Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1636 (1.9.1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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,we. löse Wien, GLMSKvg Wiener Morgenzeitung. ' 1 September 1923 Seite L Wir konnten unseren Lesern bereits die brieflich« Polemik zwischen dem Prof. Hadamar und dem Pro-i dekan der philosophischen Fakultät der Warschauer Universität Sierpinski über den Numerus clausus Mitteilen, der auf den geistigen Horizont dieses Warschauer! Universitätsprofessors ein so Mies Licht wirft. Nun bringt die Sierpinski gesinnungsverwandte nationaldemokratische! „Rzeezpospolita" die Nachricht, datz Prof. Ha dam ar einen ähnlichen Brief an den Warschauer Universitäts- Professor Razuewiez gerichtet hat. Dieser hat in seiner Antwort wohl nicht völlig den rüden „Rozwoj"-Ton seines Kollegen angeschlagen, erklärt sich aber mit ihm völlig solidarisch. Sein Antwortbrief lautet: „Sie fragen mich in dem Briefe über den Numerus clausus an den! polnischen Hochschulen? Aus einen Brief mit ähnlichem! Inhalt hat Ihnen bereits Pros. Sierpinski geantwortet. Seine Anschauungen über diese Frage sind auch meino und ich bin mit ihnen völlig solidarisch. Hlnzufügen möchte! ich nur, datz diese Meinung die Mehrzahl der Professoren an den polnischen Hochschulen teilen." Es wird nun wohl Ehrensache der Professovenschaft an den polnischen Hochschulen sein, den letzten Satz des zitierten Briefes energisch zu dementieren. Geschieht dies nicht, so weis; ganz Europa, auf welcher kulturellen Höhs Dokument dieser Art, dem bisher auch nicht widersprochen wurde, das ist das traurig-berühmte „Schwarze Memoram dum" der dem Prof. Sierpinski gesilmungsverwandteni Kollegen von der medizinischen Fakultät der Krakauer! Universität, das auch nicht völlig den Voraussetzung gen Prof. Hadamars zu «entsprechen scheint, welche seine! Worte im Brief an Prof. Sierpinski zum Ausdruck gebracht haben, daß nämlich ihre „Gedanken durch die Beschäftig gung mit «erhabenen und wissenschaftlichen Ideen geläutert wurden".! ' ' > Als Pikanterie sei nun erwähnt, daß der treffe liche Prof. Sierpinski — jüdischer Abstammung ist. Dies ist allgemein bekannt, auch die im Jahre 18081 in Warschau erschienene Schrift des bekannten antisemitischen Publizisten Theodor Jeske-Choin ski „Jüdische Täuflinge in Polen" führt Familie Sierpinski an, und gibt sogar noch eine Erklärung für den — natürlich bei der Taufe angenommenen — Familiennamen, der vom Monat Sierpien (August) abzuleiten sei, in welchem die Taufe des Gründers des judenfresserischen Zweiges dieser Familie erfolgte. Es scheint, daß Prof. Sierpinski in seinem Taufjubiläumsmonat besonders geneigt ist, gegen das Volk, dem er entstammt, exzessiv vorzugehen. $1 e polnischen Numerus clausus-Hetzer 3um »riestvechfrl Hadamar-öierpinsti. die geistige Blüte Polens steht. Es gibt ja noch ein zweites Sesterreich. Ile Wahlbewegung. Bundeskanzler Dr. Seipel hatte gestern eine, längere Besprechung mit dem Parteiobmann, der Groß-dmifchen handelskanlmcrrat Ka n dl. Sie betraf die Möglichkeit einer ch ri stl i chs o z i a l - g r o ß d e u ts ch en E i m heitsliste für W i e n. Eine endgültige Vereinbarung wurde noch nicht erzielt und wird auch vor dem für Montag einberusenen grotzdeutschen Parteitag nicht fallen. Der frühere Finanzminister S e g u r wird als Listensichrer der Ehristlichsozialen im Viertel unter dein Wiener- Wald kandidieren. Lschecho-SlowM. Sine neue Verhaftung in der AttentatscrKre Rasin. Prag, 31. August. Nach einer Meldung der „Narodni Politika" ist der ehemalige Sekretär des bevollmächtigten M'nrsters für die Slowakei Dr. Derer namens Dnfovic ruf Grund einer von seiner Fran erstatteten Anzeige unter dem Verdachte der Mitschuld an dem Attentat auf Dr. N a s i n verhaftet worden. Die Fran legte der Polizei einen vom 4. Jänner d. I. datierten Brief vor, in dem Dusovic schreibt, daß ein Attentat auf Dr. Rasin vorbereitet werde. (Die Tat Wierde bekanntlich am 5. Jänner verübt.) Bei feiner Einvernahme erklärte Dusovic, er habe vorsätzlich den Brief mit den: Datum des Vortages versehen, um seiner Frau mit seinen Verbindungen zu. imponieren. Sie Gemeindewahlen ln der Slowakei. Eine jüdische Einheitsftont. Die bereits gemeldet, hat eine Präsidialsitzuug des jüdischen Bolksverbandes und des Zentralwahlkomitees der vereinigten jüdischen Parteien beschlossen, datz in den Ortschaften, wo sich jüdische Wähler «befinden, die nicht Mitglieder der Vereinigten jüdischen Parteien sind, mit diesen eine gemeinsame. Kandidatenliste, mit Berücksichtigung aller Schattierungeil des Judentums unter dem Titel Jüdische Partei ausgestellt werden soll, wobei die berechtigten Wünsche der Orthodoxie berücksichtigt werden sollen. Gleichzeitig hat «die orthodoxe Zcntralkanzlei M Bratislava ein.Rundschreiben an sämtliche orthodoxen jüdischen Gemeinden erlassen, welches nritteilt, datz die Orthodoxie mit den Anhängern der Vereinigten jüdischen Parteien zusammen, unter dem Namen Indische Partei, die Gemeindowahleu durchführen wird. * Jugoslawien. Streik in den SSdiahnwerMtten. Graz, 31. August. Die „Tagespost" meldet alls Marburg: Gestern sind die Arbeiter der S ü db a h n w e r k st ä 11 c n in den A u s st a n d getreten. Schon vor einigen Tagen hatten sie beschlossen, passive Resistenz zu üben. Der Streik ist auf Lohndifferenzen zurückzuführen._ " Ungarn. Abreise Bethlens nach Genf. Budapest, 31. August. Wie „8 Orai Ujsag" meldet, wird Ministerpräsident Graf B e t h l e n nivrgen nachmittags die Reise nach Genf antreten. In seiner Begleitung werden sich Minister des Reichern Darud a r h und Legationsrat Graf K h u e n - H e d e rr~ | Heim Raglans ANZÜGE in feinster Qualität zu billigsten Preisen bei ”t Heinrich Weinberg, I., Singerstrasse 6 Vary befinden. Finanzminister K a l l a y wird mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand vorläufig nicht nach Genf reisen. _ Polen. Abschaffnng von Ausländern. Warschau, 31. August. (Del. der „Wr. Morgenztg.") Mit 1. September sollen sämtliche a u s I ä m.d i s ch e n Bürger, die sich ohne die nötigen Aufenthalts- Papiere in Polen aufhalten, ausgewiesen werben. Die Behörden stellen es den betreffenden Personen frei, zu diesem Termin abzuveisen, wohin sie wollen. Ausländische Bürger, welchen im Falle einer, Rückkehr in die Heimat Lebensgcfa h r droht, werden in Polen das Afhlrccht erlangen können. Die Anleihe für die kmisstan-bank. Warschau, 31. August. sTel. der „Wr. Morgenztg.") Zll der vom „Knrjcr Warszawski" gebrachten Nachricht von einer günstigen Erledigung der sogenannten Morgan- Anleihe für Poletr im Betrage von 150,000.000 Dollar melden einige Blätter, datz bereits die Warschauer Fmanzkreise die Nachricht von der beabsichtigten Anleihegewährung erhalten haben ud datz im Zn-sirmmenhange damit der S e j m bereits Mitte Septem b e r einbernfen werden soll. Aus parlamentarischen Kreisen erfährt Ihr Korrespondent, datz die Verhandlungen in der Anleihe frage bereits ziemlich ircit fortgeschritten finb., Dagegen scheinen die Nachrichten über eine frühere Einberufung des Sejm den Tatsachen, doch etwas vorauszueilen, obwohl es nicht ausgeschlossen erscheint, daß nach Fertigstellung des Emissionsbankstatuts durch die Regierung der Sejin vor dem beabsichtigten Termine einberrtfen wird, lieber die Anleihebedlngungcn wird strengstes Stillschweigen bewahrt; die letzten Nachrichten aus der Regierung ' nahestehenden Kreisen lassen jedoch erkennen, daß die Bedingungen s ch wer sind, so daß es noch nicht sicher ist, ob die Regierung in der Lage sein wird, unter diesen Bedingungen die Ernisstonsanleihe zu akzeptieren. RUMliMM. Sin Rektor gegen den Rnmerns klanfns. Bukarest, 30. August. (I. C. B.) Der vorjährigeg Rektor der Klausenburger Universität Professor Jakob I a k o b ovici hat einen Artikel veröffentlicht, in dem «er ausfnhrt, daß die christlichen Studenten eine Uebermacht der Juden an den Universitäten nicht zu befürchten brauchen, auch wenn der Numerus clausus nicht cingeführt wird. Professor Jakobovici weist nach, daß R n in ä u i e u f ü r die t e a k a d e m i f ch G eb i l «d e t e P l a tz habe. Die Lage der ukrainische» Flüchtlinge. Der Sekretär der Bereinigung der rumänischen Inden hat vor einiger Zeit dem Außenminister und dem Innenminister Memoranden über die Lage der ukrainischen Flüchtlinge in Rumänien überreicht und auf die Schwierigkeiten, die denselben bei ihrer Ausreise gemacht werden, hingewiesen. Er ist mm vom Antzenminisi-er verständigt Noorden, daß die Regierung die Ausreise der Flüchtlinge zu erleichtern beabsichtige, zu welchem Zweck die Vereinigung dem' zuständigen Ministerium genaue Angaben über beit gegenwärtigen Aufenthaltsort der Flüchtlinge und die G e s a m t z a h l der Flüchtlinge zur Verfügung stellen solle. (I. E. B.) ' Tagesbericht. Ler Kampf gegen das Bis««. Die jüngste Entscheidung des Bundeskanzleramtes, daß von den Sichtvermerken auf d«en Pässen nicht Abstand genommen werden kann «und es ' bei den bisherigen Schwierigkeiten und «Unzukömmlichkeiten im Reiseverkehr bleiben soll, Hai in allen Kreisen der Geschäfts- Welt größte Erregung hervorgerufen. Die Mißstimmung gegen diese v>ohl ganz unmoderne Entscheidung kommt «in einer Reihe von Kundgebungen zum Ausdruck. Bekanntlich ist diese Entscheidung des Bundeskanzleramtes a«uf wiederholte Eingäben und Vorstellungen des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft bei den maßgebenden Amtsstellen erflossen. Nun, hat die genannte Korporation neuerlich an die Regierung das dringende Ersuchen gestellt, Im Interesse der gesamten Volkswirtschaft nun endlich ein,mal das Visum gänzlich aufzu heben. Vor allem wird in einer diesbezüglichen Stellungnahme des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft darauf hingewiesen, daß die zahl reichen 'Unannehmlichkeiten, Schwierigkeiten und Schikanen, die im Gefolge der Einhollung des Visums liegen, ihr^u Widerhall in der Tagespresse aller. Parteirichtungen gefunden haben, wo auch eine ganze Reihe konkreter Beschwerden zum Ausdruck.gebracht wurden. Es genügt woh allein der eine Fall, der sich aber wohl zu unzähligen Malen wiederholt, daß der Kaufmann am Samstag nachmittags odo* Sonntag vielfach nicht in der Lage ist, sich das Visum zu be» schaffen und er daher oft dringende und wichtige Geschäftsreisen nicht antreten kann. Wenn.weiter «gesagt wir«d, daß aus pvinzipielben Gründen dem Ans«uch.en des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft um Aufhebung der Sichtvermerkerteilung nicht entsprochen werden kann, weil es nicht vorangchen könne und weil bei den anderen Staaten die gleiche Uebung bestche, so ist darauf zu erwidern, daß dies nicht den Tatsachen entspricht, daß Kölschen der Schweiz und Italien ein gegenseitiges Abkommen in manchen Belangen besteht und die Staaten der kleinen Entente gegenwärtig miteinander in Verhandlungen stchen, um das Visum überhaupt abzuschaffen. Oesterreich Hätte sich aber ein ganz besonderes Verdienst erworben, wenn es als erster Staat «diese Handel und Industrie schwer bedrückende Fessel äbgeschüttelt hätte. Ein Nachteil wäre Oesterreich aus der Tatsache, daß der Sichtvermerk weggefallen ist, nicht entstanden, sondern nur Vorteile, da dü eigenen Staatsangehörigen in fremden Staaten nur dann schlecht behandelt . werden, wenn ihr Heimcrtstaat Fremde schlecht ausnimmt. Was aber «die finanzielle Seite 'der Frage lbetrifft, kann gar nicht naher auf sie eingegangen werden, denn der große S ch a d e n, den die Volkswirtschaft durch diese fiskalische Maßnahme erleidet, steht in gar keinem Verhältnis zu dem -Nutze n, der * zum .großen Teil wieder durch die Beamten absorbiert wird, «die sich «mit dieser Angelegenheit befassen, und es ist. dabei nicht nur an die Beamten im eigenen Paßamte, sondern an die Konsulatsbeamten im Auslände und an die zahlreichen Grenzfoeamten gedacht. Verschiedene andere wirtschaftliche Körperschaften haben sich 'der Aktion des Gremiums der Wiener Kanfmannschaill angeschlossen. 8i« chinesischer Professor über die Inden in mm. Der gegenwärtig in Amerika weilende chinesische Professor Dr. Monroe T a u g, der an der in Detrvit stattfindenden Konferenz der „Kwa-min-Tang", dey nattonalen Volkspartei Chinas, teilnimmt, hatte ein Gespräch mit dem New-Uorker Mitarbeiter des I. C. B. über die Lage der Juden in China, in dem er unhsv anderem ausführte: „Dtze Z!ahl der Juden, die heute in China wohnen, ist nicht gawm bekannt, ohne Zweifel ist sie aber sehr «gering. Jüdische Gemeinden gibt es in« Schanghai, Peking und vielleicht noch an zwei oder drei anderen Orten. Die Inden sind in China zumeist Kauft leute. Das Verhältnis zwischen Juden und 'der chinesi-' sch-en Bevölkerung ist ein sehr srenndlich'es; der CH«iin«esÄ kümmert sich nicht darum, ob jemand Jude ist, oder em«es anderen Religion an gehörte Mis ch^hen kommen . häufig (?) vor. In China gbt es auch «eine' Verhältnis-., mäßig größere Zähl jüdischer Flüchtlinge, deren Lage im Znsanimenhang mit der allgemein unsicheren polittschen und finanzellen Lage des Landes keine g ünsti>ge ist. Unser Land — so schloß Pros. Dang — kennt keinen Rassenhaß und all« seine Bewohner, mögen sie Eingeborne oder Ausländer sein, finden gleich«-: Bei Handlung. ___ Italien gegen Me antisemitische Wühlarbeit. Rom, 31. August. (Tel. der „Wiener «Morgeuzeitung".) Die 13. Sektion des römischen Gerichtshofes hat den Priester Don Giovamii Preziosi, den Herausgeber -der antisemitischen Zeitschrift „La Vita italiana", welcher sich durch etliche Hetzkampagnen, besonders aber «durch seine Uebersetzung und Verbreitung 'der „W eisen v o n Z i o ai" unangenehm bemerkbar machte, wegen Verlenm-dung zu einem Jahre Kerker verurteilt. Aus Grund einer genauen Prüstmg der inkriurinierten Schriften hat der Gerichtshof unter anderem. erklärt: „Diese Zusammeustelluirg phantafti. scher Aufsafsungen, diese radikale Umkehrung der Tay'achen, 'die mit Zugaben und einer gewollt falschen und feiMichen Vcr> GsnSRiumumiverkauf Im Iliaren- Schiffmann II.. Taborstrafie 4k Telephon 47-1-79 Eh grös Ew detail