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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-19 · Heft 1623 (19.8.1923) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1623 (19.8.1923)
Date
1923-08-19
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. IMS Wien, So im tag Wiener Morgenzeitung. 19. August 1923 Seile 11 Volkswirt. Gestempelte Krone — 0.0978 Centimes. Auszahlung Wien --- 0.0077'/« Centimes. In Zürich notierte 18./8. 17./8. die österreichische Krone . . . . 0.0077s/4 0.00777a die österr. gestempelte Krone . . 0.0078 0.0078 die tschechische Krone . . . . . 16.17-/. 16.177« die Mark. . . .. , . 0.000135 0.000150 Holland. . . 217.50 216.75 New-Aork. 553.— 551.50 London . . . 25.23 25.22 30.60 Mailand. 23.67 23.70 Belgrad. . . 5.80 . 5.80 Bukarest. . . 2.40 o_ Sofia. . . 4.50 4.20 Budapest. . . 0.037, 0.037« Warschau . . .. . . 0.0025 0.0024 Der AbbröckelnnWprozeß der enrspAschen Devisen. Rach Deutschland folgen Belgien und Frankreich. Seinerzeit wurde an dieser Stelle behauptet, daß der Abbvöckelungsprozeß der Währungen im Osten begonnen, in Mitteleuropa sich fort'setzen und auf Westeuropa ausdchnen werde. Die letzten Ereignisse rechtfertigen volltommen diese Behauptung. Früher sprach man von einem Währnngsznsammenbruch Rußlands. Int vorigen Jahre war von der Zermalmung der österreichischen Krone die Rede und Heuer bildet die Atomisierung der deutschen Mark den allgemeinen Gesprächsstoff. Und nun beginnen sich leichte, aber dennoch deutlich wahrnehmbare Merkmale des Zerrüttungsprozesses auch in Westeuropa geltend' zu niachcn. Die Vorgänge in Belgien und Frankreich dokumentieren dies ganz genau. Wohl haben der französische und begische Franken im Verhältnis zu den Zwergwährungen Mittel- und Osteuropas noch immer eine respektable Höhe inne. Werden doch in Wien für einen französischen Franken 3525 und für einen belgischen 3095 Kronen bezahlt. In Deutschland sind diese Währungen noch teurer. Dort werden für einen französischen Franken zirka 150.000 Mark und für einen belgischen Franken 123.000 Mark entrichtet. Also noch immer Riesenge'bäude gegenüber ZweWvährungen. Trotzdem sieht man, wie die Währungszerrüttuug, die von Osten gekommen, Mitteleuropa vollkommen infiziert, nunmehr auch allmählich ihre Wurzeln bei diesen Währungsmon streu auzusetztzlt beginnt. Mtürlich darf mau nicht die absolute Höhe dieser Währungen, die sie noch jetzt in der östlichen Hälfte Mitteleuropas haben, ins Kalkül ziehen, sondern muß ihre relative Gestaltung im Verhältnis zu den Goldwährungen in den letzten Tagen und Wochen zun: Ausgangspunkt der Betrachtungen. nehmen. Da zeigt sich das merkwürdige Bild, daß die Währung Frankreichs und Belgiens ebenfalls stark angegriffen ist und vehement im Kurse abbröckelt. Es ist wohl richtig, Frankreich hat schon vor zwei Jahren einen Rekordtiefstand seiner Währung mitgemacht. Auch in: Frühjahr dieses Jahres war seine Währung ans den internationalen Märkten etwas tiefer gewertet. Doch was damals schon als Rekordtiefstand angesehen worden, worauf die Finanzmänner dieser Staaten mit Angst und Scheu blickten, das tvar eine Abbröckelung mit einige Centimes, der tiefste Stand war höchstens ein Sinken um 5 Prozent. Durch die jetzigen Vorgänge ist dieser Wbröckelnngsprozeß viel stärker beschleunigt worden. Der Rekordtiefstand, der in den früheren Jahren erreicht wurde, ist längst überholt worden, öprozentige Mbröckelnngen kann eine Stützungsaktion leicht wett machen. Ob es aber Knrsniedergänge um zirka 20 Prozent und mehr in relativ kurzer Zeit so rasch wieder zum Verschwinden bringen kann, ist mehr als fraglich. Und noch ein Symptom kündet Ungünstiges an. Früher einmal war die belgische Währung der stete Bundesgenosse der französischen. Neben dem politischen Zusammengehen ivar auch eine fast gleiche ^Bewertung der Gelder dieser beiden Staaten auf den einzelnen Märkten verbunden. Die Differenz zwischen beiden Währungen war nur klein. Jetzt trennt ein meilenweiter Abstand die beiden voneinander. Die Wertungsdifferenz beträgt zirka 20 Prozent. Ein gewaltiger Unterschied, der Iveder Belgien noch Frankreich lieb ist. In Belgien hat die Währungskrise zuerst angefangen und hatte den belgischen Franken rasch ans 24 Centimes heravsinken lassen. Frankreich wurde von der belgischen Finanz um Hilfe angegangen. ES hat sich dazu bereit erklärt. Ungefähr 500 Millionen Franken, welche Frankreich seinem belgischen Bundesgenossen leihen will, sollen den weiteren Kurssturz des belgischen Franken verhindern und der Auftakt zu einer Stützungsaktion werden. Bevor noch die BerhaMungen perfekt wurden, sind die ersten Mittel zur Bersüglmg gestellt worden und haben eine kleine Erholung des belgischen Franken und seine Stabilisierung auf den internationalen Märkten bewirkt. Doch dies dauerte nicht lange. Kaum Ivaren die ersten Mittel verbraucht, da beginnt der belgische Franken weiter zu sinken. Frankreich hat seinen Stützungskredlt nur ungern gewährt. Es ist doch selbst schwer leidend. Auch seine Währung bröckelt immer weiter ab. Es ist leicht, bei dem überschwenglichen Nationalisnms, dem die Pariser Pvesie huldigt, die Schuld des Sturzes des französischen Franken auf englische und amerikanische Röachinationen zu schieben. Es wird von der Presse behauptet, daß diese Mächte durch ein solches Mittel Frankreich m& Belgüm in W Frage der ReparackiavMrffe fern Re Finanzmd KreditverhAtniffe in WMna. Ein Interview mit Direktor S. Hoofien. Las paM'meustsche MWuugswefen. — Ae Steuersysteme. — Lir Kruse der Anleihe. Das Problem des Wenbmes. - AusbM in die Zukunft. Der Direktor der Anglo Palestine Co., Herr S. H o o f i e n, der sich speziell mit Kredit- und Finanzverhältnissen befaßt, machte in einein Gespräch mit einem unserer Karlsbader Mitarbeiter ausführliche Mitteilungen über die Fraget! des Währungswesens, der Kreditgebarung und der Anleihe. Seit der englischen Okkupation gilt bei uns itt Palästina dieenglr s ch e W ä h r u n g. Im Geschäftsverkehr benützen wir außer einer kleinen, sehr geringfügigen Scheidemünze Banknoten ans die ägyptische Nationalbank, die jedoch nicht durch Gold, sondern durch britische Schatzanweisungen gedeckt werden. Der Kurs zwischen der englischen und der ägyptischen Währung ist vollkommen stabil. Wir haben also augenblicklich ßbr gute und stabile Währungsverhältnisse. Es ist jedoch natürlich ein sehr negativer Zustand, daß wir mit unserem Währungswesen ans eine fremde Regierung und auf eine fremde Nationalbank angewiesen sind, auf die wir auch nicht den allergeringsten Einfluß ausübeu können. Zwar funktioniert das System für den Augenblick befriedigende aber angesichts der Tendenz Englands, Aegypten eine fast vollkommene Unabhängigkeit zu gewähren, kann mau der Zukunft nur mit großer Sorge entgegensehen. Es ist deshalb erwünscht, daß Palästina eine eigene Währungsbasis erhalte, und zwar unter Wahrung des stabilen Verhältnisses zu der englischen Währung. Dieses Problem wird seit langer Zeit von der Negierung erwogen, die Erörterung der Frage hat aber bis jetzt noch keine praktischen Resultate gezeigt. Palästina ist eines der glücklicheu Snkzessionsländer, die ohne Kriegsschuld in die neue Aera eingetreten sind. Zwar rechnen wir damit, daß uns bei der endgültigen Schuldregelung mit der Türkei ein Proportioneller Teil der türkischen Schuld aufgebürdet werden wird, aber dieser Betrag, der schon ungefähr seststeht, ist ein durchaus erträglicher. Noch glücklicher sind die städtischen Bewohner Palästinas daran, die überhaupt keine Einkommensteuer' zahlen, und nur, wenn sie Immobilien besitzen, eine durchaus mäßige Bodensteuer zu entrichten haben. Die Entnahmen der Rcgiernng fließen hauptsächlich ans zwei Quellen: der bekanriten O s ch c r - S t e u e r, einer Jahrhunderte alten Entnahme des Zehntels vom Ertrage der Landwirtschaft, und zwar vom Bruttoertrages Zweitens atls denZolleinnahm e n, die sich im großen und ganzen noch mit dem alten türkischen Zollsystem decken, welches elf Prozent ad Valoren: beträgt. Es wird jetzt von der Rcgiernng eitle Reform der türkischen Täntätu-Steuer erwogen, die zu einer regelrechten Einkommensteuer ansgebaut werden soll. Angesichts der primitiven Wirtschafts- und Admiuistrationsverhältnisse ist es aber mehr als unwahrscheinlich, daß für absehbare Zeit eine richtige Eiukotnmenstetter ttach cnropäischcn Begriffen durchgesührt werden kann. Die vielbesprochene. Anleihe wird, wie cs scheint, nun endlich ans den Londoner Markt koinmcn. Man spricht davon, daß sie sich auf zweieinhalb M i l l i o n e. n P f tt tt b belaufen wird, und daß die Emmissiti schon gesichert ist. ES ist tticht wahrscheinlich, daß aus dem Betrage dieser Anleihe die Regierung, wie früher erwartet wurde bederrtende öffentliche Arbeiten in Angriff zu nehmen beabsichtigt, da etwa zwei Drittel des Ertrages ttötig seit: werden, um das Defizit zn decken, welches die palästinensische Regierung augenblicklich den Londoner Krottagcntctt für die Kolonien schuldig ist. Wie schon erwähnt, besteht teilt Zttsatttmenhattg zwischen dem Zustattdekomntcit der Attlcihe tind den großen öffentlichen Arbeiten, ttttb insbesondere ist es mehr als unwahrscheinlich, daß die Regierutlg atts Mitteln eitler Anleihe den Hafen banett wird. Tie Jnattgrissnahme des Hafenbanes wird Wohl der Privatinitiative überlassen bleiben. Erst in den ‘ letzten Wochen hat der Sachverständige des englischen Kolomalanttes, der die Hasenfrage geprüft hat, seinen Bericht erstattet. Dieser Bericht ist bisher noch nicht zur Beröffetttlichnng gelangt und erst, wenn er vorlicgen wird, kann man auf eine weitere Entwicklung dieser Angelegenheit hoffen. lieber die palästinensischen Kreditverhältmsse ist schon viel gesagt ttttb geschrieben worden. Man kann sagen, daß int großen ttttb gattzett die kommerziellen Kveditbedürfnisse vott den bestehenden Bankett gedeckt werden ttttb daß auch für den Kleinkredit eine genügettde Organisation und genügende Mittel vorhanden sind. Allerdings ist das Problem, wie matt der erst im Anfangsstadiunt begriffenen Industrie die nötigen Kredite beschaffen soll, ttoch nicht völlig geklärt. Für beit städtischen Häuser und Bodenkredit ist durch die Schaffung einer Hypothekenbank genügende Vorsorge getroffen. Diese Bank wird in kurzer Zeit ihre Pfandbriefe zu limitieren beginnet!. Die bestehenden jüdischen Siedlungen sind ntit lattgfristigen.Krediten ausreichend versorgt. Bott der nichtjudischen Landwirtschaft wird die Errichtung einer Agrarbank dringend gefordert und auch die Regierung befaßt sich seit Jahren mit dem Problem, hat es aber bis jetzt ttoch ztt keiner Lösnttg gebracht. Es soll bei der Bctrachtmtg des Kreditproblems niemals vergessen werden, daß, wie wichtig auch die Kreditfrage ist, ihre Wichtigkeit nicht übertrieben werden darf. Matt soll tticht glauben, daß nur durch Kredit und ans Kredit alleiit ein gesnttdes Wirtschaftswesen zt: begründen ist. Kreditgewährung setzt eine Kreditb a s i s voraus', und es ist vor allem diese Kreditbasis zu schassen, das heißt, Menschen, die Vertrauen verdienen und im Bestse gewisser eigener Mittel sind. , Die ökonomische Lage wird zwar tt: Palästina, ttttb nicht mit Unrecht, zienrlich schwarz beurteilt; aber es wird dabei zu sehr vergessen, daß bei den jetzigen Weltverhältnissen eine günstige Wirtschaftslage überhaupt in keinem Lande existiert. Wenn es gelingt, die jüdische Einwanderiing in vernünftigen Bahnen weiter zn organisieren und zu finanzieren, so braucht man keineswegs daran zweifeln, daß das Land in verhältnismäßig kurzer Zeit einen bedeutenden Auffchwung nehmen wird. ßörsero-KommSsstonscgesctiäfff und Wechselstube MAGIE» & Co. Wien, 8.^ Hohenstaufengasse 11 4027 machen wollen. Nur überschwenglicher Nationalismus kann in wirlschastlichen Baissemaßnahmen das Um und Ans einer gegnerischen Politik ersehen. Er ist nicht so weiffichtig, nur noch die anderen Gründe ebenfalls zu drtrchfchanen, die detn Fernstehenden, der die Verhältnisse fern von jeder Voreingenommenheit beurteilt, ganz klar vor Singen liegen. Es ist möglich und ist schon manchmal vorgekommen, daß Uuterminierungsangrisse eine Währung erschüttert haben. Namentlich Frankreich hat dies gezeigt, als es durch die int Nuhrrevier gesammelten Milliarden die Mark und ihr Ansehen aus den internationalen Märkten vollkommen untergrub. Frankreich konnte sich dies leisten. Die Mark, die cs für diese Zwecke erhielt, waren mit keinen: Kostenaufwand verbunden. Ganz anders ist es bei Cnglmd und Amerika. Eine absichtliche Konterinine des belgischen und französischen Franken wäre mit ungeheuren Kosten für die Kontermineure, die konsequent auf Baisse hinarbeiten, verbunden. Es ist für die Wirtschaft eines Staates nicht gleichgültig, wenn feine Privatwirtschaft für einen Franken, für den sie vor einem Monat noch 36 Centimes erhielt, nunmehr nur 30 erhalten sollte, nameirtlich dann, wenn die Privatwirtschaft eines solchen Staates große Forderungen in französischen oder belgischen Franken beim französischen oder belgischen Gläubiger einzufordern hat. Das sind Verluste, die schwer sind, und die sich ein die Gesundung seiner Privatwirtschaft anstrebender nicht gestatten darf. Es ist sehr nnwahrschenuiw. daß sich wirklich England und Amerika solcher Mii! /:;. Z.enen. Es wäre für diese Kansmannsvölker mit : großen Kosten verbunden. Schon das allein ist der Grund, weswegen sie eine solche Absicht nicht durchführen werden. Und wem: die französische Presse ihnen so etwas zugemutet hat, so hat sie nur ntit der französischen Mentalität gerechnet, die sich dieses Mittels gegenüber Deutschlands bediente. Andere, diel tiefer liegende Motive sind es, die hier den Sturz verursachen. Sie liegen in der Wirtschaft Frankreichs und Belgiens selbst. Auf die Dauer lasien sich die Mängel einer Wirtschaftspolitik, die nur aus das Einlangen von Reparationslieferungen und Einhebung von Kontributionen eingestellt ist, nicht verhindern. Mit dem Moment, ws diese' fremden Leistungen ansbleiben, fehlen sie der Wirtschaft des betreffenden Staates, und die Folge davon ist eine Währnngszerrüttmtg infolge unselbständiger finanzieller Wirtschaftsführung, die nicht Mi ihren finanziellen Mast» nahmen ihre eigene Wirtschaft als solche ins Kalkül zieht und nicht die Einkünfte von außen als erwarteten Gewinn betrachtet. Die fehlerhafte Einstellung der frartzöisifchen und belgischen Finanzwirtschast, die sich vielleicht nicht so sehr in der Staatsals in der Privatwirtschaft äußert, ist es, welche den Anstoß zu diesem Abbröckelnngsprozeß gegeben hat. Dir Wirtschaft als solche, beziehungsweise ihr Organismus, Ivaren <ut und für sich schon geschwächt. Der Bazillus der Währungsinflation hat einen guten Boden gefunden. Er nistet sich gründlich ein. Die polnische Naphthaindustrie. (Eigenbericht der „Wiener MorgenzeitunchZ B o r y § l a w, 16. August. Die Gesaiiuprodnktion der Gruben int Boryslaiver Naphthctrevier betrug int letzten Monat zirka 4270 Zisternen .Rohöl, wovon ans Boryslaw 1352, Mrazmca 842, Tusiattoloice 1816, SchoduZa 188, Pereprostyna 10,50 Urycz 36,50 und die Rohölsangstelle 19,25 Zisternen entfallen. Der größte Teil der obigen Produktion fällt wie gewöhnlich den Produzenten-Rassinenrett zu. Der Anteil der „reinen" Produzenten am Gesamtergebnisse beläuft sich auf 1404,08 Zisternen. Davon entfallen ans französische Firmen 578,99 Zisternen, ar:s polnische Untern eh mungett 680,88, dctttschösterreichiljche Firvten 79,80, englische 30,22, belgische 38,78 Zisternen. Die erste Stelle in der gesamten Produktion nittf/crc§ Naphthagcbietes nimmt die Gesellschaft Gali cj a mit 627,38 Zisternen ein, dann folgen: Dabrowa 662,98, Silva-Plana 551,8, Premier und Harkwa 533,45, Fcmto 508,38 ttftr

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