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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-19 · Heft 1623 (19.8.1923) · p. Seite 13

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1623 (19.8.1923)
Date
1923-08-19
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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m. vm Wien, Sonntag niederSsterreMchw 2060 bis 2100 K. In Gerste ist das Gcschaftnoch rmmer recht schwach, die Tendertz neigte zugunsten »er Kcmser, die in der Lage waren, ihren Boda-vf zu etwas billit^eren Preisen orndecken zu köirnen. Slowakische Braugerste erzielte 2400 bts 2650 K., mährische 2400 K. Wien, österreichische Braugerste fand Unterkunft m 2100 K. ab Tulln, zu 2125 K. ab Petronell, zu 2100 K. ab Mistelbach. In der Slowakei wurdet: seitens des Malzsyndikates größere Käufe in den Preisareuzeu von 0.96 bis 1.15 tschech. K. ab Stationen getätigt. In Mais ist das Geschäft gleichfalls von geringem Umfange, die Preise sind ziemlich unverändert. Rotplatamais wurde zu 3060 K. ausgenommen. Hafer ist sowohl in alter Ware für sofortige als auch im neuen Produkt für spätere Lieferung reichlich angeboten. Preise verharren auf tiefstem Stande und sind mit 220$) bis 2300 K. zu beziffern. Der Absatz an beit Lokalkoni'um ist nicht unbefriedigend. In Nauhfutter haben sich die Preise für Stroh weiter ermäßigt, der Konsuln versorgt sich nur in «ehr bescheidener Weise. Die zweite Hand scheint irr Mehlen nicht mehr über reiche Vorräte zu Verfügern Wenn auch iricht gesagt werden karrn, das; die Mühlenfordcrnngen voll in Geltung steherr, ist doch die Kanfstinunnng eine freundlichere, und hie und da hört rnan auch, das; bessere Preise erzielt, werden. Rogcvm und Brotnrehlc, ebenso Kleie, bleiben vernachlässigt. Es notieren pro Kilogramm ab Wien (exklusive der Pauschalwarenumsatzsteuer): Weizen inländischer 2950 bis 3050 K., Roggen inländischer 2050 bis 2150 K., tschecho-slowakischer 197 bis 1.00 tschech. K.. Gerste inländische 2150 bis 2300 K., ffchecho-slowakische 2300 bis 2550 K., (1.- bis 1.15 tschech. K.), »b Marchegg, Mais 2650 bis 2750 K., Cinguantin 3350 bis 3450 K.. Hafer 2200 bis 2300 K.. tschecho-slowakischer 0.95 bis 1— tschech. K. ab Grenze, Reis italie,rischer 7050 bis 7250 K., Burnra 5000 bis 5100 K., Siam 6950 bis 7150 K., Bruchreis 4200 bis 4300 5k., Hirse 2450 bis 2550 K., Brein 4600 bis 4800 K., Mohn 11.000 bis 11.500 K., Weißbohnen inländische 3800 bis 4000 K.. ungarische 4900 bis 5100 K., Linsen inländische klein 7600 bis 8000 K., groß 10.000 bis 11.600 K., Kartoffeln inländische gelb 800 bis 900 St., weiß 500 bis 600 K., rosen 400 bis 500 K., Zwiebeln Makkoer 1250 RS 1350 K., Nüsse rrnnänische 16 bis 20 Lei. Pflaumen bosnische md serbische 80/85 4600 K.. 95/100 4400 K.. 110/120 4200 K., PlaumenmuS 4800 K., Rummrmalz 4300 bis 4400 St., Malzkeime 1700 bis 1800 K., Biertreber 1450 bis 1550 K., Reps 4900 bis 5000 K., Wicke 2800 bis 3100 K., Zuckerrübenschnitten entlaugt 1300 bis 1400 K., Preßheu österreichisches 1300 bis 1450 K., Bundstroh gepreßt 1100 bis 1150 K., lose 1000 St. ab Stationen, Leinsaat 5600 bis 6000 K., Hanfsaat 5800 bis 6100 K., Repskucherr 2400 bis 2500 K., Esparsette 4300 bis 4400 K., Weizengrieß inländischer 5800 bis 5900 5k., Weizenmehl inländisches 5200 bis 5300 5k., ungarisches 4500 bis 4800 K.. Brotmehl inländisches In 4200 bis 4300 K., Futtermehl Ja 2000 bis 2050 K., Roggenmehl la 3400 bis 3500 K.. tschechoswwakisches 70°/,ig 3800 bis 3400 K., S^lXeic inländische 1225 bis 1275 St., ausländische 1200 bis 1250 K. Vew-Vvrkr» 17. August. Banrnwollzrrsuhrerr in den atlant. und Golfhäfen 4000, im Jrrrrern 8000, Ausfuhr nach Großbritannien 7000, nach dein Kontinent-. Lokalmarkt middlinp: 25.65 (gestern 25.75). Tendenz: stetig. — Tennine: August 24.70, September 24.75, Oktober 24.44, November 24.30, Dezember 24.27, Jänner 23.90, Februar März 23.98, April Mai 23.88 Juni Juli 23.54. Die Devisenkurse. Budapest. 18. August. (Kurse der Debisenzentrale.) — Amsterdam 7610 bis 7710. Bukarest 80.— bis 87.—, Kopenbagen 3640 bis 3660, Christiania 8130 bis 3250, London 87.200 bis 89.600, Berlin 0.0050 bis 0.0070, Italien 820.— bis 855.—, Paris 1050.—bis 1086.—, Prag 565— bis 589.—, Stockholm 5065 bis 5245, Zürich 3440 bis 3560, Wien 0.2680 bis 0.2820, Sofia 150.— bis 157-, Belgrad 200— bis 208.-. New-Por! 19.100 bis 19.700, Warschau 0.0860 bis 0.0960, Brüssel 835.- bi8 870.-. Warschau» 18. August. (Devisen.) Berlin 0.06'/,, London 1,160.000, New-Pork 243.500.-, Prag 7150.-, Wien 3.45. New-Norkt» 17. August. (Devisen.) London 456, Paris 551.—, Berlin 0.0024, Mailand 428.75, Zürich 1810.—, Kopenhagen 1861.—, Stockholm 2665.—, Christiania 1644, Amsterdam 3936.—, Prag 293.25, Wien 0.14V,, Budapest Bukarest 42.—, Warschau 0.03V«, Madrid 1360.—, Helsingfors 278.—, Brüssel 438.—, Kanada 2’ile u. p., Brasilien 1.01.85, Argentinien 5243.-, Belgrad 105.-. Copyright 1923 Nachdruck verboten. Ä.Löwit-Verlag,Wfen-Leipsig. (68. Fortsetzung.) 8n Polens Wäldern. , Roman von I. Opatoschu. Autorisierte Ucbertragung ans dem Jüdischen von Siegfried S ch m i tz. Kapitel 9. Harmonie. Mordechai suchte in der Dunlelheit die Gartentür; da er sie nicht fand, kletterte er Liber ben Zaun; er schritt ziellos ü!ber das verschneite Feld und wunderte sich, daß es so glatt war. Er fühlte nicht das Stechen des Frostes; es tat ihn: loch, daß er nicht glücklich lvar. Tief in seinem Innern warf etwas Blasen: es war so doch nicht das Richtige, cs hätte anders seilt müssen! Und die paar Worte, die er s-o verlangt hatte, aus Riffeles Munde ztt hören, diese Worte erschreckten tifjit jetzt, und unaufhörlich fragte er sich — soll das Glück bedeuten? Je mehr er diesen Gedanken nachhing, desto stärker wurde sein Verdruß. Es nagte an ihm und jagte durch jedes seiner Glieder, warum ihn R'iskele liebte und nicht Felicia. Es hätte ja auch umgekehrt sein können. Wäre er dann glücklich? Wer weiß es? Wer? Ein großer Mann, bis über die Ohren in Lammpolz gehüllt, daß das Gesicht nicht zu sehen lvar, kam Movdechai entgegen und hielt ihn an: ,^Funger Mann, woher so ftxii?"' „Müßt Ihr das wissen?" „Also unverschämt bist du auch?" „Nicht mehr als Ihr!" Die Stimme kam Mordechai bekannt vor. Er wavf efnen scharfen Seitenblick ans die Gestalt und erkannte den bloßsüßigelt Israel. Movdechai wunderte sich, wohin der so spät ging. Der bloßsüßige Israel legte Mordechai eine Hand an! Nv SchMer imd sah ihn W an. Wtener Morgenzeitung. 19. August 1923 Seite lU Wien—Prag. Wieder kommt der Tag, an dem wir gegen die tschechische Phalanx Sturm laufen, und alle Anzeichen deuten' daraus hm, daß wir uns neuerlich blntigie Köpfe hol.'n werden. Die tschechische DurchlschnittsklasK dürste der Unsrigen kaum überlegen sein. Ihrer Meistennannschalst haben wir aber nichts Gleichwertes cntgegmgn,setzen. Da wir. unsere Lluswählmannschast überdies niedriger einschähen wile manchen Wiener Spitzenverein, und die Sparta so ziemlich mit dem tschechischen Teatn identisch ist, haben unsere AuAevlväMen gegen die Prager Städte-Ets wenilg Siegesaitlssichton. Die Erfahrung lehrt, daß ein Länder- oder Städte-Team dann ihre höchste Leistungsfähigikeiit erlangt, wenn sie sich auf eine hervorragende Meister.inannscha!ft stützen kann. Ungarns Borhcrrschast aus denk Festland wurde durch den kompletten M. T. K. gcschassvn. Oesterreich batte zur Zeit der Höchstform von Rapid keine Konkurrenz *u fürchten. M. T. K. und Rapid sind mm schwächer gaworden, tvodurch auch die nnga-rische uwd die österreichische Answahttnaiknschcht viel, an Schlagkrasi verloren haben. Ungleich besser sind die Tschechen daran, da die Sparta sich während der ganze.» Nachkriagszeit aus be-ispielloser Höhe halten konnte. Mit Rücksicht daraus, daß im tschecho-flowakischen FuMallsport wesentlich andere Gepftogmheitett üblich sind wie bei uns. dürste sich Sparta ttoch lange Zeit die dominierende Stellung bewahren. Die Prager Meistermannschaft hat es nicht notwendig, eigenen Nachwuchs h!.rant;u ziehen, da sie sich das Material dort HM. wo es zu finden ist. Die nationale Eigenliebe verbietet es ihr Wohl, sich Ausländer zu verschreiben. Im eigenen Lande gibt es aber unter den Konnationalen so viele gute Spieler, daß die Rühen der Sparta stets ansgofrischt und ergänzt lverden können. Akls allen Gauen der Dschecha -Slowakei landen die besten Spieler immer beim M-cist.'Mub. Talente können demgemäß nicht tvie bei uns verkümmern, da sie bei der Sparta die höchste CntwicklunaZstuse erreichen. Das von unseren nördlichen Nachbarn praktizierte Shstenr ist der Klasse des Sports zuträglich. Ob es mit tauglichen Mitteln MMwendet wird, ist eine andere Frage, die zu untersuchen wir aber nichts berufen sind^ Die Zukunft wird überdies^auch lehren, ob die durch die SVaria geübte Gepflogenheit. den Mr'vgen Vere'iuen die besten Spieler wevnrnebinen. nicht der Bwiteuentwicklung des Fußballsports schädlch ist. Tatsache ist, daß die Sparta der tschechischen Auswahlmannschaft eine gwaltige Spielstarke verleiht. Das Prager Team, das uns heute cntgegentritt, HM keinen schwachetr Punkt aufzuwcisen, was von unseren Repräsentativen wohl nicht gesagt werden kann. Wir habest bereits gestern unserer "Ansicht Ausdruck verliehuk, daß die Wahl Hugo Meisls nicht die glücklichste war. Bor allem glauben wir nicht daran, das; unsere Deckung ihrer Aufgabe nur haMvegs gerecht lverden kann. Der mit uitheimlicher Rüche spielende Kada, der die höchsten technischen und talMschion Fähiglkeiten besitzt und der es verstcht, nicht um einen Schritt zil viel zu tun, wodurch er mit seinen .Kräften hanshMeu kann, findet in Bra Mt etter keinen ebenbürtigen Widersacher. Der HlüttÄ'dovfer wird von Ka!da förmlich zu „Tode" gehetzt werden, ohne daß die Arbeit des crsteren irgettd tvelchen Oirttzciffekt zeitigen wird. Bott Kurz hat Brairdstetter keine iluterstütztlng zu erwarten, da der Ober->St. Beiter kauut dm an ilm aestell-tlm Ansorder-u-ngen wird gerecht werden können. Nietsch allein kann unsere Länserreihe auch nicht gesechtstüchtig machen. Menu nran noch berücksichtigt. daß die Teckuna der Dschechm noch über ihre anderen Akaultschaftsteile zu itclfcit ist. so wird utan ermessen können, wie weit wir in der Läuferreihe nuterlegeu sind. Ein Vergleich der beideseitigeit Bordertrciffen fällt für uns (benfalls uu-günstig aus. Aus seiten der Tschechen finden wir fünf auseinander abgesbiimmite hervorragende Stürmer von gctvaltiger Dlurchschlaaslind Schußkraist. Wir besitzen im Altgriff tvohl ebenfalls fünf ausgezeichnete EinzeLspNer, doch passen ihre Individualitäten nicht zueinander. Ohne Unterstützung , von ' rückwärts werden letztere Bau-m in der Lage sain, die eigene VertiLlidlgnng aus länigere Zeit zu entlasten. Wenn ein Mannschaftsteil von uns sich den Dschechm als gleichwert erweisen wllte.dann wird es nnr unsere Verteidigung sein. Die Hinterntannischaft unserer Gäste ist schwächer wie ihre Läufernicht Angriffsreihen. Bei uns vechält es sich gerade umgekehrt. Ostriczck und Bl>nm halben sich in zahllosen Schlachten bewährt und Scheuer hätte die Beruifung ins Teant schon längst verdient. Wir wollen absolut keine einseitige Orientierung Äoknntentierm. wenn wir feststellen, daß Scheuer eine weitaus schwerere Auisga.be wie Bluvt erwartet. Der Döblinger hat einen hervorragenden Borderinann, während sich der Hako»hner dieser Unt.crstützun>a karmr w^ird erfreueu können. Eine Niederlage der Oesterreicher crschoint nach menschlichem Evmessm unanMeiblich .Die Größe des Mißerfolges wird von unserer Bertsid'igung Mangen. Wird letztere ni!'.dergekä.mpft, dann können wir ein Debakel erleben. Das Schiedsrichieramt wird Herr Müllers innehaben. Die beiden Aiannschaften treten einander in folgender Aufstellung entgegen: Oesterreich: Ostriczek (Hertha): Schmer (Hakoah), Blnnr (Bimna): Kurz (Amateure), Brandstädter, Nietsch (Rapid); Seidl (I. A. C.). Nridil (Rapid), Schaffer. Wieser (Antateure), Wessely (Rapid). T s ch e ch o - S l o w a k e i: Hochmann: Hofer (Sparta), I. Paulin (Cechie Karlin): Cerveny, Kada. Kolenaty (Sparta): SMacek (Sparta), Bleek (Ccchic Karlin). Kozeluh, Dvoraeek. Simomk (Sparta). * Wir erhalten spät abends vont Wiener Fußbaltverband noch folgende Zuschrift: Mannschaftsumstellung. Für ben Posten des Mittelstürmers wurde vom Bundes» kapitän Schaffer auserfchen, itachdem sich Kuthan noch nicht so weit in Kondition fühlte, um in einer Woche gleich zwei große Spiele zrt absolviereit. Mit Sckiaffer wäre dadurch der wichtige Posten der Biannschaft sehr gut ausgofüllt worden. Leider aber leidet Schaffer au einer schweren Schenkelschwellttng, die ihn verhindert, seine ganze Kraft beim Spiel einzusetzen. Der Urtgar hat sich wohl bereit erklärt, diesmal sowie auch in Zukunft iederzeit mit Freuden für Wien zu spielen, doch bat er ben Bundeskapitän, attif seinen leidenden Fuß Rücksicht zu nehmen, linier diesem Umstand hat sich Herr Meisl entschlossen, deut wohl ttoch nicht gut trainierten, ober intmerhin gesunden Kuthan den Vorzug zu geben. Die Entscheidung hinsichtlich Schaffers erfolgte erst gestern abends, weil eine Besserung des angeschwollenett Beines Schaffers erwartet wurde. Da'sich jedoch der Zustand nicht änderte, wurde Kuthan ersucht, die Führung des Angriffes zu übernehmett, wozu sich der Hütteldorfer auch bereit erklärte. Bis gestern abends wurde dem Wiener Fnßballverband von Prag aus keine Aendernng in der Artsstellung der Prager Mannschaft gemeldet. Auch gestern eingetroffene Sportslente vom Prager Verband, wie Schiedsrichter Herites und andere, wissett nichts von den hier kolportierten Nachrichten, daß eine Untstellung vorgenoinnten ivurdc. Demnach werden die Tschechen zum ersten Male in diesent Jahre mit ihrer allerbesten Mannschaft unserem Team cntgegentreten. Gestellt war auch die Teilnahme Wiesers nicht ganz feststehend. Wieser hat im Spiele gegett Filtnland eilten sehr schmerzhaften Hieb auf ben Fußknöchel bekommen und litt überdies an Muskelsieber. Er ist sicherlich auch heute noch lticht hergcstellt ittib hätte lieber einem anberen Linksverbinder Platz gemacht. Der Bulldeskapitän fanii jedoch auf seine Mitlvirkung nicht verzichtett, so stellt sich Wieser trotz des leidenden Zustandes zur Verfügung. Die Prager Städtentannschaft mit bent Präsidenten Herrn Fanta ltnd dem internationalen Sekretär Herrit Scheinost an der Spitze ist gestern mit dem Mitternachtsschnellzug von Prag „Ah, bu bist das! Er hat dich also schoit in seinem Netz gefangen, der Abtvllnntge!" „Welcher Abtrünnige? Ich verstehe Euch nicht." „Du komntst doch Volt Daniel?" „Nein." „Wo warst bit also so spät?" Mordechai wollte ihm sagen, das gehe ihn nichts an, aber er fühlte, wir chn Israels schlvaräc Angelt durchbohrten und stotterte verlegen: „Wo ich war?" „Das frage ich dich." ,/Bei Re,b Dckvidl." „Wie konntest du bei Reb Dowidl seilt, da er uub seine Frau doch heute gar nicht in Kozk sind?" Mordechai ärgerte sich über seine Ausrede und wurde »öd) mehr verlegen. Aber üvar er denn wirklich verpflichtet, bent bloßsüßigelt Israel Rechenschaft a.btzulegen? Ehe er aber ltoch Zeit hatte, etwas zu sagen, leuchteteit Israels Angen aus unb er fuhr fort: „Weltu malt vort Reb Dowidl kmnmt, rnuß mau da über Zäune springen? Bekenne, daß dir von Daniell konmtst!" . j „Seit mehr als einer Woche hübe ich ihn lticht gesehen", verantlvortete sich Aiordechai schuldbewußt. ,/Jst das lvahr?" ,/So wahr ich ein Jude bin." „Ich glaube Vir, du bist doch Reb Iisches Schüler." „lWarum fragt Ihr um all das?" Mordechai vertrat Israel delt Weg; der Aerger darüber, daß er sich vor einem wildfremden Menschen verantwortet;hatte, begann in ihm zu wachsen. /,Kozk schläft ruhig, hat seine Seelen in Mendeles Obhut gegeben, Mendele — in Dowidls, Dowidl — in die des Sabbatianers." Israel schrie die Worte beirtahe, zog eilte kurze dicke Pfeife aus der Tasche und deutete mit ihr aus delt Hof. „Und dort geschehett jetzt Greuel wie in Sodom! Wehe, wehe, die Meltschen sind taub, die Menschen sind blind, sie schon nicht die sündige Seite vor ihren Augen, sie sehen nicht, daß der Sabbatianer mit fremden : Frautzn lebt. will Oy vernichten^ dm BeMex Israels; Sichst du da das bißchelt Asche?" Israel klopfte mit zwei Fingern an die Pfeife und schüttete ihre Asche auf seinen Kopf. „So werde ich ihn in alle vier Winde verstreuen, daß keine Spltr von ihm bleibe! Ein solches Unglück, ein Fluch!" Israels schwarze Augen blitzten; er hüllte sich fester in seinelt Lamiltpelz und ging ohne Gtttenachtgvuß. Mordechai blieb stehelt; die Begegltung hatte ihlt überrascht; ivas hatte Israel so spät hier zu tun? Er schaute Hm ltach; Israels hohe, etwas vorgebeugte Gestalt wankte über . das eisglatte Feld, schielt ztt sallelt, erhob sich wieder; in Aiordechais Ohrelt klang es ttoch — wehe, wehe, keine Spur wird bleiben — er erschauderte. Bor seinen Altgelt stieg das belagerte Jerusalem auf. Meuschelt kämpfclt mit der letzten Kraft, sie fallen in ben Gassen vor Hunger, aber sie lvollcn sich lticht dem Feind ergeben. Und unter ihnelt geht der Prophet lnit beut wildverwachsenen Gesicht umher lutt? hört nicht auf, Salz auf die Wunden zu schütten, unaufhörlich erinnert er sie daran, daß ein Fluch über der heiligert Stadt unb über dein Tempel hängt, daß alles vergebens ist, denn Jerllfalem nmß nlttergehen. Movdechai konltte nicht verstehen, warunt die verhungerten Juden delt Propheten nicht 'bei lebendigem Leibe in Stücke gerissen hatten. Er sah sich um und merkte, daß Israel ein Brett des Zamtes znrückbog und iu den Garten kroch. Mit Herzklopselt giltg ihm Mordechai nach. Er ging leise auf ben Zehenspitzen; als er zum Zaun kam und niemanden sah, hatte er ein Gefühl, als hätte er ettvas verlorelr. Um das Haus bülvegte sich eine Gestalt, richtete sich bei Daniels Fenster auf und blickte durch die Spalten des Ladeils. Movdechai wurde es unheimlich; stiit Hirn durchfuhr der Gedanke, der bloßblüßige Israel schicke sich an, den Hof in Brand zu stecken. Er erinnerte sich an Niskele) an Rabbi Meltdele, instinktiv drückte er cm Schiteckugel zusammen, warf sie in die Richtung des Fcllstcrs und versteckte sich. Die Gestalt führ hemnt, spähte, woher die Schneekugel kam und verschwand. (Fortsetzung tolgtL

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