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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-15 · Heft 1648 (15.9.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1648 (15.9.1923)
Date
1923-09-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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11t. 1M> Wckn, SarnStag Lvienev Morgenzertun^. 15. September 1923 Gckbe^L Her Milttörputsch in Spanien. Eine faszWsche AMon! — TemMn der Regierung. — Siktatm chm Parlament. Mdische Wähler und WSHlerinnen reklamiert Euer Wahlrecht! MW Staatsbürger rrnd Staatsblürgernmen, die am 1. Jämwer-1923 das 20. Lebensjahr erreicht Men, find wahlberechtigt-' In der Hauslffte, welche in jedem Hausflur angebracht sein muß, sind die bereits in die WählerLiften Aufgonommonen ersichtlich. Wahlberechtigte, welche in dieser HauMste nicht enchalten sind, melden sich unter Mrtbringmrg ihrer und ihrer Angehörigen Dokumente (Heimakschein, Geburtsschein, MeVeschern, Paß, AM-vtsbuch usiv.) in einem der ReNamationslolale: 1. Bez., Wiesingerstratze 11, 2. Bez., Taborstratze 1 („Mener Morgenzeitnng"), 2. Bez., Taborsttaße 20 a, 2. Bez., Zirkusgasse 33, 2. Bez., Prater, Stuwerstraße 1 (Cafe Winkler), 2. Bez., Schiffamtsgasse 20 (Machsike Hadath), 20. Bez., Karl Meißlstraße 5. Die Regierung demissioniert... Madrid, 14. September. In der Stadt herrscht Ruhe. Es wird überall gearbeitet, besonders in Catalonien. Ministerpräsident Alhucemas erklärte, er habe dem König vovgeschlagen, die aufrührerischen Militärpersonen abzusetzen, an das Parlament zu appellieren und die Verantwortlichkellen föstzustellen. Der König habe erwidert, es erscheine ihm unbedingt notwendig, sich genau zu informieren und die Sache vor Erteilung einer Antwort reiflich zu überlegen. Der Mnisterpräsident hat darauf dem König sofort die Demission des Kabinetts überreicht, die der König a n n a h m. ... und ein Direktorium übernimmt die Macht. Madrid, 14. September. Der König hat Prrmo de Ribera mit der Bildung des Kabinetts betraut. Der König hat das von den Militärs v orgeschlagene Direktorium unter Vorsitz des Generalkapitäns Prirrro de Rivera angnommen. Der Kriegszustand wird im ganzen Lande nur für einige Stunden proklamiert werden. Das künftige Direktorium ist bereits ernannt. Die Diktatur Spaniens. Madrid, 14. September. (Tel. der ,Mener Morgew zeitung".) Generalkapitän Remo de Rivera, der Art Heber des Staatsstreiches in Barcelona, war frühe-i Kriegsrnrnister. Er galt als einer der besten und fähigsten Offiziere der spanischen Armee. Vor einigen Monaten, als er noch Militärgouverneur in Madrid war, hielt er im Senat eine 'heftige Rede, in der er das Lack) aufforderte, den Krieg gegen die Mauren in Marokko einzustellen. Nach dieser Rede wurde er seines Amtes enthoben und nach Barcelona versetzt. General Estella hat einem Berichterstatter der Agence Havas erklärt, die neue Regierung ziele darauf hin, die Politik zu reinigen, den Schutz der Arbeit zu sichern, die Verantwortlichkeiten für die Marokko- Niederlage festgustellen und dem Rif-Fel'dzug eine andere Wendung zu geben. Der General versicherte, die Bewegung sei einzig und allein von militärischen Gruppen ausgegangen und fügte hinzu, daß die neue Politik, falls sie obsiege, zur strengen Unterdrückung der ungesetzlichen Tätigkeit der Kommunisten, der Revolutionäre und Separatisten und zu einer humanen Gesetzgebung zugunsten der Arbeiter führen werde. Täglich von 9 vis 12 nutz von 2 bis 6 Uhr. Oesterreich. Re neue Verwaltung der Bundesbahnen. Der neuen Vevwaltungskommission der Bundesbahnen werden der ehemalige Eisenbahnmmister Dr. Banhans, der frühere StMbaudiwktor Ingenieur Golde wund, der Sektionschef im Eisenbahnminifterium E n d e r e s, der Präsident des Laudeskulturrates in Tirol Dr.. P f a u s l e r, der Präsident der Handelskammer Dr. Quidenus und der ' President der Douau-DamPffchMrtsgesellschaft Dr. S ch o n k a angehörm. krleichternngen in der SMahnfrage. Dr. Zimmerman zieht seinen Einspruch zurück. Nach der Rückkchr des GeneraWommffsärs aus Genf wird ta der Sü d b a h n a n g e le ge n h e i i amtlich folgendes mitgeteilt: Dr. Zimmerman hotte vor seiner Abreise nach Genf und auch dortselbst nähere Besprechungen mit Vertretern der italienischen Regierung über das Südbahnübereinlommen von Rom. Außerdem verhandelte der Generalkommissär in dieser Sache mit einem Dertreter der französischen Obligationäre der Südbahngesellschaft. Das Ergebnis dieser Besprechungen sind verschiedene wesentliche Erleichterungen der für Oesterreich aus dem Ueberemkommen von Rom entstehenden Lasten. Auf Grund dieser Resultate hat der Generalkommissär nunmehr der Regierung mllgeteilt, daß er seinerseits gegen die Ratifizierung des Abkommens durch den Nationalrat kerne weitere Einwendung zu schoben habe. Rückgang der zahl der Arbeitslose». Arnsich wird mitgetellt: Die Zahl der in Unterstützung sühendeu Arbeitslosen hat in der letzten Berichts^eriode erfreulicherweise eine weitere Abnahme erfahren. Ziffernmäßig betrug die Gesamtzahl der Arbeitslosen Ende Jul! 37.243, während dieselbe Ende August auf 83.893 zurückging. Hiervon betrug die Zahl der Arbeitslosen in Wien Ende Juli 55.376, Ende August 53.658. Im Bereiche der Industriellen Bezirkskommissionen St. Pölten und Gmünd ist eine Abnahme der Zahl der Arbeitslosen festzustellen, hingegen 'weist die Umgebung Wiens sowie W r. -- N e ustadt eine leichte Zunahme auf, was mit der Stillegung einzelner Betriebe zusammenhängt. Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in den BundeÄändern hat ebenfalls eine rückläufige Tendenz lverterbehalten, namentlich in Steiernrark, wo die Zahl Von 7200 zu Ende Juli auf 6126 zu Ende August zurückgegangen ist. Eine minimale Zunahme ist in Tirol und Vorarlberg . zu verzeichnen. __ Achecho-Slowakei. Irr Kohlenarbeiterstreik geht weiter. Zunahme der Kohlennot. Prag, 14. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng.") Heute vormittags verhandelten VertveterVer Ostrauer Bergarbeiter mit Vertretern der Oftauer Grubenbesitzer in Prag. Nachmittags fanden Besprechungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern des nordböhmischen Kohlenreviers im Ministerium für öffentliche Aribeiten statt. Ein positives Resultat konnte 'bisher nicht erzielt iverden, da die Unter- Nehmer ifrin Entgegenkommen zeigen. Die Kohlennot nimmt besonders in Böhme n stark Z u. Aus der Provinz werden wieder neue Betriebseinftellungen infolge Kohlen>mangels gemeldet und auch die Privatderbraucher in dm größeren Provinzstädten Böhmens köunm nicht genügend Kohle erhalten. Die Prager Kohlenhändler können, mit Rücksicht darauf, daß das Mrukstevrum für öffentliche Arbeiten die Zuteilung der Kohle in die Hand genommen hat, ihvm Lieferungsanfträgen nicht mchr Nachkommen. Ungarn. Ae Genfer Berhaudluugeu. Blldapest, 14. September. Mit Rücksicht darauf, daß die Genfer Verhandlungen der ungarischen Staatsmänner nicht mehr überwiegend finanzieller Natur sein werden, sind Finanzminister Kallay nach Budapest und der ungarische Gesandte in Paris, Baron Koranyi, nach Paris abgerefft. Beratung der Legitimlfte«. Budapest, 14. September. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die legrtimtstischen Politiker und Parlamentarier hielten in Budapest eine Konferenz ab, in der die künftige Taktik und Propaganda beraten wurden. Den Vorsitz führte Bischof Graf Johann Mikes. Erschienen »waren sämtliche legirimistische^ Mitglieder der Nationalversammlung und andere exponierte Vertreter des legitimiftlschen Gedankens. Die Konferenz erbrachte eine Anzahl von Beschlüssen. Den parlanrentavischen Vertretern wurde verboten, mit der Gruppe GkmböZ zusmmnenzugchen. Die Konferenz erklärte, daß die Politik der Rechtsradikalen dom Lande schade und daher zu verurteilen fft. Politischer Prozeß gegen zwei ßmigrüute«. Budapest, 1-4. September. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das Vndapsster Strafgericht beginnt morgen die Verhandlung gegen den Domherrn Johann H o ck, dem gewesenen VorsitzeMn des Natronalrates, unter Karolyi, und gegen den gewesenen Minister L o v a s z y. Beide heute in Emigration lebende Politller haben in amerikanischen ungarischen Blättern Artikel gegen Horthyungavn veröffenllicht, was von der Staatsanwaltschaft als Schmähung der ungarischen Nation beanständet 'wird. Die Verhandlung wird in Abwesenheit der Angeklagten durchgeführt, doch hat das Gericht nicht das Recht, ein Urteil zu fällen; bloß die Schuld der Angeklagten kann fest-gestellt werden. Auf Grund dieses Schuldspruches wird dann das K o n f i skationsverfahren gegen die beiden Emigranten eingeleitet werden. Die Angeklagten lassen sich vor dem Gericht nicht vertreten. Hock lebt in Amerika, Lovaszh feit einigen Monaten in I u g o s I a w i e n. RuMcha«. Vom Völkerbund. Genf, 14. September. Jur. Laufe der heutigen Debatte über den Bericht des Völkerbundes erklärte der Vertreter Polens, Skrrmunt, Polen wolle aus allen Kräften an dem Werke des VMerbundes Mitarbeiten. Polen. habe an den Arbeiten des Völkerbundes betreffend die Herabsetzung der Rüstungen großen Anteil genommen. Die von Polen mit seinen Nachbarn, abgeschlossenen wirtschaftlich c n und H an d e l s ab k o m m e n entsprechen .dem vom Wirtschaftskomitee des Völkerbundes aufgHellten Grundsätzen. Midhal F r a s ch e r i (Albanien) gab der Dankbarkeit des albanischen Volkes gegenüber dem Völkerbünde Ausdruck und erklärte, daß die Balkanvölker zu begreifen beginnen, daß der Friede durch materielle und moralische Solidarität gesichert werden könne. London (Niederlande) zollte der Wirksamkeit des Bölkerbundrates, des Internationalen Gerichtshofes und der internationalen Arbeitsorganisation Lob. Er verwies auf die Notwendigkeit der strikten Anwendung des Völkerbnndvertrages und sprach das Bedauern über die Nichtratifizierung der Amendements seitens einiger Mitgliederstaaten aus. Er bat die Delegierten, bei ihren Regierungen darauf hinzuwirken, daß diese die Amen-- dements ratifizieren. Tagesbericht. Ier Fuder wieder positiv. Am drei Prozent gestiegen. Die paritätische Kommission hat in ih'rer Sitzung vom 14. d. den Index gemäß der hierfür festgelegten Methode nach Einvernahme der- Sachverständigen berechnet und die Aeußerung abgegeben, daß die Kosten der Lebenshaltung vom 15. August bis 14. September 1923 um drei Prozent gestiegen sind. Der Index' hat damit wieder den Stand vom April 1923 erreicht und die Senkungen der Monate Juni, Juli und August sind wieder ausgeglichen. Es ist Hu bemerken, daß die Preise heute nicht weit von denen des Katastrophenmonats September des Jahres 1922 entfernt sind. Die Gründe für die Steigerung des Index sind die anhaltenden Erhöhungen der Fleisch-, Fett-, Butter-, Mehl- und Brotpvöffe, die nach der neuesten Methode im einzelnen Falle nicht wesentlich steigen, aber in der Summierung der Einzelsteigernngen eine recht ansehnliche Erhöhung aufwüffen, ferner die in den letzten Wochen sprunghaft vor sich gegangene Steigerung des K o h l e n p r e i s e s, die infolge der Entwicklung der Verhält^ niste in den für unseren Kohlenbezug in Betracht kommenden Ländern mitten im Sommer erfolgte. Auch die Preise der Jndnstrieartikel sind, wenn auch bisher nur wenig, gestiegen, insbesondere Schuh waren. Das Ansteigen des Index dürste, zumal die Wintermolmte nahen, die vor allem Preiserhöhungen der Lebensmlltel bringen, noch nicht abgeschlossen sein. Die Steigerung des Index hat in diesem Monat aus die Bezüge der Staatsangestellten kernen Einfluß; dagegen wird sie sich in den Bezügen der Gerneindeangestellten und ffrr die Lohnvechältnisse einer Reihe von Privatunternchmungen fühlbar machen. Wuefische Fude«. Von einer Reise durch China gibt Abraham Trn» Üotschist^ im Wilnaer Tageblatt „Der Freund" eine Sch'ilderung vom Leben der Juden im Inneren Chinas, welche Mitteilungen enthält, die stark von all dein abwerchen, was rnan bisher von den Juden Chinas wußte. Wir teilen daher einiges Wesentliches daraus mit: Der Teil des jüdischerr Volkes, der weit hinter der Chinesischen Mauer siedelt, ist wenig ückamrt und ebens.üvenig bekannt fft, daß Inden dort schon seit dreitausend Jahren wohnen, daß sie nnr die Zeit des Tenrpelbaues bereits dort zu finden waren. In Europa ist ein chinesisches Manuskript bekannt, das vor etwa 2800 Jahren geschrieben würde und in dem Noah, Abraham, Akoses und die Geschichte von Josef und seinen Brüdern erwähnt silrd. Ferner weiß man, daß 224 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung Juden aus Persien nach China kamen. Die erste Kunde, daß es in China jüdische Gemeinden gäbe, kmn im Jahre 1617 dev heutigen Zeitrechnung durch einen Missionär itad) Europa. Ich 'habe von 1920 an ein ganzes Jahr in Schanghai gelebt und dann das Innere Chinas bereist. In Schanghai! machte ich die Bekanntschaft eines jüdischen Arztes, von dem ich sehr viel über die chinesischen Juden erfahren habe; vieles hjy Warenhaus ftSchiffma II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79' En ggos Ew detail

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