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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-06 · Heft 1641 (6.9.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1641 (6.9.1923)
Date
1923-09-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. lß& Wien, DormerZtag JuHut Krupnik VII, Kaiserstrasse 111-115 TOSREHHB KLEIDER KOSTUHE MKNTEL P E LZ E Wegen Umbau tmd Raummangels mir noeb kurze Zeit nie wiederkehrend billige Preise! . r , Daraus geht Var hervor, daß die kriegerische Mion ^etzm die Nachbarstaaten mit Wissen der Regierung vorbereitet tvorden ist und daß die letzten Verhaftungen bloß zur Irreführung des Auslandes in Szene gesetzt worden sind, dcmiit Bechlen in Genf auf seine Loyalität Hinweisen könne. Pole«. Ter UnterrWrmkuifter verwlrMiht via facti de« Numerus clausus! Warschau, 4. September. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) In einem Interview mit der ,Mazeta Warszawska" entwickelte UntervichtZminister Glombinski das Programm seiner Schulpolitik. Die Schule habe die Aufgabe, die Jugend im nationalen und sittlichen Geist unter Berücksichtigung der sprachlichen und religiösen Unterschiede der Schüler zu erziehen. Der Ausbau der allgemeinen Schulen sei gegenwärtig eine der wichtigsten Aufgaben auf dem Gebiete des polnischen Schulwesens. Weiters werde es notwendig sein, die Lehrbücher in nichtpolmscher Sprache zu revidieren, ob sie dem polnischen Staatsgedanken entsprechen. Bezüglich des Schulwesens der nationalen Minderheiten erklärte der Minister, daß im Sinne der Verfassung sämtliche Bürger das Recht besitzen, die ösfenAchen Schulen zu besuchen. Auf Wunsch der nichtpolnischen Bevölkerung Me auch die nichtpolnische Unterrichtssprache eingesührt werden, jedoch trägt die Negierung dafür Sorge, daß in allen öffentlichen und privaten Schulen Polnisch als obligater Unterrichts-gegenstaud gelehrt werde. Die größten Schwierigkeitenbereiten die jüdischen Schulen, weil es unbekannt sei, welche Sprache als Unterrichtssprache zu gelten habe. Eine Gruppe von Juden verlange die, jüdische, die andere.die hebräische und einige wieder die polnische oder russische Unterrichtssprache. Viele Juden bedienten sich auch des Deutschen als Umgangssprache. Diese Fragen werden demnächst durch den Ministerrat entschieden werden müssen. Bezüglich des „Numerus clausus" erklärte der Minister, daß der Numerus clausus au den Hochschulen bereits faktisch eingesührt worden sei. Da ein Regiepmgsprojekt über die Einführung des Numerus clausus in der Unterrichtskonunission beschlossen worden sei, habe er unabhängig vom weiteren Schicksal dieses Projektes im Sejm und Senat eine V e ro r d n u n g erlassen, in der er seine Z u st i m m u n g zur E i n f ü h r u n g des N n m e r u s c l a u f u § an sämtlichen Fakultäten -der Hochschulen gegeben hat. Somit sei die Cinsühruug des Numerus clausus im Sinne dieser Verordnung ausschließlich von den Beschlüssen der- Universitätsi a k u l t ä t e n abhängig. Polnische Sozialdemokratie und Numerus clausus. Charakteristische Aeußerungen eines polnischen Schriftstellers. Der berühmte polnische Schriftsteller Andrezej S t r u g, dessen mutiges Auftreten zur Zeit der Judenexzesse im Jahre 1918 noch in Erinnerung ist, erklärte -dem Vertreter der jüdischakadeurischen Jugend in Warschau, er sei überzeugt, daß es den Anhängern des N u m e r u s clausus nicht gelingen werde, den Sieg davon zu tragen. Ueber das Verhalten der polnischen Sozialdemokratie zur Frage des Numerus clausus äußerte sich Strug wie folgt: „Die Stellungnahme der Partei zu deu Fragen der Nationalitätenpolitik, inbesondere aber zur jüdischen Minorität, sei eine äußerst 'heikle Sache, da doch die Parteiführer jüdischer Abstammung, wie Diamant, Perl und andere, fortwährend die Möglichkeit einer gerechten Lösung der Judenfrage behindern. Diese Führer sehen einzig und allein in der Assimilation die Lösung der Judensrage, daher sei für sie jede ©iSfufttcm über die Erteilung von nationalen Rechten an die Juden eine Ohrfeige. Es wirke geradezu paradox, daß Menschen, die dank ihrer Abstammung berufen seien, in dieser Frage die Vermittlerrolle zu spielen, in Wirklichkeit nur störend wirken. Die Frage des Numerus clausus könne daher für die polnische Sozialdemokratie keine Hauptfrage sein, für die sie vieles aufs Spiel setzen würde." Die Aeußernngen dieses prominenten Schriftstellers über die tragikomische Rolle der jüdischen Führer der Sozialdemokratie sind ein klarer Beweis, daß es höchste Zeit wäre, die 'Herren Diamant, Perl e l'Ui'ii quautii endgültig äbzuschüttelu. Wiener Mor^enzeiturrK-_ Eröffnung der Lstmeffe in Lemberg. Lemberg, 6. September. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".^ Heute ist hier die dritte Ost messe eröffnet Morden. Zur Eröffnungsfeier sind Fmanzm'mistcrs Kucharski, Landwirtschaftsminister Oszecki und der Stellvertreter des Kriegsministers, Oszynski, eingetrosfen. Der Schapiro-Prozeb. Die Revif io ns Verhandlung in dem Prozeß des Rabbiners von Plozk, S ch a p i r o, der zur Zeit des polnisch-russischen Krieges von einem polnischen Kriegsgericht unter falscher Spionagebeschuldigung verurteilt und daraufhin erschossen wurde, wird nun definitiv am am 27. S e P t e m b e r stattfinden. Als Verteidiger wird Abgeordneter Hartglas fungieren. Tschechoslowakei. Der Bergarbeiterstreik. Die Negierung wird neuerdings vermitteln. Prag, 5. September. Heute vormittags sprach im Ministerium für öffentliche Arbeiten eine Deputation der GelweÄ'schaftsvereiNigung der tschecho-siotvMschen und der deutschen Gewerkschaftskommission in Reichenberg vor, um sich über den Standpunkt der Regievumg in Angelegenheit des BergabeiterlohnEonslikts zu informieren. Minister für öffentliche Arbeiten S r b e antwortete ans die Anfrage auch in Vertretung des erkrankten MinisterprÄsidenten und des Ministers für soziale Fürsorge. Er erklärte, das Ministerium werde die allernächste Gelegenheit benützen, um neuerdings zwischen den Parteien zu vermitteln. Für die künftiger: Verhandlungen werden genaue Berechnungen der Produktionskosten vorbereitet, sowie auch die Gewinne einzelner Faktoren am Kohlenpreise. Das Ergebnis dieser Üutlrrs'uchung werde vertraulich beiden Parteien zur Disposition gestellt werden, die für nächsten Montag 51t einer gemeinsamen Sitzung eingeladen werden. * Jugoslawien. Ae Haltung der Regieruug im griechischitalienischen Konflikt. Belgrad, 4. September. Im italienisch-griechischen Konflikt wartet die Regierung die Ankunft ihres Athener Vertreters in Belgrad ab, der mündlich über den Konflikt Bericht erstatten wird. Die Regierung hat keine Entschließung gefaßt, die das von Athen gestellte Ersuchen um Unterstützung zum Gegenstand hätte, und es herrscht der Eindruck vor, daß sie vor der endgültigen Lösung der Frage der jugoslawischen Freizone in Saloniki nichts unternehmen wird. Re Finnmner Frage. Italiens Vorschläge, eine verschleierte Annexion. Belgrad, 4. September. (Avala). Die Fruma:: er Frage stößt Besorgnisse ein, die sich in der Belgrader Presse widerspiegeln. Danach zielt der italienische Vorschlag auf eine verschleierte Annexion Fiumes sowie des Baros-Hafens ab, ferner wird der ultimative Ton der italienischen Mitteilung, welche die Annahme des italienischen Vorschlages bis 15. September befristet, als Verletzung des Nationalgefühles und der Souveränität des S. H. S.--Staates angesehen. Der Ministerrat hat sich gestern mit dem Vorschlag beschäftigt und die Maßnahmen für den Fall einer selbständigen Aktion Italiens, bezüglich Fiumes ins Auge gefaßt. Er betrachte die Aufrechterhaktnng des Freistaates Fiume als unbedingte Voraussetzung eines dauernden Friedens in der Adria. Keine Verständigung? Belgrad. 6. September. (Tel. der „Wiener Morgerdzeitung".) W'w die „P rav da" aus Rom meldet, lauten die Berichte über die Verhandlungen der paritätischen Kommission in Fiume sehr ungünstig. Italien hat erst jetzt sehr übertriebe n e Forderungen unterbreitet und es ist daher sehr wahrscheinlich, daß es zu keiner Verständigung kommen wird. Die Anrufung des Schiedsspruches des schweizerischeil Präsidenten rückt in der: Bereich der Möglichkeit. Mmilnim» Ausweisung sSmtticher Flüchtlinge aus Aeßarabieu. Kischinew, 4. September. (I. C. B.) Soeben ist in ganz B e ß a r a b i e it eine Verordnung des Generals P 0 p 0 v i c i publiziert worden, in welcher sämtliche ukrainische und russische Flüchtlinge aufgefordert werden, 'bis zum 1. Oktober den Boden Beßarabiens zu verlassen. In der gleichen Verordnung werden die politischen Behörden angewiesen, ungesäumt für alle Flüchtlinge Reisedokumente auszustrllen, da die Ausweisung nicht allein für Beßarabien, sondern für ganz R u m ä n i c n gilt. Die Flüchtlinge, wird in der Verordnung gesagt, werdennunmehr das Land verlasse:: müssen. Diejenigen, die im Besitze behördlicher Aufenthaltsbewilligungen sind, müssen dieselben den Behörde:: z u r ü ck st e l l e n. 6. September 1923 Sötte 3 RÄGLANS und ANZÜGE billiger wie überall „ZUM AMERIKANER“ VI.Bezirk Mariahilferstr. 4L MWM Rundschau. Irr Völkerbund in Migkev. Genf, 6. September. Alle Kommissionen der Völkerbundversammlung ' haben nnlimehr ihre Arbeiten a n f g e n 0 m men. Von besonderem Interesse ist ein E x P 0 s e, das Senator Lebrun über den Stand des Abrüst ungs Problems gab, wobei er erklärte, daß der ncgellseitige Garantievertrag so weit gediehen sei, daß die Abrüstungskommission unverzüglich in die Beratung emtreten könne. Kongreß der gnternationalr« Frauenliga?8r Frieden und Freiheit. Dresden, 5. September. (Wolfs.) Der Kongreß der Internationalen Frcuienliga für Frieden und Freiheit ist hier unter Teilnahme von Vertretern aus Oesterreich, England, Frankreich, Bulgarien, Schweden, Ungarn, der 'Ukraine, der Tschecho- SlÄvakei und Deutschland zusammengetreten. Die erste Sitzung wurde von der zweiten Vizepräsident^ Haimann (Deutschland) eröffnet. Ministerpräsident Doktor Zeigner begrüßte die Versammlung namens der sächsischen Regierung. Die Vorsitzende betonte in ihrer Ansprache, daß erst durch eine Umstellung der Menscheir ans einen anderen Geist der Weg zum wahren Frieden 'fteigema-A werden könne. Re Marttataftrophe. Dollar — 22,5 Millionen. Berlin, 5. September. (Tel. der „Wiener Morgen» zeltU'Ng".) Nach den: „8 Uhr-Matt" wurde der Dollar an der N a ch b ö r s e mit 2 2,6 Million« :: gehandelt. Brot — eine Million; Berlin. 5. September. (Del. der „Wiener Morgenzeitung".) Die rapid fortschreitende Entwertung der Mark hat eine unaufhörliche Steigerung aller Preise, besonders der Lebens::: ittclpreise, -im Gefolge, so daß jetzt das markenfreie Brot schon einen Preis von c t jt c r Milli 0 n Mark überschritten hat. Erhöhung der Gisenbahngebühren. Berlin, 5. September. (Tel. der „Wiener Marge ir« zeitung".) Vom 11. d. ab werden die PersoNen-tiarise auf den Eisenbahnen um das Einemlhalbfache echöht und die Gütertarife verdreifacht. Verhandlungen deutscher mit Futeute- Fndustriellen. London, 0. September. (Tel.-Komp.) „Daily Erpreß* teilt mit, daß gestern in einer belgischen Stadt in der Nähr der deutschen Grenze eine Unterredung zwischen deutschen, englischen, französischen und beb«'' gischen Industriellen stattgefunden habe, die sich um die Frage einer baldigen E r ö f s n u n von Unter h a n -d->- lungen zwischen den Alliierten und Deutschland dreln»- Einzelheiten fehlen. Polen und Towsetmßland. Wie aus Moskau gemeldet wird, übergab W polnische Regierung dem politische:: Vertreter des Sowjetbundes in Warschau als A n t w 0 r t ans die Notifizierung der Bildung des Bundes der Sowjetrepubliken ein Aremorandum, in den: sich die polnische Regierung bereit erklärt, die Notifizierung unter der Bedingung an zu erk e u ne u, daß die Sowjetbundesregiernng folgende polnische Forderungen erfüllt:' Die Verträge und Abmachungen, die mit Sowjetrußlarid, dev ukrainischen und der weißrussische:: Sowjetrepublik abgeschlossen wurden, bleiben in Kraft und es werden irr Moskau, Charkow, Minsk und Tiflis polnische Ber-- tretungen jnit diplomatischen Vorrechten zugelassen. Im Zusarnmenhang mit der Bildung des Soinjetbruides wünscht die polnische Regierung die Frage der R ü ck b efördern n g n n d der O p t i 0 n polnischer Bürger zu regeln, die im Gebiete der ehsmaligen Republik des fernen Ostens und der transkaukasischen Republik wohnen. Sie fordert ferner die Rückerstattung des Vermögens der 1921 aufgelöster: römisch-katholischen Gesellschaft in Tiflis arr die Warschauer wohltätige Gesellschaft. Schließlich schlägt die polnische Regierung vor, die Frage der Petr0lcnmqucIte:t in Baku, die vor der R-evolution den: wissenschaftlichen Forrds „Mianowski" gehörten, in den: Sinne zu lösen, daß der Fonds 4,6 Millionen Pud Petroleum erhält. GUSRäumunaiverkauf ttrSchiffmann I!., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En äeiail ^gUMHWffss-:-!

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