Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1642 (7.9.1923)
- Date
- 1923-09-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Wiener: MorHönzeitung. 7. September 1923_GM 8 deren Berüfstutlichnng die Regierung verboten hat, im WvA Nr. 1642 Wien, Freitag__ MeNSNittelmMgrl. Nagisaki, 5. September. (akuter.) Die Botschaftsgebäude Italiens, Frankreichs, der Vereinigten Staaten sowie die Gesandtschaften von Polen, der Schweiz, der Tschecho-Slowakei, Chinas und der Niederlande siud^ der Kaastrophe vollkommen zum Opfer gefallen. Der italienische Botschafter ist, wie bereits bekannt, ums Leben gekommen. ' Die Verbindung zwischen Iokoha in a und Washington ist w i e d e r h e r g e st e l l t. Die Lage gestaltet sich äußerst ernst, da in Tokio Und Jokohama Lebensmittel Mangel herrscht. In der Stadt Tokio sind die Kanäle und Kaianlagen voll von verwesenden Leichen. Die Ueberlebendcn befinden sich in eurem bedauernswerten Zustand, da Lebensmittel und Obdach fehlen. 6000 Chinesen sind in Iokohama ums Leben geko n: men. Im Gebiete von Kobe wurde infolge des Erdbebens ein rnit Reisenden besetzter Eisenbahnzug ins Meer geschleudert, wobei 3000 Personen ertranken. Amerika für eine internationale HilfranleKe. London, 6. September. (Tel.-Äomp.) Nach einer Meldung aus Washington hat die amerikanische Regierung die Absicht, eine internationale Anleihe für Japan vorzuschlagen. Amerika würde den größten Teil dieser Anleihe übernehmen, HWaMonen. London, 6. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Gestern sind hier mehr als 2 0.0 0 0 Pfund Sterling für die Opfer des japanischen Erdbebens gezeichnet worden. In New-Jork wurden am gleichen Tage eine Million Dollar siir die Opfer gestiftet. Moskau, 6. Septentber. (Wolfs.) Wie die Russische Telegraphenagentnr mitteilt, begegnet die emgeleitete Hilfsaktion für I a p a n dem wärntsten Interesse der gesamten Bevölkerung des Sowjetbundes. Die Regierung plant eine dauernde Hilfeleistung. Tschitscherin erklärte, die Völker des Bundes glaubten an die Freundschaft des japanischen Volkes, dessen Kundgebung gegenüber Joffe die russische Hilfeleistung verdoppelten. Die Presse sagt, der Sowjetbnnd werde alle möglichen Kombinationen im fernen Osten im Zusammenhang mit der Katastrophe aufmerksam verfolgen. > . Oesterreich. Sie Reise des Bundeskanzlers nach Warschim. Warschau, 6. September. (Tel. der „Wiener Morgtzw Leitung".) Wie die Blätter melden, wird der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel, der am 16. d. in Warschau eintrifft, in der polnischen Hauptstadt drei Tage weilen. Der Besuch des Kanzlers, welchen Minister. Grünberger begleiten soll, trägt Politischen Charakter und hat die Ausgabe, die freundschaftlichen Beziehungen Zwischen Polen und Oesterreich fester zu knüpfen. Der Bundeskanzler wird auch bei der Unterfertigung des p o ln i f ch - ö st e r r e i ch i s ch e n Handelsvertrages anwesend sein. Der Empfang des österreichischen Kanzlers solle in feierlicher Weife erfolgen; im Bahnhof werden ihn außer dem diplomatischen Korps, auch -der Ministerrat nüt dom Mimste-rprästdenten Witos an bier Spitze sowie ein offizieller Vertreter des Staatspräsidenten begrüßen. Ire Wahl». Die Mahlbewegung wird, wie Abgeordneter G l ö ü e l in ncr sozialdemokratischen Versammlung mitteilte, erst nach der kurzen Eeptem'bersession des Nationalrates lebhafter in Fluß geraten. Das Haus wird sich um den 29. d. versammeln und sich voraussichtlich mit dem Südbahnübereinkommen beschäftigen. Bundeskanzler Dr. Seipel dürfte auch Gelegenheit nehmen, über die Ergebnisse seiner War f ch a u e r R e i s e zu berichten. Sonntag den 23. >d. wollen dann die Sozialdemokraten ihren Wahlfeldzug mit einer großen Strafendemo ustrat i o n in W>ieu cinleiten. Die Monarchisten, die bekanntlich mit den Christlichfozialeu ein Mahlübereinkommeu geschlossen haben, werden schon demnächst in:it ihren Versammlungen beginnen und haben etwa 15 Wählcrverscunmlmig angenieldet. Ihre Kandidaten, die auf der christlichsozialen Liste an aussichtsreicher. Stelle fungieren, sind der Gesandte a. D. Wense «und der Sektionsrat im Bundeskanzleramte Dr. Hans Karl Zeßner- Spitzen b e r g. Kandidaten der Kleinrentner? Die Schutzaktiou st'rr Kronenwerte hielt gestern in Weigls Katharinenhsalle eine Massenversammlung ab, zu der auch die Mitglieder des parlamentarischen Kleinrrutuerausschusses geladeir waren. Rechtsanwalt Dr. Z alman erklärte, daß die Schutzaktiou für die kommenden Wahlen zwar eigene Kandidat e it gufznstellen bcabsichtlM, daß sie jedoch bereit sei, davon abzusehcn, wenn die Fordernngen noch vor den Wahlen erfüllt werden. Ansonsten werden die Kleinreirtner in den schärfstcic Wahlkampf treten. Cs wurde eine Resolution, enthaltend einem Gesetzentwurf über die vorläufige Regelung der alten Kronensordernngen, angeuonnnen. Die Leitung der Schutzaktion wird die Entschließurcg den Obmännern der Politischen Parteien und Äem Obncann des ■ ■■ nwfw»tw»if ^:niig'g«nu5wa—ManBfiiBl'l'H l—aBL'flllJ’I.iMIHPtgl» »U» | ZI0MI8T.SEKTI0M PBATERBPBBMQEI. Morgen 7j8 Uhr abends im Cafe Venedig (Winkler), II. Stuwerstrasse 1, grosse Volksversammlung I Bericht über den XXIX. Zionistenkongress | Referenten: g Dr. Waldmann Dr. Oelber Dr. Löwenherz Sonderausschusses für Kleinrentner sowie dem Finanzminister persönlich überreichen. Im Sonderausschuß für Kleinrentnürinteressen referierte gestern 2lbg. Dr. Dostal über das .Familiengläubigergesetz. Das Gesetz wurde einem Unterausschuß mit dem Aufträge zugewiesen, unter Berücksichtigung der gemachten Abänderungsvorschläge bis zum Ablauf der nächsten Woche einen einheitlichen Referentenentwurf auszuarbeiten. Keine gnziehnng von Betriebsräten in den Eeneralrat der Rotionalbonk. Nach der Konstituierung d:r Oesterreichischen Nationalbank hatte der Betriebsrat der Arbeiter der Oesterr.-nng. Bank der Bankleitung mitgeteilt, daß er seinen Obmann im Sinne des Betriebsrälegesttzcs in den Generalrat der Bank entsende. Demgegenüber hatte die Bankleitung den Standpunkt eingenommen, daß die Satzungen der Nationalbank auf einem Spezialgesetze beruhen, durch welches für die Notenbank als ein Institut sui generis besondere Normen geschaffen wurden. Mit dieser Anschauung erklärten sich jedoch die Betriebsräte der Nationalbank nichl einverstanden.. Ein Vergleich nach der Richtung, daß die Betriebsräte lediglich an den Personalangelegenheien behandelnden Verhandlungen des Generalrates durch Vertreter teilnehmen können, wurde von oen Betriebsräten aus prinzipiellen Gründen ab gelehnt. Die Oesterreichische Nationalbank und die Betriebsräte riefen daher die Entscheidung des Einignngsamtes an. Die Entscheidung des Einignngsamtes lautet rmn dahin, daß die Betriebsräte der Nationalbank nicht berechtigt sind, Delegierte in den Gcncralrat der Nationalbank zu entsenden. Das Eimgungsamt verkenne nicht, daß die Wahrung der Interessen der Dienstnehmer der Nationalbank die Zulassung von Delegierten der Betriebsräte zu den Sitzungen des Generalrates in jenen Fällen wünschenswert erscheinen lasse, wo Personal- und wirtschaftliche Fragen der Dienstnehmer in Beratung stehen. Dies könnte aber nur durch eine entsprechende A-endernng der Statuten, somit nur im Gesetzeswege geschehen. Lschecho-Glowakei. Ier BergarbeiterAreik geht weiter. Prag, 6. September. Heute fand im Volkshause die Reichskonfcrenz der Bergarbeiter statt. Aus den Berichten geht hervor, daß mit einer längeren Dauer des Streiks gerechnet werden kann. Ausnahmslos wurden die Maßnahmen der Zentralstreikleitung gut geheißen. Die Debatte klang in der Versicherung des entschiedenen Kampfwillens und der tadellosen Disziplin aller Streikenden aus. Die Reichskonferenz spricht dem Zenträlstreikausschuß das vollkommene Vertrauen aus und ermächtigt ihn neuerlich zur ausschließlichen Führung der Verhandlungen zwecks Beendigung des Streiks für alle Reviere. Weiters wurde einstimmig ein Aufruf an die streikenden Bergarbeiter beschlossen, worin dieselben mrfgcfordert werden, ihren Kampf in der bisherigen Weise ruhig, mit Ueberlegung und in strengster Disziplin, aber auch mit aller Entschiedenheit zu führen, Jugoslawien. Blntige Etraßenszenen in Agram. Graz, 6. September. Die „Tagespost" melltet aus Agram: Heute abends veranstalteten anläßlich der Geburt des Thronfolgers die hiesigen jugendlichen Nationalsozialisten in den Straßen der Stadt eine patriotische Kundgebung. In der Jlica wurden sie von einer Gruppe der kroatischen Separatisten^JilgendoMnisation angegriffen. ES kam zu einem lebhaften Gedränge, in das die Polizei e i n g r i s f. Während die Polizeimannschaft die Stroitenden zu trennen suchte, fiel ans den Reihen der S e p a r a t i st e n ein Revolverschu ß, der den Polizeioisfizier Mile G a l o v i e tätlich traf. Der Mörder wurde verhaftet. Sein Raine ist noch nicht bekannt. _ Ungarn Die MrbmrgsaMre. Budapest, 6. September. (Tel. der „Wr. Morgcnzeitung".) Die Polizei setzt mit allem Nachdruck die Nachforschungen in der Affäre der unbefugten Werbungen fort. Obwohl acht Personen schon der Staatsanwaltschaft eiugeliefcrt wurden, betrachtet die Polizei die Untersuchung noch nicht als abgeschlosscu. Sie verhaftete heute vormittags den Bankbeamten Franz Jvatso.n, der einem Verhör unterzogen wurde. Die verbotene Horthhrede. Wie .gemeldet, hat Abgeordneter F r i e d r i ch inr Verlaufe des Verfahrens gegen die Erwachenden die Drohung ausgestoßen, er werde die Kare zager Rede Horthys, einer Interpellation zur allgemeinen Kenntnis bringen, Mp dies als Pressionsmittel gegen die Regiewng zu bmntzen rmP ihr ernste Verlegenheiten zu bereiten. Inzwischen hat ich Bühlen-Regierung rnit den Erwachenden ihren Frieden >gje< schlossen, die Erwachenden „wissen" zu viel, als daß man «f wagen könnte, ernstlich gegen sie vovzngehen, and das ganyr Manöver hat seinen Zweck ersiillt, da man Bethlens Genf«» Reise mit taubem Kanonendonner bereitete, um dem Ausland zu zeigen, wie energisch man gegen die Verschlvöver vorgehe In der Tat ist jedoch gegen die Erwachenden nichts geschehen. So hat Herr Friedrich den Rückzug angetreten unt aus der angedrohten Fantsare Ast eine Chamade geworden. Er hat seine Interpellation eingvbracht, die danach fragt, warum die Veröffentlichung der Horthy- Rede verboten worden fei und ob die Regierung in Hin» knnift dafür sorgen wolle, daß Reden, deren Veröffentlichung ihr nicht zweckmäßig scheine, nicht gehallten werden. Aber Herr Friedrich hat sich gehütet, ans tarn Inhalt der staatsgefährlichen Rede des Herrn Reichsverwesers einzugehen und sich mit dem Hinweis begnügt, daß diese Rede wichtige außenpolitische, wirtschaftliche und prinzipielle Aeußevungen enthalte. Namens der Regierung erklärte Minister DaS, vm einem solchen Veribot sei der Regierung gar nichts bekannt; er müsse 'bloß davor warnen, daß apokriphe Acnßerungen kolportiert werden, die Horthy nicht getan halbe. Die Regierung übernehme für die Rede die volle Verantwortung. Herr Friedrich nahm die Erklärungen des Ministers zur Kenntnis, knüpfte jedoch daran folgende Bcmeckumgen: Der Text der Rede des Herrn Reichsverwesers befindet sich im Wortlaut in meinem Besitz. Cs liegt jedoch nicht in m e ine r Absicht, die Rede vor die Oe ff entlichkeit zu bringen. Eine Antwort aus die Frage, warum die Veröffentlichnng verboten worden ist, erhielt ich n ich t. Ich habe den Herrn Minister selbst ersucht, die Regierung möge die Veröffentlichung veranlassen, damit nicht ein Text vor die Ocsseutlichkeit gelange, der nicht anthcntisch ist. Man möge die Reden des Herrn Reichsverwesers von Amts wegen pn.blizieren. Wird das in der Zukunft der Fall sein, so war meine Rede nicht vergeblich. Ein tzslittscher Preßproreß. Budapest, 6. September. (Tel. d. „Wr. Morgenzeituug^ Abg. Bela Fabian hat die berüchtigte Abendzeitung der Erwachenden, „A N ep", wegen eines Artikels geklagt, in welchem er mit allerlei Verleumdungen überhäuft wurde. Der Hauptangeklagte Zfrpka, der vor zwei Jahren wegen Teilnahme an der E r m o rd u n g de s' P o l iz iste n Solt r a r« gerichtlicher Untersuchung stand, erklärte in der heute vor dem Bndapester Strafgericht stattgesundenen Verhandlung, daß er sich gekränkt fühlte, weil Fabian die Vorkämpfer vetz üc a t i o n, das ‘ heißt die E r w a ch e u jd e n Magyaren- M ö r d e r und K l o a k e n r a t t e n genannt hatte. Auf die Frage des Vorsitzendecl, was er darunter verstehe, daß Fa-bian in russischer Kriegsgefangenschaft „mit den Zionisten gen arbeitet habe" (diese Behauptung empfand Abg. Fabian, ein I u d c, auch als Ehrenbeleidigung!), erklärte der An-> geklagte, daß Fabian in Sibirien mit den zionistischen Gesan-» genen verkehrt und Vaszonyi nach dessen Ernennung zum Minister im Namen der jüdischen Kriegsgefangenen beglückwünscht habe. Auch sei Fabian aus Kosten der Juden heim-» befördert worden. Mch duDchlgeführtem Beweisverfahren vermteilte der Gerichtshof Zsapka zu einem Monat, den Journalisten T u r ch a n Y i zrc acht Tagen Gefängnis.. Sie requirieren Synagogen! Aus Budapest melvrtz I. C. B.: Der Ofener Israelitischen Religionsgemeinde wurde der im Jahre 1911 für 1200 Familien erbaute Betsaal zu Wohnzwecken weggenommen, obwohl laut der Wohnungsvervrdnung Räume genleinnntziger Institutionen nicht in Anspruch genomen werden sollen. Der Gerichtshof hatte die Räumungsverfügung damit begründet, daß der Bet-« saal „dem Interesse einer kleineren Gruppe der Bevölkerung dient". Vor einigen Tagen erschien im Bethause ein Exe-s. kutor und ließ durch sein Personal die Einrichtung deH B e t h a u s e s z e r s ch n e i de n und aus die S t r a ß^ werfen. Palen. Die Reform der Finanzen. London, 6. September. Ter englische Finanzsachverständige Hi l ton Iourg ist von der polnischen Regierung e r sucht worden, die Resornr der p o l nischen Finanzen, zu übernehmen. Er wird nächste Woche nach Warschau abreisen. Eine Rede des Staatspräfidenten. Warschau, 6. September. (Tel. der „Wiener MvrgdttzciAng".) Der Staatspräsident W o j c i e ch o w s k i, welcher gegenwärtig in Lublin weilt, hat bei einem ihm zu Ehven i-m Rathaufe vera,nsialtetcir Bankett eine Rede gehalten, in lvelchcr er unter anderern aus die Nvttveltzdig-- koit hinwies, dvs Polentunls stets eitigedenk zu sein, ivaZ *iit den Zeiten der Sklaver-ei oft nicht der Fall gewesen fest. „Damals — so führte der Präsident aus — begannen wir fitx andere zu sorgen und Peleit in ein Einkehr- Haus zu verwandeln, in dem jeder das Recht hat, Haus-- Herr zu sein. Jetzt aber, wo wir wieder uriabhängig geworden sind, müssen wir das Recht des einzigen Herrn im Hause schärfer unterstreichen. Wenn GlS^ISRiumungsverkauf im Waren- Schiffmann II» Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En detail