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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-16 · Heft 1620 (16.8.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1620 (16.8.1923)
Date
1923-08-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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..M Ms; WM, MiMMay MEV MEMkzettÄns- - — - —-— ■—,— ---- .. ■— Mutige Unruhen in" ' / M Folgen der kommuniMchen Setzarbett. — Stmßenkämpfe zwischen Kommunisten und Völkischen. — Ae Polizei vielfach machtlos. Berlin, 15. Mgust. Stet RerchsauSschuß' der kommuvMschen Betriebsräte hat an. alle kommunistischen Sektionen des Reiches di>« Wiörsimg ergehen lassen, den Sir eik ßvifvVt abzubrechen. Die „Rote Fahne" veröffentlicht heute einen Lortar- Wel unter dem TttÄ: „Die Schlacht ist abgebrochen; bereiten wir uns auf die nächste vor!" In dem Artikel wird ebenfalls zur Einstellung des Streiks aufgefordert. Der Berliner Straßenvahriverkehr, der gestern noch schwach war, wurde heute wieder in vollem Umfange aufgenommen. In verschiedenen Städten des Reiches ist es zu größeren Ausschreitungen gekommen. Irr Halle entbrannte zwischen Stahlhelmleilten und Kommunisten.ein erbitterter Kamps. Die Stvhlhelwtrupperr suchten das Gebäude der Druckerei, in der das kommunistische Blatt „Der Klassenkampf" hergestellt wird, zu stürmen. Polizei trennte die Kämpfenden, von denen 75 verhaftet wurden. In Helmstedt wurde die Schutzpolizei von demonstrierenden Arbeitern entwaffnet. In Arnstadt kam es zwischen Mitgliedern des Deutschen Iungordens und Kommunisten zu blutigen Zusammenstößen, wobei auf beiden Seiten zahlreiche Personen verwundet wurden. Gin Mitglied des Deutschen Iugendordens wurde erschlagen. In Stuttgart ereigneten sich größere Demonstrationen. Bei dieser Gelegenheit hob die Polizei eine nationalsozialistische Zentrale aus, in der die Faden zahlreicher Organisationen auf dem flachen Lande zusammenliefen. Bei einer Hausdurchsuchung im Gebäude der „Schwäbischen Zeitung" wurden vollständige Namensverzeichnisse nationalsozialistischer Organisationen gefunden. Es wurden mehrere Personen verhaftet, darunter der Sohn des Reichstagsabgeordneten Körner, der in der letzten Zeit vielfach die Bauern gegen die städtische Bevölkerung aufgersizt hatte und zahlreiche Preistreibereien veranlaßt haben soll. In Alsdorf fft es zwischen Streikenden und der Polizei zu Zusammenstößen gekommen, wobei 14 Personen getötet wurden. Auch zwischen Arbeitern und Gendarmen entwickelten sich Kämpfe, m deren Verlauf z w e i P e r s o n e n g e t ö t e t wurden. Im Verlaufe der gestrigen Zusammenstöße in Aachen sind 15 Pe rs on en getötet und 50 verletzt worden. Auch in der Umgebung von Aachen ist es zu großen Ruhestörungen gekommen, wobei einige Zivilpersonen getötet wurden. Die belgischen Truppen haben nicht eingegrisfen. Brüssel, 14. August. Wie aus A a ch e n gemeldet wird, sind dort neuerlich Geschäftsläden geplündert und Verhaftungen vorgenommen worden. Ae Bahnen verkehre« wieder ttotnutl. Berlin, 15. August. Die Reichsbahndirektion teilt mit, daß die Arbeiter auf allen D i e n st st ä t t e n ihre Tätigkeit in vollem Umfang wieder aufgenommen haben, so daß der Verkehr wieder normal funktioniert. Bertenemng der Bahntarife. Berlin, 15. August. Am 20. d. werden die Personen- und Gepäckstarife der Reichsbahnen um 900 Prozent, die Güter-- und Tiertarife um rund 200 0 Prozent, gegenüber dem Tarif vom 1. d. erhöht. Der wertbeständige Tarif (Jndextarif) wird im Personenverkehr am 1. September eingeführt werden, im Güterverkehr am 20. d. Die Schlüsselzahl für den Güterverkehr ist mit , 1,2 0 0.0 0 0 festgesetzt worden. Sefteneich. Sie Wiener Tscheche« «nd die Wahle«. Die tschechischen Sozialdemokraten Wiens haben beschlossen, ihre Stimmen für die deutschen Sozialdemokraten abzugeben, doch ist dieser Beschluß noch nicht de finit iv. Me Vertreter der übrigen politischen Parteien sprachen sich auf einer dieser Tage abgehaltenen Konferenz für eine selbständige gemeinsame Kandidatenliste aus. Die Sitzung beschloß auch in diesen: Sinne die Ausstellung einer gemeinsamen Kandidatenliste aller tschechoslowakischen politischen Parteien. Die Sozialdemokraten werden ihren definitiven Beschluß nach der Entscheidung der Vertreter der.Partei am 26. August mitteileu. Tschecho-Slowalel. Keine snsammeniunft Beuesch' mit Bethlen. Dom „Prager Dasgblatt" wird ans Budapest gemeldet: Der Plan der kleinen Entente, ntät Ungarn Verhandlungen anzuknüpfen, ist abermals gescheitert. Auf die AvffoSdenmg Beuesch', ihn in der Tschecho-Slowakeü zu besuchen, antwortete Bethlen mit einem Gegenvorschlag, zum Schauplatz der Begegnung Möge Wien gewählt tvevden, worauf der ffchecho-islowakifche Außenminister nicht entging. Es wurde dann von tschecho-ftowakischer Seite der KEproMißvorschlag^gestellt, die Begegnung uwge beim Brückenkopf PreßÄrrg als neutralem Punkt stattfin'den. Die eingeloiteten BechaMUingen hierüber wurden jedoch unvermutet abgebrochen. Die tschechoslowakische Negierung hat sich inzwischen davon überzeugt, daß die ungarische Negvemug nicht mit der kleinen Entente, sondern mit den Großmächten die ungarische Wiebergutmachimgs- und Anleihefvage regeln wolle. Die diesbezüglichen^ an eine Großmacht gerichteten Anträge sollen schon einigen Erfolg gehabt haben, da die ReparatiWskonmttss'bon Bethlen anhöven und mit ihm die Anleiheverhandluugen fortsetzen werde. Als die Prager Regierung hiervon Kenntnis erhielt, stellte sie alle wetteren Verhandlungen Wer die Begegnung BeMen-Benesch thu Polen. Bworstehende RekonstruMon des KMnetts. Warschau, 16. August. (Tel. der ,Mr. MvrgenM.") Wie „Kurjer Polski" meldet, ist die Re ko nstruttion des Kabinetts Witos nahe bevorstehend. Sie wtch vor allem das Finanzministerium umfassen; als Nachfolger des gegerrwärttgen Finanzministers Linde steht der gegenwärtige Minister Kucharski im Vordergrund, dessen Ressort ebenfalls neu zu besetzen ist. Ferner werben der Eiseubahnminister Kalinski und- Minister str öffentliche Arbeiten Lopuszauski durch neue Männer ersetzt werden. Die Personen stehen noch nicht fest. Im Vordergrund des Interesses steht der bevorstehende Wechsel im Außenminister in m. Die Unzu friedenhett mit der Außenpolitik S-e y-v a s wird immer stärker. Wie bekannt, wird uns durch die Meldung des halboffiziellen lettischen Organs „Ejdas" bestätigt, daß Polen auf der letzten Konferenz der Baltischen Staaten in Riga den Antrag auf Bildung einer gemeinsamen Front dieser Staaten zusammen mit Polen in der durch die Aktion Litauens besonders aktuell gewordenen M e m e l f r a g e sowie im Verhältnis zu Rußland gestellt hat. Ferner beantragte der polnische Vertreter Straßburger, die Baltischen Staaten mögen sich auf eine polnische Kandidatur für einen Vertreter im Räte des Völkerbundes einigen; er schlug den polnischen Gesandt«: in London, Skirmunt, vor. Die Vertreter der Baltischen Staaten lehnten sämtliche Anträge ab'. Die Konferenz beschloß, daß in den von Polen aufgerollten Frag«: jeder einzelne der Baltischen Staaten freie Hand! haben solle. Diese neuerliche außenpolitische Niederlage hat die Stellung Seydas schwer erschüttert, da man in polittschen Kreisen auf die fast völlige Isolierung Polens hinweist. Als Seydas' Nachfolger wird, obwohl der NaLionaldemokrat Dmo wski, der bisher als ernster Kandidat für das Außenministerium galt, jetzt in Warschau mit verschiedenen Parteien konferiert, mit immer größerer Bestimmtheit der gegenwärtige Gesandte in London, Skirmunt, genannt, der das Portefeuille des Aeußern schon einmal ttmchatte. Ueber die Frage der polnischen Kandidatur für den Völkerbundrat finden gegenwärtig im Außenministerium Beratungen statt. Sozialistische klnheitsfront arge» den Faszismus. Warschau, 15. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Wie der sozialdemokratische „Robotnik" als ofszielle Parteikundgebung meldet, hoben Beratungen der Vertreter der polnischen sozialistischen Partei, der deutschen sozialdemokratischen Partei ■ in Polen, der jüdischen Arbeiterpartei „B u n d" in Polen und der deutschen Arbertspartei (welche Vollmachten auch von der deutschen sozialdemokratischen Partei in den ehemals preußischen Gebieten hatte) stattgefundeu. Diese Konferenz konstatierte einstimmig unter anderem, daß die Reaktion iw Polen sich heltte neben der parlainerttarischen auch der faszistischen Kampfmethode bediene, um ihre Ziele zu erreichen. Die nationalistische Propaganda hat, wie das Communique der Konferenz erklärt, in höchstem Maße die nationalen Beziehungen in Polen verschärft, da sie in die breitesten Kreise gedrungen ist, insbesondere durch die antisemti schon Losungen. Dadurch ist eine Atmosphäre geschaffen worden, welche es für das nationalistische Lager leichter macht, seine Ziele zu erreichen. Durch diese Propaganda wird die Republik in eine Arena de-s immerwährenden Nationalitätenkampfes verwandelt. Die Konferenz hat aus diesem Grunße trotz Meinungsverschiedenheiten programmatischer und taktischer Natur, tvelche unter den auf ihr vertretenen Parteien herrschen, die Schaffung eines engen Kontaktes der genannten Parteien beschlossen. | WerbetAbovnenteusürdie I I „Wiener Morgeuzeituus"; 16. August 1923 GeV?« «nMiP Ungarn. Verhandlungen mit Rumänien znm Austausch der politischen Befangenen. Budapest, 16. August. Ministerialrat G a jzatzch ist nach Bukarest abgereist, um als Vertreter der ungarischen Regierung anden Verhandlungen teilzunehmen, die in Angelegenheit des ge ge nseitig e ri A ll s t a u s ch e s der bisher noch nicht heimbeförderten politischen Gefangenen wieder ausgenommen werden. __ Rumänien. Professor Zorga gegen den Antisemitismus. Bukarest, 14. August. (I. C. B.) Professor I o r g a sprach in einer großen Versammlung über die politische Lage in Ru, Manien. Er sagte, das Land sei voll von Agitatoren, derer Tätigkeit große Gefahren heraufbeschwöre. Es entstehet täglich neue Gruppen,, die unter faszistischen Deckmantel Am t r s e m i t i 8 m us betreiben. Diese Leute, sagte Professor Jorga, zerstören den Kredit Rumäniens im Auslande. Störung einer jüdischen Theatervorstellung. Aus Bukarest, wird gemeldet: Während der Aufführung eines jüdisches Theaterstückes in Roman warfen antisemitische Studeuten von der Galerie aus Sie i n e gegen die Schauspiele» und die Theaterbesucher. Die Polizei nahm mehrere Verhaf. tungen vor. Die Vorstellung mußte abgesagt werden. (I. C. Rundschau. Keine Aendrrnng der amerikanischen Aubew Politik. Washington, 14. August. (Reuter.)' Im Weißen Haus« wird erklärt, Präsident Coolidge werde die auswärtige Politik Hardings fortsetzen. Die Vereinigte« Staaten hegen auch weiterhin den Wunsch nach Bezahlung ihrer Schuldfvrderungen und seien nach wie vor bereit, an der Lösung der Reparationsfvage mitzuwirkeen, sie würden sich aber, gemäß den Erklärungen des Staatssekretärs Hughes, nicht binden. Wieder ei« Srihbnch. Paris, 14. August. (Havas.) Die französische Regierung wird sobald als möglich eine Mitteilung an d'ie bvrttsche Regierung Ächten, worin sie in höflicher Form die Vorschläge und Bemerkungen der wglffchen Note -Punkt für Punkt beantworten wird. Die englische Note und die frantzösische Antwort werden zweifellos in einem neuen G-elbbnch veröffentlicht werden. Veränderungen im türkischen Kabinett. Angora, 14. August. An Stelle R'eufs Bei, der seine De miss.io m gegeben hat, ist Fethi Bei zum K o mmiffär für innere Angelegenh-eiten und Vorsitzenden des Rates der VoVskommissäire ernannt worden. Said Bei übernimmt an Stelle Rifats Bei, der nicht wiedergawöhlt worden ist, das I u st iz Portefeuille. Die Besetzung der übrigen Konmüsfariate MW nnver« ändert. Me Tagung derInterpariameutarischrn Luisn. Kopenhagen, 16. August. Heute vormittags ist die 21. Konferenz der Interparlamentarffchen Union in Gegenwart von etwa 800 Delegierten, der Mitglieder dev Regierung, des diplomatischm Korps ufw. eröffnet worden. Staatsminister Neergaard spmch von den Zielen, für die die Interparlamentarische Union . seit ihrer Gründung gearbeitet habe, nämlich eine bessere Zukunft vorzubevetten, in der die Streitigkeiten zwischen den Völkern n i ch t d u r ch W a f f -e,n g-e w alt entschieden würden, sondern durch Verhandlungen, durch' Schiedsgerichte oder durch internationale Rechtssprüche. Fünf Jahve sei es 'her, seit der Weltkrieg aufgehört habe, und noch immer sei kein wiMcher Friede geschaffen. Man brauche daher nrohr denn je die Arbeit der. Interparlamentarischen Union. Me arabische Propaganda in London. Ans Jerusalem meldet I. C. B.: Die arabische Delegation i n London unter Führung Musa Kazttn Paschas hat an die arabische Exekutive in Palästina telegraphiert, daß neunzig Mitglieder des britischen Unterhauses der unter den: Vorsitz des Herzogs von Devonshire eingesetzten Kabinettskommission ein M e m o r a n d n w überreicht haben, in dem sie die Forderungeu der palästinensischen arabischen Delegation untevstützen. __ Aus aller Bett. Kemme rer (Bereinigte Staaten), 14. Zlügust. Infolge einer M i n e n>e x p l o s i o n wurden 200 Bergleute verschüttet. 29 sind gerettet. Bisher wurden 70 Leichen ge/- borgen. London, 16. August. In den Londoner Docks haben etwa 2000 Arbeiter die Arbeit wieder ausgenommen. Brüssel, 16. August. „Peuple" iküMgt den allgemeinen Ausstand der GlashüttenarbeitPr in der Bovinage (Provinz Hcnicegau) an. Der Grund drß Streiks liege in Lohns ragen. 12

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