Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1611 (7.8.1923)
- Date
- 1923-08-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Nr. 1611 Wien, Dienstag Verbandes Poale Zion im DireUovmm des Pa last ina- Aribeiterfonds sein, in welchem ainßevdem noch Vertreter der pailästinenl>lischon allgsmein-e-n Arbeitermganifatiop und der sonftigon nait ihr verbundenen ArösiteroMmfatWNen sitzen ivcrderr. . ' Oesterreich. Die Wahlen. Wie bereits gemeldet, beginnt dieser Tage die Verzeichnung der Wahlberechtigten. Bis längstens 9. A u g L st werden in allen Häusern die Wähleranlageblätter und Hauslisten, die für die Anlage des Wählerverzeichnisses erforderlich sind, zugestellt sein. > Sollten einzelne Hauseigentümer oder deren Stellvertreter diese Trucksorten bis dahin nicht erhalten haben, so ist dies beim magistratischen Bezirksamte zu melden." Am 9. August beginnen die Beauftragten des Magistrats mit der U e b e r p r ü f u n g der ausge füllten Anlageblätter und Hauslisten. Das magistratische Bezirksamt gibt vierundzwanzig Stunden vor dem Erscheinendes Beauftragten im Hause dies der Hausinhab ung bekannt. Es liegt im Interesse der Wahlberechtigten, daß bei der Ueberprüfung dieser ausgefüllten Drucksorten in jeder Wohnung wenigstens e^ine Person antvesend ist, die die notwendigen Auskünfte erteilen kann und die Dokumente der.Wahlberech tigten, wie Geburtsschein, Heimatschei», Optionsdekret, Meldezettel des Untermieters vorweift. Es. können diese Dokumente dem Beauftragten aber auch auf andere Weise' zugänglich gemacht werden. Es steht auch jedem Wahlberechtigten frei, sein WähleranlageLlatt an das magistratische Bezirksamt seines Wohnortes zu senden, er muß aber davon den Hauseigentümer oder dessen Stellvertreter verständiger!. ei« Lefterreicher von einet ungarischen Srenrpatrouille erschaffen. Die Korrespondenz Herzog meldet aus GL ssing: A« §6. Juli, viertel 9 Uhr abends, wurde . der siebzehnjährige Bauernsohn Eduard Koppel, der sich im Besitz eines ordnungsgemäß ausgestellten GrenLüb ertr i tts sch eines befand, auf ungarischem Boden, ohne vorherigen Anruf von einer ungarischen Grenzpatrouille angeschossen. Köppel ist dem erhaltenen Bauchschüsse erlegen. Die Erhebungen sind im Zuge. VaWe Resistenz im Znnrbrnrker Eisenbahn VireMonrbezirkt Aus Innsbruck, 6. d., wird berichtet: Vor kurzem wurde von der hiesigen Bundesbahndirektion entsprechend den neuen Verordnungen für die Bundesbahyangestellten eine neue Dienstordnung herausgegeben, die vor ollem die Arbeitszeit und den Bereitschafksdienst in strengerer Weise als bisher regelt. Die Angestellten des Salzburger Bahnamtes erhoben gegen diese Diensteinteilung Einwendungen, zumal die Wiener weit mildere Bestimmungen enthält. Da die bisherigen Verhandlungen resultatslos blieben, stellten die Salzburger Bundeseisenbähner eine heute Montag ablaufende Frist und drohen bei Nichterfüllung ihrer Forderung mit dem Einsetzen der passiven Resistenz. KhriftlWoziale »SoziaywM*. Der Kampf gegen die Hausierer. JLach § 5 des Bundesgesetzes vom 30. März 1923. kann jede Gemeinde an die Landesregierung das Ansuchen stellen, di ihrem Gemeindebereiche für alle Waren und-auf unbestinrmte Zeit ein Hausierverbot zu erlassen. Die gewerblichen Organisationen betreiben nun in allen niederösterreichischen Gemeinden die Ansuchen um solche Hausierverbote. Wie wir erfahren, erteilt die niederösterrerchische Landesregierung über Weisung des Landeshauptmannes Dr. Buresch diesen Ansuchen in/ allen Fällen so fort die Genehmigung. Es wurden solche Hausierverbote bereits für fast die Hälfte aller niederösterreichischen Gemeinden erlassen^ und zwar zumeist aus unbestimmte Zeit oder auf zwei, drei oder zehn Jahre und entweder für alle ^aren oder nur für bestimmte Warengattungen. Ungarn. Anfhebnng des Standrechtes. Budapest, 6. August. (Urig. Korr.-Bur.) Das anläßlich des Lokomotidfühvevstreiks verchängte Standrecht ist heute aufgehobenworderr. ■ ' Welche Rolle Welt SömbSr? Eine Enthüllung und eine schwache Antwort. Budapest, 6. August. (Tel. der „Wiener Morgenzenung^.) Das ungarische politische Leben hat wieder eme g r o ß e Sensation. „Magyar H i r l a P" veröffentlicht heute die Enthüllung,, daß der Führer der ungarischen Rassenschützer, Julius Gömb.ös, mit' Hilfe der kleinen Entente die Regierung übernehmen wollte. Bor etwa zwei' Wochen, nachdeln es offenbar wurde, daß die K o n f e r e n z v o n S i n a i a sich mit der u je g a r t s ch z n Frag e, bezw. niit dep Frage einer Ausländsanleihe beschäftigen wird, hat ein gewesener Abgeordneter, Aladar Balla, mm Aufträge Gömbös' den jugoslawischen Gesandten in Budapest. Dr. Mlan M i l o^edi x kß Wj-ejychtz. Md v V Wiener Morgenzeit ung. Möbelfabrik J. Spira Feige «- Win, YIMIeMtninie 1—3 Wohnungseituichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse ihm mitgeterlt, daß es sich nur um eine Frage von einigen Tagen handle, daß'GombösdieRegrerung inUngarn übernehme. Er erkundigte sich nach den Bringungen, unter welchen die Staaten der kleinen Entente eine Gömbös-Regierung unterstützen würden. Aladar Balla beteuerte,, daß Gömbös nicht jener gefährliche Mann sei, als.der er bezeichnet werde und teilte mit, daß Gowbös, der obersteFührer der Erwachenden, der Offiziersvereinigung Müde und anderer i r redentistischer O r g a n i s a t i v n e n, .in der Lage wäre, diese Organisationen zum endgültigen Stillschweigen zu bringen; seine Person biete ferner 'auch die volle Garantie gegen jede habsburgische Propaganda und gegen jede Restauvievimgsbestrebung. Er verschließe sich sogar einer republikanischen St a a t s f o r m nicht, nur verlang e er. die Versicherung, daß Iugoflatpien und die kleine Entente seine Regierung unterstützen, bezw. die ungarische Ausländsanleihe seiner Regierung gewähren werden. , Diese Mtteilungen wurden vom Gesandten Doktor Milojevics nach Belgrad übermittelt, wo sie große Usberraschnna bervorriefen, da Gömbös dort als Vertreter des schärfsten Irredentismus und Militarismus bekannt ist. Daher wurde auf die Anfrage üüs Belgrad eine ablehnen deAntwort erteilt und die weiteren Verhandlungen abgebrochen. Diese Enthüllungen riefen in allen Politischen Kreisen große Bestürzung hervor. Abg. Gömbös sah sich genötigt, zu diesen Mtteilungen Stellung zu nehmen und er erklärt in einem Kommunique folgendes: „Aladar Balla habe ich seit zwei Mo nate n nicht gesprochen; über die angeblichen Verhandlungerr. die vor zwei Wochen sta^qesünden hätten, müßte er. befragt werbt n. Was m'ü begrifft. habe ich schon v.^ zirka -wer Monaten erfahren, da^r ich und die Rcijstnsckmher von oewiffen ungarischen politischen Kreisen als Kriegshetzer den Staaten der kleinen Entente gegenüber bezeichnet wurden. Da. wir aber Realpolitiker (?) sind, habe ich die nötigen Schritte getroffen, um diese Verleumdung zu widerlegen. Durch die heutigen Veröffentlichungen im „Magyar Hivlap" glaubte man, Zwiespalt zwischen mir und den ..ungarischen Royalisten stiften zu können. Dies ist aber nicht gelungen. Jeder weiß, daß ich ein R o y a l i st Lin und daß es mir gar nicht einsällt, Republikaner zu werden. Maßregeltrag de» M Retz". Budapest, 6. August. (U. T. K. B.) Durch eine Verordnung des Ministers des Innern wurde heute dem rechtsradikalen Blatt „A Ne p" das Kolportagerecht für sechs Tage wegen eines vom Abgeordneten Lendvai an seine Szegleder Wähler gerichteten offenen Briefes entzogen. Nach der Motivierung der Verordnung ist dieser Brief geeignet, das Ansehen der Nationalversammlung zu untergraben. Pole«. Vor Berstndernngen im Kabinett Witor. Warschau, 6. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung") Obwohl die Gerüchte von einem Wechseü im Ministerium des Asnßern durch die der Regierung nahestehenden Mütter heftig bestritten werden, erhallten sie sich weiter, um so mehrmals man in der polnischen Oeffentlichkeit die Mßenpolitischen Richtlinien des jetzigen'Außenministers Seyda ebeirsaweng billigt wie kn parlamentarischen Kreisen, Jetzt sickert durch, 'daß der Natioualdemokrcrt Dmowski bereit sei, neben Seyda in der Außenpolitik leitend mitzuarbeiten, es jedoch znr BÄdmgung stellt, daß eine Friedenspolitik mit Rußland wrib eme solide Politik gegenüber Deutschland geführt werde. Aber -auch in anderen Ressorts des gegenwärtigen Kabinetts kriselt Vor allem steht es fest, daß -der HandelSminister Kncharski seine Demission gibt. Sein Nachfolger, ist Noch wicht bestimmt. Dies hängt mit den Schwierigkeiten zusammen, die Wrtos hat, um neue Männer Kr sein Kabinett zu finden. So wird jetzt krampfhaft ein Fknanzm mister gesucht, da der gegenwärtige Verwalter dieses Ressorts, Mmister Linde, in.ParlamentMeisen für dieses schwierige Portefeuille durchaus nicht als der geeignete Mann angesehen wird. In der letzten Sejmsitzung wurde sein (von Ihrem Korespondenten bereits mitgsteiltes)'Finanzexpose einer überaus scharfen Kritik unterzogen und auch die Presse aller Richtungen, auch der ragierunMreundlichen Blatter, muß feststcllen, -aß dieses Expose recht. Nutleer gewesen ist. Nun ist es aber nicht leicht, Kr dieses gegenwärtig verantwortungsvollste Ressort einen geeigneten Kandidaten zu finden. Witos hat das Finanzportefeuille de>m Posener Stadtpräsidenten Ratajski, arrgetragen, der jedoch ckblelhnte. Nach den neuesten Mitteilungen aus parlamentarischen Kreisen soll,/ falls die-Fmanzministerkrise akut wird (zur Debatte über das Expose im Sejm sind für die nächste Sitzung noch eine Anzahl Redner, darunter auch als Vertreter des Jüdischen Klubs Dr. Reich und von der Jüdischen Vollspartei Mgcordnerer Prilucki vovgemerkt) und kein passender. Ersatz für Linde bis dahin gefunden ist, provisorisch das - Finanzministerium von dem gegenwärtigen ViKemiuister Markow Sti geleitet werden, 7. August 1923 ' Sefie^ 8 Ae vombenatteatlüe. Warschau, 6. August. (Tel. der „Wiener MorgenFeitung".) Me der Moment" erfährt, ist die Untersuchung über die Bombenatteitrtate in Warschau, welche seinerzeit so viel Aufsehen machten und m der Oeffentlichkeit als Versuche rechtsstehender nationalistischer Terrororganisationen gobrandmavkt wurden, nunmehr zu C»de geKhrt. Sie hat kein Resultat ergeben und offiziell wird angegeben, daß es nicht gelangen sei, die eigentlichen Verbrecher gu eruieren. Ein Prozeß wird daher nicht stattfinden. Zur gerichtlichen Verantwortung sollen bloß ein Student und em^Konditor gezogen werden, bei denen Sprengmmterial gefunden wurde. Die ankijüdischen Exzesse in Lodz. Aus Lodz berichtet mau uns: Trotz des Appells des früheren Stadtprästdenten nach den schweren antijÄdischen Msschreitungen in Lodz ist die Ruhe noch nicht gurückgMhot. Es. vergcht fast kein T^rg ohne kleinere und größere Zwischenfälle antis-mnitischen Charakters. So berichtet ,MoS Pvlski", daß m den 'Abendstunden von jugendlichen Personen, Mittelschülern in Kappen, mehrfach Spaziergänger überfallen werden. Ms kürzlich e'm Polizist einen Täter festuahln. wurde er natür-kich augogrifsen und Indessen ent sich der Festgenommene. Die Beunruhigung der jüdischen Bevölkerung ist groß. Palästina. WiedereiutrM arabischer Mitglieder in den Advisorh öonnril. Jerusalem, 3. August. (I. C. B.) Der vom,geschäftsführenden Oberkommissär für Palästina, Sir Gilbert Clayton, vor 14 Tagen abgegebenen Erklärung zufolge haben sechsarabische Mitglieder des Advisorh Councils ihre'Demission zurückgezogen und sich bereit erklärt, im Council mitzuarbeiten.. Sir Gilbert.Clayton hatte erklärt, das Kolomalamt beabsichtigte nicht, die Mitarbeit im Advisorh.Coumil als Zustimmung zur. Perfasiung Palästinas Zu betrachten. Die ara-. bischen Mitglieder hatten daraufhin versprochen, ihre Antwort innerhalb zehn Tagen zukommen zu lassen, was nun geschehen ist. (Wie gemeldet, setzt sich der Advisorh Council aus acht Mohammedanern, zwei Inden und zwei Christen zusammen. Die jüdischen Mitglieder find Mr. David Zell in und Mr. Ch. Kalvarisky.) Ankanf der Rafa-Haifa-Bahn dnrch die paWinenfische Resiernng? Jerusalem, 3. August. (I. C. B.) Wie der I. C. B> Korrespondent erfährt, verhandeln d i eb r i t i s ch e n Militärbehörden mit der ä§YpLischen Regierung über den Ankauf der Militärbahn der Sinai-Halbinsel, die von Kantara am Suezkanal durch die Wüste Sinai nach R a fa an der ägyptischpalästinenfischen Grenze führt. Wr den Ankanf werden 240.000 Pfund benötigt. Ferner sollen die britischen Militärbehörden di« Fortsetzung dieser Bahnlinie von Rafa bis zum Hasen H a i fa an die Pa l ä st i na- B e r wa l tu n g ebenfalls für den Betrag von 240.090 Pfund verkaufen. Bisher wurde die Kantara-Rafa-Linie von der palästinensischen Eisenbahnvevwaltimg betrieben. Die Rafa- Haifa-Lrnie Vevläuft parallel zur Küste und passiert G a z a, Migdal, Ludd, Tulkeram, Sichern Jakob, Haifa. Bon Ludd Zweigt'eine Bahnlinie ab nach Tel- Awiüv und Jaffa nach der einen Richtung und eine zweite nach Ramlch und Jerusalem nach der zweiten Richtung. ‘ 6in Weißbuch über die vaWinenfische Grenzkrage. London, 6. August. (Ji C. B.) Das Kolonialamt 'hat ein Weißbuch veröffeMicht, da§ das zwischen Großbritannien und Frankreich geschlossene Abkommen über die syrische und palästinensische Grenze enthält. Das Abkonnnen wurde durch.eine Sonderkommission am 3. Februar 1922 in Beirut abgeschlossen! und im MälT 1923 rvtrfiziert. Auf Grund dieses Uebereinkommens Mt das ganze Sumpfkland von Hule au Palästina. Die Kirche und PalSftina. Aus Rom meldet I. C. B.: Die katholischen Zeitungeü veröffentlichen soeben die folgende, offenbar katholisch-offiziöse Notiz: Im Zusammenhang mit dem Frieden von Lausanne verfolgt man in katholischen Kreisen mit besonderer Aufmerksamkeit die Lage in Palästina. Besorgnisse ruft nicht nur das Eindringen der Juden hervor, sondern auch die englischprotestantische Propaganda, die durch große finanzielle Mittel begünstigt wird. Die Katholiken des Heiligen Landes beifinden sich somit zwischen zwei Feuern: der. jüdischen und der protestantischen Propaganda. Das heikle Problem wurde dieser Tage von den leitenden Kveisen deS Heiligen Stuhles gründlich., studiert. In Uebevsm» stimmung mit dem latein.ischen Patriarchen in Palästina und mit den Franziskanern des Heiligen Landes, beabsichtigt man nun, kein Mttel unversucht zu lassen, um die Interessen des 5katholizismuS in Gegenwart und in Zukunft zu schützen. Berhastnngen trat Waffenbeschlagnahme io NordpalWrm. Jerusalem, 5. August. (I. C. B.) Die Polizei hat auf d.er Suche, nach Waffen in Heu Dörfem Nord-Palästinas der' Scheich M o h a m r.r e d S a.i d und mchrere Araber verhrftet dv bei ihnen größere M/ngen von Waffen gs'. furcheu wurden, '