Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1629 (25.8.1923)
- Date
- 1923-08-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jWfe 8 Mm, Sarnswg Araber und Faden. In seiner Artikelserie über Palästina-Fragen, die kürzklch das englische Untephausnütgliod Sir Martin C o n way im „Daily Telegraph" veröffentlicht hat, finden sich einige neue Gesichtspunkte zur Araberfrage. Sir Conway schildert die palästinensischen Araber als Politisch sehr aufgeweckt. Selbst die Fellachen verfolgen die Reden im englischen Parlament und die Artikel in den zionistischen Zeitungen anfs aufmerksamste'. Die Schwierigkeiten zwischen Inden und Ambern hätten weder in der Religionsverschiedenheit noch in derjenigen der Rasse ihren Grund. Es ist bei den Arabern, die ultmkonservativ sind, die Angst vor den modernen Elementen, vor dem neuen Geist, vor dein Fortschritt. Es-gibt keiner: Druck, den etwa die Inder: ar:f die Amber ausüben, diese fürchten nur, daß sie einmal bedrückt Werder: können. Conway schildert, wie die arabischen Lander von Marokko bis Persien r:ach kurzer Blüte in dauernden Verfall geraten sind, wahrend sie im Altertum unter römischer Herrschaft durch Jahrhunderte blühende, volkreiche Provinzen waren. Ir: all der Zeit haben die Araber nicht das mindeste zum Fortschritt der Welt beigetragen. Die Araber meinen, daß das Schicksal Palästinas, eines der Ne rv e nzentren der Welt, in die Hände jenes Teiles feiner Bevölkerung gelegt werden müsse, der Vas Land ruiniert hat. Wo in aller Welt ist solch ein Anspruch zugelassen worden? Nicht fli Marokko, Algier, Tunis, Tripolis oder Aegypten. Und dabei hat keines dieser Länder die ökonomische und Politische Bedeutung Palästinas.' Warum soll das Recht eines Volkes, ein Land zu ruinieren, gerade in Palästina geheiligt werden? Keine britische Regierung wird die verpflichtende Kraft der Balsour-Deklaration vernachlässigen. Aber selbst wenn es diese gar nicht gäbe, könnte England nicht den Ambern die Zukunft des Landes vollständig in die Hand geben, ihnen zugcstehen, daß sie bestimmen dürfen, wer ins Land kommen darf und allen Plänen zur Wiedemu-srichtung ihres ruinierten Landes Widerstand zu leisten. Das ist es aber gerade, was die Araber von England verlangen. Wenn England seine natürlichen Bundesgenossen gegen die Verwüstung des Landes zurückstoßen würde, so wäre seine Last in bezug auf dieses noch schwerer. Die jüdischen Kolonien. In seinem achten Artikel im „Daily Telegraph" beschreibt Sir Martin Conwey die jüdischen Kolonien in Palästina. Er führt Petach Tikwah als ein „vorzügliches Beispiel" an. Ir: Rechoboth scheint es an Enthusiasmus zu mangeln, der sonst in Palästina so klar zutaige tritt und für den Erfolg der zionistischen Bewegung . wichtig ist. Die Kolonisten von Rochoboth scheinen aber mit, ihrer Lage vollkommen zuftieden zu sein, und führen ein geregeltes Leben. In Rosch Pinah wieder kann man leicht scher:, welch große Landstriche durch die Ueberlegenheit der Kultidierrmgsmethoden für Siedlungen gewonnen werden können. Viele Meilen Bodens in der Umgebung von Rosch Pinah können ebenso entwickelt werden und viele blühende Dörfer können dort entstehen. Jeder, der ein oder zwei Dutzend der jüdischen Kolonien in Palästina besucht hat, muß zum Schlüsse kommen, daß die Bewegung, die derartige zivilisierte Siedlungen hervorgebracht hat und hervorbringt, eine Wohltat für das Land bedeutet. Jede neue Kolonie ist ein Zentrum des Fortschritts. Sobald die Rasiengegensätze, die durch politischen Uevereiser geschaffen wurden, beseitigt werden könnten, und wenn die Ansiedlung jüdischer Emigranten ar:f dem Lande dauernd, aber in keiner.: allzu raschen Tempo fortschreitet, so wird sich im Sause der nächsten Jahre die ökonomische Lage der Fellachen verbessern. Die arabischen Landeigentümer, die klug genug 'sein werden, die jüdische KoloPsation auf einem Teile ihres Bodens zu fördern und den Rest zu behalten, werden sich bereichern. Die arabische Delegation in London. Aus London wird uns gemeldet: Wie bereits beachtet, hat der Kabinettsausschuß, der sich mit der Frage der palästinensischen Verwaltung befaßt, das Ersuchen 'der arabischen Delegation, ihm ihre Klagen über die Bevwaltung des Landes vortragen zu dürfen, abgelehnt. Die Araber und ihre Förderer erheben nunmehr die Klage, daß man sie nicht anhören wolle, obgleich Herbert Samuel Gelegenheit geboten worden sei, vor dem Kabinettsausschuß den zionistischen Standpunkt zu vertreten. Der Kabinettsausschuß erklärte nunmehr, es wäre gegen jeden Brauch, daß ein solcher Ausschuß Delegationen empfange. Sir Herbert Samuel sei als Hoher Kommissär des Landes angehört worden. Im übrigen hätten die Araber während ihres zwölf Monate dauernden Aufenthaltes in England genügend Zeit gehabt, allen maßgebenden Faktoren die Forderungen bekannt zu geben und auch der Kolonialsekvetär Herzog von D e v o n s h i r e habe Gelegen- ■ heit gehabt, die Meinung der Araber kennen zu lernen. Die Verfassung Palästinas beruhe auf der im September 1922 erlassenen Verordnung (Order in Council) und die Regierung sei bemüht, sich auch fernerhin an diese Verordnung zu halten. Die Delegation der palästineitsischen Araber erklärt nunmehr, sie habe die Unterschriften vonhundertze h n Mitgliedern des Parlaments erhalten, welche mit ihrem Memorandum, das die Aendernng der Grundsätze der Palästfna-Admimstration in arabischem Sinne verlangt, emverüxvrd»n seien. \ Wiener Morgenzertung. 25, August 1923 Nr» WA»' belgische Reparationsplan ♦ Anregung zn interministeriellen Verhandlungen. — Wettere Durch arbettung der französischen Rote. — Die Frage des Antrittes Deutsch lands ln den Völkerbund. Paris, 24. August. Wie di: Blätter melden, enthalte die belgische Antwortnote zunächst eine Entgegnung aus die Argumente Lord Curzons betreffend die Priorität der Reparationen und den Austeilungsschlüssel von Spa. Sie suche ferner nachzuweisen, daß Großbritannien von Deutschland wenigstens ebenso hohe. Summen erhalten habe wie Belgien auf Grund seines Vorzugsrechtes. In der Frage des wiederholten Verzuges Deutschlands uich bezüglich der Legitimität der Ruhrbesetzung nehme Belgien den gleichen Standpunkt ein wie Frankreich. Westers werde ein Reparationsplan entwickelt, der als Grundlage für i n t c r mi n i st e r i c I l c Verhandlungen dienen könnte. London, 24: August/Das Rentersche Bureau erfährt, London, 24: August. Das Rentersche Bureau erfährt, daß in der Reparationsfrage während der n ä ch st e n zwei Wochen seitens England keinerlei neue diplomatische Schritte zu erwarten seien. In der Zwischenzeit werde die. Prüfung der Note Poincares fortgesetzt werden. Baldwin werde während seines Aufenthaltes in Frankreich zweifellos mit Cnrzon Fühlung nehmen und mit ihm den Bericht der britischen Sachverständigen über die französischen Argumente erörtern. Obwohl nichts endgültig vereinbart sei, sei cs doch wahrschein.i'h, daß Baldwin in ttwa zwei Wochen mit Poincare in Airlcs-Bains zu einer unformellen Unterredung Zusammentreffen werde. Bis dahin werde die französische Note gründlich durchgearbeitet werden und cs w-rdc möglich sein, zu sagen, ob durch die Abhaltung einer formellen interalliierten Konferenz irgend welche fruchtbare Ergebnisse gezeitigt werden könnten. Abreise Baldwin, «ach Frankreich. London, 24. August. Premierminister Baldwin wird morgen nach Aix-les-Bains abveisen. Beratnngen amerikanischer Politiker mit „ deutschen Parteiführern. Berlin, 24. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitzmg") Wie die ,^8. Z." nnttieilt, weilte auf der Rückreise von Ko- Sesterreich. Sit Arworth über Wien, Zukunft. London, 24. August. (Reuter.) Sir William A c w o r t h erklärte nach seiner Rückkehr aus Oesterreich einem Vertreter der „Times", es bestünden erfreuliche Anzeichen dafür, daß Wien im Begriffe fei, seine Stellung als Handelszent r u n: für das Donaubecken und Südosteuropa wiederzugetvinnen. Acworth sagte, es sei aller Gruick, zck der Annahme vorhanden, daß wem: das österreichische Volk die E i Is c n b a h n- Verwaltung bei der Durchführung von Ersparnissen unter stütze,'die Eisenbahnen st: zwei Jahren vollkommen rentabel sein werden. La, chriftlichsoziale Abkommen mit den Monarchisten genehmigt. Unter Vorsitz des geschäftssührenden Obmannes Fink hielt die christnchsoziale Gesamtparteileitung Donnerstag und gestern eine Beratung üb, an der Vertreter sämtlicher christlichsozialer Landesparteileitungen teilnahmen. Ein diesbezügliches Kommunique besagt: Nach einem Berichte des Abg. Schön st einer wurde das auf die Führung des Wahlkampfes bezughabende Uebereinkommen mit der Großdeutschen Volkspartei und mit der Sozialdemokratischen Partei einhellig genehmigt. Sodann berichtete Abg. Schönsteiner über die Verhandlungen, die zwischen Vertretern der Christlichsozialen Gesamtpartei und Delegierten der Partei der österreichischen Monarchisten zum Zwecke eines gemeinsamen Vorgehens bei den Wahlen gepflogen wurden. Das vom Berichterstatter vo-rgelegte Uebereinkommen wurde einstimmig angenommen. Die Vertreter der Landesparteileitungen erstatteten sodann über die politischen Verhältnisse in den einzelnen Ländern Bericht, wobei die Frage der Einheitsfront, beziehungsweise Einheitslisten, Gegenstand eingehender Erörterung bildete. Die durchgeführte Wechselrede ergab den einhelligen Wunsch nach Aufftellung einer Einheitsfront; bezüglich der Einheitslisten wurde, die Entscheidung den Wahlkreisverbandsleitungen überlassen.'Schließlich wurden die Richtlinien für eine möglichst einheitliche 'Durchführung des Wahlkampfes festgelegt. Re Nationalsozialisten Wen Wahienthaltnng. Riehl abgesagt. Donnerstag hielten die Nationalsozialisten in Abwesenheit Dr. Riehls eine Besprechung ab, in 'der mitgeteilt wurde, daß Dr. Riehl aus Urlaub gegangen fei und nicht mehr in die Parteileittung zurückkehren werde. Im Zusammenhang damit wurde gegen Dr. Riehl der Vorwurf erhoben, daß er den Wählpcikt mit den Großdout- Wtzrr vropyniert halbe. Werner wund» kottaekteN. daL die penhagen der amerikanische Senator Fr elinghny sei im strengsten Inkognito in Berlin und Haiti mit maßgebenden Kreisen aller Parteien Besprechungen mn ein Bild über die wirtschaftlichen, sinau ziclle n und politischen Verhältnisse Deutsch lands zu unterhalten und dein P r ä s i d e n.t nt d e: Vereinigte n Staaten darüber Bericht erstatten zn können. Zum,gleichen Zwecke weilt auch der Senator ^)w er und das Kongreßmitglied D u r t e n in B e r I: u. Frankfurt a. Main, 24. August. Die Franzosen Haber heute morgens die Zollgrenze bis über die Strecke K a m< h e rg — Es chh ose n — Li mbu r g hi na usge schöben, ft daß die ganze Strecke von Höchst über Idstein uaä Limburg jetzt ins besetzte Gebiet fällt. In der Eisenbahnbetrieb haben die Franzosen vorläufig noch wich! eingegr-ssen, doch ist in: Bahnhof Stafül bereits c.r Fahrplan angeschlagen worden, in den: die Einrichtung einer direkten Linie ,Limburg—'Höchst angMndigt wird. Re Friedensgesekschaft fordert den Beitritt Dentschland, in de» BNkerdnnd. Berlin, 24. August. (T'l. der „Wiener Morgcnzig.".) Die deutsche Friedensgesellschaft hat, wie das „Berliner Tageblatt" berichtet, dem Reichskanzler Dr. S t r e s cmann ein Schreiben übermittelt mit dem Hinweis, daß aus dem 'internationale:: Pazisistenkongreß in London im August 1922 bereits der englische Minister Fisher im Auftrag seiner Negierung erklärt habe, daß England den Antrag Deutschlands a u f A u s n a h m e in den Völkerbund begrüßen würde. Diese Aufforderung fei damals ohne Erfolg geblieben. Das deutsche Friedcnskartell sei überzeugt, daß cs der deutschen Würde und dem deutschen Interesse entsprechen würde, ivenn der Reichskanzler noch in der S e p t e n: b e r t a g u n g des Völkerbundes un: den Beitritt Deutschlands ansuch e n würde, da nicht der geringste Zweifel besteht, daß der Antrag, wenn auch nicht einstimmig, so doch m t Mehrheit angenommen würde. Nationalsozialisten an fcter Parole der Wahlenthaltung festhalten tverden. Die Parteikanzlei der Nationalsozialisten teilt mit, daß der von Riehl angekündigte außerordentliche Parteitag nicht stattsindet und daß die Bundesleitung nach wie vor aus dem einstimmigen Beschluß des Salzburger Parteitages sicht. __ Tschechll'Tlottmkei. Beneschs' Romreise. Prag, 24. August. Wie ,Zr:buna" erfährt, wirA Dr. Benes ch, der heute ans Topoltschan znrückgekehrt ist, morgen seine angekündigte Reise nach Rom antreten, wo er eine Zusammenkunft mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini haben ivird. Von Rom aus wird sich Dr. Benesch voraussichtlich direkt nach Genf begeben, um an den Beratungen des Völkerbundes teilzunehmen. 6 Das ,/Prager Tagblatt" erfährt, daß sich in Begleitung des Dr. Benesch auch der bevollmächtigte Münster Dvoracek nach Rom begeben wird, um dort Verhandlungen über den tsch echo-slowakischen Handelsvertrag einzuleiten. Bitte politische Kinhettssront der Süden von Karpathorußland. . . :.u§ PreßbMg meldet -mau üns: Die bisher in drei Pa^ ttefett zersplitterten Inden von KarpathorMand, welche nicht nur Mm Schaden der Iuldercheit diente,, sondern auch einer allgemeinen politischen KonsMdie-rnug im Lande hinderlich war, halben sich zu einer einheitlichen Partei zusammengeschlossen Die begrüßenswerte Einigung erfolgte über Initiative der Regierung, welche eine ZusammenLuiNft der Exekutive der drei Parteien anregte, die am 24. d. in Beregszasz stattsand. Zr der Konferenz waren ungefähr 160 Delegierte erschüiun, welche die Mschnatimmlbe, die jüdischbürtzeMche und die jüdisch« konservative Partei vertraten. Namens dsr Iüdischnationalen Partei erklärte M. Gnttmann, seine Partei halbe stets die Vereinigung mit' anderen jüdischen Parteien propagiert unt> l«gte die folgende Resolution vor: „Die Jüdischnationäie Partei begrüßt mit Freuden die Bereinigung mit anderen jüdischen Parteien, verlangt aber die EnnuMion der vereinigter Partei, daß sie .der hebräischen Krlltnmbbeit gegenüber Mnr'indest eine wohlwollende Nsutralität einzuhailten be-a>bsichttgt. Dagegen stellt die Jüdischnwt-wncrle Partei ihre ganze Kraft' der gEeünsam >en Arb eitzur Versügung." Die BerisMrmlung erklärte öinstinuniig, daß sie bereit s«, dLqke MinimaMond^LNs dw MMwMoWchvd » &