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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-26 · Heft 1630 (26.8.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1630 (26.8.1923)
Date
1923-08-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1«0 Mett, Sonntag Wiener Morgenzettung. 26. August 1923 Seite 8 Mgegensetzen. LS ist nicht allein Trägheit, die diese Kreise von jeden Or«stmifation fernhäkt, sondern auch innere Abwehr gegen eine Modernisierung, die sie von jeder Art von Organist tion befürchten. Dies gilt namentlich von den Chassidim, welche sich stets nm ein einzelnes Oberhaupt gruppieren. In Galizien Faun die Agudah nicht Fuß fasset,, insolange der Belzer Rabbi gegen sie ist. Es ist ferner Tatsache, das; es auch in der Slowakei schwer geht, da die extremsten Rabbiner ihre Gegnerschaft offen an den Tag legen. In Kongreßpolen dagegen ist die ganze Stütze der Agudah der G e r e r Rabbi, welchem noch einige andere Rabbis folgen. Dennoch gibt es daneben eine beträchtliche Anzahl Rabbis, die mehr oder weniger offen sich zum Misrachi bekennen. Leider unterließ der Agudah-Kongreß, vollen Aufschluß über die Stärke seines Anhanges zu geben. Allein wir können aus der Zahl der Delegierten und nach dem Wahlreglement (Gruppen bis 100 Mitglieder — ein Delegierter, je weitere 800 Mitglieder — ein Delegierter, überdies von jedem Lande drei Delegierte) wenigstens ans die Höchstzähl von Agudah- Mitgliedern schließen. Wir greifen hoch und schätzen sic auf 60.000, es können aber auch viel weniger sein. Dies ist die organisierte Agudah.*) Und diese Organisation beansprucht für sich die einzige Autorität in Fragen jeglicher Art, die das religiöse Judentum angehen! Was ihr an Potenz der Masse abgcht, das möchte sie durch die Form des Räbbiuerrates ersehen. Dieses Organ wurde eingesetzt mit einer Machtvollkommenheit, die einer Diktatur qleichkommt, wie cs Rabbiner Schapira in seinem Schlußwort gezeichnete. Was bedurfte es noch des Für und Wider? Was vorgelegt wurde, hatte bereits vorher die Sanktion des Rabbinerrates, weshalb es kein Nein geben konnte. Es würde uns nichts weiter angehen, wenn eine Partei sich ihre Gesetze gibt, wie sie es versteht. Nun will aber die Agudah diesen Nabbinerrat als etwas auffassen, was für das religiöse Judentum als Ganzes verbindlich ist. Schon soll sich der Nabbinerrat der Agudah anmaßen, sich in das Gcmeiudelebcu Erez Israels einzumengen. An das Landesrabbinat in Erez Israel soll eine Aufforderung ergehen, innerhalb einer gestellten Frist Bertrauensmänner für ein Gericht zu stellen, von dem die Trennung in der Jerusalemer Gemeinde angesprochcn werden soll. Wird jedoch Oberrabbiner Kuk dieser Aufforderung nicht Folge leisten, daun hat er es eben mit dem Nabbinerrat zu tun, der allem für kompetent erklärt wird, in Fragen der religiösen Juden zu entscheiden. Uns will es scheinen, daß gerade dieser rabbinische Rat, ocr die Agudah über alle Parteien erheben soll, zum Stein des Anstoßes im religiösen Jndentun, werden wird. Nie werden Rabbiner, die außerhalb dieses Rates stehen, auch nur dessen teilweise Autorität anerkennen wollen. Am wenigsten dys Oberrabbinat in. Erez Israel. Orthodoxe Rabbincn sind bekanntlich intransigent. So wird mit dem agudistischew Rat der Keim gelegt zu einem Streit, der an alte Zeiten erinnert, der aber nichts weniger als fruchtbar für das religiöse Juden-- tum lverden könnte. Bei solchen Methoden der Organisation fällt es schwer, die Ergebnisse des 'Agudah-Kongresses überhaupt ernst zu nehmen. Diese wären an sich zum Teile positiv zu nennen und insoserue auch zu begrüßen. Ein Budget in der Höhe von. 164.000 Pfund, größtenteils für religiös-kulturelle Zwecke, wäre als ein beträchtliches Aktivum zu werten. Die Art jedoch, tvie Beschlüsse auf dieser Beratung zustande kamen, wie man zu allem Ja und Ameil sagte, läßt nachgerade kein Vertrauen l );u deren Ernst zu. Für Erez Israel hatte man bei diesem Budget 30.000 Pfund übrig. Die Früge der Jewish Agency wurde mit so obendrein mit ein paar Worten abgefertigt. Diese zlvei Tatsachen sowie die übrigen Palästina-Beschlüsse zeigen, was man von der Agudah beim Aufbau Palästinas zu erwarten hat. Was die Bedingungen für die Jewish Agency anlangt, so bedarf es nicht erst einer Auseinandersetzung. Die Agudah'prätendiert auf Parität uitb uebstbei auf Diktatur ihres rabbinischen Rates auch in der Jewist) Agency! Es muß noch konstatiert werden, daß die Jugend aus dem Agndäh-Kongreß einen besseren Eindruck auf den Außenstehenden macht als die älteren Führer. Es sind Zivnistengegncr, aber sie zeigen eine Intelligenz und politische Schulung, deren sich keine Partei zu schämen hätte. Sie sind voll Zionssehnsucht, die sich aber dort nicht entfalten kann. So ist cs nicht ausgeschlossen, daß man sich einst mit dieser Jugend noch einmal näher begegnen wird. S. Picke r. *) Die meisten Teilnehmer an dem Agudah-Kongreß sind Wohl in strengem Sinne nicht als „Delegierte" anzusehen, (Die Red.) tfoimx mupmmtkt 3 171 tjtlodeles & N Export 0/1 gros •'38%* "•'£« ... jRobes, J^ostu/n^SjJHanteauti äeagomns et sFourrwtoß - lTelefon & cVorführung der neuesten 3\/lodellkollekiion 1^1 Stricker und A. Goldberg über den Monisten Im dichtgesüllten Saale des' Hotels Continental sprachen gestern abends das Mitglied der amerikanischen zionistischen Exekutive, A. Goldberg (New- Nork) und Oberbaurat Robert Stricker, Vizepräsident des zionistischen Aktionskomitees. Herr G o l d b e r g führte, öfters von Beifall unterbrochen, aus, der Kongreß sei seiner Ueberzeugung nach eilt schöner Kongreß gewesen. Er leistete praktische Arbeit und schuf Neues. Allerdings ging es nicht ohne Geburtswehen, die aber gerade beweisen, daß ein praktischer Kern im Mittelpunkt der Diskussion stand. Der Kongreß bestand aus zwei Teilen: aus der Kritik der Vergangenheit und aus Entschlüssen für die Zukunft. ' Die Kritik war gerechtfertigt und wenn sie sich auch nicht gegen . Fehler der Führer, sondern gegen unsere eigene schwere Lage richtete, so war sie nichtsdestoweniger notwendig. Unsere Hauptforderung muß sein, daß die Einwanderung nach Palästina durch nichts und niemanden gehemmt werde. Die Einwanderung ist unsere Stärke und fällt neben den großen politischen Erfolgen der letzten Jahre schwer ins Gewicht. D r e i ß i g t a usend junge, arbeitsfreudige, idealistis ch e Menschen sind in den letzten zwei Jahren nach Palästina eingewandert. Aber diese Zahl ist immer noch viel zu klein. Wäre unser Appetit nicht so groß, so wäre der Kongreß im Zeichen des Sieges gestanden. Denn * gegen bte Tatsache, daß alle Völker der Welt Erez Israel als unsere nationale Heimstätte anerkannten und daß A m e r i k a diesen Beschluß nachher durch einstimmige Kundgebung des Senates und des Repräsentantenhauses sanktionierte, ist ein Erfolg, demgegenüber kleinere Niederlagen nicht ins Gewicht fallen. Unser Recht auf Palästina besteht und »wird bestehen, ob in England Konservative oder Liberale am Ruder sind. Der schwerste Punkt ist die F i n a n z f r a g e. Wenn auch der Keren Hajessod in kurzer Zeit mehr als eine Million Pfu^> zusammenbrachte, so sind doch 70 Prozent dieser Summe in England und Amerika aufgebracht worden und der Niedergang der mitteleuropäischen und westlichen Währungen beeinträchtigt schwer die Arbeit in Erez Israel. Wir haben das Recht, die Menschen; nur die Mittel fehlen. Darum gingen die amerikanischen Vorschläge dahin, daß die Zionisten auch die n i ch t z i 0 n i st i s ch e n Kreise zum Aufbau heranziehen. Bei der Heirat, die hier geplant ist, geht es wahrlich nicht um die Braut, sondern um die Mitgift. Und diese Erkenntnis, die Erkenntnis, daß Zionismus eine Massenbewegung werden muß, war das Neue und Schöpferische, das der Kongreß brachte. Von minutenlangem Beifall begrüßt, ergriff Oberbaurat Robert Stricker das Wort. Er könne kein Urteil darüber äbgeben, so führte er aus, ob der Kongreß schön war oder nicht, aber das sei auch nicht von Bedeutung. Unglücklicherweise warf man in die Debatte das Schlagwort der Jewish Agency. Verhandelt wurde aber eigent- 9as Budget der Budapest« Mischen Kultusgemeinde. Aus Budapest wird uns berichtet: Vor einigen Tagen hielt der große Ausschuß des Vorstandes der B udapester neologen Kultus gemeind e seine Halbjahrssitz u nsg ab, um den Tätigkeitsbericht des Präsidenten entgegenMnchmen und das Budget für das kommende Halbjahr festzusetzen. Aus dem Bericht des Präsidenten Dr. Alexander Lederer geht unter anderem hervor, daß die KultusgeWeinde infolge des Numerus clausus die Frage der jüdischen Studenten als einen integrierenden Teil des Tätigkeitsgebietes der Kultusgemeinde ansteht und für diesen Zweck nicht nur große Mittel auswendet, sondern auch eine ausgedehnte gesellschaftliche Aktion unterhält. Es handelt sich — sagte der Präsident — um nichts geringeres, als um die Rettung der Zukunft der Intelligenz des gesamten ungarischen Judentums. Mt Rücksicht auf die allzu sehr fühlbar gewordene Lockerung des Zusamnrengehvrigke-itsgesiihls unter den Juden in Ungarn hat das Präsidium der Kultusgemeinde -unter der Losung „Zurück zum Judentum" eine großangelegte Propaganda in die Wege geleitet, welche, wie der Präsident versichert, bereits sehr wertvolle Erfolge gezeitigt hat. Sehr begrüßenswert ist die Mitteilung des Präsiderrten, daß das jüdische Obergymnasium, diese echt Mische Antwort auf den Numerus clausus, schon im September d. I. in seinem neuen großen Gebäude den Unterricht wird aufnehmen könne::. Das darf um so eher als Erfolg gebucht werden, als es nicht nur finanzielle Opfer zu bringen, sofern auch andere fast unüberwindlich scheinende Schwierigkeiten zu überwinden galt, ehe das Ziel erreicht wurde. Der Präsident konnte M das günstige FoxMxeiten ÜM RMufttukiWn hex lich nicht über sie, sondern über die Heranziehung n i ch t z i 0 n i st i s ch e r Elemente. Vorderhand sei nur die Zionistische Organisation als Kontrahent bei der Palästina-Frage da und folglich kann man nur mit ihr verhandeln. Der Inhalt der amerikanischen Vorschläge war gut, aber ihre Form mußte alarmierend wirken. Man muß sagen, daß auf der Seite der Opposition mindestens ebenso wertvolle Elemente waren wie bei den Anhängern der amerikamschen Vorschläge. - Nicht nur die besten zionistischen Kräfte in Polen, auch ganz Palästina stand in Opposittou. Das Hauptargument der Opposition war durch« aus beachtenswert. Sie sagte, es sei durchaus nicht gleichgültig, ob nur Zionisten oder auch Nichtzionisten der Mandatarmacht gegenüberstehen und ein Gegengewicht der araberfreundlichen Einflüsse bei der Mandatarmacht bilden. Es sei zu befürchten, daß A s s i m ilan t e n, ihrem Ideal der „Ruhe" die jüdischen Interessen auch in Palästina opfern würden. Die Opposition hat aus dieser richtigen Illeberlegung-die unrichtigen Konsequenzen gezogen und nahm gegen jede Erweiterung Stellung. Das war eine Engherzigkeit gegenüber der zu weitherzigen Stellungnahme der Amerikaner. Es lag hier der Vermittlungsporschlag an der Hand, Erweiterung unter Kontrolle der Zionistischen Organisation. ' Man muß den A:nerikanern das Lob zubilligen, daß sie diesen Vermfttlungsvorschlag sofort als richtig anerkannten. In der Resolution tauchte wieder die Formel des We l t k o n g r e s s e s auf. Ob die Einberufung eines Weltkongresses innerhalb dreier Jahre möglich sein wird, darüber läßt sich heute kein Urteil fällen. Die zweite und noch schwierigere Frage war die der Leitu-ng und insbesondere die Frage, ob Uss i s ch k i n Mitglied der Exekutive bleiben. soll oder nicht. Der - Name U s s i s ch k i n s ist identisch mit der nationalen Arbeit in Palästina. Nun verlangte Ussischkin Stellungnahme gegen die.gegenwärtige englische Politik und die Ersetzung „der Taktik deS Schweigens durch die Taktik des Schreiens". Demgegenüber erklärte Weizma.nn, daß er unbedingt an die Loyalität Englands glaube und er forderte eine Leitung, die mit seinen Ansichten einverstanden ist. Da die Opposition kein Kabinett stellen konnte, mußte man eine Exekutive bilden, die politisch einhertl i ch und aktionsfähig ist. Der Kongreß hat gezeigt, daß man innner Respekt vor dem Volkswillen haben muß. Das war heilsam. Wenn vor fünf Jahren jenrand gesagt hätte, eim Arbeit in Palästina wäre ohne das russische Judentum, das 90 Prozent aller moralischen und geistigen Kräfte des Judentums repräsentiert, möglich, hätte nran es nicht geglaubt: und dennoch wurde das zuwege gebracht. (Stürmischer Beifall.) Nach Schlußworten des Vorsitzenden Gemeinde, rates Dr. P l a s ch k e s, welcher auf die jüdischen Aufgaben bei der künftigen Wahlbewegung hinwies, wurde die Versammlung unter lauten Ovationen für die beiden Redner geschlossen. jüdischen Spitäler und Krankenanstalten in Budapest Hinweisen. Es gibt wohl kaum eine zweite Juderrgemeinde, die so viele und auf so hoher Stufe stehende Krankenhäuser besäße wie die Budapester Kultus gemeinde. Diese Krankenanstalten wurden zuerst zum «großen Teile vom Militär mit Beschlag belegt, dann wurden sie von den Kmmnunisten enteignet, wodurch diese genreinnützigen Institute großen Schaden erlitten und vom Verfall bedroht waren. Nunmehr werden diese Krankenhäuser auf ihr früheres Niveau gebracht. Anschließend an diesen Bericht trug der Schatzmeister des Vorstandes, Andor Na gY, seinen Kassabericht und den Voranschlag für das folgende Halbjahr vor. Er schließt mit der Anforderung eines Nachtragskredits von einer Milliarde und 25 0 M i l i 0 n e u u u g. Krone n. welcher Betrag durch eine auf das Z w a n z i g f a ch e bemessene Erhöhung der bisherigen Kultussteuer hereingebracht werden soll. Dieser für die Budapester Gemeinde-Verhältnisse überaus hohe Kredit soll zum größeren Teil für die Regulierung der Bezüge der Kultusangestellten, die bis heute geradezu unglaublich niedrige Gehälter beziehen, verwendet werden. Der andere Teil dient zur Fortführung der obeuaugeführten und anderer in Aussicht genommenen Wohlfahrtsaktionen. Der Bericht des Präsidenten wurde zur Kenntnis genommen und der angesprochene Kredit bewilligt. - " Mühlenstre« in Budapest. Aus Budapest wird gemeldet: Ein Teil der Arbeiter einiger Budapester Dampfmühlen, 'darunter der „C o neordia"- und der „Königs-Mühle", ist -wegen Lohnsragen in den Ausstand' getreten, so daß diese MühW den einstellen umßtew

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