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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-14 · Heft 1618 (14.8.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1618 (14.8.1923)
Date
1923-08-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1618 Wie«, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 1^. emgnst 19Lv Seite 3 Ge Leute mit der kliwpevuden Unterlage, werden zusehen, während andere intensiv und nrit Einsetzung der ganzen DersAutichkert arbeiten. (Lebhafter Beifall.) De. Schwarzbarth (Westgaltzien). erklärt, die westgaWsche Landsmannschaft bekämpfe den Standpunkt GEnbanms. Nichtsdestoweniger sei cs Aufgabe des Kongresses, eine Formel zu finden für die Schaffung einer einheitlichen Front. Er glaube, es feien Anzeichen vorhanden, daß eine solche Formel gefunden werden wird. Was die Frage der Zusammensetzung betrifft, so muß eine Formel gefunden werden, welche die Einbern sung des jüdischen Kongresses in späterer Zeit evrnöglicht. Es müßte bei Heranziehung der verschiedenen Vertreter der jüdischen Organisationen die Bedingung aufgestellt werden, daß sich diese Delegierten prinzipiell mit der Idee eines Weltkongresses einverstanden erklären. Dies könnte auch für die Gruppe Gvünbamn als Garantie genügen und es würde auch den Beschlüssen der meisten Landeskonferenzen entsprechen. Ob die provisorische Jewish Agency durch demokratische Wahl oder durch die Wahl der Keren Hajesfod-Zeichwer oder durch bloße Delegierung gebildet wird, ist keine prinzipielle Frage. Die Delegierung wird heute wohl der einzige Praktische Weg sein. Was die Frage der Verantwortlichkeit betrifft, so glaube ich, daß auch die Amerikan er bereits eine solche Verantwortlichkeit verlangen. Es gibt keine provisorische Jewish Agency, die nicht durch eine Verantwortlichkeit gebunden wäre. Die Frage der K o mp e t e n z der Jewish Agency ist wenig berührt worden. Auf alle Fälle muß die Administration des Keren Hajessod bei der Zionistischen Organisation bleiben. Das Budget der Jewish Agency muß die Zionistische Organisation decken. Wählen wir diese Form, dann haben wir die Garantie, daß die Zionistische Organisation jederzeit, wenn die Jewish Agency falsche Bahnen anschlägt, den Keren Hajessod znrückzuzichen kann. Meyersohn (Südafrika): ' Hätten wir statt Jewish Agency das Wort „V? rmittlungsvertretung" gebraucht, so wären uns viele Mißverständnisse erspart geblieben. Daß cs sich nur eine Vertretung handelt, 'geht eindeutig aus der Uebersetzung des Paragraphen 4 hervor. Diese soll zu einem Teil in Jerusalem, zum anderen in London sein und die Vermittlung zwischen dem Jischuw und der Gesamtjudenheit resp. zwischen England und derselben haben. Bisher hat es eine solche Vermittlungsvertretung tatsächlich nicht gegeben. Benderski (Dror, hebräisch): Wir steheu auf dom demokratischen Prinzip; aber da keine Zeit züm Warten ist, so stimmen wir dein Gedanken der Konferenzauf demokratischer Basis zu. , Wir verlangen, daß man ohne Kompromisse und ohne Provisorium sich entscheide. Rabbi Awiel (Misrachi, jüdisch): Der Misrachi beharrt darauf, daß nur ein allgemeiner Kongreß die Frage lösen kann. Wie wir Erez Israel nach dom demokratischeil Geiste der Thora anfgebaut haben wollen, so wollen wir, daß auch die Wege zu diesem Ausbau in diesem Geiste geführt sein sollen. Wir wollen, daß in Bälde das Baseler Programm dahin geändert werde, daß es anstatt: „Der Zionimus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina", heißen soll: „D a s ganze jüdische Volk" erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherte:! Heinstätte in Palästina." Wir haberc geschen, daß in der letzten Zeit ein Unterschied zwischen Zion imd dem Zionimus entstanden ist. Alle Inden sind für Zion, aber nicht alle Inden sind für den Zionismus. Wenn der Weltkongreß zusammentreten wird, wird man nicht mehr sagen können, daß Religion Privatsache ist, denn die Meinung des jüdischen Volkes geht daraus hin, daß Erez Israel ans der Grundlage der Thora aufgebaut werden muß. Wir stimmen zu, das; vorläufig ein Provisorium geschaffen werde, aber es mns; uns die Sicherheit geboten sein, das; der Kongreß geschaffen werden wird. Dem Provisorium können nur Nichtzionisterl zugezogen werden, die ans dem Standpunkt des n a t i o n a- I c n H c i m s in Erez Israel stehen. Dr. Syrkin (Amerika): Dieser Kongreß hat mehr wie alle früheren oewiesen, daß die Verwirklichung unseres Ideales nicht durch die Zionistische, Organisation allein möglich rst, sondern nrrr durch derl Jüdischen Weltkongreß. Diesen heute abznlehnen, heißt dein Ansban Hindernisse irr den Weg legen. Diejenigen, die sich fürchten, die jü d i s ch e Bourgeoisie in die Jewish Agency hineinznzichen, geben ihr zu viel Ehre. Wenn sie zil uns kommen werden, bann h a b e n S i e d o ch vor uns k a p i t u l i e r t, nicht der Zionismus vor ihnen. Das ganze Problem hätte mit mehr K a l t b l ü t. i g k e i t' und etwas Ironie diskutiert werden müsscrr, dann wären wir besser vorwärts gekommen. Mit der Zionistischen Organisation zu gehen, ist nicht jeder Jude verpflichtet. Aber mit dem Weltkongreß, der Repräsentanz des ganzen Volkes werden viele mitgohen, er wird, moralische Autorität 'haben und das Mittel sein, alle Energien für den Aufball aufzii rufen. L i p s o u (Hitachdnth, Amerika): Es war hier schon einige Male von Legenden die Rede; ich will auch j eine Legende zerstören, die nämlich, daß a l l e A m e x i- Möbelfabrik J. Spira Feine! MS. lll.. WM»M I—Z IVolmungsetnrwbtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse kaner für die Proposals tvaren. Rabbi Silvermann in Amerika war der größte Gegner des Zionismus. Heute steht er in unseren Reihen und ist einer der besten Arbeiter für den Keren Hajessod. Es ist ein guter zionistischer Instinkt, der die Gefahr spürt, die in der geplanten Erweiterung der Jewish Agency steckt. Darum sagen wir: der einzige Weg ist, daß wir mit unserer zionistischen Arbeit anfangen sollen. Die Jewish Agency aber soll, so lange der Zionistische Weltkongreß nicht möglich ist, bei der Zionistischen Organisation bleiben. Neufeld: In dem Moment, da man angefangen, hat, die reichen Westjuden dadurch heranzuziehen, daß man ihnen die Palästina-Arbeit als eine philanthropische Angelegenheit schilderte, durch die sie selbst in ihrer GaluEposition gesichert werden, in diesem Moment war der Zionismus nicht mehr das, was er gewesen. Von neuem stehen wir vor dieser Gefahr. Der einzige Wog in unserer Frage ist ein W e l t k o n g re ß des ganzen jüdischen Volkes. Schächter (Rumänien): Die rumänische Landsmannschaft ist für die vorgesch'lageue Erweiterung der Jewish Agency. Unsere Erfahrungen bei der Durchürandcrung haben uns gelehrt, daß die Heranziehung einflußreicher Kreise nützlich sein kann. Suchowieky (Misrachi): Der Misrachi sicht aus dem Standpunkt, daß nur der jüdische Weltkongreß eine Erweiterung bringen kann. Wir müssen aber, da die Zeit drängt, den Weltkongreß durch eine Erweiterung der Jewish Agency vorbereiten. Wir haben heute keine Wahl mehr, denn die Parole ist einmal ins Volt geworfen worden. Daher schlage ich eine Resolution vor, die ansfpricht, daß wir die möglichst rasche Verbreiterung der Jewish Agency wünschen. Die Beteiligten müssen der Balfonr-Deklaration Anstimmen. Die Agency muß vor dem Weltkongreß verantwortlich sein, welcher innerhalb zwei Jahren zusawwentveten soll. Der Kongreß soll eine Kommission wählen, die unabhängig von der Exekutive im Einvernehmen mit der Jewish Agency dm Weltkongreß vorbereitet und einberuft. Tradina Biiromöbol m Verbinaui mit Pateji-l- Aktenördner DISPONENT Alloinerzougnngsreeht für alle Länder American Trading Wien Hohen Telephone Nr. 68500 Serie Landau (Ostgalizien): Die ostgalizische Landsmannschaft ist der Ueberzengung, daß der Wille des jüdischen Volkes, seine Heimat ansgubanen, n u r i n einem W e l t k o n g r e ß zum Ausdruck kommen kann. .Da die momentane Situation für die Einberufung des Weltkongresses nicht geeignet ist, müssen wir ein Provisorium schaffen durch Heranziehng von Vertretern von Körpeschaiften, die anr Aufbau Palästinas-' interessiert sind. Selbstverständlich müssen die Prinzipien der nationalen Heimstätte voll anerkannt und der Einfluß der Zionistischen Organisation gesichertwerden. Wir fordern ferner, daß die Agency einer gemeinsamen Körperschaft, einem Council, das aus allen L ä it d c r n zusammengesetzt st, verantwortlich sein soll.. Dr. Alfred Klee (Deutschland): Als Vertreter einer Richtung, welche die Heranziehung von Nichtzionisten zum Programmpunkte hat, müßte ich die Stimmung des Kongresses begrüßen. Es ist allerdings höchst zweifelhaft, ob der Weg zur Jewish Agency der richtige ist. Wir machen einen Sprung ins Dunkle. (Rufe: Sehr richtig!) Dadurch, daß wir in gemeinsamer Arbeit in verschiedenen Ländern uns die Achtung errungen haben, dadurch daß wir nationale Politik geführt haben, haben wir die Vorbedingungen für die Macht geschaffen, die wir heute besitzen. Wenn wir die Erweiterung dev Jewish Agency durchführen, werden wir gerade mit j eiten Leuten zusammeUsitzen, welche diese Arbeit nicht gewollt haben. . Es kann geschehen, daß sie uns Bedingungen stellen, die nationale Arbeit in dem einen oder anderen Lande zu unterlassen. Dagegen müssen Garantien geschaffen werden. (Lebhafter Beifall.) In dem Kongreß ist eine Stimmung entstanden, als ob durch Erledigung der Frage der Jewish Agency eine Lösung unserer Probleme gesunden wäre. Vor dieser Stimmung warne ich Sie. Wenn Sie nicht begreifen werden, daß unsere organisatorische Arbeit auch in Palästina ernfetzen muß, wird auch die Erweiterung der Jewish Agency nichts nützen. De» Keren Hajessod nmß bleiben, aber als Organ de- Ausbaues ist er untauglich. > - Boruchvw (Palästina) hält den .Versuch der Erweiterung der Jewish Agerrcy fiK gefährlich, weil die Nichtzionisten, welche das natio^ näle Programm nicht anerkennen, die Bewegung gefährde^ könnten. Belogorodzki (Zeire Zion): Der Ausbau Palästinas ist nicht mehr Sache eines Partei, sondern eines ganzen Volkes, und der Weg zur Verwirklichung des Zionismus geht über den jüdischen! Weltkongreß, der aber gegenwärtig nicht möglich' ist. Wir haben weder die Kraft, noch die Zeit dies durch-' znführen. Der einzige - Weg ist der des Keren Hajessod. Dr. Barth (Misrachi): Nach dem Bais-eler Programm ist Palästina für das jüdische Volk und nicht für die Zionistenorganisation da. Es ist jetzt Zeit, Plästina an das jüdische Volk zu übergeben. Der Gesichtspunkt der Misrachi erklärt sich aus dem Baseler Programm, nach dem wir Palästina aufrichten und zweitens das Nichtorganisierte jüdische Volk in eine Einheit zusammensassen wollen. Der Weltkongreß wird nur ein etwas veränderter Zionisicnkongres; sein. Dem Gedanken des Provisoriums ist meine Fraktion nicht abgeneigt. Sie fordert aber, das Provisorium müsse tatsächlich für das jüdische Heint und so beschaffen sein, daß es den Weltkongreß nicht unmöglich mache, ferner müssen die Mitglieder der Jewish Agencv d e rantwo rtli ch sein. Der nächste Redner Heinrich Margulies (Berlin): Wenn die Krise, in der wir stehen, nur darin bestünde, daß alles in unserem Organismus gesund ist und nur eine Anzahl Pfunde fehlten, könnte man dem gegenwärtig in Debatte stehenden Mhilfsvorchlag mit einer gcvüffen Loyalität entgegssntreten. Die Krise besteht aber tatsächlich tvtrin, daß das ganze System unserer Finanzen und unserer Organisation antiquiert und brüchig ist. Ich und mein.? Frnnde wollen selbstverständlich jede Erweiterung ir zionistischen Bewegung unterstützen, aber unter allen mb lichen Kautel-en und wir verlangen, daß mit der S Y st e m- Iosi gkeit gebrochen werde. Der nächste Redner, Arditti (Bulgarien), beschwert sich über die mangelhafte B e r ü ck s i ch i i* gung d es sephardische n Elements, betont dessen Loyalität gegen die Organisation und erklärt, daß man Nur durch oie Revolntionierung der jüdischen Massen die höheren Schichten heranziehetr könne. Hieraus 'wird der Antrag auf Schl u ß . d e r D ebatte angenommen; ebenso der Antrag Barth, Montag nachnnttags keine Kommissionssitznngeu abzuhalten, um die wichtigen Abstimmungen des Nachmittags vor Zufälligkeiten zu schützen. Schluß der Sitzung dreiviertel 9 Uhr abends. . Nächste Sitzung Montag, halb 5 Uhr nach mittag s. Die Montags-Sitzung. Karlsbad, 13. August. Vizepräsident Motzkin eröffnet um halb 5 Uhr die Sitzung. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Debatte über die Jewish Agency und d e u? l 1 kongreß. Rabbiner Dr. Nacht (Braila): Ich teile nicht die Ansicht, daß die Hevanzi.hrmg neuer Kräfte uns schaden wird. Wir müssen zu W e i zmann Vertrauen haben und ihm glauben, das; er den zionistischen Gedanken nicht untergraben wird, und wir. können überzeugt sein, das; Weizmann, der kein Anhänger grauer Theorien ist, den richtigen Weg gehr. Neue Kreise müssen herangezogen werden, und wir haben die Garantie, daß diese Heranziehung ltur in zionistischem Sinne geschehen kann, durch Artikel 1 des Mandats. Der Moment ist zu wichtig, als 'daß ivir hier Opposition treiben dürften. (Beifall.) Lvbl Taubes (Wien): Die Frage der Erweiterung der Jewish Agency muß vom politischen und materiellen Gesichtspukte aus betrachtet werden. Der politische Gesichtspunkt zeigt, das; die Balfour-Deklaration und der Mandatsvertrag Erez Israel nicht nur für die Zionisten, sondern auch für das ganz«; jüdische Volk bestimmt hat. Der'Weltk o n gr eß ist der richtige Weg zur Lösung der Frage. Es ist wohl richtig, daß die Verwirklichung des Kongresses gewisse Schwierigkeiten bietet, aber ich. sehe keine ernstlichen Bemühungen, ihn zu verwirklichen. Bei der Schaffung dev Jüdischen Kolonialbank haben wir uns vor dcrn Einfluß nichtzionrstischer Kreise gefürchtet, und wir stehen int Äe> griffe, diesen Fehler zu wiederh ölen. Ich Mage daher vor, der Kongreß nwge beschließen, daß die Ereknt'wa beauftragt werde, alle zur Einberufung des jüdischen Weltkongresses notwendiiger^Schritte zu unternehmen und 'daß dieser Kongreß nicht später als innerhalb drei Jahren von diesem 13. KortgrD zusammentreten soll. (Beifall.) Professor Brodetzky (England) spricht deutsch: An dem Beispiel des Keren Hajessod mü^ ntan lernen. Er sit heute etwas anderes geworden als bc- GfcSgRaumunggwerfeauf im Waren- [Schiffmann!!., Taborstraße 4L Telephon 47a1-79 En gras En detail

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