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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-28 · Heft 1632 (28.8.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1632 (28.8.1923)
Date
1923-08-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wien, Menstag Wiener M^Mnzerküng. 28. August 1928 Seite 3 M eELrte: Ich HM den Mord endgvstanden, weil man mich nn GesanWgis gefoltert hat. Die Offiziere -drohten nur, daß ich gehenkt tverde, wenn ich die Tat nicht auf mich nehme. Ich wurde geschlagen und HM fürchterlich gelitten. Darum habe ich die Tat auf mich genommen, um vor dein Gerichtshof die volle Wahrheit zu sagen. Ich An vollständig unschuldig und HM mit dem des Obersten RWi nichts zu tun. Polen. Renregelnng des Schuldendienfter. Warschau, 27. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitimg") Das Finanzministerium, welches erst vor kurzem pfiizios melden ließ, der polnische SchüldeMenst gehe ipimMch vor sich, arbeitet, jetzt zusammen mit dem Außenministerium einen neuen Regulierungsplan für die polnischen Auslandsschulden aus. In Kurze sollen mit den interessierten Mächten Verhandlungen -Wer die Prolongation und Reduktion der Auslandsschulden und eine Neuregelung des Zahlungsplanes beginnen. Die schon halbvffiziell als bevorstehend bezeichnet« lUebernahme des Finanzportefeuilles durch den früheren FinanMrnister M i ch a l s k i stößt in letzter Minute aus Schwierigkeiten, da die Großgrundbesitzer in Posen, welche den Hau'ptstock der Wähler jener Parteigruppe bilden, der Michalski angehört, nicht zngeben wollen, daß ein Vertreter der Dubanowicz-Gruppe ein so wichtiges Portfeuille in der Regierung Witos übernehme,. gegen deren Agrarveformpläne diese Kreise heftigen Widerstand leisten. Es wird jetzt erwogen, daß Michalski ans seinen: Parteiklub austrete und als Parteiloser das Finanzministerium übernehme. Nach Ansicht mancher parlamentarischer Kreise dürfte es vielleicht doch dazu kommen, daß der jetzige Handelsminister Kucharsk: (Nationaldenwkrat) das Finanzportseuille übernimmt, obwohl dies, wie bereits gemeldet wurde, den Koalitionsbestimmungen zwischen den Nationaldemokraten und der Witos-Gruppe, die wieder ihren Finanzsachverständige11 Dr. Birko gern als Final^minister sehen würde, widerspricht. Jas amerikanische Zudentam und PMWa. Aufreizende antisemitische Plakate in Lodz. Aus Lodz meldet I. C. B.: In der ganzen Stadt wurden: Plakate mit aufreizenden judenhetzer is chen Karikaturen angebracht. Eine Karikatur z. B. stellt eine „Palästina-Spinne" dar, hie den polnischen Adler verschlingen will. Besitzwechsel beim „Kurjer Polski"? Aus War j ch a u schreibt man uns: „Dwa Grosze" will mit Bestimmtheit erjsahren haben, daß die bisher in konservativen Händen befindliche Tageszeitung „Kurjer Polski" (ihrem Eigentümerkonsortium gehörten Fürst Lubomirski, Graf Radziwill und andere an) von dem früheren Herausgeber des Tagblattes „Nasz iK u r j e r". Dr. Josef D a w i d s o h n, erworben wurde. Die konservative Gruppe will ein neues konservatives Tagblatt gründen. . _ Rumkimen. Antisemitische Studentenausschreitungen in Jassy. Zu dm bereits kurz gemeldeten Ausschreitungen in Jassy >rd uns aus Bukarest noch genreldet: Die für den 22. d. nach Jdssy emberusene ankismnitische Studen-tenLvnserenz wurde von der R e g >i e r n n g ausdrücklich Verb o t e n. Der Rektor der Jassher Universität erhielt noch in der Nacht auf von 22. d. die strikte telegraphische Weisung von der Regierung, die Konferenz aufs strengste zu untersagen und unter allen Umständen zu verhindern. Die aus allen Teilen des Landes in Jassy eingetrosfeneu studentischen Delegierten, die angeblich erst am 22. d., früh, vom Verbot Kenntnis erhielten, fanden denn auch die Tore der Universität verschlossen, worauf sie vor dem Haupte'mgang zur Universität eine Demonstration veranstalteten. Die ans den Tatort kommandierte Militärtvuppe vermochte nur mit Mühe die Ordnung herzustellen. Als das Militär abzog, Veranstalteten die Studenten unter freien: Himmel einen Gottesdienst zun: Andenken an b.ic lut Kriege gefallenen Sbudouleu. Hieraus verfnchten die Studenten abermals in die Universität einzudringen. Die inAvisch-cn erschic neue Polizei biesetzte sämtli ch e Z ugänge zur Unversilät -und hielt die Antstürmenden ab. Eine Anfsorderrurg der Polizeipräsokten, der. von einem Fenster der Universität eine Rede an die StlUdentenschas.t hielt, die Rn>he zu wahren und auKeinanderzugchen, blieb erfolglos. Die Polizei machte die größten Anstrengungen, mit der -Ausschreitungen Herr zu lwevdcn, aber die guter: Absichten des Polizeipräfekten, seiner Offiziere rrnd Mannschaften tourden von der: antiseuntischeil Studenten init tätlichen Insulten beantwortet. Da die Studenten schließlich ciusahcn, daß ihnen die Erstürmung der Universität nicht gelingen tverde, zogen sie tu geschlossenen Reihen durch die Stadt und verteilten aufreizende Flugschriften. Die Polizei hat noch im Lause des Vormittags die strengste Untersuchung eingeleitet, im Verlaufe welcher eine große Anzahl antisemitischer Agitatoren, unter ihnen auch der berüchtigte Aut-iisemitenfüihrer Codreann, einer der Hauptaustviogler, verhaftet lourde. Trotz aller Maßnahmen der Pvlizel wiederholten sich die AusfchreitnugM am - Abend. Geigen 9 Uhr abends veranstalteten die Delegierten der Stu- Idenleukonfereuz einen Denionstvat'ionsfackelzug durch die Stadt. Der Polizeip röchelt »rußte militärischen SuMurs erbitten. Polizei und Militär, tvelches mit vorgestrecktem Bajonett die Delnmnstranten aufzuhalten versuchte, wurde mit brennenden Fackeln beworfen. Einen! Teil der Demonstranten gelang es, innerhalb weniger Miunten durch Zertrümmerung der enfterfcheibeir und Plünderung einzelner Wohnungen Einer unserer Mitarbeiter hatte Gelegenheit, den zu kurzem Aufenthalt in Wien wellenden amerikanischen Zionistenführer Ab. Goldberg über seine Ansichten vom abgelaufenen Zionistenkongreß und über die Situation in Amerika zu interviewen. Herr Goldberg gab ihm die folgenden Erklärungen: Seit zwei Jahren kämpfen die Zionisten Amerikas für eine Reform des Budgets durch die Organisation. Bisher war unser Budget eine Fiktion, eine Redensart. Es beruhte auf der Annahme, die Juden würden so liebenswürdig sein, Geld herzugeben, und auf der unbewußten Ueberzeugnng, die Deckung sei schon vorhanden, wenn man nur einmal das Budget annehme. Blieb man mit dieser Annahme im Unrecht, so setzte nach zwei Jahren die Kritik gegen die Führer ein, weil sie das Budget nicht erfüllen. Daß diese Art des Budgetmachens überhaupt cmfkommen konnte, lvar hauptsächliche Schuld Ussischkins. Es ist uns nun gelungen, eine weitgehende Reduktion des Budgets mit Betonung der produktiven Ausgaben durchzusetzen. Dies bedeutet entschieden nicht, daß unsere Kraftanstreugungen verringert werden sollen, sondern nur die Milderung des Druckes, welchen die Notwendigkeit, das Etat zu decken, auf die Sammeltätigkeit ausübte. Wenn die Einnahmen größer sein werden als die vorsichtige Schätzung es Vorsicht, dm:n werden wir uns auf die Durchführung einzelner wichtiger Aufgaben konzentrieren können. Ich denke hier vornehmlich an eine großzügige Kolonisationsbank, für die Amerika sicherlich leicht zu haben wäre, wenn gewisse Vorbedingungen erfüllt sind. Um diese Vorbedingungen aber drehte sich eigentlich der ganze Kongreß. Man muß den Aktien der Kolonisation s i n st i t u t e in Amerika einen Markt schaffen. Heute kann man diese Papiere nicht flüssig machen, nicht verkaufen. Darum kaust sie niemand. Errichten wir aber in Amerika eine Bank — und das soll jetzt erfolgen —, welche die palästinensischen Papiere absetzt und jederzeit auch wieder einlöst, so gibt es in Amerika für die Kolonisation Geld in Ueberfluß. Dieser Plan ist durchführbar, an die Möglichkeit einer nationalen Anleihe hingegen glaube ich nicht. Vorbedingung aller derartigen Pläne in Amerika ist es aber, daß jenen, welche das Geld geben, ein Einfluß auf die Palästina-Arbeit zugesichert wird. Wir sind 25 Jahre lang Idealisten genannt worden. Stellen wir eine Direktion an die Spitze einer Bank, so macht das einen ganz anderen Eindruck, als wenn wir für ihre Leitung bekannte/Financiers gewinnen. Die Sache steht ganz anders als in Europa. Hier ist man einerseits überzeugt, kein einziger Nichtzionist werde für die Arbeit zu haben sein, andererseits zittert man, wenn man an die Möglichkeit des Ge- W. Goldberg über de« 3io«ifte«longreß. zu Opfern bereit ist, um es auszubauen, trotzdem aber behauptet, nicht zionistisch zu fein. Es ist das eine Inkonsequenz, aber die Menschen sind einmal inkonsequent und wir nehmen das Gegebene einfach hin, während man in Europa alles, was in die logische Formel nicht hineinpaßt, negiert. Kurz gesagt, die Heranziehung nichtzionisti' scher Kreise ist in Amerika unerläßlich, gefahrlos und möglich. Da aber bei der ganzen Frage Amerika das praktisch Ausschlaggebend ist, konnte der Karlsbader Kongreß nicht anders beschließen, als er beschlossen hat. Aus all dem ergibt sich auch die Begründung unserer Stellungnahme für die Person Dr. Weizmanns. Sein Einfluß in Amerika ist kolossal und geht weit über die zionistischen Kreise hinaus. Nach der Behebung der Mißverständnisse zwischen ihm und der Brandeis-Gruppe bildet feine Autorität, mithin seine Person, einen nationalen Wert. Das ist leicht erklärlich. Die große Masse liest die zionistische Presse nicht. Sie weiß daher nur von den hervorragendsten Erfolgen der Balfour-Deklaration, des Mandates, die mit dem Namen Weizmann verbunden sind. Für die Masse ist Weizmann der Zionist schlechthin. Seine Gegner-behaupten, es sei bloß ein Zufall, daß gerade unter WeizmoWh^eituvg diese Ereignisse sich ergeben haben. Ich glaube an keinen Zufall, der acht Jahre lang dauert. Aber gesetzt, es tväre nur ein Zufall, so hat dieser Zufall gerade Dr. Weizmann eine Kapazität verliehen, die ihn zu einen: nationalen Wert macht, mit dem wch als mit einer Realität rechnen müssen. Der Weltkrieg hat auch für das jüdische Volk eine brutale Hemmung des normalen Lebensprozesses bedeutet. Wir konnten keine neuen Führer erzeugen. Heute leiden wir an dem Mangel an Führern '° ebenso wie Deutsche und Franzosen. Wir haben den einzigen Weizmann, der vielleicht auch nicht der richtige Führer sein mag, aber dennoch durch die Wirkung seiner Persönlichkeit unschätzbar und unersetzbar für uns ist. Trotz der Atmosphäre, aus der er kommt, schenkt ihm ein tief-innerlicher, religiöser Glaube die jüdische Glut der Ueberzeugnng, die ihn mit den gläubigen Massen eins werden läßt. Bei der jüdischen Masse in Amerika ist er der repräsentative Vertreter des Glaubens an Erez Israel. Gerade das, was mai: am meisten an ihm kritisierte, daß er kein gestriegelter Diplomat ist und seine Launen hat, sieht man bei uns als etwas wesenhafl Jüdisches an. Man warf ihm auch vor, er habe N o r d a u, B r a n d e i s, U s s i s ch k i tt der Organisation entfremdet, aber man vergißt, daß er James Rothschild, Louis M a r s ch a l l, Colonel K i s h, Sir Alfred Mond und viele andere für uns gewonnen hat. Die Erweiterung der Jewish Agency ist bloß die Fortsetzung dieser genteiles denkt. In Amerika hingegen gibt es eine jüdische l Richtung und unter Weizmanns Leitung, muß diese Politik Masse, welche das nationale Heim anerkennt und f erfolgreich sein. Zionist. Bezirksorganisatlon Brigittenau Morgen Mittwoch den 29. August I. J., 7 Uhr abends, im Saale der Toynbee-Halle, XX., Denisgasse 33 Massenmeeting Bericht der Kongress delegierten. Herren L. Taubes, Dr. J. Waldmann und Geschäfte förmliche Verwüstungen anzurichten. Den verstauen Polizei- und Militärpatronillen gelang es erst spät nachts, die Straßen von den Demonstranten zu säubern und die R:che wiederherznstellen. Der Polizeipräfekt erstattete sofort einen eingehenden Bericht an die Regierung und stellte auf Grund der Ergebnisse seiner Erhebungen fest, daß auch diese auitsemitifchen Ausschreitungen auf die systematische Wühlarbeit des Prof. Cnza zurückzuführen ist. Me rumänischen AniverWWrofeKoren gegen die antisemitische Propaganda. Bukarest, 25. August. (I. C. B.) Der Verein der rumänischen Ilniversttätsprofessoren, der einen Kongreß in Jassy abhalten sollte, hat diesen Kongreß abgesagt, mit der Begründung, 'keine Gelegenheit für antife m itis che Agitation bieten zn wollen. Unterrichtsmini'ster AngHelsen hat diesen: Beschluß zugestimmt und erklärt, künftighin gegen antisemitische Zwischenfälle an de:: Universitäten energisch ednf ch r e i t e n zu wollen. ' - Emir Faisul Wer Lranrjordanieu. Jerusalem, 25. Mgust. (I. C. B.) Beim feierlichen Empfang, der dem König Faisul bei feinem BesuÜ^e :n Amman bereitet wurde, erklärte dieser, Transjordanien sei ein kleirres Land, das nicht von den übrigen arabischen Ländern losgelöst werden kann. Er sei sicher, daß die gegenwärtige L o s l ö s u n g nur von kurzer D a n e c sein werde. Sein Vater bemühe sich uiu die Erfüllung dieser Hoffnung und er selbst sowie der Emir Abdullah arbeiten für diesen Zweck. König Faisul erklärte, er sei bereit, aus seinen Thron zu verzichte n zugunsten de^' Volkes, das er mit seinen: Blute erlösen will. Konstituierende Versammlung von Trans, sordanien. Jerusalem, 25. August. (I. C. B.) Emir A b d n l l a > hat eine Kommission eingesetzt, die ein Wa hlg e se'tz für die k o n st i tu: e r e n d e Be r s a u: m lung Transjordaniens vorbereiten soll. Der Bericht des palWnenfische» AgrMlmr> detzartemeats. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Das Agrikulturdepartement der Palästina-Negierung hat soeben seinvn Bericht über die Lage der Landwirtschaft in Palästina, n. zw. für die Zeit von April 1920 bis März 1923, veröffentlicht. Der Bericht enthält unter anderem das Projekt Sir Wilkox über die Bewässerung der Jordan senke und Referate über die Lage der verschiedentlichen landwirtschaftlichen Zweige, den Wgld- und Baumbestand sowie die Mineralschätze Palästinas. Aussürliche Verzeichnisse über die Bodenverhältnisse, Viehstauv und Getreidebau, Meteorologie und dergleichen schließen sich all. , Roch ein Mitglied des Advisorv Wnneil znröckgetteten. Wie ein arabisches Blatt n:eldet, hat noch ein Mitglied des Advisorh Eouncil demissioniert. Es verbleiben nur mehr v:er Arabev im Council. Me Bahn Petach-Mwah-Faffa. Bekanntlich wurde im vorigen Jahre von der Regie» rung die Lokalbahnstrecke Petach-Tikwah— Jaffa nur unter der Bedingung gebaut, daß Petach- Tiklvah ein Bandarleher: .von, 20.000 Pfund zur Berfügung stellt und auch für die eventuellen Defizite der Bahn auslommt. Nunmehr, nachdem ein Iah/ seit der Aufnahme des Verkehrs auf dieser Lirne verflossen ist, hat sich ergeben, daß Petach-Diklvah nicht nur keine Defizite zu ersetzen hat, sondern daß auf seinen Teil sogar iSSiSRäuroynaiverltauf Im Waren¬ [Schiffmann II., Taborsiraüe 48 Telophon 47-1-70 E« gm En «taSaii

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