Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1616 (12.8.1923)
- Date
- 1923-08-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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iMf/- Ti.iWn. r t, r t ( *'* »*> n m. rm6 Men, Sonntag WiEv MorgenzeKnug. 12, AuMt MW - ,K- Explosion in Fünfkirche». In den Kuh!lenbcr>gwe.i:Lert von FÄ nfkircheu ereM-ele sich gvstorn eine Explosion, durch welche g*&>c t Ar b e iter getötet und viele schwer derletzt wurden. Jugoslawien. Nadir doch geWchtet. Belgrad. 10. August. (Avale.) Die in: Ministerium des Innern eingetrofsenen Nachrichten bestätigen, daß Radic geflohen ist, um sich der gerichtlichen Verfolgung zu entziehen. Er und zwei Freunde, darunter fern Sekretär, seien heimlich über die Draugrenzc gegangen. Radic hat sich nach Budapest begeben, wo er mit dem Führer der bulgarisch-mazedonischen. Organisation Protogerow und zahlreichen Vertretern der magyarischen Jrredenta zusammentrifft. Nach den letzten Meldungen wäre Radic in Wien, nach einer anderen Version aus privater Quelle hätte er sich mittels Flugzeuges nach Rom Legeben. Ueber die B' eweg gründe der Flucht sind widersprechende Gerüchte int Umlauf. -!: Soweit an maßgebender Stelle festgestellt werden konnte, ist von einem Eintreffen Radic' in Wien nichts bekannt. Nach Mitteilungen, welche die „Grazer Tagespost" aus Belgrad erhielt, soll Radic von Wien über Triest nach Rom abgereist sein und sich von dort nach London begeben. fr _ Tschecho-Slowakei. Ki» allgemeiner Halenkreuzverbotbevorfteheud. Prag, 11. August. (Tel. der „Ar. Morgenztg.") Das Duxer Matt der deutschen Nationalsozialisten „Der Tag^ berichtet, daß die tschechische Regierung plane, das Tragendes Hakenkreuzes durch ein allgemeines Uerbotzu untersagen. Pilöftini. Bor Kunos Rücktritt. Das Khaos in Permanenz. — Kommunistische Agitation. — Re Forderungen der Sozialdemokraten. — Strefemann soll Kanzler werde«.? Aue Legion WM Schutze der hebrAsche» Sprache. Wie uns aus Jerusalem berichtet wird, haben sich dort, wie in anderen Städten Palästinas Bereinigungen unter dem Namen „Legion zur Verteidigung der hebräischen Sprache" gebildet, welche den Zweck haben, einen Kampf für die hebräische Sprache in Palästina zu führen. Diese Organisation besteht ans Studenten und Arbeitern. Wenn ein Mitglied dieser Legion einen Juden in einer anderen als der hebräischen Sprache sprechen hört, so schickt er ihm eine» Zettel, auf dem geschrieben steht: „Iud e, sprich hebräisch!" Die Legion will es dahin bringen, daß die jüdischen Eltern und Kinder in Palästina ausschließlich hebräisch unter einander sprechen, daß die Borträge nur hebräisch gehalten werden usw. Sie hat sich auch, die Wahrung der Rechte der hebräischen Sprache als einer der offiziellen Landessprachen bei den Regierungsbehörden zum Ziele gesetzt. Meder ein Eugländer ermordet. Jerusalem, 7. August. (Tel. der ,-Wr. Morgenztg.") Aus Haifa kommt die Nachricht, daß Mr. Jolh, der Superintendent von Haifa, an der Meeresküste ermordet wurde. Die Polizei hat einige Araber als Täter verhaftet, andere konnten nach Transjordanien entkommen. kine arabisch-jüdische Feier i« Sichran Faakvb. Aus Jerusalem schreibt man uns: In Sichron Jaakob fand vor kurzem ein großes jüdisch-arabis5) es 'Fest statt. Zwanzig arabische Sche ich s besuchten die Kolonie und ehrten den bekannten Kapitän Alexander A r o n s o h n (den Bruder des kurz nach dem Kriege verunglückten berühmten Botanikers und Agronomen A. Aronsohu) mit dem Titel Scheich. Als Zeichen ihrer' Verehrung überreichten sie ihm ein Schwert. Aronsohn veranstaltete zu Ehren seiner Gäste ein Festmahl, an tvelchem die arabischen und jüdischen Rotabeln teilnahmen und die arabisch-jüdische Freundschaft,, die sich immer mehr verstärkt, feierlich besiegelten/ Ein jüdisches Arbeiterfpital. Wie gemeldet wird, hat die jüdische Arbeiterkrankenkasse „Kup at-Chol im" beschlossen, in Liberias in der Nähe von Kirjath Sch'mnel em .Epital zu errichten. Polen. Der französische Senat vertagt die kntscheidüng Über die polnische Anleihe. Wmschau, 11. August. (Tel.-Komp.) Die Nachricht, daß der französische S e n a t die Beratung der Gesetz- Vorlage über eine Anleihe von 400 Millionen Fra n k en fü r Polen auf seine Herbsttagung verlegt habe, wird hier als diplomatischer Mißerfolg der polnischen Regierung empfunden. „Kurjer PorannY" führt aus, man habe zwar mit der Opposition des französischen Senats gegen die von der Kammer bereits bewilligte polnische Anleihe gerechnet; indessen rufe die Vertagung dieser Angelegenheit Befremden hervor. <■ Berlin, 11. August. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeiturrg".) Die Verfassungsfe rer ist still und ohne große Teilnahme des Publikums vevlaufen, da. die allgemeine Stimmung eine sehr gedrückte ist. Es scheint, daß die HoGuungAlüsigkeit, die bisher nur in dm unteren Schichten geherrscht hgt, sich nun auf alle Kreise erstreckt hat. Auf den Stwßen Berlins stehen Leute beisammen, die ganz verzagt die Lage besprechen. Die Hausfrauen jammern, da sie. soferne sie überhaupt über Bargeld verfügen, fast nichts für ihr Geld kaufen können. Die L.ebensm:ttetpreise haben eine phantastische Höh e erreicht. Sv kosteten heute: Mn Pfund Fleuch 500.000 Mark. Ein Pfund Butter: 1,000.000 Mark. Ein Pfund Kartoffeln 100M0 Mark. Ein Hering 50.000 Mark. Ein Ei 80.000 Mark. Aus den Markten kam es jeden Moment zu Zusammenstößen zwischen Publikum und Verkäufern, welchen die Polizei sehr oft durch energisches Gpjschvorten ein Ende machen mußte. Lärmende Austritte gab es dort, wo Arbeiterfrauen vielfach mit den von den verschiedenen Unternehmungen an Zahlungs statt ausgegebenen Bons zahlen wollten. Viole Verkäufer weigerten sich, diese Gutscheine anzunehMen, was bei den Frauen eine verzweifelte Erregung hervorries. Die Zahlungsmittelnot hat sich bei den gestrigen und heutigen LohnausZahlungen überaus stark fühlbar gemacht. Beinahe nirgends konnten die Arbeiter ihre Millionenlöhne ganz in Geld erhalten. Mille Betriebe haben gu der Ausflucht gegriffen, eigene Gutscheine auszugeben, die von mehreren Warenhäusern laut einem eigens getroffenen Uebeveiukommen angenommen werden. Diese schwierige Lage wird von kommunistischen Agr tato ran für ihre Um stürz plane in jeder Werfen üusgenützt. Auf den Märkten, auf den Straßen, ja selbst auf dem Lande ziehen Agitatoren herum, um unter der Bevölkerung Stimmung gegen die Regierung und für eine AendiwuAg der ganzen Verhältnisse zu machen, Zn Berlin hat die BersamuEmg der kommunistischen BabrreDsrate beschlossen, ebtett dreitägigen GenevaPreS zu ProLmmeren. Folgende Forderuugsn wurden ausgestellt: 1. Sturg der Regierung Cuno; 2. Beschlagnahme von Lebensmitteln zur Sicherung der Ernährung der Arbeiterschaft; 8. Zurücknahme des Verbotes der Woletgrischen War.- dertschaften; i Anerkennung der Proletarischen Kontrollausschüsse; o. Festsetzung eines StunÜLU-lohues von 60 Gold- 6. Aufhebung des De-Moustratlvnsver- Mtes und der Ausnahmeverordnungen. Ae Haltung der öszralvemotratell. Berlin, 11. August. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hielt heute eine Sitzung ob, in der eine Entschließung angerrommen lwwche, worin der Regremtng Cinro das Mißtrauen ausgesprochen und gleichzeitig erklärt wird, daß jede Regierung zu unterstützen fei. die sich folgende Forderungen zu eigen mache: Erfassung der Sachwerte als Garantie für eine wertbeständige Anleihe, Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, größte Aktivität in der äufteren Politik, energische Durchführung der beschlossenen Stenermaßnahwen, durchgreifende Reform der Stenern und der Währung, unbedingte Einführung von Goldkrediten und Goldlöhnen und G dM**zJ1laz IM Jiebes, JCeetwnesJflantetitMXi Skt^pfvns et tfotutyfoß Seietan SUb 1. Magast gelangen zur ^Vorführung Kl Loslöfurig der Reichswehr von allen uns gesetzlichen Organisationen. Der Beschluß der Fraktion wurde dem Reichskanzlnsofort übermittelt. Erörterung der Resolution durch die Parteien. Berlin, 11. August. Die ResoktMvv 'Zer sozialdemo^ kretischen Fraktronskonferenz wurde im Laufe des Abends von deu Parteien erörtert, wobei zum Ausdruck kam, daß eigentlich kernAnlaß vorliege, die Entscheidung des Reichstages über den Rücktritt des Kabinetts Crmo vorM« greisen oder diesem schon jetzt das Ve r trau en z u entzieh e n. Doch hat die Arbeitsgemeinschaft als solche die Entscheidung den einzelnen Fraktionen überlassen, die nrorgenvor mittags zusammentveten werden und in deren Sitzungen sich jedeirfalls das Schicksal der gegenwärtigen Regierung entscheiden wird. Völliges Wrllcken der SozialdeawkrM» lliw de» KoammMe». Berlin, 11. August. (Tel. der „Wr. Morgenzerttmg".) Der „V o r w ä r t s" ruft die Arbeiterschaft m «wem Leitartikel zum Schutzeder Republik auf und meint, die Arbeiterschaft dürfe sich nicht zum Spielball der Launeu von Paroleschmied en machen lassen. Zn dem Leitartikel wird mit Bestimmtheit behauptet, daß Cnno gehen werde. Das Blatt meint, man spreche gar nicht mehr davon, ob er bleibe oder gehe, sondern nur «och davon, wer nach ihm komme, und er selbst sei froh, wenn er gehen könne. Sodann rückt in dem Leitartikel die« sozialdemokr-atische Partei endgültig von dev Taktik der Kommunisten ob. Kuno geht. Strefemann sein Nachfolger. Berlin, 11. August. Wie in politische« Kreijek verlautet, steht gegenwärtig der Rücktritt des Kabinetts Cnno fest. Er sei letzten Endes auf die Refolütior der sozialdemokratischen Konferenz zurück»^ zuführm, die in ihrem ersten Teile -rin Mißtrauensvotum gegen Enno enthält und im zweiten Teile rin positives Regieruugsprogr'aM'M entwirft. Mit Zweidrittelmehrheit wurde von der Konferenz auch die große Koalition beschlossen, die dadurch als g e s t ch rt erscheint. Die Kanzlerschaft werde, wie weiter verlautet, der volZsparteiliche Führer Dr. Stresemann übernehmen, wahrend H il ferdillg für das FmauMMisterinm m Betracht konmrt. Iie Streite. Der kommunistische Generalstreik. Berlin. 11. August. Den Umfang der Arbeitsniedeo lcgung auf kommunistische Parole hm kann man heute nicht mehr ermessen, ' da der Streikbeginn für 3 Uhr nachmittags festgesetzt wurde und um diese Zeit die meisten Werke ohnehin schon dre S onntagsr u h e begannen. Erst am M o n t a g wird man überblicken können, welche Ausdehnung die Arbeitsrühe angenommen hat. Ms Ziel des General'streiks, der bis Dienstag dauern soll, fordern die kommunistischen Betriebsräte außer dem Rücktritt des Kabinetts Cuno, die sofortige Anerkennung der proletarisch en Kontrollausschüsse, die sofortige Au shebung des Verbotes der prpletarisch,v' Hundertschaften, die sofortige Festsetzung des Minimalstundenlohnes mit 60 Friedenspfemng« für olle Arbeiter und Angestellten, hie Wiedereinstellung aller Arbeitslosen und die Beschäftigung der Kriegsrentner zu vollem Lohne, die Aufhebung des Demonstrationsverbotes und des Ausnahmezustand, die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen unb als Krönung des Ganzen die Bildung einer Arbeiterregiennig. Auf dem Eisenbahnen. Hier sieht die Lage sehr bedrohlich nue>. Tn Zugsverkehr ist vollständig unregelmäßig. In den Ekektrizitätswevken. Sttllfichen der Berliner Straßenbahnen. Die städtischen Elektrizitätswerke rn (v't schon seit gestern abends, so daß heute der Straß c - biahnverkehr vollständig eingestellt >» In den Gaswerken. TÜe Arborter der Gaswerke ftnd heute in des. Streik gstreten. Me große Mchrgahl der Drucke re ie»! wird deswsgM binnen knrK.er Fritz nerMlich stillstehe»- m-üssen. Doch ein GenenalstreM Berlin, 11. August- Wie spat nachts verlautet, wiÄ damit gerechnet, daß um 12 Uhr Mitternachts GeneralstreU, was die städtischen Betriebe betriff^ aiblgrmein eörsttzen mrd damit die Strom-, VasinÄ