Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1641 (6.9.1923)
- Date
- 1923-09-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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, DA» < _ Evtm, Okrmersrag _Wiener; Mtorgen-ettmrg. Der Triumph der Hakoah in London. Don Artm Bear. Klugpostkor«spmrdenz. London, 2. ecptcmbor.) Der Präsident devI « w i sh Athletic Association, Nr. Lewis, ein bedeutender Londoner Advokat, der an der Spitze aller jüdischen Sportvereine in England steht, begrüßte «is am Freitag auf das herzlichste. Er erklärte, das; seine Vereine noch nicht national seien, sondern sich nur von sport- Nchen Grundsätzen leiten lassen. Die Anwesenheit der Hakoah wird aber revolutionierend in der jüdischen Jugend Englands wirken. Jetzt ist die so oft herbcigesehnte Möglichkcii vorhanden, Von der Hakoah selbst Zweck und Ziel der jüdischen Sportbewegung in Erfahrung zu bringen. Mr. L c w i s gab der Ansicht Ausdruck, daß auch für England die Zeit gekommen sei, in der die jüdischen S-Portler das Hauptgewicht auf das Jüdische in den Vereinen legen iverden. Aufgabe der Jewish Athletik Association wird es sein, so wie im Osten Europas und in der Tschecho- Slowaküi eine offizielle Vertretung in den Sportverbänden cmzustrebcn. Die Hakoahner in der Synagoge. Einen mächtigen Eindruck hinterließ aus uns der am Samstag sri'ch erfolgte Empfang in der Synagoge. Mr. Friedländer, der Vorsteher der Great Synagogue bgrüßte uns im Namen der Londoner jüdischen Gemeinde und Wünschte uns von ganzem Herzen einen sportlichen Erfolg. Oberkantor Reverend M a j c r o v i t sch, der lange Zeit in Wien im Müllnertcmpel tätig war, sprach deutsch. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß wir über dem Sport unser Judentum nicht vergessen. Die gesamte Londoner Gemeinde sei stolz und glücklich, daß sie der Ehre teilhaftig wurde, die berühmte Hakoah, deren Entwicklung auch hier mit größtem Interesse verfolgt werde, in ihrer Mitte zu haben. Während des Gottesdienstes wurde der Hakoah in ehrender Weise - gedacht. Immer wieder wurde lzervorgehoben, daß eS uns zu danken sei, daß das Ideal „Muskeljudentum" zur Tot geworden ist. Ter Hakoahner Direktor Bund antwortete in englischer Sprache: „Wir danken Ihnen ergriffen für die herzliche Aufnahme, die alle Erwartungen ubertrisft. Wir Hakoahner haben uns die Ausgabe gestellt, das jüdische Volk körperlich und geistig zu regenerieren. Dcnigemäß obliegt uns unter anderem auch die Pflicht, durch die Propaganda der Tat zu wirken. Um nun unsere Ideale in den weitesten Kreisen bekannt zu machen, sind wir nach London gekommen. Wir wollen durch die körperliche Ertüchtigung den Weg von Ghetto ins Freie weisen. Unsere Fußballer werden Montag tapfer -kämpfen, wobei ste es verstehen werden, ehrenvoll zu siegen oder chrenvoll zu unterliegen. Sie sind sich der Ehre, den ,M a g e n David" auf der Brust zu tragen, bewußt. Uns werden die Traditionen der Makkabäer immer heilig sein. Wie auch das bevorstehende Fußballspiel ausgehen mag, wir haben bereits einen moralischen Sieg errungen. Uns, den Juden Oesterreichs, ist es gelungen, mit Hilfe des Sportes eine Verbindung zwischen unserem Batavland und Großbritannien herzustellen. Nun führte Artur Baar folgendes aus: .,ß)k Bedeutung unseres Erscheinens ist vom sportlichen Ergebnis unabhängig. Es erfüllt uns mit Stolz, nicht nur als Repräsentanten der Hakoah und der jüdischen Sportbewegung, sondern auch als Vertreter Wims und des gesamten österreichischen Sports gelten. Für uns ist es ein beglückendes Gefühl, als erster mitteleuropäischer Verein ^rach dem grauenvollen Kriege nach England gekommen zu sein. Uns Juden war es vergönnt, für die Versöhnung der Sportvölker und im weiteren Sinne der Nationen wirken zu können, und Pas verdient für ewige Zeiten festgehalten zu werden." (Demonstrativer Beifall.) Ein Rabbiner, dessen Namen ich leider vergessen habe, sprach jiddisch: „Ich bringe die Hakoah mit unseren Ueberliefrrungm aus dem Talmud in Einklang. Die Juden haben in Zeiten der Not immer ihren Alaun gestellt. Ihr Wirken in den verschiedenen Zeitabschnitten der Geschichte beweist, daß sie alles zuwege brachten. War Geld notwendig, wurde es aufgebracht. Benötigten die Juden Geist, dann war er vorhanden. Da die Kraft (Hakoah) gebraucht wurde, darum' ist die Hakoah erstanden." Er endete unter großem Beifall: „Beweiset mre Kraft und man wird sehen, daß wird da sind!" Bei Verlassen der Synagoge waren wir Gegenstand der schmeichelhaftesten Aufmerksamkeit. Ein Bortrag Dr. Körners. Die Zionistische Organisation Londons veranstaltet unter der Leitung von Rev. Goldbloom im Einvernehmen mit der Zionistischen Exekutive (Mr. Co wen und Sekretär Tr. Hermann), der jüdischen Gemeinde Londons und der sephündischen Gemeinde am Montag abends ein Massenmeeting, bei dem Tr. Körner über Zweck und Ziel der jüdischen Sportbewegung und über den Werdegang der Hakoah sprechen wird. Zu diesem Meeting werden die prominentesten jüdischen Persöulichkerteu besonders eingeladen werden. Sehr zahlreich wird bei diesen« Meeting die Preise vertreten sein. Bei der österreichischen Gesandtschaft. Die Herren Dr. Körner und Deszö Herbst sprachen sls Vertreter der Hakoah bei der österreichischen Gesandtschaft vor. In Vertretung des auf Urlaub weilenden Gesandten Frankenstein wurden die Herren von Legntionsrai Knt,nL^MtzßDüen..Ae-LÄk«chrwr.uberbrachten ^auch.die. Grüße des Oe st er re i ch i s ch e n F n ß b a l l b n n d e §. Legationsrat Ku nz war über'die Anwesenheit der Hakoah in London sehr erfreut und bestätigte, daß durch dieses Wettspiel die Annäherung zwischen England und Oesterreich eine wertvolle Förderung erfahre. Die gleiche Meinung habe er bereits ans dem Munde, m a ß g e b e n d e r englischer Persönlich k'e i t e n gehört. Die Gesandtschaft^ die bereits von W e sth a m. U n i t e d zum Spiel offiziell eiugelade«: worden war, wird auch beim Kamps der. Oest-erreicher auf englischem Boden, vertreten sein. Die österreichische Gesandtschaft unterstützte die Hakoah aus jede erdenkliche Weise, wofür ihr auch von dieser Stelle unser bester Daitk gebührt. Bei der Zionistischen Exekutive. Bon der: Zionistischen Exekutive sind wohl die meisten Herren noch nicht aus Karlsbad zurückgekehrt Wjr wurden aber von Mr.' C o w e n und Sekretär D r. H e r m a n n herzlichst empfangen... Für Biontag find wir bei M r. Samuel, dein B r u d e.r Herbert Samuels, angenceldct. Wir werde«: auch bei Lord B e a r st e d, Sir Edward, D. Stern, Lionel N. de Rothschild und beim Chefredakteur des „Jewish Cronicle" Air. G r e e n b e r g vorsprechen, da alle angeführten Herren de«« Wunsch äußerte;«, uns kennen, z«: lernen. Mit ganz besonderem Eifer bemühtan sich der Sekretär des Keren Kajemeth Mr. Fcinbloom und der uns von Wien als Mitglied angehörende Oberkantor M a j e r o w i t s ch uin «ins. Bei Mr. Wall, dem Sekretär des englischen Fußballverbandes. Bei Mr. W a l l, dem eigentlichen Führer des englischen Fußballsportes, sprach Fritz Baltaxe als Führer einer Deputation der. Hakoah vor. Mr. Wall, der bereits «Mn Tage vorher seine Karte bei uns abgegeben hatte, empfing die Herren :nit der größte«: Liebenswürdigkeit. Er lud die Hakoahner ein, in sein Arbeitszimmer zu kommen, das auf das vornehmste eingerichtet war. ,Herr .Baltaxe übermittelte die Gruße der Hgkoah, des, W.iener Fußballverbandes und des O ester-reich.« scher: F u ß bal lb und e s und versicherte, daß die heimische Sportbewegung jederzeit auf England, das Mutterland des Sportes, mit größter Ehrerbietung geblickt habe, Für uns jüdische Fußballer bilde aber England weit mehr-, als das. sportliche Vorhild. Wir verehren in England das Land, das die Balfour-Deklaration geschaffen hatwodurch wir Juden auf ewige Zeiten mit Großbritannien innig verknüpft sein werden. .Herr Baltaxe übermittelte weiters die Grüße des österreichischen Bundeskapitäns Hugo Meisl, der das Ersuchen.,stellte» den Termin für den Länderkampf Engländ-^Oestör reich zu. fixieren. Mr. Wall betonte in seiner Antwort, daß er der Hakoah für ihr Erscheinen danke, da dadurch die Beziehungen zwischen England und Oesterreich wieder angebahnt würven, was längst sein sehnlichster Wunsch sei. Bei seiner zweimaligen Anwesenheit in Wien habe er diese Stadt lieben gelernt. Insbesondere hob er einige Male seine Freundschaft mit Hugo Meisl hervor, wobei er erklärte, daß er zwar noch nicht in der. Lage sei, bei: Termin für den Länderkampf zu bestimmen, da die Terminliste des englischen Fußballverbandes noch nicht fertiggestellt sei, daß er sich aber unendlich freue, an der Spitze der Nationalman«:schast wieder nach Wien kommen zu können. Der ihm von Herrn Baltaxe überreichte Hakoah-Wimpel freute Mr. Wall sichtlich. Er versprach, letzteren in der nächsten Sitzung als Grüße der Hakoah und des gesamten österreichischen Fuhballsportes dem englischen Fvßballverband zu überreichen. Im Im Laufe der Unterhaltung gab Mr. Wall bekannt, daß vor einigen Monaten, als das Spiel der Hakoah in London projektiert wurde, mehrere Vertreter des jüdischen Sports bei ihm erschienen waren, die die Gründung eines Englischen jüdischen Sportklubs,' der in den Intentionen der Hakoah geleitet werden soll, proponiertcn. Mr. Wall einpsahl damals eine zuwartende Haltung. Jetzt ober,, wo er die Bedeutung und das Wirken der Hakoah a««s eigener Anschauung kennen gelernt habe, beabsichtige er, den jüdischen Sport auf englischem Boden in jeder Weise zu unterstützen. Er sei davon überzeugt, daß eine jüdische Mannschaft in Eiland bald zu großer Popularität gelangen würde, was auch dem gesamten Fußballsport zu Nutze«: kommen würde.» Nach einer Besichtigung des Verbandshauses, in dem der gewaltige Sitzungssaal eine besondere Erwähnung verdient, verabschiedete sich Mr. Wall vor: den Hat'oahnern, wobei er der Freude Ausdruck verlieh, den: Spiele an: Montag beiwohnen zu können. In der Versammlung der Londoner zionistischeu Jugend. Die zionistische Jugend Londons berief für Sonntag abends in. ihren: Ver.einshein: eine'Bersa««m:l««ng ein, in der die Hakoah durch Artur B a a r, Dr. R o s e n b l a 1 t, Baltaxe und Bund vertreten war. Die Redner Artur Baar und Bund wurden von dör begeisterten Jugend bejubelt. Mit Andacht lauschte sie der. Geschichte der .Hakoah und beschloß, in London einen Bruder U u b z«: gründen. Als wir. endlich scheiden mußten, erwartete uns eine große Me.ns.chenmas.se, die «licht «««ehr. Einlaß gesurrde«: hatte, auf der Straße. Das A u t 0, vas ««UZ vou Whitechapel, de««« Judenviertel, zurück in die City bringen sollte, wurde umriugt, und als es sich endlich in Bewegung setzen konnte, brachen die' Zurückgebliebenen i«« begeisterte Hochrufe aus. . Bor dem Spiel. Billy.Hunter hofft,, unsere Mannschast «««argen „fit" auf das' Spielfeld zu bringen. Wir wolle«« hoffe««, daß er recht behält. Unsere Fußballer bekundeten schon oft bedentende Willenskraft, trotzdem sehe ich den« Karnpf mit großer Sorge entgegen. Der Londoner Trubel irritiert die Nerve« mtd . morgen werden unsere Spieler mehr denn^ie rulnge Nerven 6. September 1923 Nr. 1tz41 ries Jüdischen Natkmalfonds gemeinsam mit Verein „ES RA“ beim 'Marokkaner1 II. Gr. Z u fahr tat r. 48 und Radfahrer* II. Ausstellungsstrasse 86 Karten: Im Bureau des J. N. F., II. Zirkusgasse 33, des Vereins „Esra“, II. Stuwerstrasse 25, bei M. Schächter, II. llgplatz 1, M. Bartfeld, II. Sebastian Kneippgasse 3, G. Wittlin, II, Ybbsstrasse 4. benötigen. Das Brausen und Toben der Stadt «nacht uns krank. Die Hakoahner toeebett morgen nicht nur eine Probe ihres Könnens, sondern auch ihrer N e r vt c n stärke ab zulegen haben. Es «nag vielleicht größenwaynsinnig sein, i«h glaube aber, daß >v«r nicht ustterüsgen werden. Ein 2:2 Resultat schwebt «nir immer 'vor. Tagesbericht. Kongreßwitze. Der „Dunkle" — 'dieses Psoudonvyi deckt einen der humorvollsten jüdische«: PuMzrsten, dessen Parodien aus der jüdischen Literatur geradezu volkstümlich geworden sind — war ' Kongreßberichterstatter' in Karlsbad. Diesem Umstands verdanken jüdische Blätter eine Anzahl heiterer Kongreßbevhächtungen. Der „Dunkle" ha« nun auch «m. eifriger Sachkenntnis etliche freiwillige und auch unfreiwillige Kongreßwitze gesammelt, die wir hier wiedergeben: Ein' Pferd ans ein Huhn. ES wird die Frage erörtert, in welchem Verhältnis in der Jewish Agency die Zionisten und Nichtzioniste«: öcrlvfic«: ' sein sollen; Mer' die' Vorschlägeeiner gleich ftMe«« Vtz.r-> tretung «vtspinnt sich"©Sie''"' ILngerö'MbÄte.' Da erhebt sich: Schwarjahu Löwin und erzählt folgende«: Witz: In ein.Restaurant. kommt ein Gast , und bestell! ein. Hühnerkote'lette. Der Kellner bringt das Gewünschte, der Gasl kostet und sagt: „Kellner, die Kotelette schnnckt «nir nid)«; bo muß anderes Fleisch darin sein, nicht bloß .Huhn." ,stimmt," antwortet der Kellner, „da ist Pfcrdc-fl..'iscb darin". ,Zn welchen: Verhältnis?," fragt der Gast. „Ein Pferd aus ein Huhn." Der Schneider und d?r Gabbe. Weizmantt in einer Rede: „Es gcht mit mir so wie mit jenen« Schiwider und. dem Gavbe seiner Schul'. Dieser Schneider sagt einmal;um Gabbe: „Reb Gabbe, Ihr müßt vor mir Achtung haben!" ,Mos ' soll das heißen," fragte, der Gabibe erstaun«. „Ich, der Gabbe, soll vor dir Achtung haben?" „Gewiß!" antwortete der Schneider. „Ich kann ouck stürzen «indes dazu bringen, daß Ihr nicht mehr Gabbe seid. Aber versucht Ihr es — bringt e« dazu, daß ich nicht »«ehr Schneider sei!" Geradeso, exemplifiziert Weizmann, haben die Zionisten weniger Achtung vor Mir als vor ihnen. Denn sie könne«« rS dazu bringen, daß ich nicht nwhx Führer bin, ich aber kann es nicht dazu bringen, daß sie nicht mehr Zionisten sind. Ein Kenner. In Kar!lÄ>ad wohnt ein Arzt, der ein sogeuauutex Syrnpathiker des Zionismus ist. Seine Sy:««pathie Vonrmt darin zum Ausdruck, daß er Kong-reßt-eilnehnrern ärztliche G r a t i s b e h a n d l >u n g zuteil werden täßt. Den ZiorMep ist natürlich ihr Sympathiker sehr synchathisch. Einmal sucht diesen Arzt ein Zionist wegen seines Magenleidens ans. Der Ariz't verordnet ihn: eine genaue 'Diät, darunter auch Schi«r>ken. ,M«: Gottes willen!" ruft der zionistische Patient aus, wie er de«: Diätzettel sicht, „Sie haben mir Schinken verordnet: ich bin doch Misrachist!" „Ach, e««tsclMdiges: Sie, ich dachte, Sie wäre«: vo««« Z c n t r uin!" Ans einer Rede. Ein Misrachist donnert im heiligen Eifer in den Saal. „Wir Nlüssen Geld schassen! Wir müsse,^Möglichkeiten schassen! Die J««den «vollen nach Ercz Israel, sie wollen dortseibst hungern «md stechenj Wir müssen ahnen die Möglichkeit dazu geben..." Ein eiserner Wille. U-ssischkin gilt als Mann, von eisernem Wille«: «n:d unbeugsaniem Charakter.- Das hat sich auch dies»«al «bieder gezeigt: i Als er zun«, erftcmu-al das Wort „Jewish Agency" geschrieben sah, las er es, «vie .g schrieb ei« stand: „Jetvis agenzi". Dann hörte er/wohl, daß alle ' Leute „Dschlnsch -edschensi" aussprachen, aber Usslschkiu ist nicht der Mann, der so rasch seine. Ausichte«« ändert. Er hielt sich bis zum Schluß des Kongresses an seine Aussprache „Jewis agenzi". Das heißt PerinÄpienieltiakeiL.- 06911817