Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1644 (10.9.1923)
- Date
- 1923-09-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer K 700 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monat!. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts ch e c h o-S 1 owa k e i: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk.70.000.D eutscbland: Mon. Mk.1,000000. F r a n k r.( Belgien: Monatl. Frcs. 8 WW- Necbxahluns'en *VB S«t Prelserhohunsren vorbehaUeB Nr. 1644 Wiener Morgemettung Wien, Montag, 10. September 1933 Tscheche »Slowaftes > tschech. K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lir<, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon.75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration, Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44*0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel.-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 5. Fahrgang Kein Krieg! Friedliche Austragung des italienifch-griechischeu Streitfalles. — Erfolggekrönte Vermittlung der Botfchafterkonferenr. 6. Der ständige internationnale Gerichtshof wird die Re BermMInng der Botschasterkonferenz. Paris, 8. September. (Havas.) Die von der Votfchasterkonferenz an die griechische Negierung gerichtete Note anerkennt das hohe Gerechtigkeitsgefühl Griechenlands und nimmt insbesondere davon Kenntnis, daß Griechenland, falls seine Verantwortlichkeit nachgewiesen wird, alle von der Konferenz als gerecht anerkannten Wiedergutmachungen annimmt und die Bildung einer Untersuch u u g § k o in m i s s i o n vorschlägt. Der weitere Inhalt der Note, die die verlangten Wiedergutmachungen und Sanktionen aufzählt, enthält folgende Punkte: 1. Die hö ch st e g r i e ch i sich e militärische Stelle wird den diplomatischen Vertretern Frankreichs, Großbritanniens und Italiens ihre Entschuldigungen dorbrlngem 2. Die griechische Flotte wird auf der Reede von Phaleros den Schiffen der Verbündeten, die auf Halbmast flaggen werden, den Salut leisten, den diese erwidern werden. 3. Griechenland verpflichtet sich, schleunigst die Schuldigen auszuforschen rmd sie exemplarisch zu bestrafen. '4. Die Vertreter Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Japans werden mit den entsprechenden Voll- Mchten das . Untersuchungsverfahreu kontrollieren, das spätestens bis zum 27. d. M. beendet fein muß, und einen Bericht mit ihren Schlußfolgerungen der Konferenz unterbreiten. 5. Zllbanien wird ausgefordert, die interalli- Wer das vom Reichspräsidenten erlassene Devisenerfass u n gs gesetz heißt es unter anderem: Wer Zahlungsmittel oder Forderungen in ausländischer Währung, ausländische Wertpapiere oder Edelmetall ^besitzt, hat sie auf Anordnung des Kommissärs für Devisenersafsung gegen Gold an leihe an das Reich abguliefern. Mit Einverständnis der Kommissars kann die Uebernahine auch gegen Reichsmark oder Goldgutschrist oder eine« anderen Gegenwert erfolgen. Diese AUicifernng kann nicht gefordert werden, soweit diese nach der Feststellung des Kommissärs in einem den Lebens- und Wirtschaftverhältnissen des Verfügungsberechtigten notwendigen Umfange zu Verwendungszwecken behalten werden, die nach der Devifengesetzgöbnng zulässig sind, insbesondere auch zur Abdeckung ausländischer Kredite. Die Ablieferung von Zahlungsmitteln oder Forderungen in ausländischer Währung kann ferner nicht gefordert werden, soweit diese von einer Person oder Person envereinigung, die ihren Wohnsitz oder Sitz im Auslande hat, als tt n t e rha l t s b e i t r a g oder in Erfüllung einer sittlichen Pflicht übersandt werden. Die Mlieferung von Edelmetallen kann nicht gefordert iverdeu, soweit sie zur Fortführung eines inländischen Unternehmens für jeweils zwei Monate notwendig sind. Vermöge ns gegenstände im Sinne dieser D n r ch f ü h r n n g s b e st i m in u «gen sind Zahlungsmittel oder Forderulilgen in ausländischer Währung, a n Irländische Wertpapiere und Edelmetalle; Zahlungsmittel im Sinne dieser Durchiführnngsbestimmungen sind Papiergeld, Banknoten und dergleikhen. Anszahlnngsanweisnttgcn, Schecks und Wechsel. Der Kommissär fitr Devisenersasfrmg kann von jedermann die eidesstattliche Versicherung der Richtigkeit und und Vollständigkeit seiner Angaben verlangen. Zahlungsmittel oder Forderungen, die entgegen den BestimmuMen der VMttaiPeMantenvMLdwuna er- Entschädigung seststellen. 7. Griechenland wird aufgefordert, die Annahme dieser Bedingungen unverzüglich bekanntzugeben. Irr Ohes der Untersuchungskommisfion - ein Fapaner. Paris, 8. September. (Havas.) Die Botschafterkonferenz bestimmte den japanischen Militärattache in Paris, Obersten S h i b u j a, zum Präsidenten der Kommission, die mit der Kontrolle der von der griechischen Regierung eingeleiteten Untersuchung zur Ausforschung und Bestrafung der Mörder der italienischen Militärmission betraut ist. Oberst Shibuja hat dieses Amt angenommen. Mussolini« kinlenke«. Rom, 8. September. (Stefani.) Mmrsterpräsident Mussolini hat an den italienischen Botschafter in Paris folgendes Telegramm zur Mitteilung an die Botschafterkonferenz gerichtet: Ich bitte, der Botschafterkonferenz mitzutellen, daß die königliche Regierung die Note, welche die Konferenz an Griechenland gerichtet hat, zur Kenntnis nimmt und ihr zu stimmt, indem sie neuerlich ihren Entschluß erklärt, Korfu und die benäch- , barten Jnselr^ zu räumen,,, soball) Griechenland sämtliche verlangt'en Wiedergutmachungen voll und ganz durchgeführt haben wird. Griechenland nimmt an. London, 9. September. (Reuter.) Griechenland hat die wovben sind, Vermvgensgegenstände, die auf Einfovdernng des Kommissärs für Devisenerfassnnig nicht angegeben worden sind oder deren Ablieferung nicht innerhalb einer vom KommMr gestellten Frist erfolgt ist, können ohne Rücksicht auf das Verlangen einer strafbaren Handlung zugunsten des Reiches für verfallen erklärt werden. Wer die vom Devisenkommissär geforderte eidesstattliche Versicherung wissentlich unrichtig oder unvollständig abgibt, wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bestraft. Neben Frethertsstvaise ist auch auf eine Geldstrafe zu erkennen. Das Höchstmaß der Strafe ist unbeschränkt. Neben der Strafe kann a^f Entziehung der verschwiegenen Z a h l u n g s mitte I zngunsteü des Reiches erkannt werden. Sie erste Wirkung. Berlin, 8. September. Wie der „Börsenkuvier" mrtterlt, brachte die Markbesse rang in New-Dork viel Material auf den Berliner Devisenmarkt. Während noch gegen 4 Uhr nachmittags ein Dollarknrs von 52 Millionen genannt wurde, ging der Dollar gegen 6 Uhr bereits aus 45 Millionen Mark oder noch mehr zurück. Das englische Pfund wurde gegen 6 Uhr zu 200 Millionen Mark gehandelt. Ms in den späten Abendstunden Einzelheiten Wer die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen zur Devisenersafsnng und insbesondere Wer die Befugnisse des neuen Devisenkommissärs bekannt wurden, brach in gewissen Kreisen der Spekulation ein wahre Panik Ms. In den von diesen Kreisen besuchten Cafes in der Friedrchstadt und am Kurfürstendamm wurde der Dollar mit 25 Mil- U o it e n Mark angeboten. Keim« Wer Re WMchkeiten einer ftanzö» stsch-deatschea sasammenarbeit. Paris, 9. September. (Havas.) Ministerpräsident Poinearä hat heute bei der Einweihung eines Kriegerdenkmals in Damvillers eine Rede gehalten, in der er u. a. auMbrlLa Lch höre, dick der ä ReickskaMr uns jetzt andere Pfänder vorschlägt als das Ruhrgebiet und die Eisenbahnen im besetzten Gebiet, aber wir ziehen es vor, etwas in der Hand zu haben, als einer Sache nachzulaufeu. Die Garantien, von denen man spricht, würden der allgemeinen Hypothek auf sämtlichen Besitz der deutschen Staaten, die der Versailler Vertrag den Alliierten gibt, nichts hinzufügen. Wir ziehen die positiven Pfänder vor, die wir in der Hand haben, und werden sie nicht gegen generelle Pfänder freigeben, die vielleicht auf dem Papier ausgezeichnet wären, deren Ertrag uns aber entgehen würde. Wir wollen Realitäten, und wir werden er st abziehe n, wenn wir bezahlt sind. Reichskanzler Dr. Stresemann erklärte nachdrücklich, daß ein enges Zusammenwirken zwischen den einander ergänzenden Industrien Deutschlands und Frankreichs eine ausgezeichnete Einleitung zur Regelung der Reparationen und zu einem endgültigen Friedensstatut sein würde. Es trifft allerdings zu, daß die Industrien der beiden Länder, da Deutschland Kohlen und wir Eisenerz fördern, eines Tages ein Interesse daran haben werden, sich miteinander zu verständigen. Aber die Franzosen, die an diesen wirtschaftlichen Unterhaltungen am meisten interessiert sind, haben begriffen, daß sie, bevor sie an deren Vorbereitung gehen, der französischen Regierung Zeit lassen müssen, bezüglich des Reparationsproblems Sicherheiten und Ergebnisse zu erlangen. Die Frage, die alle anderen beherrscht, die Frage, die in erster Linie alle unsere Sorge erfordert, ist irt* der Tat die des Wiederaufbaues unserer zerstörten Gebiete. Wenn wir sehen, daß Deutschland aufrichtig entschlossen ist, diese Frage zu regeln und uns für unsere Sicherheit .etwas. anderes als Versprechungen zu geben, dann werden wir ohne Voreingenommenheit die Möglichkeit ins Auge fassen, Wirtschaftsverträge a b zusch lre ß e n. Aber dann möge Deutschland sich ein für allemal entschließen, e r'n sthafte Anstrengungen zu machen und sich in die Lage zu versetzen, sei ne Schulden zu bezahlen. Bisher stellen wir nicht fest, daß seine Absichten sich in sehr fühlbarer Weise geändert hätten; der Ton hat sich geändert — und das ist trotz allem ein Fortschritt — aber das Lied ist fast das gleiche geblieben. Wenn es weiter bei seiner Methode verbleibt, dann wird es Katastrophen herbeiführen, für die wir nicht verantwortlich sein werden. Dr. Zimmerma« Wer die Saaieruug Sester» reich« und Deutschlands. Paris, 8. September. Generalkommissär Dr. Zimmer m a n erklärte dem Genfer Korrespondenten der „Information", das österreichische System sei für Deutschland empfehlenswert; allerdings sei die Stabilisierung der Mark unmöglich, weil sie zu tief gesunken sei, doch könnte sich die finanzielle Wiederaufrichtung Deutschlands noch rascher vollziehen als die Oesterreichs; denn für Oesterreich waren alle Vorausberechnungen zu pessimistisch. Ein Staat wie Deutschland, der, von der inneren Schuld befrett, über große Reichtümer verfüge, werde eine sehr rasche Regeneration erfahren. In Oesterreich habe Bundeskanzler Dr. Seipel Beweise seiner hohen Wlllenskrast erbracht: er wollte seine Heimat vor dem Untergänge retten, was ihm auch dank der Unterstützung des Landes gelungen sei. Nichts sei ein besserer Beweis ftir die Wiederherstellung des Kredits Oesterreichs als der große Erfolg der internationalen Anleihe. Ihre Ergebnisse zeige::, daß das System der internationalen Garantien nachahrmnswert sei. Das Mitwirken des amerikanischen Kapitals an dem Wiederaufbau sei gleichzeitig eine Ermutigung und ein Symbol. Dr. Zimnrerman' besprach schließlich die inneren Reformen, die Schaffung der Nationalbank sowie das Zr rückströmen des exportierten Kapitals. Ar Harm Wer dar englisch-französische Berhöltni«. London, 19. Sepomber. (Wolff.) Der ehemalige Schatz» kanzler Sir Robert H o r n e erklärte gestern gegenüber der Reparations note Poincares, während Porw» care dagegen protestiere, daß Frankreich seine Schuld an Großbritannien verleugnen tvolle, la-ußr sein Vorschlag, dcr in der Sprache eims Ultimatums abgefatzt fei, Wirklichkeit auf eine derartige Verleugnung hinaus. Po4w-.^ cm Wage &4 ÄA.Hr-MK - HiM. MmM ÜM1 iertc Kontrolle zn erleichtern. Entscheidung der Botschasterkonferenz an genomm e n. Ile Finanzdittatur in Ieutschland. Panik am Devisemnartt. Die zwangrverordnnng. Berlin, 8. September. Zn der DurchMmugSverordnung