Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1633 (29.8.1923)
- Date
- 1923-08-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Mittwoch Sesterreich. Vundesk-anzler Dr. Seipel hatte gestern mit dem Präji- { Deuten Sech, der gegenwärtig die Präsidialgoschäfte des Nationalrates führt, eine Konferenz, m der auch die Frage der kurzen Herbsttagung des Nationalrates vor dessen Auflösung zur Erörterung kam. Es wurde vereinbart, daß der Nationalcat in der dritten Septem berwo che, nach dem 21., zustim- "rentreten soll. Seftxrreichs BNkerbnnddelegierte. Der Minffterrat hat beschlossen, als österreichische Dekegierte bei den m diesen Tagen beginnenden Verharrdlnngen des Bölterblmdss den Botschafter a. D. Albert Meusdorfs und den Ministerresidenten Emmerich Pflüg! zu bestimmen. Mlung der Bundesbeamten. Um die Zahl der Bundesangestellten einschließlich der Arbeiter genau festznslellen, hat der Ministerrat beschlossen, durch das Bundesamt für Statistik eine Zählung durchführen zu lassen. Zu diesem Zwecke wurden an alle Dienststellen ZähMätter allsgegeben, die am 1. September anläßlich der Gehaltauszahlung von jedem Angestellten anstzufüllen sind. Der 1. September ist auch der Stichtag für die Zahlung. Hoffentlich wird diesmal die Zahl der Bnndesang^tellten einmal endgültig ermittelt. Santa» der Brater Heimwehre«. An: 2. September findet, wie uns aus Innsbruck gemeldet wird, in L andeck ein .Gautag der westlichen Tiroler Heimwehrbezirke statt. Die Feier, an die sich eine Heerschau aller Heimwehrmitglieder anschließt, wird durch eine Fahnenweihe mit Feldmesse eingeleitet und durch ein Fest schießen beschlossen werden. Die Heimroehrler scheinen über besonders viel Munition zu verfügen, da sie jdas Festschießen am L. :md 9. September sortsetzen wollen. —~ Achecho-Slowaker. Sie Zusammenkunft Dr. Benesch' mit Mnffnlini. Rom, 28. August. (Tel. der „Wr. Morgengeitung".) Die heutige Unterredung zwischen dem tschecho-slvwakischeir Außenminister Dr. B e n e s ch und Ministerpräsidenten Mussolini Wirtsich um verschiedene politische und wirtschaftliche Fragen drehen. Da Doktor B e n e s ch von einem Direktor für Handelsangelegenheiten seines Ministeriums begleitet ist, wird auch der bevorstehende Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Italien und der Tschechv-Slowakei behandelt werden. Der politische Teil -er Unterredung wird sich aus die gesamte europäische. Lage beziehen. Dr. Benesch wivd darauf dringen, daß der kleinen Entente zmn Schutze ihrer Reparatiousansprüche an Ungarn gewisse Garantien nicht entzogen werden, dw sich französische und deutscheIndustriellen - GrupPen für ihre Lieferungen an Ungarn zu sichern suchen. Der Besuch Dr. Benesch' in Rom wirzwei Tage öaucrn. Aufforderung zum Generalstreik. Prag, 28. August. (Tschecho-slow. Preßbureau.) Nach einer amtlichen Meldung hat W gestrige Konferenz der Betriebsräte im nordwestböhmischen Kohlenrrev icr den Beschluß gefaßt, am die Stveikleitung der Bergarbeiter den Antrag zu stellen, sie möge einen 48stündigen Generalstreik in der tschechoslowakischen Republik veranlassen, um die Beendigung des Bergarbeiterkonslikts herbeizu- Jugoslawien. Aadir von London abgereift. Belgrad, 28. August. (Del. d. ,ß8k. Movgenzeitung") E nem Londoner Telegramm der „Tribuna" zufolge, ist heute Radic von London unverrichteter Dinge abgcreist. Man nimmt an, daß Radic in die Schweiz gefahren ist, wo -er sich vor allem einige Tage in Genf aushalten will, um mit den dort anwesenden Delegierten des Völkerbundes Rücksprache zu halten. Ungarn. «May tritt doch zurück. Budapest, 28. August. (Tel. der „Wiener Morgen- Mung".) „Uj Nenizedek" zufolge, soll Finanzminister Tibor Kallah in diesen Tagen endgültig zurücktreten. Als sein Ätachfolger wird Deftder Horanszky, Präsident des Bolksernährungsamtes, genannt. Ser Äeamtenabban. Bubapest, 28. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") £k 'Nationalversammlung begann heute die Behandlung, her Regierungsvorlage über den Abbau der öffentlichen Angestellten. 20 Prozent der Staatsbeamten, mehr als 24.000 Personen, dürften-die Kündigung spätestens bis 30. Juni 1924 erhalten. Alle Kündigungen lauten auf sechs Monate. Mussolinis Bruder nicht in Budapest. Die ü'lgeul ur-Stefan-!.', meldet: Entgegen der Meldung eines Wiener Blattes, wonach Wiener Morgenzeitung. _29. August 1923 _ Nr. 1638 Hindenburg bereitet eine» Puttch vor? Miiuchen, 28. Augnft. (Tel. dSr „Wr. Morgenztg.") Vor einigen Tagen hat, wie Ihr Korrespondent erfährt, in der Wohnung des früheren Ministerpräsidenten Kahr eine Konferenz zwischen Hindenburg und dem früheren bayrischen Kronprinzen Ruprecht staM gefunden. Hindenburg, der übrigens von den Behörden mit allen militärischen Ehren begrüßt wurde, soll eine militärische Aktion der bayrischen Reaktionäre leiten, die den Zweck hat, die Monarchie zllnächst in Bai-ern wiederherzustellen nnd dann im Vereine mit den reaktionären^'Elenrenten im übrigen Deutschland die Monarchie auch dort zu reaktivieren. Die Besprechungen fanden urit Wissen der Behörden statt. Ludendorff NM nicht als Kriegsverliingerer gelten. Ein interessanter Pretzprozeß. Aus München wird geiueldet: Die sozialistische „ALünchener Post" hat vor einiger Zeit von Ludendorff als dem „g r o ß c u K r i e g s v e r l ä u g c t c t" geschrieben, weshalb der angegriffene General nunmehr eine gerichtliche Klage wegen „verleumderischer Angriffe" gegen das Blatt angestrengt hat. Dem Prozeß, der für Ende September augeseht ist, dürfte große politische Bedeutung zukommen, ba die beklagte Partei neben anderen Persönlichkeiten Männer wie den Prinzen Max von Bapen, den letzten Kanzler dn Kaiserreichs, ferner den General Hofmann, der Lei Frieden von Brest-Litowsk diktierte, und den österreichische scheu Feldmarschall Hötzendorf als Zeugen und 0acf) verständige vernehmen lassen wird. Sie Ermord««» des Hakenkrenrlerftndente» Banr. Aus München wivd gemeldet: In dem Prozes wegen Erniordung des von seinen hakenkreuzterischer Genossen crrllordeten Studenten Banr hat das Volksgericht das Urteil gefällt. Der AngÄlagte Anguß Zwengauer, der Baur erschossen hat, wurde weger Mordes zur Todesstrafe unter Aberkennung dci bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt, der Angeklagte Johann Berger wegen Begünstigung zu f c cf; s Monaten Gefängnis, sein Bruder Erlist Berger von der Anklage zur Anstiftung zum Mort fr ei gesprochen. Der Schriftsteller und ehemalige Prrvatdozent Dr. Rüge erhielt wegen Vergehens der Aufforderung zum Mord ein Jahr G efä n g n i s Diese Anfforderrmg wurde in einer Rede gefunden, dir Doktor Rüge am 13. Februar in einer Versammlung ini Mitglieder des Blücher-Bundes hielt und in der er in <iufreizender Weise davon sprach, daß mißliebige und schädliche politische führende Personen und führende Juden beseitigt iverden müßten. sich der Bruder des -lalieui-schcu Ministerpräsideiiteu, A r n a l do Mussolini, in einer Mission in Budapest befinde, wird sestgestellt, daß er sich in Mailand aushält. Ersyarungrmaßnahmen. Auflassung von drei Ministerien? Warschau, 38. August. (Tel. der „Wiener Morgcnzcitung.") Aus gut informierter parlamentarischer Quelle erfährt Ihr Korrespondent, daß der Ersparungskoumlissär M o skalewski den Antrag auf die Auflassung von drei Ministerien gestellt hat, der bereits die Zustimmung des Kabinetts gefunden haben soll. Danach sollen die Ministerien für Vo lksgefun'dhei t. öffentlich-? Arbeiten aufgelassen und als Departements dein Innenministerium angegliedert werden, während das P o stu n d Telegxaphenministeriu-m als Departement dem Handelsministerium unterstellt ivevden soll. Ae Anleihe. Warschau, '28. August. (Tel der ,,'Wr. Morgenzeiürng".) In der letzten Sitzung des Minifterrates wuü»e beschlossen, die Bedingungen der Morgan-Gruppe für die Gewährung einer Anleihe in Polen zu a k ze ptieren. Die Höhe dieser Anleihe beträgt, soweit bekannt, 100 Millionen Dollar. Dieser Betrag soll zur Schaffung einer Polnischen Emissionsbank dieiten. Im Zusammenhang mit dieser Anleichetvansaktton steht die Meldung, daß der zum Finanzberater ausersehene englische Parlamentarier Aoung nicht nach Warschau kommen weide. Die Gewährung einer Anleihe der Movgan-Grulppe wäre an die Einsetzmtg eines Kontra l l k o m i te e s, das ans Vertretern der dem Moxgon- Konsortümr angehöreuden Banken besteht, gebuMn. Eine Sowjetnote an Polen. Warschau, 28. August. (Tel. der „Wiener Mvvgeuzeitung".) Der Warschauer russische Gesandte Fürst Obolenski hat dem polich'chen.Außenminister Seyda eine Note seiner Regierung überreicht, in welcher dieser gegen angebliche Quälcreien russischer Bürger, die sich in Polnischen Gefängnissen befinden, Protest erhebt. Die Note jfrmtft sich auf Vorfälle, welche angeblich -den Tod des politischen Häftlings Dondarczuk herbeigesührt haben, und zählt noch überdies 617 Personen auf, welche trotz des Vevspvechens der polnischen Regierung, sie gegen in Rußland befindliche polnische Häftlinge aus;» tauschen, sich noch immer in Haft befinden. Die Polnischen Monarchisten. Aus Warschau meidet man Mis: Bon konservcrtiv-monarchiistischer Sette ist ein neues Tagblatt begründet worden, daß die Interessen der monarchistsschen Gruppe der Polnischen Aristokratie propagieren soll. Die Gründer und finanziellen Spitzen dieses neuen Blattes, das bereits ein Redaktionslokal hat, sind Lubomirski und Radz^will. Nachklimge zu den Exzessen r« Lemberg. Aus Lemberg wird uns berichtet: An: 10. September wird vor dem Lemberger Kreisgericht ein Prozeß stattfi-ndeu, der mit den traurigen Ereignissen, die sich in: November 1918 in Lemberg abspielten und das Aussehen der gesamten zivilisierten Welt erregten, im Zusanlnrenhang steht. Bei diesen Exzessen hatte ein getmsser Ksionzek einige Mitglieder der jüdischen Familie Sonntag ermordet. Er entfloh nach Rumänien. Als er zurückkehren wollte, trug er den Hinterbliebenen der Ermordeten eine große Belohnung an, wenn sie angäben, er sei nicht der Mörder gewesen. Ksionzek, der inzwischen nach Polen zurückgek-chrt war, wurde ausgeforscht und wird jetzt vor Gericht gestellt. In Kowel darf man keine jüdischen Lieder singen! Aus Kowel wird uns berichtet: Der bekannte Oernsänger Leon . Coriil-i, ein Judo; Mb in Kowel-ein Konzert und setzte einige i Mische L'.jeder aufs Programm. Zu seineur Erfhaunen erklärte der Bürgermeister von Kckvel, solange er im Amt sei. dürfen -bei einem Konzert keine jüdischen Lieder gesungen werden, da das Jüdische in Kotml verboten sei (t). CDortiü ließ sich nicht ab'halten und setzte auf sein Konzert- Programm den berühnrten „Kadisch" des Rabbi von Berditschew Das Programm wurde ohne Störung zu Ende geführt, nur einige besonders tolerante polnische KonzertÜesucher.gaben beim Bortrag des ,Kadisch" ihrer traditionellen Toleranz durch Unruhe Ausdruck, die mit stürnrischen Applaus des übrigen Publikums niedergedrückt wurde. Nach dem Konzert erschienen drei Polizeiagenten beim- Künstler und forderten von ihm Nechenschast über >die Uebertretung der Koweler Gesetze. He« Eortili jagte sie hinaus. Dem wackeren Bürgermeister von Kowel, der für fein« Stadt eigene iDtaatsgvundgesetze ernsührt, hat das Ministerium bisher noch keine Aufmerksrnnkeit zu gewendet. Es sollte dies nachholen, da auch für Kowel die polnischen Staatsgrundgesetze gelten. Rumanieu. Amttiche Sarstellung der Bor»ii«ae in Zaffv. Aus Bukarest wird uns berichtet: Da- M i n i st e r i u in des Innern versendet an die Mütter ein Communique, in welchem die über mrgebliche Zusammenstöße und P l ü n d crungen während der Ausschreitungen in Jassy verbreiteten Gerüchte ans das entschiedenste dementiert werden. Nach diesem Communiqne haben die Studenten, nachdem die -Regierung den npch Klansenburg einbevufenen Studentenkongreß verboten hatte, eine sogenannte Delegiertenkonferenz nach Jassy einberufen. Die Regierung hat jedoch, da sic sich dessen bewußt war, daß auch diese Kon seren; eigentlich keine anderen Ziele verfolge, als der ursprünglich geplante und verbotene Studentenkongreß, auch diese Konferenz verboten. Trotz diesem Verbote gelang es etwa 50 Studenten, nachdem die Fenster der Universität cingesch'lagen worden waren, in das Gebäude der U rr j v e r s ität einzudringeu. Die Behörden haben mit Rücksicht auf die Autonomie der Universität von einer Evakuierung des Hochschulgebäudes abgesehen. Inzwischen hat die Studcntenschast an die Bürgerschaft der Stadt Jassy einen Aufruf erlassen, in welchem die Bürger aufgefordcrt tverdcn, gegen die Maßnahmen der Regierilng gegenüber den Studenten mit einer Protestversamm'lunig zn demonstrieren. Die zur Abhaltung der Versammlung getroffenen Vorbereitungen der Bürgerschaft wurden jedoch von i)cit Behörden verhindert. In den späten Abendstunden hat sich die Studentenschaft geneigt gezeigt, das Universitätsgebände zu räumen. Die Studenten verließen in kleinen Gruppen die Universität, in welche, lvie es sich herausstellte, eine größere Anzahl eingedrungen war, so daß die völlige Räumung b i s zum Morgen dauerte. Gegen frühmovgenS war die Ordnung vollständig hergestellt. Zusamnrcnstöße, von denen die Zeitungen berichteten, haben im Lailsc des Tages nirgends stattgeftlnden und audj die Mitteilungen über Zerstörungen und Plünderungen sind aus der Luft gegriffen. Der Hetzer Codreanu, der den Staatsanwalt Sorga tätlich insultierte, tvurde verhaftet. Das rumänische Telegraphen-Korrespondenz- Bureau meldet noch aus Jassy, daß anläßlich der Demonstrationsnmzüge sich verschiedene Diebstähle und Taschendiebstähle errcigneten, unter anderem haben unbekannte Täter vom Denkmal des Wojwodcn Stephan die Keule, die aus sehi wertvoller Bronze hergestellt war, entwendet. Palästina. Sie.Araber «nd der Advfford Souncil. Jornsalem, 26. August. (I. C. B.) Die arabisches Mitglieder des Advisory Gouncil, die sich zur Mit« aröeit in..diesem bereit erklärt haben, sind von der Exekutive des arabisch en Kongress es aüfgefvrdert^ I wordeit, ihre Demissian zu geben/ JP ihrem Äftt-i [ erklWen sie, sie hatten fi-ck wx MÄMM