Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1632 (28.8.1923)
- Date
- 1923-08-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980713--15943-3002812- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
e*t« 9 Men, Dienstag Wiener Morgenrertung. Der Sumpf der Hakeukreuzler. Sffene Anffordenntg der Wiener RationalsoMtften znm Ausbau der Sturmabteilungen. — Re SrgMlfatiou der vaterländischen KamvsverbSnde Baverur. - Sine «eldauelle der NationalsoilMe«. In der letzttn Rümmer der „Deutschen Arbeiter-Presse" wird unter dem Titel „Kampf, nicht Wahl" ein offener Aufruf cm die Jugend Publiziert, in dem es unter anderem heißt: Sturmabteilung, nicht Stimmzettel soll fürder unsere Losung sein. Die in Salzburg gewählte neue, engere Leitung bürgt für eine konsequente und rücksichtslos e F o r t f ü h r u n g des K a m p f e §, der uns Nationalsozialisten auf keinen Fall erspart bleiben wird. Es ergeht daher an alle Parteigenossen und Organisationen nochmals die dringende Aufforderung, mit allen Kräften Kr die Aufbringung von Geldmitteln für den Ausbau der Sturmabteilungen und der Presse zu sorgen. Nach der durch verschiedene Umstände bedingten, vor Monaten eingerissenen Lauheit (?) muß wieder eine Zeit niemals mehr aussetzender, angestrengtester und unaufhörlich vorwärtsstrebender Arbeit anbrechen. Herbei daher mit jenen Mitteln, die wir für den sofortigen Ausbau des Vaterländischen Schutzbundes und für die endliche Schaffung einer Tageszeitung benötigen, und du, deutsche Jugend, mit aller Macht hinein in unsere Sturmabteilungen! » Diese Nationalsozialisten in Wien müssen sich wohl schon -er ganz besonderen Protektion der Regierung erfreuen, wenn sie so offen für ihre Sturmabteilungen werben dürfen, für Terrorformationen, -eren Tätigkeit, wie die Vergangenheit beweist, lediglich darin besteht, umstürzlerische AGeit zu leisten. Wir haben bereits mrdnf hingewiesen, daß die Nationalsozialisten durch ihren Zalzburgcr Beschluß, Wahlenthaltung zu üben, sich als Putschistenpartei Kcklariert haben; ihr jetziger Aufruf zum Ausbau der Sturm rbteilungen beweist dies am besten. In Bayern haben sich bekanntlich alle Terrorformatio-!len zu einem einheitlich geleiteten „Vaterländischen. Verband" zusammengeschlosien, über besten Organisation folgendes Rundschreiben des Münchner O b c r k o m m (nt dos »er Nationalsozialisten an die Bezirksführcr genaue Auskunft sibt. Dieser Rundschreiben lautet: An alle S. A. (Sturmabteilungen) Bezirksführer! Mehrfache Schreiben der letzten Zeit zeigen, daß im Lande kmmer noch nicht die erforderliche Klarheit darüber besteht, inwieweit die einzelnen BerLäude zusamntenarbeiten. Es sei deshcklb in nachstehendem nochmals zusammeivfastond kur,; das Verhältnis dargelegt: 1. Vaterländische Kampfverbände Bayerns. Die im engeren Zusammenhang arbeitenden Verbände, die sich als Kantpfverbände Bayerns zwsammengsschlosset: haben, sind: S. A. der N. Z. A. P. ' Reichsflagge (Sitz Nürnberg). Bund Oberland Unterland Sitz Ingolstadt), hievon bilden das O.-Kdo. der S. A. der N. S. D. A. P. die Reichsflagge Obevbayerns, Die Leitung des Bundes Oberland zusammen den Ring München der vaterländischen Kampsvevbände Bayerns. Es ist selbstverständlich, daß innerhalb dieser genannten Verbände jede Werbetätigkept gegeneinander ans jeden Fall ,;u unterbleiben hat. Außerdem verpflichten sich die Verbände untereinander, jeden wegen Disziplinwidrigkeit oder gar unehrenhafter Handlung ans seinem Verband hercrusgeworfenen Mann oder Führer nicht bei sich aufzunchmen. Wir ersuchen nochmals, mit den örtlichen Leitungen genannter Verbände Verbindungen anzubahnen und örtliche Schutz- und Trutzbündnisse zn schließen. , 2. Die Bereinigten Vaterländischen Münchens (V. V. M.). nur in München selbst vertreten, stehen in losem Verhältnis zu uns. Die V. V. M. ist zurzeit in der Umbildung begriffen und wird nach Vollendung wohl ein gutes Sturmbataillon ergeben, das dmtn den Kampfverbänden bertritt. 3. Das Zeitfreiwilligenkorps München-(jetzt Hernrannsbund) stehl ebeitfail-z in Tojem Verhältnis zu uns, jedoch vertritt es in allen Fragen der Ausbildung usw. den gleichen Standpunkt wie wir, und es ist -damit zu rechnen, daß es unserem Verbände gelegentlich beilritt. 4. Wickingbund. Behauptet dort sich, der militärische Niederschlag der N. Z. D. A. P. zu sein, das stimmt nicht. Der Wickingbund ist eine besondere, in keinem Zusammenhang mit der S. A. der N. Z. D. A. P. stehende Organisation, die allerdings bislang in einem besonderen Berhättniskartell zur S. A. gestanden hat. In letzter Zeit hat jedoch der Wickingbund, ohne auch nur in, geringsten eine Lösung des Kartellverhättnisses aitzukündigen, zum Kampf mit allen Mitteln gegen die Partei sowie gegen die S. A. ausgerusen. Wir bedauern das um so;mehr, da wir immer den Standpunkt vertreten haben, daß der Wickingbund eigentlich in unsere Reihen gehörte, und es wäre dem Bunde ein leichtes gewesen, dieses zu. erreichen, es bedurfte nur der EntLevmmg von ^vei in der Leitung sitzenden > Personen. Solange dies jedoch nicht geschah, konnte die Ober« leitung der vaterländischen Kampsvevbände daS Gesuch deS Wickingbundes nicht in bejahendem Sinn entscheiden, um so weniger, als die Leitung des Wickingbundes int Fuchs-Mach- Haus-Prozeß doch eine äußerst fragwürdige Rolle gespielt hatte. Wir stchen heule Noch auf dem Standpunkt, daß kein Grund?nm Kampfe gegen diesen Verband vorliegt, und gehen daher die Richtlinien heraus: Trennung unserer S. A.-Mitglieder von denen des Wickingbundes und Vermeidung des Katnipfes so lange, solange es sich mit der Ehre der S. A. und unseres Führers und Gründers, Herrn Adolf Hitler, verträgt. Werden jedoch auch im Lande Wege von seilet: deS glieder von denen des Wickingbundes und Vermeidung des dann ziehen Sie den Trennungsstrich, und wenn nötig, kämpfen Sie mit allen Mitteln gegen die Intriganten-dieses Bundes. Es ist selbstverständlich, daß di-eMigen Stellen, die mit den«, in Bayern nur schwach vertretenen Wickingbund in ' irgendeiner Form in Berührung kommen, uns sofort zu benachrichtigen haben. 5. Bund Blücher >isl ein ve-rtvorrcnes Unternehmen, das von großer Bedeutung wohl nicht sein dürfte. Der Bund ist mit den« Bund Micking eng verschwägert. 6. Bund Bayern und Reich. Das Oberkommando der S. A. sowohl wie die Oberleitung der vaterländischen Kampfverbände hat mit der Leitung des Bundes Bayern und Reich nichts zu tun. Bayern n n d Reich ist eine Organisation der Bayrischen Bolkspariei. Der Bund wird nur nach den Weisungen der Herren Held und Konsorten arbeiten, und da ist es nicht ausgeschlossen, daß sich der Bund mit der ' S. A. des Herrn Auer ebenso bei Gelegenheit verschwägert, wie dies die Bayrische Voll sparte i mit den Sozis tut, wenn es die Parterbelange im Parlament erfordern. Es ist nur bedauerlich, daß eine stattliche Anzahl völkisch gesinnter Leute in absoluter Verkennung der Daksachen in jenen Reihen steht. Da wir in letzter Zeit jedoch von zahlreichen Stellen hören, daß die Führnng der örtlichen Gruppen von Bayern ttnd Reich nli: ihrer Leitung nicht einverstanden ist, beabsichtigt der Leiter, -Herr Samtätsrat Dr. Pittinger, und entweder Herr Held oder Herr v. Kahr, im Juli und August hevum- . zureiscn, um AnftlärnngSredeik'^u halten. Wir wissen schon heute, daß man allechand buntes Zeug über die Kampsverbände trnd besonders über uns erzählet: wird, das wird uns nicht stören. Sicherheitshalber geben wir in den nächsten Tagen noch eine kurze Erklärung zu unserem Verhalten am i. Mai heraus, die alle ersehet: lassen wird, mit welcher . Gleichgültigkeit die angebliche Kampsorganisation Bayern und Reich die Machenschaften der Roten hittnahm. Im Bund Bayern und Reich zu werben, bestehen keine Be« detrken, denn a k bi v i st i s ch und völkisch gesinnte großdcntsche Männer gehören dort nicht hin. Wo es geht, kann im Einvernehmen mir der örtlichen Leitung in den S. A.-Angelegenheiten zusantutengearbeitel werden, jedoch ist der Charakter der S. A. absolut jtt wahreti, :vo dies nicht möglich ist, muß mit allen Mitteln zersetzend aus diesen Bund gewirkt werden. So tveit eitte generelle Stellungnahme zu dett einzelnen Organisationen. Wir ersuchen zun: 20. August um futjc Meldung : 1. Wie ist das Zusantmenarbeiten mit den Gruppen der int Kampsverband ztrsammengeschlojs-etten Organisationen? 2. Wie ist die Stellung zu: a) Wickingbund, 6) Blücher - - bund, c) Bayern und Reich? Z. Gibt es irgend welche attdere und angeblich vaterländische Organisationen in thront Bezirk? a) Wie heißen si«? b) Wer ist der Führer? c) Wo hat die Leitung ihren Sitz? d) Kann etwas über die politische Richtung angegeben zverden? Welcher Partei steht die Organisation nahe? Ist sie aroßdeutsch und völkisch? Das- Oberkommando der S. A. Der Chef des Stabes: G bring. Auch eine Geldquelle. Daß die Nalionalsozialisten von der Industrie fortgesetzt Geldbeträge schatten, geht auch aus einer unvcr. blünrten Textnotiz hervor, die sich in Nr. 168 des „Völkischen Beobachters" findet. Unter der,UÜberschrift: „Bezug preiswerter Lebensmittel," heißt cs: „Wir machet: unsere Parteigenossen, Freunde und Leser des „Völkischen Beobachters" aus das ttt der he-utigen Nummer enthaltene Jttserat der Deutschen W ir tschastsgemeinscha-st, G. m. b. H. in Hamburg 5, airfinerksant. Die Firma ist als rein . deutsches Unteruehnren durch günstiget: -Einstaus in der Lage, pretslvevt zu liefern. Noch dazu unlcrstützett alle diejenigen, die bei dieser Firma einkaufctt, indirekt unfcrc Bewegtntg, da .die genannte Firma von dem Umsatz, den das Inserat bringt, für nuferen Kampfs onds e i n c Ent schädi gu tt g b e ist ttte rt. Bei Bestellungen ist also twtwetidig, daraus hinzttwoisen, daß die Bestellung durch das Jttserat in: ,/V. B." veranlaßt ist." Merktivürdigerwerse war das Inserat in der betreffenden Nummer deS Hakenkrcnzl'^organs nicht zu finden. SS. August 1923 '?!t. 1638 Sefterreich. “ Sie Wichlbetvegung. Obwohl bis zum LI. Oktober, dont Wahltag, tmr mey» knappe neun Wochen zur Verfügung stehen, ist lvvnigstens äußerlich von einer Wahlbewcgung noch tvetrig zu merken. Dir großett Parteien scheinen die stillschweigende Bereinbamng getroffen zu haben, die Wahlkampagne möglichst hinaus-uschieben und auf etwa vier knappe Wochen zu beschränken. Ht:t die Monatsmitte sollte der Natioitalrat nochmals zusanrnrentreten, tun dett Bericht des Ausschusses für soziale Verwaltung über die AlterSttnd Jttvali« ditätsverstchertlttg ztr beraten. Die Mehrheitsparteien zeigcnjedoch wenig Geneigtheit, in einer Herbstsession den Sozialdemoikraten Gelegenheit zu geben, ihr Agitationsmateria' von der Nationalratstribüne ans in die Massen zu schleudern, Ter zur Beratung der Altersn tt b Jnvaliditäts- Versicherung eingesetzte Unterausschuß hätte morgen zttsammentretcn sollet:, damit die Rcgieruttg zu den vom Referenten Dr. R e s ch gestellten Anträgen Stellung nchtnen könne. Die Rcgieruttg will nun ans dieses heikle Thema ttichr näher eingcheit und hat bereits gestert: in einer ittspirierteit Ausschickung beilänfigc Zahlen angegeben, welche d: r schwere Belasttlng des Handels, der Industrie und des Gewerbes dartun sollet:, falls die Sozialversichcruttg Gesetz würde. Mit der Begründtlng, daß die Vorschläge oes Unterausschusses einen Ministerratsbeschluß erfordern, der noch aussteht, wurde auch die Sitzung des Unterausschusses abgesagt. Der Nationalrat dürste sie erst um den 20. Zpt ptember zu einer kurzen Tagittng versammeln, zu der bielleicht die Genfer Völkerbundtagung konkretes V.erhandlttngsmaterial liefert: wird, da dort die E t: t s ch e idung über das Südbahnabkommen fällt und Der Nationalrat den Südbahnpakt zu ratifizieren hat. Das Abkommen zwischen Christlichsozialen und Sozialdemokraten betreffend e i i: c fai r e- Durchführt: ng der Wahlkampagne gilt weder für die mit den Chriftlichsozialen verbündete monarchistische Gruppe ttoch für die Wolff-Partei, welch letztere bereits in den nächsten Tagen mit ihrer Versammlungstätigkeit beginnen will und Mitteilen läßt, daß sie für den Versammluttgsschutz selbst sorgen wird. Bei den diesmaligett Wahlen werden die bürgerlichen tschechischen Parteien und die tschechischen Natiotral« sozialisten gemeinsame Kandidaten aufftellen, während die tschechischen Sozialdemokra-tem beschlossen haben sowohl für den Nationalrat als für den Gemeinderat bin der Aufstellung eigener Kandidaten abzüsehen und für die Listen der deutschen sozialdemokratischen Partei zu stimmen. Nationalrat Ottokar C z e r n i tt, dessen Mandat trotz der vielen Liebesdietrste, die er dett Christlichsozialen erwiesen hat, bei dem großen Mandatsabbau sehr unsicher gewordet ist, bemüht sich, auch die bürgerliche Arbeitspartck zu eitte: gemeinsamen Wahlbewerbung mit den Christlich sozialen zu veranlassen. Er hat an sei»- Wahlkomitee einen Brief gerichtet, wovin ec mitteilt, daß c t n n r dann kandidieren werde, w e n n e i tt c g enie infame Liste mit den Ch r i st li ch s oz i a l e: zustande kommt. Mreise Ir. zimmermaus nach Senf. Der Gcneralkomtnisiär des Völkerbundes Dr. Z i m tu c t m a tt begibt sich Dienstag abends gelegentlich der Tagung des Völkerbundes nach Genf. Sin Heeresintendamches Ar dar Bandesheer. Mit 1. September Wird für das Bundesheer ein Heeresintendanzchef syftomilsiert. Dieser ist ein den Hceresnriniste.r direkt wn-tersteihendes Hiffsorgan und ihm . unterstehen sämtliche Wirtschaiftsorgane. Ihm obliegt di» Oberl-eitun'g und A-ciberiwachnng des gesamten Wirischeftsidienstes und der Wirtschaftskoutrollc des Bundesheeres. Ungarn. Ungarn« Vertretung auf der Völterbund» tagung. Budapest, 27. August. (U. T. K.'B.) Die ungarische Regierung hat den Minister a. D. Albert v. Berzeviczy und den Feldmarschalleutnant Gabriel v. Tanczo§ mit ihrer Vertretung bei der am 3. September in Genf stattsindenden Tagung des Völkerbundes betraut. TSuschungrmanSver? Ans Budapest wird gemeldet: Wie in politische?. Kreisen verlautet, beabsichtigt die' Regiarung ein energisches Vorgehen gegen die Geheimbünde, die aufgelöst werde: sollen. Die Negierung soll auch entschlossen sein, den Verein der „Erwachenden Magyaren" aufzulösen. — Solch«- Meldungen tauchen immer auf, so oft es gilt, im Auslande ftit Ungarn Stimmung zu machen! Ungarffche gnftiz. Budapest, 38. August. Vor 'beut Divisionsgericht begann heute die Verhandlung gegen den Jnfattteristen Josef Bodo, der 'des Verbrechens des Mordes bezichtigt wird. AnläßLrch eines Manövers wurde Oberst RiM, ein Offizier, der wegen seiner Brutalität unter der Mannschaft äußerst verhaßt war, von einer scharfen Kugel getroffen; der Oberst blieb aus der Stelle tot. Die Untersuchung führte zur Verhaftung des Infanteristen Bodo, der sich seinerzeit über den Obersten beschwerte. Bei der heutigen VechandlMg stellte er die AuÄägeth .die er vor dem UntevfttchtmgSvichter getan hatt^ in Ältzskie