Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1616 (12.8.1923)
- Date
- 1923-08-12
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. 1616 Men, Sonntag * Jüdische Banditen in Moskau. In einem Interview mit teilt 0o 11öcvbvridjU'i'fia11ci■ des I. E. Bin Nloskan erklärte der Chef der Moskauer Kriminalpolizei, M i kn,l i n, während früher jüdische Banditen eine Seltenheit waren, sei die Kriminalpolizei in den letzten Wochen allein einer größeren Anzahl jüdischer Banditen, die bewaffneter Ueberfälle und Morde beschuldigt sind, habhaft geworden.' Der Polizeichef führt die Tatsache darauf zurück, daß dem j ü d i f ch e n Lumpenproletariat die Möglichkeit zur laudwirtschafti chen Täti gkeit fehle. Die Mehrzahl der jüdischen Banditen seien junge Leute aus den niedrigeren VoÄsschichten, zum Teile aber auch ans den Kreisen, der' Intelligenz. IN der vorigen Woche sdien von fünf indischen Banditen zwei zum Tode und zwei zu acht Jahren schweren Kerkers verurteilt worden. Einer von ihnen sei sreigesprochen worden. (I. C. B.) * Ein Petljura-Baudit als Sowjetkommissär. Der Noskeiner jüdisch-konvmunistische „Eine 3" verössentlicht ^cii! merkwürdiges Bild über die in der russischen Stopt S n i i k o w herrschenden Zustände. Der Präsident des städtischen Sowjets in Snitkow. ein früheres Mitglied der PeÄjurn-Äanden, verlangte von einem sechzigjährigen Juden, daß er die Steuern von den übrigen Einwohnern einhebe mit der Begründung, das; sein Haus die Nummer 10 trage, und jeder zehnte Bürger zur Einhebung der Steuern verpflichtet sei. Der Jude bat, ihm. diese Last abznnchmen. da er dafür zu alt sei. Der Sowjetpräsident lies; ihn darum arretieren. Als sich ein anderer Jude darüber beim Präsidenten erkun-digte, erhob dieser jeinen Revolver gegen ihn. Einen Menschenzniarnmenlans zerftrcutc der Stadipräisident durch Schüsse. Darauf erstatteter einen Bericht an die Behörden, in dem er erklärie, das; ihn eine Anzahl Juten in seinem Bureau überfallen haben und ihn erschießen wollten. Er erklärt, daß die indische Bevölkerung von Snitkow konterrevolutionär sei. Auf Grund dieses Berichtes wurde die gesamte jüdische Bevölkerung arretiert wnd desindet sich seit einigen Wochen im Gefängnis. <U. C. B.) * Ausgrabungen in den Kattfenfchköfferu in Cordoba. Bei der heutigen Cafa de Gorgojnela am Fuß der Sierra de Cordoba, 9 Kilometer westlich der Stadt, sind die Grundmauern eines Palastes freigelegt, den man nach den Beschreibungen des Bah an Almogrib mit Sicherheit als Alcnniriha, die Sommerresidenz Almansors (erbaut um 980), erkannte. Zwischen Alamiriya und Cordoba, ebenfalls am Abhang der Sierra, lag am Ort des heutigen Alt-Cordoba (la Vieja) Medinat Azzahra, jener P a l a st aus S ch e h e r a z a d e n s Märchen, den der große Mterrahrnan III. vollendete; Alhakem I!., sein Sohn, baute ihm Wohnungen für die Beamten und Truppen, Gärten, Bäder, Brunnen und die große Moschee an, so daß eine Palaststadt von 30.000 Einwohnern entstand. Sie führte ein kurzes Leben. 1010 plünderten sie Suleimans Berberbmiden; im 12. Jahrhundert sah Edrisi sie nur noch als Ruine; nach der Rekonquista diente sie dem Kloster San Jeronimo als Steinbruch. * Ausflug nach Eisenstadt. Die jüdische Gemeinde in Ersen st adt zählt zu den ältester, Oesterreichs und bietet ebenso wie das landschaftlich reizvolle Städtchen deur Besucher viele interessante Details. Der Eüsenstädter Jndensriedhof ist durch Forschungen der jüdischen gelehrten Welt sehr bekannt geworden. In Etsenstadt selbst befindet sich auch «in heimatkundliches Museum, von Sandor Wolf im Stammhause seiner Familie gegründet, das von historischen Ausgrabungen angesangen bis zmn Hausrat der Biedermeierzeit alles enthält, lvas dem Verständnis der Geschichte, Kunst und Folklore des Burgenlandes dient. Um die Kenntnis dieses Städtchens sowie der Erinnerungen an längst vergangene jüdische Generationen einem weiten Kreise zu erschließen, veranstaltet die z i o n i st ischc Sektion für die westlichen Bezirke Sonntag den 2. September d. I. einen ganzkägigen Ausflug nach Eisenstadt. Herren und Danten, die sich an dielsem Ausflug beteiligen wollen, werden ersticht, umgehend ihre Adressen an Herrn Bahnassistenten Leo Schneider, Wien, 7. Bez., Halbgasse 16, 2. Stock, Tür 21, unter Bekanntgabe der Personenauzahl mitzuteilen. Die umgehende Anmeldung ist deshalb erwünscht, weil bei rechtzeitiger Boraitmeldung den Teilnehmern erhebliche Fahrpreisermäßigungen gesichert werden können. * Agudalvahlen zur Kenessio Gcdanlo. Die Zionistische Ortsgruppe Oswiecim schreibt uns: Laut Mitteilung im Warschauer Organ der Agndas Iisroel, „Der Jid". vertriit der Nabbinatsassessor, Herr Leser Landau, die Gemeinde Oswicciin bei der Kenessiah Gedaulo in Wien. Gegen die Person des Herrn Leser Landau haben wir nichts einznwendeu. Mit Rücksicht daraus jedoch, daß die Agndas Iisroel sich derart gebärdet, als ob sie nicht nur dazu berufen wäre, den orthodoxen. Teil der Judenschaft zu repräsentieren, sondern für sich geradezu das Monopol in Anspruch nimmt, im Namen des gesamten jüdischen Volkes zu sprechen, bringen wir zur Kenntnis der geehrten Redaktion, daß Herr Leser Laudan weder hier noch auch anderwärts zum Delegierten gewählt, sondern von einem „Agndas Rabbanim" genannten R a b b i n c rverein in Warschau zum Delegierten ernannt wurde, ähnlich wie in einer Aktiengesellschaft. So sieht cs, mit dem demokratischen Prinzip innerhalb der AgudaS Iisroel aus. * Schnellzngsaufcnihalt in Matterdorf. Die Betriebsdirektion der Sndbahn teilt mit, daß ab 20. d. die D-Züge Ml iWien-Südbahnhof ab 9 Uhr 60 Min.) und 302 (Wien-Südbahnhof an 18 Uhr 28 Min.) täglich in der Station M a ttersdors Aufenthalt nehmen werden. Die Ankunft daselbst erfolgt beim Zug 301 um 11 Uhr 22 Minuten, die Abfahrt des Zuges 302 um 16 Uhr 34 Minuten. * Personalnachricht. Die Vermählung des Herrn Alfons Schwarzbart ,mlt Fräulein Sfumi Trödl findet heute um halb 3 llhr im Tempel, 6. Bezirk, Schmalzhofgasse, statt. (Entgeltlich). Großer Sommer-RauWmgsveMWf bei Brüder SchWmonn. Infolge Renoviemng gelangen im Kaufhaus Brüder S ch i f f m a u n, 2. Bez., T a b o r st r a s; e 48, Waschwaren, Dame«- und Herrenwäsche, ferner Lemenwaren, Bettwäsche, Regenmäntel sowie original englische Stoffe für Damen und Herren in enormer Auswahl zn unerreicht billigen Preisen zum Verkauf. 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Für jü-ische Kricgsinvatiöe, -Witwen und -Waisen wiyhcr 285.000 K. 6 iswech. K.) : Fritz Schwarz Ilt 100.000 K., Friedrich Schwarz 100.000 K. Für Nasche Hilfe (bisher 201.376 K. + 5 tschech. K.) : „Fritz" 40.000 K. Für Verein zur Ekhaltung jüdischer VoMskiüchen (bisher 360.000 K.): Schatzker durch Hirschler 50.000 K. Für Jüdischer Frauenbund für Schütztinge,!X. Dez. .(bisher 250.000 K. + 6 tschech. 5i.): . Rosenmann gurch Hirschler 50.000 K. Für zwei alte Schwastrru (bisher 662.900 M\ -}- 5 tschech. .Vf.) : Schatzker durch Hirschler 12.000 K. Für jüdifche Ketöengräber am Jsntralsrkedhsf (bisher 560.090 K.) : Eingedeitk unserer iapsercn Bruder -50.000 K., „Ernst", 10.000 K., Brüder Klein, Schuhfabrik „Beka", Atödling 200.000 K. Bereme, B«rtr8,e »nd Bersa«»l«ngen. . Jüdische V o l! s b i b l i o t h e k Z i o n. Heute Sonntag um halb 11 Uhr dringende Ausschllßsitzung. Urania. Heute, 6 Uhr (Großer Saal): LLUd-Afrika. 8 Uhr (Großer Saal): Ums Rordkap ins 2Leiße Meer. Rettung ans dem Eise. — Morgen, 6 Uhr (Großer Saal): Der kleine Muck. 8 Uhr (Großer Saal): Bei den Ureinwohnern Llnstraliens. — U r a n i a - B ü ch e r ft u b e von 8 bis 1 und 2 bis 6 Uhr geossnet. DOROTHEUMj Virsteigerungs - Einteilu ng ’S;.’." ITäglioh (mit Ausnahme Samstag) Pretiosen; jeden Di Lllk'sr und Chirmsilbcr; jeden Mi Brillanten u. Perlen ini Frnttz-Saal. Tfigliol) (mit Ausnahme Samstag) Go&rauchs gegenstände im , Ludwigstorff«. Rössleru. Kolowrat-Saai: Mi 22. VIII. Photoapparato, Ferngläser, Reisszetige, Scbreibmasciilnen; Fr 24. VIII. Jagdwarfen, Sportausrüstung, Fahrräder, Pelze im: Ludwigstorff- Saal. Jeden Do im Franz-Jose'-caal: Sohöna Möbel, Kaffeohaun-' r, - : Bilder, persertepploii!' 0 a -üawerbe; jeden Fr im lOch-Saal: Gemälde, Kunstgewerbe, Teppiche, Antiquitäten; jeden Di und Fr im Glashof: 'Möbel, Kassen, Luster, Bilder, Haus-1 gerate, Kaffeehauamoblllar. 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Besonders wird diese Methode nicht nur in Rußland, sonoern auch anderwärts gegenüber den Jnd e n angewender und cs ist in Moskau ebenso wie in Wie u und BndaPest üblich, das Bedürfnis des Publikums nach Huywr durch „Jüdeln" zn befriedigen. In Wien hat sich dieses Genre bctauntlich zu einer besonders widerlichen Spezialität heransgebildet, die man als Manschclkomik bezeichnen könnte. Die Genialität von Max Rott und Heinrich Eiseubach, die sich allerdings nicht in Mauscheln, sondem in der' grandiosen Gestaltung von Typen und ihren kleinen Zügen niamfestierte, ivird bei uns in allen Varietes und bei hunderten sogenannten humoristischen Vereinsabenden von unbegabten Komikern nachgeahmt und setzt ihr Pirblikum in um so helleres Entzücken, je weniger cs von dem Kauderwelsch, das nicht jüdisch ist und auch keiner anderen von Gott eingesetzten Sprache ähnelt, versteht. Dem Jüdeln hat sich bei uns als weitere Spezialität das „Tschecheln" hinzugesellt, das in ebenso widerwärtiger Weise betrieben wird. Irr Rußland scheint diese Art von Afterkomik auch zn grassieren. Die Moskauer Theaterkommission will nun diesem Verfahren geistlosen Spottes Über andere Nationalitäten energisch an'dcn Leib rücken und hat es verboten. In Theaterstücken mit Figuren, die fremder Nationalität sind, sind derlei Sprachkarikaturen untersagt. Deshalb wurde auch die Arifführung eines Stückes mit dom Titel „Aron Zadik" verboten. Einem Theater, in tvclchem das jüdisch-amerikanische Stück „Potasch und Perlncutter" auf dem Repertoire steht, ivurde die Anweisung übermittelt, das; die Darsteller den jüdischen Akzent nicht benützen dürfen. Dies schießt entschieden über das Ziel hinaus: denn die Wiedergabe des jüdischen Akzentes durch Paul Morgan oder durch den verstorbenen E i s e n b a ch, ebenso das Tschecheln eines P a l k e n b e r g ist ein Kunstgenuß. Zur Karikatur wird diese Methode nur durch den Mißbrauch von seiten der Unbegabten., Und man sollte nicht den Gebrauch des jüdischen Akzentes in einer komischen Rolle mit Strafe belegen, sondern den schlechten Gcbeanch. Dann aber gleich radikal! Nu französisches MMmsMück. Im Zwei-Masken-Theater, einem der vielen Montmartre-Theater, welche die Sensationslust ihres besonderen Publikums durch grellfärbtge Stücke befriedigen, hat jetzt ein ,,Drama aus dein jüdischen Leben in Rußland", das den Titel „Jüdische Ostern" führt, gewaltigen Zitlanf. Nebenbei sei bemerkt, daß dies in kurzer Zeit der dritte jüdische Stofs ist, dessen sich die Bmüevard- und Montmartre-Thea! er bemächtigt haben; überdies wurde im Oeuvre kürzlich ebenfalls ein jüdisches Stück,. „Samuels Schuld" von Ar nand, einem jüdischen Dramatiker, gegeben. Es scheint, das; man in Frankreich erst jetzt auf das reiche tragische Material gckoinincn ist, das in den jüdischen Stoffen liegt, loclche anderwärts bereits — ins Kino abgewandert sind, wie zmn Beispiel des Pogrom- und Rituälmordstoffes. Das Drama, „Jüdische Ostern", bringt gleich beite Stoffe ans cinnml und int noch ein übriges, indem es ihnen das Bergestinuzsnrotiv anhängt; es lönurc also füglich „Ang' um Auge" heißen. Ter Inhalt ist blutrünstig und verlogen, aber die dramatische Konfliktführung ausgezeichnet: Im Zarenrußland, zur Zeit der Kimtcnhcrrschast. In einem Dorfe wird kurz vor der Osterzeit die Reiche eines Russen gesunden. Das Gerücht entsteht, die Juden der nahen Stadt hätten einen Ritualmvrd verübt. Die Bauern beschließen, sich durch einen Pogrom in der Stadt zu rächen. In ein jüdisches Hans, das bei der Untersuchung der Ritnalinvrdaiisäre durch den Gouverneur ein Familienmitglied als Geisel hat stellen müssen, dringt während. des Pogroms der bekannte Judenhasser Smaldowski ein, erschlägt den Hausherrn und seine Mutter, läßt sich von der schönen Hanssran SckNve ineslei sch bringen (wie naiv!) und vergewaltigt sie dann vor den Augen ihres Mannes. Fünfzehn Jahre sind vergangen. In Rußland herrschen die „Roten". Ter Alann, dessen Frau geschändet wurde, ist alt und grau geworden, sein Sohn ist erwachsen und spiegelt des Vaters Jugend wieder. Wieder wird die Tür aufgerissen, das Licht verlischt. Ein Mann eilt ins Zimmer, von den Bolschewiken verfolgt. Man verbirgt ihn. Tie Verfolger ziehen ab. Der Flüchtling kommt aus seinein Versteck hervor. Es ist — Smaldowski. Nun nehmen die, denen ec einst Schmach und Unheil angetan hat, furchtbare Rache, eine maßlose, krankhafte Rache: sie peinigen ihren einstigen Peiniger zu Tode; der alte Jakob sticht ihm mit wollüstig zitternder Hand die Angen ans. — Bei uns würde man nicht cinmcil wagen, etwas so Unwahres aus die Leinwand, geschweige denn ans die Bühne zn bringen. Das Montnurrtre-Viertel ist viel naiver. Das Grab Josef Karn;'. Die Kainz-Bühne hat die Verpflichtung üvernommen, das armselige Grab Joses.^inz' auf dem Döblinger Friedhofe würdig umzngestaltcu. s-ur Anfbriiignttg der dafür nvtrgen Rtittcl finden im Merropol- Theater,' das Direktor Theo Werner in Anbetracht des humanen Zweckes zur Verfügung stellte, heute den 12 d., ebenso ani 13., 14., 16. und' 16. . d„ Vorstellungen statt. Zur Aufführung gelangen: „Der Hund im Hirn"^ eine Komödie in einem Akt von Kurt G o e tz, ferner „D re u n m o r a l is ch e Wohn» n g", ein grotesker Schwank in einem Aufzug, von Alex. Engel. Das gesamte Reinertrüanis — die Darsteller erhalten keinerlei Honorare — fließt dem I o s e * Kainz-Grabfonds zn. A«s den Aeatem. BolESoPer. Heu.4« ^Tosca". Im R<läm>n>tr!d-LIhe'LteL tAgbich um baW 8 lHt abends die Posse mit Gchcma «Dv-Tgehn Togo Arrest".