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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-31 · Heft 1635 (31.8.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1635 (31.8.1923)
Date
1923-08-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gelte 8 Wien, Freitag Sin amerikanischer Friedenspreis. Der Amerikaner Ed war.d Book hat vor kurzem einen Preis von 10 0.0 0 0 Dollar ausgesetzt für den besten praktischen Plan, wodurch es Amerika ermöglicht würde, mit anderen Nationen zur Sicherung des Weltfriedens zusammen zu arbeiten. Der Wettbewerb steht sowohl einzelnen amerikanischen Bürgern, als Organisationen irgendwelcher Art offen. Das Preisausschreiben hat den Zweck, einen Plan zutage zu fördern, welcher eine gewisse Sicherheit für eine praktische Durchführung gewährleisten soll. Der Plan muß einen durchführbaren Weg zeigen, auf welchem die Bereinigten Staaten an der Aufrcchterhaltung des Weltfriedens Mitwirken können, ohne daß Amerika verpflichtet sein soll, an europäischen Kriegen teilzunehmen, wenn solche in der Zukunft einmal unvermeidlich sein sollten. Der Preis soll in zwei Zahlungen aus bezahlt werden: 5 0.0 0 0 Dollar dem Autor des von den Preisrichtern prämiierten Entwurfes, während die zweite Hälfte erst ausbezahlt werden soll, sobald der Plan die A p p r o b i e r u n g des amerikanischen Senats Erfahren hat, oder wenn die Preisrichter bestimmen, daß die weite Oeffentlichkeit dem Gedanken eine angemessene U nt e r st ü tz u n g bekundet hat. Diese zweite Hälfte des Preises soll nur dann als gewonnen gelten, wenn die Bedingung über die Zustimmung zu dem Plane bis zum 4. M ä r z 19 2 5 erfüllt ist. Zu diesem interessanten Projekt, bei welchem an den von dem verstorbenen Präsidenteil H a r d i n g beabsichtigten und, wie gemeldet wurde, von fehlem Nachfolger Coolidge aufgeuommenen Plan dcr Einberufung einer amerikanischen W e l t f r i e d e n s k o n f e r e n z zu erinnern ist, liegt nun die folgende Meldung vor: Paris, 30. August. „Petit P a r i s i e u" melde: aus Washington, Präsident C o o l i d g e habe den: Vorschläge des früheren Besitzers des „Ladies Home Journal", Edward B o oI, zugestimmt, der einen Preis von 100.000 Dollar für den praktischesten Plan eines Zusammenwirkens der Bereinigten Staaten mit den anderen Völkern zur Aufrechrerhaltung des Weltfriedens ausschreibe. Coolidge sei der Ansicht, daß die freie, öffentliche Besprechung jedes derartigen Planes in der Presse oder auf einem anderen Wege nur nützlich sein könne. Der Hauptzweck des Anerbietens Boots sei, eine öffentliche Besprechung der internationalen Beziehungen der Vereinigten Staaten in allen Ländern anzuregen. Es haben sich bereits mehrere Komitees zur Priisung der einlangen^en Vorschläge gebildet. Brief aus Palästina?) (Von unserem Jerusalemer Korrespondenten.) In der viel umstrittenen Frage der Beteiligung der Araber arn gesetzgebenden Rat hat die Regierung soeben einen Erfolg errungen. Es wird den Lesern erinnerlich sein, daß .Herbert Samuel, nachdem die Araber die von ihm ausgeschriebenen Wahlen in eine gesetzgebende Körperschaft boykottiert hatten, einen gesetzgebenden Rat einberief, an welchem sich von arabischer Seite zehn Mitglieder beteiligen sollten. Die Regierung setzte zugleich für die Mitglieder dieses Rates ein nicht geringes Jahresgehalt aus. Die arabischen Extremisten, vertreten durch die mohammedanisch-christliche Bereinigung und die jetzt in London weilende Delegation unter Musa Kastm Pascht Führung, eklärten, daß sie an dem gesetzgebenden Rat nicht teilnehmen werden. Dennoch zeigten von allem Anfang an einige unter den zehn arabischen Nota'beln Geneigtheit, die Ernennung der Regierung anzunehmen. Das Resullvk Ringer Verhandlungen ist, daß sechs Mitglieder die Ernennung angenommen haben, während die vier anderen demissioniert haben. An ihrer Stelle wird die.Regierung vier ändert ernennen und der Palestine Advisory Council soll nun noch im Laufe des August zusammen-- kommen. Die mohammedanisch-christliche Bereinigung versuchte auf alle Arten, auf die sechs regierungstreuen Mitglieder einen Druck auszuüben, sie erklärte ihnen, daß sie mit der Annahme der Ernennung alles zerstören, was durch die arabische nationale Bewegung gebaut worden ist. Aber die Intervention war vergebens. Die sechs Araber sandten dem derzeitigen Präsidenten der palästinensischen arabischen Exekutive, Omar El Bttar, folgenden charakteristischen Brief: „Wir haben Ihr Telegramm vcm 30. Juli erhalten und erwidern folgendes: Es war unsere nationale Gesinnung, die uns nach langem Briefwechsel und reiflicher Ueberlegung bestimmt hat, in das Advisory Council einzutreien. Wir haben von der Regierung bestimmte Zusicherungen erhalten, daß unsere Teilnahme in keiner Weise die politische Stellungnahme zur palästinensischen Frage berühre. Die Regierung erkennt die Tatsache an, daß wir nicht als Repräsentanten fungieren und nicht von der Nation gewählt, sondern von der Regierung ernannt sind. Der Advisory Council wird also vielmehr denselben Charakter haben wie andere Departements, in denen arabische Beamte beschäftigt sind. Wir können also aus diesem Grunde auch nicht glauben, daß wir durch Annahme der Mitgliedschaft der Nation irgendwelchen Schaden zugesügt haben. Die Verantwortung für den Schaden liegt vielmehr auf denen, welche vorgebcn, im Namen der Nation zu sprechen, und ihre politische Position festzulegen sich be- *) Wir veröffentlichen .die obenstchende Originalrorrespondenz aus Jerusalem, obgleich wir das Wesentliche b-erei:s gemeldet haben, da durch diese Darstellung die Situation eine deutlichere Beleuchtung erfährt. Inzwischen ist gemeldet worden, daß offenbar unter dem extremistischen Drück zwei weiter« Araber urrüctgetreten.sind. äDie Red.i Wiener Morgenzeitung._81. August 1923 Nr. 1638 Seine Regelung unmittelbar bevorstehend. - gebe alliierte Macht hat volle Handlnng» . stelheit. Rom, 30. August. Im Ministerrat besprach Mussolini die R u h r f r a g e. Er erinnerte an seine am 8. Juni im Senat abgegebenen Erklärungen, in denen er die Stellung Italiens in folgenden vier Punkten festgelegt habe: 1. Deutschland kann und muß zahlen, was nunmehr allgemein präzisiert zu sein scheint, und was recht weit von den vielen Hunderten Milliarden entfernt ist, von denen man unmittelbar nach dem Waffenstillstände sprach. 2. Italien könnte solche Verschiebungen und Aendernngen territorialer Mt, die zu einer Hegemonie politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Natur führen, nicht dulden. 3. Italien ist geneigt, wenn dies nötig sein sollte, seinen Anteil an den Opfern zum Zwecke, der Wiederherstellung dcr europäischen Wirtschaft zu tragen. 4. Tie italienische Negierung hält heute mehr denn je daran fest, daß die R e p a r a t i o n s f r a g e und die Frage dcr europäischen interalliierten Schulden enge miteinander verknüpft und in einem gewissen Sinne von einander abhängig sind. Mussolini fügte hinzu: Was den ersten Punkt betrifft, ist man nunnrehr über eine Summe von 5 0 Milliarden als > mögliche Ziffer ü b c r e i n g e k o m m c n. Bezüglich der territorialen Hegemonie haben die Erklärungen Poincares bekräftigt, daß seine Politik nicht auf solche Ziele gerichtet sind, daß vielmehr die Besetzung des Nuhrgcbictcs als Pfandnahme wegen der Verfehlungen Deutschlands gerechtfertigt ist. Neu« Tatsachen liegen bisher nicht vor, doch scheine es, daß das neu» Kabinett Strcsemann und die Art von Autonomie, die Belgier mit seiner an England gerichteten Note eingenommen hat, alt neue Tatsachen zn werten sind. Znsanunenfassend erklärte dci Ministerpräsident: 1. Jede der alliierten Mächte nimmt numneh» ihre eigene Haltung ein. 2. Jede der Mächte hütet sich aber, ihren Standpunkt bis zu einer Grenze geltend 311 machen, wo er einen endgültiger und nicht wieder gutzumachcnden Bruch der Entente herbeiführen konnte. 3. ' Die Lage hat sich leicht gebessert. 4. Die belgische Note nähert sich der italienischen These wie sie dokunientarisch vorliegt. 5. Die Möglichkeiten einer Regelung haben sich leicht vcr stärkt, doch darf man sich über ein-e unmittelbar bevorstehend» Nähe dieser Regelung leinen Illusionen hingeben. Das Reparationsproblem wird, sobald cs gelöst sein lvird in einem gewissen Ä^iße das Schicksal Europas für lange Zeb bestimmen. Gewaltige I n t e r e s s e u sind auf bcir Spiele, und wenn gleich die i n n e r e L crg e D e n t s ch l a n d l noch immer ern st-und die Angst aller europäischen Böllci groß ist, darf man nicht aus eine nahe b e v 0 r st e l> c u d» Regelung des Probte m s hoffen. Ein Ultimatum Italiens. — Eingreifen der Botschafterkonferenz. Rom, 29. August. (Agcncia Stesani.) Aus den Antezedenzien der Mordtat in Albanien sowie aus anderen Anzeichen und Vorkommnissen, die noch näher werden beleuchtet werden, weiter aus der Gesamtheit überein stimmender Informationen, die anr Tatort ans verschiedenen Quellen geschöpft worden sind, endlich aus der unausgesetzten Verleumdungs- und Ausreiznngskampagne -der griechischen Presse gegen Italien und die italienische Militävmission hat die königliche. Regierung die Ueberzeugung erhalten, daß, abgesehen von der materiellen, auch die moralische Verantwortung für die Mordtat der griechischen Regierung zusällt. Aus diesem Grunde htt dex Regierungschef, der sich bewußt ist, die Entrüstung der gesamten italienischen Nation zum Ausdruck zu bringen, den Gesandten Montagna -beauftragt, der griechischen Regierung eine schriftliche' Note zn überreichen, in der Italien folgende Forderungen aufltellt: 1. Der italienischen Regierung sind in weitestem Maße und in offiziellster Form Entschuldigungen zu unterbreiten, die die oberste Militärbehörde der königlichen Gesandtschaft in Athen zu leisten hat. 2. In der katholischen Kathedrale in Athen ist unter Teilnahme sämtlicher Mitglieder der Regierung ein feierlicher Trauergottesdienst für die Opfer der Mordtat zu zelebrieren. 3. Die griechische Flotte hat vor einer eigens nach dem Piräus beorderten italienischen Schiffsdivision die Ehrenbezeigung für die italienische Flagge zu erweisen, wobei die griechischen Schiffe 21 Geschützsalven abtzugeiben haben; während dieses Aktes ist an Bord der griechischen Schiffe die italienische Flagge zu hissen. 4. Einleitung der strengen Untersuchung durch die griechischen Behörden am Talor^ unter Beiziehung des italienischen Militärattaches Obersten P e r 0 n n e, für dessen persönlich» Sicherheit die griechische Regierung unbedingt verantwort, lich gemacht wird. Diese Untersuchung mich binnen fünf Tagen von der Annahme dieser Forderungen beendigt sein. 5. Todesstrafe für sämtliche Schuldigen. 6. Zählung einer Entschädigung von fünfzig Millionen Lire binnen fünf Tagen von de» Ueberreichung dieser Note all. 6. Den Opfern der Mordtat sind im Augenblick der Ueberfuhrung auf das sie heimbefördernde italienische Schiff in Prevesa militärisch» Ehren zu erweisen. Die italienische Regierung fordert, daß Griechenland in der kürzesten F r ist antworte. Griechenland lehnt die demütigenden Bedit gungen ab. Athen, 30. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitimg''.- In politischen Kreisen verlautet, daß die griechisch! R e g i e r u n.g auf das italienische U l t i m a t u nt hin fccrcir sei, ihre Bedauern über das Attentat von Janina anszusprechen und den betroffenen Fanrilien der Ermordeten eine Entschädigung zu zahlen, daß sic aber die dcmütigendel' Bedingungen, die ihr Italien auferlegen möchte, e n t s ch i cden ablehnen müsse. Falls mit Italien keine Verständigung zustande füllte, wird Griechenland die Streitfrage dem Schiedsspruch des Völkerbundes unterbreiten. Eine Kollektivdepesche der Botschafter konferenz nach Athen. Paris, 30. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die B 0 t s ch a f t e r k 0 n f e r e n z hat beschlossen, ein Kollektiv' Telegramm nach Athen zu senden, in ivelchem die französische, englische und italienische Regierung energisch gegen das Attentat von Janina protestieren und Griechenland einladen, eine Untersuchung in dieser Angelegenheit einzuleiten. mühen. Wir häben den Wunsch, mit der Regierung, nachdem wir zu einem, gewissen Einverständnis gekommen sind, bei deren administrativen und ökonomischen Bemühungen mitzuarbeiten. Wir wünschen die Nation aus der unmöglichen Lage zn befreien, in die sie gesunken ist, wo sie unter ökonomischem Drucke keucht und von keiner Seite Hilfe erhält. Sollten wir am Ende entdecken, daß die Regierung uns nicht Hilst und unseren Ansprüchen nicht entgegenkommt, so daß für die Natron kein Vorteil zu erreichen ist, so glauben wir, daß unser nationales Gefühl uns nötigen wird, uns zurüchuziehen, da wir unsere allgemeinen Verpflichtungen zum Volke im selben Ausmaße sichten wie Sie." Man wird den Erfolg, den die Regierung hier in friedlichen Verhandlungen erzielt hat, nicht gering veranschlagen dürfen. Schon tauchen auch Gerüchte auf, daß sich innerhalb der Araber neue Parteien gebildet haben, welche der mohammedanisch-christlichen Bereinigung entgegenarbeiten. Man spricht von der angeblichen Gründung einer freien liberalen Partei und sogar von einer gegen die Efendis, die reichen Großgrundbesitzer, gerichteten liberal-demokratischen arabischen Partei. Es bleibt äbzuwarten, -wie weit sich diese Gerüchte bewahrheiten werden. Charakteristisch für die Zwistigkeiten im arabischen Lager ist jedenfalls die Tatsache, d daß der -derzeitige Leiter der palästinensischen extremistischen Partei, Omar El Bitar, kürzlich in Ramallah bei Jerusalem von drei jungen, vornehmen Arabern überfallen wurde. Der Ueberfall geschah im Hotel. Die drei Araber halten angeblich die Absicht, El Bitar zu töten,, begnügten sich aber damit, ihn zu prügeln. Die drei Aräber gehören der Familie des Bürgermeisters von Jerusalem, Nascha Schibi, an. Vermutlich dürften die Ursachen des- Ueberfalles nicht, so sehr in politischen Motiven zu suchen sein als in den Zwistigkeiten der Familie. Der Vorfall hat Wenfalls großes Autteben erregt und viele ara- - bische Organisationen beeilten sich, Telegramme an die Regierung zu schicken, worin sie die strenge Bestrafung der Attentäter verlangten. Der Bürgermeister von Jerusalem gehört zu den sechs Arabern, welche btn Ernennung der Regierung angeirommen haben. Ae Verhandlungen zwischen Benesch und Mnffolkni. Rom, 30. August. Die Ageneia Stesani teilt mit: In den Besprechungen, die zwischen Mussolini und Dr. Benesch stattgefunden haben, wurden die Fragen der allgemeinen Politik beider Länder geprüft. Es wurde anerkannt, daß die gemeinsam zu befolgende Richtung beider Länder auch Weiterhin aus dem Grundsatz der Durchs ü h r u nM> erBe rträge und des Zusammenarbeiten s zur Ausrechterhaltung des Friedens in Mitteleuropa begründet sein müsse. Weiter wurde eine Anzahl Fragen wirtschaftlicher und juristischer Natur einer gründlichen Erörterung unterzogen, von denen einige endgültig geregelt wurden, andere inr Lause der Verhandlungen über das Tarifabkominen einer Regelung werden unterzogen werden, deren Beginn von den beiden Regierungen für die ersten Tage des Oktober in Rom anberaumt wurde. Weiter fand ein Notcngnstausch betreffend die Aufklärung gewisser Fragen statt, die sich aus dom in Kraft befindlichen H a n d e l s a b k 0 m m e n ergeben. Ferner wurden die tsch echo-slowakische Schuld an Italien, die Wertbestrmnmng von der ehemaligen österrelchisch-ungarischoit Monarchie gehörigen Staatsgütern, die Behandlung der Versicherungsgesellschaften sowie die adriati scheu Tarife in Verbindung mit dem Handel im Triest er H a s e n erörtert.

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