Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1627 (23.8.1923)
- Date
- 1923-08-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980708--15889-3002753- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ä8» JC2TI Wlett, Donnerstag Wienee Morgenzeitrv. 33. -August 1928 Seide 8 ßWze«, mit derKraNkerDerfichevungals Unterinstanz, das Auslangen zu finden und als Mitte'linslanz die Uufallverficherungsmstalt hevanzuzichen. Zur obersten Ldontrolle sei ein kleines fdeichsverstchevu-ngsamt zu schaffen. Die Unterstützungen der wbeAAos gewovdönen, minder erwerbsfähigen älteren Personen seien den heutigen Bechältnissen anzupasfen. Der Bcnchterstatter erklärte, daß ein Eingehen in die Spezialdebatte dvst daun möglich sei, wenn die Regierung zu diesen Abänderungsvorschlägen Stellung genommen habe. Mgeovdneter Smitka stellte den Antrag, sofort in die Fpegialdebatbe oinzugehen. Dieser Antrag wurde nach einer längeren Debatte ab ge lehnt. In der Döbaitte kam auch die Frage der Sol b st ä n d i- ^enver ficherung zur Sprache, wobei sich die Vertreter der Parteien grundsätzlich für die fakultative Sekbständigenversichemng ausspmchen. Der Unterausschuß beschloß schließlich, die nächste Sitzung Sir Mittwoch den 29. d. einznberusen und die Negierimg zu ieanftragen, ihre grundsätzliche Steltturgnahrne zu t>cn Abinderungsvorschlägen des Referenten dem Unterausschuß brtanntzugeben. Tschecho-Slowaker. Sie Gemeindewahlen und die Natisnaliuden. Prag, 22. Art First. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) die politische Kommission des Zionistischen Zentralomitees in der tschecho-slowakischen Republik versendet das olgende offizielle Commmnque: Anläßlich der bevorstehenden Gemeindewahlen irr der schecho-slowakischen Nepublik fordern wir alle Gesiimuugslenossen auf, sich für die Vereinigten jüdischen Karteien einzusetzen. Wo kein Wahlkomitee der Vcrrmgten jüdischen Parteien besteht, oder wo keine Aussicht ins den Erfolg dieser Liste zu erwarten ist, werden die Geinnungsgenossen aufgefordert, sich unverzüglich mit a n- > eren jüdischen Gruppen zwecks Bildung eines iokalkomitees der Vereingten jüdischen Parteien ins Einernehmen zu setzen. Mit Rücksicht darauf, das; am 2. Sepember der Endtermin für die Einreichung der Kandiatenlisten abläuft, sind alle vom Wahlgesetz vorgesckiriebeien wahltechnischen Vorbereitungen unverzüglich zu reffen. De? AergarbeArrffreik. Prag, 32. August. (Tel. der „Wr. Morgcnzeitrmg.") Die LlerhaMungen zwischen den V c r t r e t e r n der n or d »ohmischen Kohlenreviere und den Vertretern der lrbeiterschaft wurden heute den ganzen Tag fort- ,esetzt. Die Verhandlungen nehmen einen g ü n st i g e n Fortgang. FugosiaWim. Wahlsieg der Radikale«. Belgrad, 21. August. In der gestrigen Sitzung des Kinistervates erstattete Minister des Innern Milorad V u jilie Bericht über den Verlaus und das Ergebnis der Gene indewah l e n in Serbien und Montenegro. Im ganzen zählen Serbien und Montm^o 2241 Gemeinden. Dio Radikalen siegten in 1082 Gemeinden, Denwlraten in )54, Landwirte in62. Demnach erhalten die Radikalen die Mehrheit der Gemeindeverwaltungen. Die Wahlen verliefen ruhig mit Ausnahme von Koiovsla Mitrovica, wo es zu blutigen Zusanunen stoßen zwischen Türken und Sorben gekomuien war. Wodurch Visse Zuisamnienstößc veranlaßt wurden, ist noch nicht scstgestellt. Nach den bisherigen Jnsormationeu wurden dabei 6 Personen getötet, fünf schwor verwundet, während zahlreiche Personen blich t,ere Verletzungen davontrugen. VMM. Auflösung der MgleruugstzaM? Budapest, 22., August. (Tel. & „Wr. 2Rorgenzeit:n:g".) Das ungarische politische Leben hat wieder eine große Sensation. Wie verlautet, soll die Regierungspartei des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen aufgelöst werden. Die Sprengung der Regierungspartei wäre ans die .Haltung der kleinen Landwirte znrückznsühren., die wegen der Steueverhöhnngelt und der Verzögerung der Vodenreform äußerst erbittert sind. Gras Bethlen hat, wie die Blätter berichten, seine Popularität unter den kleinen Landwirten verloren. Diese Tatsache wird durch eine Resolution dokumentiert, welche in einer Provinzversammlung der kleinen Landwirte gestern e i n st i m m ig angenomnlen wurde. Abgeordneter Szabo hielt gestern in seinen: Wahlbezirk eine Rechenschaftsrede, nach welcher seine Wähler ihn znm Austritt aus der Regierungspartei ausforderten und ihn: sowie dem Ackerbauminister Stephan Szabo Nagyatadi eitle Resolution zukommen ließen, in welcher sie ihrer Unzufriedeicheit Ausdruck geben, daß die Regierung das Großkapital unterstütze sowie bisher nichts zur Durchführung einer Bodenreform unternommen habe. Unter dem Drucke der allgemeinen Unzufriedenheit und Erbitterung fordern daher die kleinen Landwirte den Abg. Eory Szabo ans, ans der Regiernngspartei unverzüglich aus zu treten und die alte Partei -der kleinen Landwirte wieder hevFüstelleu. Sämtliche Landwlvteorgauisatiouen in: Lande werden dringend ersucht, sich diesem Beschlüsse anzuschließen. Misrachi landeszentrale Heule Donnerstag den 23. August 1923, 7 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental, 11.,Taborstrasse 6 Rabbiner BCaPififfl aus New York Univ.-Prof. S^BClCg Mitglied der Exekutive Diese Resolution hat in politischen Kreisen ungeheures Aussehe:: hervorgerufen. Ackerbaumimster Stephan Szabo Nagyatadi machtedaraufhin in den Abendblättern die sensationelle Aeußerung, Zdaß nach dieser Resolution die Regierungspartei als ausgelöst betrachtet werden müsse. Ueber seine Absichten und über die kommenden Möglichkeiten verweigerte der Ackerbaumiinister nähere Angaben. In Kreisen, die dem Ministerpräsidenten Grafen B e t h l e n nähestchen, wird diese Aktion als ein Versuch angesehen, den Ministerpräsidenten, der momentan von Budapest abwesend ist, zu stürzen. Man spricht seit mehreren Tagen von einer Kabinettskrise, da Finanzminister Kallay, Minister des Innern Rakovszth, Justizminister Dr. Emil Nagy, Volks ernähr::ngsminister Dr. Johann Bud und Volkswohlfahrtsminister Dr. Josef Waß zuvücktreten sollen. Von einen: bevorstehenden Rücktritt des Ministerpräsidenten war aber bisher nicht die Rede. Nach dom oben erwähnten Beschluß und nach der Aeußerung des Ackerbau Ministers wird aber in Parlamentarischen Kreisen angenommen, daß der A ck e r b a u m inister Stephai: Szabo als Führer der kleinen Landwirte die Negierung übernehmen werde. BanditenMigM der Finanzvache des Sedenburger Kreises. Budapest, 22. August. (Tel. dt ,Mr. Morgenzeitung".) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung interpellierte Abg. Joses Oe stör (Regierungspartei, kleiner Landwirt) wegen verschiedener Exzesse der Mitglieder der bnrgenländischen ungarischen Zollwache. Die burgenländischen Finanz-, Zoll- und Grenzwachen müßten binnen kurzem gänzlich neu organisiert oder vollständig aufgelöst werden, weil ihre jetzigen Mitglieder — lauter g e w e jene Offiziere und Soldaten — die Sicherheit des Lebens und Vermögens der eigenen Bevölkerung gefährden. Er erzählt mehrere Fälle, in denen Finanz- und Grenzwachen friedliche ungarische Staatsbürger, ja sogar ganze Dörfer mit Salven beschossen haben. Im Lause dieser 2Loche seien mehrere Leute sch w e r verletzt in das Krankenhaus von Oedenbnrg gebracht worden. Der Finanzmimster versprach in: Namen der Negierung die Einleitung einer strengen Untersuchung. Ire Angelesenhett Lrvdvatzs. Budapest, 22. August. (Tel. der „Wr. Morgenzcitung") Der Stellvertreter des Ministerpräsidenten DaruVary hat heute die Vollmacht zur Einleitung des Strafvers a h r e n s gegen den Abgeordneten Stephan L e n d v a y wegen seiner bekannten Rede in Ezegked erteilt, in der Lendvay s ch a r f e Kritik an der Regierung übte. Die Anklage lautet aus Ehrend e leidig u n g und B grl e n n: d u n g der Regie r n »l g. In der heutiger: Sitzurrg der Nationalversanmüung wurde die Frage der Aushebung der Immunität des Abgeordnetat Lendvay aufgeworfen. Abgeordneter Rassay beantragte die Vertagung der Angelegenheit ans morgen. Diesem Antrag wurde stattgegeben. Recheaschastrberichte MenschWerWer AbgearÄrrrtsr. Den: ungarischen Minifterpräsidentetr Grafen Be t hl c n wird diesrnal, da er sich zu einer der wichtigsten Reifen nach Genf entschließt, der Abschied vor: seinem Lande wahrlich nicht leicht gemacht. Seine rechtsradikalen Gegner bereiten ihn: eine regelrechte Katzenmusik, die nicht nur in Ungarn, sondern auch in Genf gehört werden wird und durchaus nicht dazu angetan ist, das in Betracht kommende Auslar:d für Ungarn und eine ungarische Anleihe günstiger zu stimmen. Gö m bös macht dem Mini sie vpräsihenten das Leben recht sauer und dort, wo er nicht selbst durch Wort und Tat eingreift, läßt er seine Güneraltambonrs, den lieben Tibor Eckhard und das Schreckenskind Stephan Lendvai-Lehner, in die Bresche treten und den Ministerpräsidenten und das Parlament beschimpfen. Eckhard und Lendvai haben letzten Sonntag in ihren Wahlkreisen Necheuschaftsberichte abgehalteir. Während aber Eckhard immerhin auf eine, wenn auch nicht rühmliche, so doch längere Parlameittslausbahn hiniveisen kann, so mutet es astatisch grotesk an, daß Lendvai-Lchner, der in: ganzen einen einzigen Tag in: Parlament war, dessen Mandat vor der Annullierung steht, in Csegled feinen Wählern einen sogenannten Rechenschaftsbericht erstattet. Dieser Recheuj'chaftsbericht sieht auch danach aus. Er erging sich in ein wüstes Geschimpfe, erklärte, daß es unwiderlegbar erwiesen sei, „daß die Bethlen-Ätegierung nicht nur eine „Panan::stenregrerung", sondern auch jedes moralischen Gefühls entbehrt und sich nicht einmal aufrasfen konnte, an dem Tage, da sie auf dem tnovalischen Galgen baumelte, ihren Platz zu verlaffeu. Die Lage der BechlenMegierung sei bereits unhaltbar geworden. Hunger und Revolten und andere furchtbare Dinge drohen dem Lande, aber Bethlen geht nicht, denn er glaubt, er sei unersetzlich. Aber meines Wissens wird Bethlen doch eines Tages, wenn auch des natürlichsten Todes, sterben. Wenn nun, Gott behüte, den Mnisterprsidenten morgen der Schlag treffen würde, müßte deshalb das Land zu existieren auf'hören?" Im weiteren Verlause seiner Rede faßte er sein Programm in die -beiden Sätze zusammen: Entfernung der Bethlen-Regierung und die radikale Lösung der In den frage. Er und seine Partei werden nicht eher ruhen, als bis die Diktatur der christlichen Magyaren errichtet sein wird. Nach ihm sprach der berüchtigte Ladislaus B.u d av a r y, der sich ausschließlich auf die Hetze gegen die I u d e n verlegte und das Auditorium durch seine Lügen und Verleumdungen so sehr in Erregung versetzte, daß ein sofortiger Ausbruch der Leidenschaften zu befürchten 'war. Budavary forderte, die Lösung der Judenfrage solle den Erwachenden Ungarn überlassen werden, die da zeigen würden, daß innerhalb zweier Monate in Ungarn Ordnung herrschen lvürde. Denn entlveder müßte das Judentum oder das Magyarentum ausgerottet werden. Wegen dieser Rede wurde über Verfügung des stellvertretenden Aiinisterpräistdeuten die Staatsanwaltschaft ermächtigt, gegen Lendoar -das Strafverfahren einzuleiten. In der Wahlerversammlung des Eckhard ergriff auch Julius Gömbös das Wort. Er kündete den schärfsten Kampf gegen'die Bethlen-Regierung an und sandte Botschaften an die Arbeiter, die Landwirte und an die Juden, in l>eirctt er allen diesen Volksschichten mit seinem Zorn drohte, wenn'sie sich ihn: nicht willig zeigen wollten. In seiner Botschaft an die Juden sagte Gömbös unter anderem: „Den Juden 'lasse ich sagen, daß wir ein turanisches Volk sind, das aus Asien kam unter Führung von Führern auf weißen Rossen, stolz und unbeugsam. Wir waren niemals Sklaven, wir brauchen kein anderes göttliches Volk. Wir selbst wissen es, daß das magyarische Volk dazu berufen ist, zu führen und einen Staat zn bilden. Wir sind nicht darauf angewiesen, daß uns Fremde führen. Ich lasse ihnen sagen, daß sie in sich gehen und das magyarische Selbstbowußtsein nicht provozieren. Sie mögen in sich gehen und von selbst jene Positionen einnehmen, die ihnen kraft ihrer Verhältniszahl gebühren. Sollten sie aber in der Aufreizung fortsahren und gegen die ungarische Rasse einen jüdischen Raffenschutz etablieren, dann wird die Zeit kommen, wo wir miteinander sehr ernste Worte sprechen werden. Es werden sehr ernste Worte sein, aber in erster Reche werden wir mit jenen christlichen Magyaren reden, die Freunde der Juden deren Taschen wegen sind." Polen. Repatriierte polnische Bürger werden ansgewiesen. Warschau, 22. August. (Del. der „Wr. Morgenztg.") Nach beim Repaitriisrungävertraige, Weilchen Polen mit Sowj-etrnßland qm:- der Sowjetukraine am 24. Februar 1921 abgeschlossen hat, hal>e>: diejenigeic Pechonen, welche m:f dem Gebiete Polens noch vor dc-m -Kri,ege gewohnt haben und wäihveud des Krieges nach RuMcvnd gekonmun oder dorthin Fwangswölfe gebr-acht wurden, das Recht nach Polen zurückzu kehren und eryalten auf Grund des polnischen Gesetzes vou: 20 Jänner 1920 a n 1 o an atis ch die poluitsch^e Staatsbürgerschaft. Diese Bkstinminngen wurden bis Mitte 1922 regulär durchgesnhrt, däml aber sandte das poln'iische Mnistwium des Innern unter den: Elnflnfse der von 'der Hetzpnesse verbreiteten Legende über die Massenznwandernng von Juden aus Rußland ei« neues Zirkular an die polnischen Viwtretungen, leine Bisa ohne Anfrage beim Jnnenm.inisteriun: anszugüben. So Wurde die Rcpatriievnng erschwert. Als nunmehr die Bestimmungen über die Dnrchwanderung von Personen aus Rußland in der letzten Zeit verschärft wurden, nahn: das polnische Jnnenminrstevium Anlaß, wm eine Anzahl von Repatriierien (die von: „Rajen Hajnt", dem diche Nachvicht entnommen ist, ange-, führten Fälle betreffen durüM-egs Juden) unter^der Motivievung cnlsznweisen, sie hätten keinen genügende-n Beweis erbracht, daß sie polnische Staatsbürger seien. Diese Motiviemmg steht mit dem obenerwähnten Repatriierungsvertrag in Widcvsprnch. Die bisher belannlgewordenen Fälle beiresseu hauptsächlich Kaufleute und R-e i s ende. PiUdski Mer PoiizeiaMchtt Warschau, 22. August. (Tel. der „Wr. MorgenM.^ „R o b o t n i l“ meldet, daß nach Wittra, wo der frühcre Staatspräsident Pilsudski jetzt eine Reihe von Bovtvägen hält, im Austrage der Rogrevmig der frühere Ehef der politischeu Defensive, Swvlkin und Mi Offiziere entsendet wurden, um PilsudW^^ „politisches Verhalten" zu kontrollieren. Das Blatt bemerkt dazu, daß StvoKin nach der nationakdenw'lratischen Verschwörung von: 12. Dezember 1922 seine Stelle als Ehcf der politischen Defensive in Warschau verlassen mußte. Nun wurde er wieder eingesetzt und hat die nationale politische Gesinnung des ehemaligen Staatschefs zu beaufsichtig::. GÜSilSRäumunswkauf km Ufareitliaus [Schiffmann!!., Taborstraße 48 Telephon 47*1-79 En gros En detaSI