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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-28 · Heft 1632 (28.8.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1632 (28.8.1923)
Date
1923-08-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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lener Taxt»*c)io •SMVMkMi tschech. K 1.20 Italien: Monatl. 10 IJre« Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon.75 Lewa, Schweiz nnd das übrige Ausland, monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1 **>3 Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab6Uhrabds.l9-483,25-282 TeL-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Wien. Dienstag. 28. August 1828 5. Jahrgang Ruhrproblems. m LlarsIimwmerstMst Wien: 2urn Abholen in der Expedition, II.,Taborstr.lr3, oder ineinerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tscheche-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk.70.000.Deutschland: Mon. Mk. 500.000. F r a n k r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 MF* Nachzahlungen INI hei Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1632 ______ ———————— n BW Jüdische Kooperation. 5. Wien, 28. August- Der 13. Ziomstenkongveß, welcher vor wenigen Tagen seine Beratungen geschlossen Hstt, hat durch seine aufgeregte Bewegtheit und durch den zähen Kampf, der auf ihm geführt wurde, manchen seiner Vorgänger den Schatten gestellt, obgleich man es gewohnt ist, daß das impulsive und nervöse jüdische Temperament, die zionistische Ungeduld, welche am liebsten alle Widerstände überrennen möchte, um den Aufbau des jüdischen Landes auf rascheste Weise und auf breitester Basis fortzusetzen, auf dem Kongreß zu vollem Ausdruck gelangt. Der zähe Kampf, welcher tagelang in Karlsbad gekämpft wurde, mag von mancher Persönlichen Empfindung durchsetzt gewesen sein, wie es im allgemeinen unausbleiblich ist, daß in Massenbewegungen, die ja von Menschen getragen werden, sich Sachliches mit Persönlichem mengt. Aber der Gegensatz, der dort zur Austragung kam, ging um ein deutlich sichtbares Prinzip: Die Opposition, welche erst durch die Schaffung einer Kompromitzsormel gebrochen werden konnte, ließ sich von der Besorgnis leiten, daß durch die Heranziehung von Nichtzionisten in die den: jüdischen Volk durch das englische Palästina-Mandat zugestandene Interessenvertretung, die Jewifh Agency, der nationale Charakter des jüdischen Aufbauwerkes in Palästtna Schaden leiden kömtte, und obgleich von keiner Seite im Zionismus bestritten wirb, daß dieser nationale Charakter unter allen Umständen gewahrt werden müsse, hielt die Oppositton die ihr gebotenen Sicherungen nicht für genügend. Aber während die Anschauungen bezüglich der Art der Heranziehung von Nichtzionisten zum Aufbau Palästinas geteilt sind, herrscht im zionistischen Lager volle Einmütigkeit darüber, daß es eine der wrchttgstewAufgaben der jüdischen Regenerationsbewegung ist, den Palästina-Gedanken in der allerbreitesten jüdischen Front aufzurollen, das heißt, es gilt alle noch jüdisch empfindenden Schichten im Judentum für die zentrale Aufgabe zu gewinnen, dem Mischen Volke sein Heimland wieder zu schaffen. Das Programm „Palästtna" muß stark genug sein, um über alle sonstigen Differenzen hinweg eine gemeinsame jüdische Zusammenarbeit zu ermöglichen, was auch sonst der einzelne von einem künftigen jüdischen Palästtna erwarten mag. Diese jüdische Zusammenarbeit hat bereits vor geraumer Zeit auf einem anderen als dem politischen Gebiete eingesetzt, nämlich auf dein des großen Wiederaufbaufonds für Palästtna. Es gibt bereits in verschiedenen Ländern eine Reihe von führenden jüdischen Persönlichkeiten, die, ohne das zionistische Gesamtprogramm zu akzeptieren, sich bereitwilligst in den Dienst der Werbund für diesen Fonds gestellt halben und denen das ungeteilte Recht der Mitbestimmung über dessen Verwendung zuerkannt werden muß und wird. Aber das bisher auf diesem Gebiete Geleistete stellt bloß einen Anfang dar und es wird sich darum handeln, auf dem begonnenen Wege allenthalben weiterzuschreiten - und den Palästina-Gedanken in der Tat zum alljüdischen Zentralpunkt zu machen. ' Dies ist nicht darum notwendig, weil der Zionismus daran denkt, sein klares Programm irgendwie zu verwässern und neuen Anhang durch einen Verzicht auf Prinzipien zu gewinnen, sondern vielntehr darum, weil es sich hier um die Realisierung einer zentralen Idee handelt, welche um ihrer selbst willen in den Blickpunkt aller jüdischen Richtungen gestellt werden muß. . Es wird nunmehr die Aufgabe aller ziouisttschen ^andesorganisationen sein, systematischer als bisher und mit unverdrossenem Eifer den Palästina-Gedanken in die jiidischen Massen zu tragen und die außerhalb des Zionismus stehenden jüdischen Organisationen zu einer klaren Stellungnahme zu veranlassen. Der Kongreß hat das Programm des jüdischen Palästina-Weltkongresses, welches von verschiedenen Seiten mit offener Skepsis behandelt wurde, wieder zu Ehren gebracht und für dessen Realisierung der neuen Exekutive einen bestimmten Termin vorgezeichnet.' Es mag fraglich sein, ob es gelingen wird, diese Frist einzuhalten, aber dieser Weltkongreß kamt nur Zustandekommen, Ivenn er — wir haben es vor Jahr und Tag hier ausgesprochen — organisch von unten nach oben aufgebaut wird, und nicht durch Vorbereitungen allein, diem London erfolgen. Vielleicht daß auch der Gedanke der 'Palästina- Landeskongresse, welcher in Karlsbad wieder berührt wurde und der, zumindest für gewisse Länder, sicherlich MMches für sich hat. in Zukunft Mebr Beachtung .WM Berlin, 27. August. (Tel.-Komp.) Die Abendblätter besprechen eingehend die beiden Sonntagsreden Poincares und kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, daß dadurch in der Erörterung des Ruhr- und Reparations- Problems kein Fortschritt geschehen ist. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" und die „Germania" sprechen direkt von einem Rückschritt. Das letztere Blatt nreint, die deutsche Antwort auf die Forderung „Bezahlt oder wir bleiben" iväre „Geht und wir bezahlen". Nach dem „Vorwärts" greisen die letzteren Ausführungen des französischen Ministerpräsidenten aus die Methode der unfruchtbaren Polemik zurück und zeigen kein Entgegenkommen an die deutschen Vorschläge, die Spezialpfänder im Grenzgebiet durch Generälpfändcr an der ganzen deutschen Wirtschaft zu ersetzen. Theodor Wolfs bespricht im Anschluß an die Reden Poincares im ,^Berliner Tageblatt" auch die Frage des Eintrittes Deutschlands in den Völkerbund und meint: „Der Völkerbund ist eine gesittete Versammlung, eine Vereinigung wohlerzogener Klubleute, die scharfe Konflikte vermeiden und neue Mitglieder ungern aufnchmen, wenn ein altes Ehrenmitglied widerspricht. Wir wollen die Gesellschaft nicht stören und nirgends Verlegenheit bereiten und sie ihrer Ruhe nicht beraMn." Englische Hoffnungen. ' Berlin, 37. August. (Tel.-Komp.), Das „8 Uhr-Blatts meldet aus Paris: Der LpndSlter Korrespondent des ,^stellt Journal" behauptet, die gestrigen Sonntagsreden Poincares haben in London einen guten Eindruck gemacht. Es sei überhaupt festzustellen, daß in maßgebenden englischen Kreisen wieder der Optimismus die Oberhand gewinnt, zumal auch die letzten Reden des Reichskanzlers Stresemann im Reichstag in London sehr günstig beurteilt wurden. Gute Aufnahme von Stresemanur Rede in Brüssel. London, 27. August. (Wolfs.) Der Brüsseler Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet, die Rede Doktor Stresemanns habe in belgischen Kreisen einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Der Berichterstatter der „Times" schreibt, in Brüssel werde erklärt, die Rede des Reichskanzlers trage das Zeichen guten Willens und es werde anerkanitt, daß di>e neue deutsche Regierung sich irr einer kritischen Lage befinde, aber trotzdem den guten Willen, zu handeln, habe. Dr. Stresemann habe vom passiven Widerstand nicht gesprochen und damit Takt und Klugheit gezeigt, was begrüßt werden müsse. München, 27. August. (Wolfs.) Reichskanzler Dr. Strcstmaim gewährte Samstag dom Hauptschriftleiter der,/Münchner Neuesten Nachrichten" eine' Unterredung, worin er die gegenwärtige Koalition als die stärkste Zusammenfassung parlamentarischer Kräfte bezeichnete, die das neue Deutschland bisher gehabt halbe. Eine Reihe von Fragen sei nur auf denr Wege sogenannter d t ktator i >s ch e r M a ß n a h m e u z u löse n. Derartige Maßnahmen wären bei einer MinderhMsregierung außerordentlich schwierig, wenn nicht unmöglich. Zum Schlüsse der Unterredung kam der Reichskanzler auf die Wirtschaftspolitik zu sprechen und äußerte sich dahin, daß die Finanz- und. Wirtschaftspolitik des Reiches von >der Reichsbmrk unterstützt und getragen werden müsse. Von diesem Gesichtspunkte ans werde auch die in der Presse gegenwärtig vielfach erörterte Personen,frage bei 'der Reichsbanlk gelöst werden. Frankreich verhandelt nicht mit Ainnes. Paris, 27. August. (Havas.) Mit Bezug auf gewisse aus deutscher und englischer Quelle stammende Meldungen erklärt; der „TempL", die französische Regievnng . verhandle weder mit Stinnes senior noch mit Stinnes junior. Falls von deutscher , Seite, bereits irgendeine Demarche erfolgt sei, so sei dies nicht in Paris geschehen/Frankreich sci noch immer entschlossen, alles abznlehneu, was nicht offizielle, und vollständig korrekte Verhandlungen darstellen würde. wird als bisher. Aber all das ist nicht die Hauptsache. Worauf es ankommt, ist, daß die Propaganda für Palästina mit vollem Schwung ausgenommen werde. , Me hesie unfc sichersitz Palästtna-Poliük wird schließ- Die belgische Antwort. London, 27. August. (Wolfs.) Die belgische Ante wprt auf die letzte englische Reparationsnote ist dem britischen Botschafter in Brüssel heute überreicht worden und wird mittels Sonderkuriers aberrds in London erwartet. Wahrscheinlich werden Abschriften der Note Baldwin und Lord Curzon zugesendet werden. Nach Blättermeldungeil wird mit Sicherheit bannt gerechnet, daß die belgische Note Vorschläge enthalte, die als Grundlage zur UeberbrücklMg der zwischen England und Frankreich bestehenden Kluft dienen könnten. Wie der „Star" meldet, beschäftigt sich der größte Teil der belgischen Note mit der Frage der deutschen Garantien und mit der Fortsetzung der Konferenzen zur Erzielung einer Lösung. Neuerliche krhöhaag der deutsche« Kohle«» preise. Berlin, 27. August. (Tel. der „Wiener Morgenzertung".) Heilte werden die Kohlenpreise abermals erhöht. Der Preis für eine Tonne Ruhrkohle soll nunmehr auf 70 Millionen Mark zu stehen kommen, was ungefähr dem Vierfachen des Preises aus der Vorkriegszeit gleichkommt. Die Koksausbeute im Ruhrgebket. Paris, 27. August. (Tel.-Komp.) Die Zeitschrift „L'Ufitte" will ans guter Quelle wissen, «daß die Koksvor- * röte an der Ruhr noch bis Ende dieses Jahves eine monatliche Lieferung von 150.009 Tonnen gestatten würden. Es dürfte aber auf diese Zahl nicht mit absoluter Sicherheit gerechnet werden. Die Zeitschrift teilt ferner mit, daß von der zweiten Hälfte Dezember an, außer denr Koksofen „Rhein-Elbe" der direkte Betrieb einer Reihe weiterer Koksöfen übernommen wird. Es nmsse aber davor ge. warnt werden, zu große Hoffnungen auf diese direkte Aus- 'beute zu setzen. Die zulaffung der auriiiudische« Kapitals nach Rußland. Moskau. 27. August. (Wolfs.) Der Rat der Volkskorrk missäre hat ein Statut über die Gründung des Hauptkonzessionskomitecs beim Rate der Volkskommissäre zur Entscheidung in Fragen der Zulassung ausländischen Kapitals zur Industrie uird zunr Handel Rußlands angenommen. In allen zum Sowjetbunde gehörigen Republiken werden entsprechende Unterkommissionen gebildet, die auf Grund der Direktiven deS Hauptkomiiees arbeiten. Ohne Genehmigung des Hauptkomitees können keine Unterhandlungen über Konzessionserteilungen geführt werden. Das Hauptkomitee ist berechtigt, bei den Handelsvertretungen des Sowjetbundes im Auslande entsprechende Unterkomitees einzurichten. Das Statut ist dem Zentraler^ kutivkomitee zur Bestätigung übergeben worden. Eine Gedenkfeier der Farzimur. Rom, 27. August. (Tel. der ,Mr. Morgenzeitung".^ Die Faszistenzentrale hat angeordnet, daß am 3-0. Oktober, dem .Jahrestag des Marsches der Schiwarzhemden «nach Rom, 5 0 0 F l u g z e u g e über der Hauptftaat siegen sollen, um der Befreiung Italiens zu gedenken und gleichzeitig für den Ausban der italienischen Luftflotte zu demonstrieren. Die Wahlen iu Frland. '' Dublin, 27. August. (Tel.-Komp.) Heute morgens ginnen in Irland die Wahlen zu dem D ai l E i re an. Wegen des komplizierten Wahlsystems werden die Ergebnisse der Wahlen erst nach einigen Tagen. bekanntgegeben werden. Präsident Cosgrave wird nächsten Mittwoch nach' Genf abreifen, nur an der Tagung des Völkerbundes teilzunchmen. Der «eue japanische Premier. Tokio, 27. August. (Reuter.) Das Kabinett hat infolge , des Ablebens des Premiers K a t ö demissioniert. Der bisherige Außtznmiuister F o h i ist zum Mini ft e r p r ä-> f i d e n t e n ernannt worden. lich die sein, die jüdischen Realitäten tim Lande zu sichern und stetig zu erweitern: das sei die Mahnung des 18. Zioniftenkongresses tut die ZMttstische GesamttzeiE'

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