Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1620 (16.8.1923)
- Date
- 1923-08-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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AMR Me». DmrmKjetz WieirerMorMrrzertuns. ' 16. August im M. 1680 «I^Tjwhwkiwi Mvw über die Kolouisatiovs- Möglichkeiten Palästinas. In der MontoyMochGtzuvH hielt. h>ic bereits kurz ffsimDet, Dr. Ruppin sem 31«^ rat über die Kolonisationsmogrithkeiten Palästinas, deffm Archatt wir <m folgeniderl Nachträgen:■ Dr. Ru pp in wendet sich zuerst der Bchprechung^ der Einwaniderntng zu. Er sei früher, als er mit einer jährlichen Einwanderung sziffer von 30.000 necheiete, als MinMaßisi derschrien worden, vevlanyien ja die Maximalisten 100.000 Einwanderer pro Jahr, ja sogar Huickerttauseiide. Jetzt werde er. da er an der Ziffer 30.000 fest halte, als Maximalist verschrie«. Mit anderthalb MMonen MO jährlich kömtte man wirklich auch jetzt 30.000 Seelen nach Palästina überführen. Die Zahl der möglichen Einwanderer ist eine Futcktion der uns zur Verfügung stehenden Mittel, eine halbe Million Pfund jährlich habe er stets nur als Sprungbrett betrachtet. So larvge wir nicht die nötigen großen Mittel auf* bringen, habe es auch nicht viel Weich gegen die JmmigrationsbeschräMrngen zu protestieren. Wenn wir die Mittel haben, werden auch die BeschränAngen aufgehoben werden. Infolge der geringen Mitte! mutzten Nur uns damit begnügen, die Einwanderer mit bloß vorübergehender Arbeit zu versorgen, wenigstens zum allergrößten Doch so daß nur wenig Mittel für dauernde Ansiedöüng übrig bloiben. Dies ist ein auf die Dauer unhaltbarer Zustand, und hier liegt für: uns das schtvere Problem. Einen TM der Einwanderer werde man stets nrit nur vorübergehender Arbeit versorgen können, aber einen viel geringeren als jetzt, da man immer ein gewisses Reservoir haben muß. Aus diese Weffe wurden auch die für die dauernde Niederlassung brauchbaren Elemente ausgesiebt. Die Vonibergehende Beschäftigung schafft aber keine, tragbare Basis für die Besiedlung Palästinas. Er verschätze sicher nicht die von uns in Palästina geleistete Arbeit, aber die hier aus dem Kongreß vorgebrachtr Kritik habe weit über das Ziel geschossen. Vom Bankrott, von dem gesprochen wurde, sind wir jetzt weiter denn je. Wir find jetzt aus dem Wege, die richtige Methode für die dauernde AnsiMung zu finden und hoffen, in einigen Jahren sagen zu können, daß dies die Methode ist, laut welcher Laute cm-gesieldelt werden und sich dann selbst, emähren Knnen. Bei vier anzusiedeliden Familien müsse seiner Ansicht nach eine in der Landwirtschaft und eine in der Industrie angesiedett werden, während die beiden anderen sich von diesen beiden ernähren könntn. Laut seinen Berechnungen koste die lcmd-- wirtschaMche AnfieÄung pro Familie 800 Pfund uttb die i ndustr ielle 200 Pfund. Somit kosten vier Familien mit insgesamt 2 0 Personen 1000 Psund. So fei er Zu dem Schluß gekommen, daß man. mit anderthalb Millionen Pfund 30.090 Personen dauernd versorgen könne. Diese unsere Kosten sind recht niedrig, wenn man bedenkt, daß in Benjamina die Anfiedlung jeder landwirtfchasWchen Familie die Jca aus 1000 Pfund zu stchen kommt und in Australien IM) Pfund kostet, alles exklusive Boden, während uns eine Familie, aügefehen von dem mit 300 Pfund eiwgeschatzten Boden, cmf 500 Pfund zu stehen kommt. Die Verhältnisse in Palästina liegen ganz anders als m anderen Ländern, weshaN wir auf so zahlreichs Versuche augewies-en find, da unsere Cchaluznn in fast nichts den Bauern in den anderen Ländern gleichen. Referent geA sodann auf die Bodenkaufpolitik über. Den ftüheren Glauben, wir würden Boden nur wenig kaufen müssen und auf Staats! ander eien kolonisieren können, habe er stets als Illusion bezeichnet. Die der Regie rung gehörenden Böden find bis auf geringe Ausnahmen von so schlechter Qualität, daß sie fast gar keine Au-sichr auf Rentabilitar bieten. Die Ameliorationen, vor allem die Drainage, müßte hier so diel kosten wie der Kauf guter Böden. Nicht weniger illutsorifch ist die Meinung, daß es uns später gelingen könnte, Privatböden billiger eiltet kaufen als jetzt. Der Bodenmarkt in Palästina bietet ein gan^ anderes Bild als anderswo. Nicht auf die Rentabilität allein kommt es hier a«, denn die Llraber trennen sich nur schwer oo« den ihnen einmal gehörenden Boden. J-nmrechin müsse bemerkt Wecken, daß die reichen Araber durch Verpachtung des Bodens und Bearbeitung durch Fellachen dem B-oden eine- Rentabilität von etwas über 5 Prozent abzugewinnen in der Lage sind. Nur im Falle übergroßer Verschuldung des Bodenbesitzers können wir hoffen, dessen Boden erstchen zu können. Von dem gesamten Boden Palästinas sind gegen 3 5 Prozent kultiviert und noch gegen 15 Prozent kultivier fähig. Der Rest kommt für Anbau nicht in Betracht. Von diesen 16 Prozent ist der größte Teil m der Hand von Fellachen und somit uns nicht zugänglich. Etwa ein Drittel des bultnrfähigen, also ei« Sechstel des gesamten Bodens Palästinas, steht uns zum Kaufe 3 nt r B e r f ü g u n g. Es ist klar, daß wir nie und Nimmer, zu keiner Zeit Bodenkauf ausschalten dürfen. Referent bespricht dann die segensreiche Tätigkeit der Palestine Land Development Company auf diesem Gebiet und geht zur Besprechung der Industrie über. Man spricht so häufig bei uns von nicht genügender Förderung der Privatinitiative, aber mit wie wenig Privatinitiative können wir in Palästina rechnen. Die Privatinitiative pflegt stets die unsicheren Geschäfte zu vermeiden, und gerade auf sckche kommt es uns tu erster Rohe an. Es kormnen so wenig Leute nach Palästina mit der Absicht, dort dauernd zu verbleiben, die wirkliche Kapitalien m't sich bringen. Ms zahlreichen Gebieten sind uns andere Zuvorgekommen, so in der Taba^industrie, wo Nichtjuden große Fabriken gegründei haben, oder bei den Kü'hihä user n die Engländer, tvährend die Bäder in Tib c- . r i a §, ein großes Hotel in Jerusalem usw. uoef) der Er- Jas Ktlmische Zudentum. EinInterdiew mit Dr. Rosenbaum, Mnrstev für Mische AngelegenHetten rnLitauen. -er Stand «nd die Sntwilklung du Sfontstm» in Manen. — KnOmausgabe». — Mm« und der Antisemitismus. Herr Dr. Heinrich Rosenvaum, der aktive Manische Minister für jüdische Angelegenheiten,- hatte die Freundlichveit, einem unserer Karlsbader Mitarbeiter' in einem Interview ausführlich die L a g e de§ litauischen Judentums und die aktiv jüdische Tätigkeit der zionistischen Bewegung, deren Führer Herr Dr. Rosenbamn ist, darzustellen. Während des Krieges war die zionistische Bewegung in Litauen sehr geschwächt worden. Erst vor drei bis vier Jahren konnte man wieder an eine planmäßige Propagierung des zionistischen Gedankens und an eine Reorganisation des Parteilebens gehen. Diese eben skizzierte Passivität ist jedoch nunmehr überwunden, die Lage hat sich von Grund aus verändert. Beweis, die Propaganda des Keren Hajessod, was zu gleicher Zeit Propagierung für die zionistische Idee ist. Die Resultate der Keren Hajessod-Kampagne sind derart, daß Litauen das relativ günstigste Ergebnis unter allen Staaten zu verzeichnen hat. Auch für den Keren Kajemeth wurde mit Erfolg gearbeitet. Wir haben in Litauen auch relativ mehr Aktien der Kolonialbank untergebracht als in der ganzen Welt verkauft werden konnten. Die eigentliche Zionistische Organisation war sehr schwach, die Organisierung macht aber stetige Fortschritte. Der Einfluß des Zionismus ist jedoch überragend, ein tveffendes Charakteristikum hierfür ist das Resultat der letzten Wahlen, zu der die jüdischen Parteien eigene Listen ausgestellt hatten. Auch in Litauen besteht das jüdische Parteiensystem ans den Misrachi, den Mittelp arteten und den linken Gruppen. Die Zionisten errangen bei diesen Wahlen allein um vieles mehr als alle entfernt jüdischen Parteien zusammen. Mindestens 70 Prozent sämtlicher Stimmen f leien den zi 0 nistischen Kandidaten zu. Eine unglückliche Auswirkung des Wahlreglements ließ freilich die Zahl der Sitze in keinem Verhältnis zu den abgegebenen Stimmen sichen. Et. ist auch heworznheben, daß^ die jüdischen Führer Litaitens, wie S 010 w c i tschik, Rosen bäum und andere Zionisten pnd. Aus der Gegenwartsarbeit in Litauen ist hcworzuheben: das Schaffen der Gemeinden mit dem Riecht der Zwangs st ererbet a st nttg und ihre Krönung, der Jüdische Nationalrat, de-r nicht nur.von großer nationaler, sortdern auch von eminent politischer und sozialer Bedeutung ist. Seit der Gründung des Zentralkomitees der Zionistischen Organisatiott siche ich bis auf den heutigen Tag au der Spitze. Bon großer sozialer Bedeutung für das Judentum sind die rein ' schsteßuny harren. Durch die Mchlnmhle und durch die Zementfabwk wird erfreulicherweise der Import vermindert werden. Wegen der vorgerückten Stunde bespricht der Referent nur in großen Umrissen die Art und Weife, wie de-r Ker-en Hajessod am besten seine Mittel jur Forderung der Ackerten in Palästina verwenden sollte. Es mühten mit Hilfe des Karen Hajessod besondere Gesellschaften und Fonds gegründet werden, die weiterhin in der Lage wären, sich auch wettere Mittel zu beschaffen, während der Keren Hajessvd durch Ne'berriahmH von A k t i e n an diesen Unternehmungen beteiligt bliebe. jüdische« Boksbanken, von denen gegen 160 existieren; lebendiges Leben tveifet jedoch nur 86 von ihnen auf. Die jüdisch-litauische Zenlraj bank ist nicht nur von großer Wichtigbett für die Volksbanke«' sondern für das gesamte lttauische Judentum, sie ist sozusagen die jüdische StaatsVank. Wir haben m Litauen « 30 0 hebräische und jüdische Volksschule!«, in dene> Hebräisch und Jüdisch Unterrichtssprache, daS Litauische, Eng lische, Deutsche, Französische usw, Lchrgegenstände sind. V haben in Litauen gegen ' 20 hebrRsche Ghmnssieu, in denen das Hebräische Grundsprache ist, in zwei Ghmm sien wird hebräisch und jüdisch gesprochen. In Kowno exi stiert ein orthodoxes Lehrerseminar. Besonders stolz sind wi auf unser zukünftiges höheres Lehrerseminar,, dal im Laufe der Zeit zu einer großzügiger Bibliothek und 9 einer jüdischen Volksuniversitöt ausgrbaut werden soll. Not befindet sich das Werk in den Anfangsftadien, die Bibliothels bestände sind noch sehr geringfügig, dem ganzer: Aufbau sch! es noch an Methode und System. Vor allem fehlt noch dl nötige fitranzielle Basis, doch hoffen wir die notigen Milt; durch die OpscrlvMgkett des litauischen Judentums beschaffet zu. köttnen. Die jüdischen Volksschulen werden in demselbe» Maße wie alle anderen Schulen dieser Art von der Regio ntttji subventioniert. Sie sind also staatlich' S ch n l e n. In der allerletztst Zeit ist zwar in der litamschen PvLsi mancherlei intrigierende Propaganda gegen des Zionismus getrieben worden. Jttl gartzen aber besteht zwischel den: Zionismus und dem christlichen Litauen ein gutes Ein vernehmen. Die litauische Bevölkerung ' weiß, daß sie de« Zionimtrs sowohl in staatlicher, in kultureller, wie auch in Wirt' schaftlichcr Beziehung sehr viel zu verdanken hat. Ich Hatz woget: uteiner zionistischen Führerschaft nicht im geriugstc» Schwierigkeiten, wetttr auch eine geivisse Presse meine zionisttz schc Ucberzeugung von Zeit zu Zeit zum Gegenstand einer Vev ffaufulrcrfcn Polemik macht. Was in der ausländischen Prejß in letzter Zeit über detr Umfang des Atttisentitismus in Litauen geschrieben wurde, ist — sehr gelinde gesagt — stark übertriebe» worden. Die Zahl der tu Palästina ansässigen Juden aus Liiaue» ist statistisch nicht getrau festzustellen.. Seit 1897 hat in Litanei keitiL Volkszählung stattgeftmden. Immerhin leben schätzungS weise 200.000 Juden in Litatten, von denen rund 10 Prozent zionistisch mganisiert sind. Las Attentat auf den geschrksteführenden Mzevritfidrnten des arabWen Kongreßes. Karlsbad, 13. Angust. Zu fc*er Meldung vom Atie ut a t aus Omar A l b i t a r, den Bizeprärfidettten bes arabischen Kongresses, ioird uns aus Kreisetr der P al ä st i u a - T e l e g i e r t e n tttiigetetli: Es handelt sich höchstwahrscheinlich uw ein it i ch t p 0 f 11 i f ch c s Attentat. Die Familie N assassi b i stcht zum grössten Teil auf Seite Omar Alöitars, des Borsitzet'.d'ei'. der christlichmohammedantischett Aesrilschasl, doch gibt cs einige Mitglieder dieser Familie, dir zum Verbände der eingeboreiwn Araber gehören, die wieder ihrerseits int Gegensatz zu den christlicheit Arabern stehen. Einer d'er Nassassibi ist Bürgermeister in Jerusalem. Omar Album ivar Führer eitler Deputation,.,Fie kürzlich den König Faisul aus der Reise nach A m a it begrüßte. Die BerMridnng Wischer Wssgelder in der Rowlüri. Karlsbad, 15. August. (Tsch-echo-sloiv. Preßbttreau.) Auf Gvund einer Anklage, welche der Prager Oberrabbi ner Dr. Brody in amerikanischen Blättern gegen die Art und Weise der Bowirtschaftung jener Gelder erhoben hat/ welche die amerikanisch-jüdische Hilfsaktion für die Juden in der Ts che cho-Slowakei gespendet hat, beschlossen, die Mitglieder dieser Gesellschaft, welche gegettloärtig anläßlich des Zionistenkongresses in Karlsbad tveilen, die Bewirtschaftung einer st'r engen R e v i s i 0 n zu nuterzichen. O'berräbbiner Dr. Brody soll mit d-er Aussicht der Verteilung der Beiträge der amerikan isch-j üdischen HibfLmission für die Juden in der t-schlscho-slo>wakischrn lltePublÄ betraut rverden. Kongreßtmebuch. Karls bald, 14. An-gust. Die Abstimmung. Der Führer ist ein ganzer , Mann. Sein Wov hat Macht, seine Geste hat Würde, sein Auge hcv Adel. » Diese Sitzung über die Vertrauensfrage mit bei wohlerwogenen Manifestationen der verschiedenei Gruppen'muß ihm besser zugesagt Hubert als dal dutnpfe, unwesentliche, endlose Gerede in der General« debatte. Erst iit dieser 13. Sitzung des Kongresses wai zu evkennett, daß die Zionistische Weltorganisation groß^ verantwortungsvoll und unbestechlich ist. Jawohh Chaim Weidmann, es ist ein Glück, der erste Dienst» des Kongreß-Zionistnus zu sein! Das Recht, btt Pflicht der Kritik, produktiver Kritik, die auch auf< zeigt, was itent Plenum schädlich oder gesahvbringett-s dünkt, hat sich nud) die große Majorität der Getreuer nicht nehmetr lassett tmd im ersten Absatz ihrer Kund gebuug zum Ausdruck gebracht. Der Ernst, der aus den hatlptsächlichcn Erklärttngen sprach, muß Weizmam ivertvoller sein als das Wort „Dank", welches just in der Entschließuttg der Weizntann-Anhänger fehlte. Ein Kongreß urteilsloser Berhimmler im Zentrum, fanati. scher Bekämpfer rechts und links, ein Kongreß, der sich von der Andeutung: „katm ich nicht tun, was ich will so hat: ich die Flöte cmf den Tisch" hätte einschüchtern lassen, ritt solcher 13. Zionistenkongreß hätte die Bewe^ gun.g uut ihren befteu Mann gebracht. Ein Kongreß, der alles tat, Werzmann rricht -zu verlierett, uitb nichts tmterließ, ztt beweisen, daß di« Organisatiott mündig und urtetlsreif ist, hat den besten Alaun Zionismus vor Irrungen in der Zttknnfi bewahrt. O. A. Aaslänßer Exporteure kaufen am vorteilhaftesten ■ ■■ ä 1 erstklassiger Qualität und Ausführung bei Regmann, Cuminimäßtelfaftrife, Vien 113., Beatrixgaeso 26 Tel. 585 III., Heumarkt7 788668