Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1623 (19.8.1923)
- Date
- 1923-08-19
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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CSetfe 18 Men. Sontttag Bühne Md Kauft. Klmstpolitil des „Ancien reglme" um die Jahrhundertwende. Von Kurt Kaiser Blüth (Kassel). Ganz durch Zufall fiel mir kürzlich der von Emil Thoutffl im Walter Fiedlerscheit Verlag in Leipzig lWI herausgcgebenc „Schriftsteller- und Iournalistenkale>tdcr" in die Hände. Hier befindet sich unter der Rubrik ,Minke für Dramatiker" em tabellarisch ungeordneter FragebM", der unter dem Stichwort: Welche Stücke sind von der deutschen Bühne ausgeschlossen? sämtlichen deutschen Bühnen vorgelegt worden ist. , Das hierauf eingelaufene Antwortenpodpourri wirft coarakteristische Streiflichter nicht nur auf die köstliche Naivität und das kleinlich-impertinente Banausentum gewisser deutscher Dheaterindentanturen als auch auf die systematische Einwirkung jener schamlosen Jntrigervpolitik, die die Bühne znm Heloten- Werkzeug royalistischer Machtkonspirationei», zvr Propagandaabteilung des Hauses Hohenzollern zu degradieren versuchte. Im folgenden die Antworten der Bühnen: Eine größere Anzahl Bühnen antwortete lakonisch ohne jegliche Bindung: „keine". (Unter diesen Bühnen mit unbeschränktem Aktionsradius finden sich zum Beispiel Agram. Erfurt. Gotha, Jena, Koburg, Konstanz, Peine - - -) Eine andere Gruppe, glücklicher präzisiert, aber ebenso nichtssagend: „schlecht e". Das Schiller-Theater (Kiel): „Stücke sozialdemokratischen Inhalts..."; Atehrere Theater verbitten sich ganz energisch Stücke, die mehr als sechs (!) Personen verlangen. Besonders verpönt sind natiirlich Werke, die „gegen Moral und Sitte verstoßen". Vornehm, wie es ist, verbittet sich das Bromberger Theater: „RevolverLoinvidien.. In Budweis wendet man sich gegen „zü laszive Stücke und moderne (!) Unanständigkeit". „Politisch zweideutige (sic!) Ware, sogenannte Sittenbilder" (Hoftheater Dessau). „Pikante Stücke, Zoten" (Fürstl. Theater, Dessau). „Antireligiöse . . ."•• (Stadttheater Linz). ,-EheLruchsdr<rmeu" (Darmstadt.) Das Eisenacher Stadttheater erklärt mit Loyalität, alles aufsühren zu wollen, von der '„Dame bei Maxim" bis „Iphigenie" ... „Realistische und soziale" (Passau). „Unanständige" (Zürich). Einzelne Theater wehren sich gegen Stricke, die „gegen Religion, Staat und einzelne Gesellschaftskreise" gerichtet sind. „Stücke mit sozialer Terrdenz, inhaltlich unästhetische" (prachtvoll gesagt übrigens!) sind zum Teil unter die Kategorie der Verfemten gestellt. Den Elou aber schießt die Direktion des Oondershausener Stadttheaters ab, die mit der ganzen größenwahnsinnigen Impertinenz der Schmiere versichert, daß ihr in tiitfster Seele verhaßt sind die „Stücke von Sudermann, von Hauptmann (mit eventueller Ausnahme der „Versunkenen Glocke'O E. c. u. p. P." Das war im Jahre 1900. Ob es heute uw so vieles besser bei uns geworden ist? Mu Trauermeettng für Morris gtosenseld in London. AuS London wird uns geschrieben: Aw 30. Tage nach vem Ableben des berühmten jüdischen Volksdichters Morris Rosenfeld wurde im Pavillon-Theater in London ein Trauevmeeting abgehalten, dem eine ungeheuere Menschenmenge beiwohnte. Zu dem Meeting waren auch bekannte Persönlichkeiten aus der englischen Schriftstellerivelt erschienen. Bernard Shaw und Israel Zangwill, welche ebenfalls geladen waren, entschuldigten ihr Fernbleiben mit herzlichen Worten des Gedenkens für den Dichter. Israel Zangwills Schreiben, daß von überaus großer Verehrung für Rosenfeld Zeugnis gibt, sei hier im Wortlaut angegeben« Es lautet: ,^Jch bin sehr erfreut daß Ihr, meine Freunde, einen Gedächtnisabend zu Ehren Morris Rasenfelös veranstaltet, welcher ohne Zweifel der größte jüdische Dichter war, der je in London geschaffen hat. Er war auch ein großer Deklamator und hätte auch ein großer Schauspieler sein könneü. Das habe ich festgestellt, als ich einem seiner Vorlesungsabende präsidierte. Ich hatte auch den Vorzug, ihm ein wenig helfen zu können, als er sein erstes Gedicht in englischer Sprache schrieb. Der Name Morris Rosenfeld wird stets in Erinnerung bleiben und seine Werke werden nicht nur in der jüdischen, sondern auch in anderen Sprachen gelesen werden, in bie er übersetzt wurde. Es ist mir sehr unangenehm, daß ich aü diesem Gedenkabend nicht teilnehmen kann, da ich mich außerhalb Londons befinde." Auch von der Wilna er Truppe, die demnächst in London gastieren wird, war ein Begrüßuumschreiben angelangt. Der Abend, welcher mit einem El Mole Rachm'im begonnen wurde, umfaßte Gedenkreden, Vorlesungen aus Rosenselds Dichtungen und gesangliche Vorführungen von Kompositionen zu seinen Gedichten. „Die Wienerwaldfee:" (Metropoltheater.) Der Gegensatz zwischen Hochadel und Kleinbürgertum P auch in der Republik ein dankbares -Operettenmotiv gerieben. ,Lhre Hoheit, die Herzogin", gcht unerkannt auf Abenteuer, „Madame Pompadour" möchte sich wieder einmal ungeniert amüsieren und so wahrt auch Komtesse Beate (in der „Wenerwaldfee" von Dominik Czap und Franz Wiener Morgen-eiLurrg._ Arche r) auf einem Wiener Volksfest sorgsam ihr Inkognito, sic begegnet dein Arzte ihrer Sehnsucht und wird nach Ueberwindung der üblichen Schwierigkeiten seine Wienerwaldfee fürs Loben. Ein Operettcnkonflikt wird ja leicht gefunden und ebenso sorglos im dritten Akt zur Zufriedenheit des recht anspruchslos gewordenen Publikums gelöst! — Man unterhielt sich über die Gestalt eines Privatdetektivs, der diesmal nicht füdelte, sondern ausgiebig böhmelte, und in Wortverrenkungen und -Verzerrungen Akrobatenarbeit leistete, man fvcut-c sich über die eingängliche Musik von Theo Has.linger, die, wenig originell, aber schmissig und temperamentvoll, mit dankbaren Schlagern aufwartet. Ein Wiener Walzer, ein ungarisches Terzett, das Duett „O Trude" und namentlich der Hcmptschlager, „llm eine Frau zerdrückte keine Träne", sicherten der Operette einen stürmischen Premierenerfolg, an den: auch die flotte Darstellung hervorragenden Anteil hatte. Der fesche Herr Norbert und die refchc Mim,» Stelzer, der böhnrolndc Herr W a g n e r, die Damen Richett i und Zottl, die Herren Schulz und Parti mußten immer wieder Hervorrufen Folge leisten. flb. Berufung eines Wiener Künstlers nach Amerika. Der bekannte Bildhauer und Medailleur Hans Schaefer, Mitglied des Oosterreichischeu Künstlerbundes, wurde an die Flour City Ornamental Iran Company in Minneapolis in den Vereinigten Staaten berufen und hat dieser Berufung bereits Folge geleistet. _ Aus den Theatern. Volksoper. Heute „Carmen". Morgen Montag „M a r g a r e t h e" (mit Ada P o l j a k o w a als Gast). In den Kammerspielen findet Dienstag den 21.d. im Rahmen der Nachtvorstellungen die Premiere des dreiaktigen Schwankes „Die Dame auf der Chaiselongue" („Une Femme couchee") von Andre Beaubh und Lucien Monseigneur statt. Johann Strauß-Theater. Direktor Erich Müller vom Johann Strauß-Theater teilt uns mit, daß sein Theater keinem Konzern angehört und an keinen Verlag gebunden ist; alle Angebote, die auf eine Vertrustung der Wiener Theater abzielen, wurden von ihm abgelohnt. Im Carl-Theater beginnt die Operettensaison am Samstag den 1. September mit der Leo Falschen Operette „M ad a m e Pompadour" in der Originalbesetznng mit Mrmi Kött in der Titelrolle und Ernst Tautenhayn in der männlichen Hauptrolle. In der R en aissaneebühne gcht Dienstag den 31. d. die Premiere des dreiaktigen SMvankes „M ad a m e B o n i v a r d" von A. Bisson und A. Mars in Szene. Das Apollotheater trifft die Vorbereitungen für die am 1. September stattsindende Erstaufführung von Oskar Straus' Operette „Die törichte Jungfra u". Hans Thimig vom Großen Schauspielhaus in Berlin, der durch das Entgegenkommen Reinhardts für ein Gastspiel in dieser» Operette freigegeben wurde, ist bereits in Wien eingetroffen. Literatur. BerSsfeiltlichrmgen der Femsalemer UniverMt. Unter den: Titel „Scripta universitatis atque Bibliothecae Hierosolymitanarum" wird unter Aufsicht der Jerusalemer Universität und Bibliothek eine Reihe wissenschaftlicher Schriften herausgegcben. Diese Schriften bieten den jüdischen Gelchrten aller Länder Gelegenheit, sich auf dem Gebiet der Wissenschaft zu begegnen, sie geben aber auch der Universität Jerusalem die Möglichkeit, mit den Universitäten und wissenschaftlichen Institutionen anderer Länder in einen Austausch wissenschaftlicher Publikationen''zu treten. Die Schriften erscheinen periodisch. Jede Ausgabe umfaßt vier Bände, welche die exakten Wissenschafter» unter Leitung Albert Einsteins, Biologie und Chemie unter Leitung A. v. Wassermanns, Geisteswissenschaften unter Leitung E. Cassirers und orientalische Wissenschaft und Wissenschaft des Judentums unter Leitung V. A p t o w i tz e r s, A. Buchl e r s und I. Loews behandeln werden. Die ersten Bände aus der Reihe der exakten Wissenschaften und der orientalischen und jüdischen Wissenschaften erscheinen bereits in kurzem. Sie enthalten Beiträge von: Mathematik und Physik, 1. Band. Prof. Dr. E. Landau, Göttingen: „Ueber diophantische Approximationen"; Prof. Dr. H. Bohr, Kopenhagen: „Ueber einen Satz von Edmund Landau"; Prof. Dr. G. Loria, Genova: „Osservazioni relative atta Rappresentazione analitica dei sistemi elementar! di coniche o quadriche"; Prof. Dr. I. Hadamard, Paris: „La Nation de differentielle dans l'ertseignement"; Prof. Dr. A. Loewy, Freiburg; „Ueber algebraisch auflösbare Gleichungen"; Prof. Dr. A. Fraenkel, Marburg: „Die Axiome der Mengenlehre"; Prof Dr. A. Einstein und Dr. I. Grommer, Berlin: „Beweis der Nichtexistenz eines überall regulären zentrisch symmetrischen Feldes nach der Feldtheorie von Th. Kaluza"; Prols. Dr. L. S. Ornstein, Utrecht: „Eine neue Methode zur Jntensitätsmessung im Spektrum"; Pwf. Dr. T. Levi-Civita, Roma: „Sulla Beloeita di Trasporto nel moto ondoso permanente"; Prof. Dr. Th. V. Karman, Aachen: „Ueber die Grundlagen der Balkentheorie"; Pwf. Dr. S. Brodetzky, Leeds: „Fluid motion past circular barriers"; I. Poppe r-Lynkeus, Men: „Grundschema eines Schraübenfliegers". — Orten* talia und Judaiea, 1. Band. Rabb. Dr. S. Klein, Nove- Zamky, Tschecho-Slowakei: „Die Küstenstraße Palästinas"; Prof. Dr. E. Täübler, Zürich: „Das Land Kde und das Volk Gojim"; Prof. Dr. E. Mahler, Budapest: „Zur Chronologie der El-Amarna-Zeit"; Rabb. Prof. Dr. I. Scheftelowitz, Köln: „Die Bewertung der aramäischen Urkunden von Assuan und Elephantine für die jüdische und iranische Geschichte"; Pwf. Dr. V. Aptowitzer, Wien: „Jüdisches in syrischen Rechtsbüchern"; Prof. Dr. I. Horovitz, Frankfurt am Main: „Das koranische Paradies"; Prof. I. Davidson, New-Iork: „Liturgie Fragments front the Genizah",; Pwf. 19. August 1923 Nr. 1688 B a b, Mag. Dr. S. H. M a r gn l i c s, Fireitze: „Dal Schwertlicd Ezechiels"; Prof. Dr. A. Sch.warz, Wien: „Die Hauptergebnisse der wissenschaftlich-hermeneutis^en Forschung"; Prof. Dr. S. Krauß, Wien: „Glossae Sacre"; Dr. I. Klausner, Jerusalem: „Dl>e Origin of the Mrshnaic Lyn« guage"; Prof. Dr. E. Mittwoch, Berlin: „Hebräische Etyinologien"; Oberrab. Dr. I. Lö w, Szeged: „Muscari ^nd Ornithogalum"; E. R u b i n o w i tz, Jentsalem: „The Cap«- Trcc". Die Beiträge sind in der Sprache des Verfassers wie auch iu hebräischer Sprache veröffentlicht. Die Ueber« setzungsarbeitcn wurden einem Kollegium anvertraut, dessen Mitglieder durch ihre wissenschaftliche Ausbildung wie durchs ihre Kenntnis der hebräischen Sprache hierzu besonders geeignet erscheinen. Die Werke sollen zur Schaffung und Fort-' bildung eines streng wissenschatftlichen hebräischen Wortschatzes und einer hebräische»: Termirwlogie beitragen. Die gut ausgestatteten Quartbände werden tut Bttchhandel erhältlich fein. Tschechische Uebersetzungen der Kabbala und des Koran. Der Prager Orientalist Dr. I. Ei send erg läßt in der Bücherreihe des akademischen Vereins „Kapper" Uebersehungen der theoretischen und praktische»: Kalbbala erscheinen. Fern« hercuet ec eine tsch.bische Uetertragutz des Koran vor. Blicherelnlauf. Chajim Arolosoroff: „Die Kolünisatioitsfinanzcn der I» wish Agency". Hitachduth-Derlag, Berlin. Prof. Dr. I. Ziegler: „Das »nagische Judentum", Verlag Kaufmaim. Leipzig. B. Segel: „Philosophie des Pogroins", Philo-Verlag, Berlin. Dimitri Bulaschow: „Bolschcwrsrnus mtd Judentum", Philo-Verlag, Berlin. Adolf Böhm: „Der Jüdische Nationalfonds", dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, herausgegeben vom Hauptbuveau des Jüdischen Nationalfonds, Jerusalem. M. A. Wiesen: „Thorat Halaschon", Verlag Menorcch. Wien, hebräisch. R. A. B e e r m a n n — Artur Rundt: „Palästina", ein Reisebuch, Verlag Thal, Wien. Klal-Bibliothek: Epiktct Philos: Aphorismen Laotse: „Das Buch vorn göttlichen Gesetz" (jüdisch). Gordon: Gedichte. R. Nathan Han oder: „Sefer Javan Mezulah (hebräisch). Klal-^Berlag, Berlin. Markgrasenstraße 73. Vilma von B u k e l i ch: „Die Heimatlosen". Roman. Deutschösterreischer Verlag, Wien-Berlin. Serichtrsaal. Verteidiger und Richter. Unter Leitung des Landes» gerichtsrates Dr. Mitterlechtter (Strafbezirksgericht Füufhaus) fand gestern die Verhandlung über eine Ehrenbeleidigungsklage statt, die die Baurneistersgattin Erna Hahn gegen den ungarischen Grafen Paul Almasy wegen Ehrenbeleidigung eingebracht hatte. Graf Almasy ist der Schwiegersohn Stephan Trszas, der im Hause des Grafen Wmasy et* mordet wurde. Im Jahre 1921 verbrachte er den Sommer in seiner Villa in Neuwaldegg. Am 25. Juli 1921 ging die Baunteistersgattin Erna Hahn in Begleitung der Lchreri« Aitrty C a s p a r h über eine kleine Brücke, die von der Villa .des Grafen auf die Straße führt; die Brücke ist Eigentum deS Grafen, wird aber wie ein öffentlicher Weg benützt. Der Graf hat nun der Klägeriit das Weitergehen verwehrt und als diese sich darauf berief, daß ja die Brücke allgemein benützt werde, ihr zugerufen: „Gehen Sie weg, Sie gemeine Person!^ Frau Hahn hat hierauf gegen den Grafen Almasy beim zuständigen Bezirksgericht Fünfhaus die Ehrertbeleidigungsklag« erhoben. Der Vertreter der Klägerin, Rechtsanwalt Dr. Julius Much, bemerkte, daß der Herr Graf sich erst nach zwei Jahren bewogen gefühlt habe, vor Gericht zu erscheinen. Er leugnet, die inkriminierte Aeußernng getan zu haben, es liegt aber seinerseits eine schriftliche Aeußernng vor, in der cs heißt: Sollte die Dame in meinem damaligen Vorgehen etwas Unkorrektes empfunden haben, so bitte ich sie ergebenst um Ver«, zeihung für die ntir vollkomrnen mtbewußte Kränkung. Seitens des Richters wird nun auf Grund dieses Passus ein Ausgleich angeregt. Der klägerische Anwalt ist bereit, einen Ausgleich z« schließen, wenn der Graf einen Sühnbetrag leistet und die Kosten tragt. Der Beschuldigte, der ohne Vertreter erschienen ist, lehnt den Antrag auf Zahlung einer Sühne und der Koste»» ab, da er eine Beleidigung nicht begangen habe, und es wird in die Verhandlung eingegangen. Die Zeugin Amty Caspary hatte deponiert, daß sie die inkriminierte A-eußerung nicht habe hören können, da sie zu sehr entfernt war, sie sei nämlich zurückgeblieben. Nach kurzer Zeit der Verhandlung erhob sich Dr. Much und stellte den Arttrag, die Verhandlung ab zu brechen, bezw. zu vertagen, da er den Richter, den er sonst schätze und verehre, als befangen ab lehne. Der Richter habe nämlich eine Aeußernng getan, aus der sich eine Voreingenommenheit für den Beschuldigten zeige. Seirt Verhalten gegenüber dem Beschuldigten sei ein derartiges, wie er es bei einem „gewöhnlichen" Angeklagten nicht anwetrdeü würde. Der Richter lehnte jedoch den Antrag ab, da seinerseits eine Befangenheit nicht bestehe. Nach Schluß der Verhandlung, vor der Urteilsverkündigung, regte der Richter nochmals einen Ausgleich an, der aber wieder an dem Grafen scheiterte. Landesgerichtsrat Dr. Mitterlechner sprach den Beschuldigten von der Wider ihn «erhobenen Ehrenbeleidigungsklage frei. Der Vertreter der Klägerin, Dr. Julius Much, erhebt sich, nachdem der Richter die Urteilsbegründung beendet hatte, und ruft dem Richter in höchst aufgeregtem Tone die Worte zu: „Wenn es sich um eine Gräfin hartdeln würde, dann wären die Gründe ausreichend." Richter: „Ich warrte Sie, Herr Doktor, in diesem Tone sortzusahren, mäßigen Sie sich!" —> Dr. Much: „Ich wiederhole meine Worte." — Richter: „Gegen den mir gemachten Vorwurf der Parteilichkeit werden Sie sich zu verantworten habe»:." — Nachdem noch Dr. Much die Erklärung äbgegeber» hatte, daß er gegen das Urteil berufe, schloß her Richter die aufgeregte Verhandlung,