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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-13 · Heft 1646 (13.9.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1646 (13.9.1923)
Date
1923-09-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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T iwwiwy**1 SWgWMHimWi■;»ly Hg,,», WS,» Men, Dommttag Wiener Morgenzektung. 18. September 1923 Nr. 1646 Oesterreich. Ne Jtomhtfettmg Lew' z«m Bürgermeister vou Wien. MeaNag tagte im Arbeiterheim Favoriten die Konferenz •dtt Wiener sogialvemvkrMschcn Bertrauensniännar, in der Wyeordneter Pmü Richter über die Gemeindcrats- und Nolüogvakra^wahben referierte. Er gedachte zunächst des Berichtes des Bürgermeisters Renmann ans eine Wiederwahl und istoLrditzte Reumanns Wirksamkeit im Gnucinderat und als ©fttgenweifter. Sodann machte Abg. Richter namens des Wiener Dovstandes den Vorschlag, als künftigen Bürgermeister den Präsidenten Seitz in Aussicht zu nehmen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Me Konferenz beschloß fern er, D o p p e l m a n da t e ms in besonderen Ausnahmssällen für zulässig -u erklären. Eine solche Ausnahme ward? für Abg. Seitz und Dr. Da nn eberg statuiert. Tfchecho-Slowakei. Fortdauer des Bergarbeiterstreiks. Prag, 18. September. (Tel. der ,Mr. Morgen zeitnug.) Heute vormittags wurden die Einigungsverhandlungen Mischen den Vertretern der Bcrylverksbesitzer urtb der Bergarbeiter wieder ausgenommen. Die Besprechungen beziehen sich auf das dom Ministerium für öffentliche Arbeiten vorgelcgte statische Ziffernmaterial und dürften mehrere Tage in AnspldH nehmen, da das Material sehr umfangreich ist. Mit der Beendigung des Streiks vor den Gen; "indewahien ist demnach nicht zu rechnen. Ungarn. Vertagung der Nationalversammlung. Budapest, 12. September. (A-ng. Tel.-Kvrr.-Bur.) Die Nationalpersammlung ist heute mittels Handschreibens des ReichSverweserS bis zum 13. Oktober vertagt worden. Diese Vertagung der Nationalversammlung ist ganz -unerwartet erfolgt. Aus der Tagesordnung der Sitzung stand der Gesetzentwurf betreffend die Besteuerung der Personenautomobile zum Zwecke der Landesnotstandsaktion. Ws Abg. Gömb5s zu einer persönlichen Bemerkung das Wort ergreifen wollte, wurde die Sitzung auf fünf Minuten unterbrochen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung teilte Muister BaSz mit, es fei ein Handschreiben des Reichsverwesers emyetroffen, das dann sofort verlesen wurde. Als daraus die Vertagung des Parlaments bis MM 18. Oktober hervorging, entstand auf allen Seiten des Hauses große Bewegung. Der Präsident beantragte, die nächste Sitzung «n 16. Oktober abzuhätten und auf deren Tagesordnung die Feststellung der werteren Arbeiten des Hauses zu setzen. Die Worte des Präsidenten 'gingen rm großen Lärm rmtr. Abg. Pikier (Soz.) rief: Nicht vertagen, sondern auflösen! Diese Rufe wuÄen auch von der äußer st e n Rechten mit Beifallskundgebungen begleitet. Nachdem der Vorsitzende zugegeben hatte, daß es ein Irrtum Ware, daß die für heute angemeldeten Interpellationen nicht verhandelt werden Vnnten, wandte sich Abg. Gömibvs im Rahmen einer persönlichen Bemerkung gegen die Vertagungstaktik der Regierung nnd sagte, wenn die Regierung eme Diktatur ausüben wolle, so möge sie dies offen tu«. Ae WerbeverschwSrer freigelasten! Bickapest, 12. September. (Tel. der ,Mr. Morgeuzeirnng".) Der Anklagefeuat hat heute die Entscheidung des Untersuchungsrichters über die Freilassung des Oberleutnants Apor und zehn Genossen bestätigt. Die elf „Verschwörers über deren Schuld Innenminister Rakovszky vor zwei Wochen in der Nationalversammlung ganz bestimmte Erklärungen abgab, verließen heute nachmittags das Gefängnis. Polen. «Memitische Wirtschaftspolitik. Aus Warschau wird uns gemeldet: Bor Monaten' interpellierte der Jüdische Klub den damaligen Finanz minister in Angelegenheit der Statuten der „Warschaus- Aktiengesellschaft, die eine Bestimmung enthielten, daß deren Aktien nur an Christen verkauft werLetni dürfen- Bor einigen Tagen erhielt der Klub vom nenxrnannten Finanzminister Kucharski eine Ziuschrift, in der erklärt wird, daß auch fernerhin solche Statuten! von der Regierung bestätigt werden sollen. Somit beginnt Finanzminister Kucharski in sinanzwirtfch östlicher Hinsicht den „Numerus clausus" zu handhaben. Inwiefern dies aber der von ihm geplanten Sanierung der polnischen FttlanMttr dienlich sein wird, wixd erst die Zukunft zeigen. Sine polnische DollarwWrungl Dr. Friedman« über den zionistemongreß. M steriler Kongreß. - An Kamps vorgefaßter Meinungen. - Za« Defizit an Mensche». Welzmann unentbehrlich. Anläßlich einer Generalversammlung der Zionistischen Bezirkssektion Landstraße erstattete der Präsident der österreichische« zionistischen Organisation Dr. Desider F ri c d ma n n ein Referat über den 13. Zionistenkongveß. Herr Dr. Friedmann, der in seinen einleitenden Worten festlegte, daß er vor organisierten Zionisten spreche und die Kenntnis der Verhandlungen in Karlsbad vorausfetze, führte ungefähr folgendes ans: Sokolow hat in seinem Schlußwort dem Kongreß sine Note ansgestellt, die auch Dr. Friedmann für zutreffend erachte. Er sagte, es sei „kein schlechter" Kongreß gewesen. Eine bessere Zensur habe der 13. Zionistenkongreß nicht verdient. Sein großer Mangeb war, daß seine Zusammensetzung nicht das richtige Bild der Strömungen innerhalb der zionistischen Bewegung gab. Diese bedauernAwerte Tatsache ist auf das fehlerhafte Statut des Kongresses und aus die mangelhafte Anwendung des Statuts zuvückzuführen. Vor allem ist auszusetzen, daß die Zionistische Organisation mit dem denkbar kompliziertesten Wahlreglement gesegnet ist. Der gegenwärtige Zustand, daß man beispielsweise für den nämlichen Betrag an Schekelgeldern, die in Amerika nötig sind, um ein einziges Mandat zu sichern, in Polen 7 5 Mandate erwerben kann, sei unhaltbar. Bei einer zionistischen Fraktion, nämlich der Misrachi, führte dies zu höchst anfechtbaren Ergebnissen. Auch die Anzahl der Mandate, über die Oesterreich verfügte, seien im Verhältnis zur Kraft der österreichischen zionistischen Organisation und ihren Leistungen.zu groß gewesen. So war das Bild des Kongresses verfälscht. Ein weiterer schwerer Mangel des 13. Zionistenkongresses war, daß er sozusagen von zwei Fragen, nämlich der Frage der Erweiterung der Jewish Agency und der Zusammensetzung der neuen Leitung, erschlagen wurde. Es wurden sehr wichtige Referate gehalten, aber der Kongreß hat diese Referate einfach nicht behand c l t. Es war ein Fehler, daß schon in der Generaldebatte über die Jewish Agency gesprochen werden durste. Dadurch wurde der Kongreß steril gemacht. Er war von dem Schlagwort jewish Agency" hypnotisiert. Es gab auf diesem Kongreß nicht einen Karttpf von Meinungen, sondern leider bloß einen ■ . Kampf vorgefaßter. Meinungen. Schon durch die erste Rede Weizmanns waren alle Reden über die amerikanischen Vorschläge , und über Weizmanns Haltung in Baltimore überholt. Es stand gar . nicht zur Diskussion^ ob die Jewish Agency zu erweitern-sei, sondern bloß, wie sie zu erweitern sei. Die Frage, ob eine Erweiterung nötig und wünschenswert ist, war ja schon auf der Jahreskonferenz 1922 in bejahendem Sinn beantwortet worden. Präsident Friedmann hält die Notwendigkeit der Erweiterung für unbedingt gegeben. Wir haben das Mandat erlangt, aber durch Lahmlegung des ruffischen Judentums ein kolossales Defizit an Menschen zu verzeichnen, so daß uns nur der bedürfnisfe Polens-decken. Y-ouing tritt auch für die Umstempetung der jetzigen Polenmark in polnische Dollar, und zwar in der Relation' 10.060 polnische Mark gleich, 6 polnische Dollar, ein. An dieser Sanierung solle sich England hervorragend beteiligen- Palästina zwei khalnzim ermordet. Aus Jerusalem meldet I. E.'B.r Die Chaluzim Weinstein und Reiter sind in der Nähe von Haisä ermordet worden. Die näheren Umst'nde sind noch nicht bekannt. GlücktvrmschLelqgramm Dir Heriwrt Samuels au Assischki«, Ussischkin wurde anläßlich feines 60. Geburtstages von Sir Herbert Samuel und Lady Samuel telegraphisch beglückwünscht. Die Tätigkeit des „Pardeß". Ans dem auf der Jahvesko-nferenz der kooperativen Gesellschaft ,Pardeß" erstatteten Bericht geht hervor, daß von dieser.Gesellschaft im verflossenen Jahre 35.870 Kisten Orangen aus Jaffa exportiert wurden. Die Gesellschaft ,Pardeß" bestcht aus 106 Mrttliedern und lbesitzt 5166 Dun am Boden, ans dem Mandeln, Zitronen und Orangen kultiviert werden. (I. C. B.) eine Ausweg der Erweiterung ermöglicht, den Forderungen des Mandats gerecht zu werden. Der Referent erblickt einen Widerspruch darin, daß just jene, welche den Mangel an politischen Erfolgen beklagen, gegen die Erweiterung der Jewish Agency auftreten. Der Einwand, daß die Erweiterung der Jewish Agency zur Entnationalisierung des Siedlungswerkes führen werde, sei eine leere, durch nichts erwiesene Behauptung. Voraussetzung für die neu eintretenden nichtzionistischen Faktoren ist ja, daß sie den nationalen Charakter der H e i m st ä t t e anerkennen. Bei richtiger Einschätzung der Debatten müsse man zu' dem Schluß kommen, daß es eigentlich nur diesen einzigen Streitpunkt gab: Was hat in der Zwischenzeit bis zum Weltkongreß zu geschehen? Es lvar wunderlich, daß Weizmanns OpPositionsmanN Soloweitsch i k eigentlich auch n it r' b t c f c Frage behandelte. Alles ging darauf hinaus, Kautelen zu schaffen dafür, daß die Zionistische Organisation das Heft in der Hand behält. So bestand eigentlich zwischen der: einzelnen Ansichten bloß eine Papier dünne Wand. Die Zweite Hauptfrage des Kongresses, die Frage der Leitung, ging dahin, ob dem Präsidenten das Recht zustünde, seine Mitarbeiter zu wählen, wie es jedem Kabinettschef zustcht, und ob die Exekutive in Palästina beizubehalten ist. In der Frage der Kabinettsbildung hat Weizmann gesiegt, in der .Frage der Palästina-Exekutive ist er unterlegen. Er hat aber allerdings durchgesetzt, daß Ussischkin zurücktreten nmßte. Präsident Friedmann würdigt die große Bedeutung Uffischkms. Er sei aber nicht zu halten gewesen, weil er im ausgesprochenen Gegensatz zu Weizmanns Politik stünde und zu den ganz wenigen zähle, welche prinzipiell gegen jede Evtveiierung '• der Jewish Agency sind.. Weizma n n, der wiederg.e wählte o b c r fL.c Führer, überrage alle weit und in jeder .Beziehung. Er hat Fehler, und wie jeder große Mann, große Fehler. Der-schwerwiegendste sei die souveräne Verachtung aller organisatorischen Formen. Deshalb glaubt Referent nicht, daß die Krise völlig . über- , Wunden sei. Auch die neugewählten Mitglieder werden ihr Recht aus. Mitarbeit geltend machen. Das werde vielleicht noch Anlaß zu Reibungen geben. Präsident Friedmann schloß sein Referat, das von dem dichtgefüllten Saale mit Spannung cntgegengcnommcn. wurde, mit folgendem -Resümee: „Wir .tragen die Ver, antwortung si'rr unsere- Pioniere, die-in Palästina sind, und für die jüdischen-Menschen, die nach Palästina gehen müssen. Das allein rechtfertigt den Beschluß, die Jewish Agency zu erweitern. Wir haben nur den einen Doktor; Chaim Welzmann, der die Gefahr, in welcher der neue Jischuw noch immer steht, bannen kann. Deshalb haben wir ihn gewählt. Erfreulicherweise konnte man den Kongreß mit dem Gefühl verlassen: die Einheit der Partei ist erhalten und jeder Zionist wird im Sinne der Beschlüsse des 13. Zianisteukongreffes an die Avbeit gehen. . London (Holland) betonte, nach seiner Anffaffung würde der Vertrag überhaupt nicht zur Abrüstung führen. Der Völkerbund müsse zuerst alle Staaten aufnehmen, bevor eine wirkliche Abrüstung möglich.sei. Le Brun (Frankreich) und Lord Robert Cecil führten aus, eine stufenweise Abrüstung stelle keineswegs eine Unmöglichkeit dar. Sie feien bereit, die Wünsche der kleinen Staaten nach Möglichkeit berücksichtigen. Äie franzöfische Liga für Menschenrechte gegen dfe polnische Numerus rlausus-Politik. Der Völkerbund soll eingreifen. Paris, 12. :Septembe-r. (I. E. B.) Das Zjeintratkomitee der srlmzösischen Liga für Menschenrechte hat die folgende Protestresolution gegen den Numerus clausus beschlossen: „Die französische Liga für Menschenrechte ist dvrj Ansicht, daß der Numerus clausus, dessen Einführung, die Studenten nichtpolnischer Rasse und jüdischer Religion in Polen bedroht, einen Angriff auf das natürliche Recht ans Unterricht bedeutet, ohne das man sich eine Republik nicht vorsteVen kann. Dia französische Liga für Menschenrechte ist ferneü der Ansicht, daß dieses Projekt doppelt ungesetzlich sei, da es sowohl den in der Verfassung Polirns festgelssgten Prinzipien als quch den im Vertrage vom 28, Juni 1910 enthaltenen Bestimmungen widerspricht. Warschau, 12. September. (Del. der „Wiener Mor- VMzeitung".) Die. Lodzer „Republik ct" meldet aus London, daß Mr. Young, der als Finanzberater.in Polen eintrifft, vor allem in die Budgetgebarung Einblick nehmen wird. Falls das diesbezügliche Ergebnis posi-- ttv «tsfallen sollte, wird er an die VerhMdlungen bezüglich der Gründung einer 'Emissionsbank herantreten. Das Gründuugskapital dieser Bank soll 100 Millionen Dv-Nair betragen, worauf 200 Millionen polnische Dollar emisiert werden könnchev. Dise^.Smmm^aLLÄUxwürde die.Mamten Rundschau. Die Abrüstung. Geys, 12. September. In der AbrüstNWs,kommis>"ion des Völkerbundes erklärte Branting, daß in dem, Vertragsentwurf über gegenseitige Hilfeleistung und Abrüstung viel von militärischen Garantien die Rede sei, daß aber ein ricfjtißcr AbpMKmM^sMl-am -kewesweos^vvoLie^ Die französische Liga für Menschenrechte ist der Ansicht, das; nach beim Wortlaut dieses Vertrages der Völkerbund berufen fei, jeden Angriff auf die Gleichheit ders - polnischen Staatsbürger ohne Rücksicht auf Rasse, Sprache! oder Religion zu unterdrücken. Die französische Liga für Menschenrechte wendet sich. darum an Pie R e g i e v u u g Bit dem Ersuchen, die Frage des Numerus clausus vor den Völkerbund zu bringen nnp diese,: zu Peranlassen, alle geeigneten Maßu'ahinett zu ergreifen, danrit eine derartig o f fei: kundige Ver- Jk&iwm der M i x e cb t e vermieden werde.^

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