Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1645 (11.9.1923)
- Date
- 1923-09-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Men, Dienstag «öauernbündler ausgenommen werde. Das Scheitern der Einheitsfront ist vornehmlich für die Großdeutschen schmerzlich, da hiedurch zumindest eines ihrer beiden Mandate arg gefährdet ist. Jas Ststndesest. Wirtschaftspolitische Forderungen. -Ha ms tag und Sonntag fand das von verschiedenen Or- Müsatwnen des Handels, Gewerbes und der Industrie veranstaltete Ständesest statt, -welches eine große Teilnahme aufwies. Es fanden verschiedene Festlichkeiten statt, ferner eine Von Minister a. D. Heinl eröffnet« Kundgebung im Konzerthause, bei welcher eine Resolution angenommen wurde, in der „Experimente sotzialpolitischer, finanzieller und rechtlicher Art", wie sic im Laufe der letzten Jahre unternommen wurden, verurteilt werden, eine gerechte Verteilung der Lasten gefordert und als Bedingung für ein Aufblühen der Wirtschaft die Unantastbarkeit des Eigentums und di« Freiheit der Wirtschaft erklärt wird. Weiterwird jeder Versuch zur Entrechtung des Unternehmers sowie jede Beeinträchtigung seiner Selbstbestimmung bedingungslos aügelehnt. Pole«. Nattonaldenwkratische Hetze. Warschau, 10. September. (Tel. der ,Miener Morgen» Heilung".) Eine vor kurzem stattgefundene Koniferen; der nationaldemokratifchen Abgeordneten und Senatoren, der auch die nationaldemokratischen Minister des gegenwärtigen Kabinetts beiwohnten, faßte Resokrtümen, in denen festgestcllt wird, daß es der jetzigen Mehrheitsregienmg gelungen ist, Bedeutendes ans dem Gebiete der Sanierung der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse des Staates zu leisten. In einer speziellen Resolution wird festgestellt, daß cs noch immer Parteigrrippierungen gebe, die dem Staate feindlich gesinnt sind. So Kommunisten, Juden (!!) und deutsche Agenten unter den Ruthe nen, ebenso auch Polnische oppositionelle Parteien, die mit diesen staatsfeindlichen Elementen Hand in Hand gehen. „Fm Kampfe b'-gen die Regierung überschreiten die genannten Parteien alle Treuen der Stacrtslovalität." vne Konferenz de« Eeimmarschalls mit dem Vertreter des Mischen Klubs. Warschau, 10. September. (Tel. der „Wiener Morgenffeitung".) Ter Sejmmarschall Rataj hielt längere Konferenzen mit den Vertretern der sozialdemokratischen Weißrussen und mit Dr. Reich als Vertreter des Jüdischen Klubs in Angelegenheit der Einberufung des Parlaments. Es wurde endgültig beschlossen, den Sejm erst für die zweite Hälfte Oktober einzuberufen. Bis zu diesem Zeitpunkte werden nur die Sejmkommissionen tagen, um das gesamte Material für die Session vorzubereiten. Während der Unterredung des Sejmmavschalls mit dom Vertreter des Jüdischen Klubs, Dr. Reich, erklärte dieser, es sei bereits höchste Zerit, daß sich die Regierung endlich mit den Forderungen der jüdischen Bevölkerung, insbesondere mit dem Problem der jüdischen Gemeinden des näheren bejener längst verdunkelte Silberbecher, der zwei durch einen glücklichen Zufall aufgefundene Silberplatten trageir darf, enthaltend die Geschichte des Tempels, sorglich in klassischem Hebräisch in das Erz graviert. Das köstlichste Stück aber, ein Glasgesäß in großen Dinrensionen, darf ich in Abgeschiedenheit näher betrachten. Vor zweihundert Jahren ward auf diesen! Glase in Aetzmalerei die Tätigkeit der Chewra Kadischa dargestellt. Das Rundbild ist frisch wie am ersten Tage. Es währt geraume Zeit, bis man>den Liebesdienst der jüdischen Leichenbruderschaft in allen Phasen gesehen hat, wobei natürlich manche Weile den merkwürdigen Trachten der Männer und Frauen zu widmen ist. Die Bruderschaft trägt den Toten in nackter Kiste, aus ungehobelten Brettern gezimmert, zu Grabe, die Bruderschaft umgibt die Leidtragenden, hilft beim symbolischen Zerreißen der Gewänder, führt den Sohn zum Kadischgebet, bereitet den Hinterbliebenen die erste Mahlzeit nach der Rückkehr vom Friedhof und labt die Leidtragenden. Baruch Austerlitz wurde dieses Gefäß von den Prager Juden gewidmet, als er nach Eisenstadt übersiedelte. Wir atmen auf, da das gebrechliche Kleinod wieder geborgen ist. Beim Eingang in die Judenftadt, dem Fürstenschloß gegenüber, steht ein Haus, mit Geschmack umgebaut und erweitert. Sandor Wolfs Eisenstädter Museunr. Das Wappen des Getto, sein alter Kulturadel und seine heimliche Schönheit wird hier gleichsam dem herrlichen Schlosse entgegengehalten. Wer die Räume des Museums so eilig durchschreiten mußte wie der Schreiber dieser Zeilen, wird nur der Bewunderung für den lie'bevollen Sammler und Schützer des Hauses Ausdruck geben und nicht vorwitzig von den Schätzen berichten wollen, die hier mit Sorgfalt und sachkundiger Hand geordnet und verteilt sind. Bon der Sabbatstube wäre zu schwärmen, von dem Saale, der Palästina gewidmet ist und darüber hinaus von der Tatkraft, mit der dem ganzen Burgenlande für alle Jahrhunderte bis in die Römerzeit zurück ein Denkmal gesetzt wird. * Der Friedhof an dem einen Ende des Getto, langst in sich geschlossen, ein offenes Buch jüdischer Kulturgeschichte, das Wolfsche Museum am anderen Ende, in steter Arbeit wachsend und Kulturgüter des ganzen Landes sammelnd und bergend: So zeigt sich dem bewegten Besucher die rühmliche Judengemeinde Oi tja Wä.aX<*&. Wiener Morgenzeitung. asionisftgsche Sektion Zwinhenbracteen Mittwoch den 12. September 1. J., 7 Uhr abends, findet in Mosers Gasthaus, XX. Dresdnerstrasse 51, eine «8 BP «90®«» Massenversammlung | statt 8 (Referenten: j Oberbaurat Ing. ROBERT STRICKER 8 Dr. SSA5C WALDMANN fasse. Scjmmarschall Rataj erklärte hierauf, er werde da8 Notige veranlassen und seinen Einfluß auf die Regierung ausüben, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Der Schm» nvavschall interessierte sich für den letzten Zionisteukougreß in Karlsbad und informierte sich insbesondere über die Frage der JewisH Agency. Schließlich ersuchte er den Abgeordneten Reich, daß die jüdischen Vertreter genaue Erklärungen über den Kongreß abgeben mögen, dies mit Rücksicht auf die falschen, tendenziösen Meldungen der antisemitischen Presst über die JewisH Agency. Die Behandlung der deutschen Kvloniften. Haag, 10. September. (Havas.) Der Internationale Gerichtshof hat einen Spruch gefällt, wonach die Angelegenheit der Behandlung der deutschen Kolonisten durch Polen in den Zuständigkeitsbereich des Völkerbundes fällt und die Haltung Polens mit seinen internationalen Verpflichtungen n i ch t perc-inb ar ist. MM-UMM. Eine Spende des Unterrichtsministers für das hebräische Schulwesen in Karpathorußland. Wie uns aus Prag berichtet wird, spendete Unterrichtsminister Bechyue anläßlich seiner Anwesenheit in Karpathorußland 50000 tschechische Kronen für das dortige hebräische Schulwesen. Diese Spende ist einer Interventiondes Prager Jüdischen Nalionalralcs zu verdanken. Neuerliche Luruhen an der Muserrbmger LniversiW. Ans Klauscnbnrg wird uns berichtet: Mit Beginn der anatomischen Uebuuaen an der medizinischen Fakultät haben auch die von den antisentitischen Studenten in Szene gesetzten Schlägereien an der Universitär wieder begonnen. Diesmal waren es mit Stöcken bewaffnete Juristen, die irr den Anatomiesaal eindrangen und die jüdischen Mediziner vertrieben. Prorektor (La lug er ca u u, an den sich die über falle n-en jüdischen Studenten wegen Schutzes der Lernfr-ciheit wandten, nahm Polizeischutz in Anspruch, wodurch die Ruhe für diesen Tag wieder hergestcllt wurde. Am on deren Sag verlegten die Ex.zedenten den Schauplatz der Tumulte auf den Platz vor der Unwersität und insultierten die einzeln erschienenen jüdischen Hörer. Gegenüber diesen S-raßenprügeleicn war der Rektor, der nur für die Ruhe im Unrrersitätscebände selbst entstehen konnte, machtlos. Er erklärte einer Abordnung der jüdischen Studenten, das; er wohl dafür sorgen wolle, ddß aus deui Boden der U n i v e r s i t a t kein Hörer insultiert werde, dafür jedoch, daß die Studenten auch unbehelligt in die Universität hcrcinkämeu, müsse die Polizei, beziehungsweise der Minister des Innern, sorgen. Tiefe neuen antisemitischen Ausschreitungen nehmen ein Gerücht zum Vorwand, das; in der letztn Zeit angeblich, trotz der Versicherung der Gemeinde, daß die Leichen von Verstorbenen ohne Angehörige dom anatomischen Institut überlassen bleiben, zwei jüdische Leichen dieser Kategorie von der Kultnogenteinde abgelöst und so den» Studienzwecken entzogen worden seien. Die jüdischen Studenten wandten sich an das Präsidium der Kultusgcineinde, welches erklärte, daß an diesen Gerüchten kein wahres Wort sei, daß vielmehr die Kultnsgemeinde sich strikte an jene Abmachungen hält, welche vor mehreren Monaten in Angelegenheit der jüdischen Leichen für anatomische Zwecke geschlossen wurden. Die Kultusgcineinde sei schon deshalb nicht in der Lage, diese Abmachung zu umgehen, weil inzwischen eine Ministerialverordnung erschienen ist, welche die Frage, wann nahen Verwandten das Recht der Ueberuahme einer 'Leiche bchuss Bestallung zustcht, genau regelt. Exzesse in Batan. Wie I. E. B. meldet, sind in Bukarest Nachrichten eingelangt, wonach sich in Bacan im Anschlüsse an Exzesse ouzistischer Studenten bei einer jüdischen Festvorstellung arge antisemitische Straßenexzesse abgespielt haben. Die Ausschreitungen hätten einen derartigen Umfang angenommen, daß der Justizminister nach Bacau zur Uulersuchuug der Lage äbgereist sei. Es sollen zahlreiche jüdische Häuser beschädigt sein. Ein amtliches Cotn in u n i q u e bedauert die Ausschreitungen und verspricht eine rücksichtslose Bestrafung der Exzedenten. AWrm Die ÄellrWitsveksorg»»» «nd die Ruthenbers-Eomvany. Die palästinensische Regierung hat der Stadtverwaltung von Tiberias untersagt, vor Einholung der Genehmigung seitens der Leitung des Nuthenberg-Unternchmeus DerixätOi iiÄesr mit ciih&ii,(AI Lafette. 11. Septernber 1933 ’ -' Nr. 1648 Rundschau. Eine Erklflrnng de» Völkerbundes über der italienisch-griechischen Konflikt. Gens, 10. Sepie ruber. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Volke t bltudvat hat in einer vertvaitlliichott Sitzung beischlossen, mvrge, durch Baron Jfhii in der Bollvevsamtnl-tMg des VöMerbundoi eine kurze Erklärung über den llälie wisch-griechischen KouflÄ äbgebeu zu lassen, die int besonderen auf die günstigen Er gcibnisse Hinweisen soll, die die Verhandlungen der Botschafter konstrenz zeigen. Politis wohnte der Sitzung bei und gab be diesem Anlaß bekannt, daß die Zahlung der 60 Millionen Liv bereits morgen bei einer Schweizer Bank evsolgon werde. Die Anglo Fewish Affoliation kür den Ausba« YaiMnas. Aus London wird uns gemeldet: Anläßlich Vs Gründrutgsversamtnlung einer Ortsgruppe der A n g l r I e w' r s h A s s o e i a t i o n sprach Lord R o t s ch i l J über die Zwecke der Gesellschaft. Obwohl die Gesellschaf nach der Erklärung des Redners sich nicht mit Politik befasse, so tonnte sie doch die Frage der Palästina. Kolonisation nicht außer Acht lassen. Die A. I. A. habe auch die Bemühungen zur Erlau gung der M i rt o r i t ä t e n r e ch 1 e für die Juden untev stützt, wodurch sie nicht nur den Juden, sondern auch anderen religiösen Minoritäten geholfen habe. Eine Wische Bank in Danzig. Aus Danzig wird uns berichtet: In Zopoki fand die gründende Generalversanrutlung der° Jewisl Pnblie Bank in Danzig statt, bereit Vorsitz de? Präsident der jüdischen Gemeindeverwaltung in Danzig Justigrat Dr. Fabian, führte. Die jüdischen Handels« kreist in Danzig nehmen an dieser Gründung reges Interesse und insbesondere beteiligen sich die Kreise des Kaufntannsstan-des sehr lebhaft daran. Die Aktien der Bank ftrö fast zur Gänze abgesetzt und es wird jetzt eine neu« Serie von Aktien heransgegeben. Die Registrierung de; Instituts durch die Behörden ist bereits erfolgt. Es soll iv der nächsten Zeit seine Tätigkeit beginnen. Viel zur raschen Durchführung der Gründung hat die juvistische und moralische Unterstützung durch den Direktor der Danzi'gei Filiale der Dresdner Bank, Herrn Weinkranz, beige, tragen.; ■ . Eine Wische Republik in Wrißrublanb? Danzig, 10. September. (Havas.) Aus Kowno wir) einem hiesigeit Blatte gentcldet, der Zentralausschuß der Kom> muttistischen Partei in Moskau sei im Begriffe, einen Entwurf betreffend die Errichtung einer jüdischen Republik iv Weißrußland zu erörtern. Diese Republik soll die Kr^jst von Witebsk, Minsk und Hvmel umfassen, in denen die Juden mehr als die Hälfte der Ein. w o h n e r z a h l ausntachen. (Aehnliche Meldungen hat das I. C. B. vor einigen Tagen schon verbreitet. Die Red.) Reise der arabischen Delegation nach Amerika? Aus London meldet I. E. B.: Nach einem Bericht aus Jerusalem habe, der palästiucusische arabische Kongreß beschlossen, die arabische Delegation in London zu ersuchen, daß sic sich zu P r o p a g a n d a z w e cf c u nach Amerika begebe. Die Delegation soll erst während der komnteuden Parlamcntsstssion nach England zurückkehren. LngetoWeit Wer das Schicksal der Wischrusflsche» Kolonie in Zokohama. Die Berichte über die Zerstörung Jokohamas durch das Erdbeben habett itt den jüdischen Kreisen große Besorgnis wegen des Schicksals der 5kolonie russischer I u d e n in Jokohama hcrvorgerufen. Biele Juden, die aus Sowjetrußland geflüchtet sind, hatten sich während der letzten Jahre itt Japan niedergelassen. Die meisten von ihnen wohnten in Jokohama, da diese Stadt als Hafen- und Handelszentrum zu Hattdelsuttternehmungen Gelegenheit bot. (I. C. B.) Eine verschwundene Fnfel wieder aufgetancht. Aus Ncw-York wird gemeldet, daß nach einer Meldung aus Tokio die Insel Oshima, die infolge des letzten Erdbebens verschwmtden war, wieder aus dem Ozean aufgetaucht ist. Es hat sich auch sofort ein neuer Vulkan gezeigt, der sofort itt Tätigkeit getreten ist. Keine Srsterreicher unter den Spfern. Vom österreichischen Honorarkonsttlat in Osaka ist an das Bttudeskanzleramt (Attswärtige Angelegenheiten) ein vom 6. d. datiertes Telegramm eingelangt, in dem mitgeteilt wird, daß, soweit sich bis jetzt feststellen läßt, alle in Japan befindlichen Oesterreicher von der Katastrophe verschont geblieben feien. Sesterreich für Fapon. Der letzlc Ministerrat hat beschlossen, der japani;^!---,;!>r> gierung, der anläßlich der Erdbebenkatastrophe die Teilnahme Oesterreichs bereits ausgesprochen wurde, um dieser Teilnahme auch werktätigen Ausdruck zu verleihen, vorzuschlagen, daß Oesterreich geeignete personelle Kräfte, wie Aerzte, Techniker usw., sowie für die Wiederherstellungsarbeiten notwendige technische Behelfe im Bedarfsfälle zur freien Verfügung stellt. Der kaiserlich japanische Gesandte hat für den ihm zur Kenntnis gebrachten Vorschlag den wärmsten Dank ausgesprochen I tmo mitgeteilt, daß er seiner Regiertma sogleich von dem An» -tedot Meldrma nrltatten WeM