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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-04 · Heft 1639 (4.9.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1639 (4.9.1923)
Date
1923-09-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 163G Wien, Dienstag Wiener: MorgenzerLnng. 4. SepteMer 1923 Seite 3 Rundschau. Sie Tagung der BSllerbundes. Genf, 8. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die erste Vollversammlung der gegenwärtigen Session der Völkerbundversammlung wurde um 11 Uhr 20 Min. vom Präsidenten des Völkerbundrates Jshii, dem Chef der japanischen Delegation, eröffnet. Jshii hielt eine Rede, in der er unter anderem ausführte: Das seit der letzten Versammlung verflossene Jahr war in bezug auf die internationalen Beziehungen reich an Besorgnissen und Ereignissen. Der Bericht über die Werke des Rates gibt im einzelnen Aufschluß darüber, wie weit der Völkerbund dazu beigetragen hat, normale Beziehungen zwischen den Völkern wieder herzustellen. Am meisten Beachtung verdienen sicherlich die Anstrengungen, die unternommen wurden, um Oesterreich wieder aufzubauen. Die Versammlung möge sich erinnern, welches die Lage Oesterreichs im September 1922 war. Es fehlte ihm an Mitteln, die nötigen Lebensmittel und die Rohprodukte für seine Industrie zu kaufen. Sein Geld war entwertet und es drohten Hungersnot und Wirren, mit ihnen äußere Komplikationen. Unter diesen Umständen wurde im September 1922 ein umfassendes Wiederaufbauprogramm entworfen, das nun auch in glücklicher Weise zur Ausführung kommt. Seit fast einem Jahr ist die österreichische Krone stabil, das österreichische Wirtschaftsleben konnte einen neuen Auffchwu'ng nehmen. Der Redner streifte dann noch andere Aufgaben des Völkerbundes und gab zum Schluß seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß der Völkerbund langsam, aber sicher vorwärts schreite. Um 4 Uhr nachmittags trat die Völkerbundversammlung neuerlich zusammen, um zu der Wahl des .Präsidenten der Versammlung zu schreiten. Die verschiedenen Länder wurden namentlich aufgerufen. 45 Länder antworteten auf den Appell. Es wurde die Abwesenheit Argentiniens, Perus, Boliviens, Nikaraguas und Guatemalas festgestellt. Bei einer Gesamtzahl von 45 Stimmen betrüg die absolute Mehhreit 23. Es erhielten De la Torriente (Cuba) 24 Stimmen, Bnudesrat Motta 19, Staatsminister Zahle (Dänemark) und Bianco (Uruguay) je eine Stimme. Re französische Preffe über die Rede Stresemannr. Paris, 3. September. (Tel.-Komp.) Die Zeitungen heben in der Rede Stresemanns in Stuttgart die versöhnlichen »Absichten des Reichskanzlers hervor, lassen aber gleichzeitig ihr Mißtrauen durchblicken. Man will zunächst Tatsachen, das heißt die Einstellung des passiven Widerstandes, schen. Der „Figaro" schreibt, die Rede charakterisiere sich durch versöhnliche Absichten mehr denn je und der Gedanke der Annäherung an Frankreich könne heute mehr als vorher beobachtet werden. Um eine Sicherung zu haben, daß die von Deutschland angebotenen Pfänder wicht wieder in Rauch aufgehen, müsse die Besetzung der Ruhr aufrechtevhalten werden. . Das „Petit Journal" schreibt, daß die Rede Stresemanns eine neue Aera eröffne. Was den Aktionsmodus anlange, habe Stresemann mit großer Geschicklichkeit Angaben gemacht, die von dem Wunsche Zeugnis ablegen, es zu einem positiven Resultat kommen zu lassen. Der „Oeuvre" legt die Rede dahin aus, daß der Kanzler der Einstellung des passiven Widerstandes zustimme, wenn auch nicht gleich, dann aber doch mit dem Beginn von Unterhandlungen. Jetzt sei pur noch die schlechte Laune der alliierten Negierungen ein Hindernis für eine Einigung. Mgewiefene Auswanderer. Paris, 3. September. (Wolfs.) Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus New-Pork erklären die Einwanderungsbehörden. daß die vier Passagierdampfer, die am Freitag vor Mitternacht mit 1896 Einwanderern an Bord die amerikanische Quarantaine erreichten, noch unter die Augustquote fallen, die so gut wie erschöpft sei. Die meisten dieser Einwanderer sollen daher a b g e w i e s e n w e r d e n. Nie Verfolgung der zfonisien in Rußland. Der Rigaer I. C. B.-Bertreter erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß die Verfolgungen der Zionisteu in Rußland imb in der Ukraine aufs neue begonnen haben. In Kiew wurden zuletzt die folgenden Mitglieder der dortigen zionistisch-sozialistischen Fraktion verhaftet: Cbaim Feldberg, Mordechai Belezerkowsky, Avran Grimberg, Benzion Saslawski, Jakow Vigdorson, Abram Val, Gepsicin, Israel Jdelson, Hilel Biliuki, Mordechai Bodankin, Samuel Vinizki, Josef Liber, Rachel Vladimirski, Israel Siak, Tovi Lanzmann uwd Jochanan Aptokman. Die ersten sechs sind bereits deportiert worden, von den anderen >ist ein Teil in Freiheit gesetzt, ein anderer Teil im Gefängnis verblieben. Bei der Verhaftung der Zionisten wird oft folgendes SAtem aligewendet. Da nach dem Sowjet recht n iema nd mehr als zwei Monate in Voruilterstlchungshaft gehalten werden darf, werden aktive Ziottisten jedesmal vlerhafret, bcf r >e i t und aufs neue verhaftet. Konferenz der Aebenbürger und Banaler Monisten. Aus Temesvar wird uns berichtet: Am 27. August wurde hier die vierte Konfernz der Zionistischen Organisationen von Siebenbürgen, dem Banat, der Marmaros und dem Körösgebiet durch den Präsidenten des Jüdischen Nationalverbandes, Dr. Theoder Fischer-Cluj eröffnet. Redner gibt einen allgemeinen Ueberblick über die allgemeine Lage der Inden der auf der Konferenz vertretenen Gebiete Rumäniens, und stellt vor allem fest, daß die Ziele des Jiidischen Nationalverbandes und des Zionismus in keinem Punkte den Interessen und den Zielen der rumänischen Staaten zuwiderlaufen. Den Feinden des Zionismus, die auch Feinde des Judentums sind, sei ontgegenzuhalten, daß jta Rumänien mit seinen Miierten sicherlich auch in der Frage Palästinas übereinstimmt und es sei außer Frage, daß Rumänien, das ja Mitglied des Völkerbundes ist, auch die Uebertragung des Mandats an Großbritannien gutheitzt, welches das Land unter dem Gesichtspunkte der Errichtung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina zu verwalten hat. Diese AuAffassung liegt auch der Haltung jener Inden zugrunde die in anderen Großstaaten die höchsten bürgerlichen Stellen bekleiden und sich, ohne daß ihnen Staatsfeindlichkeit vorgewcrfen wurde, in den Dienst des Palästina-Aufbaues stellen. Auch die Belebung der hebräischen Sprache und Kullur kann nicht in einen Gegensatz zu den kulturellen Jntereffen des rumänischen Staates oder des rumänischen Volkes gebracht werden. Im Gegenteil arbeiten die Zionisten mit aller Aufrichtigkeit an der seelischen Annäherung der Juden Neurumäniens an das rumänische Volk. Die Zionisten wünschen, daß die jüdische Jugend die Schätze rumänisch enGei st es kennen und schätzen lernte. 2lber die Zionisten wollen es nicht zulassen, daß Renegaten erzogen werden, sie sträuben sich dagegen, daß eine jüdische Jugend heranwachse, die Mischen Stammes, aber in ihrer Seele ihrem Stamm entfremdet ist. Der jüdischnationale Gedanke perhorresziert jede Unterdrückung, die eigene sowohl wie eine Unterdrückung anderer schwacher nationaler oder konfessioneller Gruppen. Deshalb werde jede Minorität der Jüdischnationalen sich zur Unterstützung im Kampfe gerechter Forderungen bereit finden. Aus diesem Grunde begrüßte Redner die zur Er« öffnungssitzung als Ehrengäste erschienenen Vertreter der magyarischen und deutschen Minoritäten. ' Dr. Fischer bespricht dann die Ergebnisse des 13. Zionistenkongresses, der wohl zu scharfen Kontroversen zwischen den einzelnen Richtungen Gelegenheit bot, aber schließt lich im Zeichen der Einheit schloß. Jeder Jude ist für den Aufbau Palästinas verantwortlich und die Ehre des gesamten jüdischen Volkes steht auf dem Spiele, wenn nicht jeder einzelne Jude nach seinen Kräften zur Wiederaufrichtung des jüdischen Nationalheimes beiträgt. Nach genauer Darstellung der antisemitischen Bewegung und ihrer Gefahren, sowie des Standes der Schulfragen, der noch immer einen Anlaß zur Zufriedenheit gebe, berichtet Redner über die bisherigen Ergebnisse der Bemühungen, eine Einheitsfront der Juden der genannten Gebiete herbeizuführen. Zu seinem Bedauern müsse er feststellen, daß die Orthodoxen die einzige Gruppe sind, wegen deren W i d e r st a n d diese Vereinigung bisher nicht zustandekommcn konnte. Er appellierte deshalb auch von der Tribüne der Konferenz noch einmal an die Abseitsstehenden, sich nicht mit einer solch schweren Verantwortung zu belasten. Nach dieser beifällig aufgenommenen Rede wurde ein Huldigungstelegramm an den König, Begrüßungstelegrarnme an Prof. Dr. Weizmann nach London und an den gewesenen Klausenburgsr Obervabinnex Moses Glas ne r nach Palästina abgesendet. Die Londoner Exekutive entsandte Herrn Israel Cohen, der die Konferenz namens der Zionistischen Weltorganisation begrüßt und die Mitteilung machte, daß er, bevor er nach Rumänien kam, in Budapest mit dem u n g v rischen Minister des Innern wegen Genehmigung der Statuten der ungarländischen Zionistischen Organisation verhanoelt habe. Er glaube der Hoffnung Ausdruck geben zu dürfen, daß diese Genehmigung demnächst erfolgen werde. Es sprachen nach Rabbiner Dr. Max Drechsler, Prof. Dr. Klein für die Kultusgemeinde Temesvar (Innere Stadt), Frau David Hübsch namens der drei jüdischen Frauenvereine und Tr. Andor Süß im Namen des Sportklubs, Kadimah. Mit der Wahl des Bureaus fand die Eröffnungssitzung ihren Abschluß, Tagesbericht. > Irr zweite Messetag. Im MMalajt, ging es gestern den ganzen Tag übet sehr leibhaft zu. Besonders auffallend ist diesmal die starke Beteiligung der österreichischen Provinz. Neben den ausländischen Einkäufern — man sicht Japaner, Franzosen, Engländer, ausfallend viele Italiener, selbstverständlich Angehörige sämtlicher Sukzessionsstaaten — sind diesmal Kaufleute aus den österreichischen Bundesländern in starker Zahl erschienen. In der Abteilung für L e d e rgalanteriewaren herrscht intensives Interesse für Kofftr, Damentafchen in alben Preislagen, Herrenbrieftaschen, Manilkürekasetten und Taschenspiegel. Auch in Rucksäcken wurden größere Quantitätein abgesetzt. Für diese interessierten sich vor allem Kaufleute der österreichischen Provinz. Parfümerien mittlerer und feiner Qualität, Seifen, Kerzen und alle Arten von Toiletteartikeln finden großes Interesse. Hier kaufen Jugoslawen und Rumänen und besonders die österreichische Provinz, eine Erscheinung, die man schon bei der letzten Messe beobachten konnte. Kragen und Manschettenknöpfe wurden nach Ungarn in beträchtlichen Mengen verkauft. In her Pap i ermesse, die das Ziel einer besonders großen Zahl von Besuchern bildet, finden sich insbesondere viele ungarische Einkäufer ein, aber auch Italiener und Rumänen haben, insbesondere in Papen, größere Schlüsse getätigt. Künstlerische Ansichts-Postkarten wurden von französischen Einkäufern bestellt. Durchschreibebücher und Karbonpapier von Jugoslawien. Für Briefordner und Schnellhefter interessierten sich auch lebhaft Rumänen und Italiener. Verschicdvne Arten Kartonagen, insbesondere Zigarettenschachteln, wurden in die österreichische Provinz verkauft.. Sehr stark war der Andrang i,n der Abteilung für Spielwaren. Hier erschienen Franzosen und Engländer, Belgier, Ungarn, Jugoslawen und Rumänen als ernste Interessenten. Ein größeres Quantum Christbaumschmuck wurde nach Rumänien abgeschlossen. Großen Beifall finden die ausgestellten Puppen in den verschiedensten einfachen und künstlerischen Ausführungen, in denen auch' mehrere größere Abschlüsse bereits zustande kamen. Ebenso besteht für B a u st e i n k ä st e n großes Interesse, - das auch zu einer' Reihe von Schlüssen führte. Auch Bilderbücher wurden in größeren Mengen verkauft. In K e ra m ik e n und Plastiken sowie in k ü nstleris chen M e t a l! w are n sind bereits namhaftere Mschlüsse zußande gekommen, so in versilberten Metallwaren nach Frankreich. Auch Alumittiumgeschirr und Sportartikel f hüben Interesse, insbesondere bei jugoslawischen Einkäufern. In der Neuen Hofburg fanden sich auffallend viel Italiener ein, auch zahlreiche sonstige Ausländer, vor allem aber viele österreichische Einkäufer, die hier reichlich aus ihre Rechnung kommen. Die Schuh- und Lede rindustrie ist diesmal so stark vertreten, daß noch ein Saal seitens der Messeleitung zur Verfügung gestellt werden mußte. Das Geschäft muß insbesondere im Hinblick auf die bekannte momentane Stagnation in der Schuhbmnche als durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden. Speziell Kinder- und Hausschuhe, dann Goiserer Bergschuhe wurden nach Ungarn und Jugoslawien verkauft, aber auch Luxusschuhe feinster Qualität fanden Interessenten. Auch Gamaschen wurden stark verkauft, und zwar in§:6ej'onbm in die Provinz, nach Italien und.Rumänieu. Sehr stark ist der Zuspruch, dien die D a m e nu n d Herren mode findet. Seidonjumper gingen nach Belgien, Holland, Frankreich nnd Italien, ebenso sonstige Wirkwaren feiner Qualität. Für den Massenäbsütz 'berechnete Wirkwaren und Kindrrartikel wurden von italienischen, ungarischen und jugoslawischen Einkäufer^ abgeschlossen. In Damenwäsche wnrderr größere Abschlüsse nach Jugoslawien und Ungarn getätigt, ebenso in Krügen und Manschetten. Seitens sämtlicher' Anssteller ebenso aber auch seitens der Einkäufer wird der' lebhafte Wunsch ausgesprochen, die Messe möge nach Kräften dahm wirken, daß . die in Ungarn und Jugoslawien 1 bestehenden Schwierigkeiten bei der Einfuhr dieser Artikel möglichst bald behoben werden. Sehr zufriedenstellend war das Geschäft in K r a w a t t e n lt n b Hosenträger n. Auch seine Batisttaschentücher wndren in größerem Umfange geschlossen. Lederbe'rleidnng im-b Lederhüte gingen nach England, Holland und Ungarn. In der Rotunde war am stärksten die österreichische Landbevölkerung veo. treten, die hier das größte Interesse den landwirtschaftlichen M a s ch i n c n imb Geräte n, Pferdegeschirren sowie den Kellerei- und Gastwirtschaftseinrichtungen entgegenbringt. Auch Einkäufer aus der Tschecho- Slowakei und dein Balkan zeigen reges Interesse für alle Gattungen Waren. Größere Absthtüsse wurden iu Bandsägen gemacht, auch Spulwickelmaschinen und Sirnmpspressen fanden Abnehmer. Für Badeinstallatiou *e iur ichtungen, Bugholzmöbel, Faltboote, elektrische Apparate und Einrichtungen sowie Kerzengießmaschinen sind ernste Reflektanten ausgetreten. Die auf der Messe ausgestellte neue . Rohrklopsmaschine fand Abnehmer, aus Holland. Heiterer Messeavend. Um den Messeausstellern Gelegenheit zu geben, mit ihren Kunden einen gemütlichen Abend gesellig zu verbringen veranstaltet der Hauptverbaud der Wiener Atesseinteresseuten aur Donnerstag den 6. September 1923 um halb 8 Uhr abends in Wimbergers Saallokalitäten, Wien, 7. Bez., Ncubaugürtel 34, ein!eu „Alt-Wien>er Abend" unter Mitwir'kttug hervorragender Kunstkräfte. SCSRiumungwerkauf mmmmmmnmmmmmmHmmmmmmmmmmmmmKmmmmamunmmmmm Sm liiSchiffmann II., Taborstraße 48 TeüeühoJJ 47-1-79 En gros En deSaä rgpfäm .

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