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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-10 · Heft 1644 (10.9.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1644 (10.9.1923)
Date
1923-09-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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«8fc S Men, Wffltfi Zionistische Sektion ZwischentorMcken MNIWOCll den 12. September 1. J., 7 Uhr abends, findet in Mosers Gasthaus, XX. Dresdnerstrasse 51, eine Massenversammlung statt Referenten: | Oberbaurat Ing. ROBERT STRICKER Dr. IS AK WALDMANN behandeln wolle als seine Feinde. Dies sei ein völliges M ißverftädn i s. In Wirklichkeit beabsichtige England, von Deutschland alles zu verlangen, was Deutschland zahlen könne. Hörne erklärte sodann, die Schrecken des Krieges feien in Frankreich in mancher Hinsicht weniger bitter als die unerträgliche Agonie, wie sie in England die Arbeitslosigkeit verursache. Eines der Ergebnisse des Krieges sei auch, 'das Frankreich für Großbritannien auf dem Gebiete der Eisen- und Stahlindustrie ein furchtbarer Konkurrent geioorden sei als es je gewesen. Der Kamps um Fiume. Jugoslawien lehnt die Forderungen Mussolinis ab und verlangt den Schiedsspruch der Schweiz. Paris, 8. September. Die Agence Havas meldet aus London: In englischen Kreisen verlautet, daß die Belgrader Regierung die Forderungen Mussolinis bezüglich Fiumes ab gelehnt habe. Die Meldung wird bestätigt, in amtlichen Londoner Kversen jedoch nicht tragisch genommen, da man mit einem Schiedsspruch des Schweizer Bundespräsidenten rechnet. Rom, 8. September. Die Blätter fuhren Belgrader Presiestinnnen an, wonach die jugoslawische Regierung entschlossen sei, den im Vertrag von Rapallo vorgesehenen Schiedsspruch des schweizerischen Bundespräsidenten anzurufen, wenn die Verhandlungen zwischen Rom rmd Belgrad über Fiume zu keinem Ergebnis fuhren sollten. Die Entscheidung der Regierung sei nach der Rückkehr Pa sie' und Nineic' aus der Schweiz zu erwarten. Tagesbericht. Größe Srvlafionskatastrovhe in Rordamertt«. Aurboh Wew Jersey), 7. September. (Reuter.) Bei. der Umladung von Kisten mit rauchlosem Pulver von Leichterschiffen in EisenbcchnwaMMs explodierten etwa 1000 Kisten, wodurch 14 Personen getötet und 27, davon 16 tödlich, verletzt wurden. Mische kltern' und Lehrerversmumlung. In her am 6. d. abgehaltenen Lehrerrmd Elternverfümmlung waren Vertreter fast aller Bezirke erschienen, dir eingehend über die Arbeit im abgelaufenen Schuljahre berichteten und hierauf ein Programm für das eben begonnene besprachen. Vor allem hat die Elternvereitzigung des 17. Bezirkes in der kurzen Zeit ihres Bestandes Anerkennenswertes geleistet. Sie umfaßt 8 0 0 Mitglieder, eröffnet demnächst mehrere Geschichts- und hebräische Kurse, veranstaltet Vortragsabende für die Ntern und hat für die nächste Zeit bereits eine Propagandaverscnnmlung einberufen sowie die Sukkoth-Feier bereits angekündigt. Der Vizeobmann, Herr Weber, sprach auch über die Bedeutung der kommenden Wahlen und betonte, daß es notwendig sei, daß die Zionistische Organisation Herren und Damen aus den Elternverein e n auf die Liste der zu wählenden Bezirksräte setze. Der Elternverein des 9. Bezirkes, der unter bewährter Führung des Herrn Frischauer sicht, hat ebenfalls die Arbeit bereits begonnen. Im 19. Bezirk hat ein Komitee unter Führung der Frau Ing. Freundlich mit der Arbeit begonnen. Im 2. Bezirk werden von der Lehrerschaft geleitete „Sabbat-Nachmittage" eingerichtet werden, und es ist zn hoffen, daß auch in diesem Bezirke eine tatkräftige Elternvereinigung entstehe; die Vorarbeiten werden von Herrn Huber geführt. Für den 6., 7. und 8. Bezirk ist der Elternverein M e n o r a h tätig, während im 4. und 5. Bezirk der Elternverband B l a u-W e i ß arbeitet. Im 10. Bezirk hat der Eiternderem der Jugendgruppe „I u n g I u d a" den weiteren Ausbau durchzuführen. Die erst seit kurzem bestehende Vereinigung im 20. Bezirk nimmt sich vor allem des hebräischen Sch.ulwerkes an. Die Vertreter betonten die Wichtigkeit des Zusammenschlusses der jüdischen Eltern bereits vor den Wahlen und forderten die Berücksichtigung der jüdischen Eltern. Die Versammlung nahm den Bericht des Jngendreferenten des Zionistischen Landeskomitees zustimmend zur Kenntnis und erklärte sich prinzipiell mit einem Zusammenschluß der Ellern verbände einverstanden. Mit Hilfe der Lehrerschaft sollen nunmehr auch in den Bezirken, in welchen derzeit noch keine Elternvereine bestehen, solche geschaffen werden. Der besondere Tank wird den Lehrerinnen Irl. Feuchtwang, Ginzberg, Goldberg, Huber, Zauderer sowie den Herren Lehrern Antscherl, Gollerstipper, Müller und Schwertfinger ausgesprochen. Mit dem Hinweis auf die notwendige Unterstützung der Forderungen der Jugendarbeit auf dem kommenden Parteitag schloß Dr. Klaber die Versammlung. Mene« MorgenzeilUNK_iu. «geptettwet rg*a_vn, xuay —Sie japanische Katastrophe. Malern in Zokohama. - 1029 Erdstöße in sechs Tagen. Paris, 8. September. Wie dem „Petit Parisien" aus Kobe aus englischer Quelle gemeldet wird» sei in Iokohama die Cholera ausgebrochen. Vom 1. bis 6. d. sind im Observatorium von Tokio 10 2 9 Erdstöße verzeichnet worden. Ans Nagasaki wird berichtet» doch alle Konsulate in Iokohama durch Erdbeben und Feuer zerstört worden sind. 135.000 Lbdachiose in Tokio. Paris, 8. September. Die Agence HavaS meldet aus Tokio: Hier herrscht Ordnung. Die Ansr ä u m u n g s a r b e i t e n, an denen sich auch Angehörige der Armee und der Flotte beteiligen, sind in vollem Gange. Die Zahl der Obdachlosen in der Hauptstadt wird auf 135.000 geschätzt. Die Botschasts-- und die Gesandtschaftsgebäude stehen unter militärischer Bewachung. 23.000 Tote in Jokohama. Tokio, 9. September. Laut amtlichen Angaben beträgt die Zahl bet durch die Erdbebenkatastrophe Ht Jok ohama ums Leben gekommenen Personen 23.000, die der Verletzten 40.000. Im Bezirke von H a T o n e sind 10.000 Personen ums Leben gekommen. Ile MMardenWterziehuilgen beim zollamte. Die Untersuch u n g über die Milli ardcnbetrü gereien mit Transitgütern bauerte auch während der beiden Feiertage an. Die Erhebungsorgane des Zollobcrcrmtes sind noch immer mit der Prüfung der Frcvchtdokumente in den einzelnen Zollstationen beschäftigt. Auch die Fakturen der beteiligten Spediteure und Kaufleute werden genau gesichtet. Wie „Der Morgen" meldet, spielen auch die Namen Caro u. Jellinek, Gerstmaun u. Co., Perl und Lazar in der Untersuchung eine Rolle. Ein Totschlag. In der Nacht zum Sonntag wurde Vor einem Kaffeehaus in der Tivoligasse der 30sä'hrige Reichswehrfeldwebel Adolf M r k w i e k a 'mit einer tiefen Stichwunde in der linken Brustseite ausgesunden. Die Rettungsgesellschast brachte den Schwerverletzten ms Sofien-Spital, wo er bald nach seiner Uebevgabe starb. Der Feldwebel war mit mehreren Personen in das Kaffeehaus gekommen und hatte an einem Tisch Platz genommen. Plötzlich sprang er auf und versetzte einem in der Nähe sitzenden zirka lOmhrigen Mann eine Ohrfeige. Es entstand eine kleine Rauferei, bei der Mrkwicka das Bajonett zur Abwehr zog, ohne jemanden zu verletzen. Schließlich wurde er aus dem Lokale gedrängt, wo ihn dann ein Herr aufsorderte, das Bajonett zu verwahren, was der Reichswehrmann auch tat. Der Herr begleitete ihn dann noch ein kleines Stück Weges. Plötzlich wankte'der Feldwebel und stürzte^ M Boden. Als Täter wurde gestern der Bäckergehilse. Franz Stangl ausgeforsch't. Er gestand, den Messerstich noch im r.. .. « _ . w.c..i .w X. —it.>lCi. CITLkMM Suim* (TYWIUttiilA Kaffeehaus geführt zu haben. Er eine Ohrfeige gegeben hatte. ist der Mann, dem MMvicka * Der intekuaiionale Polizeikongretz beerbet. Der Schluß des internationalen Polizeikongresses gestaltete sich zn einer Kundgebung der Teilnehmer für den Wiener Polizeipräsidenten Schober und die Kongreßstadt Wien. Der Generalstaatsanwalt Dr. Riple r brachte ein Hoch auf die Kulturstätte Wien aus rmd dankte dem Polizeipräsidenten, dessen Umsicht und Tatkraft in europäischen Fachkreisen rühmliche Anerkennung finden, Der Hofkommiffär der Rotterdams Polizei A. H. Sir ko sprach den Dank der ausländischen Gäste ans. Der Vizepräsident Dr. Pamer dankte der Wiener Presse. Am Samstag nachmittags fand eine Vorführung der Polizeihunde statt. In letzter Stunde beschloß der Kongreß die Einführung des sogenannten „Feridentifizienmgsversahrens". * Große Diebstähle im Hotel Hopfner. Seit einiger Zeit wurde in dem Restaurant Hopfner die Wahrnehmung gemacht, daß Wein und Fleischvorräte aus den Beständen verschwinden. Die Polizei hat den Schankgehilfen Franz Z a c e fr und den Kellergehtlfen Franz Koller, beide im Hotel wohnhaft, sowie den Schankgehilfen Johann Hochtl verhaftet. Der Gesamtschade wird auf zirka 30 Millionen Kronen bewertet. * Die allrussische Ausstellung in Moskau rmd Oesterreich. Auf der allrussischen Ausstellung in Moskau ist zu Beginn dieser Woche nunmehr auch die ausländische Abteilung mit großen Feierlichkeiten in Anwesenheit des diplomatischen Korps und Delegationen aus dem ganzen Reiche sowie aus den verbündeten Sowjetrepubliken eröffnet worden. Namens der ausländischen Firmen, die auf der Ausstellung vertreten sind, sprach der Leiter der Expositur der neugegründeten russischosterreichischen A.-G. „Ratav", Tondorf. Die „Ratav" hat in der Ausländsabteilung einen eigenen Pavillon errichtet. _• Der Hausarzt. Redigiert vo-n Dr. Sauel Beer« Die tuberkulöse Ansteckung der Kinder. Die Tuberkulose kann als eine Kultuvkranchsit bezeichnet werden, die den Menschen von der Kindheit bis zum (Hrabe begleitet. Einer der Hauptsätze der modernen tuberknlösen Forschung besagt, daß der Mensch sich zumeist in der frühesten .Kindheit mit Tuberkulose infiziert. Sie kann als chronischer Jnsektionsprozeß latent (verborgen) verlaufen, ohne scheinbar Krankheitsevscheimmgen zu zeigen. Die Durch,impfung der Kinder mit der künstlich gewonnenen Substanz der Tnberkelbazillen, der Erreger der Krankheit, mit dem sogenannten Kochschen Tuberkulin, zeigt, daß kaum ein Kind der Großstadtbevölkerung im zehnten Lebensjahre von Tuberkulose frei ist. Die Reaktion fällt positiv aus, was nicht bedeutet, daß das betreffende .Kind krank ist, es beweist jedoch, daß es einen tuberkulösen .Herd, wenn auch ausgeheilt, in sich trägt. Bei einem tuberkulosefreien Menschen ist das Tuberkulin reizlos, bei einem infizierten Menschen ruft die einverleibte Substanz der Bazillen einen Reiz hervor, der sich in einer Entzündung der Gewebe äußert. Darin besteht das Wesen der Pirquetschen Probe, die eine Empflndlichkeitsreaktion der Haut des infizierten Individuums auf Einverleibung von Dilberkulin darstellt und völlig harmlos ist. Bei positivem Ausfall bildet sich eine leichte Rötung und Schwellung. Will man also vor Tuberkuloseansteckung schützen, müssen in erster Linie die Kinder geschützt werden. Die Tuberkuloseinsektion erfolgt von Mensch zn Mensch. Je jünger sich ein Kind infiziert, desto schwieriger ist der Verlaus. Erkrankungen im ersten Lebensjahre führen fast alle zum Tode. Die im Volke verbreitete Anschauung von-der Uebertvagung der Tuberkulose im Mutterleib auf das Kind spielt tatsächlich fast keine Rolle, ein solches Kind erkrankt erst nach der Geburt. Schon das kurze Beisammenleben des Neugeborenen mit der kranken Mutter genügt zur Infektion. Eine tuberkulöse Mutter sollte überhaupt keine Kinder zur Welt bringen. Erst wenn die Krankheit ausgcheilt ist, dann ist die Gefahr der Ansteckung vorüber. Einer tuberkulösen Mutter sollte — wie grausam cs auch erscheint — der Säugling sofort abgenommen'werden, uw das Kind vor der Infektion zu schützen. Mer nicht allein die Mutter kann die Quelle der Infektion abgeben, auch der Vater, die Geschwister, die Großeltern und das Dieustpersonale. Alle Personen, mit denen ein Säugling in Berührung kommt, sollten streng daraufhin beobachtet werden, Dienstpersonal nur nach vorheriger ärztlicher Untersuchung zu einem Kind anfgenommen werden. Me hustenden, sich räuspernden Personen sind gefährlich, denn die Infektion erfolgt durch die Atmungs- Inst. Der beim Sprechen nnd Husten entstehende feine Sprühregen enthält die Bazillen, die dann in die Lunge des Kindes gelangen nnd dort einen tuberkulösen Herd erzeugen. Es entsteht hierauf eine Bronchial-, Drüsen- und Lungentuberkulose. Geht die JnfMoN von einer Hautstelle aus, erkrankt die benachbarte Drüse. Es entstehen Erkrankungen in den Bindehäuten, an den Knochen und Gelenken. Durch Verfütteruny der Tnberkelbazillen ent--, stehen Darmgeschwüre und Darmtuberkulose. Solche In-- fektionen erfolgen als Schmutzinfektionen bei herum-- kriechenden Kindern durch den auf den Boden gespuckten, eingetrockneten Auswurf, mit dem sie sich Hände und Spielzeug beschmieren. Es ist also dafür zu sorgen, daß die Kinder in einem abgegvenzten, reinen Raum ihre. Bewegungen machen. Das Spielzeug ist rein zu halten. Auch der Lutscher gibt eine große Infektionsquelle ab. Unbedingt zu warnen ist vor dem vielen Abküssen der Kinder. Freunde und selbst Angehörige . sollen sich des Kusses der Kinder enthalten. Schnupfen, Rachenentzündungen und die verschiedenen Infektionskrankheiten werden den Kindern auf diese Weffe übermittelt. Gewisse Kinderkrankheiten, wie Masern und Keuchhusten, ebnen den Weg für das .Haftenbleiben der Bazillen oder lassen eine latente Krankheit aufflackern. Je jünger das Kind an diesen erkrankt, desto größer ist die Gefahr. Die Uebertvagung der Tuberkulose durch die Kuhmilch ist seltener, immerhin kann die Milch durch schwindsüchtige Melker oder durch andere nnt der Milch in Berührung gekommene Personen infiziert werden. Davor schützt die Abkochung der Milch. Aber die roh genossenen Produkte der Milch, wie Butter, Nahm, Käse, können infizieren, weshalb die Herkunft ■ derselben beachtet werden sollte. Zlnch Gemüse und Obst, das nicht genügend gereinigt ist, kann eine Quelle zur Infektion abgeben. Inr .Krudesalter übevwiegt das Primärstadinnr der Kvankhcit, die Erkrankung der .Haut, der Knochen und Drüsen, da es zur Ausbildung des dritten Stadinnis der Lungenschwindsucht eines längeren Zeitraumes bedarf. Daran erkranken erst meist die Erwachsenen, die sich in Jugend infiziert haben. Schwindsüchtige Kinder vor dem zehnten Lebensjahre sind die Opfer der Infektion bald nach der Geburt. Obgleich fast alle Großstadtkinder infiziert sind, erkranken doch glücklicherweise nicht alle an Tuberkulose. Wie oben angedeutet, hängt der Verlaus hauptsächlich davon ab, wann das Kind sich infiziert hat. Ganz junge Kinder sollen aus der Umgebung Tuberkulöser ganz entfernt werden. Bereits infizierte Kinder wird man möglichst vor den Kinderkrankheiten schützen, da diese meist die Krankhüt verschlimmern. Das Hauptgewicht hat man ans eine natürliche Lebensweise, auf viel Aufenthalt in freier Lust und reichliche Ernährung zu legen. Die Pubertätszeit, in der die Lungenerkrankung ost austritt, muß dann besonders inr Auge behalten werden, um die Frühsymptome, wie Mattigkeit, Abmagerung, Appetitlosigkeit, rechtzeitig zu erkennen. GSRäumunsiverkauf Im lUareo-Qrii Ins eiSchiffmann II., Taborstrafie 48 Telephon 47-1-78 En gros En detail

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