Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1621 (17.8.1923)
- Date
- 1923-08-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mieuev Morrgenzeitung. mt im Atzttz» § Wien, Freitag_ tzzntzdw sprachen gegen ihn und seine Verurteilung stand tovßer Zweifel. Da begibt sich der Jude in seiner äußersten Bergweiflimg zmn Boihuser Rabbi, der die Auseinandersetzung mit dem armen Juden bis zum Bechandlungstag hin- Aoy. Am Tage der Verhandlung setzte der Rabbi den Juden trotz seines StvLubens 4n ein Dcchneoupe erster Klasse, schickte i^r in die Stadt und trug Hm auf, fleißig zu beten, denn Gott werbe chm nicht verlassen. Im Coupe erster KLasse traf er mit dem mlogirito reifenden Just'ymlnifter zusammen, dem er sein Leid Tagte. Der JusttMninister erbarmte sich des Juden und bsschklotz, der Sache auf den Grund zu gehen, und tatsächlich forderte der Minister — natürlich immer noch inkognito — die Unschuld des Juden und die Schuld des Pfarrers, des Richters und des Notars zutage. Die Becharrdtnug fand statt und ncchm den von allen erwarteten Verlauf. Scho« sollte das Verfahren abgeschlossen und der Jude verurteAt werden, da meWete sich der immer noch unerkannte JdchiMrmjfter zum Wort, lüstete sein Inkognito und wies die UnschuD des Angeklagten und die Schuld seiner Verfolger nach. Der Idvde mußte freigefprochen werden. Literarisch hat dieser Roman fast gar keinen Wert. Eine wicht u-nibetkannite chaffidische Legende wird hier mit unzulänglichen schriftstellerischen Gaben kiiMich naiv verarbeitet. Daß dieser arme jüdische Schullehrer nicht im Traum daran gedacht hat, mit diesem Roman, wie er sein Buch nennt, sich einer Aufreizung gegen das rumänische BvÄ oder den vmnLlvitschen Staat schuldig zu mache«, ist gantz klar, und es dürste sich im Verkauf des gegen ihn emgsleiteten strafrechtlichen Verfahrens auch heraüsstellen, daß er seinen schriftstellerischen Ehrgeiz schon mit dem Schrecke«, den er bisher mrsigefk-andon hat, und mit der eintägigen PMzeihaft, die er drnchMnnachen hatte, schwer genug gebüßt hat. Trotze BrSnde in Ungarn. Budapest, 16. August. fTel. der „Wr. Morgenzeitung".) In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wüteten in der Gegend von Szegedin zahlreiche große Brände. Der größte Brand Hot die Gemeinde Dorozsma bei Szegedin henngesucht, wo viele Getreidespeicher vernichtet wurden. Der Schaden beträgt hier zirka 100 Millionen Kronen. Auch in Battonya und Mako wüteten verheerende Brände, die enormen Schaden vorittchachten. Hakenkreuzhetze mV „ttneftten* Ruhrkinderu. Ein gewisser Ja nicke hat mit Hakenkreuzen geschmückte Rrchrkrrcker nach der Stadt Insterburg gebracht und sich geweigert, einem angesehenen Juden, der ein Kirid in Pflege nahmen wollte, «in solches zu übergeben. Jänicke berief sich auf eine vo« Dr. Di-nter gefälschte Talmudsteile, wonach einem Nichtjuden die vom Tische gefalle-nen Besamen nicht gegeben werden sollten, „denn ein Nichtjude ist weniger als ein Hund". Wie nun die ,Ostdeutsche Vollszettung" mittellt, ist nicht nur die erwähnte Dakmudstelle gefälscht, sondern die ganze Ruhrccktion des Herrn Jänicke, denn die HaLenkreuKinder stammen überhaupt nicht aus dem Ruhrgebiet, sondern werden zu Propagandazwecken mit dem Hakenkreuz geschmückt und unter Absingung des Ehrhardt-Liedes durch verschiedene Ortschaften geführt. (& C. B.) _ 9tei Todesopfer des Starkstromes. Bei dem stnchtlbaren UnglückSfall im Trattnerhof, von dem wir gestern berichtet haben und bei dem dreiArbeiter hprrch Berührung einer Sbnckstwmlerttmg den Tod fanden, tauchte -die Vermutung ans, daß eventuell fremdes Verschulden Vorlagen konnte. Die Staatsanwaltschaft hat sofort die Eigen Erhebungen eingeleitet nnd aus Grund von Sachverständigengutachten festgestellt, daß fremdes Verschulden nicht vorliegt. Es handelt sich um einen unglücklichen Zufall. Die Leibung ist keine Starkstromleitung, sondern eme gewöhnliche LichKerttmg und die tödliche Wirkung des Stromes ist nur darauf zuvückzuführen, daß sich in der alten Röhrenleitung und auf dom Boden des Kellers Salzwasser angesarmnelt hatte. Las Gerichtsverfahren gegen den Schwerinvalidenderband — eingestellt. Auf Grund verschiedener Beschuldigungen, die vor einigen Wochen gegen den Obmann des Verbandes der Schwerrnvaliden Heinrich Gallos erhoben wurden, wurde gegen ihn und andere Funktionäre des Verbandes von der Polizei eine Untersuchung einyeLettet, nach deren Abschluß die Akten an die Staatsanwaltschaft weitevgelertet wurden. Der Verband der Schwerinvaliden und Hilflosen Oesterreichs teilt uns nun in einer Zuschrift mit, daß das Stra-sversahren gegen Gallos und die anderen Funktionäre des Verbandes eingestellt wurde, weil k e i n G r u n L zur weiteren gerichtlichen Verfolgung dieser Personen vorhanden -war. Lie Löhne der ftöütischen Bedieusteteik und der negative Index. Da die im Verwaltungsdienste der Gemeinde beschäftigten Beamten nach denselben Bestimmungen besoldet werden wie die BundesangestMen, erfolgt auch für die städtischen Verwaktungsbeamten keine Kürzung der Bezüge infolge des negativen Index. Die Bediensteten der städtischen Unternehmungen^ die nach« Kölle kt ivverträgen entlohnt werden, erhalten wach einer gleitenden Skala, die sich nach dem Index bewegt, bewegliche Bezüge. Es müßte daher dem Personal der städtischen Betriebe ein entsprechend dem gefunkenen Index gekürzter Lohn ausgezahlt werden. Die Bediensteten der städtischen rlnternehmuwgen haben mm die Gsmeindeverwaltung um die Fortbezahlung der Bezüge in der gegenwärtigen Höhe ersucht. Die Gemeinde hat diesem Ersuchen entsprochen und die Bezüge Zum Neuen Jahre ratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden (Gästen, Kunden) In der am Dienstag, 11. September I. J. erscheinenden RÖSCH- HASCHANAH Nummer unseres Blattes Sie sparen Geld, Zeit und MUhe! Preis für das Elnheltslnserati Für Wien und Deutschösterreich.. . K <90*000 Für die Tschechoslowakei ......... Xe 20 Für Polen.. poln. Mb 100*000 Für Jugoslawien . . .. . Dinar 50 Für Rumänien ............... Lei 75 Schweiz und das übrige Ausland ..... Frcs. 2 MUSTER« Ignaz Bodenslein Mähr.-Ostrau, Schlossgasse 13 gratuliert allen Verwandten, Gesinnungs* genossen und Bekannten zum Neuen Jahre! werden für die Bediensteten der städtischen Anternchimmgen auch für diesen Monat ungekürzt ausbezahlt. Der negative Index hat daher für die Tarife der städtischen Monopolbetrisbe keine Wirkung. SchSnwetter in Aussicht. Oesterreich hatte gestern trübes und kühles Wetter. In der Donauniederung wehte ein frischer Westwind. Die Mittagstemperaturen waren gestern bis zu 12 Grad niedriger als vorgestern und erreichten nirgends 20 Grad. Graz meldet bei IS Grad ein Gewitter. Die Wetterlage spricht für kürzere Wetterperioden. Voraussage: Veränderlich, dabei abnehmende Bewölkung, mäßige Temperaturzunahme, in der Donauniedernng böige Winde. Re LebensmittelmSrkte. Die Me ischzu fuhren sind anhaltend günstig, die Nachfrage nach wie vor nicht allzu groß und trotzdem gchen die Preise nicht herunter. Kälber und Kalbfleisch haben sich sogar im Großhandel um 2000 K. pro Kilogramm Wetter verteuert. Die Preise für Rindfleisch urnb die "anderen Gattungen blieben sowohl im Großhandel als auch im Detailverkaus unverändert. Auf den Grünwarenmärkten, die schr reichlich beschickt sind, waren nur unbedeutende Preisrückgänge: für mindere Qualitäten von Gemüse zu beobachten. Im großen und ganzen blieben die Prese auf der Höhe des letzten Markttag-rs. ■ Bon Obst waren namentlich Birnen und Aopfel in großen Mengen vorrätig. Erste re waren je-doch minderer Qualität und kosteten 1600 bis 1000 K., letztere 2000 bis 1000 K. pro Kilogramm. Schwämme find nur schwach vertreten. Eierschwämme kosteten gestern 10.000 bis 12.000 K. pro Kilogramm Eier und Butter sind in t^darfdcckenden Mengen angeboren. Kleine Lolalchrosik. Während der Wiener Messe vom 2. bis 8. September wird der Leuchtbrunnen aus dem Schwarzenbergplatz in Betrieb gesetzt. Mitteilungen aus dem Pnbkknm. Kultus u.Justiztalare u.Barette liefert ir» schönster Ausführung die bekanntoslo Spedalfirma 235 DIinnVE /SniRPTBlN Zivil- und Uniformschneider KUUULl uULUalEiil Wien. 11. Yaborstr. 54. Tel. 45*6-29 Gegründet 1666 - Große Auswahl feinster Stoffe fßr Maßbestellungen 17. August INS ... c * Der Rabbi von Zabno gestorben. Im Sanatorium Loew M der Wunderrabbl Sälomon David Ungar ans Zabno üv GalUien. der in seiner Heimat großes Arische« genoß, gestorben. Gestern um drerviertel 5 Uhr nachvntttagS wurde seine welche m einem dem Perfonemuge der^ Nordbahn angehän^ ten Güterwagen nach GaRüen gebracht. Im Nockbahnbssti hatten sich etwa hundert ChasMm eimMmden. die von ihrem Rabbi schmverzlichen Abschied nahmen. * Gedalja Bublik, der Wefredakdcilvr des „JMschen Tag- Mit". New-Nork. spricht Montag dem 28. d. um 7 Ühv abends im Großen Scralie >be$ Hotel Continental. 2. Bez.» Taborstraße, 6. in einem von: Wiener MliSrachi veranstalteten Massenmeeting über das Weisen tMtb d>!b Ziele des Msvachi. Daran schließt sich sin Referat des MSrachistflchen Wiener; Kvngreßde-lsgierteu Adolf PinkaS über den IS. Zioniftewkangveß. Gäste willkommen!! * Ausgabe neuer Briefmarken. Ans Anlaß der mit 1. d. in Kraft getrstonen PostgchührenerhShnng wecken neue Briefmarken m 1000. 1200, 160V. 2000, 8000 nnd 6000 Kronen «nSgegelbsn. * General Dmnts bei der Eröffnunq eines jüdischen Waisenhauses. AuS Kavstadt melldet I. C. B. Boi der Eröffnung eines südlschiLn Woiisenhaulses in Johannesburg sagte der südafrikanische Premierminister General Smuts m seiner Ansprache, wenn -rvgmd ein Teil des Landes fept der Liridevwng der Not, sowlttt es nur merschenmöglich ist, mitgcholfeen hat, so sei es immer die jüdische Beov'lkeruug gewesen und er wollte ch>nen bri dieser Geliegenheit seinen Dank für die geleistete Arbeit ausdöücken. * Streik in den Warschauer Chedarim. Seit , rir.igw Tagen flxciöen die Lehrer der Warschauer Cbedarim. Die Ursache des Streiks liegt in Lohrid'rfferenzen. (I. C. B.) * Lc-ichenfnnd bei Alt-Anssee. Die Gendarmerie von Gastein meldete gestern dem Wiener Sicherheitslbureau. daß zwischen Ali-Aussee und Grur-dlfee, am s^uße einer steil Mallendm Fo'swand das Skelett eines Mannes gesunden wtirde. Man glaubt, daß es sich Mn die Leiche des vor -ftvei Jahren aus MMussoe verschwundene« Wiener Juristen Otto Alexander ha-ndelt, welcher sich eines Dagcs aus dem Hotel entfernt«, mn einen kurzen Spaziergang zu imterr-elp men und von diesem AuÄluva nicht wieder zurück! chrte.^ Qb-- wähl sofort von der Gendarmerst. von der Wiener Polizei und verschiedenen touristischen Korporationen eifrige Nachforschttngen einaeleilst wurde«, konnte mar> nichts mehr über de>n Verbleib des jungen Mannes erfahren. Es blieb auch >;weifolha!ft, ob ein Unfall oder ein Verbrechen vorlag. Da Alexander touristisch gar nicht ausgerüstet war, neigte man zu der?l.nna>'hme. daß au ihm ein BevbrHsn verübt wurde., Otto Alexander war der Sohra eines Wiener Zähnarztes in der Vurggasie. Es ist noch nicht festgestellt, ob die aufgefundenen Leichenreste taisächttch die dcs v-erschwundenear Alexander sind. Gestern abends haben sich die Eitern des unglücklichen jungen Mannes nach M-Aussee begebe«., um die Leiche ihres Sohnes z« agnoszieren. _ Vereine. Vertrüge und Bersammlungeu. Urania. Heute, 6 Uhr (Großer Saal): Der kleine Muck. 8 Ubr (Großer Saal): König Dachstein. — Urania» Bucker st ube von 8 bis 1 und 2 bis 6 Uhr geöffnet. Technisches Museum. Samsiag, den 18. d. um 8 Uhr nachmittags, stzührungsvorirag von Dr. Ing. I. Sedlacek: „Die Kunstseide". Sonntag den 19. d. um 10 Uhr vormittags im großen Hörsaal Jilmidorführung: „Vom Baum zur Zeitung". Erläuterungen von Vorstand Ing. E. Stelzer. Mne und Kunst. Die neue Spielzeit der Staatstheater. Die Staaksiheater eröffnen ihre neue Spielzeit am 1. September. Als Erössnungsstückc sind im Operntheatac „Loh e n gr i n". im Burgtheater „Julius Cäsar". im Ukademiecheater „Die Frau von vierzig J a h r e n" in Aussicht genommen. Gastspiel Adelte Guilbert. Wie wir erfahren, hat Direktor Siegfried Geyer Avette Guilbert füer in Gastspiel in Wien im Dezember d. I. verpflichtet. Aus den Theatern. Volksoper: Heute: „Die Boheme", Zrau Add. V o l i a k o w a von der Großen Oper in Paris M Gast. Morgen „Die' Jüdin". Deutsches Vollsthealer: Am Samstag den 25. d. gelan/st. neuinszeniert von Jerome K., Jerome Legende von beute. „Der fremde", zur Aufführung. Neue-Wiener Bühne: Samstag den 18. d. wivd mit einer AufWrung der Komödie „Das Zeichen an der Türe" mit Arnold Korff in der Hauptrolle wiederevöffnet. Im Metropol-Tbeater findet heute, 7 Uhr abends, die Erstausführung der Qpervtte „D i e W i e n e r w a l d f e e" von Theo Haslinger unter persönlicher Leitung des Komponisten statt. Gerichtssaul. Der Artist als Hakenkceuzler. Vor dem Strafrichter Oborla-ndesgerlchtsrat Tr. Juchs i g hatte sich gestern der 45jährige Artist Markus Po ko ruh wegen Ghrenböleidigung zu verantworten. Gegenstand der von Dr. Iviedrich Kulka oertretenen Klage war die Aenßeruuy des meist bei jüdischen Vari-etedirektoven engagierten Artisten Pokornh gegen ^den S-chvi-ftsteller Moriz Mayer: Mayer ist ein Sausud . . . Ich bin ein Hakenkreivzler. Der Richter verurteilteden Angeklagten zu 400.000 K. Geldstrafe, eventuell 24 Stmnden Arrest und. zuin Ersatz der Kosten. Der Verurteilte erklärte die Strafe' anzunchmen, da die Intern. Artisten-Organisation für ihm die' Strafe bezahle!.. . Modellhaus fürfeiuePelzwareu U. ROTHSTKIN & Co., Ct.m.b.H. Wien, VI, Marialiilferst rüsse 1 c kn betail 416