Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1609 (5.8.1923)
- Date
- 1923-08-05
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette SO Wien, Sonntag Bankhaus M. Rohatyn Wien, I. Maria Theresienstraße 10 Telephon: 16-604, 30-3-63 Telegrammadresse: Rohatyn Börse Wien Postsparkassenkonto 186,634 Girokonto hei der Oesterreichischen Nationalhank Befugter Devisenhändler Annahme von Börsenordres für alle inu. ausländischen Plätze in Aktien, Devisen und Valuten (Prag, Budapest, London, New York) Iff ektenb elehnung Warengeschäfte Gründungen Fachmännische Auskünfte Volkswirt. Gestempelte Same 0.0079 Centimes, »luzahümg ölen 0.0078'/, Centimes. k IQ O iQ In Zürich notierte 4./8. 3./8. die österreichische Krone .... . . 0.0078V, 0.0078*/, die österr. gestempelte K«me . . » 0.0079 0.0079 die tschechische Krone . . 16.85 16.40 die Mark........... . 0.001k 0.0005 Holland. . 219.50 220.10 Rew-Iork. 558.25 559.78 London ......... 25.51 25.57 Paris.. 32.27 32.38 Mailand .. . 24.17 24.22 Belgrad . . . . ... , 5.86 5.85 Bukarest. 2.77 2.77 Sofia .. 5.20 5.10 Budapest. . 0.03V. 0.037, Warschau ......... i . 0.0023 0.0025 Wettwirtschllst nnft Judentum. Die Krankheiten der NachkriögAvirtschastsepoche werden an den Gegnern des Judentums zunr Haß gegen dieses ausgeischrotet. J^e Verzerrung der normalen Wirt-- schaftserttwicklumg, wie sie durch die Narben der Kriegs- Wunden erzeugt wurde, wird regelmäßig auf Vas Lastenkonio des Judentums gebucht. Es macht keinen Unterschied, ob diese BeMrrung in ihren Extremen nach links in der Richtung des Kommunismus oder allzu sehr. nach rechts in der Richtung des stark entwickelten Kapitalismus ausgeartet ist. Weil vielleicht hier und dort auch einige jüdische Geister Mitarbeiten, wird sofort jede Ermnziation dieser Extreme in der Dheorie oder Praxis verallgemeinert und auf das SchtMonto des gesamten Judentums geschrieben. Es ist bemerkenswert, daß schon die Tätigkeit einiger weniger, welche einen geringen Prozentsatz des .Judentums bilden, auf diesen Zweigen der Entartung von feiMicher Seite als Mische Tätigkeit ausgelegt wird, während die produktive Tätigkeit des Gesamtjudentums in der Weltwirtschaft gar nicht berücksichtigt und auch nicht die Verdienste desselben in dieser Hinsicht anerkannt werden. Das jüdische Volk, dos im Lause der Jahrhunderte in der Diaspora sich sämtlichen Wirtschaftsformen der Welt, mögen sie noch so voneinander verschieden sein, anzupassen verstanden hat, das sich im Laufe der Entwicklung zmn' Träger eines der wichtigsten Zweige der Wirtschaft, des Verkehrs, sowohl aus dem Gebiete der ProduWonsverteilung und Konsumdavsorgumg Äs auch der Kapriailsverteilung hemusgedildei hat, dieses Volk war auch kraft seiner Fähigkeiten berufen, äm Rahmen des Wiederaufbaues der durch den Krieg zerstörten Wirtschaft sein Schersleiu zur Sanierung der Weltwirtschaft, zur Herstellung normaler Wirtschastsbeziichungen zu allen Völkern beantragen. Das letzte Jahrhundert war der Entwicklung des Jndustriällsmus und des Verkehrs, der Atrbahnung regerer Beziehungen in der Weltwirtschaft gewidmet. Der Krieg hat in diese Bestrebungen jäh eine Bresche geschlagen. Ter Gang der Weltwirtschaft war wohl w feiner Entwicklung dadurch unterbrochen worden, vollkommen verhindert konnte er dennoch nicht werden. So hat die Zeit nach dom Kriege, als die ersten Fühler der sich bisher bekämpfenden Machte zur Anknüpfung neuer wirtschaftlicher Beziehungen ausgestreckt wurden, Ne Intensität der wirtschaftlichen Beziehungen zuerst ideell, daun in materieller Hinsicht vergrößert und auch durch Formung neuer Gebilde die gesamte Weltwirtschaft in ein neues Stadium ihrer Entwicklung geführt. Da erwuchs dem Judentum, insofern es in der Wirtschaft tätig ist, >die Aufgabe, mitzuarbeiten und mitzuwirken. Jüdischer Geist hat sich nicht nur in der Empirie der Wirt'- ' schuft bei der Verwendung des Kapitalismus, sondern auch bei den Versuchen, die Schaden der neuzeitlichen kapitalistischen Wirtschaft auszuwerZen, intensiv betätigt. Er hat dies nicht getan, um sich, wie ihm so gerne von antisemitischer Seite vorgowovsen wird, irgendwelche domi- Wlener Morgenzesimig. Stellung zu verschaffen. Nichts kann li'-ze"- rcvwcrt-et werden als gerade dieser Umstand. U:;l, hak der Jude, ohne im geringsten irgendwelche weitreichenden Ziele des GosamtMerttiums damit zu verfolgen, nur als der Bürger der jeweiligen Wirtschaftsgemeinschaft, in welcher er lebte, mitMvbeitet, um die Wirtschaft dieses Gebietes in seiner durch die Kriegswirtschaft verelendeten Form den neuen Verhältnissen derart anzupassen, daß nicht ein Rückschritt, sondern ein Fortschritt ans der Linie der Wirtschaftsentwickluug erfolge. Und da er so mitgearbeitet hat, hat er unbewußt aber um so mühevoller an dem Ausbau der Weltwirtschaft und ihrer Neugestaltung mitgewirkt, insofern sie sich als ein Gesamtkörper aller Wirtschaftsgebiete der Welt äußert. Der Jude hat praktisch und geistig an dem Wiederaufbau mitgearbeitet. Er hat instinktiv nach dem Ausweg der Sanierung gesucht, und hat sich den momentanen Wirtschäftsverhältmssen angepaßt, um so leichter den Ausweg zu finden und ihn auch den anderen zu weisen. Er hat aber gleichzeitig nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch bei der Staatswirtschast, und soweit es seine Kräfte zuließen, bei der Sanierung solcher Staatswrrtschaften mitgearbeitet. Bei der Sanierung Oesterreichs, das vom Völkerbund als dds Exempel für die Sani-evung eineI notleidenden Staates angesehen wird, hat jüdischer Geist, Mische Tatkraft, jüdische Energie und Mische Verbindung mit dem Auslande sehr kräftig mitgchlllfen. Dies sei nur als Beispiel hier erwähnt. Doch auch als es galt, sich in die neuen Verhältnisse hineüMfmd>en, war daS Mische Element dasjenige, welches am raschesten nsit seiner wirtschaftlichen Intelligenz den Stand der Wirtschaft übeMickte und in seiner Zlnpassung an dieselbe den anderen den Weg zur Ungleichung gewiesen hat. Als erste hatte die Geldwirtschaft die Folgen des Krieges zu überwircken. Die WährungAzerrüttung Qst- und Mitteleuropas stellte die Wirtschaststheoretiker vor ein neues Problem, dem sie mit all ihren Theorien nicht gewachsen waren, weil sie ganz einfach Viesen Zusammenbruch mit Hilfe dieser -Theorie nicht voraussehen konnten. Lange bevor das Wesen des neuen Zwerggeldproblems von den nationalökonomischen Theoretikern ersaßt wurde, hat der jüdische Geist mit den neuen Verhältnissen zu rechnen begonnen und hat durch seine Tätigkeit auch den staatlichen Währungspolitckem in gewisser Hinsicht nicht nur den Weg gewiesen, sondern auch indirekt mitgewirkt an der Schaffung der neuen, vor dem Kriege nicht gekannten strafferen staatlichen Devisenpolitik, verbunden rmt der DevisenMtralifier-ung, wodurch weiteren Wähmngszusamrnenbrnchen und Schäden in den meisten Fällen ein Damm gesetzt werden konnte. Hier wurden die Erfahrungen der Praxis erörtert und für die Zwecke der Gesawtwirtschaft Äs einzelnen Staates in Anwendung gebracht. Jüdische Tatkraft hat es verstanden, die durch den Krieg unterbrochenen Fäden zwischen den einzelnen feindlichen Ländern gerade mit Hilfe des Verkehrs wieder anzuku-üpfen und die innigen Beziehungen wieder herzustellen. Die Ausgleichung des Geldproblems war die erste Frucht. Die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen und des Warenaustausches war die Folge. So hat der einfache Mische Kauftnann gerade so wie der Gvoßkapitalist zu der Wiederherstellung der Gssamtiweltwirtschaft das Seine beigetragen. Jüdische Wirtschaft hat aber auch korrektiv gewirkt, als die starren Fesseln der bureaukratischen Norm in manchen Fällen den Weg der Wirtschaft und ihre Entwick-, lung behinderten; eine Norm, die oft veraltet, mit ArterienverkaWung behaftet und sich den neuzeitlichen Wirtschafts- Verhältnissen nicht anpassen konnte. Da hat die jüdische' Wirtschaft durch die raschere Auffassung der Praxis gezeigt, daß das Festhalten an diesen Normen für die Staatswirtschüft nicht mehr von Vorteil ist und so den Weg für die Neuregelung gewiesen. Es ist nicht richtig, wenn behauptet wird, daß dies alles nur auf dem Wege der rein kapitalistischen Wirtschaft geschehen ist. Auch dort, wo dogmatische Erörterungen fern von jeder Praxis sich in Phantome verirrten, die dem tatsächlichen Äande der Wirtschaft widersprechen, 'hat Mischer Wirtschastsgeist sehr oft dazu beigetragen, daß die starren Fesseln unfruchtbarer Ideologie gesprengt und der Weg der freien Wirtschaft wieder eingeschlagen wurde. Es ist verfehlt, wenn dem Judentum und der Mischen Wirtschaft nur reines Beharren in der rein extrem kapitalistischen Wirtschaft vorgeworsen wird, wenn ihm von antisemitischen Blättern ein gewisser imperialistischer Kapitalismus nachgesagt wird. Die jüdische Wirtschaft hat sich nie in ihrer Gesamtheit solchen Ideen hmgegeben. Sie hat in der Wirtschaft gewirkt, hat die Reibungen innerhalb derselben zu überwinden gesucht, unN hat die rauhen Wege zu glätten verstanden, um den Weg der Entwicklung der Wirtschaft in jeder Hinsicht zu erleichtern. Das Extrem der Wirtschaft zu erreichen, das oft mit der Ideologie verwandt war, hat die jüdische Gesamtwirtschaft nie erreichen wollen. Dies liegt weder in ihrer- Entwicklung noch in ihrer Tendenz, noch auch in ihrer Eigenart. BANKHAUS H/IX RUDOLF flEISELS '^SBSSSBSESSSSfSSSSSSSSSSSS8SSSSSSBffSSSSSSSSSSuSSSBSfr WIEN; L> JtJhEMrLATZ 6 ' 1 TELernÖN 63-4-36 ■ * UtBMNIMMT Sfi/miCHC BANK- U. BÖRSfNTRANS- WrriONPH ZUPC C0I.A5II75.77II D'rtHr-OHRUMQ «."Ädst'iv . - ferm *' •. diktatorische Chäratter ist der jüdischen Ä i...; ais solche, ob sie nun durch die entflefottett Wirb sch.ifi!.'sllbjekte oder durch die Zusammenfassung der MÄi schastssaktoren gebildet wird, seit jeher fremd gewüfen. H ist verfehlt, von einer Gesamtttzndeng der jüdischen Wrt« schast als solcher zu sprechen. Da sie sich Überall tfett gege« benen Wirtschaftsverhältnisien anpaßt und in ihrem Simu arbeitet, ist ihr Gebilde ungcheuer mannigfaltig, sind dii Bestrebungen der einzelnen Individuen oft divergieren^ nach verschiedenen Seiten verlaufend, weil sie sich ebep immer den Zielen der betreffenden Wirtschüft unterordnen. In dem Rahmen der EnÄv-icklnng der Wirtschaft eines Staates tragen die jüdischen Wirtschaftsindividuen dal Ihrige zur Entwicklung bei. Und da sie dies tun, nützen sä indirekt der Weltwirtschaft.' Weltwirtschaft und Judentum sind lange nicht identische Begriffe. Die jüdische Wirtschaft ist nur ein Mosaikstückchen, das zum großen Gebäude der Weltwirtschaft das Seinige beiträgt. In seinem Rahmen tut es all das, was zur Entwicklung derselben gehört. Es will aber auch, daß alle arideren Telle beitragen, und deswegen gibt es sich auch hier ehrliche und rastlose Mühe. Wer diese seine Bemühungen verkennt, wer ihnen andere als rem allgemein menschliche und allgemein wirtschaftliche Motive zuschieben will, der, hat wohl keine Ahnung von der gesamten Weltwirtschaft als solcher. —g. Ae Semllnna onsliindlscher Schnswchten. Die Oesterreichische Nationalbank, Bankabteilung, teill mit: Ab 6. August d. I. wird^die Oesterreichische Nationalbank in Wien bei ihrer Mürtz- und Balutenkasse, 1. Bez., Herengasse 17, und in ihren Zweiganstalten zur Bezahlung ausländischer Bahnftachten und Dahnspesen (unter Ausschluß jeder Waren- und sonstiger Wertnachnahmen) „Frachteuzahlungsbestätigungen" (Balutastachtanweisungen) ausgeben, ohne die Beibringung weiterer Belege zu verlangen, welch«! Anweisungen jedoch nur bei den Bahnhöfkassen der Bundesbahnen, der Südbahngesellschast und der Eisenbahn Wien-- v Aspang verwendbar sein werden. Diese Frachtanweisungen werden bis zu dem für Valutaabgaben im Wechselstubenverkchr jewells festgesetzten Höchstbetrag prompt, .darüber hinaus zum nächsten Clearingkurs für „Auszahlung" der betreffenden Währung und zu den für Balutaabgaben festgesetzten Bedingungen abgegeben werden. Diese Valutaftachtanwersungen sind vier Wochen, vom Ausstellungstage an gerechnet, gültig, stempel- und gebührenfrei. Sie werden auf dem Namen einer bestimmten Bahnvsrwaltung und auf einen bestimmten Käufer lauten, so daß sie nicht Gegenstand eines Handels bilden können, doch wird gestattet sein, sie an einen Spediteur zwecks Leistung der Frachtzahlung zu übergeben. Eine Rucklösung dieser Fracht-nweisnngen ist innerhalb der vorerwähnten Frist von vier' Wochen, jedoch nur bei der Emissionsstelle, zulässig. Diese Rücklösung, kann für Beträge, welche sich innerhalb der für prompten^ Ankauif von Valuta im Wechselstubenverkchv festgesetzten Grenzen halten, prompt zum jeweils geltenden Tageskuvs, daraüber hinaus wieder nur durch Verkauf im nächsten Clearing stattfinden. Doch wird seitens der Nationalbank « keinem der beide Fäll« ein höherer Kurs vergütet toMbcn, als der seinerzeitige Ankaufskurs. Jem BalutaanforderunM, welche durch andere DevisenhäMer zwecks Bezahlung von Bahnsrachlen im Clearing angemeldet werden, werden wie bisher erledigt werden. Die Notenbank selbst wird jedoch effektiv Noten oder Schecks für Frachtzahlungon nur zutellen, wen» die Partei den Nachweis erbringt, daß es sich um eine Frachtzahlung au eine andere als eine der drei vorgenannten BahnverwaGungen handelt. Die Devisenpreise. Die Reichsmark blieb gestern in Zürich unverändert 0,0005. Hingegen erfuhr die Devise Paris eine Abschwächung von 32,35 auf 32,27, ferner gingen die ischeck)ische Krone von 16,50 aus 16,36 und die polnische Mark von 0,0025 auf 0,0023 zurück. Zahlung Wien notiert 0,007850 gegen 0,07876 am Vottage. Die Stimmung in Finanzkreise» war gestern von Bureau zu Bureau, gestützt auf die glatte Erledigu-ng der Prolongation, bei wesentlich leichterem Geldstande bis 1,25 Prozent, sehr fest. Die Umsätze hielten sich jvdoch eng begrenzt. Regeres Interesse zeigte sich für die ungarischen Werte ihn Hinblick auf die vom Budapester Markte dorgelegenen höheren Notierungen. Die gestrige Prolongation gestaltete sich sehr leicht, da Geld zu diesem Zwecke reichlich vorhanden und bis 1,26 Porzent pro Woche angeboten war. - Der ungarische Staatsnotenverkehr zeigt laut Ausivei^ des ungarischen Noteninstitutes eine Erhöhung von 35 Milliarden aus 226,2 Milliarden Kronen. Das Wechselportefcuillü weist eine Erhöhung von 19,8 auf 146,1 Milliarden Kronen ans. Dagegen haben sich die Giroguthaben um 6F Milliarden Kronen vermindert. ErMuna des Zollausgeldes in Ungarn. Die Austro« ungarische Handelskammer tM mii, daß mit einer Bevord-' nung des ungarischem FinauMinistermms das Zollausgelld il.eueMch, mrd zwar durchschnittlich um HO Prozent echöht wurde und demnach jetzt für die in der Liste A, B und C ISO Prozent, beMhun-gsweise 1300 Prozent und 1700 Pr^nt, schließlich für alle außechallb dies>er Liste stchendM Warm J800 Prozent beträgt. Das bei der Verzollung als MÄer>-- gübühr M Ginn« des Zollgesetzes in Gdld zu entrichtende Wagge'ld ist mit einem 360.000priMnMen Aufgeld zu ent^ richten. Der rote Kaufmann. Aus Berlin wird uns gemeldet) Unbeschadet des neuen Kurses der russischen Wirtschaftspolitik und' der ft'i^ssung des Privatkapikass zuni Handel und Gc-- werbr. wu.ve van den SvwstiS dt- Parole «mLtzegcb-ru. daß