Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1638 (3.9.1923)
- Date
- 1923-09-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5h. 1688 Men, Montag Wiener Morgenzeitung 3. SeMnVtt IM Her Hausarzt. Redigiert von Dr. Smel Beer. Die erschwerte Geburt — eine Kulturkrankheit. Zu den unangenehmsten, gefahrvollsten Ereignissen ivx Verlaufe einer Schwangerschaft gehören wohl die Gebärsfraisen (Eklampsie). Oft befällt ohne alle Vorboten die Gebärende ein Krampfanfall, der ihren Körper wie von elektrischen Schlägen durchzuckt, schüttelt. Bald ist es die Nacken- und MckenmuMlatur, bald die Kaumuskeln oder die AtemmnskulaAr, so das; der Körper sich aufbäumt und nur mit Gewalt im Bett gehalten werden kann. Die Gebärende ist meist bewußtlos, reagiert nur wenig aus Anruf. Meist gehen den Anfällen bestimmte Erscheinungen voraus, wie häufige Kompfschmerzen, Schwellungen an den Beinen und Lidern. Die Harmrntevsnchung ergibt dann meist eine Funktionsstörung der Nieren, die Eiweiß OuSscheiden. Im eklamptischeu Anfall selbst versiegt die Harntätigkeit oft ganz. Eine geringe Menge einer trüßen Flüssigkeit wird nur entleert. Die Berändemng an den Harn ausscheidenden Organen ließ eine Störung in der Nierensunktion als Ursache der Krämpfe annehmen. Tatsächlich führt die moderne Forschung das Krankheitsbild auf eine Selbstvergiftung des Körpers durch Rückbehalten von Harnbestandteilen im Blute zurück. Die dauiederliegende Nierenfuulktion kann möglicherweise auf denr Wege der Stauung durch Druck des Fmchtkörpers aus die Harnleiter verursacht werden. Auffallend ist jedenfalls, daß Erstgebärende häufiger befallen werden und daß Zwillingsschwangevschaften und übermäßige Entwicklung des Fruchtwassers sich häufig bei Auftreten von Eklanrpsie finden. Diese Umstände ließen den Haller Professor Sellheim die Vermutung aussprechen, daß die Schwangevschaftsvergiftung als Ausdmck der übermäßigen Belastung des weiblichen Körpers anzusehen sei. Er wies auch auf die bisher unbeachtete, interessante Tatsache hin, daß die Gebärftaisen eigentlich nur in der Schwangerschaft und im Geburtsverlaus bei dem menschlichen Weibe zu beobachten, beim werblichen Tier ein solcher krankhafter Zustand nicht bekannt sei. Die Ursache müsse also in einem Verhalten liegen, worin sich Mensch und Tier unterscheiden. Ohne Zweifel sind die Geburtsvorgänge beim Menschen -bedeutender kompliziert und erschwert. Diese Erschwerung findet in dem Ausstieg des Menschen aus der Tierreihe, in der Mosschwerdung unid Erwerbung des aufrechten Ganges ihre ErMirmig, wodurch eine Form- Veränderung der Gebrrrtswege, eine starke Biegung derselber:, herbeigeführt wurde. Aber auch die BerLudeMNg von selten des Kindes, die sich in der stärkeren Ausbildung des Gehirnes und damit der Größe des Kopfes auSdrückt, stellt an den Geburtsakt' größere Anforderungen. Der organische Ausbau der menschlichen Frucht verbraucht viel mehr Kraftstoffe von der Mutter als das Säugetier. Ist schon dadurch die Leistungsfähigkeit des Weibes auf die höchste Probe gestellt, so schafft der Kulturmensch nach Seilheims Anschauung durch seine unvernünftige Lebensweise neue Schäden. Die Geburten verlauf bei den Naturvölkern und bei unseren natürlicher lebenden Landfvauen viel weniger kompliziert, man findet hier auch weniger die Folgeerscheinungen, wie Dammrisse Scheidenvorfälle und Schlotterbäuche, dir bei den kultivierten Großstädterinuen mit ihrer schlaffen Muskultur stark verbreitet sind. So trifft man aus dem Lande seltener auch Eklampsien. Die übermäßige animalische Lebensweise hat zweifrklos ihren Teil an der Stoffwechselvergiftung des weiblichen Körpers. Schwangerschaft und Geburt stellen gewissermaßen eine Kraftprobe der Konstitution des Weibes dar, die vegetarisch und von unkomplizierter Nahrung lebende Naturvölker und unsere Landfrauen besser bestehen. Bei ihnen ist Eklampsie unbekannt. Mau ersieht daraus, daß das großstädtische Weib es tatsächlich viel schwerer hat, die menschliche Frucht auszutragen. Dir Schwangerschaft nimmt fast Krankheitscharäkter an. Sellheim bezeichnet die Eklampsie geradezu als Kulturkrankheit und erhofft nur von einer Rückkehr der Frau zu einer natürlicheren, unkomplizierteren Lebensweise eine Minderung der Geburtsschwierigkeiten. Mit diesen theoretischen Anschauungen stimmen auch die Erfahrungen in der Praxis überein. Für die Frauen der früheren Gellerationen ivar eine Geburt kein. Gegenstand der -lugst vor einem schlimmen Ausgang. Sie waren trotz Kindbettfieber gebärfreudig. Mit zunehmender Kultivierung der Frauen ahnt diese die Erschwerung der Geburtsvorgänge voraus und sucht sich ihnen zu entziehen. Aerztlicher Fragekasten. Neugierig B. Es ist Pflicht der Hebammen, bei jedem Neugeborenen die Credos che Einträufelung in die Augen, zwecks Verhütung, des infektiösen Augenkatarrhs imrchznführen. — G. R. 20. Bisweilen bleibt der Nabelvest durch Gawebswucher,mg längere Zeit feucht, der Arzt trägt diese Wucherung mit der Schere ab und lapisiert sic. — Leidend. Fußschweiß an, bestell durch Betupfen mit Forenalinfpiritus zu bekämpfen. Häufiger Sokenwechsel und tägliche Fußlbäder notwendig. . Klaar 25. Plötzliche Schwerhörigkeit auf einem Ohre wird zuweilen durch Borlageruug eines OhrpwpfenS (Ohrenschmalz) herbeigeführt. Ausspülung des Ohres durch eiueu Arzt behebt den llebeUand sofort. Der Tag der Favorils. Der gestrige Meisterschaftssonntag verlief ohne sonderliche Ueberraschungen. Borlausig nehmen Amateure und Rapid die Spitze in der Tabelle ein, doch , haben beide Vereine bereits einen Verlustpunkt zu verzeichnen. Nachstehend die Berichte: Rapid—Sportklub 2; 2 (1 r 1). Hohe Warte. 801000 Zuschauer, Schiedsrichter Seemann. Rapid: Panler; Regnard, Schlosser; Beran, Brandstetter, Rusch; Richter. Uridil, Kuthau. Bauer, Wessely. Sportklub: Gbf; Beer, Teufel; Plant, Wiedeinann, Zankl; Bauer. HanS, Ttmmler. Powolny, Giebisch. Obwohl beide Parteien nicht ihre Höchstform erreichten, verlief der Karnpf sehr interessant. Ueberraschenderweise konnte auch der Angriff der Hütteldofer mit dem One back- System der gegnerischerl Hintermannschaft nicht aufkommen. Der Meister hatte diesmal nur eine schwache Verteidigung zur Stelle. In der Deckung verrichteten Brandstetter uno Ritsch die Hauptarbeit, Hm Angriff waren die beiden Flügel die treibenden Kräfte, während das Innentrio weit weniger befriedigen konnte. Die Dornbacher „leben" ausschließlich von ihrer Verteidigung, die von der Deckung wirkungsvoll unterstützt wurde. Im Angriff gefielen nur die beiden Flügelstürmer. Vor der Pause verschuldet Beer einen Elfmeterstoß, der von Brandstetter vergeben wird. In der 20. Mumie erzielt Powolny das erste Tor. Fünf Minllten später stellt Wessely den Ausgleich her. In der 22. Minute nach der Pause wird den Hütteldorfern neuerlich ein Elfmeterstoß zngesprochen, den Wessely verwandelt. Neun Minuten vor Schluß stellt dann Haus daS Endresultat her. Admira—Hertha 4:1 (2:1). Hertha-Platz, 8000 Zuschauer, Schiedsrichter D. Grünbaum. Admira: Weser; Voei, Czihak; Schnaubelt, Koch, Führlinger; Siegl, Runge, Schierl, Klinza, Fiala. Hertha: Ostriczej; Schneider, 8ottI; Wsolek, Reiterer, Listopad; Holy. Kabada, Kalisch, Krenn, Picha. Der Angriff der Floridsdorfer befand sich in hervorragender Verfassung. Seinem' Schußvermögen hatten letztere den hohen Sieg zu verdanken. Weit schwächer war daS Stürmerquintett der Favoritner, in dem sich nur Kalisch auszuzeichnen vermochte. Die sonst so bewährte Deckung von Hertha konnte diesmal auch nicht befriedigen. Die Verteidigung arbeitete mit gewohnter Sicherheit. Neben dem Angriff zeichnete sich bei Admira auch die Verteidigung aus. Die Deckung hingegen war schwächer. Klima erzielt in der 20. Minute das-erste Tor und Kalisch stellt in der 31. Minute den Ausgleich her. Knapp vor der Pause kann Fiala für Admira neuerlich die Führung erringen. In der 14. Minute nach Seitenwechsel ist Schierl zum drittenmal und in der 29. Minute zum viertenmal erfolgreich. - ■ Slovan—W. A. F. 2 r 1 (0:1). Slovan-Platz. 6000 Zuschauer. Schiedsrichter Braun. Slovan: Cz-ernicky; -Becher, Pojar 1; Popek. Place?, Pojar 2; Eckl, Listopad, Hauet, Chalnpka, Icmo. W. A. F.: Saft; Matauschek, Wind; Lambrechter. Roi, Czerny; Schmied, Menezel, Klein, Straßer, Hertzka. Slovan hatte große Mühe, beide Punkte nach Hause zu bringen. Ms fast unüberwindlicher Gegner für die Wiener Tschechen erwies sich der Hütteldorfer Tormann Saft, der eine Glanzleistung bot. Bei den Hütteldorfern gefielen noch Roi und Wind. Von Slovan hatte man mehr erwartet. Menezel erzielt, in der 21. Minute für den W. A. F. das erste Tor. Nach Seitenwechsel ist Slovan stark überlegen, cs dauert aber bis zur 31. Minute, bis Hanel den Ausgleich Herstellen kann. Der stegbvingende Treffer fällt in der 40. Minute durch Chalupka. Wacker—Oftmark 4:1 (2:1). Ostmark-Platz. 6000 Zuschauer. Schiedsrichter Wancura. Wacker: Feigl; Kollndorser, Huber; Klivka, Resch, Pellet; Iellinek, Wana. Kowanda, Reindl, Stach. O st m a x r: Brandweiner; Weißenböck, Weihrauch; Jarosch, Biber, Fürst; Matnschek, Hofbauer Karl, Sranzl, Potesil, Meißner. Die Meidlinger befanden sich in weit besserer Form als im Spiel gegen Vienna. Sie verdankten ihren Erfolg ihren! Mittelläufer Resch und dem gesamten Angriff. Bei den Brigittenauern veriag:e der Sturm. Auch im Hinterto-sfen haue Wacker das Uebcrgervicht. Gleich nach Splelbecnnu verwandelt Kcivansa einen El'- meterstoß. Bald darauf wird über Wacker dieselbe Strafe verhängt, so daß Meißner den Ausgleich Herstellen kann. In der 16. Minute erringt Resch für die Meidlinger neuerlich die erst in der letzten Spielphase wieder überlegen werden, und in dieser Zeit bringen R-ösch und Wana den Stand aus 4:1. Spoptplata Hohe Wagte Samstag den 8. September 1923 Sturm—Hakoah Slavia—Slovan Sonntag den 9. September 1923 Sturm—Slovan Slavia—Hakoah (Prag) Grfte Klasse. Amateure . Rapid . . Hakoah . . Admira . . Slovan. . Vienna . . Wacker . . Sportklub. Simmering Hertha . . W. A. F. , Ostmark .. 2 Tore § & Zweite Klasse Süd. Rudolfshügel—! ,wv Zuschauer. Die , erfassung. Torschützen: Bewegungsspieler—S. S. V. 4:1 (1;v). B. A. S.-Platz, 600 Zllschauer, Schiedsrichter Strnba. Die Sieger führten ein gutes Spiel vor. Vorwärts 11—Germania 1:0 (0:0). B. A. S.-Platz, 600 Zuschauer. Schiedsrichter Zobl. Die Schwechater konnten jn keinem Moment befriedigen. Phönizia—International 1:0 (1:0). Favoritner A. C-- Platz, 400 Zuschauer, Schiedsrichter Adler. Sieg der glücklicheren Mannschaft. Wiener Sportfreunde—Vorwärts 1006 0:0. Sportfreunde- Platz. 200 Zuschauer. Schiedsrichter Krejci. Sehr derbe» Spiel, Zweite Klasse Nord. W. A. C.—Sturm 1014 4:1 (1:1). Sturm ISIt-Platz, 3000 Zuschauer. Schiedsrichter Miesz. Sicherer Sieg. Der W. A. C. hatte in Puschner und Sudrich seine besten Spieler. Torschützen: Kliegler, Hofstetter, Neidlinger und Puschner für W. A. C. und Szokoll für Sturm 1914. F. A. C.—Gersthof 2:0 (2:0). Gersthofert-Platz, 1000 Zuschauer, Schiedsrichter Mantler. Die Floridsdorfer waren recht gut. Ihr bester Mann war^ der Mittelläufer' Drucker. Beide Tore wurden von Busch erzielt. Red Star—Straßenbahn 3:0 (1:0). Straßenbahner-Platz, 2000 Zuschauer. Schiedsrichter Rosenzweig. Greg der Technik über die 5kraft. > Jedlersdorf—Donaustadt 5:0 (3:0). F. A. C.-Plotz, 1000 Zuschauer, Schiedsrichter Schwarz. Imponierende Leistung der Ex-Drittklassigen. Donanstadt spielte unter jeder 5trmk. Nußdorf—Dona« 2:2 (2:0). Donau-Platz, 800 Zuschauer, Schiedsrichter Fried. Die Nußdorfer verdankten diesen Erfolg ihrer großen Aufopferung. Sturm 1907—Meidlinger Sportfreunde 6:4 (3:3). Die glücklichere Mannschaft erfocht den Sieg. Die Meisterschaft der Reserven. Amateure—Simmering 7:0 (3:0). Amateure mit Poppovich. Wacker—Ostmark 4:1 (3:0). Rapid—Sportklub 3:2 (1:2). Slovan—W. A. F. 4:1 (2:1). Admira—Hertha 0:0. Rudolfshügel—Neubau 2:1 (0:1). International—Phönizia 3:2. Donau—Nußdorf 6:0. Sturm 07—Meidl. Sportfreunde 6:4 (8:1). Germania—Bewegung 1:0 (0:0). W. A. (£-— Sturm 14 1:0. Donaustadt—Jedlersdorf 2:0. Red Star- Straßenbahn 7:0. _ Die ersten Spiele auf dem Cricketer-Platz. Gestern hatten sich auf dem Cricketer-Vlatz doch mehr Zuschauer eingefunden als am ersten Tage. Sie hatten ihr Kommen auch nicht zu bereuen. Vienna—Cricket 3 :0 (2 r«). Rondeauwiese, 5000 Zuschauer, Schiedsrichter Franken« stein. Vienna: Pacista; Blum, Reiner; Ludwig, Ehrenln, Seufert; Horeys, Heiulein, Höß, Bulla, Seidl. Cricket: Kreuzer: Eisenhut, Zappe; R. Fried, Ludwig, Reiter; Ungar, Berger, Hack, Kainz, Melichar. , Die Blau-Gelben sind ihren Gegnern in allen fußbällsportlichen Belangen ziemlich überlegen. Den ersten Ersüla für Vienna bringt in der 11. Minute ein Mißverständnis zwischen Reiter und Kreuzer bei einem Angriffe von Höß, wo^anö ein Eigentreffer entsteht. Erst in der 43. Minute vermag Höß einen von Kreuzer zurüagcschlageueu Ball eiuzusendeu. In dtr Schien Minute nach der Pause tritt Bliun ab, HoreyS übernimmt seinen Vcrtcidigerposten und Fischer übernimmt in der 17. Minute den linken Flügel. Jn der 39. Minute brennt Seidl durch und vom Pfosten springt sein Schuß ins Netz. Simmering—Cechie Karlin 3:3 (2:0)* Rondeauwiese, 5000 Zuschauer, Schiedsrichter Gärtner. Simmering: Swmka; Schulz, Musil; Baumgartner, Pulpittel, Kohont; Dworschak, Kliwitsch, Horwath, Dani», Hauswirt. zeichnet, nach Seitenwechsel fielen sie aber dein ^empo »UM Opfer. Die Tschechen eriruesen sich im Cndkampf als ganz hervorragende Mannschaft. Horwath erzielte bereits in der 4. Minute daS erste Tor. Derselbe Spieler war dann in-der 27. Minute neuerlich erfolgreich. Nach Seitenwechsel verringerte Bleek den Vorsprung, doch wieder vermochte Horwath einzusenden. Vlcek brachte den Stand Verlage entgingen. VORVERKAUF: Hotel Post, I., Fleisch markt, Hakoah, Atlashof, I., Aspornplatz, Sladion. II., Km> zonsbi'(irkenstrasse 24, Häusler, II , Taborslrnsso 5,8. Vienna, Motel I Union, IX., Nusss!onYi:-:tta«si\;jj —..< Auswärtige Resultate. Niederösterreich—Steiermark (6:8 (8:8). DaS gestern fa Wvtr, ausgelragene Länderwettspiel Niederösterreich—Steiermark brachte den Niederösterrelchern einen sicheren Erfolg. Der Kampf, der ziemlich scharf geführt wurde, brachte tat Gegnern in den ersten acht Minuten drei