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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-17 · Heft 1621 (17.8.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1621 (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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■\ Teiche 4 Me». Wiener Moegenzettnng. 17. TkMst tm um von innen Äch' außen führen. Es wäre ein großes Glück Sie Wische Lrsnniwgsorthüdoxie und die antisemittsche Regierung. Der Führer der AglüXts Iisroel, Wolf Pappenheim, führt diesen Verband der gesetzestreuen Juden auf sonderbare Wqge. Intransigent in seinen Bestrebungen, das Judentum zu trennen^ statt es zu vereinigen, verbündet er sich mit Tod und Teufel, auch mit den notorischen Feinden des Judentums, nur um sich und der vo« ihm bisher irregeführten Orthodoxie zu einer Macht zu verhelfen, die wieder nicht der Bereinigung, sondern der Tennung, der Zersplitterung des Judentums dienen soll. Nur diese schon krampfhaft gewordene Sucht nach Unfrieden innerhalb des Judentums nwchte ihm den Gedanken eingegeben haben, die Einladung der Zlgudas Jisvoel zur Kenessio Gedauloh au den Bundeskanzler Seipel so uujüdisch unterwürfig, so unjüdisch unwahr zu formulieren, daß der Bundeskanzler zu der billigen Gelegenheit kam, sowohl als Bundeskanzler von Oesterreich, als auch als katholischer Priester nicht nur die Orthodoxie, sondern auch das gesamte Judentum als seine Schützlings hinzustellen. Herr Wolf Pappenheim hat seinerzeit die von Isaak T h u m i n, 'Mit den friedlichsten Absichten, zur Vertiefung des religiösen Bewußtseins und zur Verbreitung der jüdischen Lehre gegründete Agudas Iisroel mit der Motivierung an sich gerissen mü> zu einem politischen Jnstrument ausgebildet, daß di« Zionisten in Palästina angeblich eine die Thora verleugnende Politik betreibm und außerdem durch ihre nationale innerpolitische Betätigung dem Judentum in der Zerstreuung Schaden zufügen. Auch der agudistrsthe Führer, Herr Rosen heim aus Frankfurt, hat in seinem Expose an die Presse anläßlich btt Eröffnung des Agudah-Kongresses in Wien die Existenz der Agudcch auf gleiche Weise begründet. Das Judentum als solches hat sich also nach Ansicht der Agudah-Fühver nicht in die innere Politik der einzelnen Länder zu mengen. Man fragt sich nun: wer hat der Agudah-Äitung das Recht gegeben, namens der Delegierten aus Polen, aus der Ukraine, aus Palästina und Amerika dem Bundeskanzler Dr. Seipel über die durch den Anstand gebotene formelle Einladung hinaus auch noch ein politisches Wohlveithaltungszeugnis zu übermitteln? Mt welchem Recht darf die Agudah-Leitung alle die Ostjuden, die ja, wie sie selbst einbekennt, den größten Teil ihres Anhanges ausmachen, in die peinliche Sitrmtion versetzen, auch in ihrem Namen einer Regierung . das Vertrauen auszusprechen, welche die ganze Ostjudenhetze in Wien und Oesterreich inszeniert hat, die in der Optionsfrage vor allem die Oftzuden, aber auch die Juden anderer Länder, entrechtet und allen hakenkreuzlerrschen Ausschreitungen gegen die Juden untätig zu gesehen hat? Durch dieses Verhalten hat die Leitung der Agudcch ein Mansches Verbrechen begangen. Sie hat den Feinden des Judentums die Hand dazu geboten, vor aller Welt erklären zu können, daß das konservative Judentum ihre Politik billige, ruck man kann getrost damit rechnen, daß die Regierung Seipel-Schmitz nicht verfehlen wird, nunmchr mit Berufung auf die Zustimmung der Agudas Iisroel ihre judenfeindliche Politck fortzusetzen. Die Leitung der Agudcch hat sich aber auch gegen eines der Grundelemente der jüdischen Ethik vergangen, indem sie die mit den österreichischen Verhältnissen ganz und gar nicht vertrauten, in ihrer Lehrstube eingesponenen großen Gelehrten und Rabbiner dazu mißbrauchte, daß sie ihr unbewußt bei dieser Unterstützung der judenferndlichen Politik die Mauer machten. In der jüdischen Ethik wird dieses Verbrechen so wunderschön „Gonew daath", ein Diebstahl an der Urteilskraft des anderen, geiwrmt. Einen solchen Diebstahl hat die Agudah-Leitung am gesamten . öfüichen und westlichen Judentum begangen. Mir. fragen hier ganz offen den greisen Gelehrten und frommen Mann, den Chofez-Chairn, ob er, der doch gewiß die Leiden seiner Brüder kennt, sich jemals bewußt dazu hergeben würde, einer Regierung, die gegen das Judentum aktiv und passiv so viel chesündigt hat, ein so völlig unerbetenes Vertrauen auszusprechen? Äeselbe Frage könnten wir auch an die wenigen westlichen Vertreter der Agudah-Gruppen richten, und auch die müßten sich, lveim sie ehrlich mit sich zu Rate gehen, eines solch unmännlichen und deshalb nnjüdischen Verhaltens der Leitung, durch welches ihr Name mißbraucht Wurde, schämen. Dem Bundeskanzler Seipel kann man es wahrlich nicht übelnehmen, daß er die speichelleckerische Zuschrift der Agudas Iisroel in seiner geschickten Art als Kanzler und als katholischer Priester" für seine Wahlzwecke a u s n ii tz t. Billiger und leichter hätte er wahrlich nicht zu jüdischen Mahlschleppern gelangen können als durch die Agudas Iisroel. Dr. Seipel kann sich mm auf Herrn Wolf Pappenheim, den Gaon Chofez-Chaim, den Rabbiner Z i r e l s o h n und auf die vielen östlichen Juden, die selbst oder deren Verwandte durch die Seipel- Regierung aus Oesterreich vertrieben oder um ihre Existenz gebracht wurden, berufen, wenn er durch seine Wahlagitatoren bei der: Inden siir sich, seinen Ministerkollegen Schmitz und seine ganze antisemitische Einheitsfront Propaganda machen wird. Und das alles im Namen der Agudas Iisroel, die entstehen nmtzte, um die Jüdischnationalen wegen ihre« politischen Betätigung in oer Ealuth zu bekämpfen. Es ist ein gefährlicher, unwürdiger Weg, auf Leu die Wiener Leitung der Agudah ihren Antymg führt: ec mutz zur KrtrümmeiDng te* $ubentomfi für das Judentum, wenn die Anwesenheit der Delegierten der Agudah in Men diesen die Augen öffnen würde, damit sie sehen, wohin sie geführt werden. Lo fu hadevech, nicht dies ist -ec Weg. v-- Zesterreich. Sie burgeMMche« Privatbahnen. Im Burgen'land gibt es gegenwärtig nur zwei Bnndesbahnlinien, und zwar die Linie Bruck—Neudorf bis Nicklasdorf und im Süden die Linie von Feh« ring bis St. Gotthardt. Die Teilstrecke Parndovf— Pancharn der Neusiedler Seebahn wurde anläßlich der Besitznahme des Burgenlandes in den Betrieb der österreichischen Bundesbahnverwaltung übernommen. Die von -er Raab-Oed enburg-C'be nfurther Eisenbahn bereits vor Jahresfrist verlangte Rückgabe .dieser Strecke in ihrer, Betrieb ist unmehr, wie»eine jetzt zur Versendung gelangende Anfvagebeantwortung des Handelsministers milteilt, erfolgt, nachdem eine Reihe von Sicherstellungen gegeben worden waren. Zur Stärkung des österreichischen Einflusses im Beriwaltungsrat des Unternehmens, wurden zwei österreichische Berüvaltungsrate in der vorjährigen Generalversammlung hinzugewählt. Für die österreichische Linie wurde in E i s e n st a d t e i n e eigene Betriebsleitung errichtet und schließlich auch der Bahn eine österreichische Kongestion erteilt. Der Betrieb der Neusiedler Seebahn belastete den Staat mit einem Defizit von eineinhalb Mlliarden im Jahre 1912, wozu der ziffernmäßig noch nicht festgestellte Betriebsabgang für das Jahr 1922 kommt/ Tschechoslowakei. Allgemeiner Aergarbeiterftrell ab 20. August. Prag, 16. August. Die Verhandlungen zwischen dem Präsidium der koalierten Bergarbeiterverbände und den Vertretern der Grubenbesitzer konnte keine Grundlage für eine Beilegung des Konfliktes ergeben. Die Reichskonserenz hat daher heute folgende Entschließung angenommen: Mit- Rücksicht auf den Beschluß der Revierkonserenz und rnitMvLsicht daraus, daß im Verlaufe der seit Montag geführten VevhaMungen kein« Einigung über die Regelung der Lohnverhältniffe, weder Kr einzelne noch für alle Reviere, erzielt werden konnte, beschließt die Reichskonserenz der Bergarbeiter, daß am 20. August in allen Kohlenrevieren der Republik die Arbeit ei rrgestellt wird. . __ Sie Nuslaubsreise des Miuksterprststdeule«. ZHavunenkmrst mit dem tschechische» und dem rumänische» Ministerpräsidenten. Bekgttch, 16. August. <Tel.-iKomp.) Mmils-echräftdent P as i e und Mnffter des Aeußern Ni nei c sind noch Goianles-Bains zum Somaneraufenchalt abyereist. Bocher hatte Mnisterpräisidont Paste in einem stowentscheri Orte in der Nähe von Beides, wo derzeit das serbische KönigSpaar wellt, eine Unterredung mit König Alexander. Bon Eoicin-les-Bains werden sich Pasic und NiNeie nach Paris begeben, rnn dort über den für den Herbst anberaumten Besuch des Königs Alexander mit der fvan- Mschen Regierung zu konferieren. Mr einen spateren Zeit-. Punkt ist eine Zusa-mmenkunft Paste' mit dem tschechoflowaktschen Mmsterpräsidenten Svch'la und dem rumänischen Ministerpräsidenten Bratianu in einem deu tschböhmischen Badeorte in Aussicht genommen. Außenminister N i n c t c wird Jugoslawien bei der vierten General-Versammilung des Völkerbundes in Genf vertreten. Ungarn. Sie BeKmtzftmg der Teuerung. Budapest, 16. August. (Tel. der ,Mr. MovgenzÄtuntz".) Heute vormittags beschäftigte sich ein Ministerrat mit den Maßnahmen zur Bekämpfung der Teuerung. Es wurde beschlossen, daß in Hinkunft die Preisp r ü s u n g s k o m m i s s i o n im Wege der Presse das Publikum ständig über die.Preise der lebenswichtigen Artikel unterrichte. Polen. Ein englischer Fiuanzberater? „Times" lasten sich aus Warschau telegraphieren: Es sind alle Gründe dafür vorhanden, damit zu rechnen, daß die Unterhandlungen ivegen der Einsetzung eines englischen Finanzberaters Kr Polen vor einem günstigen Abschluß stehen, obwohl darüber noch nichts offiziell gemeldet wurde. Schon vor mehr als einem Jahve 'war die Einladung an den Deputierten des englischen Parlamentes Hamilton Houng das Amt des Finanzberaters in Polen zu übernehnäch beschlossene Sache. Der Beschluß konnte jedoch, nicht verwirklicht werden, weil Nourig d>ürch seine Tätigkeit als Sekretär des Finanzministeriums stark in Anspruch genommen war. Am Zusammenhang M der Gründung einer neuen polnischen Emissionsbank, welche mit staatlichen. und privaten Kapitalien fundiert sein soll — schreiben die „BW»"- KmtM englischer und deutscher Bankintereffen an diesem Projekte verbreitet. Sollten sich friefe Gevilchte bowahcheiten, so Ware dies eine gewisse Enttäuschung für die Vertreter derjenigen finanziellen Richtlinien, die sich durch das politische Bündnis zwischen Polen und FvinMeich henmsgebildei haben. In diesem Zusammenhang muß auch auf diq Warschauer Anwesenheit Strawsburhs, des Ber> treters großer amerikanischer Fmantzinteresten, hiugeüvieftN werden, der mit angesehenen Vertretern der polnisches Regierung in Verbindung getreten ist. De« geradezu starre Optimismus des FinanzministerS Linde, der sich in fernem letzten Expose bekundete, könnte also vielleicht Gründe haben, die ganz unabhängig sind von de» Bes mühungeu und Plauen der Regierung, aus der gegenwärtigen schwierigen Finanzlage mit Krise der Vermögens,' stsuer einen Ausweg zu firche». RuMchau. AuMuug der Nekchramschsjser der SeteiÄ» rstte. Bulin, 16. August. Der preußische Mnffber des Inner» hat auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik den Reichsausschnß der deutsche« BeetriebSrät« zu Berlin nebst seinen UntevauslWfsen, aSso ,auch de» „Fünfzehnerausschuß der Betriebsräte von Giwßberlin", aufgelöst und verboten. In der Begründung wird unter anderem ausgeführt, daß der Reichsausschnß bestimmenden Einfluß auf die Bildung und Betätigung der verbotene» proletarischen Hundertschaften ausübe. Sie Teueruns in Sentschlmd. Berlin, 16 August. Die Reichsindexzifsser für die »Lebenshaltung stellt sich nach Berechnung des Statistischen Amtes für den 13. d. auf das 436.935fache der Vorkriegszeit. Die Stezgenmg gegenüber der Vorwoche betrügt 122,2 Prozent. Wie Seutschland die LebeurmMÄmt delönchseu will. Berlin, 16. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Um die Nahrungsmittel vor allem der einheimischen Bevölkerung zu erhalten, sind einzelne Kurorte in Mitteldeutschland dagu übergegangen, den Kur< gästen die Heimreise naheMlegen. In Manebach in Thüringen hat die Ortsverwaltung sämtliche Kurgäste aufgefordert,"innerhalb drei Tagen den Ort zu verlassen. Den Gastwirten wurdt verboten, den Fremden Speisen zu verabfolgen.. Saksburg muß drei Milliarden Kontribution zahle«. Duisburg, 16. August. Wegen des Explosious- Unglücks, das sich am 30. Juli auf der H o chf'el de, Brücke in einem Eisenbahnzug erei>gnet hat, ist de, Stadt Duisburg vom Generalkonmrando der Be. setzuilgstruppen eine Kontribution in der Höhe von drei Milliarden Mark auferlegt worden. Palmare will mit Belgiea loaseriere«. Paris, 16. Zlugusi. „N ew » 2) o r k Herald" will erfahren haben, daß Poincare die belgische Regierung über ihre Ansicht ^hinsichtlich einer Konferenz zwischen dem französischen und dem beMchen MimisLerPräsidellterr befragt habe; dieser Besprechung solle, sobald ein endgültiger Repaxationsplan ausgestellt sei, eine allgemeine Konferenz mit Lord Curzon und Bald Win folgen. Sie Lage in Saazkg. Danzig, 16. August. (Tel. der Wr. Morgenzeitung"! Der Generalstreik in Danzig ist beendet. Di- UnterhaMungon ergaben die Einführung von G old lohnen, und zwar für qualifizierte Arbeiter 25 Gold Pfennige und für nichtqualisizierte 22 Goldpfennige prs Stunde. Diese Vereinbarung, in welche auch ein Lohn« index für Frauen und Minderjährige embezogen wurde, ist für alle obligatorisch und tritt rückwirkend vom 1. August an in Kraft. Die Situation in Danzig ist aber noch immer ziemlich schwierig. Wie die „Danziger Bolksstimme" ntclM hat der High Kommissioner des Völkerbundes angedroht daß im Falle von Unruhen Polnisches Militär zm Erhaltung der Ordnung in Danzig berufen werden würde Dies würde, wie von sozialistischer Seile verlautet, einen Konflikt mit Sowjetrußland Hervorrufen. Das ertvähnte '' Blatt glaubt freilich, diaß diese unmittelbare Gefahr nicht bestehe. Sitte Ausammenkunst der arabischen Regenten In Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, fand vor kurzem die Zusammenkunft des Emirs Abdullah von Tvansjordanien mit seinem Bruder König Faisul von Mesopotamien statt. Zu dieser ZusammeMlnft hatte sich auch det Gouverneur von Jerusalem General S t o r r 3 begeben. Sie erhielt ihre Bedeutung dadurch, daß auch der Vater der beiden arabischen Herrsch«, König Hussein von Hedschas, seine Ankunft in Amman arEndigte. Dies hat um so mehr Auff-ehen erregt, als trotz der Blutsbande zwischen den drei gekrönten Familienmitglieder ein sehr gespanntes Verhältnis besteht, das auf politische Eifersüchteleien zurückzusühven ist. Die Zusammenkunft soll nun eine Art Desensivbündnis der drei Regenten gegen einen gemeinschaftlichen Feind, den.'Emir Jbn Saibj dorbereiten ,der von saWeichen ArcchevWMMett auf dev

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