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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-15 · Heft 1648 (15.9.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1648 (15.9.1923)
Date
1923-09-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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d _ Men, Samstag Der Fiurnauer KonsiM. Rom, 18. September. (Tel. -er „Wr. Morge^eitung") Dre die Agenzia Stefan! nieldet entbehren die allarmiercn'ben Gerüchte betreffendie Filunaner- Frage jeder Grundlage. Es existiere lein bis Samstag befristetes italienisches Ultimatum, der 18. September sei lediglich als Zeitpunkt für die Mitteilung der gegemvärtigen Beschlüsse festgesetzt worden. Auch sei unrichtig, -aß Italien einen Schiedsspruch -er Schweiz abgelehnt habe, da ein solches Verfahren bisher nicht vorgeschlagen worden sei. Die Verhandlungen -er beiden Staaten gehen weiter. Von Kriegsgefahr zu sprechen sei ein sehr schlechter Scherz. Fux -ic Wiederaufnahme direkter Verhandlungen. Belgrad, 13. September. Der italienische Gesandte in Belgrad hat gestern die Regierung des Staates S. H. S. verständigt, daß das römische Kabinett in der Fiumaner Frage direkte Vechandunge« wiederaufnehmen wolle. Ein Schreiben Mussolinis an Pasle. Mailand, 14. September. (Tel.-Komp. Die jugoslawischen Blätter veröffentlichen einen Brief Mussolinis an den südslawischen Ministerpräsidenten P a s i c, in welchem Mussolini mit Hinweis auf die Stimmung in Italien erklärt, er könne in der Frage von Fiume dem italienischen Volke gegenüber nicht die Verantwortung weiterer Zugeständnisse übernehmen. Die italienische OeffentlichEeit billige nur die von der italienischen Negierung am 31. August vorgeschlagene Lösung. Immerhin hoffe er, daß die beiden Regierungen ohne eine Einmischung eines dritten Staates zu ei. /. Einigung kommen würden. Belgrtw ist ruhig. BÄgrad, 14. September. In Regievungskreisen wird die Entwicklung der Fiumaner Frage kaltblütig verfolgt, da man nicht glawbt, daß der 15 .September, an welchem die italienische Regierung die Regelung der Frage vollzogen wissen will, eine Ueberrafchung oder einen Bruch bringen könnte. Schießerei in Fiumr. 310», 14. September. Aus Fiume wird' gemeldet, daß e§ dort zwischen Anhängern Zanellas «rü> dm Faszisten zu einem Zusammenstoß gekommen sei, bei dem mehrere Faszisten durch Schüsse schwer verwundet wurden. Brief ms Rumänien. Diktatur des rumänischen Faszismns. — Auflösung des Klausenburger Stndentenverbandes. (Bon «nsevern Bukarester Kvvoesprmdenben) Der Faözismus versucht auch in Rumänien Wurzel W fassen. Allerdings bisher noch mit geringem Erfolg! und diej Bchörden scheinen diese Bewegung vorläufig nicht sehr ernst zu nehmen. Der rumänische Faszismus hat noch kein feststehendes Programm, und das, was biGer als Programm der Faszisten ausgegeben wurde, hat seit der kurzen Zieit des Bestandes des Faszismus in Rumänien schon vielfache Wandlungen durchgemacht. Ursprünglich' hieß es, der rumänische Faszismus wolle gegen das inter-t nationale Großkapital ankämpfen, kurze Zeit darauf er» klärte sich der Faszismus als ausgesprochener Feind jeder liberalen Politik. Das vierzehntägig erscheinende Organ dieser Gruppe, „Fascismul", verkündet nunmehr in' seiner jüngste« Nummer ein neues und viel weitergehend«B Programm. Diesmal fordert es die Abschaffung des Parlamentarismus und eine nationale Diktatur für Rumänien. Die rumänischen Faszisten nehmen das Ergebnis der Forderung schon vorweg, und haben, wie das» genannte Blatt mitteilt, auch schon den Diktabor ernannt, indem sie Prof. Padeanu, den gegenwärtigen Berbandspräsidenten, mit der Ausübung der Diktatur, bettauten. Die rumänische Faszistengruppe ahmte, wie aus dem letzte« Aufruf hervorgeht, schrittweise den italienischen Faszismus nach. In diesem Aufruf wird nämlich versichert, daß der Verband der rumänischen Faszisten eine patriotische Gruppe sei, welche bestrebt sei, sämtliche zur Verfügung stehenden moralischen und materiellen Kräfte des Landes für yön Dienst des Landes z«s konzentrieren. Deshalb sei der Verband bei der Auswahl seiner Mitglieder ganz unparteiisch und ohne jede Rücksichtnahme auf Religion, Geschlecht und Klasse. Der Faszisnms sei zur Ueberzeugung gekommen, daß der Par^ lamentarisnms bis in die Wurzeln faul ist und alle! Zeichen der Verwesung an sich ttägt und vielleicht gar) schon überhaupt tot ist. Der Parlamentarismus muh naturgemäß von der Diktatur abgelöst werden.! Während die Faszisten im ganzen Lande von Dik-i tatur träumen, setzen in Klausen bürg die antisemitischen Studenten ihren Terror gegen die jüdischen Hochschüler fort. Die Gewalttätigkeiten richten sich, wie schon! bärichtet wurde, gegen die jüdischen Mediziner, und da e$ unter den rumänischen Studenten verhältnismäßig wenige Mediziner gibt, wurden die im antisemitischen Studentenverband vereinigten rumöirrischen Juristen! gegen die jüdischen Mediziner aufgeb oten. Es muß der Wahrheit die Ehre gegeben werden, daß Prorektor Caludereanu in energischester Weise alle Mittel anwendet^ um die Ruhe herzustellen und den jüdischen Studenten! zu ihrem Studienrecht zu verhÄfen. Er nahm, als es sich) notwendig erwies, selbst die Hilfe der Polizei in Ausspruch und als auch das nichts nützte, gab '>• »r «nttocit Wagen den folaenden Ersatz hermrsr _Wiener Morgenzeitrmg. Wir, der Prorektor der Universität, treffen, durch die Dringlichkeit der Verhältnisse veranlaßt, in Abwesenheit des UniversttätSsenates die folgende Verfügung: Die Störung der Vorlesungen und der Hebungen! ist strengstens verboten. Diejenigen, welche gegen diese,' Verfügnng verstoßen, werden von der zivilen Gerichtsbarkeit abgeurteilt werden. Wir haben uns davon! überzeugt, daß an der Spitze jener Gruppe, welche am 3. September im anatomischen Institut die Unruhen inszeniert hatte, auch ein Student namens Jjon Mo ta, teilnahm, der aus sämtlichen Universitäten des Landes ausgeschlossen ist und als Präsident des Studenten-^ Verbandes „Petru Maior" figuriert. Wir haben ferner! festgestellt, daß der Verein „Pettu Maior" die Uni- 16. September 1928' Rr. ML versitätssatzungen mit Füßen tritt, indem «r eiueq Menschen mit seiner Betretung betraut, der nicht mehr die Qualifikation eines Universitätshörers besitzt. Aus allen diesen Gründen perfügen wir bis zur erstgu Sitzung des Universitätssenats die sofortige Auflösung des Studentenverbandes „Petru Maior" und die gleichzeitige Versiegelung des Verbandslokales desselben. Sollte der „Petru Maior" nach Zustellung dieses Beschlusses irgend welche Tätigkeit au s üben, so werden^ wir die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben. Hoffentlich wird diese energische Maßnahme der rumänischen Studentenschaft in ""Nirfi Kopf zurechtsetzen. Ettesemams Vorschlag wird in HM geprüft. Bor einer Erleichterung der . Lage? — «naeweitte Hütet» Mung Ettesemanns. Die Auffasiung in Paris. London, 14. September. Der Pariser Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt: Durch sein neues Angebot, das deutsches Privateigentum ebenso wie die allgemeinen Garantien des Reiches in bett Dienst der Reparat io neu stellt, hat der Reichskanzler den Franzosen einen Gegenstand zum Nachdenken gegeben. Es ist der französischen Regierung klar, daß der Reichskanzler eine Entspannung zu Wege zu bringen sucht. Die französische Regierung verwirft das neue deutsche Angebot nicht, bevor sie mehr über diesen Plan weiß. Man kann jedoch vermuten, daß sie bereits Einzelheiten des Vorschlages Stresemanns in Händen hat. Ms Beweis für diese Vermutung wird von dem Berichterstatter die ihm gegenüber abgegebene Erklärung angeführt, daß Reichskanzler Strese- Manns Vorschlag von den Sachverständigen gründlich werde erörtert werden. Zusammenstehen aller deutschen Länder. Berlin, 14. September. Unter dem Vorsitz des Reichsministers des Innern hat heute eine Sitzung des Reichsratsausschusses für innere Verwaltung stattgefunden, zu der die Innenminister der Länder erschienen waren. Der Reichsminister des Innern betonte, daß die Reichsregierung fest entschlossen sei, di« Zuständigkeit der Länder zu wahren. Gegenüber der schweren Gefahr an Rhein und Ruhr, wo wertvolle Gebiete des Reiches ernstlich bedroht seien, muffe ein starker einheitlicher nationaler Wille aufgebracht werden. Namens der Regierung bitte er alle Länder, zusammenzustehen, um der Reichsregierung zu helfen, diese geschichtliche Aufgabe zu meistern. Nach einer eingehenden Aussprache bmnte der Minister des Innern im Schlußwort die weitgehende lleberemstimmung der Anwesenden mit der Reichsregierung fesistellen. Auch Bayern hinter Stresemann. Berlin, 14. September. Nach einer Meldung der „Vossischen Zeitung" aus München erklärte die bayrische Regierung, die heute vormittags eine Besprechung mit den Koalitionsparteien über die politische Lage hatte, daß sie das Reichskabinett Stresemann a u ß e n p o l i t i sich mit allen Mitteln unterstützen wolle. Die Hapiemark bleibt gesetzliches Zahlungsmittel. Erklärungen HrlfeÄüngs. Berlin, 14. September. Im Ausschuß des Reichüwirtschastsrates gaben ReichssinanMinister Hilferding und Reichswirtschaftsminister v. Raumer Erklärungen über die Wirtschafts- und Finanzlage ub. Fi-nanzm miste r H i l f e rdüng stellte fest, daß die Lebensmittelversorgung sich er gestellt sei. Zur Finanzlage erklärte er, daß die Ausgaben für das Ruhrgebiet ganz außerordentlich gewachsen seien, fast die ganze Bevölkerung der besetzten Gebiete werde zum großen Teil durch Reichsmittel ernährt. Die Frage der Einschränkung der Ausgaben im besetzten Gebiet sei von außerordentlicher politischer Tragweite. Die Lösung des RuhvkonslMes müsse auf dem Wege b eschleunigter Verhandlungen gesucht werden. Dies liege nicht nrinder im deutschen als im französischen Jntereffe sowie im Jntereffe aller anderen Staaten. Die starleu Tevisenanforderungett an der Börse würden mit den starken Ausschüttungen im besetzten Gebiet in Zusammenhang gebracht. Die Mittel für das Rheinland müssen unbedingt gekürzt werden. Es sei ein Weg gefunden, Einschränkungen vorzunehmen, die für die Bevölkerung erträglich seien. -Dadurch werde sich die Lage auf dem Devisenmarkt ganz wesentlich ändern. Weiterhin müssen alle anderen Ausgaben bis auf das für die Erhaltung des Reiches notwendige Maß gekürzt werden. Hierzu würde eine Reihe harter Maßnahmen ergriffen, die in kurzer Zeit die Inflation bedeutend einschränken würden. Der Minister mahnte in bezug auf die Papiermark, keine Panikstimmung in der Bevölkerung zu erzeugen. Di« Papiermark bleibe gesetzliches Zahlungsmittel, deshalb könne eine volle Entwertung nicht emtreten. Jetzt müffe dafür gesorgt werden, daß Bürgerkrieg und Chaos vermieden werden und daß man über die Zott hmwegkomme, bis die außenpolitische Lösung gefunden ist. Reichswirtschaftsminister v. Raumer erklärte bezüglich der Devrsenfrage, die einzig wirksame Möglichkeit der Einftchrbcschranknng bestehe darin, daß gemäß der Dcvifenverordnnng Devisen nur gekauft werden dürfen, um die Betriebe auf zwei Monate zu versorgen. Ein weiteres Mittel sei die Steigerung der Prodlrktion der im Inland herzustellenden Erzeugnisse. Me deutsche Geldanleihe. Berlin, 14. September. Wie die „Vossische Zeit«ng" hört, wird die Gold an leihe voraussichtlich nächsten Mittwo ch a« der Berliner Börse erstmalig amtlich notiert ^werden. Bor eine« deutschen BankbeamtenstreN? Berlin, 14. September. (Tel.-Komp.) Infolge eines TavtfstreÄs ist die Lage im deutschem Bankgewerbe außerordentlich gespannt. An einzelnen Orten wie in Köln und Leipzig snw die Bankbeamten «bereits in den Ausstand getreten. Bei den gestrigen Verhandlungen der Spitzenvevbäude!der Bankangestellten mit dem Reichsfinanzminister forderten die Angestelltenvertreter die Einführung der Entlohnung in Festmark. Reue Schießereien in Benthe». Beutheu, 14. September. (Wölfs.) Die Stimmung in der Stadt ist sichtlich sehr erregt. Starke Schutzpoligeikräfte sind zum Schutze der wenigen Händler auf dem Wochenmaukte ausgeboten. Auf der Hohenzollern-Grube, der Carsten-Grube, der Zentrumsgrube und der Heiuitz-Grube sind die Belegschaften in den Streik getreten. Heute um 9 Uhr vormittags haben die Kundgebungen wieder einen gefährlichen Umfang angenommen. Die Massen versuchten, das Rathaus, in dem sich die Hauptwache der Schutzpolizei befindet, zu stürmen. Da ans der Menge Schüsse fielen, erwiderte die Schutzpolizei das Jene r. Hierauf wurde der Markt geräumt und abgospcrrt. Beulhen, 14. September. (Wolfs.) Bei den gestrigen Deuerungsdsmonstrationen sind d>rei Pc rsouen ge töte t. eine schwer und zwei leicht verletzt worden. Vereinzelt wurden spät abends noch Schaufenster ein geschlagen und die Auslagen geplündert. Der Völkerbund unterbricht die Debatte über den Tätigkeitsbericht. Genf, 14. September. (Schweizerische Depe^chenagentur.) In der heutigen Dollversammluing des Völkerbundes wurde di? Aussprache über den Bericht des Rates fortgesetzt, wobei von verschiedenen Rednern die Frage der Ratifizierung der Zufatzant'räge zu dem Pakte in den Bordevgrnnd gestellt wnä>e. London (Holland) sagte im besonderen, bet Völkerbund Pakt sei etwas Geheiligtes; es scheine aber da und dort etwas in B e rgessenheit zu geraten. Erich (Finnland) ibeschästigte sich mit der o st k a r e l i 's ch t n Frage und ersuchte den V>öWerbu>ndvat, dieser lwichtigen Frage nähere Beachtung zu fchenleir. Am Schluffe der Tügwrg erklärte der Vorsitzende, daß die allgewoine Aussprache unterbrochen, werde. Da vom 'Rate dem Wunsche Ausdruck gegeben worden war, d:e BiwlamuMug möge sicb e i -ust w e i l.e« nicht ü b e« den italienisch-griechischen - Konflikt äußern, erlahmte das Interesse all der Aussprache über die Tätigkeit des Rates, weshalb das Bureau der Versamillluug den Beschluß faßte, die allgemeine Allsfpvache später wieder aufzunehmen. Die AutzenpoiM der Labour Parttz. London, 14. September (Tel. der „Wr. Morgenzkg.") Artur Hendersou bezeichnete in einer Rede in seinem Wahlkreise als die .Hauptihesen der Außerlpolitik lder Arbeiterpartei: Räumung der besetzten Gebiete und Wiederherstellung der vollon Souveränität des deutschen Reiches, Neparatronen von Deutschland nur auf Grwld der W a f f e n st i ll st a n d s lb e d i n g u n g e n, gleichberechtigte Eönberusung Deutschlands in den Völikerb und.allgc me in e Ab rüstu n g sowie Anerkennullg der Sowjetregievung. D5B

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