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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-17 · Heft 1621 (17.8.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1621 (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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WM» Fveitag WiEv Morgenzeitung. 17. August 1823 Gelte 6 Kongretztageduch. . ' V«vik9!baü>, 16. AiiftiH. Wischkin. Gcm« zmn Schlüsse der Generaldebatte, unmittelbar vor der Abstimmung über das Vertrauensvotum sür die Exekutive (Umschreibung für Weizmann), sprach Uss-iMn. Dieser Sulla der zionistischen Bewegung macht jetzt eine Konzession, eine einzige, für welche er aber am Wiener Kongresse noch nicht zu haben kbar: er. spricht jüdisch, während ihn ftüher keine Macht der Welt hätte zwingen können, anders als hebräisch zu sprechen. Man mag daran, ermessen, wie wichtig , es ihm ist, in dieser Stunde von allen verstanden zu Werden. Es ist die einzige Konzession. Anderehat er nicht nötig. Wäre das Haus noch zehnfach abgespannter unungeduldiger, diesen ehernen, erschrecklich ruhigen Mann, der kein Pathos kennt, kein Erheben der Stimme, kerne beschwörende Handbewegung und kein verbindliches Lächeln, der starr vor sich hinschaut und den Kopf nicht um einen Millimeter verrückt, wenn er einem Zwischenrufer ' antwortet —, den Kämpfer Menachern Ussischkin m u ß man auch nach zweitägiger zermürbender Generaldebatte anhören. Nicht Grüubaum noch Farbstem oder diingel, nur Menachem Ussifchkin hat die Oppositionsrede inr Plenum des Kongresses gehalten. Der kluge Sokolow, der ihm unmittelbar nachher im Namen des Kongresses zum. 60. Geburtstag gratulierte, hat diese gefährliche Rede sofort richtig eingeschätzt und in seine hoffentlich tief empfundenen Glückwünsche die malitiöse Bemerkung verwoben, der teure Jubilar habe sich soeben in seiner ganzen Beden, ung gezeigt und mit einer echt Ussischkmschen Rede die Situation verschärft. Mt hart umrissenen lebensvollen Beispielen aus der Arbeit im Lande wußte Ussischkin zu zeigen, daß man mit Nichtzionisten in Palästina nur wirtschaftlich kooperieren dürfe und solle, daß es aber verderblich wäre, mit ihnen die politische Arbeit zu teilen. Alle zahlt er her aus dem Lager der anderen Juden, die ftr Erez Israel wirtschaftlich seit langem oder seit kurzem mit den Zionisten mittim. Keiner van allen wolle in die Iewish Agency eintreten. Wo sie aber politisch einzugreifen befugt waren, hatten sie die nationale Heimstatt schwer geschädigt. Nun baut er seine Beweisführrmg weiter: die Agency ist bloß politische Repräsentation der englischen Regierung gegenüber, aber keine Institution für ökonomische Arbeit. Schlußfolgerung: Kein Nichtzionist darf in die Agency! „Springt nicht mit einem Satz ins Ungewisse! Wir sind nicht stark genug, ein Mißlingen zu überdauern und -— gottlob! — nicht mehr schwach genug, als daß wir ni'chts zu verlieren hätten. Hüten wir. was wir haben." Es war die einzige konsequente und unbedingte Ovvosittonsrede gegen die „Erweiterung" — wenn man die Agency bloß als polittsches Instrument gelten Wßt. Mit diesem Manne hat Weizmann zu rechnen Diesen Wächter des neuen Iischuw im Rücken zu Haben, kann kein Wchlgefüthl sein. O. A. Die Wische Rot in MWud. Aegkm der FoinüWidation. - Dar Bandenwesen. Me -er I. C. B.-Vertveter erfährt, hat das Joint Distribution Committee bereits begonnen, den Beschluß, seine Arbeit in Rußland zu liquidieren, allmählich in die Tat umzHetzeu. Das Budget wurde für verschiedene Distrikte bereits reduziert. Nur auf sanitärem Gebiete wird der Joint in den nächsten Monaten eine stärkere Tätigkeit enthalten. Doch soll ein letzter Versuch gemacht werden, das Joint Distribution Committe' zu weiteren Hilfsaktionen in Rußland zu veranlassen. Die Schließung, des Joint in - der U k r a i n e würde, katastrophale Wirkung haben. Sie bedeutet den Hungertod für Tausende von Kindern, die heute noch in Lumpen auf der Straße herurnirren und unter freiem Himmel nächtigen müssen. Mit dem Abzug der Joint-Jnstitution aus Rußland würden diese Kinder dem Untergang Preisgegeben sein. In russisch-jüdischen Kreisen versteht man die Gründe nicht, die den Joint zur Liquidierung seiner Rußland-Arbeit veranlaßt. Wenn die amerikanische Judenheit eine Ahnung von den schrecklichen Verhältnissen in der Ukraine hätte, würde ein derartiger Beschluß nie zustande gekommen sein. Wenn auch Rußland Heuer gute Ernte hat, so hungert dennoch ein schr großer Teil der jüdischen Bevölkerung, der nicht die Mittel hat, sich auch nur mit dem Notdürftigsten zu versehen. Die Teuerung ist ungeheuer. Ein mehr als einfacher Anzug kostet 60 bis 70 Dollar..Lebensmittel können allerdings im Lande selbst billig ansgebracht werden, allein, die Kleider- und'Geldsendungen müssen fortgesetzt werden, wenn man die traurige Lage der ukrainischen Inden lindern will. Wie der Korrespondent weiter erfährt, tverden in vielen Städten in der Ukraine die jüdischen Kinderheime aus Mangel an Geldmitteln geschlossen. Gleichzeitig mit diesen verschwinden auch die Abteilungen des „Jdgeskom". Das Bandenwesen in der Ukraine ist noch immer nicht ganz verschwunden. Mehr als die einfachen Räuberbanden werden die von Agenten Petljuras organisierten politischen Banden gefürchtet, die die Angriffe ausschließlich auf Inden und Bolschewiken richten. Zur Abwehr dieser Bänden hat die Regierung eine eigentümliche Institution geschaffen, die sogenannte „OtGotschiki" (Bürgen). In jeder Stadt, in jedem Dorf werden die Reichsten und Angesehensten dazu ausersehen, einen Posten dienst in der Umgebung der Stadt zu organisieren, um die Bchords zu informieren, sobald sich eine politische Bande nähert. Sji«i hasten mit ihrem Kopf für einen tadellosen Dienst. Eine solche Bande suchte erst vor kurzem Alexandrowsk und Kamen!« heim. Die Banden tragen Fahnen mit der In-' schrift: ' „Nieder mit den Juden und Kommn-msten!" ■ Die Banden sind unter der nichtjüdischen Dorfbevölkerung sehr populär. Sie unterstützt sie, wo sie nur kann, und verbirgt sie ölst vor der sie verfolgenden Behörde. Nnn kommt es häufig vor, daß auch Juden für die Otwotschiki ausgewähltwerden. Natürlich ist das absurd, West ja die Angriffe der politischen Banden vornehmlich gegen Inden und Kommunisten gerichtet sind. Aber die antisemitisch infizierte nichtjüdische Bevölkerung in. den kleinen Städten und Dörfern macht von dieser Institution Gebrauch, um ihren' Antisemitismus zu betätigen. Diese Otwotschiki übernehmen oft Briese, um sie von einem Städtchen in das andere zu befördern, und wenn ein Jude nrit einer derartigen Mission auf eine Bande stößt, fällt «er ihr ausnahmlos zmn Opfer. Der folgende tragische Fall hat sich vor kurzem in Powolotsch (Gouvernement Kiew) ereignet: Dort wurde von einer Bande unter Führ-mg des Petljura ergebenen .Bandenführers Trojko auf eine Ortschaft ein Angriff unternommen. Die ,Jürgen" benachrichtigten die Behörde nicht, weil sie von dem geplanten Stow griff keine Kenntnis hatten. Aber die Behörde verhaftete den-. noch die Otwotschiki, darunter auch Juden. Die jüdische Selbstwehr hat nnn eine Aktion emgelettet, um die Regierung zu veranlassen, keine jüdischen Otwotschiki ernennen zu lasten. Der Selbstschutz hat einen schweren Kampf zn führen, weil die lokalen Behörden in den kleinen Städten meistens aus Petljura-E'lemenien und Antisemiten bestehen. Nun hat die Regierung auf das Drangen des Selbstschutzes einen Beschluß veröffentlicht, daß die Otwetschikis in den kleinen Städten ab geschafft werden, und bloß in den Dörfern bestehen bleiben sollen. Möbelfabrik J. Spira 619 Feine Wohnungseinrichtungen. Wien. VII., »MWM1—3 (Ecke Karl Schweighofergasse Ae zionistische Srsanisalioir. Die Tätigkeit der Landes- und Sonderverbände. Dev Misrachi. Der M'israchi besitzt Zweigorganifationen in folgenden Ländern: Amerika, Aegypten, Belgien, Bessarabien, Deutschland, England, Frankreich, Galizien, Griechenland, Holend, Kanada, Lettland, Litauen, Mandschurei, Oester reich, Polen, Ungarn, Rumänien, Südafrika, Schweiz, Tschecho-Slowakei und in der Türkei. Das Hauptbureau der Misrachi-Organisationen befindet sich in Jcrn salem und steht unter der Leitung der Herren Professor H. Pick, Hermann Struck und Rabbiner C o h e n - F i s h m a n. In fast allen Ländern nimmt der Misrachi regen Anteil an den Aktionen, die für den Keren Hajessod und den Keren Kajemeth Lcjisrael stattfinden. Dein Einfluß des Misrachi in Amerika ist es gelungen, die Mitwirkung fast sämtlicher Mitglieder des Rabbiner verbau des «n der Sammeltätigkeit für zionistische Fonds zu gewinnen Es gibt sogar Länder — Griechenland zum Beispiel — wo der weitaus größte Teil der Arbeit in Verbindung mit der Ausbringung von Geldern für die diversen zionistischen Fonds von der Misrachi-Örgauisation geleistet wird. iDas Hanptbureau in Jerusalem unterhält einen regelmäßigen Briesivechsel mit seinen sämtlichen Zweigvrganisationen. Abgesehen von dem offiziellen Blatt „Hator", das die Partei in Palästina herausgibt, besitzt der Misrachi Zeitungsorgane in verschiedenen anderen Ländern und Landessprachen, wie zum Beispiel den „Hamizrachi" in Polen (hebräisch), „Hamizrachi" in Holland (hebräisch und holländisch), die „Jüdische Presse" in Berlin (hebräisch und deutsch). Der Einfluß tzes Misrachi macht sich auch in der allgemein-jüdischen Presse geltend, die zur Verbreitung der Vkisrachi-Propaganda unter den breiten Massen der jüdischen Orthodoxie dient. Von großer Bedeutung sind die Inge nd-Organisat tonen des Misrachi, die bereits viele Tausende von Anhängern in allen Ländern zählen. Ihr Einfluß hat sich in der Diaspora, insbesondere in Polen, in der Tschecho- Slowakei, in Holland und Amerika recht fühlbar gemacht. Kürzlich sind zwei Zentralbureaus des Misrachi in, Europa eröffnet worden, das eine in Berlin und das andere in Warschau, die dazu dienen sollen, die Misrachi-Jdee zn befestigen und einen engeren Kontakt zwischen den verschiedenen Misrachi-Organisationen in Europa herbeizuführen. Die Haupttätigkeit des Misrachi jedoch erstreckt sich aus die Gebiete der Immigration und des Erziehungs- und Arbeitswesens. Auch in der Diaspora übt der Misrachi sein Erziehungs- und Kulturwerk aus. Dieses Weck spielt eine wichtige Rolle in der Tättgkeit aller Misrachi-Organifatioiien, und ganz besonders trifft dies auf Polen zu. Dort ist von dem Misrachi ein ganzes Netz von Chedarim ' und sonstigen Bildungsstätten verschiedener Art begründet worden, deren Lehr- und Umgangssprache hebräisch ist. . ,; . Die Haupttätigkeit auf dem Gebiete des B i l d' u n g s- Wesens wird in. Palästina ansgeübt. In Erez Israel unterstehen dem Misrachi 36 Bildungsinstitnte, darunter Kindergärten, Volks- und Gewerbeschulen und eine höhere Schnle, und zwar ein Lehrerseminar in Jerusalem. Beinahe 4000 Schüler werden in diesen Instituten, diel etwa 125 Lehrer beschäftigen,, unterrichtet. Abgesehen von einer gründlichen religiösen Ausbildung erhalten die Schüler dieser Institute einen Unterricht in weltlichen Fächern, der in keiner Weise. dein in entsprechenden nicht-misrachistischen Schulen erteilten Unterricht nachsteht. Besondere Beachtung verdient die Tach kemoui-Schulc in Jaffa, die größte der palästinensischeir Volksschulen, für die Aufnahme von 500 Schülern eingerichtet, die Misrachi-Talmud- Thora in Jerusalem, die erst sett zwei Jahren besteht und doch schon 300 Schüler zählt, ferner das Lehrerseminar -"des Misrachi, das bereits zwei Lehrerjahrgänge ansgebildet und gegenwärtig etwa 100 Studierende hat. Die ' niisrachistrschen Jugendorganisationen sind zum grössten Teile aus Sch ü le r it d e s I i.fch u b § zusammengesetzt. Abgesehen von ihrer Tätigkeit auf dem Gebiete des Erzichnngswesens und ihrer regen Anteilnahme am öffentlichen Lebens Palästinas nehmen diese Organisationen auch bedeutenden Anteil an dem Ansiedlungswerk. Im vergangenen Jahre erwarben sie zwei Bodcnkomplexe, von denen der eine in der Nahe von Jerusalem in der Gegend der Synhedrin-Grabstätten gelegen und zum Zwecke der Errichtung'ellmer. jüdischen Vorstadt, die den NämeN „Synhedria^ tragen soll, bestimmt, der. andere, sieben Kilo meter von Jerusalem entfernt, auf dem Wege nach Nablus gelegen ist. Auf diesem Flecken Erde soll, eine Gartenstadt erbaut werden, die den. Namen des vRabbiners I. I. Reines, des Begründers des Misrachi, tragen soll. Di» Organisation, die in allen Städten und Kolonien Palästinas Zweige hat, gibt auch, eine Rundschau unter dem Namen „Hadwir" heraus. . . , Der Hapoel Hamisrächi, die Organisation der religiös-nationalen Arbeiter' Palästinas, zählt bereits übet 1000 Mitglieder.; Die Poale-Hamisrachisteir sind Hand- Werker, die schwere Arbeiten in den Städten und Kolonien verrichten. Einige landwirtschaftliche Kwuzoth, wie zum Beispiel die Siedlungen Kfar-Uriah, Petach-Tikwah u. a.m sind ans ihren Reihen entstanden. Unter der tätigen 'Mitwirkung der Misrachi-Weltorgänisation sind Küchen und Kantinen für solche Misrachi-Arbeiter, Immigranten und Chaluzim eröffnet' worden, die nicht die Kost der sonstiges Arbei'erkantinen zu genießen wünschen. Es existieren nunmehr Misrachi-Kantmen in Jerusalem, Jaffa, Haifa und Petach- Tikwah. Irr all diesen Städten hat der Misrachi auch seine eigener Bureaus für Immigration und Arbeitsnachweis die solchen Eintvanderern, welche die religiösen Ansichten des M'israchi teilen, zur Verfügung stchen und ihnen mit Rät und Tat bei ihrer Ausiedlung im Lande, behilflich, sind Das Zentralbureau des Misrachi hat ein Stück Land dicht bei der Moza-Siedlung, in der Nähe von Jerusalem, erworben, und es besteht die Absicht, darauf eine Kwnzah von Misrachisten anzufiedeln. Ferner beschäftigt sich der Misrachi mit dem Gedanken, eine spezielle Misrachi-Kolonir zu begründen und hofft, dieses Projekt in nächster Zeit durchführen zn können. Besondere Erwähnung gebührt auch der Arbeit der misrachistischeu Frauen aller Länder. In Palästina existiert auch eine Frauenorganisation das Misrachi, die weiblicher: Immigranten urrd Chaluzoth Unterstützung gewährt und an alle Chaluzim, ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit, Kleidungsstücke verteilt. CBOJKO WB EN Orig. Pariser Modelle in Kostümen, Strassen« und Abendkleidern, Mänteln und Pelzen. I., KÄRNTNERSTRASSE NR. 34 Eingang Maysedergasse 2. II., Taiiorstraße 4L Telephon 47-1-79 En srps En detail IltaiMM SchiffmaüTi Sommer

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