Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1642 (7.9.1923)
- Date
- 1923-09-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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OWe H_ Wien, Freitag Uhhmch der griechisch-italienischen Handelsbeziehungen. Athen, 6. Saptcmber. Die H an dc ls ka inmer hat die H a n da l beziehuuge -n rn i t I t a 11 c u und mit den in Gric^enland tvohnendeu Italienern abgebrochen. Mckziehnng der griechischen Flotte. Athen, 6. Septeinber. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die g r i e ch i f ch o R c <\ i c r u n g hat Ver Flotte den Befehl erteilt, sich nach dem Golf von B ol o an der-Küste von Thesalien znrückzn ziehen, um jede Berührung mit der italienischen Flotte zu vermeiden. Italien befürchtet Repreffalien. Rom, 6. September. (Tel.-Komp.) Die italienischen Handelsschiffe haben, nach Blättcvmcldungen, Befehl erhcilten, die griechischen Territorialge wä sse r zn meiden, da Repressalien befürchtet iverden. Griechenland soll die Besetznngrkosten zahlen! Paris, 6. September. Wie „Libertc" ans London meldet, habe das italienisch? Kabinett Griechenland in Kenntnis gesetzt, daß die Kosten der Besetzung von Korfu eine Million täglich betragen und daß die Griechen diese Summe zu bezahlen hätten. In diplorna tischen griechischen Kreisen werde erklärt, daß, wenn Korfu nicht geräumt werde, das gange Lund sich zu smer einmütigen Aktion erheben werde. . Zwei Mörder verhaftet. Rom, 6. September. „PoPolo d'Jtal i a" meldet aus Trieft, daß die griechische Regierung auf die Spur der Mörder von Janina gekommen fei und bereits zwei derselben verhaftet habe. Die übrigen werden verfolgt. _ Könige und Fürsten von Arabien. Dos in Kairo erscheinende offizielle Organ der Agly Jeghen-Partei „Es Shasa veröffentlichte vor kurzem die folgenden Einzelheiten über die politischen Bewegungen auf der arabischen .Halbinsel, aus denen die De-vworrenheit der arabischen Frage deutlich hervorgeht. In diesem Artikel heißt es unter anderem: ,Dleit dem Ausbruch des Weltkrieges ist auf der arabischen Halbinsel eine ganze Legion von Königen und Herrschern aufgetaucht, uud auch heute sind es nicht weniger ÄS vierzehn solcher Regierungsanwärter und Usurpatoren. Bedenkt man nun, daß die Zahl der Bevölkerung mcf der arabischen Hs^iufel oder richtiger auf dem arabischen nicht mehr als 12 Millionen Seelen beträgt, ergibt sich, daß ans jede Million der BedWermpg ein König entfällt. In diese Daten sind Syrien uüd der Libanon nicht ein geschlossen, und wenn mit Hilfe Gottes auch diese Mlüen ihre Könige erhalten, so werden wir auf dem arabischen Gebiet nicht weniger als 18 Könige haben — wie einst in den Tagen des Joschua, des Sobnes des Sdm." Das genannte Blatt gibt die folgende Liste der ver- Wchenen Staatsgebiete und ihrer Herrscher: 1. Der König des Hodschas, Hussein Jbn Ali, war W zum Kriegsausbruch „Scherif von Mekka" und wurde feine Rebellion gegen die Türken 'zum König des Kßdschas, das heißt der drei großen Städte Jehhah, Mekka und Medina, gemacht. Die BevölkernngSzahl des Hodschas beträgt heute rund eiitc Milliou. 2. Der Staat A s s i e l wird von dein Imam MuhaMmed Ali el Edrisi regiert. Er herrscht über den DDE von Assiel und Tyhamar im Jemen, dem Urfpvungsort der Familie des Propheten Mohammed. Die Vorväter des gegenwärtigen Herrschers hatten während vieler Generationen die .Herrschaft über Marokko. Assiel liegt an der Küste des Roten Meeres zwischen dem Hebschas und Jemen. Tyhaurar erstreckt sich längs der Küste As zum Hafen von Hodeida, welches gleichfalls noch zu Afftel gehört. 3. Der Herrscher von Jemen ist der Imam Iahyja Hamid-Ed-Din. Er-ist Alleinherrscher in Ämbia und hat sich weder vor noch nach dem Krieg an Großbritannien gebunden. Er ist wegen seiner Sympathien für die Türkei bekannt und er beherbergte türkische Truppen bis zum endgültigen Rückzug der Türken. Die Hauptstadt des Jemen ist S a n a a. 4. Sultan Jbn S a o u d ist der Herrscher der Wahabis. Er ist der größte und mächtigste arabische Herrscher, sowohl was seine bewaffneten Truppen wie auch was seinen Einfluß auf die arabischen Stänrme betrifft. Sein Gebiet erstreckt sich von der östlichen Grenze des Hedschas bis nach Kassa an der Küste der persischen Bucht. Sultan Jbn Saoud führt auch nach dem Namen seiner Haupfftadt den Titel eines Emirs von Riad. Riad liegt an der Karawanenstraßc, die vom Hedschas nach Kassa und nach Persien führt. Aus diesem Grunde ist die strategische Bedeutung dieser Stadt be- Honders groß. 6. Das Emirat des Jbn Nasch: d, eheinals ein svvgener Staat, der ununterbrochen mit den Wahabis im liKriage stand, bis er vor zwei Jahren durch den Sultan [SßÖ&fUß Azis Jbn Saoud überwältigt wurde. Emir Jbn!Raschid wurde gefangerrgenommen und sein Land ist Mter die Kontrolle der Watzab: gerate^. _Wiener Morgenzeitung._ 6. Das Emirat von Bab e l M a n d e b liegt südlich vom Jemen. 7. Das Emirat von Lahj mit seinem Herrscher, der den Namen Sultan von Lahj führt. 6. Der Staat Ha dran:aut wird gegenwärtig von einer Anzahl Prinzen verwaltet, nachdonl der König vor einiger Zeit gestorben ist. 9. Das E m i r a t von K h o w a j d liegt an beit Ufern des Golfes von Persien und wird von Emir As- Sabbah regiert. 10. Das E mtrat von El H ohamm eray liegt am Karnnflnß in der Nähe von Basra und wurde im Sinne des Vertrages mit der Türkei im Jahre 1912 von den Engländern genommen. 11. Das E m i r a d von M u s k a d liegt im äußersten Osten der arabischen Halbinsel und wird vom Chef des Stanrmes Timor regiert. 12. Das Emirat Al - Bahre: n, eine schmale Insel beim Eingang in den Golf von Persien, wird vom Enrir Jbn Mi Jbn Jssa beherrscht. Berlin, 6. September. Die weitere rapide Entwertung dLr deutschen Papiermark läßt in der Oeffentlichkeit immer dringlicher den Wunsch nach Schaffung eines wertbeständigen Zahlungsmittels laut werden. Auch die verschiedenen GewerkfchaftsorgaMsaÄonen erklären, daß die katastrophale Entwicklung auf den: Geldmarkt die Schaffung wertbeständiger Zahlungsmittel zur unbedingten Notwendigkeit mache. Die Steigerung des Index für die erste Septemberwoche beträgt wieder 5 6 P r o z e u t. Im Reichsfinanzministerium fanden Beratungen statt, die der Frage einer neuen Währung galten. Der „Vorwärts" erklärt, daß die Reichsre-gierung von den Rechten, die ihr die Volksvertretung verliehen habe, Gebrauch machen und mit Hilfe einer Finanzdiktatur den Verfall aufzühalten bemüht fein werde. Die Regierung müsse vor allem frei der Devise ne r f a s s u n g streng Vorgehen. Das Streben nach einer Goldwährung müsse auch int Interesse des Staates so schnell wie nur möglich greifbare Erfolge zeitigen. Man dürfe vor diktatorischen Ei u g riss en nicht nrehr zurückschrecken. Tie Einsetzung .einer Finanzdiktatnr, welche gegen Devisenhinferzicher auch die allerstreugsten Ataßnahmen zu ergreifen das Recht erhalten soll, kann im P r i n z i p a l s sicher angenommen werden. Wie die „B o s s i s ch e Z e i t u n g" schreibt, ist der neue Verfall der Mark darauf zurückzufühven, daß der bisher nicht veröffentlichte R e i chs bankausweis eine schwebende Schuld von zirka 1000 Billionen aufweisen wird. Tie Entscheidung über die neue Goldnotenbaut würde durch die Machenschaften Helfserichs verzögert, welcher eine Roggenwährung Vorschläge, wodurch alle Preise von der Getrcideffutnlatiou abhängig geinacht uud das Schicksal der neuen Währung in die Hände einzelner Klassen und Spekülauten gelegt bürde. Es nrüsse in die unproduktiven Ausgaben im Rlthrgebiet Ordrming kommen, wo gewisse Leute mnrer neue Devisen in Massen Hamstern. Die Denffsisö;tischen und btc Schwerindustrie um Stimies setzen ihre Praktiken fort, um die Steuern zu sabotiere n und du deutsche Währung völlig zu ruinieren. Ein rasches Handeln der Regierung erscheint augesichts des allgemeine» Währnngcwerfalles dringend not-- wendig. 8in amerikanischer Bericht. Paris, 6. September. Der Chef des auterikanischcn Geschwaders, das zur Hilfeleistung nach Jotahama abgegangen ist, ^berichtet, daß sich die Ge s a in! a h l d e r Opserauf Tote, «ttv.OVV Verletzte und 4 bis 5 Millionen Obdachlose belaufe, von denen eine große Zahl der H u n g c r s u o t zum Opfer zu fallen drohe. Nachrichten aus Kobe melden das Eintreffen von Tausenden von Flüchtlingen, die aller ExistenMittel beraubt sind. Die Spitäler der der Stadt Kobe benachbarten Inseln könrren keine Verletzten urchr aufnchmen, so daß Tausende von ihnen nach Sang'hai transportiert würderr. Unter den getöteteir' 600 Airlslä>n>derir befinderr sich der britische Generalkonsul Horner und der Whiische Konsul von Jo'kahanm Griffiths. Die S o w j e t r e g i e r u n g stellte ihre Flotte den japanischen Behörden zur .Hilfeleistung zur VerfÜWng. 7. September 1923 Rr. 1642 13. Das Königreich Irak mit dom König Faisal. 14. Transjordanien, welches von Emir Ab dullay vMvaltet Wird. Es ist bemerkenswert, fügt „Es Syasa" dieser Aufstellung hinzu, daß diese ähönigreiche ihre Kronen im Westmi-nster in London bestellt haben, und daß G r o ß b r i da n n i e n es ist, welches sie schützt. Die m eisten von ihnen erhalten auch finanzielle ll nie rst ütz u n g von der Londoner Regierung, und sind dliher Mwnngen, sich ihre Instruktionen ans London zn holen. König Faisal zum Beispiel erhält nronatlich 12.000 Pfund und sein Bruder Emir Abdullah monatlich 5000 Pfund. Ironisch schließt das Kairoer Blatt seine Ausführungen: Das ist die Endsumnre der bestehenden Monarchien und man wird Wohl bis zmn jüngste:: Tage warten nrnssen, bis sie alle miteinander kooperiere:: und sich unter der Flagge einer panarabischen Konföderation zu einem einzigen Körper vereinigt haben werden. C>ii! T ÜiLMfommlffSr mit besonderen Vollmachten. Berlin, 6. September. (Wolfs.) Nach einer MNsUmyg der „Zeit" wird in Kürze eine verschärfte Devise n v e r o r d u u n g, die bereits fertiggestellt ist, vevöffentlich: werden. Wie das Blatt tvoiter erfährt, wird außerdem aller Wahrscheinlichkeit nach heule schon ein Devisenkommrssär ernannt lvevden, der mit besonderen Bo l l m a ch t e n und Befugnisseu ausgestattet sein wird. Damit wird die finanzielle und wähvuingspol:tische Diktatur, von der mehrfach gesprochen worden ist, in der Tal eingele-itet werden. -er Lollar - 4» Millionen Berlin, 6. September. (Tel. der „Wiener Morgen- ' zvrtunig^.) Nach den: „8 Uhr-Blatte" wurde der Dollar aast-, Nachmittag im freien Verkehr bis zu 40 Millionen gehandelt. Keine Gehaltsvorauszahlungen mehr! .Berlin, 6, Septe:::ber. (Tel. d. „Wr. Wiorgenzeitung".) Der Reichsrat stimmte heute einer Vorlage des Reichsfinanz"! Ministers zu, die bis zum Jahre 1925 die vierteljährigen! Gehaltsyorauszahlungen an die Beamten aushebt. Cnno Unternimmt eine Erholungsreise um dir Welt. Paris, 6. September. Der gewesene Reichskanzler Enno, der sich auf dem Wege nach den Bereinigten Staaten befindet, erklärte, daß er eine fechsnwnakige Erholungsreise un: die Welt unternehme. (Es scheint uns,. daß Deuffchland nach den: traurigen Neginient Ennos n:chr erholungsbedürftig ist als Enno nach seiner Rcgiererei in Deutschland.) Milliardenbeschlagnahmungen. Berlin, 6. September. Wie aus M ü h lhei nt genresdet wich, sind 5 0 0 M: l l i a rd e n M a r k nnuumerierte Reichsbankrwten auf den: Wege zur Reichsbankstelle von den Franzosen weggenomnten worden. In D u i s b u r g haben belgische Krinrinälbeamte in der Stadthauptkasse 6 3 Ri i l I i a r d c n, die zur Anszahlu-ng an Erwerbslose und Kurzarbeiter be-stinuiU imren, bEschlagnahmt. f In D o rtmu n d wurden zwei Kassäboten des Bankhauses Ohnesorge 3 0 Milliarden und einem Boten der Dannstädter und Nationalbank 2 5 M itliarden weggemiMmen. Ein belgisches Konunando hat hie Reichsbankstelle in Hamborn besetzt und 3 0 M t Ü t a r b c n wcggenouunen. Mehr als 200 krdMhe. San Francisco, 6. September. Rach drahtlosen Be. richten wurden in Tokio am Sarnstag in ehr als 200 Erdstöße verspürt, die schwersten dauerten sechs Mi:mten. Sonntag wuchen 57 Erdstöße verzeichnet. In Jokohanm trqsen sechs Kriegsschiffe mit Neisladnngen ein. Auch in Tokio sind aus den Nach'barbezirken Nahrungsmittelifendungen angekomtnen. Aufruhr in Tokio. Paris, 6. September. Wie der „Jntransigeant" an8 San Francisco erfährt, besagen Funksprüche ans Wvaki, daß in Tokio wegen des LebenKmittelinangels A n fstände ausgebrochen seien. Die Gendarinen tvarcn gc- Mmgon, von der Waffe Gebrau ch - zu rnachen. Nach einem Funksprnch der Radio Corporation d'Amerique aus Tomioka soll sich. die Korea n, ische Bevölkerung vbn Tokio in Aufruhr befinden Die Polizei, die die Ankunft von Verstärkungen evtvartet, tritt den Nöeutercri: entgegen, die plündern mü rnoxdeiNo Bor einer deutschen Fiuanzdittatur. Die üollständige kuwertung der Mark. Die krdbebenkMftrgvhe in 3apan. %Ssams.