Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1632 (28.8.1923)
- Date
- 1923-08-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nk MW Men, Drenstag_ Dvhtlgsn BeKieihunHerr geklärt wuvde. Die Entdeckung des Madnlms und die Feststellung der Radioaktivität sind eigentlich das Werk dreier Menschen: des Ehepaar es Curie, des französischen Professors und seiner polnischen Gattin, ferner des Engländers Rutherford, der mit seiner Theorie sozusagen schon bis an die Schwelle gelangt war, bevor noch Maldame Curie ihre große Entdeckung in die Oeffentlichkeit brachte. Maidame Curie hat, wie man weiß, dann auch die Lehrkanzel ihres tÄatten an der Sorbonne übernommen. Die 25 Jahre seit der Entdeckung des Radiums haben allerdings noch nicht jene großer: Umwälzungen auf den: Gebiete der Naturwissenschaft gebracht, welche damals allenthalben als Folge dieser Entdeckung erwartet wurden. Auch ist die Energiequelle, welche die Grundlage der radioaktiven Wirkungen bildet, noch nicht praktisch ausgebeutet worden. Wells und andere haben wohl interessante phantastische Romane geschrieben, die ans der Voraussetzung der Ausbeutung der neuen Energiequelle auf den breitesten wirtschaftlichen Gebieten aufgebaut sind, aber Rutherford', der auch in dieser Richtung bedeutsame Erfolge erzielt hat, hat bis heute noch nicht den letzten entscheidenden Schritt getan. Hier fehlt noch immer eine Madame Curie, die die letzten Konsequenzen der Rutherfordscheu Forschungen ziehen würde. Aber auch so ist die Anwendung des RaViunis zu einer eigenen Disziplin der medizinischen Wissenschaft gleich der Röntgenologie geworden, und jene wenigen Gramm dieses neuen chemischen Elementes, dessen Vermehrung so ungeheuer schwer ist, Haben ganze Gebiete der Chemie und der Phhsik revolutioniert. Aus diesem Grunde mußte Madame Curie durch zwei Jahrzehnte ihre Experimente und Untersuchungen mit einem Gramm Radium ausführen — das zweite Gramm wurde ihr von den amerikanischen Frauen zum Geschenke gemacht und von ihr vor zwei Jahren im Weißen Haus von Washington in einer großen Truhe, die zu dem geringen Gewicht des Geschenkes in keinem Verhältnisse stand, persönlich in Empfang genommen. Bei allen schönen Erfolgen, die mit dem Radium bereits erzielt wurden, ist das, was uns die Entdeckung des Radiums versprochen hat, das heißt die Eröffnung einer neuen und alle bisherigen an Kraft wert übertreffenden Energiequelle, auch am Ende der ersten 26 Jahre seit dieser Entdeckung nrw immer ein unerfülltes Versprechen geblieben. * Hofrat Dr. Hans Adler 80 Jahre alt. Der bekannte Augenarzt Dr. Hans Adler vollendet am 3. September sein achtzigstes Lebensjahr. Adler, ein Schüler von Jäger und Arlt, war durch Jahrzehnte Primararzt des Wieoener Spitales, Armenaugenarzt der Stadt Wien und Konsiliararzt des Theresianums und des St. Josef Kinderspitales. Im Jahre 1877 gründete er das Pensionsinstitut des Wiener Doktorenkollegiums, als dessen Präsident er durch 45 Jahre wirkte. Außerdem war er durch viele Jahre Präses der Witwen- und Waisensozietät des Kollegiums. Hofrat Adler wird an seinem Jubel- * tage von zahlreichen ärztlichen Korporationen geehrt werden. * Erben gesucht! Das österreichische Generalkonsulat in . New-Bork hat sich an die hiesige Polizeidirektion im Wege des Ministeriums des Aeußeru gewendet, um die Erben nach einem gewissen Leo Regert (auch Regent oder Regnert) zu suchen, der wahrscheinlich Staatsangehöriger der früheren österr.-ungarischen Monarchie war. lieber den Mann und sein Leben ist nur wenig bekannt. Am 15. August 1916 ist er gelegentlich eines Unfalles im Hotel Biltmore in New-Aork ums Leben gekommen. Nach dem Verunglückten ist ein bedeutender N achlaß zurückgeblieben, nnd man kennt die Verwandten und Erben des Toten nicht. Der angebliche Regert war stets schweigsam gewesen, so daß man annahm, er habe nicht gerne über seine Vergangenheit gesprochen. Er dürfte im Jahre 1884 geboren sein nnd ist — nach gelegentlichen Mitteilungen an Freunde — Oesterreicher gewesen. Er soll im Jahre 1899 als Kadett auf ciirem österreichischen Schulschiff im Hafen von New-?)ork angekommen und wegen schlechter Behandlung desertiert sein. Er hat auch gelegentlich geäußert, daß er aus guter Familie stammt. Möglicherweise stammte er aus Brzezani. Regert hat sich dann allein in Amerika fortgebracht. In seinem Nachlaß fand man eine Anzahl Photographien, darunter das Bild eines Soldaten in der Uniform eines Korporals der österreichischen Arnree. Das Bild scheint das seines Bruders zu sein, der Wilhelm heißt, und die Photographie am 10. Juli 1899 dem Bruder gewidmet hat. Die Widmung hat der Mann auszuradieren versucht, um jede Spur zu verwischen; offenbar fürchtete er, wegen der Desertioi: verfolgt zu werden, weshalb er auch nie über seine Herkunft und feine Angehörigen sprach. Seine Eltern sollen Josef und Lena Regert (Regent oder Regnert) geheißen haben. Auch das Bild der Schwester ist im* Nachlaß. Personen, die als Erben in Betracht kommen', können sich in: Korrespondenzbureau der Polizeidirektion in Wien, 9. 'Bez., Rossanerlände 7, 2. Stock, Tür 142, wo auch die Bilder erliegen, melden. * ■ * Plötzlicher Tod. Der 31jährige Bankbeamte Moritz Kohn. Währingerstraße 126 wohnhaft, ist gestern früh plötzlich gestorben. * Eine Taribstmninenausstelluiig. Der Reichsverband der Taubstummenvereine Oesterreichs feiert nunmehr seinen zehnjährigen Bestand und veranstaltet aus diesem Anlaß in der Zeit vom 1. bis 12. September eine Ausstellung, die im staatlichen Gewerbefördernngsamte. 9. Bez., Severingasse 9, stattfindet. Die Ausstellung bezweckt, die Humanitären Bestrebungen des Vereittes zu unterstützen. Sie ist frei zugänglich. Die Gemeinde Wien hat für Ausstellungszwecke dem Reichsverband eine Subvention von einer Million Kronen überwiesen. * Internationale Posttvertzeichenausftelluna in Wien. Die feierliche Eröffnung der Ausstellung. die sich im Dorot h e n m befindet, erfolgt Samstag den 1. September, halb 10 Uhr. Die Postverwaltung hat verschiedene für die Besucher der Ausstellung recht wertvolle Anordnungen getroffen. To werden alle derzeit tim Kurse befindlichen M arken derart zum Verkaufe wurmen, daß bei «dem Vevkaufsschalter ein Tableau hängen wird, das die einzelnen Werte der derzeit geltenden Marken, mit Nummern berschen, zeigen wird. Llußerdem werden ganze Serien der jetzigen Marken verkauft werden, und zwar auch jene Werte, die durch die jüngsten Verordnungen außer Kraft gefetzt tvovden sind. Es werden auch die seit eineinhalb Jahren nicht mehr 'in: Kurse besiMichen Zeitungsmarken in Sätzen zum Verkaufe gelangen, ebenso Nachportomarken. Freitag den 31. d. findet im Kursalon um halb 8 Uhr abends ein Begrüßuugsabend der erschienenen Gäste statt, wozu Mitglieder von phtlatelistifchen Vereinen mit ihren Familienmitgliedern eingelcvden sind. * Ein Konkurrent Breitbarts verunglückt. Samstag abends wurde mit der Ostbahn der 23jährige Berufsathlet Josef Scherz, JnzerSdorferstraße 81, der bei der seinerzeit im R^acher vorgeführten Produktion des EÜeoEönigs Breit- WrMe2 MovgeiMWW. 28. awpg Settel Mitteilungen ans dem Publikum. Kuitus-u. Justiztalare u. Barette liefert ln sehttaster Ausführung die bekannteste Spedalfirma 836 RUDOLF »MIN Zivil* und Uniformsehnefder Wlen.II.Taborstr. 54. Tel.45-6-29 Gegründet 1866 - Große Auswahlfeinster Stoffe Nir MaBbestellungen hart dessen Leistungen gleichfalls vorfühven wollte, nach Wim gebracht. Er hatte eine schwere Quetschüing am Kniegelenk und wurde von der Rettungsgesellschaft auf die zweite Unfallstation überführt. Scherz hatte vorgestern nachmittags in Bruck an der Leitha eine Vorstellung gegeben, hei der er auch unter anderem ein Lastauto über seinen Körper fahren ließ. Dabei glitt eines der Hinterräder des 'Kraftwagens ab und verletzte i>a§ Knie des Athleten. * Erlagscheine für die Elektrizitätsrechnungen. Don nun ab werden sämtlichen Konsumenten die Eilekt r iizitä t srechnnngen. die mit den Postspartkaffenierlagscheinen verbunden sind, durch die Post zngeisondöt. Dieses System kann selbstverständlich nur dann eine dauernde Einrichtung bstiben, wenn die Konsumenten den vorgeschriebe nen Betrag innerhalb dreier Werktage entweder beim nächstgelegenen Postamt ein zahlen oder innerhalb dieser Zeit die Rechnung mit Benützung eines Postsparkassenschecks unter Beitschluß des ausgefüllten Erlagscheines aus das Postfpavkassen'konto der Elektrizitätswerke überweisen oder schließlich die Ue'bertragung des Rechnungsbetrages im Glearingverlkchr der Postsparkasse von ihrem Konto auf das Konto der Elektrizität swevke durchführen lassen. Im letzteren Falle wird jedoch eine Avisokarte an die Elektrizitätswerke über die erfolgte Zalhlung im Clearingverkehr die manipulative, Arbeit beinl EMtrizitätswerk wesentlich erleichtern. Die Direktion appelliert an den Gdmeinisinn ihrer Konsumenten, durch prompteste Ueiberlwerstma der Beträge aus einem der angegebenen Wege die, Beibohältung des Postinkassos zu ermöglichen. Selbstverständlich können die Rechnungen auch bei der Kasse der Elektrizitätswerke direkt bezahlt werden. Die Kontrolle über die tatsächlich innerhalb dreier Werktage bewerkstell'igte Ueberweisung oder Einzahlung wird strengstens durchgeführt werden, so daß die nngen-Mfer-tiigst Abschaltung eines KoUsnmenten vermieden werden kann. * Betrügerische Kohlenlieferanteil. Am 26. d. Wurde der 23jährige Kohlenhändler Friedrich Bräu er, Salzachstraße 11. dem Landesgericht eingeli eifert. Er hat bei Kohlen- und Holzlielfernngen eine Firma im 1. Bezirk durch Fälschung von Waggzettsln aus höheres Gewicht in der Zeit von Mitte Februar bis Anfang August um 2 0 Millionen Kronen geschädigt. Einen Teil des betrügerischen Gewinnes hat er den Gr.ünwarenhänÄ'ersleuten Josef und Karoline Scho dl abgegeben, mit denen gsmeinsam er einige Fuhren Kohlen geliefert hat. Der mit der Übernahme der Kohlen und des Holmes von der Firma betraute 29jährige Franz Matucsek, Hetzgasse 24. ist verdächtligt, in ^trügerischer Absicht die Kohlen- und Holzfuhren, ohne das niedrige Geiwicht zu beanständen, übernommen zu haben, Es konnte ihm auch nachgewieisen werden, daß er von Brauer Geldgeschenke in der Höhe von 800.000 Kronen angenommen hat. Bräuex wurde dem Landesgericht eingeliefevt, Schödl, der seither flüchtig ist Wird noch gesucht. Dessen Gattirr und Matucsek wursten auf freiem Fuß belassen Md der Staatsanwaltschaft angezeigt. * Coolidges telephonischer Eid. Der neue Präsident der Veve'inigtgen Staaten hielt sich zur Zeit des Ablebens des Präsidenten Harding bei seinem 78fäbrigen Vater in dem einsam gelegenen Bergdorf Plymouth aus. Hier erreichte ihn telegra- An unsere P. T. Momenten! Am 1. September 1923 beginnt ein neues Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung". Wir ersuchen, die BezugLgebühren rechtzeitig einzuzahlen, beziehungsweise das Trafikabonnement rechtzeitig zu erneuern, damit die Zustellung des Blattes keine Unter brechung erleide. BezugsgebAhren ab 1. September 1988: Abonnement für Wien (znm Abhvlen im Expedit oder in den DerfchletWetten) monatlich.K. 28.000.— Sonn- und Wvchentagsnnmmer.K. 1.000.— Montagsnummer.*.K. 700.— DaS Abonnement wolle gefälligst rechtzeitig in der Nächstliegenden Verschleißstelle erneuert und die Bezugsgebnhr gleichfalls dortselbst erlegt werden. Oesterreich monatlich.§?. 28.000.— Lschecho-Slowakei monatlich .... tschech. §i. 1?.— Polen monatlich.. . poln. Mark 70.000.— Jugoslawien monaflid). 40.- Deutschland monatlich . Aumäuien monatlich . . 90.- Kvllaud monatlich . . . 1.50 Italien monatlich . . . 10.- Schweiz monatlich . . . . Schweizer Franken 3.- Frankreich monatlich . ....... Franken 8.- Belgien monatlich . . . .... belg. Franken 8.- England monatlich. . . .Schilling 3.- Amerika monatlich . . . 1.- Zahlstellen: Oeslerreichisches Postfparkasfenkonlo 150.693. Tschecho-slowakisches Postsparkassenkonto (Prag) 89.231. Polnisches Postsparkafsenkvnto (Warschau) 190.227. Deutsches Postscheckkonto (Berlin W 7) 108.722. Rumänien und Bukowina: OslbanK A. G. mt<? deren Filialen. Schweiz r Schweizer Volksbank in St. Gallen. Jugoslawien r Postsparkassenkonto (Zagreb) 40.088. Italien r Soziela di Credito Commeretale Lrieste» Dia Mazzini 20. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" Wien, II., Taborstraße 1—3 Telephon 44.028, 42.31g. Phsich die Nachricht vom Tode seines Vorgängers. Eine Stunde später waren bereits die Telephonarbeiter beschäftigt, ei« Telephon inj dem Hause zu installieren, und man ftagte dam im Weißen Hause auf diesem Wege an, ob Coolidge den AmtN erd vor seinem Vatev. der öffentlicher Notar ist, ablegeo könne. Nachdem die Zustimmung hierzu, erteilt war, wurde dir Eidesformel telephonisch von WaMnaton übermittelt, und dann wiederholte der neue Präsident die ihm von seinem Vater vorgesprochenen Worte. Damit war er Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Diese einfache Zeremonie unterscheide! sich wesentlich von den prunkvollen Amtsübernahmen früherer Präsidenten. Drei Stinniden später saß CooMdge bereits im Zuge, um sein Amt in Washington anzutreten. * Aus der jüdischen Wissenschaft. Aus New-Dork wird gemeldet: Der bekannte Gelehrte Rabbiner Cha-im Tjscherit o wi tz ist hier angekommen, um eine Reihe von Vorlesungen über, talmudisches Recht am Jewish J-nstitut of Religion zu halten. Nach der Beendigung seiner Vortragsreife wird er sich nach Palästina begeben, tvo er an der Universität in Jerusalem Talmud lesen wird. * Der Moskauer Oberrabbiner erblindet. Wie aus Moskau gemeldet -wird, ist >der dortige Obervcrbbiner Mazo. eine der angesehensten Pevsönlichkeiten des russischen Judentums, infolge einer Gchwnihautentzündung erblindet. * Konstruktion eines amerikanischen MesenslUUeuges. In einem kürzlich im Washingtoner Lion Club gehaltenen Vortrag machte -der Brigadogeneral Mtchel Mitteilung über -den geplanten Bau eines neues RieseNflugapparates mit einem Aktionsradius von 3500 bis 6000 Kilometer, mit dem die Biöglichkeit geschaffen wird, zwanzig Reisende von New-Aovk nach Peking mit nur vier Zwischenstationen in 65 Stunden zu befördern. Mitchel machte noch einige nähere Angaben über das Flugzeug, das eine Spannweite von 38 Meter und eine Höhe von 9.16 Meter sowie drei Motoren, und zwar in jedem Flügel ie einen, halben wird. Die Besetzung soll aus drei Piloten und Mechanikern gebildet werden. Der stün-Wche Brennstoffverbrauch wird etwa 46 Kilogramm betragen. Die Amerikaner hoffen, mit diesenl Apparat den amerikanischen Kontinent in ununterbrochenem Fluge in einem Tage durchquerren zu können. * Eine Witwenverbrennung im Jahre 1923. Die Strenge, mit der die Engländer in Indien den alten-Brauch der Witwenverbrennung verfolgen, hat ihn noch immer nicht gänzlich ausrotten können. Erst vor einigen Wochen erregte in Indien ein Fall von „Sati" ungeheures Aufsehen. In Etanah, einer Stadt bei Delhi, war ein junger Hindu namens Ganga Din Ahir gestorben. Als nach dem brahmanischen Ritus die Leiche auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte, erklärte die Witwe, Musammat Rukka, sie wolle sich allen Verboten zum Trotz mit dem Geliebten verbrennen lassen. Das geschah auch in der feierlichen Weise und in Anwesenheit aller Verwandten und Bekannten. Musammat Rukka bekleidete sich nach einem Bad im heiligen Ganges mit Festgwändern und ihrem Hochzeitsschmuck. In den Händen trug sie als Zeichen des ewigen Lebens einen immergrünen Zweig und als Zeichen der Reinheit ein Gefäß mit Wasser. Die Priester salbten ihr Gesicht mit Schwcjfelsalbe, damit es rasch verbrenne und der Tod rasch eintrete, dann stieg, während die Brahmanen Gebete sprachen und eine laute Musik spielte, die junge Witwe mit dem dreimaligen Ruf „Satiah!" auf den Scheiterhaufen, auf dem schon ihr Gatte lag, und verbrannte an der Seite der Leiche. Telegraphisch übermittelte Fingerabdrücke. Die italienische Polizei bedient sich neuerdings eines Verfahrens, das es gestattet, die Fingerabdrücke von Verbrechern durch das ganze Land zu telegraphieren. Man bedient sich dazu eines Netzes von 300 bis 400 numerierten Quadraten, in die die fei-nen' Linien der Fingevspitzen eingezeichnet werden. Es genügt, durch das schon übliche Verfahren zur telegraphischen Uebcrtragung von Zeichnungen die einzelnen TeiMnien und die Nunnner des Quadrats telegraphiisch zu übermitteln. * Das Wachstum Londons. London, die Riefenstadt, wird vorläufig nicht mchr größer. Das gcht ans einem Berichi des Londoner Katasterbuveaus hervor, der die Ergebnisse^ der Volkszählung von 1621 kritisch bearbeitet. Diese Stadt, die nicht mehr wächst, umfaßt heute 117 Qmadratmeilen, oder aber, wenn man alle von L-ondoNern bewohnten Vororte zu Groß-London rechnet, 692 Quadva-imeileu. Es werden in diesem Riesengebiet freilich noch immer mchr Menfck>en geboren als begraben, aber die Bevölkerung wächst nur noch xrn 3,2 Prozent jährlich durch den Geburtenüberschuß, dagegen wandern gegen 320.000 Menschen jährlich von London ab oder vielmehr, diese Zahl ^bezeichnet die Differenz zwischen der Zahl der Abnnd der Znwandernden. Im ganzen hat sich im Jahrzehnt von 1611 bis 1621 die Zähl der Be-wohwr Groß-Londons nur von 7,418.704 auf 7,4^.201 erhöht, und es ist vorauszusehen, daß die Einwohnerzahl fetzt ziemlich stabil bleiben dünste. * „Bodenständige" in Klagenfurt. Die Jüdenschaft von Klagenfurt, welche bisher der iKnltusgemeinde Graz angegliedert war, hat am 26. Juni eins selbständige Gemeinde gegründet, welche, wie man uns schreibt, ungefähr hundert Mitglieder zählt. Die erste Tat des mit der Verfassung der Statuten betrauten provisorischen Komilres war nun der Beschluß, daß N i ch t b o d e n st ä n d i g e u die Wählbarkeit genommen wurde. Hingegen' wurde ihnen gnädig das aktive Wahlrecht belassen. damit umn nicht Gefahr lause, sich selbst wählen zv inüssen. Die Angst der Herren vor einer stärkeren Betonung des jüdischen Charakters in der Gemeinde geht so weit, daß sie sich nicht scheuen, an die 80 Prozent der jüdischen Bürger zu entrechten und nicht - etwa die Fähigkeiten oder das jüdische Verhalten zum Kriterium eines Kultusgcmeindevertreters zu machen, sondern seine österreichische Staatsbürgerschaft! Wenn dieser Beschluß nicht rasch abgcändert wird, so dürften die alpenländischen dlfsimilanten uri-t ihrer Neugründtt'ng kein Glück haben. * Vergrößerung des städtischen Ziegelwerkes in Oberlaa. T-'e Gemeinde Wien rüstet für eine andauernde starke Bautätigkeit. Es wird daher die städtische Ziegelei in Oberlaa nicht nur wesentlich erweitert, sondern auch maschinell erstklassig ausg-estattct tverden. In de sein Werke wird ein neuer Ringofen mit 14 Kammern für die Dachziegelerzengung gcbaut, das bestehende Maschinenhans wird vergrößert und über die beiden Ringöfen samt Maschinenhans wird, um die abive'chende Wärme nutzbar zn machen, eine Koei Stock hvche Trockenanlage errichtet. Die Erezugung beträgt gegenwärtig ztveieinhalb Millionen Mauerziegel und zwei Millionen Dachziegel. sie wird ans sechs Millionen Mauerziegel und vier Millionen Dachziegel gesteigert werden. Die maschinellen Zurichtungen werden derart vervollkommnet, daß von^ der Gewinnung des Tegels aus der Grube bis zur Beförderung des Rohziegels in den Ringofen keine menschliche. Händ die Roh»- Ware berührt. Nach Beendigung der Ziegelschlagkmnipagne wird füfor.t mit den Banarbe ist,r begonnen werden^ ivicchrend die Maschinenliefernng bereits vergeben wird. Die erforderlichen Kosten wurden in das dritte Notstandsprogramm mit einem Gesainkbetrage von acht M i 111 a r i> e n Kronen aufgenonunen. Durch diese Jnvestit'vn verdoppelt sich nicht nur die Erzengnng, sondern es tncrden dadurck) auch s-chr bedeutende, bis zu zwanzig Prozent gehende Verbilligungen erzielt, so daß die Anstocndnngen nach tvenigen Jahren vollständig ainorti- . fiert sein werden. D'esc Anlage wird icdann lie '->'edernste Ai r ~-r-(ci in Oester reib darste!!'.'n.