Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1619 (15.8.1923)
- Date
- 1923-08-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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?rr. 1019 Men, MMvoch Wiener Morgenzeitung. 18. August 1908 Las öchulbudset der Bukarests Wische« Laut einem kürzlich erschienenen Ausweis erhalten die Bukarester Kultnsgemeinden fünfzehn Elementar-, Mittel- und Fachschulen sowie e'nen Abendhandebskurs. Das von den Schülern dieser Schulen geleistete Schulgeld beträgt jährlich kaum 400.000 Lei, während die Erhaltungskost«» dieser Lehranstalten fünf Millionen im Jahre übersteigen, so daß die Kultnsgemeinden jährlich ein Defizit von mehr als viereinhalb Millionen Lei zu decken haben. Die Kinderfürsorge der BnParester Kultusgemeinden erstreckt sich jedoch nicht nur auf tten Schulunterricht. Da eine große Zahl der Eltern nicht in der Lage ist, ihre Kinder anständig zu verköstigen, haben die Kultusgemeinden an vier Stellen der Stadt Gratis äusspeisungen für Schulkinder eingerichtet. Im abelausienen Schuljahr wurden die minderbemittelten Schüler mit sämtlichen Lehrmitteln unv die armen auch mit Kleidern versehen. Zwei von den Kultusgemeinden errichtete Ferienheime dienen dazu, kränklichen und körperlich schwachen Kindern während der Sommermonate Erholungsmöglichkeiten M bieten. Kn internationaler krziehungrkongreß. In aller Stille, unbemerkt im Sturmschritt der politischen Ereignisse, hat in Montreu; vom 2. bis zum 12. d. ein internationaler Erziehungskongreß getagt, der erste wirklich internationale pädagogische Kongreß feit dem Kriege. Während man also ringsum fleißig dabei ist, die Heranwachsende Jugend mit der hohlen, gefährlichen Phraseologie des Chauvinismus und des Hasses zu vergiften und auf Hakenkreuzparaden, Fahnenweihen und sogenannten Kameradschaftsfesten ihre Seele mit Revanche- und Rachegedanken erfüllt und so eifrig das Nrcheil des nächsten Krieges vorbereitet, hat die New Education Fellowship einen Kongreß einberufen, um die Prinzipien moderner Eyzichung zu beraten. Don Oesterreich waren neben Nationalrat Glöckel eine ganze Reihe österreichischer Pädagogen nach Montreux gereist. Im ganzen war der Kongreß von ungefähr 380 Lehrern und Erziehern beisucht. Fünfzehn europäische und fünf außereuropäische Lander waren vertreten.. Die leitende Idee des Kongresses war die Arbeitsschule und der Geist der gegenseitigen HLfe, welches Thema Dr. Adolphe Ferviere, der führerÄe Pädagoge der französischen Schweiz, in einem Vortrage behandelte. Für die anwesenden österreichischen Schulreform« war es eine Genugtuung, zu schm, daß die. leitenden Idem drr österreichischm Schulreform mit dm Prinzipien der Wvlerneuerung in anderen Ländern Meveinstimmeir. Die künstlerische Seite der künftigen Erstehung kam in einem Vortrage von H. Wilson, in dm rhythmischen Vorführungen von Jacques Daleroze mit seiner Schule und in dm Vorträgen von Professor O. Erze! zum Ausdruck. Professor Ctzek von der Wiener Kunstgewevbeschule, der im Ausland weit mchr als in Wim bekannt ist, sprach über „Schöpferisches Gestalten im Kindesalter" uud über den „Fovmwillen der Zeit" und führte äks das Ziel seiner künstlerischen Erziehung ans, die Kunst von allem Stofflichen zu befreien und nur den Rhythmus unserer Zeit zu gestalten. Auch die Borträge her anderen österreichischen Vertreter erweckten großes Interesse. als Hoteldiebe. Das Spielbaukprojekt auf de« Semmering. — Sine internationale IWMnde. Ter groß« Schmuckbiebstahl, der Ende Juli im Hotel P a n h a n s auf dem Semmermg an dem ungarischen Gutsbesitzer Zoltan Halmos verübt wurde, hat «ine sensationelle Wendung genommen. Die Erhebungen der Polizer in dieser Affäre haben auf die Spur eines angeblichen Marquis Hugo di Ferrari geführt' und als man seine Spuren weiter verfolgte, kam man zu einer internationalen Bande von Hoteldieben. Diese Gesellschaft von internationalen Gaunern hat sich auf außerordentlich schlaue Weise Eintritt in die vornehme» Hotels zu verschaffen gewußt. Vor kurzem tauchte die Nachricht von der Gründung einer Spielbank auf dem Semmering auf. Eine ausländische Gesellschaft wollte, um angeblich die Lage der abgebauten Bundesbeamten zu verbessern, auf dem Semmering eine Spielbank ins Leben rufe::. Dieses Pwjett erregte in der Oeffentlichkeit begreiflicher Weise beträchtliches Auffehen und führte zu einer erregten Diskussion in der Presstsich nun herausstellt, war das ganze Spielbankprojekt bloß ein Vorwand für eine Bande von internationalen Hoteldieben, um leichter ihre eigentlichen Pläne verfolgen zu können. Nach dem! auffehenerregenden Schmuckdiebstahl im Hotel Panhans war der angebliche Marquis die Ferrari aus dem Hotel Panhans verschwunden. Man nahm gleich damals an, daß der angebliche Marquis das Mitglied der internationalen Bande voll Hoteldieben sei, die in Hauptstädten und Kurorten schon eine große Anzahl anderer Hoteldieb stähle mit Riesenschadenssummen ausgeführt hat. Mie weiteren Erhebungen führten zu dem verblüffenden Resultat, daß die Hoteldiebe mit dem Projekte der Spielbank am Semmering im Zusammenhang stehen. Am 27. Mai l. I. waren drei elegant gekleidete junge Männer in der Kanzlei des Ministerialstkretärs a. D., Dr. Adolf Großmann, der gegenwärtig eine Aktion zur Stellenvermittlung für abgebaute Bundesbeamte leitet, erschienen, und hatten sich als Olaf van de Gromeley, Harry Helard und Tonte de Marville vorgestellt. Sie unterbreiteten ihm das Projekt, eine Spielbank. auf dem Semmering zu errichten und erbaten sich feine Unterstützung für den Plan gegen die Verpflichtung, 6 Prozent des Reingewinnes dem B a uu n d S i e dlungsfonds für abgebaute Staaisangestellte zu überweisen. Die drei Herren zeigten tadelloses .Benehmen und konnten sich mit Dokumenten answeisen, die im Original amtliche Stampiglien fremder Regierungen zeigten. Zur Beglaubigung dessen, daß er die Eignung zur Leitung einer Spielbank besitze, führte Conte de Marville an, daß er im Verlaufe von zwei Jahren Sekretär der Spielbank in Monakko gewesen sei. Daß Gelder der Abgebauten für den Zweck schon verwendet wurden, ist unrichtig. Die Verhandlungen zogen sich hin und verliefen dannimSande, zumal Dr. Großmann Verdacht schöpfte, als ihm Herr van GroMeley einmal einen Scheck der «Bank vf Shanghai auf 1500 Pfund Sterling vorwies, da ihm der Scheck.nicht «inwandfrei.vorkam und Gromeley die Aufforderung des Dr. Großmann, mit ihm zu der Bank zu gehen, damit beantwortete, daß er sich einfach nicht mchr schen ließ. Seither sind auch die beiden anderen Ausländer nicht nt c i) t aufgetaucht und es.wird vermutet, daß sie mit der Bande der internationalen Hoteldiebe in Verbindung stehen und die Projekte nur zu dem Zwecke vorgeschützt haben, um, ohne Verdacht, zu erwecken, sich' in erstklassigen Hotels auch alten zu können. Die Bande scheint im In- und Auslande eine große Anzahl von Hoteldiebstählen und Billen einbrüchen verübt zu haben und über eine Unzahl in- und ausländischer Originalpässe auf "alle möglichen Namen zu verfügen. Im Laufe des gestrigen Nachiüittags traf hier eine Meldung aus Arnoldstein ein, daß dort seit 11. d. Oskar S e m r a d in H a f t ist. Er wurde der Grenzbehörde in Arnvldstein von dem italienischen Grenzpolizeikommissariat T a r v i 8 übergeben. Man vermutet hier, daß Seinrad möglicherweise der falsche „Conte de Marville" ist. In Arnoldstein hat der Verhaftete angegeben, daß er sich seit September vorigen Jahres in Triest, Pola, Gürz, Laibach aufgehalten hat und überhaupt nicht in Wieit oder im Semmeringgebiet gewesen ist. Er wird übrigens wegen Verbrechens der Veruntreuung verfolgt und hat schon im Vorjahre unter dem Verdachte des Schmuckdichstahls in Pola in Haft gesessen. Er wurde aber dann wegen Mangels an Beweisen aus der Hast entlassen. Ob er ntit dem flaute de Marville identisch ist, muß erst festgestellt werden/ Frau Fr eher, die in Vöslau bestvhleit worden ist, will in dem Bilde des angeblichen „Richard Sojter" den „Comte de Marville" erkennen. Sin eigenartiger SrenzionM. Aus Warschau schreibt man uns: Nach dem Friedensvertrag von Riga bildet der Fluß Z b r u e z die Grenze zwischen Polen und Sowjetrußland in Ostgalizieu. In letzten Monaten hat jedoch der Zbrucz seinen Lauf geändert, so daß ein Gebiet von etwa 240 Morgen L a n d e s, das früher auf polnischer Seite lag, jetzt ostwärts des Zbrucz liegt, also Rußland zugehören müßte. Die bolschetvikische Grenzwache forderte auch die Bauern in N o w osiolka biskupia (Bezirk Borszczow) auf, ihre Siedlungen zu räumen, da diese durch die Aenderung des Zbruczlaufes jetzt zu Rußland gehören. Eine starke polnische Polizeipatroüille mit Maschinengewehr und eine Schwadron Kavallerie kamen herbei, um die Bolschewiken von der Unrcchtmäßigkeit ihrer aus einem Naturereignes abgeleiteten Forderung zu überzeugen. Die Bolschewiken fügten sich solch zwingenden Argumenten. Wie steht nun die Sache nach internationalem Recht? Ae Doppelehe. Der Vorschlag eines Rabbiners. Der vor einiger Zeit in eineiu Parlament eingebrachte Antrag, es möge den Männern erlaubt werden, zwei Frauen zu heiraten, hat auf einer Seite Widerhall gefunden, bei der man es am wenigsten erwartet hätte, nämlich bei dem R abb i wer einer Kleinstadt in Litauen, welcher an die iw K o w n o erscheinende „Jüdische Stimme^ folgeirden Brief richtete: „Die Frage der Doppelehe ist einer ernsten Betrachtung wert. Vor kurzem ging eure Nachricht durch die Presse, baß nahezu zwanzig Millionen Frauen werden unvermählt bleiben nrüssen. Ist diese Frage bei allen Völkern brennend geworden, so ist sie es bei uns Juden n o ch m e h r. Unsere Frauen neigen viel weniger zu außerehelicher Verbindung und wenn sie nicht heiraten, so bleiben sie geradezu unglücklich. In unserem kleinen Litauen gibt es etwa 300 0 grauen, welche keinerlei Aussichten auf eine Heirat haben". „Ms Rabenn verschon s. A." — so schreibt der Rabbiner weiter*— „seinen bekannten Bann auf die Doppelehe legte, war dieses Mittel den .Bedürfnissen seiner Heit augepaßt. Würde er jetzt leben, so würde er ohne Zweifel gestatt««^ -wei F r a u e n zu nehmen. Diese Reform hätte besonderen Wert arme» und mittleren Schichten. Die Reichen können ihr« Töchter leicht verheiraten, es kommt schlimmstenfalls darauf an, daß sie die Mitgift um tausend Pfund oder tausend Dollar erhöhen. Was aber sollen die tun, welche keine tausend Dollar Vermögen haben? Und das ist doch die große Ueberzahl der jüdischen Bevölkerung. Es ist kein Zweifel, daß es viele Männer geben würde, die aus verschiedenen Gründen bereit wären, zivei. Frauen zu heiraten. Damit wäre in der Juüctcheit für viele töchterreiche Familien ein Ausweg gegeben." Der Rabbiner fordert alle diejenigen, ivelche seiner Meinung sind, auf, sich bei ihm zu melden. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele sich, gemeldet haben. Der Ander minus 4 Prozent. Die paritätische Kommission zur Errechnung des Index trat gestern vormittags zusammen und'stellte fest, daß sich die Lebenshaltung im abgclaufenen Monat um rund 4 Prozent verbilligt hat. Dieser negative Index ist in den Sommermonaten der zweite und ist ein Zeichen dafür, daß. die Preiskurve ei w: absteigende Tendenz zeigt. Bei der Errechnung des Index Mette besonders die Verbilligung der hauptsächlichsten Lebensmittel — Brot und Fleisch — eine wesentliche Rolle. Die Preise für Bekleidung sind unverändert gsbtteben, während S ch u h w e r k wieder etwas teuerer geworden ist. Dafür ist der Preis für Kohle bedeutend gesunken. Das Kilogramm'hat sich um fast 100 Kronen verbilligt. Aus der Tatsache des negativen Index besonders optimistische Rückschlüsse auf die Auswirkung des Seipelschen SanierungAwerkes zu ziehen, wäre mindestens verfrüht, da erfahrungsgemäß der Index itt den Sommermonaten immer günstiger ist als im Winter. ___ Der Tagesantobus wird wieder verkehren. Schottenring—Stephausplatz. Dreiminutenverkehr. Im September wird Wien wieder um ein Verkehrsmittel reicher sein: Der Autobusverkehr durch die Innere Stadt wird wieder ausgenommen und damit wird einem oft bemängelten Md schmerzlich enchfundenen Uebelstandc abgcholsen sein, denn se^ geraumer Zeit hat die City Wiens kein volkstümliches Verkehrsmittel. Bor etwa einent Jahre noch besorgten mehrere Autobusse den Verkehr schlecht und recht. Weil es mehr schlecht als recht war, rentierte sich der Betrieb nicht und der Dagesverkchr durch die Innere Stadt wurde eingestellt. Rur in der Nacht kommt in unwahrscheinlichen Intervallen der Autobus daher,, um einen notdürftigen Nachtverkehc nach den entlegenen Vororten aufrecht zu erhalten. So kam es, daß eine Großstadt wie Wien eigentlich nur ein einziges VolksverkehrSinittel, die Straßenbahn, besitzt. Daß man mit dieser Anlage allein, so gut sie auch ansgobant'fein mag, auf die Dauer keinen großstädtischen Verkehr machen kann, ist klar. Die Gemeinde wird also, um diesem Ncbelstande abzuhelfen, bereits im September den Autobusverkehr durch die Innere Stadt wieder aujiui, a Dies wird vorläufig mit beiläufig zehn Wagen gcschchm und soll nur ein Versuch sei«. Dreißig neue Wagen sind bereits in Bestellung gegeben, können jedoch erst in einigen Monaten sertiggestellt lverden. Es fsll im September eine provisorische Linie Schottenring—Stephansplatz geführt werden. Bon dort werden die Wagen einerseits zur Marienbrücke, andererseits zur Oper verkehren. Und zwar in Intervallen von etwa drei-Minuten. Ein Verkehr durch die Wollzeile ist vorläufig nicht geplant. Dabei soll auch der Versuch gemacht werden, die Fahrkarten durch den Chauffeur ausgeben und keinen Schaffner mit fahren zu lassen. Gleichzeitig soll auch der 11 mfteigverkchr von den Autobussen auf di« Straßenbahn «ingeführt werden. Des Ilmsteigen aus der Elektrischen auf die Stellwagcn ist :n.h: gk plant Vas> und Strompreise imverSadert. Für den Ablesungsabschuitt vom 16. bis 2-8. d. wurde er* Preis für einen Kubikmeter Gas Unverändert wir 2140 Kronen bestimmt. Ebenso unverändert ist der Preis einer towattstunde L ich t st r o m mit 600 Kronen, während der Preis deS Kraftstromes abermals ermäßigt wurde und .‘H)0 Kronen beträgt. "ftÜeH In -Oesterreich herrscht fast ansnahmslos wolle;ilos:ö>,, warmes Wetter. Nur Wien hatte tagsüber wechselnde Bewölkung. Voraussage: Herrischender Wittevnngscharakter anhaltend etwas kühler, lokale Gewitter nicht ausgeschlossen. Die LebenrmittelmSrlte. Die Gr ünwareuMärkte sind anhaltend reichlich beschickt, der Verkehr wickelt sich jedoch ziemlich stau ab, da die Preise für einzelne Sorten noch immer zu hoch sind. Paradeiser erfuhren eine Verbilligung um 1000' bis 1600 Kronen per Kilogramm, sie kosteten gestern 3000 bis 4000 Kronen. Auch Kohl und Neuseeländer Spinat ec- ~ mäßigten sich im Preise, letzterer um durchschnittlich 200 Kronen per Kilogranrm. Kürbisse waren von 600 Krotten aufivärts per Kilogramm zu haben, Maiskolben notierte» mit 300 bis 700 Kronen per Stück. Obst ist in großen. Mengen engeboten, namentlich Birnett sind unter den AnkÜnfterr stark vertreten. Eier zeigen weiter st e i g e u b e T e n d e n z der Preise, da sie in geringeren Mengen auf den Markt gebracht und zrr Einlegezlveckett zurückgehalteit tverden. Die gute Beschickung des Marktes in St. Marx hat keine P r e i s v e r ä n d e r tt >r g f ü r Fleisch bcwlrkl.