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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-13 · Heft 1646 (13.9.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1646 (13.9.1923)
Date
1923-09-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Hk. 1616_ Men, D-omterStag Tagesbericht. ■fit iildWen Arbeitersührer fit Amerika fSt die Palöstina-Arbeit. Aus Neiv-Aork inclbct I. E. B.: Ter Beschluß -er jüdischen professionellen Vereine Amerikas, eine Konferenz einzuberufen, die über die Entsendung einer Delegation nach Palästina beschließen soll, Lat unter den Führern der jüdischen Gewerkschaften große Zufriedenheit Hervorgerufe». i Der Generalsekretär der Schncidergeweickschaft, Mister Josef Schloßberg, erklärte in einem Interview, er freue sich als Jude, sowohl als auch als Arbeiter, daß die palästineufische Arbeilcrfchaft eine Delegation cingeladen habe. Er hoffe, daß die Einladung angenommen wird. Es sei das erste Mal, das; die organisierte Arbeiterschaft Palästinas die ausländische Arbeiterschaft cingeladen habe, das neue Leben der jüdischen Arbeiterklasse in Palästina kennen zu lernen. Er hoffe, dichcr Bestich werde' däs Band zwischen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas und Amerikas festigen. Der Generalsekretär der Frattenkleiderarbettergelverkschaft, Mr. Bar off, sagte, es sei seiner Ansicht nach die Pflicht der jüdisch^en. Arbeiterbewegung, der südischcit Arbeiterschaft in Palästina nach Kräften beizusteheu. Der Generalsekretär und Kassier der Hutmachcrgewerksaft, Mr. Max Zucker mann, erklärte, er habe es vorausgesehen, daß früher oder später die jüdische Arbeiterschaft in Amerika sich mit bcu jüdischen Arbeitern in Palästina vereinigen lverdc. Mr. R o ii b e n g u s k i n vom jüdischen Arbciterring sagte, wenn wir unseren Kameraden in Palästina helfen können, dürfen wir mit unserer Hilfe nicht znrückhalten. Der Zionismus kann für die Arbeiterklasse kein Schreckgespenst 'ein wie einst. Sie autikemitische Internationale. Die ganze Tscheche Slowakei wird gegenwärtig mit antisemitischer, meist deutsch geschriebener Literatur überschwemmt. Das Zentrum für diese Propaganda befindet sich aber nicht in der Tschecho-Slowakei selbst; wie fcstgestellt wurde, werden sie Flugblätter von Leipzig und München aus massenhaft nach der Tschecho slowakei gesandt. Wie der I. C. B.-Bertreter erfährt, hat diese Agitation bor etwa zwei Jahren begonnen, nmuittelbax nach den Unterredungen, die Henry Ford mit deutschen Politikern der Tschecho-Slowakei gepflogen hat. Die ganze Art der Agitation in der Tschecho-Slowakei bestärkt die Vermutung, Sjflfc es eine zentrale Stelle für internationale antisemitische PwpLgtrnda gibt, die zielbewußt und _Wiener Mo«genzeUung._ nach einem festen Plan eine antisemitische Weltbewegung zu entfachen sucht.. Die antisemitische Agitation wird selbst in Länder getragen, die wenig oder beinahe gar keine Juden aufweisen, wie die skandinavischen Länder oder Italien. Die „Hakenkreuzler-Organisationen", die sich in Oesterreich gebildet haben, die „Frontkämpfer", die „Orgesch" und die verschiede neu anderen motrarchistischen Verbände in Deutschland, der „Rozwoj" in Polen, die „Erwachenden Magyaren" imd selbst die russischen Monarchistenkreise in Paris, Berlin, München, Prag und Belgrad — alle diese Organisationen, die in jedem Lande monarchistische Ziele haben — versuchen durch antisemitische Schlagworte die Bevölkerung für ihre Zwecke zu .gewinnen. Von Deutschland aus wird antisemitische Propagandaliteratur in viele Länder versandt. Vielfach lvird die Tätigkeit der Verbände im Auslande von Deutschland aus beeinflußt und dirigiert. Das Zentrum der russischen monarchistischen Bewegung ist nach wie vor Paris, wo der Großfürst W l a d i m i r o w i t s ch die Aktion leitet mW enge Fühlung mit den russischen Monarchisten in Belgrad unter der Führung üou Markow unterhält. Interessant ist, daß sich in Prag ein Komitee gebildet hat, welches «ine Bauernregt er ung in der Ukraine vorbereiten will. Das Komitee ist ein Exponent der „G r ü n e n Internationale", die in Prag ein starkes Zentrum besitzt. Es wird von dort ans an der Organisierung der Bauern in allen Ländern zu einer „Grünen Internationale" gearbeitet. Die Ukraine mit ihrer überwiegend bäuerlichen Bevölkerung scheint der „Grünen Internationale" ein guter Boden zur Durchführung ihres Experimentes zu sein. Für die ukrainischen Juden, die hauptsächlich ein städtisches Element vertreten, würde die Durchführung dieses Planes vermutlich eine neue Bedrohung ihrer Lebensexistenz bedeuten. Me Bücher von Zosef Popper-Ltznkus in der Jerusalemer Rationalbibliothek. Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Die Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem erhielt dieser Tage die gesamte, zirka 2500 Bände umfassende Bibliothek, welches ihr Josef Po pper-Lhnkeus hinterlassen hat. Joses Popper hat bekanntlich auf einer ganzen Reihe von Gebieten der Wissenschaft HervorragLndes geleistet: Als Physiker und Techniker, als belletristischer Schriftsteller, als Philosoph und Soziologe. Der große Jnteressenkreis, die Belesenheit, und mantrigfache Tätigkeit Poppers spiegelt! sich auch in seiner Bibliothek, die eine große Zsahl von technischen und mathematischen Büchern, sehr viele-Schriften zur Gesellschaftslehre und zum Sozialismus, philosophische Klassiker (darunter viele in ersten Ausgaben) und" eine große Anzahl von Widmungsetzemplaren österreichischer und deutscher Schriftsteller enthalt. Unter anderem hatte Popper auch eine zahlreiche Sammlung von Büchern 13. September 1923 Seite.5 über den fernen Osten, für den er sich stets sehr interessier hat, und eine Kollektion von Schriften über Rousseau uni Voltaire, die aus den Vorstudien Poppers zu seinem Buch, über Voltaire stammen. Sehr viele Bücher enthalten hanschriftliche Bemerkungen deL Verfassers. Die Biblioth«' wird jetzt katalogisiert und wird in wenigen Wochen den Publikum zugänglich sein. Die Nationalbibliothek hat it sämtlichen Exemplaren ein entsprechendes Exlibris aiv bringen lassen, das die kurze Biographie von Popper- LhnkeuS wiedergibt. _ Set Keren Kajemeth l'Nrael (ZLdMei Rationalsonds) ans dem IS. zionistenkongreß Bon den Beschlüssen des .Kongresses sind vor allem di. folgenden hcrvorzuyeben: 1. V crzich t des Jüdischer N a t i o nass o n d s a u f 20 P r o z c n t v o n d c n E i it nah m e n de s K cr c n Hajesso d. Ter Jüdische National fonds sah sich veranlaßt — einen diesbezüglichen Beschluß, ha: auch die zweite Geuernlkonsereiiz des Jüdischen Nationalfondr in.Karlsbad gefaßt —, in Hinkunft ans die ihm im Sinne der Slaiuteir des Keren Hajessod zukommeuden AI Prozent der Eingänge zn verzichten, und dies ans folgenden Gründen: Wie die Erfahrung gelehrt hat, war der Keren Hajessoi nicht in der Lage, seine Verpflichtung dem Jüdischen National fonds gegenüber zn erfüllen, weil er dringendere, seinen eigentlichen Tätigkeitsgebiete näher liegende Zwecke zu dotiere: hatte. Während in der zionistischen Oeffcntlichkrit der Eindruä entstanden.war, als ob durch Herbeischaffnng der Mittel für den Keren Hajessod >eo ipso der Ke reu Kajeiueth Mittel für seine eigener: Zwecke bekäme, war der Rationalsonds wieder in seiner Arbeit gehindert und besaß nicht die nötige Betägigurtgs. sreiheit. Damit mm in Hinkunft dieser Zustand anfhör.'., hat der Nätionälfonds im Einverständnis mH dem Keren Hajessod an! diesen 20prozentigen Anteil verzichtet. Hingegen hat der Keren Hajessod die Verpflichtung übernommen, einerseits diese 20 Prozent für die Vergangenheit in Jahresraten an den Keren Kajemeth zu bezahlen, andererseits aber in seiner Propaganda die Tatsache zn betonen, daß er von seinen Eingängen an den Nationalfonds nichts mehr obführt. Durch diesen vom Kongreß genehmigten Beschluß, den, eine vorherige Einigung der Direktorien beider Institutionen voranging, wurde das Verhältnis zwischen diesen beiden Fonds bor der zionistischen Oeffentlichkeit klärgestcllt sowie auch dem Keren Kajemeth die nötige Freiheit gegeben, um im Rahmen seines Organisationsapparates die für den Bodenkauf und Amclioriernug des Bodens nötigen 5wpb talien aufznbringen. 2. Sicdlirngsvo r r c ch t. Die Entwicklung der Nationalfondsarbeit der letzten Jahre läßt sich durch ein Wort charakterisieren: Kongretisicrung der Nationalfondspropaganda. Statt der vor dem Kriege üblichen Methode, von dem jüdischen Volke Mittel zn verlangen für Geulath Haarez in abstracto, bemühte sich der Nationalfonds in den letzten Jahren, Mittel ZurSaiton! Reicht Auswahl neuester PelzmodelYe in sSmtl. Pelzarten — Pariser u.Wiener Geschmack vereint — erzeugt nur In eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung Ges bestrenommierten Inhabers der Firma PraierstraDe 9-11 .2-6 Ne polnischen Aufständischen und die Juden. Von Dr. 91. M. Gelber?) In seiner Monographie „Die Inden und der Polnische Aufstand 1803" behandelt der Verfasser auf Grund neuer archivalischer Materialien die Geschichte der Polnischen Judenhcit in den Jahren 1860 bis 1*868. Ein besonderes Augenmerk schenkt der Verfasser dem Verhältnis der polnischen Gesellschaft zur Judensrage vor und während des Aufstandes. Wie bekannt, ist im Jahre 1802 infolge der nicht ei «gehaltenen Reformversprechungen des russischen Zaren Alexander des Zweiten, innerhalb des polnischen Volkes ein Aufftand organisiert worden, der erst im Jänner >863 ausbrach. Schon vor dein Aufstand ilvaren die polnischen Revolutionäre bemüht, die Inden, die einen nicht unbedeutenden Teil der Bevölkerung Kongreßpolens ausmachten, für den. 'Aufstand zu gewinnen, nötigenfalls sich ihre Neutralität während des Aufstandes zu sichern. Ein bedeutender Teil der damaligen jüdischen Jntclligenr schloß sich mit Begeisterung der damals proklamierten polnisch-jüdischen Verbrüderung an.) Ter Warschauer Rabbiner Meiseis. Dr. I a st r o w, Isaak Kram st ü ck . und Matthias R o s t n zählen zu den ersten Piottieren der. polnisch-jüdischen Verbrüderung. Ihren Brmühilngen gelang es auch, bei einem Teil , der jüdischen Bevölkerung Sympathien für den Aufstand zu. gewinneii. In dem folgenden Abschnitt 'behandelt der Verfasser das Verhältnis der Inden zum Anfstand. Wie verhielten sich die Juden zu dem. bereits begonnenen Aufstand? Selbst die polnisch-jüdische Intelligenz war in ihren Anschauungcu geteilt. Der größere Teil stand im Lflger der dem Ausstaudc fcindlicb gesinnten Partei der ,Meißen". Obwohl diese Partei im Punkte der Judensrage voll und'ganz am Programm des Agrarbereines festhiclt, hatte sic dennoch Juden ausgenommen, und sogar nitf' ihrer Scpteurber-tagmrg im Jahr« 1861 in ihren Verwaltuugsausschnß, in die sogenannte „Direktion der Weißen" (Dyrekcya Bialych) den 'jüdischen Bankier Leopold Kronen borg gewählt, freilich nicht so fehr aus freiem Willen als vielmehr unter dem Drucke der Bcrbrüderllngsbewcgnng. Kronenberg, ein überaus rühriger Fiuanzmanu, war auch ein Führer der int Lager der Meißen vereinigten Juden, geworden. Er 'hatte hier eine ungeheure Tätigkeit zur Verhütung des Aufstandes entfaltet, den er als äDatastroPhe Gezeichnete. Nach feiner Ansicht sollten bei den Russen größere 'Reformen auf nationaler Grundlage drtrchgesetzt werden, jedoch nicht im., Wege eines bewaffneten Aufstandes. Ilm Dezerrrber 1862 trat bereits Kronenberg ans der Direktion ans. *) Aus dem soeben tu R. Low i t s B e rlag, Wien und I LsipKvg. erschienenen Btvche: Dr. N. M. Gelber: „Die Jude« und der polnische Aufstand -IßtiS»"' Im Lager der eigentlichen Revolutionspartei^ stalid nur ein Heitrer Teil der jüdischen Intelligenz, die umt im Sinne des Zentralkomitees zli toirken begann. Man sprach zwar ooil einer „P o I n i s ch - j ü d i s ch e it R e g t e r n ng" (rzad polSkozydolvski), die der provisorischen Nationalregierttng iittterstellt tvar und unter Meisels Leitung stand. Sie war aber nur die Fortsetzung des zu Eirde des Jahres 1882 von Meisels gegründeten jüdischen Komitees. Von seinen Mitgliedern nahmen viele einet« tatkräftigen Anteil am Zettträlkornitee. So sehert wir, daß es selbst in den Kreisen der Polnisch ge-sinnlen Jtideit grundsätzliche Meiulnigsverschiedeuheilen gab, die wohl ztt keiue>n einheitltchetl Vorgehen führeit konniett. Kein Wunder also, daß die Volksmassen beint Atls-brnch des Tkch'tandes ratlos dastanden iind sehr oft eine zlveideitlige Stellmig einnahinen. Die orthodoxen, vornchinlich aber die chassidischen Dolksfchichten tratett mit aller Energie gegen den Aufstand auf. Jhtten waren ja doch die Revolntionsparieien mit ihrer Politisch-assiinilatorischcn Richtmtg, in der sie nur den Uittergang der Judcnheit erblickten, verhaßt. Nicht die Angst oder Kriecherei vor den Russen war es, die src vom Aufstande fernhielt*) sondern viel tiefere Motive veranlaßten ihre Nichttcilna!hme. Diese Volksmassen hatten schott in diesetn Zeitpunkte mit ihrent gesunden Volksiustiukt die Tragivette des Polvn i s i e r u tt g s p r o z e s s e s erfaßt und den starken katholischklerikaleit Charakter des Aufstandes, der über'hmlpt die ganze damalige Nationalbeweguug beherrschte, für die Juden als veruichieud erkauitt. Die Orthodoxie bekämpfte schon seit längst die Assiutilatiolt, sie führte noch int Jahre 1854 einen erbitterten Kampf gegen die Einführung einer polnischen Inschrift atn Grabstein des Anton Eifenbatim, des ersten Vorkämpfers der jüdisch-polnischen?lssimilatio>i. **) Die Führer des Chasfidism ns — die Zaddikim — tvare.lt.aus eben dcuselbert Gründen gegen eine Beteilignng atn Anfstattde und hatten attch demgemäß Maßregeln dagegen ergriffen. Bor allen war es der Aaddik von Kalw aryes, Reb Jcie Mtajer, der -Schüler und Äiachfolger des bekantttelt Mendel Kotzker, 'der gegen den Aufstand wirkte. Seine Tätigkeit 'erbitterte die Warschauer jüdische Jugend so sehr, daß sie einen tatkräftigen Schritt gegen ihn z>i nnternehtnett beabsichtigte. Mr durch die Benrnhurtgen des Gemeindesekretärs Jakob Rottvand wttrdc sie davon abgehalten. Mr sehen also, *) Wie es alle polnischen Historiker und Assimilauteu annehnten. Es ist itttevessant, daß die Polnische Geschichtsschreibltng es für selbstverständlich hält, daß die polltischen Inden an der Natiottalbewegung aktiv tvilyunehmett hätten, ohne es zu bedenkerr, daß die Jndert als ein Volk sich voll eigenen Interessen, die ihlten gut dünken, leiten lassen. v.,- **) Eisettbaunt hat schon int Jahre 1813 ein polttischjüdisches Organ. »Postrzegaoz nadwislanski". bearnndet. - ' Echer Gesiltnung eigentlich die Volksmassett*) — der ausschlaggebende Faktor des damaligen Lebens — waren. ■ Gauz anderes verhielt es sich mit den Juden in der Provinz. Hier gab es keine Richtschnur, die für die politlsch-nakioliale Stellung iltaßgebeitd gowesen tväre, hier ftiutnüe ■man jenem bei, auf dessen Seite die stärkere Gewalt war. Wir hören zwar voit freudigen Begrüßungen der Anfständifchcn durch die Juden der kleinen Städte. Es ist aber nicht sicher, ob sie in 'der Tat ihrer iltltersten Ileberzengung entsprungen lind als ihre Ztlstimutnitg zur Polonisierung aufztlfasfen sind. So sind die Anfstäudischeu schon am 26. Jänner iit Biala vvit den Juden mit Ovationen begrüßt worden. Die Juden bildeten dort eine?lrt Na i i onal ga rde mit dreifarbigen Kokarden an ihren. Mühen. Am 27. Jänner las der Führer der Aufständischen, Roginski, dem versammelten Volke die Manifeste der provisorischen Regierung vor. Hierauf veranstalteten die Inden in der Syitagoge einen Gottesdienst, ztt dem sie Rogillski einluden. Daselbst leisteten sic der Nkationalregierllug der» Eid der Treue. Als Roginski an die Bildung eines Berwaltungskörpers für dicsert Bezirk ging, beabsichtigte er, in denselben attch ein siidisches Miitglicd zit bcstimtneu. Einer ganz anderen Stimmung begegnen wir in San« dv m ierz, welches die Aufständifchen unter Rayskis Führung am 9. Februar verlassen und der russische Hauptmann Miednikow eingenomlneu hatte. Die Juden empfingen ihn mit Brot lind Salz und dankten ihnt, daß er sie von den Aufständischen befreit habe. Wir sehen also, wie verschieden die Stimmung unter den Juden war. *) Unter den Ehassidim gab es anch einzelne, die Polen« freundlich gesinnt waren. So schildert uns ein Zeitgenosse, der in.dieser VolkÄlasse aufgetvachscn ist. einen solchen Typus. Der Ghassid Jsrnel — erzählt uns der Memoircuschreiber — war ein begeisterter Pole, der den polnischen Aufstand sehr optimistisch beurteilte. Er war überzeugt, daß Polen jetzt ein großes Roich werde. Seine ganze Hofftrung auf Polens Befreiung war Napolevtt der Dritte. Er dachte, sobald die Russen bon.lden Poleu gefchtvächt seien, lvürde Napoleon au der Spitze seines Heeres nach Rußlattd einziehen und die Polen in der Eroberttng ihres alten Reiches unterstützen. Jsvttel koutpottierte sogar drei WAirsche, einen prm Andenken an die Stunde, in der der Zar den Uebergabeakt der Politischett Länder an die Polen unterfertigte ltn-b das polnische Heer unter Jubelklä«gett in Warschau einziehett würde: dett zlveiten zur Begleitung der fränzösischeit Hilfstruppen in ihre Heimat; der dritte Marsch aber war der Krünungsfeier des polnischen Königs und . der atcucu Konstitution gewidmet. (Ehaskel jbotik: „Alane Sichroij« -nes", Warschau 1913, 1. Bd., Seite IST bis 138. Die Noten der Wlärfche Seite 139 bis 140. Ueber Kotik siehe nrtservn Aufsatz „Mentoiren eines russischeti .Judctt" in der „Jüdischen Zeitmtg", Mett 1913, Nr. 33.) Solche Typen, die in ihrent Glauben in Polens Befteiung sogar dett radikalsten Revolutionären ähnelten, waren ivohl nnier den Inden und umer den Cbaüidimh nur vereimM. m iindeiL

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