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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-13 · Heft 1646 (13.9.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1646 (13.9.1923)
Date
1923-09-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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GMnB , ■_Wien, Donnerstag ■ Wiener Morgenzeltung. Ander gebe. Diese AnffafiRng ist irrtümlich. Was ich Vvchchkvg, betraf die unmittelbare Henmziehüng des Privatbesitzes und geht darin über den Versailler Vertrag hinaus. Wenn ans Reichsbesih imd Privatbesitz als Pfandrecht an erster .Stelle Hypotheken zugunsten des Reiches in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes dieses Besitzes angetragen werden, so kannten diese Hypotheken als reale Mvbilwe r t objek!e in eine von den 'Reparotionsglänbigern mit gn verwaltende . Treu h a n dg c je lisch ast eingcbracht werden. Die Zinsen aus dom Hypotheken werden der Treuhandgesellschast zusließeu, die aus Grund der Hypotheken und Zinsenerträgnissc d u r ch A u s g a b e v v n Obligationen Anleihen ausnchmen könnte. Frankreich würde dadurch sofort größere Zahlungen erhalten, und die Zinsenzahlungen wären in angemessener Zeit fließend zu machen. Dadurch würden die frauzösischerseits auszesiellten Forderungen für die Räumung des Ruhrgebietes erfüllt. Eine derartige Leistung bedingt zu ihrer Verwirklichung die Wiederverfügung Deutschlands über das Ruhrgebiet und die Wiederherstellung der Souveränität über das Rheinland. Sic ist geeignet, die Frage depassiven Widerstandes zu erledigen, wenn man uns Sicherheit dafür gibt, daß auis Grund einer solchen Vereinbarung das Ruhrgebiet geräumt wird und im Rheinland die alten Rechte wiederhergestellt werden. Gibt man nns die Sicherheit, daß jeder, der Rhein und Ruhr seine Heimat nennt, frei der Heimat wiedergegeben wird, so bestcht kein Grund mehr dagegen, dieses große, einst blühende Wirtschaftsgebiet seiner alten Arbeitsfreudigkeit zurückzugeben. I ch hoffe aus die Möglichkeit einer solchen Regelung. Frankreich hat wiederholt erklärt, es beabsichtige keine Annexionen. England stimm! mit dieser Ausfassung sicherlich überein. Belgien würde die Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher Vechältnisse sicherlich begrüßen und „Ae Phase der Entspannung u ♦ Krkliirungeu Mussolinis Wer außenpolitische Fragen. ist jedes Urteil in dieser Angelegenheit verfrüht und die . Rom, 12. September. Im heutigen Ministerrat erkalte Ministerpräsident M u s s o l i n i, die auswärtige Lage biete folgende einer aufmerksamen Betrachtung würdige Momente: Der italienisch-griechische Konflikt tft auf dem Wege zum Stadium der Durchführung der Sanktionen der Botschafterkonferenz, die die im ersten italienischen Ultimatum enthaltenen Forderungen dem Wesen nach in ihrem Beschluß ausgenommen hat. Die feste Haltung Italiens hat eine Intervention des Völkerbundes verhütet. Die Räumung Korfus wird, wie ich wiederhole, erfolgen, sobald über die formelle Annahme hinaus die in der Note der Botschafterkonfevenz ausgestellten Forderungen dürchgesührt sein werden. Dies ist vollkommen korrekt und niemand kann in irgendeiner Weise an der Loyalität Italiens zweifeln. Sobald die Wiedergutmachungen erfolgt sein werden, wird Italien die Inseln, die als einfaches Pfand besetzt worden sind, räumen. Gewisse dringliche Vorstellungen arrs dam Ausland sind inopportun, tendenziös und sogar beleidigend. Man hat tmnmehr allgemein anerkannt, daß unsere auswärtige Politik die Krise, die Entwicklungen von besonderer Schwere zeitigen konnte, glücklich übersteht. Jetzt hat man in Italien und in Korfu nur abzuwarten, daß Griechenland seine Pflicht voll und ganz erfüllt. Was die Frage von Fiume betrifft, erinnere ich an die letzten Ereignisse. Am 31. August hat die paritätische K o m m i s s i o n ihre Arbeiten beendet und deren Ergebnisse den beiden Regierungen übermittelt. Die italienische Regierung hat der Belgrader Regierung notifiziert, daß man bis zum 16. d. zu einer Regelung gelangen müsse, und zwar angesichts der ungeheuren materiellen und moralischen Schwierigkeiten, in denen sich Fiume trotz des Beistandes und der Unterstützung der italienischen Regierung befinde. Von Italien ist der Belgrader Regierung ein letzter, vollkommen gerechter und entgegenkommender Vorschlag gemacht worden, dessen Uebevbringer der jugoslawische Gesandte in Rom Antoniovic war. Bis zum heutigen Tag ist keine Antwort eingelangt. Deshalb tritt in der Behandlung des Konfliktes zwischen Italien und Griechenland zu belassen, schien die Krise im wesentlichen bereinigt zu sein. Aber die Haltung Italiens ist noch immer recht ungewiß und es fragt sich, ob Mussolini nicht itcuc Anlässe suchen wird, um sich in Korfu häuslich niederzulaffen. Charakteristisch für die Auffassung der Situation in Italien ist die Haltung der Mussolini nahestehenden Prasse, welche über den diplomatischen Sieg Italiens in Sicgcsjübel schwelgt/ Dabei kommt der Völkerbund, für welchen der Faszismus mrr sehr geringe Sympathien hat, recht schlecht wag, ebenso konstatieren die Blätter, daß England, dessen Haltung die' Wc ftag veMnMt hat, eine. di^lpMatiMa^ wir sind überzeugt, daß äuch Italien dieser Auffassung tft. Dem gegenwärtigen Kabinett sind von führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft Leistungen in einer Höhe angebaten worden, daß sie uns die Ausführung der heute von mir vorgefchlagenen Zahlungen ermöglichen tve-rden. Es handelt sich jetzt am das Leben und Sterben des deutschen Volkes. Irgendeine Verständig u n g ist allerdings davon abhängig, ob man glaubt, daß eine Stimmung zwischen Frankreich und Deutschland geschaffen werden kann, auf der sich eine solche Verständigung aufbauen läßt. Notwendig ist sie jedenfalls. Der ReichÄanAer fahr fort, der französische Ministerpräsident habe ihm empfohlen, die K o r r e s p o n d e n Z zwischen hiers uud drm Graf e n* Sa int - Valli er mit dem Generaffeldmarschall v. Manteussel nachzulesen und daraus Folgerungen für die deutsche Einstellung gegenüber dem Frankreich der Gegenwart zu ziehen. Der Reichskanzler betonte, ihm sei diese Korrespondenz wohl bekannt. Gerade sie zeuge davon, daß Deutschland als okkupierende Macht nach einem gewonnener! Krieg sich dessen wohl bewußt gewesen sei, daß ein friedliches 9? e b enei n a n d e r w ohne n von Rat ionen auch die Schonung berechtigter Empfindlichkeiten im Verkehr der Nationen m sich trage. Zum Schluß erklärte der Reichskanzler: Wenn honte unter anderen Verihältnissen Deutschland, das bereit ist, die Folgerungen aus einem verlorenen Krieg auf sich zu nehmen, dem Frankreich der Gegenwart gegcnübersteht, so möchte ich wünschen, daß auch diejenigen Persönlichkeiten, in deren Hand heute mehr als das Schicksal Frankreichs liegt, von deren Entschlüssen die Ruhe und die Befriedung Europas ab'hängen, sich von dem Gesichtspunkt leiten lassen, daß es auch jetzt gilt, den Frieden zu wollen, den Frieden zu erhalten durch eine Politik der Gerechtigkeit, die imstande ist, n a t i o n ale Leidenschaft zu beschwichtigen und dainit die Garantie für einen wirklichen Frieden gibt. Aeußerungen der Blätter sind Unbedacht. Es besteht noch immer die Möglichkeit eines oirekten Uebereinkonrmens ohne Schiedsspruch, insbesondre wen die Belgrader Regierinrg die Beziehungen zwischen den beiden Ländern in einer weniger engen und weniger lokalen Weise zu erwägen wissen wird. Im gegebenen Augenblick würden der gute Glaube und die Langmut der italienschen Regierung auf Grund von Dokumenten bewiesen werden. Bezüglich des Problems der Reparationen und der Lage i m R u h r g e b i e t erklärte Mussolini: In den früheren Mitteilungen häbe ich ans die Nützlichkeit einer Entspannung in der Frage der Wiedergutmachungen und der Ruhr angespielt. Die Entspannung ist insbesondere nach der Rede Dr. Stresemanns in Stuttgart deutlicher hervorgetreten. Ich glau'be, den baldigen Beginn von e n t s ch e t d c n d e n Besprechungen vorhersehen zu können, trotzdem darf man nicht Dauben, daß die Losung leicht sein werde und unmittelbar bevorstehe, und zwar mit Rücksicht aus die Art und die Vielfältigkeit der Hindernisse und der auf dem Spiele stehenden Interessen. , Der passive Widerstand hat keinen Sinn und keinen Nutzen. Ihn sortzusetzen würde heißen, vorbedacht sich der Katastrophe auszüliefern. In diesem Sinne hat die italienische Regierung interveniert, nm Berlin zu überzeugen. Es ist kaum nötig, hinzuzufügen, daß Italien auch in dieser gegenwärtigen Phase, die man die Phase der Entspannung in der R u h r s r a g e nennen könnte, direkt engagiert ist und daß seine Interessen bei der Regelung wachsam werden gewahrt werden. Nach zweistündiger Debatte, an der fast alle Mniste r teilnahmen, billigte der Mmstervat einstimmig die Beschlüsse und die Haltung des Ministerpräsidenten. Auf Antrag des KriegAministers Diaz wurde beschlossen, dem König ein Dekret zu unterbreiten, womit den Opfern des Mordes von Janina Auszeichnungen verliehen werden. läge" betitelten Leitartikel schreckt „Nuovo Paese", der Völkerbund sei völlig zusannmmgebrochen und die Ent-' scheidung der Botfchafterkonfereng habe -das Recht der siegreichen Großmächte bestätigt, Prestigefragen unter Ausschluß der neutralen und der kleinen Staaten zu entscheiden und schließlich der italienischen Politik im Orient ihre Autonomie und Freiheit zuerkannt. Auch Mussolini hat seiner Enttäuschung über die Gegnerschaft der. englischen öffentlichen Meinung gegen Italien offen Ausdruck gegeben. Die Angelegenheit selbst bleibt so lange ungeklärt, als Italien nicht seine Geneigtheit kundgegeben hat, Korfu in absehbarer.Zeit zu räumen und Lon- ' doner Blätter" melden, "daß Italien auf Korfu Truppen kon- M&m.jxsb. „ MN'MWZMMt.. ÄMchm-e. 18. September 1823 Rr. 1846 Me Intervention der Botschafterkonferenr. Paris, 16. September. Die Botschafberkoulferenz ist heute vormittags am Quai d'Orsay unter dem Vorsitze Jules Ca mb ans zusannnengetreten. In einer neuen Sitzung, die sie um 6 llhr 80 Min. abhalten wird, wird sie die Prüfung der vorniittags im Hinblick auf die Beendigung des italienisch-griechischer! Konfliktes ausgearbeiteten Texte fortsetzen. Italien macht Schwierigkeiten? London, 12. September. Wolfs.) Die ,Mmes" melden aus Rom, die italienische Regierung sei entschlossen, 'Korfu und die anderen Inseln besetzt zu halten, bis die Untersuchung bei Janina zu Ende geführt fei und die Schuldigen hingerichtet worden seien. Der Chef des Kabinetts /des italienischest Ministeriums des Aoußern habe dom römischen Berichterstatter des Blattes versichert, daß die Annahme der Note der ' B o t s ch a s t e r k o n s e r e n g durch Griechenland und die Zusicherung, daß die Mächte, die dieM-Note unterzeichnet habe», daraus achten tvürden, daß die Bedingungen von Griechenland voll und ganz durchgeführt würden, für Italien keine genügende Garantie darstellten. Die italienische Regierung sei davon überzeugt, daß nur die Anwesenheit italienischer Truppen aus Korfu die Griechen veranlassen wevde, ihren Verpflichtungen nachzukmnmen. Sollte sich jedoch die Untersuchung über einen beträchtlichen Zeitraum ausdehnen und sollten die Verbrecher nicht entdeckt werden, dann würde die italienische Regierung mit der Begründung, daß dies auf Mangel an gutem Willeu Griechenlands zurückKusühven sei, sogar noch eine weitere Forderung bezüglich der Besetzungskosten Vorbringen. Paris. 12. September. In informierten Kreisen glaubt man, daß die Entscheidung Mussolinis über die Zurückziehung der italienischen Truppen aus Korfu heute dem Botschafter Avezzana zugehen werde. Genf, 12. September. In der Bölkcrbundversammlung gab Vicomte I s hii eine kurze Erklärung über den italienisch-griechischen Konflikt ab. Er stellte fest, daß dieser Konflikt die Aufmerksamkeit des Rates fortwäihrend beschäftige. Gegenwärtig würden wichtige Verhand- Innigen zur Beilegung der Angelegenheit geführt. Er hege die Hoffnung, daß bald eine befriedigende Lösung werde gefunden werden, und ersuche daher die Mitglieder der Versammlung, im gegenwärtigen Augenblick von einer Diskussion ab zu sehen. Der erste Delegierte Hollands, London, sprach sodann im Namen seiner Kollegen.dem Rat das Vertrauen aus. Paris, 11. Septemlber. (Havas.) Die Botschafterkonferenz hat sich vertagt, da der italienische Botschafter noch nicht im Besitz der Instruktionen über die Räumung Korfus ist. Korfu und Fiume. London, 16. September. Wolfs.) In der englischen Presse stcht die Frage der Räumung Korfus im Vordergrund des Interesses. * ,Daily Telegraph" schreibt, Pvineare wolle Mw nicht weniger als die englische Regierung die Räumung Korfus herbeiführen, feine Beweggründe und auch seine Methoden seien jedoch von denen Großbritanniens verschieden. Die Frage sei die, ab Mussolini den Mb er räduugsv ersuchen Pvinvares stattgeben werde. Mit Bezug aus den drol-enden italienisch-serbischen Konflikt wegen Fiumes habe die italienische Besetzung Korfus ein ganz neues Gesicht erhalten. Serbien und die kleine Entente würden Kveifellos Poincare tadeln, wenn durch seine Laxheit die italienische Regierung Korfu als Basis für Operationen zu Wasser und zu Land benützen würde. Mische Wähler und WMerirmen reklamiert Euer Wahlrecht! Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die am 1. Jänner 1923 das 20. Lobensja.hr erreicht haben, sind >wahlckerechtigt.k / In der -Hausliste, tvelche in jeden: Hausflur angebracht sein muß, sind die bereits in die Wählerlisten Ausgeuvmmenen ersichtlich. Wahlberechtigte, welche in dieser .HanW^ste nicht enthalten smd, melden sich unter Mitbringnng ihrer und ihrer Angehörigen Dokumente (Heimatschern, Geburtsschein, Meldeschein, Paß, Arbeitsbuch usw.) in einem der Reklamationslokale: 1. Bez., Mesingerstraße 11, 2. Bez., Taborstraße 2va, 2. Bez., Zirkusgasse 33, 2. Bez., Prater, Stuwerstratze 1 (Cafe Winkler), 2. Bez., Schiffamtsgasse 20 (Machsike Hadach), 20. Bez., Karl Meitzlstratze 1, 20. Bez., Gaußplatz 3 (Cafe Halpern). Reklamation kostenlos! Täglich tum 8 bis 12 uni 2 bis 6 »hr. Der griechisch italienische Kvischemall. Durch die Formel der Botschafter-konsereu; und durch die stillschweigende Zustimnrung des Völkerbundes, dieser den Bor¬ Niederlage erlitten habe. In einem „Englische Nieder¬

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