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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-08 · Heft 1643 (8.9.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1643 (8.9.1923)
Date
1923-09-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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€Wia 4 Wien, GamMg Jemonstration der Erwachenden Ungarn für Ftalken. A:rs Budapest wird uns berichtet: Aus einer heutigen Mtteilung der Auttlichen Korrespondenz des Verbandes der Erwachens:: Ungarn erfahren wir, daß die Regienmg aus a u ßc n p ol i t i s chen R ü cksi chte n eine von den Erwachenden anläßlich der Landung der Italiener in Korfu geplante große Straß cndemonstration verboten hat. Da die Regierung auch das Ankleben des Plakates über diese Demonstration untersagt hat, gibt die Korrespondenz den Inhalt dieses Aufrufes Wider. In diesen: Aufruf heißt es u. a.: „Ter Verband der Erwachenden Ungarn vertritt den Standpunkt, daß die ju den liberale Richtung in der Außenpolitik eine der kleinen Entente freundliche Orientierung sucht, weil nur die kleine Entente jene nationalistische Politik zu paralysieren vermag, welche die wirtschaftliche, politische und Rassenhegemonie der Iudenlibcralen in Frage stellen kann. Demgegenüber muß das christlichnationale Ungarn sich auf das saszistif ch e I t a l i cn stütze n, denn nur ein so starker Nationalismus, wie cs der italienische ist, ist imstande, die ungarischen nationale,: Bestrebungen zu verstehen und zu würdigen. Dies hätte in einer Demonstration grnn Ausdruck kommen sollen. Nach den: festgesetzten Programm hätte eine Abordnung den italienischen Gesandten Fürsten Castagnetta in ungarischer und italienischer Sprache begrüßen sollen. Die Polizei hat jedoch weder den Aufzug noch die Anbringung und Verbreitung des folgenden Plakates gestattet. Erlvachende Uivgarnl Das faszistische Italien ist zu Taten geschritten. Auf der Insel Korfu flattert die italienische Fabne. Tie magyarischen Verkünder des Nationalismus der Tat, die Erwachenden Ungarn, haben das Bedürfnis, Italien aus diesem Anlaß mit kameradschaftlicher Liebe und Begeisterung zu begrüßen Die ungarische nationale Demokratie will ein selbstbewußtes Ungarn haben, dessen einzige Stütze nur das kraftgestählte und erstarkte Italien sein kann. Unser innerer Feind, die Destruktion, bat sich zuerst mit unseren auswärtigen Feinden verbunden und verkündet in der Presse und im imgarischen Parlament eine Außenpolitik der Erniedrigung'und wirst sich gegen Erg italienische Macht der kleinen Entente zn Füßen." Polen. DK Anleiheverhandlungen mtt dem Bankhaus Megan. Warschau, 7. September. (Polnische Stimmen.) Blätter« Meldungen zufolge hat der Mi nisterrat die Anlerhebedingungen des Hauses Morgan prinzipiell angenommen. Das Hauptorgan der Sozialdemokratischen Partei fordert die Regierung auf, die Bedingungen der Morgan-Bank ehestens zu publizieren, da es annimmt, daß die amerikanischen Firmen nur unter harten Bedingungen für Polen abschließ en werden. Tie Beschwerden des jüdischen Handels. Aus Warschau wird uns geschrieben: Vor kurzem intervenierte eine Delezu beschäftigen (das Hebräische beherrschte er von Jugend auf gut). Er interessierte sich für jüdisch-ethnographische Fragen, wie aus seinem Briefwechsel mit dem nicht lange verstorbenen S. An skr h-ervovgeht. Damals schuf er auch viele Werte aus dem jüdischen Milieu, darunter die eigertartig trotzige Figur des „Ewigen Wanderers", der mit zusammengepreßten Lippen durch die Welt schreitet und stolz Leid und Verfolgung entgegennimmt. Der Zwiespalt zwischen Rußland und seinem Judentum war die Lebenstragik Antokolskis. „Alle überzeugen nrich" — schreibt er einmal in einem Brief an seinen Freund Stassoff — „daß ich Russe sei, aber Rußland betrachtet mich als Fremdling." In den letzten Lebensjahren trat fein tiefes immanentes Judentum, das in seiner Empfindung lag, am stärksten zutage. Antokolski hat sehr viel für jüdische Künstler getan. Ten später berühmten Bildhauer Eliahu Gins bürg nahm er ins Ausland mit. Von allen Seiten strömten ihm jüdische junge Leute zu, die einiges Talent zu 'haben glaubten, und Antokolski sorgte immer für sie, gab ihnen Geld, verschaffte ihnen Lehrer und Verbindungen, überließ ihnen sogar Aufträge, die er selbst in der Flut von Bestellungen nicht ausführen (konnte und dergleichen. Damals dachte er empfindsam träumend an die Schaffung einer jüdischen Kunstgewerbes ch u l e. Er wollte junge jüdische Talente um sich sammeln und sie fürs Kunstgewerbe ausbilden. An Stassoff schrieb cr: „Man n:üßte der Entwicklung des Kunstgewerbes bei den Juden Aufmerksamkeit zuwenden, daß sie kunstgerverbliche Arbeiten, wie zum Beispiel Gürtlevei, Dekorationsarbeit, Gold- und Silberarbeit und dergleichen, erlernen." Bevor er aber seinsn Plan noch aussühren konnte, ereilte ihn der Tod als einsamen, enttäuschten Mann, um den wenige Freunde waren und der in seinen letzten Lebensjahren übermäßig bis zur Erschöpfung Handwerksarbeit (Grabsteine) leiste:: mußte, um die Not, die ihn umschlich, abzn wehren. Als Antokolskis Leiche aus Frankreich nach Petersburg gebracht wurde, da erwies ihm Rußland, das sein Leben frühzeitig gebrochen hatte, im Tode die Ehre, die er sich gerade von seknem Heimatlande so sehr geiwünscht hatte. Auf den: jüdischen Friedhof zn Petersburg >ist der große Künstler begraben, der so viel jüdisches Leid gestaltet und getragen 'hat. Siegfried Schmitz. LSienev Morgerrzeitung. Zweiklassige Privat' Wien, IX. Hörigasse 12 Beginn 15. September! Ein- und zweijährige Tageshandelskurse a) fiir Mädchen und Frauen. b) für Knaben und junge Männer, und Einsemestrige Kurse für Abiturientinnen. Neunwöchige Banku Handelskurse. Stenographie- und Maschinschreibkurse für Beamte. Lehrer und Hochschüler. Beginn 12. September. Anmeldungen und Auskünfte täglich von 8—12 u. 3-5 Uhr. Prospekte. Fernruf 14-2-12 Unentgeltli ohe Stalle nv ermlttlung gation des jüdischen kaufmännischen Vereines beim Innenminister, um in Angelegenheit der Behandlung der jüdischen Kanflcute zn intervenieren. Die Delegation, die aus Senator T r u s k e r, Abg. W i s li c k i. und Ing. Seidemann bestand, überreichte dem Innenminister Tr. Kiernik ein ausführliches Memorandum, in dem ans die Schikanen, denen die Kaufmannschaft unterworfen ist, hin gewiesen wird, welche dem Staate keinesfalls irgend welche Vorteile bringen, weil ans diesem Wege die Teuerung nicht bekämpft werden könne. Es sei festzustellen, daß in fast sämtlichen Fällen Kaufleute, die ,regen Ueberschreitnng der Verordnung zur Bekämpfung der Teuerung verhaftet wurden, mangels an tatsächlichen: Material von den Staatsanwälten freigelassen worden seien. Dagegen werde,: polnische Firmen, bei denen Waren vorgefunden werden, verschont, die jüdischen Kausleute aber rücksichtslos angezeigt. Im Memorandum wird die Schaffung emer beratenden Körperschaft bei den Kommissariaten zur Bekämpfung der Teuerung, der Vertteter des Kauftnannstandes angehören sollen, verlangt. Der Minister versprach, den Forderungen der Delegation ein besonderes Augenmerk zu schenken. Wie man die Jugend verhetzt! Die Rozwojorganisat: on hat einen Aufruf an die S ch u l j u g e nd veröffentlicht, in dem diese aufgefordert wird, die für das neue Schuljahr nötigen Schreibutensilien und Schulbücher nacht bei Juden e i n z u k a ü f e n. Im Nahten des Patriotism us wird die Jugend ansgefördert, diesen B o y k o t t strenge emzuhalten. Rumänien. Ae Romanifierung der Minderheitsschrüen. Bukarest, 6. September. (I. C. B.) Die Prüfungen ans rumänischer Sprache und Literatur, die fiir alle Lehrer der Mittel-, Bürger- und Volksschulen in den Provinzen Neurumäniens angesetzt wurden, sind bereits beendet. Im allgemeinen haben 80 Prozent der Kandidaten die Prüfung be- > standen. Etwa 2 Prozent sollen reprobiert werden. Der Rest, j 18 Prozent, darunter viele Juden mit langjährigem Schuld«nst, muß nun aus dem Dienste ausscheiden. Die Landesschulbehörde für die Bukowina bereitet eine Verordnung vor, wonach die Leiter nationaler Minderheitsschulen schon mit dem im September begirmenden Schuljahre durch Rumänen ersetzt werden müssen. Dies bedeutet die volle Romanifierung der Volksschulen nationaler Minderheiten. In der Bukowina gibt es eine stattliche Anzahl städtischer, bezw. staatlicher Schulen mit einer Mehrheit jüdischer Schüler, die von jüdischen Direktoren geleitet werden. Palästina Ein arabisches Komplott. Jerusalem, 4. September. (Tel. der „Wr. Morgenztg") Aus Tul-Kerem wird Ihrem Korrespondenten gemeldet: Der Gouverneur von Samaria hat den -Führer des dortigen anliziornftischen christlich-mohammedanischen Verbandes, den Araber Abdullah S m a r a, unter Anklage gestellt. Der Negierung liegen nämlich Beweise dafür vor, daß Abdullah Smara einer G c h e i m o r g a n i s a t i o n angehört, deren Ziel es'ist, jeden Engländer in Palästina zu ermorden. Abdullah wurde aufgefordert, alle auf diese Organisationen bezüglichen Dokumente, die sich in seinem Besitz befinden, auszuliefern. Sie Verwendung der Anleihe von Tel-Awiw. Durch die in Amerika placierte Anleche von 75.000 Pfund ist die Stadtgemeinde von Tel-Awiw jetzt in der Lage, ihre Pläne eines moderne-n Wasserleitungs- und Drainage-Systems dUrchznsiühven. wie auch die elektrische Lichtversorgung zu verbessern. Mit den Drainage-Arbeiten soll schon im Herbst begonnen werden. Sie katholisch-arabische Universität in gerusalem Nom, 2. September. (I. C. B.) Wie in katholischen Kreisen verlautet, soll am 1. Oktober d. I. die vom römisch-katholischest Patriarchen in Palästina, Barlas s i n a, organisierte höhere' Bildungsanstatt in Ievusakra .«iäM toadbtta. MM 8. September 1923 Nr. Mtt Nach dem soeben in'arabischer'Sprache auSgegebtzrMek Prospekt stellt die neue Bildungsstätte eine Verbinduny von Mittelruuib Hochschllle dar, unter denl gemeinsamen Namen „Palästinensische Patriarchalische UMvevsität". Die Hochschule gliedert sich in die „Fakultät der Sprachen, Fakultät der Medizin, Fakultät des Rechtes und Fakultät der Technik". Die Unterrichtssprache ist arabisch, englisch ist obligat. Aufnahme finden arabischSprechemd^ jedweder Nationalität und Religiou. Das neue Institut ist in einem nordwestlich vom lateinischen Patriarchat gelegenen, drei Stockwerke umsdfssw. den Gebäude untergebracht. Soziale Anftaltsn.find der Am statt ungegliedert. In den der Gründung naihestchenden Kreisen wirbehauptet, die Anstalt wolle gegenüber der „Vorherrschaft des Zionismus" ein Gegengewicht schaffen und eine arabische Intelligenz inr Lande heranbilden. Die Jaffaer elektrische Kraftstation. Die Arbeit schrett« befriedigend vorwärts. Die Pfeiler wie auch die VerbnwungS« Icttuitfl mit der Tel-Awiwer Kraftstation find errichtet und wird bereits für die Straßenbeleuchtung von Tel- Awiw und für einige Geschäftshäuser Strom geliefert. Die Einwohner von Tel-Awiw und Jaffa richte« bereits Anlagen und Verbindungsleitungen eh: und werde« auf Gesuche Hin mit Strom versorgt. Rundschau. %m Erdbeben in Fadan. Zwei Schlachtschiffe gefunken. London, 7. September. Nach einer Meldung de8 Neulerichen Bureaus sind Sa-nMag durch die StrmnsW in IokcHama zwei japanische S chkachtffchiftf'« zu nt Sinken gebracht worden. Besserung dev Lage in Tokio. London, 7. September. (Reuter.) Nachdem infolge der Verkündignng des Kriegsrechtes General Fukadq den Oberbefehl über die Stadt Tokio übernommen hcch ist die Ordn u n g inr Innern der Stadt so gut wie herg e st e H t. LebensmittelvorrAe treffen aus den verschiedensten Gegenden ein. Plünderer werden auf der Stelle standrechtlich erschossen. Nach d«n Telegramm eines britischen MarinevM. zicrs ans Iokohama sind Iokohama und zwei Drittel von Tokio zerstört worden. In Jobs« han:a feien 70 ausländische Einwohner ums Leben gefönmen, jedoch wird berichtet, daß in Tokio keine Ausländer getötet worden feien. Der erste amtliche japanische Bericht. Paris, 7. September. (Wolsf.) Wie „Petit Parisiel:" aus London meldet, hat der japanische Minister des Innern jetzt die ersten amtlichen Schätzungen über die Katastrophe in Japan veröffentlicht. Danach sind in Tokio mehr als 30.000 Personen getötet worden; in Iokohama betrage die Zahl der Toten allein 100.0 00. Die Anzahl der Toten auf der Insel H o ndo wird auf rund 2 0 0.000 beziffert. Amtliche Zahlen über die Verletzten hat man bis jetzt mir fönt Tokio, wo man sie auf 1Ö 0.0 0 0 schätzt. In Tokio sind 3 5 0.000 Personen ohne Obdach. Iokohama vollständig zerstört. Tokio, 7. September. (Reuter.) Es 'bestätigt sich, daß Iokohama vollständig zerstört worden ist. Me Abrüstmgsfrage vor dem Völkerbund. Genf, 7. September. (Tel. der „Wr. Morgentzeittmg"^ In der dritten Kommission der Völkerbundsversammlung fiir Abrüstung berichtete heute Edwaards (Chile) iiber die p a n a m e r i k a n i s ch c Konfcrenz, die im Ncärz in Santiago de Chile stattgefunden hat. Er hob besonders den Unterschied in den Rüstung8sragen hervor, der zwischen Europa und Amerika bestehe. Es ergebe sich, daß die drei best bewaffneten Staaten Sühanterikas, Argentinien, Brasilien und Chile, jeder im Jahre weniger für Rüstungszwecke ausgeben als Schweden und daß alle drei zusammen nur 60 Prozent der Rüstungdausgäben Spaniens halben. In der Diskussion fiihrtc der ungarische Delegierte General T a n c z o s aus, daß verschiedene europäische Staaten infolge des Krieges zur Abrüstung gezwungen worden wären, daß aber das übrige Europa heute mehr denn je den Eindruck mache, als ob es seine Rüstungen noch erhöhe. Dagegen sollte sich der Völkerbund wenden. Die vorgeschlagenen gegenseitigen Garantieverträge erinnerten gar zu sehr an die früheren Bündnisse, und man sollte sich lieber aus ein« kontinentale Organisation einigen, wie Amerika. Die Generaldebatte wurde sodann auf Antrag von Lord Robert C e eil geschlossen. Die Konrmiffion wird Montag mit der Ernzelberatung des Garantievertrages, wie ihn die gemischte Abrüstungskommisfion vorgeschlagcn hat, beginnen. Ein jüdischer Minister in Mesopotamien. Aus London meldet I. C. B.: Der Bericht des Oberkommissärs von Mesopotamien behandelt in einem speziellen Artikel die Bildung der provisorischen Regierung Mesopotamiens, der Sassoon Essen di HaSkail als F i n a n z m i n i ft c r angehört, lieber Sassoon Effendi sagt der Bericht, or sei eine führende Persönlichkeit der jüdischen Gemeinde Bagdads und genieße allgemeine Achtung und Ber« (rauen. Er war Mitglied türkischen Parlaments stiit her iKonMutron. ^vanMätzden-tltzeL.MtMchMWMW A.:+^D

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