Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1643 (8.9.1923)
- Date
- 1923-09-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ßt. 1648 Sßietr, SamÄag Wiener Morgenzeitung 8. September 1923 Seite 8 Tagesbericht. Lie kinwanderungnach Amerika im abgelaufenen Lnoteniahr. 49.719 jüdische Einwanderer. Laut euren: soeben cmsgogvbenen Etlichen statistischen Ausweis des amerikanischen Einwanderungsamtrs sind in dem am 30. Juni 1923 abgelanfenen letzten Quotenjahr insgesamt 532.919 Einwanderer in den Bereinigten State:: gelandet. In derselbe:: Zeit haben 81.460 Ausländer Amerika freiwillig verlassen; zurückgeschickt wurden 3661 Personen, die zu ständigem Aufenthalt nach Amerika gekommen waren, aber den Bestinrnrungen des Ei::wanderungsges>etzes nicht entsprachen. Das abgelaufene Jahr weist eine viel höhere Ginwanderungsziffer auf als das vorangegangcne Quotenjahr mit 309.636 Einwanderern. Die größte Zahl Einwanderer stellten im abgelaufenen Jahr die Deutschen, an zweiter Stelle stehen die Einwanderer sus Mexiko, ihnen folgen die Engländer. Den vierten Platz nehmen die Juden mit 49.719 jüdischen Einwanderern aus allen Ländern ein. JVienJ, JOildpr&markt 2. Export <Sn gros JflsonJflan!><£emt Siebes. UostumesManleaux. $~QQ.gQfVTis et-yourruros {Telefon C5373. cVorführung der neuesten ^Modellkollektion Die Konferenz für jüdischen Gesundheitsschutz in Berlin. Aus D erl:n meldet I. C. B.: Die von der Gesellschaft Ose einbevufenen Weltkonferenz für jüdischen Gesnndhei: s s ch u tz wurde nach fünftägiger Dauer geschlossen. Im Mittelpunkte der Erörterungen des letzten Berhandlnngstages standen die Fragen des Einschlusses der polnischen und der p a l ä st i n e n s i s ch e n Gesellschaften in den neuen Verband, jedoch konnte diesbezüglich keine Verständigung erziel: werden. Die Vertreter der polnischen, Gesellschaft für jüdischen Gesundheitsschutz und der Palästina- Gesellschaften Hadafsal), Waad Habriuth und Kupa'th Cholin erklärten, daß der neugebildete Ost-Verband lediglich als Vereinigung der bestehenden Ose-Organisationen anzusehen fei und nich: der Idee eines Weltverbandes für jüdischen Gesundheitsschutz enrspreche, weshalb sich ihm die genannten Organisationen vorläufig nich: anschließen können. Gleichzeitig gaben sie ihrem Wunsche Ausdruck, daß Statuten und Namen des Verbandes entsprechend geändert werden. Die Exekarive wurde ermächtigt, die Verhandlungen mit den genannten Organisationen fort zu setzen. In der Frage der Zusammensetzung der Exekutive kam es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen der Linken und der anderen Gruppe. Schließlich kan: eine ungefähr paritätisch zusammengesetzte Exekutive zustande, welcher unter anderem angchören: Prof. M. Rosenihal, Dr. Krem:::, Dr. Gran, Dr. Schwarzmann.! Temkin, Prof. Levi (London), Dr. Schabad (Wilna). Unter stürmischem Beifall wurde Prof. Einstein zum Ehrenpräsidenten des Verbandes, die Professoren Wassermann ^Deutschland), Bonroiko Frankreich) und Ratcliffc Salomon (England) zu Ehrenvizeprälsidenten ernannt. Wirtschaftliche Möglichkeiten in PMstina. Das Wiener Palästina-Amt teilt mit: Der Leiter des Handels- und Industrie-Departements der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, Herr Nahum Thischby, weilt auf der Rückreise vom Karlsbader Kongreß in Wien, wo er einige Tage Ausenthalt zu nehmen gedenkt. Herr Thischby hat bekanntlich im Kongreßgebäude eine Ausstellung von palästinensischen Produkten und. Erzeugnissen veranstaltet, die die lebhafte Aufmerksamkeit sämtlichen Kongreßteilnehmer hervorgerufen' hat. Nach Beendigung des Kongresses führte Herr Thischby Verhandlungen mit namhaften Industriellen in der Tschecho-Slowakei und in Transsylvanien, die die Gründung von gewissen Industriezweigen in Erez Israel znm Gegenstände hatten. Das immer steigende Interesse, das sich für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas in vielen Kreisen kundgibt, veranlaßte Herrn Thischby, auch in Wien eine Besprechung mit Industriellen und Finanzmännern abzuhalten. Kapitalisten und Produzenten, die für eine wirtschaftliche Betätigung in Palästina Interesse haben, tverden auf diesem Wege darauf aufmerksam gemacht, daß eine günstige Gelegenheit vorhanden ist, wünschenAverte Informationen von einem berufenen Fach::: an ne und Kenner des Landes sofort zu erhalten. Nähere Auskünfte beim Palästina-.Amte, 1. Bez., Lauernmarkt 24, Telephon 63-1-27. Für dar arme Wische Mud! Die Sanierung der österreichischen Wirtschaft hat verschiedene Begleiterscheinungen gezeitigt, welche sich unter der armen jüdischen Bevölkerung besonders stark fühlbar wachen. Die jüdischen Witwen, die Frauen von Schwerinvaliden, die sich während der letzten Jahve der gewerbsmäßigen weiblichen Handarbeit' und verschiedenen Hilfsarbeiten zugewendet haben, bilden ein großes Kontingent der Arbeitslosen, die kein Anvecht auf die Arbeitslosenunterstützung haben. Besonders die Kinder dieser Frauen hat es schwer getroffen, als vor ungefähr zwei Monaten die letzte jüdische Kinderküche.gesperrt werden mußte, da die amerikanische Mithilfe versiegte. Der um das jüdische Kind so verdiente Verein „I ü dische Kind er freunde" sprang sogleich ein und setzte für seine Schutzbefohlenen aus eigenen Kräften die Kinderausspeisnng artenberg Tr attnerhof Graben 29 Vor der Eröffnung der neuen LokuMfcn grosse Okkasion in original engl. Raglans, Waterproofs, Bademänteln,Badepyjamas,prima Zephirhemden, Socken, Strümpfen, Handschuhen Reins o-ider-Krawatten K. 40 000 Reinseiden Hemden . . K 880 000 la Zephir pyjatnas . . . K. ISo.eoo 302 Der Verkauf findet nur im Mezzanin statt fort. Doch da versiegte plötzlich völlig unvorhergesehen auch die amerikanische Hilfsquelle, der dieser Verein es zu großem Teile zu danken hatte, daß er bisher Hunderte von jüdischen Kindern in sieben Heimstätten und fünf Kindergärten von den Gefahren der Straße ferne hallen, jüdisch erziehen und mit der notwendigsten Nahrung versorgen konnte. Die Heimstätten im 6. und im 9. Bezirke mußten bereits geschlossen werden und alle anderen müssen folgen, wenn nicht rasche Hilfe kommt. Juden Wiens! Helfen wir uns selbst! Lassen wir unsere ärmsten Kleinen nicht verwahrlosen, nicht Hunger leiden! Die herannahenden Feiertage bieten die Gelegenheit zu zeigen, daß wir es nicht auf unser Gewissen nehmen, einen für unsere Jugend so lebenswichtigen Verein zugrunde gehen zu lassen. Jeder, der zur Thora gerufen wird, möge der Jüdischen Kinderfreunde gedenken und auch alle anderen Juden mögen sich der Jüdischen Kinderfvennde erinnern und reichlich spenden. Spenden wollen an das Sekretariat der „Jüdischen Kinderfreunde" 8. Bez., Obere Donaustraße 91, abgeführt werden. Ser „konstruktive" ungarische christliche Kurs. „Az Est" meldet: Der werkleitende Direktor der Ungarischen Textilfabrik Mauthner A.-G. in Pcft-St. Lörincz, Ludwig Popper, der aus Mähren stEmt, wurde kraft der Verordnung, daß Fremde sich im Lanhe nicht aufhallen dürfen, an: 17. April d. I. verständigt, daß er das Land zu verlassen habe. Die Fabriksdirektion legte beim Minister des Innern B e r us u n g ein und verwies besonders auf die hervorragenden Fach-- Kenntnisse des Direktors und auf den Umstand, daß ohne dessen Leitung die Textilfabrik nicht weiterarbeiten könnte. Da der Popper gestellte Termin indessen abgelaufen zu sein scheint, erschien der Präsident des Landesverbandes der ungarischen Text: lindustriellen beim Handelsminister u:ü) ersuchte um dessen Intervention, da die Generaldirektion der Ungarischen. Textilwerke erklärte, die Fabrik schließen zu müssen, soferne man auf der Ausreilse des Direktors bestehe. 1200 Arbeit er würden damit brotlos. Auch der Bau einer neuen Spinnerei, den Popper leitet, würde stillgelegt. , Wen» man iu Ungam futuristische Gedichte schreibt. Budapest, 7. September. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der futuristische Dichter Ladislaus Fenhö veröffentlichte im vorigen Jahre Gedichte, welche von der Staatsanwaltschaft als Verbrechen gegen die öffentliche Sittlichkeit betrachtet w>urden und die Konfiskation des Buches und die Verurteilung Fenhös zu einem Monat Gefängnis zur Folge hatte. In der heutigen Berufsverhandlung wurden die Gedichte hinter geschloffenen Türen vor gelesen. Unter dem Eindruck dieser Vorlesung beschloß das Gericht, den Geisteszustand des jungen Dichters gerichtsärztlich untersuchen ju lassen. . Ler Internationale Polizeikongretz. Nach mehrtägiger Dauer schloß gestern der Internationa» Polizeikongreß seine Beratungen. Es wurden verschieden Beschlüsse gefaßt, welche den Regierungen vorgelegt werde, sollen und den Zweck haben, einen internationales Polizei verkehr im Kampfe gegen das überhandnehmend» : Verbrechertum herzustellen. Es wurde beschlösse::, Wien zun permanenten Sitz des Internationalen Polizeikongresst« zu machen und eine internationale kriminalp 0 l z e i l i ch e Kommission zu errichten, welche ihre Tätig keit sofort aufnehmen soll. Professor Dr. Tandler referierte über die B v kämpfung des Alkohols, indem er ausführte, daß di« Bekämpfung des Alkohols keine Frage der Polizei sei, son. dern eine Frage der Kultur und eine soziale Frage. Die Po> lizeibehörde habe sicherlich um die Bekänipfung des Alkoholismus im Kriminalgebiete sehr Hervorragendes geleistet, aber si» lernt eigentlich nur einen geringen Teil der Konsumenten de; Alkohols kennen. Durch Verbote werde man nicht den Alkohol bekämpfen können, wenn man energisch hier Vorgehen wollte müßte man in jedem Bezirke Wiens neue Gefängnisse errichten. Wir sehen drei Gegner des Antialkoholismus, di» Dummheit der Massen, das fellchtfröhliche Banausen« tum der Intellektuellen und das Alkoholkapital. Es wurden noch verschiedene Referate gehalten. Hofra Dr. Wagner, der Leiter des Wiener Polizeilichen Verkehrsamtes referierte über internationales Verkehrswesen. Er führte aus. daß infolge der Automobilisierunz der Straßenverkehrsmitiel sich die Notwendigkeit ergeben hat, Regeln für den internationalen Automobilverkchr aufzustellen. Auch die Regelung der Zulässigkeit der Geschwindigkeit wäre von großer Bedeutung für den internationalen Kraftwagenverkehr, da es in dieser Hinsicht an einer einheitlichen Bestimmung fehlt. Als die wichtigste Frage in seinem Thema bezeichne: der Redner jedoch die Errichtung einer „Internationalen Kraftwagienevidenz". Bei Autounfällen und dergleichen müsse sich das behördliche Organ meist mit der Notierung des polizeilichen Kennzeichens begnügen, das er selbst gesehen hat oder das ihm von Zeugen mitgeteilt wurde. Ist nun das Kennzeichen ein ausländisches r so sei die Ausforschung eines solchen Kraftwagensührers oft umständlicher, als die eines Schwerverbrechers. Der rumänisch« Sektionschef P u t i c i n regte an, der Kongreß möge beschließen, daß an die einzelnen Regierungen das Ersuchen gerichtet werde, Polizeibeamte nach und nach in alle Länder zu Studienzwecken zu entsenden, damit ein Austausch der Einrichtungen und Erfahrungen zum Zwecke der Bekämpfung deS Verbrechens erfolgen könne. Der Antrag wurde an gen 0 m m e n. Nun sprach der Professor Francois R e n a u t (Paris), der ausführte, daß seit zehn Jahren die Kriminal-Pik -einen beängstigenden Umfang angenommen habe. In Frankreich und Wohl auch in anderen Ländern sind auch die mit furchtbarer Phantasie ausgestatteten Darbietungen mancher Kinos mitschuldig daran; es würde sich empfehlen, in jedem Lande eine Z e n s u r st e l l e zu errichten, die zu beurteilen hätte, welche Films zur Vorführung vor Jugendlichen nicht geeignet sind. Die von dieser Stelle in dem einen Lande als nicht zulässig erklärten Films, sollten auch in dem anderen Lande nicht aufgeführt werden dürfen. Es wurden verschiedene Abschiedsreden gehalten, in welchen na:::entlich der Initiator des Kongresses Polizeipräsident Schober gefeiert wurde, welcher auch die Schlußrede hielt, in der er, einen bekannten Spruch variierend, erklärte, nur ein guter Mensch könne ein guter Polizist sein. Der Kongreß schloß mit lauten Kundgebungen für Polizeipräsidenten Schober. , Zu Ehren der Kongreßteilnehmer fand gestern früh vor der Karlskirche eine Polizeiparade statt, welche einen imposanten Eindruck machte und allgemeines Aufsehen erregte. Der sechste Messetag. Im Messepalast ließ sich eine weitere Belebung und Verstärkung des Geschäftes feststellen. Die Ledergalanteriewarenbranche bewahrt unvermindert ihre Anziehungskraft auf die Einkäufer des näheren und weiteren Auslandes. In der Parfümerie- und Seifenbranche fällt das große Interesse der Franzosen und Belgier auf. Auch das Wiener Kunstgcwerbe hat allen Anlaß, mit der Messe zufrieden zu sein. Günstig sind die Resultate, welche die Silberwarenbranche zu erzielen vermochte. Stark war auch das Interesse, welches sich für Gebrauchsglas und gepreßte Glaskonunerzwaren äußerte. In diesen gingen beträchtliche Posten nach England. In der Papiermesse ist eine ziemlich große Anzahl von türkischen Einkäufern eingetroffen, insbesondere war nach Pergamin starke Nachfrage. Von Bnreauartikeln-finden speziell Vervielfältigungsapparate viel Interesse. In der Neuen Hofburg vermag die Schuh- und Leder inhustrie noch weitere Kunden zu finden. Die Aussteller diese: Branche äußern sich über die Ergebnisse der Messe mit Worten größter Zufriedenheit. Geradezu ausgezeichnet sind die Ergebnisse, welche in Damenwäsche erzielt wurden. Auch Handstickereien wurden in größeren Mengen in Auftrag gegeben. Als ausgesprochen günstig muß auch das Geschäft in Schafwollgarnen verzeichnet werden. In Frottierwaren erteilten Einkäufer aus der Provinz und aus den Nationalstaaten größere Aufträge. In der Rotunde kamen namentlich in Autos, Motorrädern, Pferdewagen, landwirtschaftlichen Motoren, Maschinen und Geräten Aufträge zustande. In Werkzeugen verschiedenster Art und für die verschiedensten Zwecke ist andauernd Nachfrage. ZurSaison! Reiche Auswahl neuester Pelzmodelbe in s^mtl. Pelzarten - Pariser u.Wiener Geschmack vereinterzeugt nur In eigenen Werkstätten! unter pers. Lejtunjrdesbei£r4^ Pelzhaus Pipersberst WMÜ'li Lir.IINm.Mf