Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1647 (14.9.1923)
- Date
- 1923-09-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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o Nr. 1647 Men, Freitag Schwievig-ett-en, .dir sich aus der vollständig veränderterl wirtschaftlichen Lage ergeben. @jg fei notwendig, zur Deckung d»er Vevsichernngskosttzn am FinauMbem zu wählen, -das der gegenwärtigen sehr bes chrankten sinanziel- Un Tragkraft der BeitragsPsilichtigen entsprechend Rechnung tragt. Albg. Dr. Resch (christlichsozial) legte dem Unterausschüsse eine Entschließung vor, in der die Regierung anfgefovdevt Wird, im Hinblick auf die geänderten wirtschaftlichen- Verhältnisse das Wers- und JnvaMtäts-Vevsiche- Mngsgosetz einer Umarbeitung zu unterziehen und >den neuen Entwurf ehestens im Hache wieder einzubringen. Hieran schloß sich eine lange Debatte, in welcher die Gozialdsmokraten sich namentlich darüber beschwerten, daß der Ausschuß, der über das SozialvevsicheM'Ngsgesetz b is 16. September an den Nationalvat hätte berichten sollen, zu spät einberufen worden ist. Nach längerer Debatte -wurde die Resolution Resch angenommen und ein sozioldemokratischer Antrag abgelehnt, der vorschlug, der Ausschuß möge sofort in die Beratung des Gesetzes erngehen. Sonderausschuß fite Klekureutnerintereffen. Der vont Sonderausschuß für Kleln-rentnerlnteressen eingesetzte Unterausschuß hielt gestern vormittags -und nachmittags eine Sitzung ab, in der das Familieng l ä u b i g e r g e s e tz zur Gänze beraten tvnrde. .Hiebei ergab sich die Notwendigkeit der Vornahme einiger stilistischer Aeuderungen und der Neuformulierung einzelner Paragräphe, die in einer im Laufe der nächsten Woche stattfmvenden Sitzung des ll>nteransschusses zur endgültigen Beischlnßfassnng vorgelegt werden. Zugoslawie«. Pafic wer seine Pariser Miffiau. Belgrad, 13. Septonrber. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnug".) In der gestrigen Mini sterratssitzung berichtete Ministerpräsident Pa sic über seine Pariser Mission. Wie dieser Bericht gelautet und welchen Eindruck er gemacht hat, konnte die Ocffentlichkcit nicht erfahren. Einzelne Minister erklärten nach Beendigung der Sitzung den anwesenden Journalisten, daß sie mit dem Bericht des Ministerpräsidenten vollkommen zufrieden seien. In der Sitzung wurde die schon gemeldete Nachricht bestätigt, das; Frankreich im Interesse einer friedlichen Lösung der Fiumaner Frage Jugoslawien bereitwilligst Hilfe leisten wird und in Nom bereits diesbezügliche Schritte unternommen hat. Kue susoflawifchs Hafenzsne in 8tMfi. Nom, 12. September. „Tribuna" berichtet bezüglich des zwischen Griechenland und Jugoslawiien abgeschlossenen Abkommens betreffend Saloniki, daß Griechenland Jugoslawien eine H a f e n z o n e mit Molen, Gelei seit, Kränen und Magazinen, für die Dauer von 5 0 Iah r e n überlassen habe. Ungarn. An Todesurteil. Budapest, 13. September. Das Budapester Militärgericht hat heute den Soldaten Josef Bodo, der während einer Gefechtsübung den Obersten Riffl erschoß, z u m Tode durch den Strang verurteilt. Der Verurteilte legte Berufung an das Oberste Militärgericht ein. _ Polen. PMifche Reden des StaatrprMenten. Warschau, 13. September. (Tel. der „Wienm Mortzenzcitung".) Wie bereits gemeldet, besuchte der Staatspräsident WojciechowSki tu den letzten Tagen eine Reihe von größeren Städteir des Landes, bei welcher Gelegenheit er politische Reden hielt. Die größte Aufmerksamkeit lenkten seine Reden in Lublin, Pula-Wy und Chelm auf sich, in denen er betonte, daß die eigentlichen „Hausherren" im Lande nur die Polen seien. Selbstverständlich haben diese Reden die gegenwärtigen Mchchertsparteien befriedigt, während die linke Presse gegen diese Stellung nimmt. Das Organ der polnischen Sozialdenrokratie „Robotn i I" macht dein Präsidenten zuim Bovwuvf, daß er bei seinen Reisen in den einzelnen Provinzen Reden halte, die nicht geeignet sind, die Nationalitäten, die in Polen wohnen, für den polnischen S.t aatsgedanke n zu gewinnen. Es sei ein Fehler, wenn der Präsident beispielsweise in Chelm behauptet habe, daß die nationalen Minderheiten stets der polnischen Republik ihre Treue zu bewahren hätten, weil sie durch gemeinsame Staatsbürgerschaft mit den Polen verbunden seien. In derselben Zeit habe jedoch der Präsident in einer ’ilidbc in Lublin erklärt, daß in der polnischen Republik ausschließlich die Polen zu regieren haben, den Minderheiten sei jedoch die bürgerliche Gleichberechtigung zu bestreiten. , Der Staatspräsident, der seine Wahl eigentlich den Stimmen der Abgeordneten der nationalen Minderheiten verdankt, sollte als Staatsoberhaupt wohl die Propaganda der Rationaldemokraten nicht mitmachen. ., gßtcnc? w’ii9tgcn3eYntift&« MODELLHAUS Julius Krupnik VIl.» Kaiserstrasse 111—115 VORNEHME KLEIDER KOSTÜME MÄNTEL P E LZ E 892 Wegen Umbau und Raummangels nur noch kurze Zelt nie wiederkehrend . billige kreise! Litauen. Nie Wische Nationalversammlung. Kowno, 13. September. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnng".) Anläßlich der bevorstehenden Volkszählung erläßt der jüdische Nationalrat einen Aufruf an die jüdische Bevölkerung, in dem diese aufgesordert wird, sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen. Auf Grund dieses statistischen Materials würden die Inden für eine ganze Reihe von Rechten, wie des öffentlichen Gebrauches der Muttersprache, die Inanspruchnahme von Staatsmitteln für soziale Fürsorge mit stärkerem Nachdruck eintreten können. Es liege daher int Interesse der jüdischen Gefamtbevölkernng, das Bekenntnis der Zugehörigkeit zur jüdischen Nationalität abz.iilegen. Die Wahlvorbereitungen für die demnächst stattfindende jüdische Nationalversammlung sind bereits in vollem Gange. Bisher sind bereits Kandidatenliste): von den Zionisten, Hitachduth, Zelle Zion, dem Handwerkorverbande und von den einzelnen jüdischen Arbeitergrnppen eingereicht worden. Die Hanptwahlkonrmission hat bereits ihre Vorberertungsarbeiten abgeschlossen. Nach der allgemeinen Stimmung zu urteilen, dürften die zionistischen Listen eine Majoritat erlangen. Rundschau. Aus dem Rnhrgebiet. Neuerliche Ausdehnung der Besetzungszone. Dortmund, 13. September. Die BesetzungsbehörVe gibt bekannt, daß Hattingen neuerlich in das besetzte Gebiet einbezogen wird. Die Mlliardenbefchlagnahmungen. Dortmund, 13. Schtember. Bei der Düsseldorfer Stadtverwaltung haben die Franzosen 360 Milliarden weggenommm. Französische Besatzungstruppen meutern. Herne, 13. September. Ein Teil der auf der Zeche Julie in Beul an nntergebrachten Mannschaften des 17. französischen Jägerbataillons meuterte. Sie warfen die Schildhäuser um, zerschnitten die Stacheldrahtverhaue und warfen die Gewehre fort. Die Kohlenlieferungen nach Italien wieder ausgenommen. Buer, 13. September. Die staatliche Zeche Westerholt, die von den Franzosen wieder, geräumt worden ist, und die Zeche Bergmannsglück haben die Kohlenlicfernng für Italien wieder . ausgenommen. Die Besetzungsbehörde hat zum Abtransport der für Italien bestimmten Kohle Hamm-Osterfeld fr ei gegeben. 1! Blutige LenermgMndsrbungm in Beuchen. Beuchen, 13. September. Im Anschluß an Teuerungskundgebungen wurden heute mittags einzelne Kaufleute gezwungen, Waren zu bedeutend herabgesetzten Preisen abzusetzen. Vereinzelt wurden auch Waren geraubt. Die Polizei stellte die Ordnung vorübergehend wieder her. Nachmittags drang die Menge in mehrere Geschäfte ein und versuchte zu plündern. Die bedrängte Polizei gab etwa 60 Schüsse, hauptsächlich Schreckschüsse, ab. Eine Person wurde getötet, ei ne lebensgefährlich und zwei Personen leicht verletzt, etwa zehn Personen wurden verhaftet. Die Polizei drängte die Menge in Nebenstraßen ab. Abends fielen im Zentrum der Stadt neuerlich Schüsse. Gegen 8 Uhr abends war die Ruhe wieder hergestellt. Mehrere Personen wurden verhaftet. » j.*. ocp»entt/ex 'xtftJo * 'LA4K1 » zionistische Srganisation. Der Partrirai Mt seine nächste MGrechmH n i ch t Sonntag vormittags, sondern Dienstag den Iß. ds um 8 Uhr abends, 2. Bez., Tabovsivaße 20 a. Die nächste Sitzung des Zionistischen Aaud ts&. ko mite cs: D -1 e n s t a g den 18. d. um 6 Uhr ckbends, 2. Bez., Da'borstraße 20>a. Das Zionistische Lokailkomi-tee hat seine nächste Besprechung Montag den 17. d. mx einviertel 8 Uhr abends, 2. Bez., Taborsiraße 20 a. Die Mitglieder des Lokalkomitees werden geboten, spätestens bei dieser Sitzung die Berichte über die der-, flvssene Arbeitsperiode, die gewünschten Listen in doppelter Ausfertigung sowie die noch ansständigen Parteisteuerbeträge rnttzubvingon. gen und die finanziellen Verhandlungen im Innern noch im Flnße sind, so daß sich eine abschließende Mitteilung noch nicht machen läßt. Eine Einberufung des Reichstages ist demnach vor den letzten Septembertagen nicht zu erwarten. Eine Tonderbotschaft Sttesemanns an Poinmre Paris, 13. September. „Quotidien" will wissen, daß der Berliner Delegierte der Reparationskomm-lssion, Haguenin, mit einer S o nderbots chaft des Reichskanzlers Dr. Stveseimaun an den Ministerpräsidenten Poinca're in Paris eingetroffeu fei. Der Kanzler teile darin angeblich mit, daß er, falls Frankreich unnachgiebig bleibe, zum Rücktritt g e z w u n g e n wäre und Deutschland Gefahr laufe, unter einer Koalition der änße r st e n Rechten und der äußersten Lim kan znsammenznbrechen. Ae Arbeiten des Völkerbundes. Genf, 13. September. (Tel. der „Wiener Morgen« zeüullg".) In der vierten K o m m i s s i o n wurde die Frage der Herabsetzung des Budgets weiter behandelt und schließlich der Antrag des französischen Delegierten auf Herabsetzung des Budgets des Völkerbundsekretariats mit großer Mehrheit angenommen. Die fünfte Kommission begann heute nachmittags die Debatte über den Bericht der ständigen Völkerbund-Kommission für internationale geistige Zusammenarbeit. Benesch. Kandidat der kleinm katente kür den BMerdnndrat. Genf, 13. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die heutiA Vollversammluldg des Völkerbundes fetzte die allgemeine Aussprache über den. Bericht des Rates fort, wobei unter anderen Kalkoff (Bulgarien) betonte, sein Land sei weiterhin gewillt, die sich ans den Verträgen ergebenden Verpflichtungen strikte zu erfüllen. Politis (Griechenland) dankte deur VöWerbunde und -den amerikanischen Hilfsgesellschaften für das an tfen griechischen^ Flüchtlingen ans Ostthrazien und Asien voMrachte Samariterwerk. Sidzikauskas (Litauen) übte an der Haltung des Böllerbundrates im polnisch-litauischen Konflikt zientlich' heftige Kritik, wobei er betonte, daß Litauen gleichwohl ein aufrichtiger Freund des Völkerbundes bleibe. " Professor Murray (Südafrika) äußerte sich zum Schluß noch über die Minderheitenfrage. Die Vertreter der kleinen Entente haben bLschlöfsen, den tschech-o-istowaiischen AußenWinister Dr. Benefch als Kandidatert für den n i ch t st ä n d i g e n Sitz i m Völkerbund rate aufzustellen. Frankreich und Rußland. Paris, 13. September. Nach Meldungen der Pariser Blätter soll der Leiter der russischen Staatsbank, Schein-' ntöwjt, demnächst nach Frankreich reisen. Dazu schreibt „Petit P a r i s i c n", es handle sich bei dieser Reisehöchstwahrscheinlich um die Errichtung einer Korre-j spondenzstelle der russischen Staatsbankt in Frankreich. Leitende Persönlichkeiten eines französischen- Finanzinstitutes, mit dem Scheinmaun 'bereits seit einigeL Zeit vechande'lt, halben deur Vertreter des Blattes erklärt, man bemühe sich, eine durchführbare Formel zu firrden, die es ermögliche, mit der Wahrnehmung der fvanzösif ch e n und der belgischen Interessen einen Anfang zu machen. Alles, -was geschehen sei, sei d e m M i n i st e r p r a s i d e n t e n b e t a rf n t und habe seine Zustim-urung geftrnden. An Franzose in Rußland zum Tode verurMt. Wie aus Moskau berichtet wird, stand vor einigen Tagen der Franzost Tourn-efort unter der Anklage der Spionage vor dem Obersten Gericht. Tourncfort diente während des Krieges als Offizier in der russischen Armee. Nach der bols-chewikischen Revolution soll er unifangreiche Spionage in französischem Anftrag betrieben haben. Das Oberste Gericht verurteilte Tournefort zum Tode und sprach sich gegen jede Amnestie aus. Keine kinbernfnng des Reichstages. Jas Erdbeben in Fapan. Berlin, 13. September. Im Aeltestenausschuß des ReichOages sprach sich heute die Mehrzahl der Parteien gegen eine sofortige Einberufung des Reichstages aus, nachdem die Regierung sie hatte wiffen lassen, daß die außenpolitischen Verhandln n- Eine halbe Million Verletzte in Spitalsbehandluitg. Paris, 13. September. (Wolfs.) Nach einem Telegrarum des japanischen Konsulats in Marseille beträgt die Zahl der bei dem Erdbeben Verletzten, die in öffentlichen Anstalten in Behandlung stehen, 6 0 0.0 00. G'liSgRäumunaweritauf im (MnIi Schiffmann II., TaborstraBe 48 Telephon 47-1*73 En flros En delall