Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1616 (12.8.1923)
- Date
- 1923-08-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. MÄ Wien, Sonn'tag OMack zurücktvefft. Beglückend, daß jahrelange MAisHe Arbeit mit ihren seelermwrdender: Matwvsrn, diplomatischen Schstchzügen das Herz dieses großen Juden nicht erhärten konnte, daß er jünglingshaft auffcchven kann, tvenn man ihn kränkt, cckev unbegreiflich, das; der Grünbaum von einst den Grünbaum von jetzt so ohne Fassung, so voller Erbitterung, so gang ohne Prälsidenten-^Hemmung antzcht. Herrlich war sie, Prachtvoll gesteigert, bezwingend durch die Knappheit und Wärme, die lang erwartete Rede WeiKmanmZ, aber sie hat die Lust nicht gereinigt, die Gegmsätze vielmehr verschärft. Ich weiß nicht, ob Dr. Weizmann, der verantwortungsvolle, berufene Führer mit sich selbst jlMte so zufrieden ist wie es die ganze Majorität des Hauses in der verflossenen Nacht mit ihm war. O. A. Ne Interparlamentarische Union und die Frage der MinoritArrechte. BekannWch hat die Pariser Friedenskonferenz in den Verträgen mit,Polen, Jugoslawien, Rumänien, der Tschecho-Sllowakei und anderen Staaten besondere Abmachungen über den Schutz der nationalen Minoritäten abgeschlossen, welche Angelegenheit der Kompetenz des Völkerbundes unterstellt wurde. Angesichts verschiedener Beschwerden hat sich die Interparlamentarische Union bereits auf ihrer Wiener Tagung, die im vorigen Jahre stattsand, mit dieser Frage beschäftigt. Ihrem diesjährigen Kongreß, .der voni 16. bis 18. d. in Kopenhagen tagen wird, liegen auf Grund der Arbeit vovberatender Kommission eine Reihe von Entwürfen zur Beschlußfassung vor, die das Generalsekretariat der Interparlamentarischen Union veröffentlicht. Die BcMüsfe sollen den in Betracht kommenden Regierungen und dem Völkerbünde vorgelegt werden, mit dem Anträge, daß sie als Grundlagen für die Ausarbeitung einer internationalen Uebereinkunft dienen sollen, lieber die _Wiener Morgenzertung._ Möbelfabrik J. Spira Fehle °>° WiCD, E, WMlWM« 1—3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse 3. Die Tatsache, daß er einer nationalen, religiösen oder sprachlichen Minderheit angehört, befreit einen Staatsangehörigen nr mchts von den Pflichten, die ihm durch die Versa sstmg und die Gesetze des Staates auferlegt sind. 4. Die Staaten verpflichten sich andererseits, allen ihren Angehörigen Gleichheit vor dem Gesetz und den Genuß der gleichen bürgerlichen und politischen Rechte zu gewähren, ohne Unterschied der Nationalität, der Sprache oder der Religion, insbesondere in Sachen des Wahlrechtes und der Zulassung zu den öffentlichen Diensten, Aemtern und Ehrenstellen, in der Ausübung der verschiedenen.Berufe und Gewerbe und in der Anwendung der Agrargesetze. Die Trading BOromöbel in Verbindung mit P atent-Aktenordner DISPONENT AlleLnerzougungsreeht American Länder Ulan 68600 Rechte und Pflichten der Minderheiten heißt es darin: 1. Die Staaten verpflichten sich, ollen ihren Einwohnern, ohne Unterschied der Geburt, der Staatsangchö r'igleit, der Sprache, der Rasse oder der Religion, vollen und uneingeschränkten Schutz für ihr Leben und für ihre Freiheit zu ge-, währen. — Alle Einwohner eines Staates lverden das Recht haben zur freien, sowohl öffentlichen wie privaten, Ausübnng jeden Glaubens, jeder Religion, jeden Bekenntnisses, deren Betätigung nicht unvereinbar ist mit der Ordnung und den guten Sitten, 2. Jeder Staatsangehörige hat dos Recht, vor den zuständigen Bchörden seines Staates eine rechts wirksame Erklärung abzugeben über seine Zugehörigkeit lzu der Mehrheit oder zu einer nationalen, religiösen oder sprachlichen Minderheit. Diese Erklärung soll frei abgegeben werden, ohne Zwang und ohne für den Deklaranten irgend welche nachteilige Folgen nach sich zu ziehen. Staaten werden in ihrer politischen Gebarung die besondere geistige Einstellung würdigen, die für die Angehörigen einer Minderheit eben durch die Tatsache der Zngchörigkeit zu einer Minderheit gegeben ist, und sie werden sich bemühen, ein Verwalt nngssystem zu errichten, das a-lle ihre Staatsangehörigen zufrieden stellt. — Die Schaffung „Paritätüscher Kommissionen" wird zur ErreiAmg dieses Ergebmsies beitragen. 6. Kein Staatsangehöriger wird im freien Gebrauch irgendeiner Sprache irgend welchen Cinschrärckrngen unterworfen werden, weder in seinen persönlichen oder Handelsbe-zwhuirgen, noch in Angelegenheiten der Religion,, der Presse oder der Veröffentlichungen aller Art, .noch in öffentlichen DerMmmlmng-e-n. — Ungeachtet des Bestehens einer amtlichen Sprache, lverden den Zugehörigen einer anderen Sprache, wenn diese von eineur erheblichen Teil der Bevölkerung gesprochen wird, angemessene Zugeständnisse gemacht werden für den mündlichen oder schriftlichen Gebrauch dieser 1.2. August 1923 Seite & Sprache, im Schoß der lokalen Berattmgskörper, vor den r ichte n oder int Verkehr mit der Verwaltung. 6. Die Staatsangchörigen, die nationalen, religiösen oder: sprachlichen Minderheiten angehören, werden sich derselben Be-' Handlung und derselben rechtlichen und tatsächlichen Garantien erfreuen, wie die übrigen Staatsangehörigen. Sie werden insbesondere das gleiche Recht haben, auf ihre Kosten und ohne Auferlegung von AusnahmebedingnngÄt, wohltätige, re-> ligiose, soziale oder wirtschaftliche Stiftungen, ebenso Schulen und andere Erziehungsanstalten, zu errichten, zu leiten und zu überwachen, mit dem Recht des freien Gebrauchs ihrer eigenen Sprache und freier Religionsübung. Der Besitz und der freie Gebrauch der Stiftungen, die znm Nnterhalt ihrer religiösen und Unterrichtsanstalten bestimmt sind, müssen ihnen erhalten, im Bedarfsfälle zurückerstatlct werden. 7. In Sachen des ö f f e n t l i ch e n U n t e r r i ch i s wird die Regierung eines Staates in den Städten und Distrikten, in denen ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung einer andern als der amtlichen Sprache angehört, angemessene Zugeständnisse gewähren, um für die Kinder dieser Angehörigen die Erteilung des Unterrichtes in der Muttersprache sicherzustelleu. Dt, gesetzliche Stellung der durch Körperschaften, Gesellschaften oder Individuen einer Minderheit unterhaltenen Schulen jeden Grades oder Erziehungsanstalten wird die gleiche sein wie jene der entsprechenden Schulen oder Anstalten, die von Körperschaften, Gesellschaften und Individuen der Mehrheit unterhalten werden. — Diese Besümnmrrgen sollen die Regierungen nicht hindern, den Unterricht m der amtlichen Sprache obligatorisch zu machen. — In den Städten und Distrikten, in denen ein beträchtlicher Teil der dort wohnhaften Staatsangchörigen zu nationalen, religiösen oder sprachlichen Minderheiten gehört, werden diese Minderheiten sich fichergeftellt sehen mit ihrem Anspruch auf einen billigen Anteil an der Verwendung der Summen, die aus dm öffentlichen Mitteln, durch den Staatshaushalt, die Gemeinde- oder anderen Haushalte, für die Zwecke der Erziehung, der Religion oder dev Wohltätigkeit zur Verfügung gestellt werden. 8. Die Staaten verpflichten sich, nicht nur die hier oben ausgespochenen grundlegenden Prinzipien crnzuerke rfne n, sondern auch Maßnahmen zu troffen, die deren Durchführung gewährleisten. ParitaWhe Kommissionen. In: Jntevesse des Friedens und des guten Einvernehmens zwischen der Mehrheit und den Minderheiten in den Staaten mit gemischter Bevölkerung lenkt die 21. Interparlamentarische Konferenz die Mfme-rffÄnkeit der Gruppen der dabei interesiierten Staaten ans die Dienste, die zwecks Beruhigung der Leidenschaften und zwecks Mitarbeit beim Anffmden billiger Lösungen für umstrittene Fragen, pmrü-tät>rsche K o turn i.sls-von en leisten könnten, zuscmrmengesetzt aus den' Vertretern der Mehrheit und der einen oder der anderen Minderheit, angepaßt dm Bedingungen und Biödürfmfsen der verschie- . .denen Staaten. ¥ Die Errichtung ^derartiger Komnvissomn würden unter anderem den Vorteil haben, die Zahl der von Angehörigen ' der Minderheiten gemäß den in Kraft befindlichen Verträgen GtSRiuiiungtverkauf im Schiffmann mmmammaamms- II., Taborstraße 48 Telephon 47*1-79 En gros En detail Augen., (Aus dem Tagebuch einer Amerikarerse.) Von Perez Hirschbein. Jede' amerikanische Gegend gräbt ein Zeichen ins Gedächtnis ein, wenn man sie durchreist. Die eine breitet grüne Felder vor dem Wanderer ans, die andere prangt mit Lichten Wäldern. Die eine Stadt läßt den Staub ihres trockenen Bodens auf den Kleidern, die andere den Nuß der Fabriksschornsteine. Aus einer Gegend winken Berge, ans deren Gipfel ewiger Winter wohnt, eine andere trägt dir ihre breiten strömenden Flüsse entgegen. Es gibt aber Gegenden in diesem Lande, wo dunkle, brennetrde Augen dem: Wanderer auf feinem Wege begegnen, Augen, dir sich für immer im Gedächtnis einprägen. Dunkle, schwarzbraune Augen, in denen ein tiefes Feuer loht, Angen, die feine Bewegung zu machen scheinen, wenn sie schauen. Dort, wo ntan sich der Südseite Volt Colorado, der Grenze von Neumexiko nähert, dort, -wo die Gegend trocken, brerrurrrd, staubig und sonnig ist, wo Bäume in der Hitze schmachten, Flüsse allstrocknen und ungefährdet die Ternriten ihre Hügel aufwerfen und ihre Paläste bauen —, dort blicken jene Augen ans atCeu Winkeln den Wanderer an. Die Gegend hat noch heute wohl dasselbe Aussehen wie zu Columblls' Zeiten. Dir niedrigen Lehmhänschen, die man dort findet, haben, wie ich glaube, gar keine Berührung mit den: fyeittigeit Amerika. Aber die, welche aus diesen Häusern frlicfeu oder aus den Fenstern, welche einfache Löcher in den Lchmwänden sind, das sind lebende Menschen; Kinder des Landes; hier im heißen Saud haben; sich Indianer an die sonndurchglühten Felsen geschmiegt; oder Sprossen indianischen und hispanischen Blutes miteinander vermischt. Etwa siebzig verschiedene Stämme siedeltet: hier, mit . etwa siebzig verschiedenen Sprachen. Aber für beit, der nicht i bemüht ist, ihre Sprachen zu verstehet: und sich llicht mit her Erforschung ihrer Geschichte abgibt, für den genügen! ihre Augen! in ihnen kau-n er alles lesen, was von diesem Lande die Kinder der weißen Rasse einander nicht erzählt ■' haben. Diese Angen erzählen Dinge, die tiefe Trauer im . Herzen Wecken, tiefe Sehnsucht nach den Zeiten dis per-! gangen sind und niemals WiederkehM IrrMsir. 1 •- - Die neuen und alten Historiker Amerikas fragen: Warum haben sich die -Indianer der weißen Mffe nicht widersetzen können? Und ihre Antwort lauter: Weil sie untereinander Krieg ftihrtw und weil sie der Zivilisation keinen Widerstand leisten konnten. Ja, das ist sehr klar! Was hat denn wirklich die Geschichte mit Augen zu tun, mit brennenden Augen, mit Bewegungen, biegsam, sanft und sicher, wie die eines Panthers; und was Hab die Zivilisation mit Liedern ahne Worte zu tun, mit Tänzem mit Schreien der Ekstase, mit Gesang, der jedem neugeborMen Tag gilt,-und' mit Furcht vor dem Dunkel der Nacht? Nichts! Wenn du im Osten dieses Landes lebst und an der Kultur von Stahl und Stein teil hast, teil hast an der Fünscents- oder Wierteldollarzivilisation, dann vergißt du ganz Amerikas Jugend. Wenn die Menschen der weißen Raffe sich ein wenig in ihre Vergangenheit vertiefen und sich an etivas daraus erinnern wollen, dann erzählen sie Dinge, die Kindern ebensogut wie Erwachsenen zu Herzen sprechen sollen, Dinge, die an der Grenze von Wahrheit und L ü g e geboren! wurden, von Legende und trockener Tatsache. Was kann ein Kind der weißen Rasse hier erzählen? Das; es vor zweihundert Jahren in diesen: Lande noch keine Eisenbahnen gab und auch keine Elektrizität. Man mußte die Stuben mit Oellampen beleuchten. Es gab keine Web- und Spinnmaschinen, sondern auf einen: einfachen Spinnrad wurde Wolle und Flachs gesponnen und aus einem primitiven Webstuhl wurde Zeug für die Kleidung gewoben. Und damit sind die Geschichten so ziemlich zu Ende. Dem: die Einwanderer aus der alten Welt waren schon Kinder erwachsener Völker, hatten schon Runzeln im Gesicht, trugen Beinkleider aus. Trikot und weiße Spitzenkragen um den Hals. Die weiße Rasse, jeder ihrer Angehörigen, hatte ihre Geschichte jenseits des Ozeans znrückgelassen und die Sehnsucht nach der alten Heimat hatte die Meerbrise verweht; so verblaßten die Erinnerungen und verloren ihre Farbe. Hierher kämet: erwachsene Menschen, die hier erst wieder jung werden sollten. Dabei aber geschah das, was unt altbackenem Brot geschieht, wentr man es im heißen Ofen wieder auffrischt. Deshalb eben fehlt dis Sehnsucht inden AnM dxr MW; Mnschew deshalb fehlt hiev das verborgene Feuer in den Amgen und im Blute der weißen Menschen. Versuche es doch hier die weiße Raffe, einmal die Augen zu schließen und ein wenig zu träumen, sich auf den Flügeln der Phantasie zu erheben, sich von den historischen Ereignissen, den wichtigen oder weniger wichtigen, ein wenig zu entfernen, sich in Zauberwelterr, in Kinderwelten zu verirren —, versuche es doch Per einmal die weiße Nasse, es wird ihr nicht gelinget:. Die Geschichte der weißen Rasse hier ist bare Dbü u z e. Es ist nicht die Geschichte und das Lebet: der alten Welten in West und Ost. Die Vertreter des heutigen Amerika kennen keine Kinderjahre; und das, was mit den Kinderjahren des Landes zu tuit 'hat, das spielt für die weiße Raffe hier keine Rolle. Es gibt hier lebendige und tote Zeugen von Amerikas Kinderjabren und alle lverden in gleicher Weise behandelt und bettMtet. Die Niagara-Mille, deren Rauschen ruft: Unser Land ist jung, unser Land ist schön, imfct* Land ist groß, unser Land ist frei, seht wie wir in mächt'ger Freiheit ans ungehmever Höhe niederfallen — diese freien Wasserfälle werden eingeengt, durch Bauten eingezwängt, ihr Lauf wird gehemmt; atrs ihrer Kraft gewinnt man Elektrizität für die Gegend. Die Bäume in Oregon lverden gefällt und Felswände des riesigen Felseinschnittes votr Arizona wurden, ixt man ihr Antlitz nicht auf andere Weise entstellen konnte, wenigstens tnit Bibelsprüchen bedeckt. Und die einzige Beziehung, welche die weiße Rasse hier zt: det: lebetwen Zei:- gen von Atnerikais Jugend, det: Jndianerrr l)at, ist, daß sie sich den Kopf darüber zerbricht, lvoher die Indianer eigentlich eingetvandert sind. Woher sie gekommen sind, wird geforscht, und man vergißt, daß Columbus sie schon hier vorgesunden hat, daß sie als erste 'hier ein Feuer entzündet und die Mutter Erde gewärmt -haben. Sie sind so alt wie der Mississippl, so alt wie die Berge von Colorado und die Bäume von Oregon, und sind so jung wie der Htvdson, so jung wie die Niagara-Fälle und wie der grüne Fluß. Die Kinder 'der weißen Rasse haben sie bei ihrer Anktrnst an allet: Küsten, an allen Wasserläufen Amerikas getroffen: Die Spanier trafen sie an der Südküste des Landes, die Holländer an: schonen Hudson im Osten des Latldes. Die Engländer, die Detttschen wärmten sich ai: ihren Feuert: und liebäugelten mit ihren schönen