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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-02 · Heft 1637 (2.9.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1637 (2.9.1923)
Date
1923-09-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1637 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung. 2. September 1923 Serke 5 Palästina. Re Gründung einer gemüßigten Araberpartei. Me der Jerusalemer I. C. B.-Korresponvent erfährt, beabsichtigt eine Gruppe arabischer Notabeln, eine neue denwkrat'lsche mohammedanisch-christliche Partei (oder liberale gemäßigte Partei) zu gründen. Die neue Partei soll der Politik der Anhänger Musa Kasim Pascha entgegentreten. Es besteht die Möglichkeit, daß die Mitglieder der kürzlich gegründeten mohammedanischarabische n Partei, die eine Politik der Kooperation mit der britischen Verwaltung verfolgt, sich dieser neuen Partei a«schließen werden. Die Zeitung ,ß a u t e s ch S ch a a b" in Bethlehem veröffentlichte vor einigen Tagen ein Interview mit dem Emir Abdullah, in dem dieser erklärte, es wäre für die palästinensischen Araber besser, durch die Gründung eines 'repräsentativen Verwaltungskörpers der eingeborenen Bevölkerung zu einer Verständigung mit der britischen Regierung zu gelangen. Der Preisträger der Haifaer Bauwettbewerbe. Wie das I. E. B. erfährt, hat der in Berlin wohnende Architekt Erich M ende l s o h n soeben von dein Preisgericht der Gesellschaft The Busineß Centre in Haifa die Verständigung erhalten, daß ihm im Wettbewerb für die Erbauung eines neuen Geschäftsviertels in Haifa der erste Preis zuerkannt wurde. Architekt Mendelsohn ist der Erbauer des bekannten Einstein-Turmes am Observatorium zu Potsdam der eigens dazu eingerichtet ist, um die Theorie Einsteins .astronomisch zu prüjfen. Rundschau. Unterredung zwischen Poincare und Kurion. Paris, 1. September. Poincare und Curzon hatten heute abends eine Unterredung. Rückkehr Lord Curzons nach London. Bagnoles, 1. September. Lord Curzon ist nach London abgerei st. Vom BMerbundrat. Die Minderheitsfrage in Lettland. Genf, 1. September. Der Völkerbundrat hat in seiner Hmtigen Vormittagssitzung von der Mitteilung des Veri'treters der lettischen Regierung Kenntnis genommen, wolnach die lettische Regierung die von ihrem Vertreter vor dem Rate abgegebene Erklärung betreffend den ^Schutz der Minderheiten in Lettland genehmigt. Der Rat prüfte sodann verschiedene Finanz- Fragen des Völkerbundes. Vorführungen der Wiener Staatsoper. Genf, 1. September. Ans Einladung der Stadt Genf Hat sich die österreichische Regierung damit einverstanden erklärt, daß die Wiener Staatsoper anläßlich der vierten Völkerbundversammlung einige Vorstellungen gibt. Sie werden vom 15. bis 19. d. im Grand-Theatre istattfmden und vier Aufführungen umfassen. Dar Internationale Rote Kreuz setzt seine Arbeit fort. Genf, 1. September. In der Internationalen Roten Kreuz-Konferenz hat Clement (Frankreich) als Berichterstatter des Finanzkomitees eine Resolution unterbreitet, in der es heißt: Um es dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes zu ermöglichen, seine wohltätige Arbeit fortzusetzen, empfiehlt dir elfte Konferenz den Ärteniationalen Roten Kvenz-Verbänderr, sich zu vernichten, das Komitee in regelmäßiger und vtzirksamer Weise zu suLventionieren. Zu diesem Zlvrcke beantragt dir Konferenz, daß jeder nationale Verband von heute ab bis zur nächsten Konferenz dem Komitee einen Jahresbeitrag zusicheve, der als bestimmter Betrag oder in PhoMten der Jahreseinnahmen des Verbandes festgHellt werden könnte. Dieser Antrag wurde einstimmig genehmigt. Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Amerika und Mexiko. London, 1. September. (Tel. der ,/Wiener Movgenzeitung".) „Exchange Telegraph" meldet aus Washington, daß gestern nachmittags im Weißen Haufe zwischen den Vertretern der Vereinigten Staaten und Mexiko die Noten ausgetauscht wurden, durch welche die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern festgelegt wird. Im Weißen Hause erklärt man, daß Präsident Coolidge zunächst einen Geschäftsträger nach Mexiko erttfenden wird. Erst später wird ein Botschafter der Vereinigten Staaten in Mexiko ernannt werden. Der amerikanische Handel für die Srhühnng der kinwanderungsquote. New-York, 29. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg".) Präsident Coolidge hat eine Abordnung der Neiv- Uorker internationalen Handelskammer enchfangen, die ihm die Forderungen des amerikanischen \Y) JVienJ. JVildpretm arkt 2, Kl Export &n gros Jföobes. Keslumes, Jflanleauxt tTeagowns et trotirrures ST&lefon 65373. Vorführung % der neuesten Modellkollektion kl U Handels bezüglich der inneren und äußeren Politik der Vereinigten Staaten vorlegte. Die erste Stelle in diesen Forderungen nimmt das Verlangen nach Erhöhung der Einwanderungsquote auf fünf Prozent sowie nach besserer Auswahl des Jmmigrantenmateriäls ein. Stinnes-Propaganda in der Schweiz. Genf, 1. September. (Tel.-Komp.) „Journal de Geneve" beschäftigt sich in einem Leitartikel mit den seit Monaten in Bastl und anderen Städten der deutschen Schweiz umgehenden Gerüchten, wonach die deutsche Stinnes-Presse nach der Schweiz h i n ü b erz u g r e i f e n gedenke. Ein neues, schweizerisch aufgemachtes Blatt soll mit dem Gelde des Herrn Stinnes in Basel, Zürich und Bern gleichzeitig lanciert werden, aber mit verschiedenem Lokaltext für jede der drei Städte. Stinnes sucht auch eine große Druckerei für das Blatt in der Schweiz anzukaufen, zu welchem Zweck er im Wege von Zeitungsinseraten einen schweizerischen Mittelsmann als Käufer zu akquirieren sucht. Das Blatt ermahnt die schweizerische Oefsentlichkeit, die Bemühungen des deutschen Schwerindustriellen um die Eroberung der öffentlichen Meinung in der Schweiz scharf im Auge zu behalten. Auch im Bundeshaus in Bern müsse man sich dafür interessieren. Unumgänglich notwendig sti es, daß die schweizerischen Zeitungsverleger sich sofort gegen Stinnes zusammenschließen. Es müsse mit allen Mitteln verhindert werden, daß die schweizerischen Stinnes-Blätter auch politischen E i n s l u ß im Land erlangen, nachdem Herr Stinnes beinahe die ganze deutsche bürgerliche Presse und sogar einzelne Organe in Oesterreich sich unterworfen hat. Tagesbericht. Re Wiener Meffe. Die Wiener Herbstmesse wird heute eröffnet. Zahlreiche Anmeldungelt aus allen Lällderll sind eingetroffen und eine große Anzahl fremder Kaufleule weilt bereits in Wien. Die einzelnen Expositionen wurden gestern vormittags auf einem Rundgang den Vertretern der Presse zugänglich gemacht. Zunächst wurde die Musterschau landwirtschaftlicher Erzeugnisse llnd die Ausstellung für Nahrungs- und Genuß mittel gezeigt. Die gesamte Ausstellung ist voll der österreichischen Gartenbangesellschaft gartenmäßig ausgestaltet worden. Hier hat das städtische Garteninspektorat der Stadt Wien in einem Pavillon Bilder aus den verschiedensten Anlagen zur Ansicht gebracht, daneben hat das Komitee zur staatlichen Förderung der Arzneipflanzen, eine Kultur- und eine Musterkollektion ausgestellt. In der Ausstellung der österreichischen Landwirtestelle sind wissenschaftliche und einschlägige Werke sowie Tarife und Präparate zil sehen. Ein besonderer Raun: ist dem Verband der ländlichen Genossenschastell gewidmet, der alle Artikel zur Schau bringt, die durch das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen dem Konsuln vermittelt werden. In dem Pavilloll der genossenschaftlichen M o lkereien sind alle Einrichtungen zu sehen, welche zu einer modernen Molkerei gehören, ebenso alle Molkereiprodukte zu verkosten. In der Ausstellung der österreichischen Tabakrcgie zeigt sich das Bestreben, die Qualität der Rauchwarell möglichst wieder auf den vorkriegsmäßigen Stand zu bringen. Den Pressevertretern wurde mitgeteilt, daß vor: einer Auflassung der billigen Zigarren- und Zigarettensorteu keine Rede sei. In der Weinkost hat die niederösterreichische Landwirtschaftskammer 290 Weinproben aufgebracht, das beste von dem, was die österreichische Weinproduktion bietet. Hierauf folgte ein Mittagessen im Waldsteingar tei^ wo der Messepräsident H o chmuth und Bizebürgerlneister Emmerling Ansprachen hielten. Am Nachmittag wurden die übrigen Messeäbteiluilgen besichtigt, welche sehr reich beschickt sind und die verschiedensten Branchen vereinigen.. Diesmal werden auch die wichtigsten Zweige der Lebensmittelindustrie auf der Ausstellung vertreten sein; führende Firmen der OelmU Speisefettindust ric, der Likör- und Essigfabrikation Brauereien, Marmelade- und Obstkonservenfabriken, de: Schokolade- und Zuckerwareuindustrie, Fischkonserven- Wurft- und Salamifabviken u. a. m. haben Ausstellung-. Plätze belegt, und in der letzten Zeit mußte eine größer« Anzahl von Firmen wegen des immerhin beschränkter Ausstellungsraumes abgewiesen werden. Re kröffnung der Grazer Meffe. Graz, 1. September. Heute fand die feierliche Eröffnung der Grazer Messe in der Jndustriehalle statt. Der Präsident der Messe, Kommerzialrat Ein spinn er, Landeshauptmann Dr. Rintelen und Bürgermeister Muchitsch würdigten die Bedeutung der Messeveranstaltung in einer Zeit zunehmender Erstarkung der österreichischen Volkswirtschaft. Ae Krimluden. Die wunderschöne Halbinsel Krim, einst eine der glück» lichsten Provinzen Südrußlands, ist heute eine Ruine zu nennen, und es wird noch lange dauern, bis sie das verwunden haben wird, was -sie erlebt hat. Zuerst kam der Bürgerkrieg, als die Armeen Dcnikins und WrangelS das blühende Land aussaugten, und dann kam die Bolfchewikeuarmee, der aus Moskau der Besohl erteilt worden war, mit Stumpf und Stil die Gegenrevolution in der Krim auszurotten. Ströme Blutes flössen denn auch in diesem Lande, und zum Schluß kam der Hunger. Mit der übrigen Bevölkerung haben auch die Inden der Krim schwere Not zu bestehen. Ihre Zahl beträgt heute etwa 4 6.0 0 0. Die Juden wohnen ausschließlich in den Städten Simferopol (18.000), Sebastopol (7000), Feodosia (5000), Europatoria (4500), Kert-sch (4100) unb endlich Karasubasar, wo etwa 2400 der typischen Krimjuden wohnen. Ter Unterschied zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung während der Unglückszeit^ von Hunger und Elend war nur der, daß die Juden es vorzogen, in ihren Wohnungen Hungers zu sterben, während die Tataren oder Zigeuner mit ihren ganzen Familien in den Hauptstraßen der Städte sich auf die Gehsteige legten und innerhalb einiger Tage einer nach dem andern Hungers starben. In Simferopol wurde beim Zeutralhilsskomitee der Krimrepublik eine besondere jüdische Kommission begründet, welche Unterkommissionen in den anderen Städten der Krim schuf. Es begannen Geldsammlungen. unter der jüdischen Bevölkerung, nur in den größeren Städten Ausspeisestellen zu schaffen. Tie jüdische Kommission in Simferopol erhielt später vom Jüdischen Hilfskomitee in Konstantinopel Geld und Lebensmittelunterstützung. Ihre recht gute Arbeit wurde dann durch die Gründung eines offiziellen „Jdgeskom" in der Krim unterbunden, welches bei den Behörden die Liquidierung der jüdischen Kommission durchsetzte. Dafür aber war die Tätigkeit des Krim-Jdgeskoin während der schwersten Zeit der Hungersnot gleich Null, bis es einige Mittel vorn Joint bekam und damit ein paar Kinderheime aushielt. Um seine Einnahmen zu vergrößern, führte das „Jdgeskom" eine f ü n f z i g P r o z e n t i g e Abgabe der „A l i o t h" an Sabbaten und Festtagen ein. Ueberdies hat das „Jdgeskom" neben dieser „Nationalisierung der Alioth" sich ein Monopol für die Mazzoth'bäckerei geschaffen. Jedenfalls eine merkwürdige Hilfsquelle der Parteigruppe, die gegen den „jüdischen Aberglauben" kämpft! Besonders bemerkenswert sind die Verhältnisse der sogenannten Krimjuden. Das sind die alteingesessenen Juden der Krim, welche dorthin noch im sechsten und siebenten Jahrhundert der üblichen Zeitrechnung aus Asien eingewandert sind. Es gab eine Zeit, da sie überhaupt keine Verbindung mit dem russischen Judentum hatten. Als Graf P o t e m k i n, der Günstling Katharinas der Zweiten, die Halbinsel Krim einn-ahm, fragte er die Krimjuden, ob sie den Karaitcn zugezählt werden wollen; dann würden sie alle bürgerlichen Rechte haben; wenn man sie aber den rabbinischen oder t a l m n d i s ch eit Juden zurechne, so würden sie doS Schicksal aller übrigen russischen Juden teilen. Obwohl die Krimjuden fast gar nichts vom Talmud wußten, -lehnten sie es ab, den Karaiten zugerechnet zu werden, und erklärten, sie glaubten an den Talmud, obwohl sie wenig von ihm wußten?So unterlagen auch sie den Rechtsbeschränkungen der übrigen russischen Juden. Seither datiert ihre Verbindung mit diesen, und sie begannen ihre Kinder in die litauischen Jeschiwoth zu schicken. Im Jahre 1913 gab es etwa 10.000 Krimjuden, davon wohnten in Karasubasar etwa 3500. Die Hungersnot hat nach den niedrigsten Schätzungen mehr als 30 00 Krimjuden dah ingerafft; in Karasubasar allein sind über 400 ihrer Kinder bis zu 15 Jahren Hungers gestorben. Fast alle Krimjuden ernähren sich vom Handwerk, viele von ihnen befassen sich auch mit der Gärtnerei. In ihren Lebensgewohnheiten ähneln sie der umwohnenden tatarischen Bevölkerung. Gegenwärtig ist, wie überall in der Krim, ihre wirtschaftliche und gesundheitliche Lage geradezu entsetzlich. In kultureller Beziehung muß als eigenartig hcrvorgehoben werden, daß die Umgangssprache der Krimjuden das Tatarische ist. Sie verstehen aber auch hebräisch, und das ist einer der Fäden, der sie an die jüdische Gesamtheit knüpft. In den Straßen der Städte in der Krim fällt die ungeheure Zahl von jüdischeil Waisenkindern oder solchen, deren Eltern verschwunden sind, auf. Sie treiben sich in der: Straßen umher und leben vom Bettel, gelegentlichem i* wr r tgrrr TtwuiigWJ Reiche Auswahl ln Pelzmänteln, Stadtpelzen, Pelzsakkos, Füchsen, Pelzschielfen etc., alle Pelzarten In letztmoderner Fasson. Pelzhaus Pipersberg. II. PratersM 9 fir.MoHM.2-fi

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