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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-25 · Heft 1629 (25.8.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1629 (25.8.1923)
Date
1923-08-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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. Nr. 1629 'men, Vamswg Wiener Morgenzettung. 25. August 1923 Sorte 3 tzepticren. Von konfervativer Seite wurde erklärt, das; es kein Jude wagen werde, ein Wort gegen das Müfyenittö hebräische Schulwesen in Karpathorußland zu sagen, da dies ein Verrat an der jüdischen Sache wäre. Hieraus wurde c i nfUnuu'tg beschlossen, eine vereinigte Mische Partei zur Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Interessen der Inden zu gründen. Die Versammlung wählte ein aus drei Vorsitzenden bestehendes Präsidium und einen VandeAanöschus; Kan 100 Mitgltederu soüdie mchvere Kommissionen. — Der erfreuliche Befchlnß der Vereinigung Wird geeignet sein, die jüdische Position in Karp>athovnß>l>and bedeutend zu stärken und den Juden bei foett Wahlen den entsprechenden Erfolg ' zu sichern. Er bedeutet eine deutliche Absage an die Trcnnnngsteiltdenzen der Orthodoxie von Bratislava, welche auch das jüdische SchtMvevr mit ihrer Propaganda nicht verschont hat. Zugoslatvien. Gerichtsverfahren gegen RaÄic. Graz, 24. August. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad: In Vertretung des abwesenden Niinisterpräftdenten P as i e legte Eisenbahnnrinister I ankovic int gestrigen Ministerrat die Stellungnahme der Regier:: ug zur Auslandspropaganda des Bauernführers Radic dar und betonte, daß Radic, der öffentlich feine staatsfeindliche Propaganda begonnen habe, sich mit seinen Genossen vor G ericht zu verantworten haben werde. Die Radic-Pavtei habe ihren; Führer eine Vollmacht zur Einleitung einer diplomatische); Sonderaktion behufs Gründung einer selbständige); kroatischen Republik ausgestellt. Bisher habe Radic in London keine positiven Ergebnisse erzielt» ^v Ungarn. Bethlen reist nach Genf. ■ Budapest, 24. August. (EM. der „Wr. Morgeiüztg.") Ministerpräsident Grals Bethlen begibt sich Sonntag aus die Reise nach G e n f. Er wird den Sitzungen des Bölrcr'bnndrates nicht als Ungarns Delegierter, sondern nur als Privatperson beilwohnen. Numerus rlaufus bei RostrWerunge» von Auslaudsdiplümeu. Der Abg-'ordneie Andreas C s i l l c r h hat einen Antrag eiingeibracht, wonach die Ratioirälversaininlnug dringend t>cn Kultus- und Unterrichtsneinister anLveisen solle, unverzüglich zu verfügen, daß die heimischen Universitäten in; Ausland erworbene ärztliche Diplome mir in dem Falle n ostri f 8 seren, wenn sie auch selbst mit den; Auslandsdiploin sich deckende Diplome ausstellen; ferner das; die hei.'Nischen Universitäten an einer Universität der Nachfolgestaaten erworbene ärztliche Diplome iirsolange nicht rwstrifiziereri, bis mit den Nachfolgestaate); bindende Abmachungen aus Grund der Reziprozität zustande kommen, und gleichzeitig einen einparagraphigen Gesetzentwurf vorzu'leg?::, der die Rostrifizievung ausländischer ärztlichen Diplome entsprechend den) Numerus cl-anftiS anorduet. Pole». Ae Vorbereitungen für die kmUansbauk. Warschau, 24. August. (Del. d. „Wr. Morgenzeitung".) In , einer Konferenz des FinauzminifterS mit dem Handels- Minister und den; Minister für Agrarreforu; wurde:; die statutarischen Grundlage:; für die geplante E m i s s i o n s b a n k erörtert, worauf sich eine spezielle Kommissio:) mit der A::Zarbeitung des Statutes befassen soll. Die Regierung ist fest entschlösse::, die Emissionsbank so schnell als mö gliet; zu gründen. Die Angelegenheit der Emissionsbank hängt auch mit der Bestellung des englischen FinanHberaters Aoung zusammen, dessen Berufung nach Warschau als beschlossene Sache gilt. Bevorstehende Gemeruderutswahle» in Sleiupoleu. Ans Lenrbevg wird uns gemeldet: Bekanntlich! werden die meisten Stadt- ::nd Ortsgemeinden in Kle i nPol c n seit Beginn des Krieges von R e g i e r u n gsko m m i sfä re n verwaltet, denen ernannte Beiräte zur Seite stehen. Der von verschiedenen Seiten wiederholt erhobenen Forderung nach Ausschreibung von Neuwahlen konnte die Zentralvegierung bisher angeblich ans dem Grunde nicht entsprechen, weil die bezügliche Gesetzesvorlage erst im H erbst auf die Tagesordnung des Sejm geburgen soll und die Erledigung derselben sicherlich mehrere Monate beanspruchen dürfte. Da sich jedoch inzwischen in vielen Gemeinden durchaus unhaltbare Zustände herausgebildet haben, hat sich der Innenminister Dr. Kiernik endlich doch veranlaßt gesehen, die Durchführung der Gemeinde- Wahlen in Kleinpolen auf Grund der alten österreichischen Wahlordnung unter Hinzufügung eiives alle volljährigen Einwohner umfassenden vierten Wahlkörpers anzuordudn. Im Sinne dieser Verordnung sollen die Wahlen in jenen Gemeinden stattfinden, wo die Gemeinderäte länger als sechs Jahre funktionieren und in denen seinerzeit Regievungskommissäre ernannt worden sind. An Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt Heute Samstag den 25. August 1923, '/,8 Uhr abends, im Hotel Continental, II., Taborstrasse VERSRMMLUNC Tagesordnung:!f Referenten: GQBdbGITgl (NewYork) Mitglied der Exekutive der amerikan. Zionisten Robert Stricker die Woiwoden von Krakau, Lemberg, S t a n i s l a n und T a r n o p o l sind bereits die nötigen Instruktionen ergangen, die Vorbereitungen zur Durchftihrung der Wahlen im Laufe der nächsten zwei Monate zu veranlassen. Es entsteht nun die berechtigte Frage, ob die Zeutralregierung endlich auch an die Ausschreibung der allseits so dringend geforderten Wahlen für die jüdischen Kultus ge me in den schreiten wird, die ebenfalls fast ausschließlich von Regierungskommissären geleitet werden. Ae Vertretung im BMerbnnd. Warschau, 24. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzettung".) In der Beratung in; Außenministerium, an welcher die Gesandten Skirmunt, Pilc und Modzielewski teilnahmen und die der polnischen Vertretung im Völkerbund galt, wurde beschlossen, daß Polen von der Aufstellung einer Kandidatur für den Völkerbundrat a b s e h e n solle. Der polnische Delegierte beim Völkerbund, Herr Skirmunt, welcher als Kandidat für den Völkerbundrat ausersehen war, wird, wie weiters beschlossen wurde, an der am 30. August stattfindenden Sitzung des Völkerbundrates gar nicht teilnehmen; ihn wird der polnische Gesandte in Bern, Modzielewski, vertreten. Wie ferner berichtet wird, ist der polnische Gesandte in Wien, L a s o c k i, vom Ministerpräsidenten telegraphisch nach Warschau berufen worden. Diese Berufung hängt, wie „Kurser Polski" wissen will, damit zusammen, daß im Ministerium des Aeußern neben der von dem Vizeminister Straßburger bekleideten Unterstaatssekretärstelle noch zwei weitere 11 n t e r st a a t s s e k r c t ä r st e l l e n geschaffen werden sollen; für ein« davon ist L a s o c k i, für die andere der Senator Vartoszewicz auserschen. Gerüchte bringen auch Lasocki mit der über kurz oder lang wahrscheinlich doch zu erwartenden Demission des Außenministers in Zusammenhang. Metropolit Sreptvcki darf Mt nach LeMderg. Wegen antipolitischer Auslandspropaganda. Warschau, 24. August. (Pvln. Tel.-iAg.) Der Lemberger Metropok.it Szeptycky, der auf der Reife nach Lemberg begriffen war, wurde an der polnischen Grenze von den behördlichen Or,gwnen angehalten und veranlaßt, sich nach W a r s ch azr; begeben. Dazu veröffentlicht ,Mazeta poraurm" Acußernugeu des Uute rrichtminis der s Glo mbrnslki, wonach d'.esc Maßnahme der Regierung infolge der vom Metropoliten in; Auslände gegen Polen betriebenen Protz aganda erfolgt sei. Szeptycki habe fich ^dcr sogenannten Ragierivng Petrnszewycz atrgeschlosscn. Die polnische Regierung sei in; Interesse der öffentlichen Ovdnung hieM gezwungen gewesen und habe den; Metropoliten den Rat erteilt, sich vorläufig in Posen oder einer anderen von ihm namhaft gemachten Stadt bis zur Regelung seiner Angelegenheit aufzuhalten. Rundschau. Ae Fiumaner Frage. Mussolini fordert Beschleunigung der Regelung. Rom, 24. August. (Del. der „Wr. Morgenlztg.") Minister- Präsident Mussolini hat Südstalwien zu einem beschleunigten Mschltrs; der Verhandlungen über Finme anigefordert. Zu. diesem Zwecke richtete er einen Brief an die süAstaWischen Delogierten in Fiume und an den italienische:; DelvgationAleiter Quartiievi, in welches Schreiben er unter Hervorhebung des Bew>e!ises des guten Willens der itoliicrttschon Regierung, durch Anwendung des Advia-Mbkommens über die Mnmung der dritten Zone die Derzögerm:g der endgültigen Regelung der Fiumefrage durch Südflawieu bedauert und den jugoslawischen Delegierten mitteilt, daß, wenn bis zum 31. August keine Ei n '>gung in dieser Frage erzielt sein werde, Itali en sich volle Handlungsfreiheit Vorbehalt. ' Die 'italienische Delegation hat ein Ucbewinkonrmen nach folgenden Grundsätzen vorgeschlagen: Die paritätische Komnrission übernimmt die Verwaltung von Fiunte und überträgt die Politische und adiniu'ftrative Regierung des Staates Fiume der italienischen Regierung. Die Paritätische Kommiss'or; verwaltet mit einem geniemsamen Konsortium die Eisenbahnen. Der Hafen von B a r o s :md das Delta ko mint unter jugoslawische Souveränität, bleibt aber für 99 Jahre unlösbar mit der Stadt Fiume verbunden. Ae Iurchsührung des Washingtoner Abkommens. Amerika vernichtet 28 Lkriegsschiffe. Ans London tvird gemeWet: Die Regievnng der Be» einigten Staaten hat die Z e r l e g u n g v o n 28 K r i e g s. schiffen in Uebereinstimmung mit der W a fh i n g t o ner Abvüstnngskonferenz angeordnet. Amerika hatte bis her die Vernichtung von Kriegsschiffen mit Mcksicht auf,..di: Vertagung der Ratifikation des Washingtoner Abkonrmeni durch Frankreich verschoben. Als diese erfolgte, habei die Vereinigten Staaten mit der Vernichtung begönnert Die britische Regierung nahm Programmgemäs die Zerlegung ihrer Kriegsschiffe vor, ohn e die Ratifi. ziernng des Washingtoner Abkommens durch F r a n k r e i 6 abzuwarten. Die Flotten dee Großmächte. Paris, 22. August. Anknüpfend an obige Meldung gib! der „Atatin" eine Uebersicht über die gegenwärtigen Flotienstärken der an dem Abkouimen beteiligten Seemächte Die amerikanische Flotte zählt danach 18 Groß, kampfeinheiten. Ihre Wasserverdrängung schwankt zwischer 20.000 bis 32.000 Tonnen, die Gesamttonnage beläuft fick auf 500.000 bis 650.000 Tonnen. England besitze eim Flotte von 22 Großkampfschiffen mit einer Gesantttonnagc von 680.400 Tonnen; das größte die!ser Schiffe habe eim Vevdrängnng von 41.200 Tonnen, das kloinste von 22.506 Tonnen. Im Bau befänden sich Mer neue Linienschiffe vor je 35.000 Tonnen. Japan hat 10 Großkampffchiffe mü einer Wasserv!erdrängung von je 27.500 Tonnen bis 32.800 Tonnen und einer Gefamttonnage von 221.170 Tonnen Das neue italienische Bauprogramm sieht die Konstruktion von fünf neuen Linienschiffen vor, davon drei mit 35.000, eines mit 45.000 und ein kleineres mit 25.000 Tonnen. In dieser Zufammenftiellung fehlt merkwürdigerweise die Angabe über die Reduktion, die Frankreich auf Grund des WaMtgtoner Abkommens bisher gemacht oder vielleicht noch nicht gemacht hat. Verlängerung des amerikanisch-Wanikcheu Schiedsgerichtsverttagtzs. Washington, 23. Augnst. (Wolfs.) Der Schiedsgerichts^ vertrag Mischen den Vereinigten Staaten und I a p a n ist unverändert um fünf Jahre verlängert worden. Der Manische Miniftertzräsident gestorben. Tokio, 24. August. (Havas.) Der japanische Premier minister Baron Kalo ist gestorben. Zagesbericht. Rabbiner Berlin Mer die Aufgaben des Misrachk. Für Donnerstag abends hatte die-Leitung des M is» ra'chi i n Wien in den großen Saal des Hotel Eontinental eine Versammlung einberufen, welche einen derartigen Massenbesuch aller jüdischen Schichten aufwies, daß ein großer Teil des Publikums keinen Einlaß mehr finden konnte. Nachdem der Vorsitzende.Herr Neuwirth den Redner des Abends, den anrerikanifchen Misrachi-Führer Rabbi Meier Berlin, und die verschiedenen Vertreter der Zionistischen Organisation begrüßt hatte, hielt Herr Berlin unter lebhaftestem Beifall sein Referat über die Tätigkeit des Misvachi und dessen Haltung auf dc>m abgelaufenen Zionistenkongreß. Der letzte Kongreß bedeute den Abschluß einer zionistischen Periode und den Beginn einer neuen Epoche in der Arbeit. Der Kongreß habe gezeigt, daß alles, was bisher geschehen ist, gegenüber der großen Ausgabe des jüdischen Volkes rmr wie ein Tropfen im Meere sei und daß nicht alle Möglichkeiten ausgenützt wurden. Es hat sich ertviesen, daß die zwatdgjähvige Arbeit des AAsrachi fruchtbar und erfolgreich gewesen ist. Während die Linke früher'der Meinung war, daß für den Misrachr kein Platz sei, und die Rechte erklärt habe, daß man mit dem Misrachi nicht werde zusammen arbeiten können,' feien beide Richtungen eines Besseren belehrt worden. Die Erwerbung Palästinas sei nur der Anfang zu dem Ziele, das Misrachi austvebe. Der Boden allein könne das jüdische Volk nicht verbinden und wir brauchen auch den Himmel über uns. Diese Auffaffung bilde den Unterschied zwischen Misrachi und den anderen Gruppen, mit denen er zusammen arbeite. Der Misrachi akzeptiere das Programm von Land, Sprache und Nationalität, aber darüber kämpfe er für den Geist der Thora. Er fordere eine jüdische Ganzheit. Sprache und Land seien lebendig geworden, null solle auch der Sabbat lebendig gemacht werden. Wem: man die Massen heranziehen wolle, genügt das Land allein nicht. Unser Vorbild ist nicht der Golusjude, sondern ein besserer, ein ganzer Ju.de. Es sc: ein Irrtum, jit glauben, die Lebendigmachung des Volkes kpnne durch Aufrufe uüd Deklarationen erfolgen.. Dies könne vielmehr nur die Erhebung des Volksgeistes beivirken. Auch die Enthaltung der religiösen Gebote int Golus, welche vielfach durch die Umstände gehindert seien, könne allein die Erlösung nicht bringen. Die Beobachtung de-s Religionsgesetzes in vollem Sinne werden;ur auf den; Boden Erez Israels möglich sein. Der Misrachi habe erkannt, daß der Gefahr des drohender; Abfalls in; Golus durch den Aufbau des Landes begegnet werden müsse. Die GÄder des Keren Hajefsod kanten zum GlSSSRäumungiverkaul im Ularenbaos üSchiffmann II., TaborstraSe 48 Telephon 47-1-78 En gros En detaib

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