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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-15 · Heft 1648 (15.9.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1648 (15.9.1923)
Date
1923-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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EtRzelntnainsr K1000 Wien: Zum Abholen in der Expedition, IIMTaborstr.l-3, oder in einer Verschleisstelle (iFrafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Wiener 'k»vb«eb o-S 1 owa ke i: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk.70.000.Deutschland: Mon. Mk.3,000000. F r ank r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 pp' MnAli t»hlnagen DbA 5ei" PreUerböhunsren Vorbehalten is cm actio-Slowakei tschech. K 1<20 Italien: Monatl. 10 Hs, Rumänien Mon. 90Lei Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schweiz und. das übrige Ausland monatlich Fres. 3 Rr. 1648 CnlspamMg. F. Wien, 15. September. RaiH langen Beratungen ist es der. Botschafterkonferenz gelungen, in der Frage des italienisch-griechischen Zwischenfalles eine befriedigende Formel zu finden. Der griechischen Negierung, welche von Vorneherein erklärte, sich jedem Schiedsspruch zu unterwerfen, sowie dem BöUerbund find Noten zugegangen, in denen, die Räumung Korfus mit dem 27. September befristet .wird und es ist gelungen, Italiens Einverständnis zu den b^üglich der Untersuchung des Mordes und der '.Räumung der Insel festgesetzten Modalitäten zu ergangen. Musiolims Draufgängerpolitik hat. einen, scheinbaren Triumph geerntet, in Aalten, wo die faszistischen Wellen noch immer recht hoch gehen, kann man sich, nach dem geschickt maskierten Rückzug vor Englands energischer Haltung, über die Art freuen, in der Mussolini das nationale Prestige zu wahren wußte. Was jedoch das Wichtigste ist, die Gefahr einer neuerlichen Konflagration, ist wieder bis auf weiteres gebannt, da eine neuerliche Extratour wohl wenig zu befürchten ist, nachdem Italien die Angelegenheit in die Hände der Botschafterkonserenz gelegt hat. Auch in der Fiume-Frage, die in den letzten Tagen eine bedrohliche Wendung nehmen zu wollen schien, schlägt, man in Rom mrn friedlichere Töne an. Die offiziöse italienische Agentur erklärt, es gebe kein italienisches Ultimatum. Zwischen Rom und Belgrad sei der 15. September als Zeitpunkt für die Mitteilung der gegenseitigen Beschlüsse festgesetzt worden, aber diese Festsetzung habe keinerlei ultimativen Charakter gehabt und nichts hindere die italienische und die jugoslawische Regierung, diesen Zeitpunkt zn verschieben. Gar. von einer Kriegsgefahr zu sprechen, klinge wie ein böser Scherz. Eine Bestätigung findet diese friedliche Tonart durch die Mitteilung, daß Italien in Belgrad die offizielle Forderung nach Fortführung der Verhandlungen erhoben hat. Damit erscheint freilich die leidige Fiume-Angelegenheit wieder auf die lange Bank geschoben und die Möglichkeit späterer Verwicklungen gegeben, die um so größer ist, als an Fiume beide Verhandlungsteile, nicht nur wirtschaftspolitisch, sondern auch national interessiert sind. Für Jugoslawien hat der Besitz des Flumaner Hafens mit feinen ausgebauten Verkehrswegen nach dem Hinterland ein begreifliches Interesse, wozu noch kommt, daß Belgrad durch die Rücksicht ans das kroatische Volkselement gebunden ist, ein schwächliches Kompromiß abzulehnen, das den: kroatischen Nationalgefühl unerträglich wäre. Für Italien handelt es sich im Falle Fiume nicht allein um die Sicherung der wirtschastlichen Position von Triest als Handels- und Hafenstadt, es kommt dazu, daß ein Rückzug, gerade hier dem regierenden Faszismus besonders peinlich sein muß, der die Fiume-Frage zum Anlaß genommen hat, um dem Betätigungsdrang seiner Anhänger besondere Ausgaben zu stellen. Die pathetischen Schlachtrufe D'Annunzios, des seinerzeitigen Okkupators von Fiume, Men noch allzusehr in der fasziftrschen Erinnerung, als daß man sich leichten Herzens in Rom, trotz dem Vertrag von Rapallo, zu einem Verzicht entschließen könnte. Aber wie dem .auch sei, bei dem heutigen labilen Zustand der europäischen Politik ist man schon zufrieden, wenn die Gefahr neuer Verwicklungen wieder für eine Zeitlang gebannt erscheint. Das Bedrohliche an den Erscheinungen der letzten Tage lag an der befürchteten Möglichkeit eines inneren Zusammenhanges zwischen der Besetzung von Korfu und der Fiume-Angelegenheit, und es waren namentlich englische politische Kreise, Welche auf diesen Zusammenhang voll Besorgnis , hinwiesen. Gerade dieser Umstand ist es, welcher der Situation der europäischen Politik, wie sic sich in diesen Ereignissen spiegelt, ihre besondere Signatur gibt. Es ist um die Festigkeit eines Friedens nicht gut bestellt, wenn man um dessen Erschütterung in ständiger Sorge sein muß und gerade diese Zustände beweisen wieder die Notwendigkeit eines starken Völkerbundes. Man wird finden, daß der Völkerbund bei der Behandlung des italienisch-griechischen Konflikts bisher nicht auf der Höhe seiner Aufgabe gestunden ist, daß ihm die Karten aus der Hand genommen wurden und daß die Bolschaslerkonferenz bei der Behandlung der Angelegenheit die erste Geige gespielt hat. Es ist zweifellos, daß der Völkerbund auf die Wahrung seines Prestiges weniger bedacht war als Italien und daß er es klugerweise vorzog, nachzugeben, als die Institution selbst in Gefahr zn bringen. Die faszistische Presse Italiens und mit ihr . alle Wie KrM. . wMe dm WMMmd Mt MMr Wien. Samstag. IS. September 1923 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1‘—;3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Ührabds.l9-483,25-282 Tel.» Adr.:,Morgenzeitung" Wien Oesterreichi3ches Postspar* kassen- Konto Nr. 150.693 sm 5. Korfu wird geräumt! Re Bedingungen der BoMafterkonferenr. Paris. 18. Schüm'ber. (Havaä.) Die Botschafterkonferenz hat eine Entschließung angenommen, die für geeignet erachtet wird, die Lösung der itallenifch-igriechifchen Frage hevbeizuführeir. Die Alliierten haben sich hinsichtlich der Textierung der Instruktionen, die der lintevsnchungskominission zn geben sind, und über die Bedingungen für die'Räumung von Korfn vollständig geeinigt. Man versichert, die Frage sei zur Zufriedenheit sowohl Italiens als auch Griechenlands geregelt worden. Paris, 14. September. Die Note, die die Botschafterkonferenz an die griechische Regierung zu richten beschlossen hat, besagt: Die Räumung Korfus wird erfolgen, wenn die in der Note vom 8. d. enthaltenen Bedingungen in folgender Weife erfüllt sind: 1. Die Gesandten der Alliierten in Athen werden mit der griechischen Regierung den Tag festsetzen, an dem den Alliierten die Entschuldigungen. auszudrucken sind. Als äußerster Termin ist der 18. d. bestimmt. * _ ' 2. Am 19. d. ist in Achen ein Trauergottesdienst für die Opfer.von Kakavra zu veranstalten. 3. An. demselben ,Tage werden die. Kriegsschiffe der Miierten in Phalevon eintreffen. Die bezüglichen Einzelheiten werden später mitgeteilt werden. 4. Den Opfern sind am 19. d. in Prevesa die Ehrenbezeigungen zu erweisen. 5. Die interalliierte Kontrollkommission wird ihre Arbeiten am 17. d. inJanina beginnen und nach Ablauf von fünf Tagen ihre ersten Feststellungen telegraphisch mrtteilen. Wenn die Schuldigen nicht ausfindig gemacht werden, wird die Kommission die Modalitäten für ihre Ausforschung angeben. Da Italien entschlossen ist, Korfu auf jeden Fall am 27. September zu räumen, behält sich die Konferenz vor, Griechenland neuerliche Zwangsmaßnahmen und Strafen bekanntzugeben, die insbesondere in der Zahlung von 50 MillionenLire an Italien werden bestchen können. Die Botschasterkonferenz würde dann au den Schiedsgerichtshof das Ansuchen stellen, die Freigabe der von Griechenland, hinterlegten Kaution auszusprechen, und auf jedes Rechtsmittel zu verzichten, ausgenommen das Italien zustelhende besondere Rechtsmittel hinsichtlich der Besetz ungs kosten. Warum die Räumung termiuisiert wurde. Rom, 14. September. Die „Tribuna" begründet die Terminbestünmung für die Räumung Korfus damit, daß für den Fall, als die griechische Regierung und die Untersuchuugskomnüssion die Schuldigen nicht ausfindig machen könnten, für die Besetzung von Korfn ein Endtermin gesetzt werden müsse, sobald alle anderen Sanktionen erfüllt seien. Daher soll die R ä nm nng mit der Beendig u n g der U n t e rs u ch u ii g z u s a m in e n f a l l e n. Im Falte aber die E r g e b n i s l o s i g k e i t der Untersuchung der griechischen Regierung zur Last fälle, sei eine neue Sanktion von 50 Milli onenLir efffftznsetzen, und zwar für die Entschädigung der Hinterbliebenen der Ermordeten und für die Spesen der Besetzung. Aus den Verlautbarungen der Agenzia Stesani und der Agenzia Havas sei zu erkennen, daß die im Schuldfall', von Griechenland zu zahlenden 50 Millionen mit den in der Schwerz deponierten 50 Millionen identtsch feien. Italiens Vertreter in der Untersuchungskommission. Rom, 14. September. Die italienische Regierung hat zu ihrem Vertreter in der Untersuchungskommissiono in Albanien den Obersten Beand früheren Militärattache in Tokio, ernannt. Rom ist befriedigt. ■ Rom, 14. September. Die Agenzia Steifani meldet: Ü» msterprölsideM Mussolini warf im Mimsterrate einen RnckbM ans den Verlauf des italienisch-griechischen Konfliktes nüd erörterte das Ergebnis des diplomatischen Kanrpfes, der mit Erfolg in Genf und Paris' geführt worden ist. Der MinsiterprÄsident bolsrrchtete schließlich die sich daraus ergebende Lage mit ihren nnmittelbaren rmd. mittelbaren.Ausblicken. Kviegsminister Generäl Diaz sprach dem Ministerpräsidenten für die Art und Weise, in der er den Streitfall der Lösung zrffuhrte, die volle Anerkennung aus und fügte hinzu, Mussolini habe hierdurch dem Auslände einen Beweis der großen moralischen Festigkeit und der Stärke der Nation gegeben, die auf ihr Prestige bedacht und imstande sei, allezeit ihr Interesse, und ihre Ehre zu verteidigen. Nachdem sich Marineminister Thaon di Nebel den Ausführungen Draz' angeschlossen hatte, nahm der Ministerrat den Bericht des Ministerpräsidenten urii einmütiger Zustimmung zur Kenntnis. Studienreise des Senators Berenger «ach Mitteleuropa. Paris, 14. September.' Der Gener alö er ich t erstat ter des Finanzausschusses des Senats, Verenger, tritt heute eine Reife nach den verschiedenen Landern Mitteleuropas an. Bekanntlich hat der Senat bei seinem Wiederzusammentritt im November die Entwürfe zu rufen, die sich ans die Gewährung von Vorschüssen im Betrage von 800 Millionen Franken an Serbien, Polen und Rum änien beziehen, abgesehen von der Erneuerung des österreichischen Vorschusses und der Möglichkeit einer ungarischen Anleihe. Der Zweck der Reise Verengers ist, die finanziellen und Volk sw i r tsch aft lich e n Bedingungen der Entwicklung der genannten Staaten zu studieren. Berenger wird Belgrad, Budapest, Bukarest, Wien, Warschau, Thorn und Prag besuchen. Bor seiner Abreise hatte Berenger eine Unterredung mit dem Mi-uistcrpräsidentcu P o i n c a r e. Bwonasseaav Augen arffehen, Huben den Anlaß wahrgenommen, um den Völkerbund mit billigem Hohn abzutun. Mer völlig passiv ist der Völkerbund auch in diesem Falle nicht geblieben. Nicht allein, daß er von der Botschafterkonferenz, welche nach der italienischen These in dem Streitfälle für zuständig erklärt wurde, weil es sich um eine . Angelegenheit handle, die zur Liquidierung der durch den Krieg aufgerollten Probleme gehöre, durch die offizielle Ueberniittlnng ihrer Beschlüsse als Forum anerkannt erscheint. Beigem stillschweigenden Kompromiß, welches der Völkerbund schloß, ist eine ebenso beachtenswerte wie verständliche Einmütigkeit der Vertreter der Kleinstaaten zutage getreten, welche nicht dulden wollten, daß einem Größeren die Freiheit zusteheli solle, einen kleinen Staat plötzlich zu überfallen und die Besetzung seines Territoriums als friedliche Maßnahme zu erklären. Der Völkerbund hat sich bei der Behandlung des Streiffalles wohl nM auf der vollen. Mhe MM. aber er.-bat gut daran getan, seine beschränkte Macht nicht zu überspannen, und. hat damit die Idee des Völkerbundes selbst, die großer ist als dessen heutige Wirklichkeit, vor Schaden bewahrt, indem er eine Schwächung oder gar eine Sprengung dieser internationalen Liga verhütet hat. Die sonderbare italienische Extratour sollte unter anderem eine beabsichtigte oder unbeabsichtigte Brüskierung des Völkerbundes bedeuten. Mer sie hat gleichzeitig den Beweis geliefert, toie notwendig es ist, daß die große Körperschaft ausgebaut und mit möglichst großen Rechten ansgestattet werde, auf welcher eine der großen Hoffnungen der Menschheit ruht. Oberster Rat, Interalliierte Komitees und Reparationskomm-isfionen— alle diese Institutionen, welche der Liquidierung des Krieges dienen, stehen bisher der vollen Entfaltung des Völkerbundes im Wege, und jeder, der jene ihrem Abbau nähert» hilft gleichLeitia iwt, deM VMesibnnd die Bahn frei M Machers '

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