Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1631 (27.8.1923)
- Date
- 1923-08-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Veite 8 Men, Montag Äatifiziermig de» Lausanner Vertrages durch Griechenland. London, 27. August. (Tel. der ,IZr. Morgenzeitung".) Der Korrespondent der „Times" meldet aus 2lthc n, daß der Mnrsterrat die Ratifizierung des Lausanner Vertrages beschlossen habe. Dev Außenminister Alexandris wurde, beauftragt, den Vertrag im Verordnungsblatt zu veröffentlichen, doch kann dies wegen der noch nicht vollständigen Uebcrsetzung ins Gvie-. chische vorläufig nicht erfolgen. Trotz der Ratifizierung bleibt der Ausnahmezustand sowie die Zensur weites in Kraft. _ Sie Romverhandlmigen Sr. Benesch'. Prag, 26. 2lugust. Das Programm der R o m r e i s e Tr. Benesch' uuffaßt hauptsächlich die Anbahnung eines italienisch - t s ch e ch o -- s l o w a k i s ch e n §> a n d c l s ü b e r e i n k o nr m e n s nach Muster des italienisch-österreichischen Vertrages. Zn den Besprechungen über den .Handelsvertrag gehört auch die Frage besonderer Kompensationen, die von der Tschecho-Slowalei im Hafen von Triest dafiir gefordert werden, daß sie den: italienischen Wunsch entgegenkommt und ihren Export statt über die Donau über diesen Hafen leitet. Weiter verlautet, daß Dr. Benesch im politischen Teil der Beratungen mit Mussolini über das ungarische Problenl verhandeln wird. Tie Mchricht von einer im Einschluß an'die Romreffe stattfindenden Zusammenkunft'Tr. Be nesch-BeIhlen in Genf wird an Prager maßgebenden Stellen bestätigt. Tagesbericht. Beendigung der politischen Ferien. Der erste Ministerrat nach der Rückkehr des Bundeskanzlers Dr. Seipel und der Minister, die bisher auf Urlaub geweilt haben, findet morgen Dienstag statt. Ter Minifterrat wird sich mit lausenden Angelegelcheiten beschäftigen. Seine Ergebnisse werden für das weitere Arbeitskalendarium maßgebend fein. Sie Negierung gegen die kinführung der Alters- und Znvalidenverficherung? Im Unterausschuß für soziale Verwaltung haben dre ScsziaGemokraten einen Antrag auf eheste Durchführung der Alters- und Invalidenversicherung für Arbeiter gestellt und der Regierung einen Termin bis Mittwoch gegeben, damit sie eine diesbezügliche Vorlage ausarberte und die Richtlinien für diese Versicherung festlegt. Wie nun verlautet, fft die Regierung wegen der enormen Belastung, die aus dieser sozialpolitischen Maßnahme für den Staat und die Volkswirtschaft erwächst, gegen die Einführung der Versicherung. Diese Belastung würde demnach jährlich 400 Milliarden für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft betragen. _ Gasarbeiterstreik in Paris. Paris, 26. August. Wie mehrere Morgenblätter melden, Hai die Zahl der ausständigen Gasarbeiter zugenommen. Man befürchtet, daß sich der Streik auch auf die Elektrizitätsarbeiter ausdchnen werde. Nach der „Humanite" sind alle Gasanstalten militärisch besetzt worden. Großer Brand in Bndapest. Budapest, 27. 'August. (Tel. der „Wr. Movgenzeitung".) Heute nachts ist in der Lederfabrik M a ch I u p ein großer Bran'd ausgebrochen, dex bis in die frühen Morgenstunden wütete. Die gesamte Feuerwehr Budapests mußte sich an den Löscharbeiten beteiligen, und es ist ihr erst nach stundenlangen Bemühuugen gelungen, den Feuerherd einzudämmen. Der Schade beträgt nach vorläufigen Schätzungen 5 00 Millionen ungarif ch e Kronen. Bier Millionen Pfand in Gold vom Meeresgrund gehoben. Tie englische Admiralität gibt bekannt, daß es ihr gemrtci:n ist. bi er M illioneu Pfund un gemünzte 8 Gold, das sich an Bord des im Jahre 1917 von deutschen Unte-jeebooten versenkten Dampfers „Lautentic" befand, zu heben. Die Admiralität hofft, eine weitere Million Pfund in Gold, die sich troch am Meeresgründe befindet, ebenfalls heben zu können. Straßenbahmmfiille. Gestern abends wurde am Kärntnerring die Hausgehilfin Marie Nakac beim Uebersetzen der Straße von erneut Vorbeifahrendelt Straßenbahnzug der Linie „B" erfaßt und geriet unter die Schutzvorrichtung. Sie erlitt mehrfache Verletzungen. Sie dürfte an dem Unfälle se l b st schuldtragend sein. Gestern abends wollte die 68jährige Private Lene L o e w b e r g bei der Wollzeile von einem fahrenden Straßenbahnzug aöspringen und kam dabei so ungslücklich zu Fall, daß sie eine Gehirnerschütterung und mehrfache Verletzungen im Gesicht erlitt. _ Wiener Morgenzeitung. Gestern nachmittags wollte in Eßlingen die 26jähvtge Schloffergehilfensgattin Ntarie Haseuzagl auf einen fahrenden Straßenbahnzng aufspringen, kam dabei zu Fall uuV geriet mit dem linken Fuß unter die Räder des Zuges. Sie erlitt eine Zermalmung des Unterschenkels. Verhängnisvolle Kochkunst. Gestern war die 42jähvige Wäscherin Rosa Muzika nrrt der Zubereitung eines Gulasch beschäftigt. Die Frau wollte einige Tropfen Essig der Speise beimengen, holte eiue halbgefüllte Flasche, tu der sie Essig vermutete, und goß die Flüssigkeit in das Fleisch. Plötzlich erfolgte eine Explosion, wobei die Kleider der Frau Feuer ftngen. Die Frau hatte aus Derschen statt Essig Spiritus in die Speise geschüttet und dieser war explodiert. Der Gatte kam seiner Frau zu Hilfe und erstickte die Flammen an ihrem Körper. Die Wäscherin hat Brandwunden ersten und zweiten Grades aut ganzen Körper erlitten, während ihr Mann bei den Lvschversuchen Brandwunden an beider: Unterarmen erlitt. Die Rettungsgtzsellfchaft leistete ihnen erste Hilfe und brachte die beiden Ehegatten in >das Spital. * A» einem Bisien erstickt. Eimn gräßlichen T^d fand gestern nachmittags ein Besucher der Urania. Ein etwa 35jährger Mann kaufte, ehe er zur Vorstellung ging, im Buffet der Urania eine Semmel mit Wurst. Als er sie verzehrte, blieb ihm ein Stück im Schlunde stecken. Er stürzte zusammen und erstickte, trotz der ärztlichen Hilfe durch die rasch yerbeigeholte Rettüngsgesellschast. Der Unglückliche dürfte Adolf Puchgrab e r heißen. * Selbstmord auf den Schienen. Der Stickereihändler David Lichtenstein, 1. Bez., Adlecgasse 4, ivar seit einiger Zeit wegen schlechten Geschäftsganges und mißlicher finanzieller Verhältnisse lebensüberdrüssig. Seit dem 24. d. war er abgängig. Als Samstag ein Südbahnzug in der Bahnhofhalle einfuhr, entdeckte man an den Rädern der Lokomotive Teile eines' Männercockes. Bahngendarnrerie suchte die Strecke ab uttb stellte fest, daß Lichtenstein sich zwischen Brunn und Liesing von der Böschung aus vor den. Zug geworfen hatte. Er war überfahren und getötet worden. * Ein Valntenmarder ist der bei dem Postamte Nr. 65 in der Bcmwgasse Nr. 1 tätige 36jährige Postamtsaushilfsdiener Franz Dolezal. Er hat gestanden, die Spolier u n g von A u s l a n d s b r i e f e n seit zwei Monaten betrieben zu haben, beziffert jedoch Veit Betrag, den er crbeutet hat, auf höchstens eine Million Kronen. Er wurde dem Landesgerichte eingeliefert. * Zwei sittlich verkommene Subjekte sind dem Landesgericht emgeliefert worden, der 56jährige Hilfsarbeiter Franz Marek, der ein neunjähriges Mädchen mißbraucht haben soll und der 36jährige Hilfsarbeiter Ignaz Anderka, der dabei überrascht wurde, als er sich im Flur eines Hauses an einem etwa elsjäbrigen Mädchen verging. * Schwere Brandwunden erlitt gestern die 21jährige Schneiderin Anna Swaton. als sie bei einer Bekannten zu Beisuch weilte und dieser dem: Bügeln zusah. Dabei fing plötzlich ihre eigene Bluse Feuer. Der Hausarzt. Redigiert von Dr. Sauel Beer. Arzt und Hebamme. In manchen Staaken, wie etwa in Holland, fiubet keine Geburt ohne Anwofenkeit des Arztes statt. Jede schwangere Frau sucht öfters den Arzt ihres Vertrauens auf, und steht sy unter beständiger Kontrolle des Arztes. Es ist diesem hierdurch die Möglichkeit gegeben, beginnende abttornte Zustände im Verlaufe der Schwangerschaft frühzeitig zu ernennen und die nottvendige Abhilfe zu versuchen. So wird er einmal gegen eine Niederkunft im Hause der Patientin keine Einwendung machen, wenn kein abnormer Verlaus nach menschlicher Voraussicht zu erwarten ist, ein anderes Mal die Entbindung nur in einer Anstalt empfehlen, wenn Verdacht auf pathologische Verhältnisse besteht. Es ist klar, daß kein Arzt im vorhinein sagen kann, wie der Verlauf der Geburt sich vollziehen wird. Man muß aber immer auf Zwischenfälle gefaßt sein. Und solche schlimme Ereignisse sind im Pvivathause, wenn kein Arzt anweisend ist, höchst unangenehm. Und manches Frauen- und Kinderleben ist schon infolge zu spät erfolgter ärztl' '\'r Hilfe zugrunde gegangen. Nach den Vorschriften hat die Hebamme die Pflicht, einen Arzt zur Entbindung Herbeizurufe'.', ivenn gewisse Anzeichen auf abnormalen Atlsgang deuten. Wohl sind die Hebammen jetzt bester cmsgebildet als früher einmal, sie müssen auch eine längere Praxis an der Hvbammenschule absolvieren und es wird versucht, gebildetere Elemettte heranzuziehen, doch der Versuchung, allein die Geburt zu Ende zu führen und somit, als tüchtig zu gelten, um dann weiterempfohlen zu werden, kann keine so leicht entgehen, lveshalb viele Hebammen die beabsichtigte Berufung eines Geburtshelfers, so lange die Sache gut verläuft, verhindern, indem sie meinen, daß sie es schon selber machet: können. Aber auch die Hebamme kann den sicheren normalen Verlauf nicht wissen und so sehen sich oft diejenigen, die zuerst von der Berufung des Arztes abtieten, später durch die Ereignisse gezwungen, selbst drin ge,ch ttach einem Arzte zu verlangen, was damt bei der begreiflichen Aufregung der Umgebung zu den üblichett ärztlichen Tagesspvechstunden oder zur Nachtzeit nicht leicht wird. Zum Glücke muten sich uirfere Hebammen im allgemeinen int Können nicht . mehr zu als sie sollen, dessen ungeachtet sollte die Oeffentlichkeit genügend aufgeklärt werden, wie wichtig die Zuziehtmg des Arztes zur Entbindung ist. Die Hebammen klaget: in letzter Zeit, daß die Aerzte an ihrer mangelnden Beschäftigung insoferne mitschuldig siitd, daß sie die Frauen zuviel irr die Entbindungsanstalten weisen und sie so die Klieittel verlieret:. Wird der Arzt erst im Verlaufe _27. August 1923 Nr. 1631 citicr Geburt berufen, so liegt meist ein pathologischer’ Zustawbor, dessen Behandlung im Privathachb mangels der notwetchi« cieti Assistenz, des nötigen Instrumentariums und der Reinlichkeit auf große Schwierigkeiten stößt. Es erweist sich dann meist die sofortige Ueberführuug in eine Anstalt als zwingend, was leicht den Unwillen der helfenden Frau Hervorrust, die viel, leicht die Notwendigkeit des beabsichtigten Eingriffes nicht entsteht, weil sie ja angeblich auch genügend Ersahrtmg hat. Im Interesse aller Teile wäre es also, lvenn die Heb« amme nur als Helferin des Arztes gälte, und bei jeder Geburt ein Geburtshelfer zugezogen werden müßte. Bei der ärmeren Bevölkerung würde die Gemeinde, bei den Bet> sicherten die Kassen für die entstandenen Kosten aufkommen. Zweifellos würde die Abänderung der heutigen Zustände in einer Besserung der Geburtsstatistik zum Ausdruck kommen, ohne die beiden interessierten Teile, Arzt und Hebatnme, zu schädigen. Nicht Mode allein, sondern auch die derzeit bestehenden schlechten Wohtmngsverhältnisse, der Mangel an Dienstpersonal und der geringe Vorrat an Wäsche, die für eine Geburt in veichlichem Ausmaße zur Verfügung stehen muß, nötigen die Frauen, eine Anstalt aufzusuchen. Schließlich ist hier für die Reinlichkeit (Aseptik) gesorgt, wie sie im Prtvathan.se nicht möglich ist. Die Durchführnng eines größeren Cingri^es, wie etlva mit einer Zange, stößt schon in bester Hauslvirtschaft aus größte Schwierigkeiten. Welche Aufregungen schafft gar eine größere Nachblutung oder ein längeres Verweilen der Nachgeburt im Frnchthalter! Ausgcischaltet aus dem ängstlichen Familiettmtlieu, sind diese Zwischenfälle in einer Anstalt bei dauernder Anwesenheit des Arztes leicht behoben. Was die Kosten betrifft, die heute auch zu berücksitigen sind, sürd diese keineswegs höher als bei häuslichem Aufenthalte, jedenfalls geringer als tvenu bei äußerster Gefahr im letzten Augenblicke eine Ueberführnng in eine Anstalt und die Zuziehung eines unbekannteit Arztes notwendig wird. Auch in die 2lnstalt kann gleich dem Arzte die Hebamme mitgenommen werden, die das Bertrauen der Frau genießt. * Eingebildete Schwangerschaft. Bei Frauen, die sehnsüchtig sich ein Kind herbeiwünschett, kommt es bisweilen zu eingebildeter Schwangerschaft. Sie derspüren plötzlich alle Symptome, die bei biefent Zustande auf* zutreten pflegen. Sie glauben dann ein Größerwerden des Leibesumfanges zu beobachten und kleiden sich danach, sie' fühlen die Kindsbewegungen, ja sie. legen sich zu Belte »and klagen über ausgetretene Wehen. Der hevbeigerusene Arzt hat' dann die unangenehme Aufgabe, nach einer Untersuchung die Legende von der Schwangerschaft zu zerstören. Abgesehen von der seelischen Einstellung, die für einen sochen eingebildeten Zustand notwendig ist, können langsam wachsende Geschwülste im Bauche selbst für einen Arzt die Fesfftellung, ob schwanger. oder nicht, sehr schwierig gestalten. Amtlicher Fragekasten. Deforgk. 1. Briefliche Behandlung des Leidens der FruA ist unmöglich. Alle angeführten Mittel können bisweilen Helsen. Der Hausarzt muß entscheiden. 2. 2lrsenkur dürfte den Zustand gebessert haben. — E. S. Der obige 2lrtikel wird Sie näher über Ihre Frage aufklären. — Ratloses Mädchen. Sie müssen sich von einem Llrzte untersuchen lassen, da werden sie bald von Ihren Zweifeln Befreit sein. Die geschilderten Symvtome genügen nicht zur Stellung der bewußten Diagnose. — Lues. Mutter und Vater können frei von allen syphilitischen Erscheinungen sein und doch ein an Syphilis krankes Kind znr Welt bringen. Briefkasten der Redaktion. Osias Fuchsberg, Doryslaw. Das betreffende LoS wurde 1921. mit 35.50 Lire gezogen. — A. Ä. X. Die betreffenden Rummern sind im Wege unserer Administration erhältlich. — Siegm. F. „Jüdische Rundschau", Berlin W. 15, Sächs. Straße 8. — Den ©orni, Slrufow. Einreisebewilligung nicht nötig. — Dr. A. Rvsenblall, Czernowitz. Ein Werk unter diesem Namen haben wir nicht besprochen, eS muß ein Irrtum Ihrerseits vorliegen. — Cafä Neuland. Unseres Wissenwar der Betreffende Historiker. Schach-Wonik. Mitteilungen der SchachseMon Hakoah. Problem Nr. 18. S. Äerland» Bulrarestt Schwarz t 8 h a b c d Wettkampf Holland—Hakoah. Das beginnettde Spieijahr steht unter 'beut Eindruck des Wettkampfes des holläuvischeu Teams Kegen biie Schachsektion Hakoah. Unsere junge Schachsektion kan>n sich damit rühmen, den ersten ittternatioualen Anwk'ur-Wettkampf in Wien ver- S'tSSRäumunawerkaut Srti tan-Bfii iiaiis itiSchiffmann!>., Tabarstraße 48 ToSetthon 47-1-79 En gfos En detail