Ing. Georg Günther zum Präsiden len der Verwaltnngskommission der Bundesbahnen berufen sowie zu Mitglievertt der Verwalinngskommission folgende Herren bestellt: Dr. Karl Banhans, Minister a. D.; Ing. Bruno E n d e r e s, Sektionschef; Dr. Max F r e i h e i m, Prokurist der steirischen Montanwerke; Dr. Ing. Heinrich Goldemund, Stadtbaudirektor i. P.; Ludwig H int ersch w e iger, Kommerzialrat; Franz Klien, Oberinspektor der österreichischen Bundesbahnen; Emil Mühlbacher, Direktor der Bleiberger Bergwerks-Union; Dr. Peter Pfaus!er, Präsident des Tiroler Lanoeskntturrates; Dr. Ing. Franz Quidcnus, Präsident der Kamnter für Handel, Gewerbe und Industrie; Hans Richter, Inspektor der österreichischen Bundesbahnen; Dr. Franz Schonka, Präsident der Donau-Dampfschisfahrtsgesellschast; Johann Smcjkal, Lokomotiosührcrofsizial. Die Bundesbahnverwaltung verlautbart das definitive Betriebsergebnis für das erste Ouartal 1923, aus dem zu ersehen ist, daß das faktische Defizit in diesem Zeitrartut um NI,6 Milliarde, Kronen geringer ist. als cs veranschlagt wurde. £fMQ*6!oMet. Airslandsbesuche Masarytr. Prag, 15. September. Wie in hiesigst informierten Kreisen verlautet, wird Außenminister Dr. B e n e s ch am ) 21. d. ans Genf nach Prag zurückkehren.! Präsident Masaryk wird sich am 10. Oktober j in Begleitung?;■. Benes ch' nach Paris und London begeben. Mgam. KaLay stber die Genfer Verhandlungen. Budapest, 15. September. Finanz.'ninifter Dr. Kallay, der heute, früh ans Gens hier eingetrosfen ist, erklärte dem Vertreter des Ung. Tel.-Korr.-Bur.: Tie Anleihefraae ist wegen ihres Zusammenhanges mit den Reparationen sehr kompliziert. Es ist natürlich, das; unter den gegebenen Verhältnissen die Anleihe ohne Kontrolle nicht realisiert werden kann. Tie Bedingungen müssen es einerseits ermöglichen, daß die Anleihe ans dem englischen und amerikanischen Markte tatsächlich realisiert werden könne, andererseits aber das versassungsmäßige Leben und die Selbständigkeit Ungarns nicht beeinträchtigt werdet. Der Minister hasse, daß bis zu der voraiissichllich im Dezember abznhaltenden nächsten Tagung des Völrcrbnndcs die Frage der Rekonstruktionsanleihe vollständig geklärt sein lverde. Vorläufig seien die Tinge noch nicht so weit gediehen, daß hon einer Emission oder von Verhandlungen mit Bankiers die Rede sein könne. Die tingarische Regierung werde trachten, die gü'.tstigere Atmosphäre, die seit dem Frühjahr mit der großen Entente nnd nach den Genfer Besprechungen mit der kleinen Entente sich 'herausgebildet habe, zu einer dauernden zu gestalten. Minister Dr. Benes ch habe ihn auch seinerseits zu der Erklärtmg ermächtigt, daß seiner Ueberzenattng nach die strittigen Fragen in einiger Zeit geklärt werdet! könnten. Wechsel im FinauWinisterinm. Budapest, 15. September. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Nach einer vom heutigen „O m k e" gebrachten Meldung wird Finanzminister 5kallay zmn bevollmächtigten Minister für die R e pa ra t i o n s frage ernannt werden. Als sein Nachfolger für das Finauzpoäeifeuille ist Dr. Desider H o raus z k y ausersehen. Hock und Lovaszy schuldig erklärt. Budapest, 15. September.' (Ung. Tel.-Korr.-Bnr.) Der Bndapester Strafgerichtshof hat heute die, im Auslande weilenden führenden Persönlichkeiten der ^Oktoberrevolution Johann Hock und Dr. Martin Lovaszy wegen mehrerer in amerikanischen Blättern erschienenen Artikel des Vergehens gegen das Ansehen der ungarischen Nation und des ungarischen Staates schuldig gesprochen. Ein Strafausmaß konnte im Sinne des Gesetzes nicht festgesetzt werden, da die Angeklagten zur Verhandlung nicht erschienen waren. Ein Antrag des Staatsanwalts, das Vermögen, der Verurteilten zu konfiszieren, wurde abgelehnt. Zuschriften au die Redaktion sowie unverlangt einlangsnöen Manuskripten wolle man stets Aürkporte beilegen, da sonst eine DearUwortuna. veLisbnnasmeise RliclU-ndung nie»»* erk-kaen tig rllhig. Aus der Provinz werden keine Zwischenfälle gs eldet. Der provisorische Präsident des DirEorimnS, <3&. neval Muuez Cobo, hat den geivesenen Pvlizeidire-ktor D ( P ri ego zum einstweiligen Minister des Innern ernaun-t Der Ausstartid in B i lb a o ist bovgelegt. Ankunft Riveras in Madvid. Madrid, 15. September. Primo de Rivera ist Ijicr eingetroffen und wurde von den meisten Generalen und Offü zieren der Garniforl empfangen. Angeblich soll der bisherige Jnstizminister Graf R » manones morgen hier eintreffen. Auf der Durchreist durch Sau Sebastiari erklärte er, er glaube, daß es nutet den gegenwärtigen Verhältnissen seine Psticht sei, dort zr sein, wo der König sei. PoLm. Außenpolitische Zensuren? Warschau, 15. September. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung-^ Die oppositionelle Zeitung „Glos opozyeyi" bringt intcressante Mitteilungen über die letzte geheime Pressekonferenz im Außcnmittisterium. Auf dieser Presse-Konfe, renz, zu der nur Vertreter voit Zcituttgen der Regic-rungs- Parteien cirtgeladen wurdett, äußerte sich der A u ß c nminister Seyda über die Beziehungen Polens zu den verschiedenen Mächten. Bezüglich der polnisch-italienischen Beziehnngeu erklärte er, das; sich diese in letzter Zeit bedeutend gebessert haben, obzwar der italiettsiche Gefandte ir> Warschau Pokert nicht gut gesinnt sei und die Idoale seine, Regierung nicht entsprechend verkörpere, tveil er Jude sei. Im weiteren Verlaufe seiner Rode erklärte der Außenminister, daß er von den allzu häut'gen Besuchen dieses Gesandten gelangtveilt werde. (Die Nachricht, tvelche das regierungsseindliche Orgar. bringt, klingt geradezu unglaublich; sollte sie wahr sein, st entspräche sie zwar dem Geiste der Ranottaldemokraiie, wär-c aber zugleich ein so grober politischer Fehler, das; er leicht wieder einmal ztt einer außenpolitischetr Blamage sichrer könnte. Denn der Numerus clausus ist, wie ja dieselbe Nationaldemokratie behauptet, eine innere Angelegenheit Polens, Ter Versuch, ihn auf die Diplomatie des Auslandes anplmenden, könnte ztl peinlichen Zwischenfällen führen.) Wechsel im Nsenbah«mir>isterium. Warschau, 15. September. Eisenbahuntinister Karl ins ki ist zurück getreten. Zu seinem Nachfolger ist der Präsident der Eisenbahndirektion in Kattowitz, Ll o s s o w i c z, ernannt worden. Die jüdischen Soldaten und die Feiertage. Aus Warschau meldet mau uns: Anläßlich des Neri jahrfestes wurden in den lautete, das; uran den Inden zun, Gottesdienste srei geben befreit. Der diesbezügliche Befehl des Kricgsministerit'ms lautete, das; man den Juden zum Gottesdienst frei geben Knne, falls die militärischen Dienstleistungen davttnter nicht leiden. Dieser Bcfehl wurde nun dähi-n gedeutet, daß die jüdischen Soldaten au diesen Tagcit mit Nücksicht auf den militärischeu Dienst nicht befreit werden köuueu. Ter Jüdische Klub ' 'wird gegen diesen Vorgang eine Interpellation an den Kriegsminister richten. BsLWm. 18.ZW Psrmd für das Mcheaberg-Prossü. Ikvw-Bork, 11. September. (I. C. B.) Der Kassier des amerilanischen Keren Hajessod, Mr. Hermann Cot: he im, teilt mit, daß neuerlich 12.500 Pfund für das RuthenberA- Projekt überwiesen worden sind. Der Kcveu'Hajessod hat bisher 25.000 Pfund für das Ruthenberg-Projekt zur Verfüguttg gestellt. Die Forderungen der tramsordanischen Mmme an Emir WdMah. Jernlalem, 11. September. (I. E. B.) Die Häupter de! aräbischen Stämme Trausjordanieus haben sich au den Emir Abdullah mit folgenden Forderungen gewandt: 1. Baldige Eitrberufung einer V o l k s v c r t r c t n it g. 2. Au sw e i- 1 int c; «aller Fre nt d e n. 3. Uebergabe der wichtigsten Posten an Ein geborene. 1. BerAeiitcruttg der Gehälter. 5. Einstellung der Zahltmgen au dä: Scheichs. 0. Bcfre'mitg der Fellachen von der Vermöge ns ab gable, rückwirkend bis zum Jahre 1018. Sie arabischen Mitglieder der Advisartz Eonncil. Ucber das Verhalten der arabischen Mitglieder des Advisory Council (Staatsrat) sind die widersprechendsten Gerüchte ins Ausland gedrungei,. Diese Widersprüche sind dadurch entstanden, das; die Presse der Führer des arabischen Kongresses die von ihnen gelvünschten Ereignisse als geschehen vorlveg genommen hat. Bekanntlich hat die E.rekutlve des a r a b i s ch e ir K o n g r e s s e s eine Agitation entfallet, welche das Ziel verfolgte, das; alle arabischen Mitglieder des Advisory Coupcil auf ihre Stellen resignieren und das; keine andere arabische Persönlichkeit eine Kandidatur oder ein Mandat für den Couneil annehme. Ein Teil der arabischen Notabeln hat bekanntlich dieser Agitation nachgegeben^ ivährcnd vier Mit'glieder entschlossen sind, gegen den Willen der arabischen Exekutive, im Interesse ihres Volkes an den Arbeiten des Advisory Conncil teilzuiichincn. Wie seinerzeit gemeldet wurde, hat S u l e i ut n it it B e i N g s j s, ■ ein einflußreicher -Ü’Oilünaim «nv .Üw.'^u.db?u^.- L o < i-in