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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-07 · Heft 1611 (7.8.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1611 (7.8.1923)
Date
1923-08-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Merk, Men stag m* e Wiener Morgenzeitnng. 7. August 1823 ' . N^.1611 Rundschau, i 1 Lollar -- 8 Mllionen Marl. BEu. 6. August. (Tel. der „Wiener Mrgenztg.") Wie daS „8 Uhr-Blatt" meldet, stieg dev Dyllar n a ch- LSrslichim freieit Verkehr immer weiter und erreichte einen KurS von 2 Millionen Papiermark. Dem Matt zufolge wird in den nächsten Tagen die Papiergeld- Produktion nicht weniger als 8 Billionen in der Woche erreichen. In der Rei8hSbruckerei sowie in mehr als 60 Prwatdruckereien Berlins wird Tag und Nacht mit Hochdruck an der Herstellung von neuen Noten gearbeitet. Nach. den nun schon in den Verkehr geworfenen Fünf-Millionen-Scheinen, werden nach dem Blatte bald auch Zchw-Mlllionen-Markscheine herausgegeben werden. Man rechnet noch in dieser Woche mit der Ausgabe von Zwanzig- und Künfzig-Millionen-Noten. Sin deutscher gnUHnder Non SSL Prozent. Berlin, 6. August. (Wolfs.) Die Indexziffer für die Lebenshaltungskosten stellt sich für den Juli auf 37.651 gegenüber 7660 im Juni. Me Steigerung beträgt somit' 392,2 vom Hundert. Arn 30. Juli hatten die Lebenshaltungskosten das 71.476fache der Vorkriegszeit erreicht. -er deutsche Reichstagspriistdent für Berhandlmcheu M Frankreich. Sftlta, t. Die der .AMemzeiger" Meldet, Hr«h ReichLiaMnäsDent Loebe Sonntag bei einer -iw« der SoguMmdkratrschen Partei veranstalteten Mastenlidindgebrrng vx Zittau über die politische Lage. Für den Wiederbeginn der Sitzuugm des Reichstages kündigte er m, daß die So-iMenroLratrsche Partei einen Versuch zür Verständigung mrtFrankreich im Verhandlungswege fordern werde. Zur Ermöglichung dieser BerständiguugSPaliLik müßte in der inneren Politik eine weitgehende Lastenbeteiligung drs Be- .!§rtzeS durchgesetzt werden, und zwar durch 1. eine Lo hnsteuer in versehen Höhe der für Arbeiter und Angestellte zu machenden Lohn- und Gehaltsbezüge; 2. Erfassung Mindestens eines Drittels aller Sachwerte zugunsten des Reiches; 3. Verdreifachung aller Besitzsteuern; 4. Erfassung eines Drittels aller Unternehmergewinne zugunsten des Reiches. Durch diese Maßnahmen sei ein Ertrag von 25 Goldmilliarden jiMich zu erhoffen. La» Reparations-roblem. Bevorstehende Znfammenkmrst Pomcare-Curzon. Loudoa» 6., August. (TÄ. der „Wr. Morgenzeitung".) In her BehanÄÜMg des RepcrratwnsproblSms tritt, um doch zu emer Lostrug zu kommen, immer mehr die Frage eines wenigstens teiüveisen Verzichtes Englands auf di-e Zahlung der Kriegsschulden seiner Alliierten in den Vordergrund. ^LimeZ" veröffentlichen einen Brief des bekannten Volks- Wirtschaftlers Kehn es, der folgende Lösung vorschlägt: Frankreich würde die Ruhr räumen, die deutschen ReparatiLnSschnkden sollen mit 50 Millionen Franken festgesetzt werdm. Me Reparationskommission muffe neu gebildet werden, indem ein amerikanischer Delegierter in die ReparationÄommiffion ausgenommen wird. England würde auf alle Kriegsschulden gegenüber den Müevden verzichten und einer Priorität der Länder mit zerstörten Gebieten auf die zukünftigen deutschen Zahlrmgerr zuftimvren. In hiesigen politischen Kreisen wird versichert, Curzon habe einen neuen Repavationsplan ausgeardeitet; so weit dessen Inhalt bekannt ist, soll'er darauf beruhen, daß England sich bereit eErt, von den deutschen Schuldverschreibungen der Kategorie C in Höhe von 82 Milliarden drei Viertel zum Ausgleich der französischen und belgischen Schulden an England anzunehmen. Der,Rest von 31 Milliarden soll zur Rückzahlung der englischen Schulden an.Amerika und zur Tiügung der serbischen, italienischen und griechischer^ sowie'der Ansprüche der kleinere» Staaten Verwendung finden. Curzon wird, wie verlautet, noch vor CM dieses Monats in Paris mit Po i n e a r >e zusammentrefsen, um diesen Vorschlag zu diskutieren. Keine englische Sonderanttoort an Sentschlmch. London, 6. August. (Havas.) „Daily Chronicle" meldet, England habe endgültig darauf verzichtet, eine Sonderantwovt an Deutschland zu vich-ten. Mae Kevna und das Schatzkanzleramt. Lmchou, 5. August. (Reuter.) In Downing Street liegt keine Bsstätigung der Meldung vor, wonach Mae Kenna abgelchnt habe, den Posten des Schatzkanzlers aM'n-hmw. SSlkttbMS nad Abröstung. Parts, 6. August. (Tel.-Komp.) Die U b r ü st u tt g < kommisfion des B>U?srbundes hat ihre B< ratungeu über den Entwncs zu einem gegenseittgen intei nationalen Schutz vertrag fortgesetzt. Der Entwurf im faßt 18 Artikel, sechs davon sind in d-n vorausgegangene Sitzungen bereits angenommen. Heu 'gelangte Artikel zur Beratung, der den Abschluß eineo ffonderen Defer sivallianzver träges zwischen h■ einzelnen Staate Vorsicht. Nach längerer Debatte wuro'. 'as Prinzip eint Defe ri siv-Allian z aj(ß?twntmfn, ivelche im Fal eines Angriffes unverzüglich in Kraft ixttc-\ soll. .Gleichzeit Na msere geehrtm AboAnenten i« DeutschlMd Md Polest Wie fortgesetzte EntwerdM der LeMchm mud polnischen Wähnmg nötigt uns, eine Erhöhung der für diese Länder-gätenvsn BegugsgeLühren Vovzunchmelt. Die bisherigen Pwise, waren so n-iedvig angesetzt, daß sie nicht einmal die Attsgaben si'rr Pd'rto und Papier gedeckt Haben. .. WonnMic ntsbed mguug-en ab 1. August: , Deutschland . . . . 156.000 Mark Polen ♦s * , . 45.000 Mark Die Erhöhung gilt rückwirkend ab 1. August. Wir ersuchen daher unsere Llbonnenien, die Diffeverrz auf die bisherigen Preise sofort nachMahken. Im Sinne uw serer Be-vlmttbarung am Kopf des Mattes sind wir bs vechttgt, bei Preisevhohiungen Nachzahlungen zu begchvev Die Ginzahkdng hat so zu erfolgen, daß wir spätestens am 16. August über.die Gelder verfügen können, da w^ sonst zu unserem Bedauern genötigt wären, die Zusstt düng der „Wiener Movgentzsttung" an Mttmge Zahle« eiuZustellen. Polnisches .Postfpavkaffenkonto: Warschau, Nr. 190.22s (Miemr Morgenzettung"). Deutsches Konto: Berlin N W 7, Nr, 108.722 (Men? MoMnze-rtung"). Sie BerwaltMg der „Wiener Morgenzeitnng". Me«, S. Be;., Taborstraße 1/3. wer der Angreifer sei. Der Vertrag über die Defensiv- Allianz wird erst gültig, wenn er dem Bölkerbundrat unterbreitet und von diesem genehmigt worden ist. Henry Ford will nicht kandidieren. Netv-Aork, 5. August, (I. E. B.) Mr. Henry Fyrd erklärte in eurem Interview mit eitlem Mitarbeiter des „Colliers Weeklh", er habe nicht '!>ie Absicht, seine Kandidatur als Präsident der Bereinigten Sta.aten aufstellen. Dies^ sei keine Beschäftigung für ihn. Borr vielen Seiten habe man sich bestrebt, ihn dazu zu bewegen, er aber konnte nur antworten, daß er nicht wisse, was er im Jahre 1926 machen werde. Ford leugnete auch, daß er durch einen Emissär versucht habe, mit den Juden Frieden zu sHließen, die dafür ihre Opposition gegen feine Präsidentenschaftskanditaur aufaeben sollten. Er habe nie gegen die Juden Krieg geführt, saMFord. Er bestehe nur daraus, die von den Juden in der gegenwärtigen Zeit gespielte Rolle darzulegen. Die Juden eignen sich alles an. Juden und internationale Financiers seien synonyme Begriffe. Die Juden hairdeln so, als wären sie von Gott beauftragt worden, alles an sich zu reißen, und sie seien, bereit, sich gleich zurückzuziehen, sobald ein Geschäft nachläßt. Ire PaWins-KsÄMissto» des englische» Kabinett«. London, 6. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das englische Kabinett hat eine Palästina-Kommission eingesetzt, welche im Zusarmnenhang mit Len verschiedenen Anwürfen gegen die Regierung über die kostspielige' Verwaltung des Landes , und die angeblichen Lasten, welche die Erfüllung der Balfour-Deklaration dem englischen Staatshaushalt auferlegt, die Lage Palästinas, insbesondere die jüdische Position dortselbst einer genauen Untersuchung unterziehen soll. Vor der Kommission erschien auch der Oberkommiffär Sir Herbert Samuel. Seine Darlegungen haben die Billigung der Kommissionsmajorität gefunden und es ist daher nicht zu erwarten, daß eine Aenderung der bisherigen politischen Richtlinien Samuels Eintritt. Deutlich geht dies ans einem rechtwütenden Artikel des anttzionisttschen Organs des bekannten.Lord Beawerbrook „Sunday Expreß" hervor. Das Blatt schreibt: „Str Herbert Samuel als Advokat der Zionisten hat.Mit ungeheurer Geschicklichkeit die Kommission an der Nase herumgeführt und äuf sie einen viel stärkeren Eindruck gemacht als es die Schwäche der Sache, die er vertritt, verdiente. Er nützte dabei in vollem Maße seine großen Fähigkeiten und seine lange parlamentarische Erfahrung aus. Damit hätte er vor der Kommission durchsetzen können was er will,hätte nicht Lord Derby, der ihr ebenfalls ongehort, opponiert. Auf Lord Derbys Hilfe müssen jetzt die A r a b e r a l l e H o s s n ungen setze n." Die Regierung veröffentlicht in der „Qfficial Gazette" das PalästinaBudget für 1922-23, das am 1. April d. I. abgefchloffen wurde. Im Voranschlag waren für diese Periode Einnahmen von 2,062.192 ägyptische Pftlnd und Ausgaben von 1,819.151 ägypttsche Pfund vorgesehen. Die tatsächlichen Einnahmen betrugen 1,764.585 ägyptische Pfund, denen Ausgaben von 1,837.172 ägyptische Pfund gegenüberstehen, so daß sich im Palästina-Budget ein Defizit von 72.587 ägyptischen Pfund ergibt. Nie arabische Ielegatio« in Kondom London, 4. Augilst. (I. E. B.) Wie gemeldet, hat die arabische Deldtion an die Kabinettskommrssion ein Schreiben gerichtet, in dem sie den Wunsch aussprach, von der Kommission gehört zu werden. Der Herzog von Devonshire hat darauf in seiner Eigenschaft als Kolonialsekretär, aber nicht als Vorsitzenöer der Kabrnettskommiffion, geantwortet, daß er bereit sei, b*ie Delegation jit empfangen. — Der O'berkomnrifsär für Paläsüna Sir H e r b e r t S a m u e l ist am 31. Juli nach Italien abgeveist, wo er einen kurzen Aufenthalt nehmen wird. Gegen Mitte September wird Sir Herbert Samuel nach Palästina zurückkehren. — Vor seiner Abreise aus London hat Sir Herbert Samusl die Mitglieder der p a I ä st i n e nstsch-ara.bischen.Delegation im' Kolonialamt empfangen./ , - Nie jüdische Mlthilfrkouferenz in Marienbad. Aus M a r ienbad meldet I. C. B.: In'der Schlußsitzung der Marienbader TaWng des Zentralrates der Jüdischen Welthilfskonferenz wurden der Exekutive, insbesondere deren Vorsitzenden Leo Motzkin und deren Generalsekretär I. Esfrojkin, sür ihre vielseitige und ev> f-olgreiche Tätigkeit der Dank und die Anerkennung ausgesprochen. In die neue Exekutive sind folgende Herren gewählt worden: 8. Ni o tzk i », I. E ffro jk in, H. Slio8berg, I. Naiditsch (alle in Paris), M. A. Klee, I. Brutzkns (alle in BeMn), OhevraMner Dr. Eh« j e 8 (Wien), A. H e l V (New-Aork), Dr. Jochel m a n n Dr. Soloweitschik (beide in London). MS Vorsitzende, der Exekutive werden Herr Leo Motzkin, als dergn Gene» Msekvetär I. Effrojkin in Aussicht genommen.- Der Zentmlvat nachm eine ResÄution an, m der e, die Tätigkeit in Palast ina mit Befriedigung zur Kennt» rvis nimmt und die Exekutive beauftvagtz sie weiterzm führen. In der letzten Sitzimg Wurden zwei Vertragsenb würfe behandelt und angenommen, die den Zweck haben, die Beziehungen zwischen der Jüdischen A^Wlfskonsere^ einerseits und dem Vereinigten Komitee für jüdische Aus^ Wanderer, ferner der Gesellschaft für Mischen 'Gesundheitsschutz „Ose" andererseits auf dauerhafter Grundlage zu regelnr Laut dem Vertrage mit denr Vereinigten Komitee für jüdische AusMndevuug (EmigrationsdivÄtorium) ' Übernimmt das letztere die gesamte Arbeit auf dem Gebiete der . Mischen Emigration^ unv führt diese im engsten Kontakt mit der Welchilifskonserenz durch. Die medizinisch-sanitär« Tätigkeit soll durch die Gesellschaft. „Ose" durchgeführt werden, welche als eine der Welthilfskonferenz assoziierte Gesellschaft gelten soll. Der Zentralrat beschloß ferner, die wetteren Verhandlungen mit der Gesellschaft „O r t" der neugewähllen Exekuttve zu übertragen- und sich mit dem „Weltverband der Mischen Studenten" zwecks gemeinsamer Organisierung einer Hilfsaktion für die jüdischeakadeu»'- sche Jugend in Verbindung zu setzen. Tagesbericht. General Wränge!« gute Tage. Der antibolscheiwrkrsche. General Wrangel, dessen vor drei Jahren unternommene Offensive gegen die Sowjets, von Mord, Raub' und Plünderung begleitet, blutig zusammenbrach, macht jetzt bekanntlich wieder von sich reden, da er von der neugeschaffenen monarchistischdemoMtischen Koalition der russischen Partien aULersehen ist, einenneuen Schlag gegen die Sowjets zu führen. Wrangel und viele seiner Offiziere leben jetzt in B-elgrad. Man sollhe meinen, daß ihre Tätigkeit ausschließlich dem Wähle Rußlands gewidmet ist. Aber General Wrangel hat, wie serbische Blätter berichten, weit lohnendere Beschäftigung gefunden. Vor allem hat ihm feine militärische Tätigkeit wohl nicht viel Rnhin, dafür aber reichlich Geld eingetragen. Als die Krim evakuiert würde, blieben ehemals kaiserlich russische Staätsgelder in kolossaler Höhe unter seiner Obhut ititb ' Herr Wrangel versteht es nun, sie weniger für Nußlaud als für sich gut nutzbar zu machen. Dazu kommen noch die kolossalen „Erwerbungen" an Geld und Gut, die Wrckngel bei den Plünderungen und Rau'bzügen in Südrußland zufielen. Mit diesen ungeheuren Summen macht General Wrangel einträgliche Geschäfte. So hat er die Majorität der Mtien der Belgrader russisch-slawischen B. a n k erworben und er und etliche Offiziere sitzen im V e r w a l t u N g s r a t dieses Instituts. Ierner befaßt er sich mit B a uunternehmungen und hat jetzt einen großen Ehausfebau übernommen. Seine Getreuen, die er aushält, gehen bei all diesen Unternehmungen auch nicht leer ans. Ob sie, wie von Wrangel erzählt wird, ebenfalls große Börsentransaktionen durchfiihren, ist nicht näher bekannt. Wrangel macht übrigens auch gute Handelsgeschäfte. mit verschiedenen Warerr ' und scheint überhaupt ein tüchtiger Geschäftsmann geworden zu sein. Damit bildet er immerhin eine Ausnahme von anderen geschlagenen Feldherren, die bloß Memoiren schreiben. ____ Mdlsche Selbftbesndelnng.' Zu welchen abscheulichen Verfallserscheinungen die Pro» paganda der „nationaldeutschen" Naumann-Juden fführt, geht aus der > nachfolgenden Resolution dev Münchner „Jugend- und Studentengruppe, nätionaldeutscher Inden" hervor, die jetzt Stellung nimmt gegen den „Zentrawevein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" — für Ludendorjsf: Ihre Erklärung, ein Dokument würdelosester Anbiederungspolitik, hat folgenden Wortlmtt:' „Erklärung. r Das deutsche Volk, durch «eigene Schuld entwaffnet, von seinen Erbfeinden bis aufs äußerste gemartert, ringt um seinen Bestand. Seine Helden und bewährten Führer im Felde, deren'Vaterlandsliebe und Tatkraft die ganze Welt bewundert, werden ihm von traditions-^ und gewissenlosen Mitbürgern «entfremdet. Wie jeder treue Deutsche» verurteilen «auch wer die Beschmutzung und Verkleinerung alles - i m . M, . MM Ml

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