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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-12 · Heft 1616 (12.8.1923) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1616 (12.8.1923)
Date
1923-08-12
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Wien, Sonntag Wienev Morgenzeitung. 12. AuWst 1923 Nr. 1616 * Verhungert mit tausend Pfund in der Tasche. In £h.K'V)xn.u fanben javi -Mmiivn, olo sie ihrem durch rin offenes Ernster in ein Erdgcsckeßzimmcr geflogenen Pali uachstiegeu» im Zinintcr stark verweste Leicöe einer Frmr (£* Ivnrde festgestellt daß die Frau schon etiva zwei bi-, ,-rei Atairate vorher gestorben war. Als Todesursache wurde völlige Entkräftung durch Hunger ermittelt. In den Kleidern der Toten fand man aber etwa t a n s e n d P s u it d englisches Papiergeld, zweitausend F r a u k e n und eine größere Anzahl von D iv i id c u d e n c o n v o u ö. Dennoch aber'war die Iran Hungers gestorben, da sie anscheinend ihr Geld nicht anbringen wollte. Es scheint sich um einen pathologischen Fall von Geiz gehandelt zu haben, da man in der arg'vernachlässigten Wohnung der stets zurückgezogen lebenden Iran an Spe'ckevarräten nicht mehr als zwei Stückchen Brot fand. Wie man Wollten beseitigt. Zwei amerikanischen tt'wlchrten, Brauern ft und Warren, ist es auf dem Itncheld bei Danton in Ohio gelungen, Wolken dadurch zn-.n B er schw ind e n zu b r>i n ge n', daß sic sic ans einem Flugzeug oder Fesselballon mit elektrisch geladenem Sand bestreuten. Die positiv getändenen Sandkörnchen -zogen die feinsten Wassertröpfchen an. bereinigten sie zu immer größeren Tropfen, die dann scbttcßlicb als Regen, oder an kalten Tagen als Schnee nicderfielen. Mt etwa vierzig Kilogramen allerfeinsten Sandes, der auf 15.000 Bott geladen war, konnte man über dein Flugfeld eine Wolke, dir ninf bis sechs Quadratkilometer bedeckte, in weniger als zehn Minuten entfernen. Wie ans diese Weise ein Flugplatz von Wolken, „gereinigt" wird, schildert sehr anschaulich der Mü-- erfinder des Flngzcnges, Orvillc Wrigbt. „Als ich eines Tages in meinem Arbeitszimmer beschäftigt war." schre'bt er,' „chörle ich über mir den Ton eines Flugzeuges. Als ich aus dem Fenster blickte, bemerkte ich, wie das Flugzeug gerade in eine Wolke hineinfloa. Es verschwand vollständig den Blicken, und erschien nach zehn oder fünfzehn Sekunden am anderen Ende der Wolke. Hinter ihm her zog, wie einlanger Schwanz, eine Wolke, die ich zunächst für Rauch hielt, bis ich erkannte, daß es ganz feiner Staub sei, den das Flugzeug ausstrente. Ta wurde es mir klar, daß es sich uni einen von Dr. Warreus Versuchen handle, von denen ich schon gehör: hatte. Nachdem das Flugzeug die Wolke etwa fünf- bis sechsmal durchflogen hatte, begann diese sich langsam auf.znlöfen, und war nach, drei oder vier Minuten völlig verschwunden. Das gleiche geschah mit einer benachbarten Wolke, nachdem sie das Flugzeug einige Male durchflogen hatte. Eine dritte Wolke verschwand in gleicher Weise, ohne daß ich irgendwelchen Niederschlag beobachtete." * Besteuerung der Fremdwörter in Italien. Wie der „Figaro" schreibt, führen die Faszisten in Italien einen erbitterten Kampf gegen die Anwendung der Fremdwörter in der Umgangssprache. Natürlich ist da das Französische besonders ins Auge gefaßt. Wie berichtet wird, ist. eine Stenervorlagc geplant, welche die Schilder an Kaufläden, Kaufhäusern usw. mit ein-.-r Steuer belegt, wenn die Aufschrift in einer anderen als der italienischen Sprache verfaßt ist. Das Wort „Hotel" wird mit 5 Lire für den Buchstaben, also mit 25 Lire Jahressteucr belastet. Das Wort „Restaurant" kostet 50 Lire jährlich. Kaufleute und Wirte, die. dieser Steuer entgehen wollen, müssen eben „Albergo" oder „Osteria" anschreibcn. Diese Maßnahmen sind um so beachtenswerter, als die italienische Sprache bedeutend reiner von Fremdwörtern ist als etwa die deutsche. Mreilimgm aus dem Publttlm. _ TR^iDK MR durch den neuen hygienischen £& Strumpfschoner jiMUvS Sie ersparen Zeit untiCäeBd! Alleinige Erzeugung und Generalvertrieb: Sltäl Ges. in. b* H., Wien, IV. 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A u g u st Iit Pod ebrad mit d/m Programm „Sozialer Friede" stach und ist auf fünf Teile berechnet. Erster philosophischer Teil r' Vortragende: Rudolf Goldfcheid (Oesterreich), Prof. V. Tille (Tschecho-Slowakei), Ed. Dnjardm (Frankreich), V. Vulgochoio l Rußland), Prof. Kalidas Vag (Indien), Nie. Velennrovic (Jugoslawien; Zweiter volkswirtschaftlicher Teil r Pierre Hains» (Frankreich), E. Wilion (England). Dr. M. Hvdza (Tschecho- Slowakett. Dritter Teil: Frauenfragen: Frau Dr. Bk. Naertüng (Deutschland), Prof. Totomianz (Rußland). Vierter Teil: Erziehung : Dr. Decrolp (Belgien), Wilton England). Fünfter Teil: Poesie: Miß Vidda Scuder (Amerika), Dr. Erv. Nteger (Oeststerreich)H * Evangelische Theologen im Aabbinerornal. Wie ans X üb t u ge n gemeldet wird, haben dort vor wenige»' Tagen Studierende der protestantischen Theologie ihrem Professor, dem Hebraisten S ch l a t t e r, ein eigenartiges Ständchen gebracht, indem sie im O r n a fr i Ü bi f.äi c r Rabbiner vor seinen Fenstern einen h e b r ä i s ch e n P s. a l m gesungen haben. Der eigenartige Aufzug erregte in den Straßen Tübingens großes Aufsehen. * Bankier und Boxer. Aus New-Dork wird berichtet: Als die Knndeip der Stanton Bank and Trust Comp aut) in Great Falls neulich die Bank besuchen wollten, fanden sie deren Schalter geschlossen. Die Bank hatte ihre Zahlungen eingestellt, und zwar, weil der Inhaber der Bank H. Stanton, ein leidenschastlicher Sportfreund, sich bei dem'Boxkampf in Shclby, wo Dentpsey gegen Gibbons unterlag, soweit zugunsten Dcmpiseys engagiert und so viel Geld in die Borberci'itungen des Kampfes hineingestcckt hatte, daß er sich, als Dempseh besiegt wurde, außerstande sah, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Doch versichert er, die kleine Betriebsstörung sei nur vorübergehend! * Lebt Nikolaus der Zweite noch? Diese schon so oft behandelte Frage, ob Zar Nikolaus der Zweite uoch lebe oder'nicht, wird erneuert in der letzten Nummer des „Mer eure de France" ansgeworseu Das Blatt weist darauf hin, daß heute n.-.'ch zahlreiche L-mtc,. die gm informiert fein wollen, felsenfest überzeugt sind, daß der Zar nicht tot sei: „Wenn er getötet worden wäre," hübe die Kaiserin Mutter erklärt, „so hätte ich darüber eine positive Mitteilung erhalten." Den Nachrichten zufolge, die dem „G i o r n a l e d'Jtalüa" zugegangcn sind, ist der Zar noch am Leben, aber niemandem' ist svin Aufenthalt bekannt. Der frühere Deputierte L a s o i s hat in Begleitung des Kommandanten Belifraud in Ekaterinenburg eine eingehende Unterjsuchung eingeleitet und hat im „Matin" vom 3. Apvil 1920 behauptet, „er besitze eine eigenartige Sammlung von Dokumenten, die erkennen ließen, daß die kaiserliche Familie nicht ermordet worden sei." Denselben Zweifel äußerte der „Gaulois" vonr 26. August 1922. Trotzdem ist jedoch kaum auznuchnten, daß der Zar noch unter den Lebenden weile. * Eine schwimmende französische Ausstellung. Der schon so hänfiig erörterte Plan emer schwinttnenden nationalen Ausstellung ist jetzt von französischer Seite in die W-irMichkeit nnt!g>eseht worden. Das Anssteilurrgsschiff „Derrc de France" hat den Hafen von Le Havre vevlaßen, um zunächst die folaeuiden .Hafen fliiMuitf-tir. Lissabon, CafManea cm der at« laut'ischen Miste Marokkos, Madeira und Dackar im französischen Senegambien^ In Südamerika wind das Schifis die wichtigsten Häfen aller an der Ostiseite des Koutinents gel-eFünen avoßereir Staaten besuchen, nämlich in Argenttnien Buenos Aires, in Uruguay Mo ule Video, in BraslNeu Rio de Janeiro, Balsia und Pernanidnco, auf der eniglifchen Insel Trinidad Port au Spa in, in Venezuela La Guaria, auif Haiti Port au Prince, auf Kuba Habana, in M-exiko Veva Cruz, in den Vereinigten Staaten N-vw-Orleans, Philadelphia, Neiw-AorE und Boston, in Kanada Qusöec und Montreal. Man rechnet damit, daß die SchiffsansstellunH an jedem Orte, jo nach Bedarf, zwischen vier und .fünfzchn Tagen veMleiben wirid, so daß. die gcnM Toavr in acht Monaten rmgefähr beenldet fe-rukcknn..

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